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Haushaltungen Gottes (Dispensationalismus)


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25 Antworten in diesem Thema

#1
ameise

ameise

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liebe Leute :)

Wie kann man Charismatikern verständlich machen, dass es diese Geistesgaben Erkenntnis und Weissagung heute nicht mehr gibt, dass diese Gaben zur Zeit der Apostel nötig waren, um die Bibel zu vervollständigen, dass sie aber - wie auch 1. Kor. 13, 8ff aussagt - aufgehört haben, als die Bibel vollständig war.

Denn wer würde etwas zur Bibel hinzufügen? Niemand, denn sie ist vollständig.

Gottes Wort bleibt bestehen in Ewigkeit. und "... siebenfach geläutert ist das Wort Gottes ..."

Damals war natürlich die Gabe der Geistesunterscheidung nötig. Die Menschen konnten noch nicht am NT prüfen. Sie mussten prüfen, welche Lehranteile sie für die Bibel behalten wollten und welche sie verwerfen mussten. ("prüfet alles, das Gute behaltet").

Heute haben wir als Prüfmaßstab die Bibel und die Bitte um Weisheit von Gott.

liebegrüße
ameise :)
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#2
ameise

ameise

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liebe Leute! :)

ich muss mich da entschuldigen, denn ich hatte keine Ahnung, was Dispensationalismus alles bedeutet. Ich habe da einen Begriff in der Überschrift verwendet, ohne seine Bedeutung richtig zu kennen. :?

Erklärungen des Begriffes findet man im Bereich Theologie als eigenes Thema.

liebe Grüße
ameise.
:wink:
  • 0

#3
Rolf

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Liebe ameise,

dafür brauchst Du Dich doch nicht zu entschuldigen. Die Frage, ob die Geistesgaben heute noch existieren, oder ob sie mit dem Tod des letzten Apostels aufgehört hasben, ist eine häufige theologische Streitfrage. Diese ist allerdings nicht bei dem anzusiedeln, waqs man unter "Dispensationalismus" versteht. Dass dir da jemand eine falsche Auskunft gab, dafür kannst Du nichts und das kommt häufiger vor.

Viel wichtiger ist die Frage: Wie ist das denn nun mit den Geistesgaben, denn nur um die handelt es sich in 1. Korinther 13?

Ich habe dazu verschiedene Beiträge gefunden, die mir von den mir an Erkenntnis zur Verfügung stehenden am ehesten einleuchten:



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Sind die übernatürliche Geistesgaben für heute?




Frage: „Sind die übernatürliche Geistesgaben für heute?“

Antwort: Zunächst ist es wichtig zu erkennen, dass dies keine Frage ist ob Gott heutzutage noch Wunder ausübt. Es wäre dumm und unbiblisch zu behaupten, dass Gott keine Menschen heilt, zu Menschen redet und heute übernatürliche Zeichen und Wunder ausübt. Die Frage ist ob übernatürliche Gaben des Geistes, welche hauptsächlich im 1.Korinther 12-14 beschrieben sind, in der Gemeinde noch immer aktiv sind. Die Frage ist ob der Heilige Geist diese übernatürlichen Gaben heute noch ausschüttet. Vor allem erkennen wir grundsätzlich, dass der Heilige Geist frei ist, diese Gaben nach seinem Willen auszuschütten (1.Korinther 12,7-11).

In der Apostelgeschichte und den Episteln werden die große Mehrheit an Wundern durch die Apostel und ihre nahen Assoziierten ausgeübt. 2.Korinther 12,12 gibt uns hierzu den Grund: “Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch vollbracht worden in allem Ausharren, in Zeichen und Wundern und Machttaten.” Wenn jeder Gläubige in Christus mit der Fähigkeit Zeichen, Wunder und Machttaten zu vollbringen, wären Zeichen, Wunder und Machttaten in keiner Weise ein Zeichen einen Apostel zu identifizieren. Apostelgeschichte 2,22 lehrt uns, dass Jesus “akkreditiert” war durch “Zeichen, Wunder und Machttaten”. Ähnlich waren die Apostel als wahre Boten Gottes durch die Wunder die sie ausübten “gekennzeichnet”. Apostelgeschichte 14,3 beschreibt die Gute Nachricht als “bestätigt” durch die Wunder die durch Paulus und Barnabas vollbracht wurden.

Im 1.Korinther 12-14 handelt es sich hauptsächlich um die Gaben des Geistes. Es erscheint in diesem Text, dass “gewöhnliche” Christen manchmal übernatürliche Gaben erhielten (12,8-10; 28-30). Uns wird nicht mitgeteilt wie alltäglich dies war. Von dem was wir oben gelernt haben, die Apostel waren “gekennzeichnet” durch Zeichen und Wunder, scheint es eher eine Ausnahme als die Regel gewesen zu sein, dass übernatürliche Gaben an “gewöhnliche” Christen gegeben wurden. Außerhalb des Kreises der Apostel und ihrer nahen Kameraden beschreibt das Neue Testament nirgends speziell, dass Einzelne übernatürliche Geistesgaben ausgeübt haben.

Es ist ebenso wichtig zu erkennen, dass die frühe Gemeinde nicht die komplette Bibel besaßen wie wir sie heute haben (2.Timotheus 3,16-17). Deshalb waren die Gaben der Prophetie, Wissen, Weisheit usw. notwendig für die frühen Christen zu wissen was Gott wollte, das sie tun. Die Gabe der Prophetie hat Gläubige befähigt neue Wahrheiten und Offenbarungen von Gott kundzutun. Jetzt da die Offenbarung Gottes in der Bibel vollständig ist, sind diese “offenbarenden” Gaben nicht mehr notwendig, zumindest nicht in derselben Kapazität als sie es im Neuen Testament waren.

Gott heilt jeden Tag Menschen in wundersamer Weise. Gott spricht heute auch noch mit uns, in hörbarer Stimme, in unseren Herzen oder durch Eindrücke und Gefühle. Gott vollbringt weiterhin erstaunliche Machttaten, Zeichen und Wunder – und manchmal werden diese Wunder durch einen Christen ausgeübt. Was jedoch gerade beschrieben wurde sind nicht notwendigerweise die übernatürlichen Geistesgaben. Der Hauptzweck der Geistesgaben war es zu beweisen, dass die Gute Nachricht wahr ist und die Apostel tatsächlich Gottes Boten waren. In der Bibel steht nicht, dass die übernatürlichen Geistesgaben aufgehört haben zu existieren, aber sie legt den Grundstock dafür weshalb sie nicht mehr nötig sind.
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#4
Rolf

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Streitfall Geistesgaben



Die Liebe aber vergeht niemals, seien es Weissagungen, sie werden weggetan werden, seien es Sprachen, sie werden aufhören, sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. (1. Korinther 13, 8-12)


Mit den Aufbrüchen der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung im diesem Jahrhundert ist das Thema Geistesgaben zu neuer Aktualität - und auch Umstrittenheit - gelangt. Den einen erscheinen sie als die Wiederentdeckung schlechthin, den anderen eher als Vorbote endzeitlicher Verführung.


Was sind überhaupt Geistesgaben?

Der "Gabentest" von Christian A. Schwarz liefert dafür folgende, meiner Meinung nach recht brauchbare, Definition:

"Eine geistliche Gabe ist eine besondere Fähigkeit, die der Heilige Geist jedem Christen - nach Gottes Gnade - gibt und die zum Aufbau des Leibes Christi eingesetzt werden muß."

Darin sind mehrere, wichtige Aussagen enthalten:

o jeder Christ hat irgendeine geistliche Gabe
o diese Gaben gehen jedoch auf Gottes Gnade zurück, sie sind für uns nicht verfügbar
o die Gaben sind nicht Selbstzweck, sondern sie sollen zum Bau des Leibes Christi eingesetzt werden
Davon ausgehend wäre es zum Beispiel unbiblisch, zu behaupten, daß jeder Christ unbedingt in anderen Sprachen reden muß, um ein vollwertiger Christ zu sein. Es ist möglich, daß ein Christ diese Begabung geschenkt bekommt. Aber es ist für ihn nicht unabdingbar nötig und ihm fehlt auch nichts, er ist in keiner Weise "unvollständig", wenn er diese Gabe nicht hat.

Haben die Geistesgaben mit der Zeit der ersten Christen aufgehört?

Parade-Bibelstelle für diese Auffassung ist der oben zitierte Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief. Daraus wird gefolgert, daß die Liebe bleibt, während doch die Geistesgaben, wie Prophetie (Weissagungen durch den Heiligen Geist), Reden in anderen Sprachen, durch Gott vermittelte Erkenntnis über eine Situation, aufhören werden.

Diese Argumentation erscheint aufgrund des Bibelabschnitts nicht stichhaltig. Klar wird darauf hingewiesen, wann diese Gaben aufhören werden: Nämlich dann, wenn "das Vollkommene kommt", wenn wir nicht länger stückweise erkennen, sondern wenn wir von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Das deutet recht eindeutig auf Gottes Neue Welt hin, auf die Zeit, wenn wir bei Ihm sein werden.

Einwände: Manche Ausleger wollen "das Vollkommene" gerne auf die Bibel gedeutet wissen.

Diese Auslegung geht aus meiner Sicht am Text vorbei. Auch heute, wo wir doch die Bibel besitzen, können wir keineswegs behaupten, "von Angesicht zu Angesicht" zu erkennen. Unser Wissen, unser Erkennen, auch unser Auslegen der Bibel bleibt Stückwerk. Zudem - welchen Zeitpunkt will man da für die Fertigstellung der Bibel annehmen? Als alle biblischen Schriften geschrieben waren? Als sie sämtlich als Bestandteil der Bibel anerkannt waren?


Ein "Geist von unten"?

Schnell bei der Hand mit dringenden Mahnungen sind manche Christen. Es handele sich bei der charismatischen Bewegung um "Pfingst-" oder "Schwarmgeister", die in die Gemeinde eindringen und sie unterwandern, also um finstere Mächte. Einen Buchtitel mußte ich sehen, auf dem es heißt "Gemeinde Christi - endzeitlich unterwandert?" Das Cover zeigt eine verlöschende Kerzen, über der drohend eine Hand schwebt.

Die Frage ist, welches Gottesbild steckt da eigentlich dahinter? Jesus lehrt, daß schon wir unseren Kindern keine Schlange oder einen Skorpion in die Hand drücken würden, wenn sie uns um einen Fisch oder ein Ei bitten. Wieviel mehr wird Gott seinen Kindern gute Gaben geben, wieviel mehr wird er ihnen den Heiligen Geist geben, wenn sie ihn darum bitten (Lukas 11,11-13). So ist es nicht vorstellbar, daß Gott - wenn man ihn darum bittet - einen anderen Geist schenkt als den Heiligen Geist.

Sicherlich wird man auch fragen können, was für Früchte daraus entstehen: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Führt die Erfahrung mit dem Heiligen Geist zu mehr Hingabe an Gott? Kommt ein Mehr an geistlicher Vollmacht hinzu? Arbeitet ein Mensch hingegebener am Bau des Gottesreiches mit?

Weiterhin kann man auch anhand der Bibel prüfen, ob die sich heute zeigenden Phänomene auch schon in der Bibel berichtet wurden. Die Korinther zum Beispiel redeten in ihren Gottesdiensten wild in Zungen durcheinander (1. Korinther 14). Dennoch mahnt Paulus sie nicht, daß es sich um einen "Geist von unten" handelt, sondern er mahnt sie, diese Gabe richtig einzusetzen.


Gefahren?

Ist das also alles ganz harmlos, eine Bereicherung für die Gemeinde, nichts, über das man sich Gedanken machen müßte? So einfach ist es leider nicht. Nachfolgend möchte ich einige Dinge aufzählen, die ich in charismatischen Gemeinden als mögliche Problemfelder sehe:

Verdrängung des Kreuzes

Sicherlich ist Lobpreis etwas, was in der Gemeinde früher oft zu kurz gekommen ist. Sich gemeinsam vor Gott zu stellen, ihm auszudrücken, was er einem bedeutet - eine wunderbare Sache. Nur darf es sich darauf nicht beschränken. Ich habe den Eindruck, in manchen charismatischen Gemeinden wähnt man sich schon halb im Himmel. Der Lobpreis führt nicht zur Ausrüstung, führt nicht zum Dienst, sondern zu guten Gefühlen. Man schwelgt in der Nähe Gottes. Dabei kommt kaum noch vor, daß wir nicht etwa aufgrund unseres tollen Lobpreises vor Gott annehmbar sind, sondern einzig und allein deshalb, weil Jesus für uns am Kreuz gestorben ist.

Gabenprojektion

In der obigen Gabendefinition von Christian A. Schwarz klang an, daß nicht jeder Christ jede Gabe hat, und das definiert er im Einklang mit der Bibel. Es ist eine falsche Lehre, daß jeder Christ in Zungen reden muß. In Gemeinden, wo das nicht erkannt wird, besteht einerseits die Gefahr, daß Christen Gaben hinterherlaufen und ihnen nacheifern, weil sie der irrigen Überzeugung sind, diese zu einem vollständigen Christsein haben zu müssen. Dabei ist das vergebliche Mühe. Andererseits habe ich den Verdacht, daß dort, wo eine Geistesgabe sich nicht einstellen will, menschliches Bemühen an ihre Stelle treten könnte. Ist wirklich jedes Reden in einer "anderen Sprache" die Gabe des Zungenredens? Oder könnte es auch eigene Anstrengung sein, etwas nachzumachen?

