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Dispensationalismus


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#1
Rolf

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Teil 1



Dispensationalismus



Inhaltsverzeichnis:


Die Ursprünge des Dispensationalismus
Die Entstehung des Dispensationalismus
Exkurs: Wer war Edward Irving?
Die Verbreitung des Dispensationalismus in den USA im 19./20. Jh.
Die Verbreitung des Dispensationalismus in der Schweiz
Struktur und Inhalte des Dispensationalismus
Der Dispensationalismus nach Darby und Scofield
Der Dispensationalismus nach Knoch
Die Dispensationen (nach Darby und Scofield) auf dem Prüfstand
Die verschiedenen Ausprägungen des Dispensationalismus
Der modifizierte Dispensationalismus
Der progressive Dispensationalismus
Der Ultradispensationalismus (Bullingerismus)
Exkurs: Wer war E. W. Bullinger?
Der Dispensationalismus - eine relativ neue Lehre
Die eigentliche Absicht JESU aus dispensationalistischer Sicht
Der Dispensationalismus und die Bibel - wie verstehen Dispensationalisten die Bibel?
Der Dispensationalismus und das Kreuz CHRISTI
Biblische Bewertung
Wie JESUS und die Apostel mit dem Alten Testament umgehen
GOTTES Versprechen für die Gläubigen
Die Auswirkung des Dispensationalismus – ein ideologisiertes Bibelverständnis
Die Entrückung aus der Sicht der Dispensationalisten
Fazit
Wie die Dispensationalisten das Wort falsch teilen
Epilog
Verwendete Literatur


Die Ursprünge des Dispensationalismus

Der Begriff „Dispensationalismus“ stammt von dem griechischen Wort „oikonomia“ (dieser Begriff
kommt aus der Wirtschaft [„managen“, „regeln“, „verwalten“, „planen“] und beschreibt das Handeln
GOTTES an der Menschheit) ab (engl. „dispensation“) und bedeutet „Hausverwaltung“, „Haushalt“,
„Heilsordnung“ oder „Heilsplan“. Die Idee dahinter ist, das GOTT zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich
mit der Menschheit umgeht.
Das Wort „Dispensation“ ist eingedeutscht aus dem lateinischen „dispensatio“, das in der Vulgata
benutzt wird, um das griechische Wort „oikonomia“ zu übersetzen. Das lateinische Wort bedeutet
„abwiegen“ oder „verteilen“, „dosieren“.

Mit der Bedeutung des Begriffs „Dispensation“ sind drei grundsätzliche Vorstellungen verbunden:
1. der Vorgang des Verteilens oder Gliederns
2. der Vorgang des Verwaltens, Ordnens oder Bewirtschaftens; ein System, mittels
dessen die Dinge verwaltet werden

3. der Vorgang des Verteilens (oder Dosierens) nach bestimmten Voraussetzungen
Die dogmatische Ausformung des Systems des Dispensationalismus entwickelte John Nelson
Darby (1800 -1882). Die Lehre Darbys im Blick auf die Eschatologie lässt sich mit folgenden
Sätzen zusammenfassen:

a) Die Heilige Schrift, auch ihre prophetischen Aussagen, sind literal zu interpretieren
(wobei “literal” beinhaltet, Geschichtsbericht als Geschichtsbericht, Bildwort als
Bildwort, Gleichnis als Gleichnis zu verstehen).
B) Aus dem literalen Verständnis biblischer Aussagen und Voraussagen ergibt sich die
Einteilung der Heilsgeschichte in genau voneinander abgrenzbare Epochen
(Dispensationen) mit einem spezifischen Auftrag im Heilsplan. Daraus ergibt sich
ferner die Erwartung der wirklichen Erfüllung von Prophezeiungen, etwa der
alttestamentlichen Verheißungen an Abraham, David u.a. auf ein wiederhergestelltes
Israel und messianisches irdisches Königreich. Dieses entsteht im
Tausendjährigen Reich auf Erden.

c) Zwischen Israel und der Gemeinde ist streng zu unterscheiden. Die Bestimmung
Israels ist irdisch, die Bestimmung der Gemeinde himmlisch. Die Gemeinde wird vor
der Entstehung des nationalen Israel im Millennium, ja noch vor der großen
Trübsalszeit entrückt (erste, unsichtbare Wiederkunft Christi für die Heiligen,
Vorentrückungslehre, Prätribulationismus). Die zweite, sichtbare Wiederkunft
CHRISTI mit den Heiligen erfolgt nach der großen Trübsalszeit und zu Beginn des
Millenniums, in welchem er vereint mit Seiner Brautgemeinde die Herrschaft über
die Erde ausüben wird. Nach dem Millennium wird Satan noch einmal losgelassen,
die letzte große Schlacht erfolgt, und nach dem Weltgericht vor dem großen Weißen
Thron Gottes tritt die Ewigkeit ein.