Propheten unter uns

Das Charisma der Prophetie ist biblisch und wird uns in der Apostelgeschichte überliefert. Der Prophet Agabus bekommt zweimal eine göttliche Offenbarung, einmal über eine bald stattfindende Hungersnot und ein andermal über die bevorstehende Gefangenschaft des Apostels Paulus. Man kann also nicht bestreiten, daß es diese Gabe, biblisch betrachtet, gibt. Andererseits birgt sie wie keine andere Gabe große Chancen und Gefahren. Es ist ein motivierender Gedanke, daß die Gemeinde sozusagen "einen heißen Draht" zu Gott hat, der ihr seinen Willen für bestimmte Situationen offenbart. Andererseits birgt die Gabe aber auch ein hohes Gefahrenpotential an unsachgemäßem Umgang, an Mißbrauchsmöglichkeiten, an menschlich Gemachtem. Die sorgfältige Prüfung, die uns Paulus in 1. Korinther 14 anempfiehlt, wird hier unabdingbar sein.

Merkwürdige Phänomene

Vielgenannt in letzter Zeit: Der sogenannte "Toronto-Segen". Ausgehend von der Vineyard-Gemeinde im Airport von Toronto hat sich eine Bewegung ausgebreitet, die mit eigenartigen Erscheinungen einhergeht: Da fangen Menschen im Gottesdienst an, sich vor Lachen schier auszuschütten, fallen hinterrücks um oder fallen gar durch merkwürdige, tierstimmenartige Laute um. Diese Phänomene haben für mich einen befremdlichen Beiklang. Es handelt sich nicht um Dinge, die in der Bibel beschrieben werden. Es ist auch nicht erkennbar, inwieweit - jedenfalls im letzteren Fall - das zur höheren Ehre Gottes beiträgt. Hier ist für mich ein Punkt erreicht, wo ich zur Vorsicht mahnen würde.


(c) 1998 Frank Bechhaus, alle Rechte vorbehalten. Abdruck in Gemeindebriefen und ähnlichen Publikationen mit Namensnennung des Autors gestattet.
Ansonten nur mit schriftlicher Genehmigung.


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#5
Rolf

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„Wenn aber einmal das Vollkommene da ist…“



Eine Studie über 1. Korinther 13
, 8-13



Die Stelle 1. Kor. 13, 8-13 ist eine der schwierigsten im ganzen ersten Korintherbrief. Manche Lehren in diesem Text treten besonders deutlich hervor, z. B. die Sätze „die Liebe hört niemals auf“ oder „Weissagungen, Sprachen (Zungenreden) und Erkenntnis werden aufhören“. Wenn man allerdings in die Details geht, so sind diese Lehren teilweise schwer verständlich, z. B.:

1. Was bedeuten die Erkenntnis und die Weissagung in Vers 9 im Einzelnen? Wird Erkenntnis jemals aufhören?

2. Was stellt „das Vollkommene“ (= gr. „TELEIOS“) in Vers 10 dar?

3. Was soll man unter „Stückwerk“ verstehen (V. 9-10)?

4. Was heißt es „erkennen, gleichwie ich erkannt bin“ (Vers 12)?



Diese Fragen haben schon manche Verwirrung hervorgerufen. Ich möchte mich bemühen, nicht noch mehr Verwirrung hinzuzufügen. Die nachfolgenden Betrachtungen sollen vielmehr die Wahrheit und die Botschaft des Textes aufzeigen, ohne meine Gedanken oder Traditionen dem Text aufzuzwingen. Es soll mein Bestreben sein, die göttliche Wahrheit und nicht irgendeine unbiblische Tradition zu fördern. Dieser Aufsatz soll aufzeigen, dass man nicht umständlichen und geheimnisvollen Interpretationen folgen muss, sondern dass auch hier die göttliche Maxime gilt:

SACRA SCRIPTURA SUI IPSIUS INTERPRES

(die Bibel legt sich selbst aus)




Nun wollen wir uns einmal den Text näher ansehen. Beginnen möchte ich mit einer Untersuchung der griechischen Übersetzung des Begriffes „das Vollkommene“ („TELEIOS“):

Der Begriff „Vollkommene“ (gr. „TELOS“ bzw. „TELEIOS“) hat folgende Bedeutungen:

*
Kulminationspunkt
*
Ziel, Ende, vollenden, zur Vollendung bringen, vollendet
*
das Ende erreicht habend
*
Vollkommen zum Ende oder Ziel gebracht,
*
vollendet; vollständig (d.h. nichts mehr brauchend zur Vollendung). Bsp.: Mt. 5,48; Röm. 12,2; 1Kor. 13,10; Hebr. 9,11; Jak. 1,4; 3,2; 1Jo 4,18 u. a.
*
erwachsen – ein Mensch, der vollendet ausgewachsen ist: reif, mündig und volljährig. 1Chr 25,8; 1Kor 2,6; 14,20; Eph 4,13; Phil 3,15; Kol 1,28; Hebr 5,14
*
Abschluss, Vollendung
*
Vollkommen, Vollkommenheit:

Der Ausdruck „die Vollkommenheit erreichen“ wird oft gebraucht i. S. vom menschlichen Erwachsensein, wie auch vom Ausgewachsensein von Pflanzen usw.

Das Nomen „telos“ wird abgeleitet von einer Wurzel „tel“, die herumdrehen bedeutet (z. B. das Steuer) und meint ursprünglich den Drehpunkt, das Scharnier, den Kulminationspunkt, an dem das eine Stadium endet und das andere beginnt; später das Ziel, das Ende. Von Bedeutung ist noch die Aussage über Gott als „ARCHE KAI TELOS“, Anfang und Ende aller Dinge; nur Er fasst Anfang und Ende zusammen.

In der griechischen Philosophie hat „TELOS“ vor allem die Bedeutung „Ziel“. Für die Vor-Sokratiker war das Ziel des Lebens, neben der Freude über das Schöne, die Zufriedenheit. Bei Plato und Aristoteles ist mit „telos“ ein ethisches Ziel angestrebt, letztlich die Glückseligkeit. Im ethischen Bereich kann darum Plato den Begriff des Vollkommenen dem des Guten gleichsetzen.

In der Gnosis ist das „Vollkommensein“ der terminus technicus im Mythos vom „erlösten Erlöser“. Er ist der „vollkommene Mensch“. Wer sich von ihm durch die wahre Erkenntnis retten lässt, ist der „vollkommene“ Gnostiker.

„TELOS“ kommt in der LXX meist in adverbialen Verbindungen vor. Sehr oft hat dieses Wort die Bedeutung „für immer“ (z. B. Hiob 20,7; Ps. 9,7; Hab. 1,4). Ausgehend von der Grundbedeutung „bis zum Schluss“ kann „TELOS“ „vollständig“ bedeuten (z. B. 2. Chr. 12,12) oder zeitlich verstanden „für immer“ (z. B. Hiob 23,7). Einige Male wird „EIS TELOS“ verwendet, wo sich im Masoretischen Text kein Äquivaltent findent (z. B. 1. Mo. 46,4; Hes. 15,4). Wichtig ist noch, dass „TELOS“ mehrfach in Zeitangaben als Übersetzung vorkommt; es bedeutet dann Abschluss, Ende (vgl. 2. Sam. 15,7; 2. Kön. 8,3).

„TELOS“ wird oft für das hebr. Verbum „käläh“ gebraucht in der Bedeutung: zu Ende bringen, erfüllen (Ruth 2,21; Esra 9,1). Als religiöser Terminus kommt es pass. vor: „sich (dem Dienst) weihen“ (4. Mo. 25,3.5; Ps. 105,28; vgl. Hos. 4,14). Weiterhin wird „TELOS“ für „ganz“, „vollkommen“, „unversehrt sein“ verwendet. So wird es gebraucht vom Herzen, das GOTT ganz verpflichtet ist (1. Mose 6,9; vgl. 5. Mo. 18,13). Der Gedanke der Totalität zeigt sich auch in der Rede von einer totalen Entvölkerung (Jer. 13,19) oder im „Ganzopfer“ (Richter 20,26; 21,4). Eine weitere Bedeutungen ist: „die Schönheit vollkommen machen“ (Hes. 27,11). Weisheit 6,15 spricht vom „Vollendetsein in Einsicht“. In der rabbinischen Literatur bezieht sich „TELOS“ meistens auf die „Tage der Ankunft des Messias, die dem Weltende vorgeordnet sind“.


Das Vorkommen von „TELOS“ im Neuen Testament



Corpus Paulinum

Paulus gebraucht „TELOS“ in der Bedeutung „Endergebnis, Endgeschick“. Römer 6,2ff. nennt das zweifache Geschick, das den Menschen auf Grund seines Verhaltens treffen kann: Tod (V. 21) oder Leben (V. 22; vgl. Ps. 73,17). Nach Phil. 3,19 finden die Feinde des Kreuzes CHRISTI IHR Endgeschick im ewigen Verderben (vgl. auch 2. Kor. 11,15). Dreimal kommt „TELOS“ in einer präpositionalen Verbindung vor 1.Kor. 1,8; 2. Kor. 1,13; 1. Thess. 2,16). In der Bedeutung „Ende“, d. h . „Aufhören“ findet sich „TELOS“ Röm. 10,4 (in bezug auf das Gesetz); 2. Kor.3,13 (der Glanz auf dem Antlitz des Mose war im Verschwinden begriffen). 1. Kor. 10,11 handelt von den Enden der Zeit (vgl. 1. Kor. 7,29.31; 16,21). 1. Kor. 15,24 meint „TELOS“ den Abschluss der eschatologischen Ereignisse (vgl. Mk. 13,7 Par.), den Zeitpunkt, an dem CHRISTUS Seinem Vater die Herrschaft übergibt.

„TELOS“ als „Ziel“ kommt vor in 1. Tim. 1,5. In Röm. 13,7 bedeutet „TELOS“ den „Zoll bezahlen“ (Elberfelder Übersetzung 1871).



Weitere Bedeutungen:

*
„Zum Ziel kommen“ (2. Kor. 12,9; Gal. 5,16)
*
„Zum Ende bringen“ (Röm. 2,27; 2. Tim. 4,7; Apg. 20,24)
*
„Reif, erwachsen“ (1. Kor. 2,6; 14,20; Phil. 3,15; Eph. 4,13; Kol. 1,28
*
„Das, was GOTTES Willen ganz entspricht“ (Röm. 12,2 (vgl. 1. Mo. 6,9); Kol. 4,12.
*
Die Liebe wird „das Band der Vollkommenheit“ genannt (Kol. 3,14)



Synoptiker


„TELOS“ wird in den eschatologischen Reden JESU viermal verwendet als term. techn. für das „Ende der Welt“: Matth. 24,6 (par. Mk. 13,7); 24,14; Lk. 21,9. Auch kommt es mehrfach vor in der präpositionalen Verbindung, wobei an das Ende der Welt gedacht sein kann (Mt. 10,22: 24,13; Mk. 13,13), da dieses im Kontext (Mt. 24,6.14; Mk. 13,7) genannt wird. Die Wendung „ein Ende haben“, kommt zweimal vor: Mk. 3,26 (ein Reich, in dem Zwiespältigkeit herrscht, hat ein Ende, d. h. es hört auf zu bestehen; vgl. dazu Lk. 1,33: dem Reich CHRISTI ist kein Ende gesetzt); Lk. 22,37 (die Bestimmung JESU kommt zum Ende, da die Worte der Schrift – Jes. 53,12 – an Ihm erfüllt werden).

Das Adjektiv „TELEIOI“ kommt nur bei Matth. Vor: 5,48 wird aufgerufen, vollkommen zu sein, wie der himmlische Vater vollkommen ist.



Jakobusbrief und Petrusbriefe:

„TELOS“ hat auch bei Jakobus die Grundbedeutung „ganz“. So ist man vollkommen, d . h. in keinem Punkt zurückbleibend (3,4), wenn man die Geduld durchhält. Jakobus nennt das Gesetz der Freiheit, mit der er das Gebot der Nächstenliebe meint (2,8), vollkommen (1,25), weil allein dieses den Menschen wirklich freimacht (vgl. Joh. 8,3ff; Gal. 5,13). Dass GOTTES Gaben vollkommen genannt werden können (1,17), ist selbstverständlich. Ganz, ohne fehl, ist nach Jak. der Mensch, der sich im Wort nicht verfehlt (3,2). „ETELEIOTHÄ“ meint demnach „ganz werden“: allein durch Werke wird der Glaube zur Ganzheit gebracht (2,22; vgl. V. 17.20). Sonst gebraucht Jakobus noch „TELOS“ als Ausgang (5,11; vgl. Mt. 26,58) und „TELEITE“ als erfüllen (eines Gesetzes 2,8; vgl. Lk. 2,39).

Der erste Petrusbrief verwendet „TELOS“ als Ziel (1,9), als eschatologischen Terminus (4,7; vgl. Mt. 24,6 usw.), als Endgeschick (4,17; vgl. Röm. 6,2ff.) und in der Bedeutung schließlich (3,8).



Der Hebräerbrief

Im Hebräerbrief kommt unsere Wortgruppe relativ am häufigsten vor. „TELOS“ hat hier fast immer kultischen Klang im Sinne von weihen, heiligen, so dass man – wie der alttesamentliche Priester – vor GOTT treten kann. Der Hebräerbrief gebraucht das Verbum, um dadurch den Unterschied zu verdeutlichen zwischen CHRISTUS, Dem durch Leiden vollendeten (2,10) und ewig vollkommenen (7,28) Hohenpriester, Der so für die Seinen urheber ewigen heils sein konnte (5,9), und dem Priester des alten Bundes, der mit Schwachheit behaftet war (7,28), und dessen Opfer ihn nicht nach dem Gewissen vollenden konnten (9,9; s. auch 10,1). Nur CHRISTUS konnte durch ein einziges Opfer die Seinen vollenden (10,14). Keineswegs hat das Gesetz (7,19), d. h. das levitische Priestertum, diese Heiligung (7,11) gebracht. Darum nennt der Hebräerbrief auch das himmlische Heiligtum CHRISTI im Vergleich zum irdischen das „vollkommenere“ (9,11).

Zweimal wird „TELEIO“ nicht kultisch gebraucht: 11,40 besagt: die Glaubenszeugen des alten Bundes (V. 39) hatten die Vollendung noch nicht erreicht, denn diese ist erst durch CHRISTUS gegeben (vgl. 10,14); jetzt aber sind auch sie der Vollendung teilhaft geworden (12,23). „TELEION“ in der Bedeutung Erwachsener kommt in 5,14 vor; mit „TELEIO“ (6,1) ist demgemäß derjenige Teil der biblischen Lehre gemeint, der für die Erwachsenen bestimmt ist (Ggs. ARCHÄ, Anfang: 5,12; 6,1). „TELEIO“ steht in 12,2 neben „ARCHÄGON“. JESUS ist Anfänger und Vollender des Glaubens, d. h. Er hat nicht nur den Glauben bis zum Ende durchgehalten (vgl. 5,7f; 12,3), sondern auch den Grund des Glaubens gelegt (vgl. 1,3).

„TELOS“ kommt zweimal vor in präpositionalen Verbindungen: 3,14 (dieselbe Wendung in V. 6 entstammt wahrscheinlich V. 14) und 6,11. Ferner bedeutet „TELOS“ in 6,8 Ausgang und in 7,3 Ende.



Johanneisches Schrifttum

In Joh. 4,34; 5,36; 17,4 wird „TELEIO“ verwendet, wo JESUS über die Werke des Vaters spricht, die Er zu vollbringen hat. Am Kreuz kann Er sagen, dass sie vollbracht sind („TETELESTAI“ 19,30; vgl. V. 28). Im hohenpriesterlichen Gebet bittet JESUS darum, dass die Seinigen vollendet werden zur Einheit (17,23), damit die Welt die Sendung CHRISTI erkennt (vgl. V. 21). In Joh. 19,28 wird das Verbum gebraucht von Erfüllt werden der Schrift. „TELOS“ kommt in einer präpositionalen Verbindung (Joh. 13,1) vor: JESUS hat die Seinigen bis zum Ende, d. h. vollkommen, ganz, geliebt.

In 1. Joh. wird viermal das Pass. „TETELEIOMENÄ“ gebraucht in bezug auf die Liebe. Die Liebe GOTTES ist zur Ganzheit gekommen, wenn Menschen Sein Wort bewahren (2,5) und ihre Nächsten lieben (4,12). Diese Liebe erreicht darin ihr Ziel, dass sie von Furcht am Tage des Urteils befreit (4,17; vgl. 2,28). Wer Furcht hat, wird nicht vollkommen durch diese Liebe bestimmt, denn die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus (4,18).

Die Offenbarung hat sechsmal „TELEIO“ in der Bedeutung zu Ende bringen oder (Pass.) zu Ende gebracht werden. In 11,7 handelt es sich um das zu Ende bringen eines Zeugnisses; 15,1 kündigt die sieben letzten Plagen über die Welt an, in denen GOTTES Zorn zur Vollendung kommt (vgl. V. 8). Schließlich spricht Offb. 20 dreimal vom Ende des tausendjährigen Reiches (V. 3.5.7). Offb. 10,7; 17,7 handeln vom Erfülltwerden des Geheimnisses GOTTES bzw. der Worte GOTTES. Auch die Offenbarung hat „TELOS“ in einer präpositionalen Verbindung (2,26), wo dazu aufgerufen wird, die Werke CHRISTI ständig festzuhalten.



Bewertung

Vergegenwärtigt man sich die theol. Funktion der Wortgruppe im NT, so kann man zwischen einem eschatologischen und einem anthropologischen Aspekt unterscheiden, die mit der spez. Bedeutungsrichtung von „TELOS“ verbunden sind.

Im Vordergrund steht zunächst die eschatologische Funktion, dessen dynamischer, zielgerichteter Charakter durch den häufigen Gebrauch des Verbums noch unterstrichen wird. Dieser Aspekt tritt in den auf die zukünftige Vollendung gerichteten Partien der Synopt. (vgl. die sog. synopt. Apokalypse, Mk. 13 parr.), der paulinischen Briefe (z. B. Phil. 3,19) und der Offenbarung besonders deutlich zutage. Wichtig ist dabei, dass das Ende nicht einfach als mechanisches Aufhören einer Bewegung verstanden wird, sondern als vollendender Abschluss eines dynamischen Prozesses, dessen Ziel zugleich die Verwirklichung seines Sinnes und Verwirklichung seines Sinnes und seiner Intentionen bedeutet.

Im Rahmen der individuell menschlichen Entwicklung meint „TELOS“ den zur Reife gelangten, erwachsenen, mündigen Menschen (so besonders bei Paulus).



„TO TELEION“ in 1. Korinther 13,10

Wie wir gesehen haben, drücken die Begriffe „TELOS“ bzw. „TELEION“ sehr unterschiedliche Dinge aus.

Es gibt eine Auffassung, die 1. Kor. 13,8-12 als bereits erfüllt ansieht. Nach ihr wird das „Vollkommene“ (V. 10) auf die „vollkommene Offenbarung im NT“ gedeutet und das „Stückwerk“, der „Spiegel in einem dunklen Wort“ auf Prophetie, personal-direkte Erkenntnis -Inspirationen und ausgelegte Sprachenrede. Die letztgenannten Geistesgaben seien – zum Unterschied von den übrigen – der Gemeinde als Offenbarungsgaben nur für die Epoche der Entstehung des NT gegeben worden.

Unseres Erachtens lässt sich diese Auffassung nicht mit den klaren Aussagen des Kontextes vereinbaren:

*
Es gibt keine einzige Bibelstelle (wie wir oben gesehen haben), die mit „TELEIOS“ oder „TELOS“ explizit das Wort GOTTES meint. Das bedeutet, dass die Begründung mit 1. Kor. 13,8.10 exegetisch äußerst schwach ist, da sie den biblischen Kontext völlig außer Acht lässt. Auch in den Kapiteln 1. Kor. 12 und 14 gibt es keine Andeutung darüber, dass das Leben in den Gaben des GEISTES eine exeptionelle Situation (Ausnahme-Situation) nur für diese frühen Gemeinden gewesen sei.

*
Auch wenn wir heute das vollständige Wort GOTTES (Textus Receptus) in unseren Händen halten, bleibt unser Erkennen „Stückwerk“. Würde die dispensationalistische Hypothese stimmen, hätte mit der Fertigstellung des Neuen Testaments jegliches Stückwerk aufgehört.

*
In 1. Kor.13,10 steht „TO TELEION (Neutrum mit Artikel). im Gegensatz zu „TO EK MEROUS“ („das was stückweise ist“). Hier auf der Erde, in dieser gefallenen Schöpfung gibt es nur eine teilweise Vollkommenheit, während das eigentliche Ziel im Himmel ist (Hebräer 9 ,11). So wird sich das vollkommene Gesetz der Freiheit erst in Gottes neuer Welt voll entfalten (Jakobus 1,17).

*
Wenn dieser Vers sich auf die Vollendung des NT beziehen würde, hätte der Apostel den Begriff „HOLOKLEROS“ („alle Teile habend“; „ganz“; „alles“). Denn dieser Ausdruck bezeichnet das, was alles ihm Zugeteilte enthält und dem nichts mehr zur Vollständigkeit fehlt bzw. nach Verlust der Vollständigkeit diese wieder zurückge- wonnen hat (kommt im NT nur in 1. Thessalonicher 5,23 und Jakobus 1,4) vor.

*
Der in 1. Korinther 13,10 mit "Vollkommene" übersetzte Begriff „TELEION“ ist im Epheserbrief 4,13 mit "vollen Mannesreife“ (Rev. EÜ) wiedergegeben und als das Erreichen "des Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi" definiert. In diesem Zustand werden wir ganz sicher erst bei der Wiederkunft Christi sein.

*
Ein zweiter Punkt ist ganz wesentlich, nämlich der Kontext. In 1. Kor. 13,8 schreibt Paulus, dass nicht nur Weissagungen, Sprachen, sondern auch Erkenntnis (gr. „GNOSIS“) weggetan werden. „GNOSIS“ meint nicht das „Wort der Erkenntnis“ („LOGOS GNOSEOS“), sondern bezeichnet u. a. die Erkenntnis des wahren Gottes und Seines Christus (Röm. 15,14; 1. Kor. 1,5; 2. Kor. 2,14; 4,6; 6,6; 8,7; 10,5; Eph. 3,19 u.a.) und darüber hinaus Verstand, Einsicht und Vernunft (1. Petr. 3,7). Wenn man die Meinung dieser Ausleger konsequent zu Ende denkt, wäre mit Vollendung des NT die Erkenntnis Gottes, sowie Verstand, Einsicht und Vernunft beseitigt worden. Ist das wirklich die Botschaft der Heiligen Schrift?

Fazit: Wenn man diese Fakten berücksichtigt wird deutlich, dass mit dem Vollkommenen unmöglich die Vollendung des NT gemeint sein kann. Denn diese Lehre widerspricht sowohl dem Grundtext als auch dem Textzusammenhang. Es gibt für diese Hypothese keinen einzigen biblischen Anhaltspunkt. Vielmehr meint die Heilige Schrift mit dem „Vollkommenen“ das Endgültige, das Ziel des Heilsplanes Gottes, die Wiederkunft Jesu Christi und das vollendete Gottesreich. Unsere Erwartung des „Vollkommenen“ ist eine Person: Der Herr JESUS selbst.

*
Markus 16,17.18 bestätigt, dass die Gnadengaben allen Gläubigen verheißen sind, und GOTTES Zusagen sind ja und amen, zeitlos gültig: „Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.“ (Markus 16,17.18).

Eher werden Himmel und Erde vergehen, als nur ein Wort unseres HERRN auf den Boden fällt. Die Wunder und Geistesgaben haben nie aufgehört, auch wenn es Zeiten gib, in denen GOTT Sich nur wenig offenbart und durch Sein Schweigen Gericht andeutet. GOTT ist ein GOTT, der Wunder tut (Hiob 9,10), und das gilt gestern, heute und in Ewigkeit.

Zu behaupten, der Markusschluss gelte nicht mehr, ist die gleiche Bibelkritik wie sie die moderne Theologen betreiben, die behaupten, der Markusschluss sei unecht. Hier reichen sich moderne Theologen und Pietisten die Hand und wir sehen, Pilatus und Herodes werden immer Freunde (Luk. 23,12), wenn es darum geht, biblische Wahrheiten zu bekämpfen.

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Die Vertreter des Dispensationalismus haben ein zu enges Verständnis von „Weissagung“ („Prophetie“) und „Erkenntnis“; Prophetie als Aussprechen unmittelbarer, direkter Offenbarung durch den GEIST GOTTES; Erkenntnis als eine direkte, unmittelbare Enthüllung verborgener Sachverhalte. Das läßt sich nicht nachweisen. „Weissagung“ ist nach 1. Kor. 14,3.26-32, der alle möglichen Arten geistgewirkter Rede miteinschließt, z. B. die vollmächtige Predigt. „Erkenntnis“ bezieht sich in der Bibel ganz allgemein auf die Erkenntnis GOTTES (Kol. 1,9-11; 2,3; 2. Kor. 14,4.6), sowie auf Wahrheiten verschiedenster Art (Röm . 15,14; 1. Kor. 1,5; 8,10; Phil. 1,9). Direkte Inspiration in besonderen Situationen mag miteingeschlossen sein, bildet aber nur einen kleinen Teil des Begriffsinhalts.

Wenn Weissagung und Erkenntnis tatsächlich aufgehört hätten, wäre die Gemeinde heute so arm, dass sie ihren Auftrag gar nicht mehr erfüllen könnte.
*
Die komprimierte Aufzählung der Geistesgaben in V. 8 nimmt verkürzt V. 1 – 3 wieder auf. Dort sind aber neben den Charismen der Prophetie, der Sprachenrede und der Erkenntnis noch die Gaben des bergeversetzenden Glaubens (vgl. 1. Kor. 12,9a), der Hingabe der Güter (vgl. Röm . 12,8c) und der Diakonie bis zum Martyrium (vgl. Röm. 12,7) genannt. Wenn in V. 8 und 9 nur und gerade die herausragenden und anscheinend „unvergänglichen“, „ewigkeitsbezogenen“ Gaben der Prophetie, der Erkenntnis und der Sprachenrede genannt sind un in ihrem Stückwerkscharatker als vorläufig und unvollkommen gekennzeichnet werden, so sind alle Charismen (also erst recht die von vornherein als vergehend ausgewiesenen Gaben des besonderen, beispielhaften Glaubens, der Hingabe, der Diakonie usw.) mitgemeint und als begrenzt bezeichnet.

*
Die beiden Bildreden vom unvollkommen redenden Kleinkind bzw. vom undeutlich wiedergebenden (antiken) Metallspiegel im Verhältnis zum erfahrenen Reden des Erwachsenen bzw. zum ungetrübten Schauen von Angesicht zu Angesicht weisen eindeutig auf den (in Korinth von einer Gemeindegruppe offensichtlich anders beurteilten!) großen Abstand von begrenzten Charismen hier auf Erden gegenüber dem vollkommenen Erkennen in der Vollendung, nachdem wir jetzt schon CHRISTUS erkannt sind. Wir haben es nach übereinstimmendem neutestamentlichen Zeugnis mit einer eschatologischen Perspektive zu tun. So verstehen denn auch die bekannten Kommentare zum 1. Korintherbrief unseren Abschnitt als eschatologisch ausgerichtet: Angefangen von Bengels „Gnomon“ über Bachmann in Theod. Zahns Kommentarwerk und A. Schlatter in „Paulus, der Bote JESU“ bis zu Conzelmann, Wendland, De Boor, ist es einhellig die Meinung, dass mit dem „Vollkommenen, das kommen wird“ (V. 10), die noch ausstehende Vollendung gemeint ist. Dann werden Prophetie, Sprachenrede und Erkenntnisgabe zusammen mit den anderen Geistesgaben, die der erhöhte HERR Seiner irdischen Gemeinde anvertraut hat, aufhören.