Die Entstehung des Dispensationalismus

Die heutigen Verfechter des Dispensationalismus führen oft die Bibel als Erklärung ihrer Überzeugung
an. Dennoch müssen wir feststellen, dass die wenigsten Dispensationalisten überhaupt
Seite 2 von 31 Seiten
wissen, woher diese Lehre stammt und wann sie entstanden ist. Daher werden wir zunächst
einmal die Geschichte dieser Lehre beleuchten, um dann einzelne Lehrinhalte zu diskutieren. In
der Diskussion werden wir dann auch die biblischen Zeugnisse zu Wort kommen lassen.
“Es ist wahr, dass durch Darby und die „Brüder“ eine ganz bestimmte Art von Dispensationalismus
entstanden ist. Doch es war nur eine Abwandlung von Aussagen, die man in anderer Form im
Laufe der Kirchengeschichte seit dem 6. Jahrhundert immer wieder an-traf.” (“Weil”) Der wesentliche
Unterschied zwischen Darbys Sicht und den hier aufgeführten Beispielen ist, dass Darby die
verschiedenen Dispensationen als sich auflösende unwiderrufliche Zeiten des Versagens des
Menschen ansah. Eine neue Dispensation ersetzte eine vorhergehende, die in Versagen und
Verfall zu Ende gegangen war. Die meisten anderen Christen, die die Zeit in Dispensationen
aufteilten, sahen sie als eine organische Entfaltung. Darbys Sicht war auch nicht so klar eingeteilt,
wie es heute z.B. in der Scofield-Bibel zu finden ist.

“Der Dispensationalismus ist also keine neue Lehre, die erst durch Darby entstanden ist. Hier
einige Beispiele dazu (eine ausführliche Bearbeitung dieses Themas kann man in: „Medieval and
Reformation Backgrounds of Dispensationalism“ von Edward E. Hindson (Dean of the Institute of
Biblical Studies, Liberty University, Lynchburg, Virginia) finden. Internet: www.conservativeonline.org).
Aus dem Mittelalter gibt es die "Prophezeiung des Elias", die die menschliche Geschichte in drei
Epochen und sechs Zeitalter aufteilte. Die früheste englische Erwähnung stammt aus dem Jahr
1549. Eine Version lautet:

Die Welt wird sechstausend Jahre bestehen;
● Zweitausend davon werden leer sein;
● Zweitausend Jahre lang wird das Gesetz dauern;
● und noch eintausend mehr.
Die sechs Zeitalter wurden dann folgendermaßen eingeteilt:
1. Adam bis Noah
2. Noah bis Abraham
3. Abraham bis David
4. David bis zur Gefangenschaft und Wegführung
5. Gefangenschaft bis Christus
6. Christus bis zum letzten Gericht

Durch die Hellenisierung kamen die Juden zu der Ansicht, dass GOTT siebentausend Jahre für die
Geschichte der Menschheit vorgesehen hatte. Christen haben diesen Gedanken mit den sieben
Tagen aus 1. Mose 1 verbunden und Stellen wie Ps. 90:4. und 2. Petr. 3:8 als Beweis für die
Richtigkeit dieser Art der Aufteilung benutzt. Die Ansicht, dass die sechs Tage der Schöpfung mit
sechs Zeitaltern der Menschen übereinstimmen, ist schon bei Isidore von Seville (560-636) und
Bede (673-735) zu finden. Joachim von Fiore (1135-1202) betrachtete die sieben Siegel in der
Offenbarung als die sieben Zeitalter der Kirchengeschichte. Mohammed war für ihn der falsche
Prophet und Gog und Magog waren die Türken. Er teilte die Zeit in drei Epochen ein: Zeit des

Vaters (Zeit des Alten Testamentes), des Sohnes (Zeit des Neuen Testamentes und der
Gemeinde) und des HEILIGEN GEISTES (Zeit der Erneuerung). Robert Pont (1524-1606), ein
schottischer Theologe, kombinierte die Prophezeiungen aus Daniel und der Offenbarung und kam
auf sieben Zeitalter der Menschen:
1. Schöpfung bis Noah
2. Noah bis Abraham
3. Abraham bis Salomo
4. Salomo bis Christus
5. Christus bis 1056
6. 1056 bis zum Schluss
7. Tausendjähriges Reich

Thomas Brightman (1557-1607) wandte die sieben Kirchen der Sendschreiben aus der Offenbarung
auf die Gesamtgeschichte der Kirche an:
1. Ephesus Apostel bis Konstantin (325)
2. Smyrna Konstantin bis Gratian (382) und der Kampf mit dem Arianismus
3. Pergamon 382-1300 war die Zeit der Zunahme der päpstlichen Macht
4. Thyatira 1300 – 1520 war der Kampf der wahren Gemeinde mit dem Katholizismus
5. Sardes Deutsche Reformation – diese (lutheranische) Kirche war "tot", weil sie das Brot als
den tatsächlichen Leib Christi sahen
6. Philadelphia Genfer Reformation
7. Laodizea Kirche Englands