*
Von den zwei Zeugen aus Offenbarung 11 heißt es: „Und ich will meinen zwei Zeugen geben, dass sie weissagen werden 1 260 Tage lang…“ (Vers 3). So wahr wie die beiden zeugen weissagen werden, so wahr kann das Weissagen noch nicht aufgehört haben.

*
„Denn das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung.“ (Offenbarung 19,10). Solange es das Zeugnis JESU auf Erden gibt, solange hört auch das Weissagen nicht auf.

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„Jedem wird aber die Offenbarung des Geistes zum [allgemeinen] Nutzen verliehen.“ (1. Kor. 12,7), d. h. für die Gemeinde. Solange es Gemeinde JESU auf Erden gibt, solange hören auch die Geistesgaben nicht auf.

*
Auch in der Geschichte der Gemeinde JESU läßt sich nachweisen, dass Menschen in der Kraft des HEILIGEN GEISTES in den Gnadengaben gewirkt haben und diese zum Beispiel bei Erweckungen auch in einem breiteren Spektrum hervortraten. Das wurde in unserem Jahrhundert besonders seit der Erweckung in Wales 1905 und den geistlichen Aufbrüchen auf dem europäischen Festland erkennbar. Die Gemeinde JESU war dabei für das Wirken des HEILIGEN GEISTES und das Leben in den Charismen nicht immer bereit.

Bleiben werden jedoch Glaube, Hoffnung, Liebe. Wie ist das zu verstehen? Mit Vers 12 endet die futurische Redeweise („dann aber“); Paulus wendet die Aufmerksamkeit seiner Leser wieder der Gegenwart zu („Nun aber“). In dieser Gegenwart „bleiben“ Glaube, Hoffnung und besonders Liebe in dem Sinn, dass sie kein Stückwerk sind wie die Gnadengaben. Sie überragen in ihrer Bedeutung für das gegenwärtige Leben der Christen die Gnadengaben bei weitem. Die Liebe wird die größte von ihnen genannt, weil sie an keine zeitliche Grenze gebunden ist. Sie „hört niemals auf“ (Vers 8).

Durch bibelgemäße Prophetie wird heute nicht neue Offenbarung vermittelt, sondern vielmehr GOTTES Offenbarung in der Heiligen Schrift aktualisiert. Mit der biblischen Sprachenrede wird in erster Linie der Lobpreis GOTTES in einer dem Beter unbekannten Fremdsprache bezeichnet. Im Dienst der Gemeinde bedarf die Sprachenrede immer der Auslegung. Mit Erkenntnis ist die Einsicht in GOTTES Offenbarung in Seinem Wort gemeint.



Epilog

Die Studie über 1. Kor. 13,8-13 belegt, dass die Ansicht, bestimmte Geistesgaben würden nur bis zum Kirchenkonzil von Hippo (hier wurde der Kanon für das Neue Testament festgelegt) gelten, eine klare Irrlehre ist. „Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ Hier schließt sich die Beweiskette, weil dem Stückwerk das Vollkommene (jetzt...dann) als Gegenteil gegenübergestellt ist, und ganz offensichtlich sieht Paulus nicht die Bibel als das Gegenteil vom Stückwerk, sondern das „Sehen von Angesicht zu Angesicht“. Und dies ist gewiss nicht hier auf Erden, sondern erst dann, „wenn wir Ihn sehen werden, wie Er ist“ (1. Joh. 3,2) und wir vom Glauben zum Schauen gekommen sind.

Wer anfängt, Weissagung, Erkenntnis und Zungenreden aus der Bibel zu streichen, anhand von 1. Kor. 13,8-11, der kann den Rotstift nicht mehr so schnell aus der Hand legen; denn die vielen Bibelstellen, die zur Anwendung der Geistesgaben auffordern, müssten dann ja alle gleich mitgestrichen werden, z. B. „doch bemüht euch auch eifrig um die Geistesgaben; am meisten aber, dass ihr weissagt!“ (1. Kor. 14,1) oder „Ich wünschte, dass ihr alle in Sprachen reden würdet, noch viel mehr aber, dass ihr weissagen würdet.“ (Vers 5) oder „Es bestehen aber Unterschiede in den Gnadengaben, doch es ist derselbe Geist;…. einem anderen verschiedene Arten von Sprachen, einem anderen die Auslegung der Sprachen.“ (1. Kor. 12,4.10) und viele weitere Stellen. Überall müsste der Rotstift angesetzt werden und gestrichen werden. Doch wer aus der Bibel streicht, der soll zusehen, dass er nicht eines Tages selbst zum Strichmännchen wird und aus dem Buch des Lebens gestrichen wird: „und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott weg nehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.“ (Offenbarung 22,19). Wir können daraus lernen, dass es nicht nur Bibelkritik von links gibt (z. B. Bultmann), sondern auch von rechts (Darbysmus, Dispensationalismus).

Zum Schluss noch ein Erlebnis eines Glaubensbruders, mit dem ich diesen Artikel beschließen möchte: „Als Theologiestudent war ich in einem Bibelkreis gläubiger Studenten des Gnadauer Verbandes. Sie hetzten gegen die Geistesgaben, ich hielt dagegen. So wurden wir dort immer unbeliebter, weil wir gewissensmäßig nicht die Freiheit und Frechheit aufbrachten, den Rotstift ans Neue Testament anzulegen und die Geistesgaben zu streichen. Schließlich forderte ich den Leiter heraus. Ich fragte ihn: ‚Glaubst du, dass das Neue Testament unfehlbares Wort GOTTES ist?’ Ja, war die Antwort. ‚Glaubst du auch, dass die Paulusbriefe unfehlbares Wort GOTTES sind?’ Ja, war die Antwort. ‚Glaubst du dann auch, dass 1. Kor. 14,1 ‚bemüht euch auch eifrig um die Geistesgaben’ unfehlbares Wort GOTTES ist?’ Jetzt zögerte er. Dann fragte ich weiter: ‚Bist du bereit, dieses unfehlbare Wort GOTTES zu befolgen?’ Er schwieg verärgert und rief schließlich laut und voller Wut: ‚Nein!’ Damit hatte ich ihn zwar überführt, dennoch war er zu stolz, sich zu korrigieren. Statt dessen wurden wir ausgeschlossen. Die Folge war: er landete in einer Sekte, den sog. Ortsgemeinden des Witness Lee. So erfüllt sich immer wieder GOTTES Wort: ‚ Darum wird ihnen GOTT eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.’ (2. Thess. 2,11).“ (Quelle: Glaubensnachrichten 04/2004).


Literatur:

Theologisches Begriffslexikon zum NT (Brockhaus-Verlag)

Glaubensnachrichten 03/2001 und 04/2004

Peters, Benedikt: Der Gebrauch von teleios und verwandten Wörtern im Neuen Testament, Arbon (Schweiz) o. Jg.
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#6
ameise

ameise

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Ich hab mir diese Artikel über "telos" und "teleios" usw. durchgelesen. Ich frag mich aber inzwischen, wo du denn alle diese Artikel her kopiert hast. Eine Quelle, von der du kopiert hast, habe ich mir mal angesehen, und war nicht sonderlich begeistert ... :? Deine Quelle hat leider die griechischen Worte schrecklich durcheinander gebracht und falsch ausgelegt!!!

Erst schien es, als ob die Argumentation gestützt würde von einem Autor, den ich wirklich schätze. Aber der stand einfach nur als Quellenangabe unter dem Artikel.

Nun hab ich mich doch gefragt, was bibeltreue bewährte Autoren zu dem Thema sagen. Deshalb hab ich mir ein Buch von Benedikt Peters angesehen.

Benedikt Peters: " Der Heiliger Geist" (vom Bethanien-Verlag für 7,50 EUR).

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Das kann ich wirklich empfehlen. Dort wird auch auf das verwendete Wort "teleios" gründlich und umsichtig eingegangen. Er kommt - für mich sehr klar und eindeutig - zu dem Schluss, dass das Vollkommene die vollständige Offenbarung des Wortes Gottes zur Zeit der Apostel ist, womit auch diese Geistesgaben, wie sie in 1. Kor. 13, 8-13 genannt sind, aufgehört hatten, als der Kanon der Bibel, und somit die vollständige Offenbarung des Wortes Gottes vorlag.

Ich habe auch meine Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel herangezogen. Dabei bemerkte ich, dass "teleios" im Griechischen auf zweierlei Weisen geschrieben werden kann. Es kann zum einen mit einem Omikron als o geschrieben werden, womit es die Bedeutung von Erwachsener oder (in der Reife) Vollendeter hat. In dieser Weise liegt es in 1. Kor. 13, 8-13 vor. Zum andern kann es mit einem Omega als o geschrieben werden, womit es mehr eine finale Bedeutung bekommt, und wird an anderer Stelle mit der Bedeutung Ende des Zeitalters gebraucht, jedoch nicht in 1. Kor. 13, 8-13.

Zudem lässt deine Quelle, Rolf, den Vers 13 vollständig außer Acht. "Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, die größte aber ist die Liebe."
Wäre das Vollkommene wirklich die von uns mit lebendiger Hoffnung erwartete Zukunft mit Jesus Christus, so müsste da stehen: "Nun aber bleibt die Liebe". Denn wenn wir bei Christus sein werden, werden wir Glauben und Hoffnung nicht mehr brauchen. Glauben und Hoffnung brauchen wir jetzt, wo wir noch nicht bei Christus sind.

Das bedeutet wiederum, dass die Geistesgaben jetzt bereits aufgehört haben. Denn das Vollkommene ist die vollendete Offenbarung des Wortes Gottes, die schon vorliegt, und nicht die Vollendung der Zeit bei Christus, die noch kommen wird.

Ich bleibe also dabei. Diese Geistesgaben gibt es heute nicht mehr. Denn wir haben bereits Gottes Willen vollständig vorliegen.

Das bedeutet, dass Charismatiker mit ihren Künsten sich nicht im Bereich des Heiligen Geistes betätigen, sondern sich als Schamanen und Hellseher in okkulten Bereichen betätigen. Aber immer so, dass es sich gut anfühlt. Und immer "nach dem Herzen". Der Teufel ist ja nicht blöd.
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#7
Rolf

Rolf

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Liebe ameise,

nun komme ich endlich mal dazu, mich mit Deiner Kritik auseinanderzusetzen. Zunächst noch einmal eine Wortstudie von Benedikt Peters über "teleios." Ich hätte das natürlich mit einigem Zeitaufwand auch selbst erarbeiten können, da ich aber lese, dass Peters Deine allgemeinde Zustimmung findet, hier seine Ausführungen, die ich uch für richtig halte. Allerdings ist die vokabel "telos" auch im hebräischen beheimatet, und es ist so, wie öfter in der Bibel, dass gleichklingende Begriffe in der Bibel verschieden, manchmal sogar gegensätzliche Bedeutungen haben.

Es ist so, dass nicht alles, was ich hier veröffentliche, meine ungeteilte Zustimmung findet. Vielmehr stelle ich vieles hier ein, um die Diskussion zu provozieren, weil ich hier nicht als Einzelkämpfer fungieren will. Natürlich habe ich mir die Ausarbeitung über telos und teleios nochmal angeschaut, und entgegen Deiner Kritik finde ich die Erklärungen nicht so Durcheinander. Ich weiß nicht inwieweit du über den Sprachschlüssel und die interlineare Übersetzung mit hebräisch und griechisch vertraut bist, möchte Dich da auch garnicht irgendwie herabsetzen, aber für so komplexe Fragestellungen sind diese Hilfsmittel nicht erschöpfend. Vielleicht habe ich da eine etwas andere Sicht wie Du.


Hier nun Benedikt Peters:


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Der Gebrauch von teleios und verwandten Wörtern im Neuen Testament


Benedikt Peters, CH-Arbon



(Die Bibelstellen wurden mit Hilfe von

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eingefügt,

und zwar nach der unrevidierten Elberfelder Übersetzung)



1. Das Vorkommen von teleios



Das Wort kommt an 17 Stellen des NT vor, nämlich in:



- Matth. 5:48

48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.



- Matth. 19:21

21 Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!



- Röm. 12:2

2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.



- 1. Kor. 2:6

6 Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, noch der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichte werden,



- 1. Kor. 13:10

9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise;
10 wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.


- 1. Kor. 14:20

20 Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene.



- Eph. 4:13

13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.



- Phil. 3:15

15 Soviele nun vollkommen sind, laßt uns darauf bedacht sein! Und wenn ihr in irgend etwas anders denkt, so wird euch Gott auch dies offenbaren.



- Kol. 1:28

28 Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen;



- Kol. 4:12

12 Es grüßt euch Epaphras, der von euch ist, ein Knecht Christi Jesu, der allezeit für euch ringt in den Gebeten, daß ihr vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes dasteht.





- Hebr. 5:14

14 die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen.



- Hebr. 9:11

11 Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch das größere und vollkommenere Zelt - das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist -



- Jak. 1:4

4 Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt.



- Jak. 1:17

17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.



- Jak. 1:25

25 Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.



- Jak. 3:2

2 denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln.



- 1. Joh. 4:18..

18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.





2. Die verschiedenen Bedeutungen



teleios kann im NT folgende Bedeutungen haben:

- sittlich vollkommen (von Personen): Matth. 5:48; 1. Kor. 2:6; Kol. 1:28 (s. unter 1.)

- perfekt, vollkommen (von Dingen): Röm. 12:2; Jak. 1:17; 1. Joh. 4:18 (s. unter 1.)

- erwachsen: 1. Kor. 14:20; Eph. 4:13; Hebr. 5:14 (s. unter 1.)

- vollständig: Jak. 1:4 (siehe unter 1.)

- endgültig (im Gegensatz zu vorläufig): Hebr. 9:11 (s. unter 1.)



3. Die Syntax



teleios wird syntaktisch auf drei verschiedene Arten gebraucht:

- als attributives Adjektiv: Röm. 12:2; Hebr. 9:11; Jak. 1:4,17; 3:2; 1. Joh. 4:18 (s. unter 1.)

- als prädikatives Adjektiv: Matth. 5:48; 19:21 (s. unter 1.)

- als substantives Adjektiv: 1. Kor. 2:6; 13:10; 14:20; Hebr. 5:14 (s. unter 1.)



teleios wird nie als absolut dastehendes Abstraktum - wie Vollendung, Vollkommenheit etc. - gebraucht, sondern es hat immer ein genanntes oder ausgelassenes Bezugswort. Sollte daher to teleion in 1. Kor. 13:10 wirklich „die Vollendung“ bedeuten, wäre es ein Sonderfall. Das wäre theoretisch zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber bereits jetzt als unwahrscheinlich erkennbar.





Zwei weitere Fragen sollen uns weiterbringen: Wie wird nun teleios in der übrigen griechischen Literatur gebraucht? Und wie sehen Abstrakta - wie Vollendung, Vollkommenheit u. a. - im Griechischen normalerweise aus?



4. Der Gebrauch von teleios in vorklassischer und in klassischer Literatur




Dieser deckt sich sowohl in der Wortbedeutung als auch in der Verwendung innerhalb des Satzbaus (in der Syntax) weitgehend mit dem NT. Es wird teleios ebenfalls nie als Abstraktum gebraucht. Dafür stehen andere Wörter zur Verfügung wie telos (das Ende), teleuté (Ende, oft auch für das Lebensende, den Tod), teleiotes (Vollständigkeit). Wie im NT kann teleios auch im außerbiblischen Griechisch beides sein: attributives oder prädikatives Adjektiv, oder substantiviertes Adjektiv mit einem nicht genannten, weil selbstverständlichen Bezugswort.

Der Inhalt von teleios ist:

- vollendet, vollkommen

- volljährig, erwachsen

- tadellos (von Opfertieren)

- untrüglich (von einem Vogel, dessen Flug man deutet)

- vollzählig, voll



5. Zur Wortbildung von Abstrakta



Im Griechischen werden Abstrakta häufig durch die weibliche Endung -ia gebildet. kakos, „schlecht“, wird zu kakia, „Schlechtigkeit“; adikos, „ungerecht“, wird zu adikia, „Ungerechtigkeit“.



teleios würde dann zu teleia, das im NT so nicht vorkommt; es findet sich aber das um die Vorsilbe syn verstärkte Abstraktum „Vollendung“, und das wird eben verwendet, wenn es um die Vollendung des Zeitalters geht:

- Matth. 13:39, 40

39 der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind Engel.
40 Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein.



- Matth. 24:3

3 Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?



- Matth. 28:20

20 und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.



Hätte nun Paulus in 1. Kor. 13 von der Vollendung der Heilsgeschichte beim Kommen des Herrn sprechen wollen, hätte sich dieses Wort geradezu aufgedrängt.

Es wäre noch ein anderes Wort in Frage gekommen, das anderweitig für das heilsgeschichtliche Ende gebraucht wird: to telos wie in:

- Matth. 10:22

22 Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.



- Matth. 24:6

6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht; denn [dies] alles muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.



- Mark. 13:7

7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, so erschreckt nicht! Es muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.



- Luk. 21:9

9 Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hören werdet, so erschreckt nicht; denn dies muß zuvor geschehen, aber das Ende ist nicht sogleich da.



- 1. Kor. 15:24

24 dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt; wenn er alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht weggetan hat.



- 1. Petr. 4:7

7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. Seid nun besonnen und seid nüchtern zum Gebet!



Hingegen wäre to teleion, das Paulus in 1. Kor. 13:10 verwendet, für die „Vollendung“ absolut singulär. Paulus hätte sich dann äußerst mißverständlich, um nicht zu sagen irreführend ausgedrückt.



6. Was meinte Paulus mit to teleion?



Wir müssen zwei Dinge berücksichtigen: erstens den Textzusammenhang; zweitens den Gebrauch des Wortes im übrigen NT.



Im 1. Korintherbrief selbst wird teleios einmal gebraucht im Sinne von „sittlich vollkommen“:

1. Kor. 2:6

6 Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, noch der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichte werden,



das andere Mal im Sinne von „ausgewachsen = erwachsen“:

1. Kor. 14:20

20 Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene.



Im Kapitel 13 spricht Paulus von Dingen, die nur vorläufig, vorbereitend sind, die eben nur Teile des Ganzen bilden.

to teleion bildet den logischen Gegensatz zu den vorläufigen und vorbereitenden Teilen und bezeichnet das Bleibende, das Ganze, das aufs Vollmaß Gebrachte.



Es scheint mir auch offenkundig, daß Paulus auf die gängige Bedeutung des Wortes teleios = „erwachsen“ in assoziativer Weise anspielt. Wenn er nämlich vom verschiedenartigen Gebaren des Kindes und des Mannes spricht, wird man unweigerlich an diese Bedeutung des Wortes erinnert, und bekommt so den Eindruck, daß Paulus hier die Richtung weise, in der wir das semantisch recht weite teleios zu deuten haben: „ausgewachsen, komplett, vollständig“.

Auch in 1. Kor. 14:20 (s. oben),

wo teleios verwendet wird, begegnen wir dieser Gegenüberstellung von Kindern und Erwachsenen.



Es bleibt noch die Frage, welches zum Neutrum to teleion passende Bezugswort in der Wendung des Paulus ausgelassen wurde. Vom direkten Textzusammenhang her bleibt nur to gignoskein (das Erkennen) und to propheteuein (das Weissagen): das vollkommene Erkennen und Weissagen der göttlichen Ratschlüsse.



Es ließe sich mit Blick auf

Kol. 1:25-28

25 Ihr Diener bin ich geworden nach der Verwaltung Gottes, die mir im Blick auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden:
26 Es ist das Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist.
27 Ihnen wollte Gott kundtun, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
28 Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen;



auch an das Bezugswort to mysterion (das Geheimnis) denken. Dort spricht Paulus davon, daß das Wort Gottes durch ihn noch auf sein Vollmaß gebracht werden solle (1:25), und daß durch seinen Dienst jeder Mensch „teleios, vollkommen in Christus“ (1:28) dargestellt werde.



Zum Vergleich bietet sich auch

Röm. 12:2 an:

2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene,



wo Paulus davon spricht, daß wir durch Erneuerung unseres Sinnes zur Erkenntnis des vollkommenen oder vollständigen Willens Gottes, to telema to teleion gelangen sollen.

to teleion bezieht sich somit auf das vollständige Erkennen und Weissagen, sei es des Geheimnisses, sei es des Willens Gottes.



Nehmen wir nun alles bisher Erkannte in Betracht, ist der Schluß unausweichlich, daß Paulus in 1. Kor. 13 von etwas spricht, das aufs Vollmaß gebracht zum Abschluß gekommen ist und nun vollständig, komplett dasteht. Etwas frei formuliert, sagt Paulus also in 13:9,10:

„Denn wir erkennen vorläufig nur in Teilstücken, und wir weissagen nur in Teilstücken; wenn aber das vollständige Erkennen und Weissagen da sein wird, dann wird das in Teilstücken Erkennen und Weissagen abgeschafft werden.“



Das vorläufige Erkennen und Weissagen ist das durch direkte Inspiration gewirkte. Das vollkommene Erkennen und Weissagen ist das auf Gottes inzwischen vollständig abgeschlossenem Wort beruhende. Das vorläufige Erkennen und Weissagen geschah ek merous, stückweise; dem steht das Erkennen des voll geoffenbarten und niedergeschriebenen Ratschlusses Gottes, to teleion, gegenüber.



7. Wie gebraucht das NT den Ausdruck ek merous?



Das Hauptwort meros bedeutet „Teil“, die Präposition ek „aus“. Beides sind häufige Wörter, die Fügung ek merous kommt hingegen im NT nur fünfmal vor, nämlich in:

1. Kor. 12:27

27 Ihr aber seid Christi Leib, und einzeln genommen, Glieder.

und viermal in der hier untersuchten Stelle

13:9,10,12

9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise;
10 wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden[1].
11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war.
12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleich wie auch ich erkannt worden bin.



In 12:27 (s. oben) lesen wir, daß die einzelnen Gläubigen ek merous Glieder Christi sind, das heißt, „jedes Glied für sich, je einzeln“. Jedes Glied ist lediglich ein Teilstück des Ganzen, als solches aber vollkommen, keineswegs ein „Stückwerk“, also etwas nur halbwegs Vollkommenes, etwas Halbfertiges.



Genau so verwendet Paulus ek merous auch in 13:9 (s. oben). Er meint damit in sich völlig zuverlässige und an Klarheit nichts ermangelnde einzelne Teile der noch nicht komplett vorliegenden Gesamtoffenbarung, des teleion.



Wenn wir uns die restlichen Fügungen mit meros im NT ansehen, wird das noch deutlicher. Am häufigsten vertreten ist apo merous:



- Röm. 11:25

25 Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird;



- Röm. 15:15

15 Ich habe aber zum Teil euch etwas kühn geschrieben, um euch zu erinnern wegen der mir von Gott verliehenen Gnade,



- Röm. 15:24

24 falls ich nach Spanien reise - denn ich hoffe, auf der Durchreise euch zu sehen und von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich euch vorher etwas genossen habe -,



- 2. Kor. 1:14

14 wie ihr auch uns zum Teil erkannt habt, daß wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid am Tag unseres Herrn Jesus.



- 2. Kor. 2:5

5 Wenn aber jemand traurig gemacht hat, so hat er nicht mich traurig gemacht, sondern zum Teil - damit ich nicht zuviel sage - euch alle.



Es meint nun genau das, was viele (durch Luthers unglückliche Übersetzung gefördert) in 1. Kor. 13 unter „Stückwerk“ verstehen:

Röm. 11:25 (s. oben): Den Juden ist nicht vollständig, sondern nur apo merous, Blindheit widerfahren; denn nicht alle sind davon befallen.



Röm. 15:15 (s. oben): Paulus hat den Römern apo merous, „ein Stückweit“, freimütiger geschrieben, und er möchte sich apo merous, „einigermaßen“ (Röm. 15:24 (s. oben)) an ihnen sättigen.



2. Kor. 1:14 (s. oben): Die Korinther kennen Paulus apo merous, „zum Teil“, und er ist von ihnen apo merous, „ein Stückweit“, betrübt worden (2. Kor. 2:5 (s. oben)).



Hätte Paulus sagen wollen, daß wir nur „ein Stückweit“, also unvollkommen erkennen, so wie beispielsweise die Korinther Paulus nur „zum Teil“ kannten, dann hätte Paulus in 1. Kor. 13 niemals ek merous verwendet, sondern eben apo merous.



Eine andere Möglichkeit, etwas zu bezeichnen, das unvollkommen ist, finden wir in

1. Kor. 11:18

18 Denn erstens höre ich, daß, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, Spaltungen unter euch sind, und zum Teil glaube ich es.

meros ti, „(irgend) ein Stück, ein Stückweit“, glaubte Paulus an die schlechten Meldungen, die ihm aus Korinth zu Ohren gekommen sind.



Die weiteren präpositionalen Fügungen mit meros sind:



- ana meros

1. Kor. 14:27

27 Wenn nun jemand in einer Sprache redet, [so sei es] zu zweien oder höchstens zu dritt und nacheinander, und einer lege aus.



was wörtlich „Teil um Teil“, oder „Stück um Stück“, an dieser Stelle also „einer nach dem andern“ bedeutet.



- en merei

Kol. 2:16

16 So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats,



wörtl. „in Teil“, das ungefähr dem Deutschen „in Sachen...“ entspricht.



- kata meros

Hebr. 9:5

5 oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, die den Versöhnungsdeckel überschatteten, von welchen Dingen jetzt nicht im einzelnen zu reden ist.



wörtl. „dem Einzelteil nach“, d. h. „detailliert“, „im einzelnen“.

An allen übrigen Stellen im NT bedeutet meros konkret der Teil oder das Stück.



Damit ist rein sprachlich die Deutung von ek merous Erkennen als nur stückwerkhaftes Erkennen, welches die Gemeindezeit auf Erden charakterisieren soll, ausgeschlossen. Nein, Paulus will den Korinthern sagen, daß alles Erkennen und Weissagen noch in Einzelteilen (ek merous) geschehe, bis das Vollständige (to teleion), die Gesamtoffenbarung Gottes gekommen und niedergeschrieben sei. So spricht Paulus in 1. Kor. 13 nicht vom Gegensatz gegenwärtige Zeit - kommende Herrlichkeit, sondern vom Gegensatz einleitende Offenbarungsstufe - abgeschlossene Offenbarungsstufe.


[1] ) Anm. A. F.: zu beachten ist die Elberf. Übers. mit „weggetan werden“, was ein aktives Handeln (Gottes) erfordert!

  • 0

#8
Rolf

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Ich denke, dass Problem für Deine Haltung, dass die Geistesgaben aufgehört haben, ist die Tatsache, dass Du in denominationelle theologische, alte Streitfrage geraten bist. Wahrscheinlich durch Zugehörigkeit zu einer Brüdergemeinde oder so. Mir sind diese Argumente aus bestimmten evangelikalen bereichen durchaus bekannt.