Eine Übersicht über die Gesamtgeschichte der Gemeinde hängt immer davon ab, in welcher Zeit
man sich gerade befindet. In Brightmans Zeit wurde die Genfer Reformation als "Philadelphia"
angesehen, dagegen sahen Darby und die „Brüder“ „Philadelphia“ als in ihre Zeit gehörend. Wie
werden wohl Christen in 200 Jahren die Dinge einteilen und zuordnen?
Eine Sache haben die meisten Werke der Vergangenheit gemeinsam: sie versuchten festzulegen,
wann das Ende kommen sollte, wann CHRISTUS wieder kommen würde. Ein vergebliches
Unterfangen, wenn man bedenkt, was der HERR gesagt hat:
„Um jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern
allein mein Vater.“ (Matth. 24,36)

„Er aber sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, die Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen, die der
Vater in seiner eigenen Vollmacht ,festgesetzt hat;“ (Apg. 1,7).

Viele Christen folgten dem jüdischen Prinzip der Auslegung aus Daniel (siehe unten), dass ein Tag
ein Jahr bedeutet und wendeten diese Formel auf die 1260 Tage aus der Offenbarung und die
2300 Tage aus Daniel an und benutzten sie für ihre Berechnungen. (Im Dezember 1830 vertrat
Darby selbst noch diese „ein Tag = ein Jahr“-Sicht! Also immer noch, nachdem andere schon
„Tag = Tag“ anwandten!)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren diese 1260 "Jahre" für Berechnungen sehr wichtig
geworden. Es waren angeblich die Jahre der Herrschaft des Papsttums. In der Vergangenheit war
man sich nicht einig, ab wann man zählen sollte. Es kam darauf an, ab wann man zu zählen
anfing. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts fing man an ab der Kodifizierung des Kaisers Justinian
in 529 n.Chr. zu zählen und kam so auf 1789. Es war die Zeit der französischen Revolution und
Napoleons (der von vielen für das Tier oder für den Antichrist gehalten wurde) und der Verbannung
des Papstes aus Rom.

Durch diese Ereignisse glaubte man sich in den Berechnungen und
Ansichten bestätigt. Ab da waren die 2300 Tage aus Daniel 8 wichtig. Fing man an, sie ab dem
Jahr 457 v.Chr. (Rückkehr aus Babylon) zu zählen, kam man auf das Jahr 1843. Viele glaubten an
eine Wiederkunft des HERRN im Jahr 1843, 1844 oder 1847. Auch Darby hatte früher solche
Berechnungen erstellt, was er aber später ablehnte: „ ......... was die Berechnungen von Zeiten angeht,
früher habe ich selbst welche gemacht und war sehr bemüht, die 2300 Tage zu entziffern
.......wir müssen uns daran erinnern, dass es hier um die Juden und Jerusalem geht und dass
diese Zeiten auf die Juden und Jerusalem angewandt werden müssen und nicht auf die Belange
des Christentums“ (CW 5:158 „Studies on the Book of Daniel“).

"Viele angesehene Christen haben versucht diese Zeiten zu errechnen, aber meine Überzeugung
ist, dass sie sich alle in der Tat als falsch erweisen werden. Manche haben 1844 angegeben und
manche 1847. Ich selbst habe früher solche Berechnungen gemacht". . . (CW 5:204 "Studies on
the Book of Daniel").” (“Weil”)
Ein eigenständiges System des Dispensationalismus existierte damals jedoch nicht. Dies änderte
sich als Darby Pastor Edward Irving kennen lernte. Der Dispensationalismus geht, in allen seinen
Denkarten, zurück auf das England des 19. Jahrhunderts. Mit ein Grund dafür war die apokalyptische
Stimmung der anglikanischen Staatskirche durch die Folgen der Französischen Revolution.
Exkurs: Wer war Edward Irving? (1792 –1834)

Irving, der ebenfalls als Vorvater der Pfingstlichen und Charismatischen Bewegung
angesehen wird nahm 1822 den Ruf an als Pastor der „Caledonian Chapel“ der Kirche
von Schottland in London zu dienen. Sehr schnell wurde Irving durch seine
umstrittenen Predigten bekannt, sodass immer mehr Besucher in seinen Gottesdienst
kamen und die Gemeinde schon nach kurzer Zeit in ein größeres Gebäude umziehen
musste, um die Besucher zu fassen.

Durch seinen steigenden Bekanntheitsgrad wurde er unter anderem 1824 in die
Londoner Missions Gesellschaft und 1825 in die „Continental Society“ als Sprecher
eingeladen, wo Henry Dummond, einer der späteren Mitbegründer der Katholisch
Apostolischen Kirche, schon Einfluss besaß.