Der Knackpunkt an der Sache ist, ob man 1. Kor. 13 in bezug auf die Vollendung der Schrift, also Gottes Wort, gedeutet werden kann. Wenn Du die von mir blau markierten Abschnitte in der Wortstudie von benedikt Peters bedeachtest, wird Dir auffallen, dass seine Erklärungen diese Vermutung klar verneinen. Das ist so, weil sich "das Vollkommene" tatsächlich auf die Wiederkunft Jesu bezieht. Erst dann wird letztlich das Unvollkommene hinweggetan und das Vollkommene tritt an seine Stelle.

Ich stelle Dir hierzu noch eine andere Ausarbeitung hier hinein, der sehr deutlich macht, dass die Geistesgaben grundsätzlich nichts mit der Fertigstellung des Neuen Testamentes zu tun haben. Ich denke, hier hat man sich auf evangelikaler Seite einfach in einen Denkfehler verrant, den man korrigieren muss. Das ist aber leider meistens sehr schwer, weil natürlich die verschiedenen Denominationen in ihren Lehrüberzeugungen ihre Identität haben.

Hier der Beitrag:


Vorbemerkungen:

1. Die Geistesgaben haben nichts mit der Fertigstellung des Neuen Testamentes zu tun, sondern haben den Charakter des

Erbauens, Ermahnes und Tröstens.1.Kor.14,3

2. Darum haben sie auch noch nicht aufgehört, sondern werden benötigt, bis der Leib Christi- die Gemeinde vollendet ist.

3. Wer das "Telos", also die Vollendung vorweg nimmt, ist ein Schwärmer und steht nicht auf dem Boden der Schrift.

4. Das Vollkommene in 1.Kor.13,10, wörtlich "Vollendungsgemäße" ist der vollkommene Mann in Eph.4,13, der eben durch den Dienst der Ämter, Vers 11 und des gegenseitigen Erbauens durch die Gaben, Vers 16 heranreift.

5. Wer deshalb die Gaben als nicht mehr existent betrachtet, verhindert schriftgemäße Vollendung der Gemeinde.





Die Gaben Gottes für den geistlichen Dienst



JEDER DIENST IM REICH GOTTES KANN NUR DURCH DIE GEMEINDE UND DURCH GABEN DES GEISTES GESCHEHEN.


1.Kor.12, 7: In einem jeden zeigen sich die Gaben;

1.Kor.12,18: Ein jeder nach seinem Teil;

1.Kor.14,26: Wenn ihr zusammenkommt, hat ein jeder etwas

1. Petr.4, 10: Dienet einander, ein jeder mit der Gabe die er hat.

Geistesgaben sind kein Zeichen für besondere Geistlichkeit, aber Schweigen ist Sünde und Reden aus dem Fleisch ist auch Sünde.

Siehe 1.Kor.3, 3: Trotz Gaben Streit und Paulus ermahnt den Streit zu beenden, nicht den Dienst mit den Geistesgaben. Alle Gaben müssen unter der Kontrolle der Gemeinde gebraucht werden, um ihre Ausübung für ihren Nutzen zu gewährleisten.

Im Gegenteil: 1.Kor.14,39: Eifert darnach zu prophezeien und wehret nicht in Zungen zu reden!!



Wie kommen Geistesgaben im Einzelnen zur Auswirkung?



1. Bei solchen, wo noch keine offenbar sind:

Auf Grund des Wortes dafür beten, dass Gaben zum Aufbau der Gemeinde offenbar werden, evtl. durch Handauflegung der Ältesten, 1.Tim.4,14.



2. Bei solchen, die schon mit Gaben gedient haben:

Den gegenwärtigen Mangel erkennen und darüber Buße tun, sich wieder im Glauben darauf einstellen und im Gebet um Erneuerung bitten.



3. Bei solchen, die mit Gaben dienen:

Denke daran, dass Gaben zum Aufbau gegeben sind und nicht zum Abreißen und durch Treue und Hingabe wachsen sie zur Ehre Jesu in der Gemeinde.



Das Verhältnis zwischen Geistesfrucht und Geistesgabe:

Die Gaben werden bei der Wiedergeburt sofort gegeben, damit ein Wachstum entsteht, vor allem die Gabe der Sprache zur Selbstauferbauung. Dadurch entsteht dann Frucht des Geistes. Aber auch das persönliche Gebetsleben und die Gemeinschaft mit dem Herrn und den Geschwistern ist ein wichtiger Faktor.



Ohne Gaben kein Wachstum, ohne Gebet und Gemeinschaft keine Frucht. Beides gehört zusammen und wächst im „Gewächshaus“ Gemeinde.



Geistesgabe = Gnadengabe = Charisma = Freiwilliges Geschenk Eines Höheren An Einen Niedrigeren.



1. Gnadengaben für alle Menschen:

a. ewiges Lebens: Röm.6,23;

b. Rechtfertigung aus Glauben: Röm.5, 15+16;

c. persönliche Gnadengaben: 1.Kor.7,7.

Diese drei Gnadengaben sind freie Geschenke zur Lebensrettung, Erhaltung und Förderung.



2. Gnadengaben für die Gemeinde Jesu, 1.Kor.12

a. Zuteilungen durch den Geist:

Weisheit, Erkenntnis, Glaube.

b. Zuteilungen durch den Herrn:

Weissagungen, Zungen, Auslegung.

c. Zuteilungen durch den Vater:

Heilungen, Machttaten, Geisterunterscheidung.

Diese Offenbarung des dreieinigen Gottes ist für die Gemeinde Jesus lebensnotwendig.



3. Was ist Gemeinde?

Die unsichtbare, universelle Gemeinde, die sichtbar wird in der Ortsgemeinde. Apg.2.



Die Verschiedenheit der Geistesgaben in der Vielfalt

1. Weissagung, Amt, Lehre, Ermahnung, Geber, Regierer, Barmherzige; Römer, 12, 7+8.

2. Ehe, Ehelosigkeit; 1.Kor.7,7

3. Weisheit, Erkenntnis, Glaube, Heilungen, Wundertäter, Weissagung, Geisterunterscheidung, Sprachen, Sprachenauslegung; 1.Kor.12, 4-11.



In der Ortsgemeinde gibt es folgende dauernde Dienste, die der heilige Geist „setzte":

Apostel, Propheten, Lehrer, Wundertäter, Heilungen, Helfer, Regierer, Sprachen; 1.Kor.12,28.



Wozu Geistesgaben dienen sollen und wozu nicht.



1. Wozu sie dienen:

a. damit der Name Jesus groß wird;

b. damit unser Dienst kraftvoller wird;

c. zum Nutzen und Aufbau der Gemeinde.



2. Wozu sie nicht dienen:

a. damit wir in seligen Gefühlen schwelgen und seelischem Wesen die Zügel überlassen;

b. damit wir uns selber gefallen und eitel werden;

c. sie sind kein Gradmesser geistlichen Standes;

d. keine Gabe darf höher bewertet werden als eine andere.



Wie der Dienst mit Geistesgaben geschehen soll



1. Die Gaben brauchen Ergänzung und Korrektur;

2. Sie müssen mit Demut verbunden sein;

3. Sie müssen in Zucht und Ordnung gebraucht werden;

4. Sie müssen unter reifer Leitung gebraucht werden, die fähig ist zur Prüfung.



Alles aber geschehe in Liebe, aus einem Geist und zu einem Zweck: damit wir alle heranreifen zu einem vollkommenen Mann und wachsen an ihm dem Haupt, Jesus.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Liebe Ameise,

ist denn die Gemeinde schon vollkommen? Ist die Lehre, die Erkenntnis, die Ermahnung, die Weissagung etc. schon vollkommen. Das alles ist uns doch zur Auferbauung der Gemeinde gegeben und es ist das, was die geistesgaben beinhaltet. Das kann nach den Ausführungen von Peters nur aufhören wenn es in allen Teilen vollkommen ist. Die Wortstudie weist aber darauf hin, dass genau dies nicht der Fall ist. Man müßte ja auch die Frage stellen, wenn dies so wäre, warum Jesus nicht längst wiedergekommen ist!!


Beachte auch diese Ausarbeitung:

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Beim Auslegen der Bibel, z.B. zur Vorbereitung einer Predigt, gehört die Beachtung aller dieser Punkte dazu. Es gibt da insofern schon eine Berechtigung für ausgebildete Theologen/Pastoren.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Rolf
  • 0

#9
ameise

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Hallo Rolf,

Mit deinen langen Ausführungen und trotz deines Anspruchs ein "ausgebildeter Theologe" zu sein, verdrehst du hier das Wort Gottes, verleumdest Dispensationalisten als Irrlehrer oder -gläubige, und möchtest - wie kath.Geistliche - höhere Ehren und Anerkennung und Autorität und Kompetenz haben als andere - in deinen Augen "nicht ausgebildete" - Christen, die "nur" ihre Bibel lesen.

Es tut mir leid, Rolf, was den Dispensationalismus angeht, hast du hier viele verleumdende Artikel ins Netz gestellt, hoffentlich nicht in böser Absicht, um Dispensationalisten in Verruf zu bringen?! Du stellst hier den Dispensationalismus derart verdreht dar, dass ich mich frage, was du damit eigentlich bezwecken willst?!

Willst du bibeltreue Christen verleumden - wie das die kath.Kirche, charismatische Bewegungen, Esotheriker, öffentliche von der kath.Kirche beeinflusste Medien, Freimaurer und Kommunisten tun?!

Denn weil du ein "ausgebildeter Theologe" bist, nehme ich an, dass du dich hier nicht einfach vertan oder etwas verwechselt hast.

Auch an anderen Stellen ist mir bereits aufgefallen, dass du Dinge des Glauben und Themen, die bibeltreue Christen betreffen, verdreht dargestellt hast, obwohl oder vielleicht weil du ein "ausgebildeter Theologe" bist. Ausgebildet von der kath.Kirche?
  • 0

#10
Rolf

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Liebe ameise,

huch, so aggressiv kenne ich Dich ja garnicht.

Du schreibst:

"Mit deinen langen Ausführungen und trotz deines Anspruchs ein "ausgebildeter Theologe" zu sein, verdrehst du hier das Wort Gottes, verleumdest Dispensationalisten als Irrlehrer oder -gläubige, und möchtest - wie kath.Geistliche - höhere Ehren und Anerkennung und Autorität und Kompetenz haben als andere - in deinen Augen "nicht ausgebildete" - Christen, die "nur" ihre Bibel lesen. "


Also, diesen Schuh ziehe ich mir schon mal nicht an. Ich bilde mir weder etwas auf meine Aussbildung ein, noch möchte ich irgendwelche Ehren oder Anerkennung. Die diskussion um meine Ausbildung haben andere angezettelt und ich denke, Du wirst hier im Forum nicht einen Beitrag finden, indem ich mich irghendwie überheblich zeige.

Wenn ich hier etwas gegen die Lehre schreibe die aussagt, die geistesgaben hätten aufgehört, dann schreibe ich das durchaus aus Überzeugung, denn ich halte das in der Tat für falsch. Das bedeutet aber nicht dass ich hier mehr Autorität oder Kompetenz für mich beanspruche und ich bin auch nicht katholisch. Daher wäre es sehr freundlich, wenn Du in der Sache begründen würdest, was ich denn hier warum verdreht habe. Schließlich hzabe ich hier geschrieben, damit wir darüber ins Gespräch kommen, und nicht um uns gegenseitige Angriffsflächen zu liefern. Das würde den Sinn dieses Forums völlig zerstören.

Im übrigen hatte ich schon mehrfach geschrieben, dass ein Großteil der von mir hier eingestellten Beiträge nicht aus meiner Feder stammen und auch nicht meine ungeteilte Zustimmung finden. Sie dienen als Diskussionseinstieg. Dieses Forum heißt nicht ohne Grund "Irrglaube und Wahrheit." Es gibt hier viele Themen, die es verdienen, einmal richtig gestellt zu werden und meine Hoffnung war, dass die Themen in der Sache aufgegriffen werden, und ein bisschen mehr Leben in das Forum kommt.

Ich dachte meine Motivation wäre klar.

Ich hoffe, nun sind die Klarheiten beseitigt und wir finden zu einer sachlichen Auseinandersetzung über Teilbereiche des Dispensationalismus zurück. Im übrigen kann ich Dir mitteilen, dass ich hier nicht einen einzigen Beitrag böswillig verfasst oder eingestellt habe. Du brauchst mich also nicht beissen. *gg**


Liebe Grüße

Rolf
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#11
Sister Maggie

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Habe diese Diskusion erst heute entdeckt - kein Wunder bei über 5000 Beiträgen!
Da ich auf diese Frage bereits vor einiger Zeit unter den "Fragen die uns bewegen" beantwortet habe,
erlaube ich mir meine Ansicht zum Thema hier ebenfalls darzulegen.
Möge der Suchende mit Gottes Hilfe fündig werden!
Sister Maggie



Was meint die Schrift in 1.Korinther 13:12 mit der Aussage:

„Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht“

Handelt es sich dabei wirklich um Gottes neue Welt ?


Manches in der Bibel sieht auf den ersten Blick recht deutlich aus und ist es deshalb beim genauen Hinsehen eben doch nicht. Diese erste Ansicht vertreten wohl die meisten Christen und auch ich habe sie einst vertreten, bis ich mich näher damit befasst und feststellte, dass man diese Dinge auch ganz anders sehen kann. Damit will ich nicht behaupten, es jetzt hundertpro zu wissen. Doch ich fühle mich dem Forum gegenüber verantwortlich, auch eine andere Ansicht dagegen zu stellen. Jeder möge sich geöffnete Augen von Gott erbitten, damit er die Wahrheit erkennen möge.

Ich zitiere im Folgenden aus dem Buch „Verschobene Proportionen“ von Bruno Schwengeler, das schon über 30 Jahre alt ist und welches es leider nicht mehr gibt.