1826 wurde Irving in die Ansichten des spanischen Jesuiten Manuel Lacunza
eingeweiht, der unter dem Pseudonym Juan Josafat Ben-Ezra (es sollte der Eindruck
erweckt werden, das der Autor ein konvertierter Jude sei) ein Buch unter dem Titel
„Das Kommen des Messias in Herrlichkeit und Majestät“ veröffentlichte.
Irving war von den Ansichten Lacunzas so sehr angetan, das er extra Spanisch lernte,

um sein Buch nicht nur zu lesen, sondern auch um es ins Englische zu übersetzen.
Schon 1827 erschien das Buch mit einer 203-seitigen Einführung Irvings, in der er
seine eigene prophetische Sichtweise einbaute.
Dabei standen drei Punkte im Zentrum seiner Lehre:
• Die Gemeinde Christi ist ein eigenständiger „Körper“, dessen Zeit kurz vor dem
Ende steht.
• Nach der Gemeinde richtet sich das Augenmerk des Herrn wieder auf sein
auserwähltes Volk den Juden, welchen er die Ausgießung des Heiligen Geistes
schenkt.
• Der HERR kommt augenblicklich und ohne Vorwarnung wieder.
1828 veröffentlichte er dann ein weiteres Werk, das 500 Seiten umfassende Buch „Die
letzten Tage, eine Untersuchung des bösen Charakters in dieser unserer Zeit, mit dem
Ergebnis, das diese die „böse Zeit“ und die „letzten Tage“ sind.“
In diesem Werk wird es klar, dass Irving davon überzeugt war, dass JESUS noch zu
seiner Zeit wiederkommen würde.

In diese Zeit (1826-1828), wo Irving seine eigenen Manuskripte veröffentliche, begann
Henry Drummond (1786-1860) sein Haus in London, Albury Park für eingeladene
Gäste zu öffnen, um prophetische Angelegenheiten zu besprechen. Irving bekam auf
diesen Konferenzen eine Plattform seine Ideen und Ansichten an bis zu vierzig
christliche Leiter weiterzugeben. Auf diesen Konferenzen wurde besonders die Rolle
des jüdischen Volkes im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi betrachtet. Rev.
Lewis Way, einer der Mitbegründer der „Londoner Gesellschaft zur Verkündigung des
Evangeliums unter Juden“, die zu einem späteren Zeitpunkt maßgeblich an dem
Aufbau der ersten protestantischen Kirche in Jerusalem beteiligt waren (Christ Church
am Jaffa Gate), war ebenfalls einer Gäste auf diesen Konferenzen.

1830 veröffentlichte ein weiteres Mitglied dieser Konferenzen, Hugh McNeile, das Buch
„Prophetien im Zusammenhang mit der Jüdischen Nation“. In diesem Buch benutzt
McNeile das erste bekannte Mal das Wort „dispensations“ – Haushaltungen, im
Zusammenhang von Gottes Handeln mit seinem Volk, der Gemeinde und den Juden.
In dem gleichen Jahr wurde Irving von den Presbyterianern wegen vierfacher Häresie
aus dieser Gemeinschaft ausgestoßen. Das größte Problem bestand für die
Presbyterianer darin, das Irving den irdischen JESUS nicht als göttlich ansah, sondern
lehrte, das JESUS genauso wie wir mit einer „bösen“ Natur geboren wurde und er nur
durch die Erfüllung mit dem HEILIGEN GEIST in der Lage war sündfrei zu leben.
Irvings Anhänger waren davon überzeugt, dass auch sie durch die Geistestaufe den
gleichen Status wie JESUS – sündlos - erreichen könnten.

Zu seinen weiteren Lehren gehörte, dass er daran glaubte, dass jeder Christ die
Geistestaufe erleben und als Zeichen in Sprachen (neuen Zungen) sprechen müsse.
Ebenfalls glaubte er an die prophetische Gabe jedes Gläubigen und Heilung (daher
wird er als der Vater der Pfingstler und Charismatiker angesehen).
Als dann ebenfalls im gleichen Jahr Fälle von Geistestaufen und Sprachengebeten in
Schottland bekannt wurden, war Irving vollkommen davon überzeugt, dass die
Ausgießung des Heiligen Geistes kurz bevorsteht und Jesus jeden Augenblick
wiederkommen könnte.

Irving schrieb 1826 in seinem Vorwort zu Lacunza, dass er gegen alle war „die bemüht
waren, die allgemein angenommene Vorstellung aufrechtzuerhalten, dass die
gegenwärtige Dispensation der Heiden bald in großer Kraft und Fruchtbarkeit
ausbrechen sollte, um die ganze Erde mit der Segnung des Reiches zu füllen und nach
diesem der Herrn kommen sollte, um alles abzuschließen und zu beenden und mit der
gleichen Schnelligkeit wieder zu gehen, mit der er gekommen ist. Und weiter bestand
ich darauf, dass solche Ideen in Bezug auf das herrliche Aufblühen dieser
gegenwärtigen Dispensation in einer universalen Fülle nicht nur nicht übereinstimmt
mit allen Schriften, sondern auch nicht mit der eigentlichen Natur und Absicht dieser
Dispensation selbst.“ EI:6

(. . ."against all who should undertake to uphold the commonly received notion, that the
present Gentile dispensation was about to burst forth with great verdure and
fruitfulness, and fill the whole earth with the millennial blessedness, after which, to wind
up and consume all, the Lord would come in the latter end, and depart with the same
expedition with which he came. And, further, I maintained, that such ideas concerning
the glorious efflorescence of this present dispensation into a universal fullness, is not
only inconsistent with all the scriptures, but with the very nature and intention of the
dispensation itself". . .)