„Von Angesicht zu Angesicht heißt ohne Zweifel direkt und das Ganze sehen. Aber kann es nur das Schauen in der Herrlichkeit bedeuten?. In der Bibel stoßen wir auf folgende, erstaunliche Tatsache: Wenn Gott mit Menschen redet, verwendet sie oft die Formulierung „von Angesicht zu Angesicht“. Wenn Gott schweigt, und damit das Wort Gottes fehlt, spricht sie vom verbergen des Angesichts.

„ Mündlich rede ich mit ihm, von Angesicht zu Angesicht und nicht rätselhaft und er schaut die Gestalt des Herrn…“ 4.Mo.12:8

„Von Angesicht zu Angesicht hat der Herr auf dem Berge aus dem Feuer heraus mit euch geredet.“ 5:Mo.5:4

Demgegenüber:

„Ich aber werde zu jener Zeit mein Angesicht gänzlich verbergen um all des Bösen willen ….“ 5:Mo.31:18, weiter Jes.54:8, 2.Mo.33:11;20

Von Angesicht zu Angesicht bedeutet darum nicht das Schauen Gottes mit unseren Augen, sondern der Ausdruck wird dann gebraucht, wenn der Herr direkt durch sein Wort mit Menschen spricht.

„Im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens ….“ Hebr.12:2

Aufsehen auf Jesus heißt nicht, ihn mit unseren Augen sehen, sondern Gottes Wort direkt vernehmen, darauf vertrauen und ihm zu gehorchen. „Von Angesicht zu Angesicht“ bedeutet daher nicht das sehen eines Bildes; vielmehr wird damit ein direktes Hören des Wortes Gottes bezeichnet.

Durch die Bibel spricht der Herr direkt zu uns. Gottes Wort ist vollkommen. Ein Christ in dem der Geist Gottes wohnt, kann sich bei unklarer Sicht mangels Bibelkenntnis nicht damit entschuldigen, ihm fehle die Gabe der Erkenntnis.

Wie wir oben dargelegt haben, erhellt der Schlussvers (1.Kor.13:13) den ganzen Text und zeigt, dass hier nicht die Fragen der Wiederkunft Jesu, der Entrückung und Auferstehung behandelt werden. Paulus widmet das ganze 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes diesen so wichtigen und grundlegenden Themen. Es versteht sich von selbst, dass wir den Herrn sehen werden, wie er ist (1.Joh.3:2), wenn wir in der Herrlichkeit bei ihm sein werden (1.Thess.4:17b)
Dann aber hören auch Glaube und Hoffnung auf! Die Liebe a l l e i n wird bleiben! (Zitat Ende)


Als weiteren interessanten Bibeltext hierzu möchte ich 2.Kor.3:18 erwähnen:

„Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild …“
Auch hier kann es sich nur auf das Wort Gottes beziehen, welches wir anschauen, gleichwie es sich in unserem Ausgangstext um das gesamte offenbarte Wort Gottes handelt, welches wir nach Abschluss der prophetischen Gottesoffenbarungen durch die Apostel in seiner Vollständigkeit vorliegen haben.

Interessant ist auch, dass das Wort aus Vers 10 ein sächliches Wort ist und daher nicht den Herrn Jesus noch seine Wiederkunft meinen kann. (parousia ist weiblich) Laut Aussagen von Fachleuten bezeichnet es etwas göttlich Vollkommenes auf Erden oder etwas geistlich Mündiges und es kann wie folgt übersetzt werden: Das Vollendet, Vollkommene, das Ausgereifte, Mündige, das Vollständige, Ganze. Letzteres passt sehr gut zu Gottes vollständiger Offenbarung seines Wortes, seines Heilsplanes, seines Geheimnisses, „damit der Mensch völlig ausgerüstet sei“! 2.Ti.3:16.17

Demgegenüber ist der Text aus Eph.4:13-15 auch sehr passend und ergänzend:

„… bis wir endlich allesamt zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis (epignosis: genaue Erkenntnis, Vollerkenntnis) des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Denn wir sollen nicht mehr unmündige sein ….!“ Hier wären wir wieder bei dem Unmündigkeitszustand der Gemeinde, der auch in 1.Kor.13:11 beschrieben wird!

Hätten die Vertreter der Ansicht, dass es sich um Gottes neue Welt nach der Entrückung handelt, recht, wäre die Gemeinde bis zur Zeit der Entrückung im Kindheitsstadium, also unmündig und damit unfähig zur Epignosis, der Vollerkenntnis des Christus und wäre damit umhergetrieben von jedem Wind der Lehre – undenkbar!
Die alleinige Autorität der Heiligen Schrift müsste dann zwangsläufig in Frage gestellt werden! Wir wären dann bis zur Wiederkunft Christi auf Stückwerk, auf Teilerkenntnis, auf ein Sehen in Rätseln angewiesen …
Und weiterhin würde nach ihrer Theorie selbst nach dem Sehen Jesus von Angesicht zu Angesicht Glaube und Hoffnung bleiben. Auch das ist ein Widerspruch, denn wenn wir ihn einst sehen werden, ist der Glaube nicht mehr erforderlich und unsere Hoffnung wird sich erfüllt haben. Halleluja!

Sister Maggie
  • 0

#12
Hoffnungsstrahl

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für mich übersetzt heißt das:
Jetzt sehe ich von Angesicht zu Angesicht, da ich das Vollkommene Wort Gottes in Händen halte?


Gruß
Gabi
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#13
Sister Maggie

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Ganz genau so sehe ich das auch!

Ich möchte hier noch einen Auszug aus den "WARNUNGEN vor falschen PROPHETEN" posten,
der nochmal zum besseren Verständnis beitragen kann:





„Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden,
seien es Sprachen sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden.
Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; wenn aber das Vollkommene kommt,
wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“ 1.Kor.13:8-10


Das Vollkommene oder besser übersetzt: das Vollendete, das Ziel dieser Sache waren die gesamten heiligen Schriften des NTs, das prophetische Wort der Apostel und Propheten, die Weissagungen, die Gott ihnen gab, das die Grundlage für unseren heutigen Glauben bildet! Die Vollerkenntnis des Christus, seines Geheimnisses und seines Willens für die Gemeinde durch das inspirierte Wort ist ausreichend, um die Heiligen auszurüsten. Vgl. Jud.3b, Eph.3:4-5 Weitere Grundlagen sind damit überflüssig geworden. Und so konnte die Prophetie als Offenbarungsgabe schließlich, wie angekündigt, weggetan werden. Deshalb ordnete Paulus die Offenbarungsgaben lt. 1.Kor.13:11 dem Unmündigkeitszustand, dem Kindesalter der Gemeinde zu.

„Und so besitzen wir das prophetische Wort umso fester, und ihr tut gut darauf zu achten
als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet … indem ihr dies zuerst wisst,
dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde
eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her
redeten Menschen, getrieben vom heiligen Geist.“ 2.Petr.1:19-21, auch Rö.16:26


Im Unterschied dazu blieb das „allgemeine prophetische Reden“ zur Auferbauung der Gemeinde dagegen vorerst noch bestehen. Sie diente der Führung der jungen Gläubigen, die in der Führung des heiligen Geistes noch ungeübt waren. Paulus wurde zwar hin und wieder durch Träume und Visionen geführt, doch auch durch Umstände (Verfolgung) und durch die innere Führung des Geistes, die er schon mal über die Führung des Propheten stellte. Vgl. Apg.21

Ein Prophet des ATes übermittelte eine Botschaft von Gott. Er war ein Bote des Wortes Gottes!. Als solcher kam auch Jeschua zu uns. Gott hat am Ende der Tage zu den Menschen durch seinen Sohn geredet, nicht mehr durch die Propheten. Hebr.1:2 Doch gab es eine Übergangszeit, in der die Evangelien mit den Worten Jeschuas noch nicht aufgeschrieben waren. Während dieser Zeit war es noch teilweise erforderlich, dass Gott seinen Willen und Absichten, Ermahnungen und Trost durch Propheten kundtat. Dazu gebrauchte Gott „das Wort der Erkenntnis“, das „Wort der Weisheit“ und Prophezeiungen. 1.Kor.12:8, Apg.21:10-11; 15:32; 13:1-3
Nachdem die neutestamentlichen Propheten (Schreiber der Briefe) das Wort Gottes in schriftlicher Form festgehalten hatten, war Gottes Ratschluss vollständig. Alle Geheimnisse der Gemeinde Christi waren offenbart. Die Propheten waren überflüssig. Die Prophetengabe wurde weggetan – wie angekündigt! 1.Kor.13:8
Letztmalig gab Gott seine Pläne für die Endzeit bekannt, indem er sie dem auferstandenen Jeschua, dem Haupt der Gemeinde, direkt gab und dieser übermittelte die Offenbarung nicht durch eine Geistesgabe, sondern durch einen Engel an Johannes!

Heute haben wir als den ganzen Ratschluss Gottes und noch zusätzlich Konkordanzen, um ihn schnell zu finden. Jeschua, das Haupt der Gemeinde, leitet diese durch das geschriebene Wort Gottes und durch den Beistand seines Geistes oder auch der „Salbung in uns“. Phil.1:19

„Und ihr! Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch und ihr habt nicht nötig,
dass euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch über a l l e s belehrt,
so ist es auch wahr und keine Lüge!“ 1.Joh.2:27

Der Geist Jeschuas gibt auch Weissagungen, um die Gemeinde zu erbauen.
Die Weissagung ist das Zeugnis Jesu! Off.1:2-3;12:17
Doch der Aufgabenbereich der Prophetie als Offenbarungsgabe von Gottes Wort für den Neuen Bund ist überflüssig geworden. Allein der Feind nutzt ihn gegenüber unwissenden Christen noch heute! Darum warnt Jeschua vor den falschen Propheten der Endzeit, deren Frucht es ist, die Gemeinde zu verführen, nicht zu erbauen!


„Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet auch ihr in dem Sohn
und in dem Vater bleiben…. Dies habe ich euch geschrieben von denen, die euch verführen.

  • 0

#14
Rolf

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Also die These der Dispensationalisten mit ihren Heilszeiten kann ich deshalb nicht nachvollziehen, weil hier an der Auffassung festgehalten wird, dass das Vollkommene mit der Vollständigkeit der Bibel eingetreten sei. Aber ist die Gemeinde schon vollkommen? Die Dispensationalisten leiten von dieser ihrer Auffassung, das Vollkommene sei schon da, zugleich das Aufhören der Geistesgaben ab.

Die Geistesgaben aber dienen vor allem zur Auferbauung der Gemeinde. Paulus macht klar, dass die Gaben in der Gemeinde vorhanden sein sollen.

Für mich ist die Aussage, dass das Vollkomme mit der Wiederkunft Jesu da sein wird, wesentlich schlüssiger. Die gaben deshalb, weil sie vielfach missbraucht werden abzuschaffen, ist wenig hilfreich. Viel entscheidender ist es, die Wahrheit von der Lüge unterscheiden zu können, und auch dazu bedarf es einer Geistesgabe.

Ich weiß mich durch den geist Gottes in meinem Dienst geleitet. Das erlebe ich jeden Tag neu.

Herzliche Grüße

Rolf
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#15
Sister Maggie

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Hallo Rolf,

Du hattest ja deine Meinung schon ausführlich dargelegt - ich wollte dich nicht noch mal damit herauslocken.

Eines muss ich jedoch klar stellen: Es geht hier nicht um die Vollkommenheit der Gemeinde, sondern um die Vollständigkeit dessen, was Gott uns zur Gemeinde und zum Neuen Bund zu sagen hat.

Auch werden hier nicht allen Geistgaben der "garaus" gemacht, sondern nur den Offenbarungsgaben,
die spezifisch für diesen Zweck gegeben wurden. Ihr Ende ist ja prophezeit.

Ich hoffe doch sehr, dass Gott auch mich befähigt, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden,
sonst würde ich mir nicht erlauben hier zu schreiben. Und wenn wir auch mal unterschiedlicher Meinung sind,
so wollen wir das doch stehen lassen, bis Gott einem von uns noch mehr Licht schenkt - oder?

In Liebe
Sister Maggie
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#16
Rolf

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Hallo Rolf,


Auch werden hier nicht allen Geistgaben der "garaus" gemacht, sondern nur den Offenbarungsgaben,
die spezifisch für diesen Zweck gegeben wurden. Ihr Ende ist ja prophezeit.

Ich hoffe doch sehr, dass Gott auch mich befähigt, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden,
sonst würde ich mir nicht erlauben hier zu schreiben. Und wenn wir auch mal unterschiedlicher Meinung sind,
so wollen wir das doch stehen lassen, bis Gott einem von uns noch mehr Licht schenkt - oder?

In Liebe
Sister Maggie




Da liegen ja gerade die Unterschiede. Die Aussage, dass Gott das Vollkommene gesagt hat, hier in den Zusammenhang zu stellen, dass... wenn dass Vollkommene gekommen ist, wird das Unvollkommene aufhören, ist aus meiner Sicht theologisch unzulässig.

Und sicher, Du machst den Geistesgaben vielleicht nicht den Garaus, aber die überzeugten Dispensationalisten, die in verschiedenen Foren schon fast militant dafür eingetreten sind, dass mit dem Vollkommenen, definiert in der Vollständigkeit der Bibel, aufgehört hätten. Da gibt es dann nicht nur keine Zungenrede mehr, sondern auch keine Heilung, keine Prophetie und und und...

Aus meiner Stimmt die Aussage des Vollkomenen so nicht, sondern nährt den Boden für falsche Schlussfolgerungen.

Herzliche Grüße

Rolf
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#17
Rolf

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Da auch ich natürlich nicht davor gefeit bin, mich zu irren, habe ich mich noch einmal mit dem Thema "Das Vollkommene" beschäftigt.