Während der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Kontakte zwischen den
Anhängern (katholisch-apostolische Gemeinde) von Edward Irwin und John Nelson Darby.
“Um die Anwendung der Offenbarung auf Rom und den Papst zu entkräften, schrieb der Jesuit
Francisco Ribera (1537-1591) ein 500-seitiges Werk (Sacrum Beati Ioannis Apostoli), das um
1590 erschien. Ribera betrachtete die Zeitangaben von Tagen nicht als Jahre, sondern als
tatsächliche Tage – also die 1260 Tage als 3 ½ Jahre. Die ersten Kapitel der Offenbarung waren
für ihn schon geschichtlich abgelaufen, aber die Kapitel danach sah er noch zukünftig. Da alles
zukünftig war, konnte man die Offenbarung nicht auf den Papst und Rom anwenden. Der Antichrist
wird eine einzelne Person sein, die von den Juden angenommen wird und die den Tempel in
Jerusalem wieder aufbauen lässt.

Hier haben wir schon alle Hauptelemente der dispensationalistischen Sicht:
1. Tage sind wirkliche Tage und nicht Jahre;
2. Ein persönlicher Antichrist wird kommen;
3. Die Hauptrolle der Juden und der Tempelbau;
4. Die Entrückung.

Der Jesuit Kardinal Robert Bellarmine (1542-1621) machte durch seine Schriften das Werk
Riberas populär. Er betonte, dass die Tage in Daniel und der Offenbarung (1260, 1290, 2300) als
Tage und nicht als Jahre zu behandeln sind. (Darby hatte die Werke Bellarmines in seiner
persönlichen Bibliothek.)

Der Jesuit Manuel de Lacunza (1731-1801) schrieb um 1791 unter dem Namen Juan Josafa
(Rabbi) Ben-Ezra „The Coming of the Messiah in Glory and Majesty“ („Das Kommen des Messias
in Herrlichkeit und Majestät“) das Werk, das Irving so beeinflusste und das er übersetzte (Wenn ich
hier aus dem Vorwort von Irving zitiere, entsprechen die Seitenangaben nicht dem gedruckten
Original, sondern der elektronischen Version, die im Internet unter

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ources/Lacunza_Irving-Vol1.pdf zu finden ist. Ich kürze der
Quellenangabe mit "EI" ab). Für Lacunza war das Kommen des Antichristen noch zukünftig, am
Ende der Zeit, doch nicht als Einzelperson, sondern als ein System. Die Hure in Offenbarung 17 ist
Rom, aber ein zukünftiges Rom. Der Antichrist sollte vor dem 1000-jährigen Reich vernichtet
werden. Lacunza machte einen zeitlichen Abstand zwischen dem Kommen (Entrückung) und der
Erscheinung des Herrn. Doch wie groß der Abstand ist, wird immer noch unter Gelehrten diskutiert.
CHRISTUS sollte persönlich vor dem Reich kommen und danach auch wieder. Nach dem
Reich sollte es eine allgemeine Auferstehung geben.

Samuel Roffey Maitland (1792-1866), der als Bibliothekar des Erzbischofs von Canterbury
wahrscheinlich die Schriften von Ribera und Lacunza kannte, veröffentlichte 1826 eine Schrift, in
der er die "Ein Tag = ein Jahr"-Sicht widerlegte und Rom "entlastete". Er vertrat eine zukünftige 3
½-jährige Drangsalszeit und einen persönlichen (nicht-katholischen) Antichrist.” (“Weil”)
Darbys Dispensationalismus’ entstand im Wesentlichen durch die Weissagung einer Charismatikerin.
Helge Stadelmann resümierte in einem Aufsatz, der 1983 in einer Zeitschrift der deutschen
Brüderbewegung erschien:

„In einer ´Geistesoffenbarung` empfängt die ´Charismatikerin` Margaret Macdonald im Frühjahr
1830 die Einsicht einer Auswahlentrückung einzelner Gläubiger (= Vorentrückung ´besonders
erwählter, zubereiteter und versiegelter Gotteskinder`; Anm. R. O.) vor der antichristlichen Zeit. Im
gleichen Jahr ist Darby im Haus jener Frau zu Besuch - und kommt in der Folge zur Vorentrückungserkenntnis.
Man wird davon ausgehen können, dass er dort einen ersten Impuls
empfangen hat. Doch dann beschäftigt er sich mit der Schrift. T. Tweedy, ein ehemaliger Pfarrer
der schottisch-reformierten Kirche, hilft ihm im Blick auf das Verständnis von Matth. 24, indem er
vorschlägt, dieses Kapitel allein auf die Juden zu beziehen ... Beim Studium von 2. Thess. 2 bricht
bei Darby dann die Vorentrückungserkenntnis voll durch. Er hat sie seitdem entschieden vertreten
und einen Großteil der Brüderbewegung damit geprägt. Darby vertritt allerdings die Vorentrückung
der gesamten Leibesgemeinde JESU - und nicht wie Margaret Macdonald eine Auswahlentrückung.
Die eigentliche Vorentrückungslehre geht also auf J. N. Darby zurück" (H. Stadelmann,
"Die Entrückung - vor oder nach der Trübsal? Über den Ursprung der Vorentrückungslehre", in:
Die Botschaft, 124. Jhg., Dez. 1983, 6f.).

Welch eine Ironie, wenn man bedenkt, dass die Darbysten behaupten, dass es in der nachapostolischen
Zeit angeblich keine besonderen Geistesgaben mehr geben würde und dass die Frauen in
den Versammlungen schweigen müssten.
Um seine neue Erkenntnis „biblisch“ zu untermauern, benutzte Darby die Bibelstelle 2. Timotheus
2,15b. Nach der King James Version bzw. der Luther-Bibelübersetzung von 1912 heisst es dort
vom „...Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit“. Die wörtliche Übersetzung des Begriffes
„ORTHO-TOMEO“ lautet: „gerade-schneiden“. Es könnte das Bild des Bauarbeiters dahinterstehen,
der die Steine gerade schneidet, damit sie in die Mauer passen; oder der Zeltmacher der
seinen Stoff gerade schneidet. Weitere Möglichkeiten: Sich auf geraden Wegen bewegen, einen
geradlinigen Kurs einschlagen oder einhalten; übertr.: d. Wort d. Wahrheit geradlinig, direkt,
korrekt und ohne Umschweife lehren und es nicht so verdrehen wie d. falschen Lehrer, d.h. es
richtig handhaben; viell. auch: geradlinig (ein)teilen; richtig zuteilen.

Von Anfang an haben Dispensationalisten diesen Satz in dem Sinne interpretiert, dass die Bibel
hier in scharf umgrenzten Abschnitten, in den bereits erwähnten „Dispensationen“ (= Heilszeiten),
dargestellt wird. Scofields Definition für eine Dispensation lautet: „Eine Dispensation (Heilszeit) ist
ein Zeitabschnitt, während dessen die Menschheit auf ihren Gehorsam gegen eine besondere
Offenbarung des Willens Gottes geprüft wird.“ Die Bibel richtig auszulegen heißt demnach, diese
Heilszeiten richtig zu unterscheiden.

Um 1833 hatte Darby sein streng systematisiertes Heilsabschnitts-System definiert und aufgebaut.
War der Dispensationalismus zu Beginn eine amorphe Bewegung, die in der Berichterstattung der
protestantischen Blätter oft nur als Nebensache behandelt wurde, differenzierte sie sich später und
wurde zur eigenen konfessionellen Grösse.

Die Verbreitung des Dispensationalismus in den USA im 19./20. Jh.

Der Dispensationalismus in den USA und Kanada wurde ungefähr ab 1840 verbreitet. Wesentlich
wirkten die Reisen Darbys zwischen 1862 und 1877 nach. Er hatte vor allem Kontakt zu Predigern
und anderen überzeugten Christen. Der Einfluss des Dispensationalismus ist bei Presbyterianern
und calvinistisch orientierten Baptisten spürbar. Die Methodisten waren nicht so offen für diese
Lehre, wenn man von den deutschsprachigen Methodisten absieht. Die englische Brüderbewegung
lehrte von den 30er bis in die 70er Jahre des 19. Jh. In ihren Schriften dieses System und
gewann damit bald breiten Einfluss unter Predigern in den USA wie D.L. Moody und C.I. Scofield.
Es wurden in den USA diverse Bibelkonferenzen durchgeführt (Niagara Konferenzen 1870 - 1900;
Bibel- und Prophetie-Konferenzen 1878 - 1914). Diese unterstützten sehr stark die Verbreitung
des Dispensationalismus, insbesondere durch die Gründung von Bibelschulen (The Nyack Bible
Instiute 1882, The Boston Missionary Training School 1889 und the Moody Bible Instiut 1889).
1909 schuf C.I. Scofield eine Bibelausgabe mit Anmerkungen zum Bibeltext. Diese kommentierte
Bibelausgabe auf der Basis von Darbys Dispensationalismus (= „Scofield-Bibel“), wurde bald zu
einer der meistverbreiteten Bibelausgaben im angelsächsischen Raum.

Die Verbreitung des Dispensationalismus in der Schweiz

Der Dispensationalismus wurde in der Schweiz erst nach dem 2. Weltkrieg verbreitet. Damals gab
die Leiterin der Bibelschule Beatenberg, Frau Dr. Gertrud Wasserzug-Traeder, die dispensationalistischen
Scofield-Anmerkungen auf Deutsch heraus, kombiniert mit dem Luthertext von 1912.
Spätere Auflagen der Scofield Bibel erschienen im Verlag Mitternachtsruf in Pfäffikon ZH. Seit
einigen Jahren wird die Scofield-Bibel durch den evangelikalen Rudolf Brockhaus-Verlag in
Wuppertal herausgegeben, mit dem Bibeltext in der revidierten Elberfelder Übersetzung.