Ich zitiere aus dem Bibelkommentar von

Adolf Schlatter
Erläuterungen zum Neuen Testament Bd. 6
Die Korintherbriefe

Calwer Verlag Stuttgart 1965 Seite168-169


1. Kor.13;12

Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels durch ein Rätsel, dann aber Angesicht gegen Angesicht. Jetzt erkenne ich teilweise, dann aber werde ich ganz erkennen, wie ich auch ganz erkannt worden bin.

"Paulus sehnt sich nach dem offenen Blick auf Gott, der ihm in Christus zuteil werden wird. Jetzt stehen noch Vermittlungen und Verhüllungen zwischen Jesus und uns. Es ist ein Unterschied, ob uns ein Spiegel das Bild einer Person zeigt oder ob wir mit ihr selbst unmittelbar verkehren. Am Bild, dass der Spiegel zeigt, haftet immer das Bewußtsein, dass der, den wir sehen, noch nicht selbst bei uns ist und unsere Gemeinschaft mit ihm noch nicht vollendet ist. Haben wir ihn selbst bei uns, so suchen wir sein Bild nicht mehr in einem Spiegel.

Bei diesem Vergleich haben wir an die metallenen Spiegel jener Zeit zu denken, die oft nur ein trübes Bild gaben. Das Zeugnis, durch das Gott sich uns bezeugt, gleicht noch einem Rätsel mit einem versteckten Sinn. Das letzte Wort, dass für alle die volle Klarheit bringt, ist noch nicht gesprochen.

Darum erfasst unsere Erkenntnis nur Teile; sie hat Grenzen, die sie nicht überschreiten kann. Ganz wird sie, wenn uns die Gemeinschaft mit Gott ohne Hemmung gewährt wird und unsere Trennung von ihm ganz abgetan ist.

Verbürgt und begründet ist uns die neue Erkenntnis dadurch, dass Gott uns erkannt hat. Weil sein gnädiger Blick auf uns gerichtet ist und uns zu denen stellte, auf die er sieht und für die er sorgt, darum wird er seine Gemeinschaft mit uns vollenden und uns nicht für immer verborgen sein."


Ebenso heißt es in einem weiteren Kommentar:

Wuppertaler Studienbibel
Der erste Brief des Paulus an die Korinther
erklärt von Werner de Boor

Brockhaus Verlag Wuppertal 1983 S.226ff.


"So ist bei unser jetzigen Erkenntnis ihr Stückwerkcharakter als solches zu merken. Wir stehen Gott noch nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Wir sehen Gott nur im Spiegel seiner Taten, im Spiegel seines Wortes. Und auch da, wo der Geist Gottes selber in Gottes Herz blicken lässt, geschieht es immer noch im Spiegel des Kreuzes, wo Gottes Herrlichkeit in Schwachheit und Torheit erscheint.

Und das weiß jeder Christ schmerzhaft genug, gerade wenn er ernstlich und wahrhaft im Erkennen steht, wie die gesehenen Umrisse so rätselvoll bleiben können. Daher hatte Paulus auch in dem Abschnitt Kap. 2;6-16 mit Zurückhaltung formuliert und vom Wirken des Geistes Gottes in unserem Herzen nur gesagt dass wir das von Gott uns gnädig Geschenkte wissen können. Bei dem Sehen im Spiegel bleibt es dabei, dass wir sehen im Glauben und nicht im Schauen."


Beide Kommentare sind absolut anerkannt und diese auslegungen beziehen sich auf dass, was im Griechischen an dieser Stelle tatsächlich wörtlich gesagt wird. Ich übersetze:

1.Kor.13,12

"Denn wir erblicken jetzt durch einen Spiegel, in Dunkeldeutung, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich aus einem Bruchteil, dann aber werde ich Erkennen, so wie auch ich erkannt bin."

Vom Urtext her ist also völlig klar, dass das Vollkommene nicht da ist, wenn uns die Bibel vollständig vorliegt, sondern dann wenn wir nicht mehr als Stückwerk erkennen, sondern in der ganzen Wahrheit. Die Bibelstelle sagt auch klar, wann das sein wird, nämlich in dem Moment wo wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen.

Der Befund der dispensationalisten kann also definitiv nicht richtig sein, der davon Ausgeht, dass mit der Vollständigkeit der uns gegebenen Bibel das Vollkommene das Unvollkommene abgelöst hat.

Herzliche Grüße

Rolf
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#18
Sister Maggie

Sister Maggie

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Lieber Rolf
Du weißt, ich bin in Sachen „Lehre und Lehrer“ ein gebranntes Kind.
Auch wenn deine Zeugen in der Christenwelt anerkannt sind, heißt das nicht,
dass sie sich nicht irren können.
Zeige mir einen menschlichen Lehrer, der bei Gott anerkannt ist und ich nehme ungeprüft an, was er sagt.

Ich möchte mich weder auf die Weisheit von menschenlichen Lehrern, noch auf meine eigene stützen, sondern vertraue allein darauf, dass Christus mir zur Weisheit von Gott geworden ist und sein Geist als „Salbung in mir“ mich lehrt und deshalb habe ich ihn nicht nur zu meinen obigen Ausführungen um Führung gebeten, sondern auch noch mal heute morgen ganz aktuell. Das war sehr spannend, denn er hat mein Augenmerk erst mal darauf gelenkt, um was es denn im Kontext überhaupt geht:

Es geht um die Gaben für die Gemeinde und in erster Linie um die „neue“ Gemeinde,
den Leib Christi! Speziell geht es um das Weissagen und Erkennen in Bezug auf die Gemeinde.


Kap.13:2 „Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und Erkenntnis weiß …“

Diese Erkenntnis über die Gemeinde Christi ist stückweise und wird weggetan werden,
wenn das Vollkommene da ist!


Es geht doch nun wirklich nicht um die Sehnsucht den Herrn zu sehen, wie A. Schlatterer behauptet. Wenn ich Jeschua von Angesicht zu Angesicht sehen werde, steigt doch damit nicht meine Erkenntnis der Tiefen Gottes ins Vollkommene. Es geht doch um Erkennen der Geheimnisse, die Gott den Apostel und Propheten offenbaren würde! Es geht doch im Kontext um das Neue, die Gemeinde, das Geheimnis des Leibes Christi!

Dieses Geheimnis hat er besonders dem Paulus Stück für Stück durch Weissagung offenbart – bis es vollständig war:

„denn mir ist durch Offenbarung das Geheimnis zu erkennen gegeben worden … beim Lesen könnt ihr meine Einsicht in das Geheimnis des Christus merken, das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht zu erkennen gegeben wurde, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden ist.“ Eph.3:3-4

„…um das Wort Gottes zu vollenden, das Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist. Ihnen wollte Gott es zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit …. mm jeden Menschen vollkommen darzustellen.“ Kol.1:26-27,28b

„…und zu allem Reichtum an Gewissheit des Verständnisses zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, das ist Christus.“ Kol.2:2

„Dieses Geheimnis ist groß – ich deute es auf Christus und die Gemeinde!“ Eph.5:32





Schauen wir uns das Beispiel Kind/Mann in Vers 11 an. Dort geht es um reden, denken und urteilen – doch nicht um Sehnsucht oder Sehen! Es geht um Erkenntnis und Verständnis, um eine tiefe „geistliche Sichtweise“ des geistlichen Bildes für die Gemeinde.

Auch kann ich doch nicht sagen, dass ich den Herrn jetzt undeutlich sehe und wenn er kommt sehe ich ihn klar. Ich sehe ihn doch jetzt nicht wirklich, sondern nur in dem Spiegel des Wortes Gottes, was aber zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht vollständig offenbart war, demnach konnte sie Sichtweise nur unzulänglich sein.
Als das Wort über das Geheimnis der Gemeinde, des Leibes Christi und Christus in uns noch nicht vorhanden war, sahen (geistliche Sicht) die Gläubigen den Leib Christi noch nicht so genau! Als aber Paulus die Weissagungen darüber erhielt, konnten sie die Wirklichkeit des Leibes erkennen und konnten begreifen, was der Leib Christi bedeutet, konnten nun wie ein Mann mit Reife darüber denken, urteilen und sprechen!

Ein Geheimnis ist eine Wahrheit, die Gott verschlossen hat, bis zu der Zeit, wo er sie seinen Propheten durch Weissagung aufschließt. Geschieht dies Stück für Stück wird es solange eine unvollständige Erkenntnis bleiben, bis Gott alles enthüllt hat – dann ist die Erkenntnis vollkommen!
Vgl. Off.10:7 „ wenn er posaunen wird, wird auch das Geheimnis Gottes vollendet sein, wie er es seinen eigenen Knechten und Propheten als gute Botschaft verkündigt hat.“



Lieber Rolf,
Du bist ein studierter und hervorragender Theologe mit jahrzehntelanger Erfahrung, bist zudem intelligent und hast ein super Gedächtnis, so dass dir das Gelernte nicht so schnell verloren geht, du kannst dich gewählt ausdrücken und ausgezeichnet argumentieren und diskutieren, kannst überall mitreden und bist sehr gefragt in christlichen Kreisen – kann es sein, dass gerade diese Facetten dich davon abhielten die Beweisführung der kleinen Schwester Maggie ernst zu nehmen und ihren Darlegungen genau zu folgen? Oder hast du vielleicht gedacht: Schon wieder so ein Anhänger der Dispensationslehre … und hast aus Zeitmangel gar nicht so genau hingeschaut ….
Ich jedenfalls wusste bis gestern noch nicht mal was die Bezeichnung Dispensationismus überhaupt bedeutet, aber ich kämpfe für die Wahrheit, die mir der Herr erleuchtet. Und ich fand das, was er mir in den beiden obigen Artikeln erleuchtet hat eigentlich schon sehr überzeugend. Nun kommen diese Argumente noch dazu und ich muss sagen – mich erleuchtet’s!
Mag sich aber ein jeder seine eigene Meinung bilden – ich erhebe mit meinen Ausführungen keinen Absolutheitsanspruch!

Liebe Grüße
Sister Maggie
Eine „Verteidigerin der Wahrheit“
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#19
Rolf

Rolf

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Liebe Maggie,

nö, die Attribute, die Du mir zuschreibst, halten mich keineswegs davon ab, Deine Beweisführung ernst zu nehmen. Sie überzeugt mich in diesem einen Punkt nur nicht. Ich hatte ja auch den wörtlichen Urtext hingschrieben, und ich finde ihn mehr als eindeutig. Im übrigen beurteile ich solche Aussagen am Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift, soweit ich sie bis jetzt verstanden habe. Man muss das jetzt auch nicht an den beiden Kommentarschreibern auslassen, sie sind nur ein Beispiel von etlichen ernstzunehmenden, weil aufrichtigen Theologen, die die Sicht des Vollkommenen nicht auf die Vollständigkeit der Bibel hin auslegen, sondern als die Begegnung von Angesicht zu Angesicht, die auch das Stückwerk unserer menschlichen Erkenntnis beseitigt. Genauso steht es nämlich im Urtext.

Auch Paulus sagt: Jetzt erkennen wir bruchstückhaft, dann aber werden wir Erkennen in Vollkommenheit. Eindutig auf Zukunft ausgerichtet. Aber ich weiß wie schwer, es ist, eine einmal eingenommene Position wieder zu verlassen. So werden wir hier wohl nicht zu einer Übereinstimmung kommen, auch wenn die Sicht der Dispensationalisten massenhaft Widersprüche mit anderen Bibelstellen begründet.

Herzliche Grüße

Rolf
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#20
Hebräer83

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Zeige mir einen menschlichen Lehrer, der bei Gott anerkannt ist und ich nehme ungeprüft an, was er sagt.


Von anderen Problemen die mir der Dispensationalismus bereitet (Verhältnis zwischen Gemeinde und Israel in Vergangenheit, Gegenwart, Eschatologischer Zukunft und kommender Welt) abgesehen, muß ich sagen, daß die Formel: "erkannt wie ich erkannt worden bin" meiner Meinung sich gerade auf unsere beschränkte Erkenntnisfähigkeit bezieht. Ich könnte dir keinen menschlichen Lehrer nennen der die Fülle der Erkenntnis besitzt. Wenn wir uns nur die Kirchenväter anschauen, die alle sehr viele hervorragende Schriften hinterlassen haben so wissen wir doch: Origines wurde Allveröhner, Tertullian Montanist und Augustinus lehrte das Fegefeuer. Ebenfalls vor den Aposteln darf man m.E. nach nicht haltmachen. Sie waren keine Halbgötter, sondern fehlbare Menschen, die auch irren konnten. Deshalb muß man allerdings nicht die Autorität der Briefe anzweifeln.
Wenn man sich den Zustand der Gemeinde anschaut wird einem ziemlich schnell klar, daß man trotz gemeinsamer Bibel und des Zeugnisses des Heiligen Geistes, daß natürlich ein jeder für sich in Anspruch nimmt, in vielen Dingen weit davon entfernt ist sich einig zu sein. Wir sind eben Menschen und keine Reinkarnationen Christi, die den "Influx" des Heiligen Geistes "rein" aufnehmen könnten. In der Tat sollte man sich seiner eigenen Fehlbarkeit und seines Mangels bewußt sein, die Erkenntis hört eigentlich nie auf - zum Glück.
Was die Sache mit der "Prophetie" angeht, so muß diese ja nicht in Neuoffenbarungen umschlagen. Zumindest vom Judentum weiß ich, daß es eine ganze Reihe verschiedener Konzepte von Prophetie gibt, ohne, daß auch nur einer dieser Leute daran gezweifelt hätte, daß die Tora mi-Sinai vollständig wäre. Die Sprachenrede sehe ich schließlich auch nicht als klassische Offenbarungsgabe, sondern als Vermittlungsfähigkeit (a. menschliche Sprache).
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