Struktur und Inhalte des Dispensationalismus

Der strukturelle Schwerpunkt in Darbys Heilszeiten-System ist die Lehre von zwei verschiedenen
Heilsplänen. Der eine Heilsplan gilt ausschliesslich der Gemeinde (= Heidenchristen), die für den
Himmel berufen ist. Die Entrückung schliesst das Zeitalter (Dispensation) der Gemeinde ab. Der
andere Heilsplan bezieht bezieht sich gemäss Darby exklusiv auf die irdische Nation Israel. Israel
als das auserwählte Volk GOTTES ist für die Herrschaft auf dieser Erde bestimmt. Nach Darbys
Lehre wird im siebten und letzten Heilsabschnitt, dem 1000-jährigen Königreich, ausschließlich das
national wiederhergestellte und vollendete Israel von der Stadt Jerusalem aus auf der Erde mit
CHRISTUS herrschen. Mit dieser „Dispensation“, dem Heilsabschnitt des Königreiches der irdischen
Nation Israel, erfüllen sich alle z. Zt. noch ausstehenden Verheissungen an das alttestamentliche
Volk Israel. Das Herzstück dieser Verheissungen sind die Landverheissungen für Israel
und die Stadt Jerusalem. Deshalb ist der Dispensationalismus ein streng auf die Endzeit und auf
die nationale Wiederherstellung Israels fixiertes System.

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Dispensationalismus



Teil 2


Der Dispensationalismus nach Darby und Scofield



(1) Zeitalter der Unschuld: Das Zeitalter der Unschuld umfasst die Zeit von der Erschaffung
des Menschen bis zum Sündenfall Adams (1.Mose 1,28 - 3,6). In diesem Zeitalter im
Garten Eden handelt GOTT mit der gesamten Menschheit, die in einer vollkommenen
Umgebung lebt. Das Zeitalter der Unschuld endet im Ungehorsam des Menschen - und in
der dafür verheißenen Katastrophe!
(2) Zeitalter des Gewissens: Wieder handelt GOTT mit der gesamten Menschheit. Er überlässt
sie der Tätigkeit ihres Gewissens. Das Gewissen reicht nicht aus, den Menschen zu veranlassen,
bei GOTT Erlösung zu suchen. Es ist nicht die letzte Instanz, sondern weist lediglich
auf GOTT hin. Wieder versagt der Mensch in der Verantwortung GOTT gegenüber. So
findet auch das zweite Zeitalter im Gericht - der Sintflut - ein katastrophales Ende. Doch
GOTT hält Seine Verheißung und rettet Noah und seine Familie durch die Flut hindurch.
(3) Zeitalter der Herrschaft: Zum dritten Mal gibt GOTT der gesamten Menschheit einen Auftrag.
Als Noah die Arche verlässt und GOTT Seinen Bund mit ihm aufrichtet, befiehlt ihm
GOTT, eine menschliche Regierung einzurichten und die Erde zu bevölkern (1.Mose 9,1-
7). Noah und seine Nachkommen waren verantwortlich, in Gerechtigkeit zu regieren. Doch
einmal mehr sind die Menschen GOTT ungehorsam. So endet auch das Zeitalter der Herrschaft
im Gericht GOTTES - in der Katastrophe der Sprachenverwirrung.

(4) Zeitalter der Verheißung: Bisher handelte GOTT immer mit der gesamten Menschheit.
Dreimal hatten die Menschen gegen GOTT gesündigt, dreimal hatte GOTT Gericht gehalten,
und dreimal gab Er der Menschheit nach dem Gericht eine Verheißung. Hatte
GOTT bisher immer mit der gesamten Menschheit gehandelt, so trifft Er jetzt zu Beginn der
vierten Heilszeit eine Auswahl. GOTT beruft Abram (Apg 7,2-3; 1.Mose 12,1; Jos 24,2).
Ihm werden gewaltige Verheißungen zuteil. Wurde auch die Landverheißung an die Nachkommen
Abrahams - Volk Israel - zum Teil erfüllt, so verwirklicht GOTT die volle Verheißung
erst in der Zukunft. Allerdings erlebt die Gemeinde eine Vorerfüllung. Daher
konnte das Zeitalter der Verheißung nicht durch eine Katastrophe zu Ende gehen.
(5) Zeitalter des Gesetzes: Auch im Zeitalter des Gesetzes handelt GOTT nur mit einer Auswahl
aus den Menschen. Das Volk Israel wird auserwählt zum Bündnis mit GOTT. Nachdem
GOTT das gefangene Volk aus Ägypten befreit hat, gibt Er ihm am Sinai Sein Gesetz.
Dieser Bund zwischen GOTT und dem Volk Israel war an Werke gebunden. Doch Israel
hielt ihn nicht. Im Zeitalter des Gesetzes zeigt GOTT dem Menschen seinen sündigen
Zustand.

Das Urteil über dem Gesetzesbruch war der Tod.

So wurde die Menschheit auf das Kommen des Sohnes GOTTES vorbereitet. In die
ausweglose Situation unter dem Gesetz kommt JESUS CHRISTUS - ein Jude unter dem
Gesetz.
JESUS CHRISTUS erfüllte das Gesetz.
Das Zeitalter des Gesetzes endet mit der größten Katastrophe - der Kreuzigung JESU
CHRISTI. Hier entlädt sich der Zorn GOTTES über Seinen Sohn, der die Sünde der Welt
auf sich nimmt. Er muss sterben, denn so fordert es GOTTES Gesetz. Das Gesetz genügte
nicht, den Menschen zu erlösen.

(6) Zeitalter der Gnade: Nachdem im Zeitalter des Gesetzes der Mensch erkennen musste,
dass er nichts tun kann, offenbart GOTT im Zeitalter der Gnade, dass der Mensch nichts
tun muss - GOTT hat ja bereits alles Notwendige in CHRISTUS erfüllt. Das Zeitalter der
Gnade (oder auch das „Zeitalter der Gemeinde“ genannt) ist die Fortsetzung des Zeitalters
der Verheißung (s. Gal. 3,7-19). Daher beschränkt sich GOTTES Handeln auch nicht auf
eine Auswahl von Menschen. Das Angebot der Gnade gilt allen Menschen. Das Zeitalter
der Gnade kann nicht mit einer Katastrophe zu Ende gehen für die, die in diesen Gnadenbund
durch den Glauben eingetreten sind. So finden wir eine Vollendung dieses Zeitalters
in der ersten Auferstehung bzw. Entrückung der Gemeinde. Für diejenigen allerdings, die
nicht glauben, d.h. diesen von GOTT bereitgestellten, bedingungslosen Bund nicht annehmen,
endet das Zeitalter der Gnade in der gewaltigen Katastrophe der großen Trübsal.
Nun geht die Geschichte GOTTES mit Seinem Volk Israel weiter.

(7) Zeitalter des Tausendjährigen Reiches: Im Zeitalter des Tausendjährigen Reiches erfüllen
sich die Heilsprophetien für Israel. Als König auf dem Thron Davids regiert CHRISTUS von
Jerusalem aus die Welt mit eisernem Zepter. Nun wird die bekehrte Nation Israel die Völker
der Erde missionieren. Während dieser 1000 Jahre ist Satan gebunden. Doch nach seiner
Freilassung verführt er noch einmal die Nationen. Auch die sichtbare Herrschaft JESU
CHRISTI wird nicht genügen, um die Menschen zu verändern. So wird das Zeitalter des
Tausendjährigen Reiches im Gericht über Satan und dem Untergang der Welt zu Ende
gehen. Gleichzeitig wird die ewige Herrlichkeit - der neue Himmel und die neue Erde –
beginnen.

ZUSAMMENFASSUNG: Im Heilsplan GOTTES ist das Handeln des Menschen völlig
ausgeschlossen - nur GOTT tut etwas. So ist auch die Rettung der Menschen, die nicht im
Zeitalter der Gnade leben, nur möglich durch den Tod JESU CHRISTI.
Damit gipfelt der Heilsplan GOTTES in der Person JESUS CHRISTUS und Seinem Werk: dem
Kreuz und der Auferstehung.
Der Dispensationalismus nach Knoch
01. Unschuld (im Garten Eden),
02. Gewissen (bis zur Flut),
03. Regierung,
04. Verheißung (an Israel),
05. Gesetz (Israel gegeben),
06. Fleischwerdung (Jesu),
07. Pfingsten (Kräfte des Millenniums werden kurz sichtbar),
08. Übergang (in das Evangelium des Paulus),
09. Geheimnis (Gnade, die heutige Haushaltung),
10. Gericht (Tag des Zorns),
11. Königreich (Millennium) und
12. Vervollständiung (Neuer Himmel, neue Erde)
Die Dispensationen 1+2, 3-10, 11 und 12 werden bei Knoch zu Äonen zusammengefasst.

Die Dispensationen (nach Darby und Scofield) auf dem Prüfstand

Zu (1): Über die »Dispensation der Unschuld« braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Alle
wiedergeborenen Christen sind sich einig, dass es eine solche Zeit gegeben hat und dass das
Verhältnis zwischen GOTT und den Menschen durch den Einbruch der Sünde eine radikale
Wandlung erlitten hat. Wenn man dies eine „Dispensation“ nennen möchte, so mag es wohl
möglich sein.

Zu (2): Die „Dispensation des Gewissens“, hier erläutert die Scofield-Bibel wie folgt: „Aus Eden
hinausgetrieben ... war [Adam] nun verpflichtet, alles erkannte Gute zu tun, alles erkannte Böse zu
lassen und sich GOTT durch Opfer zu nahen ... die Dispensation endete mit der Flut ...“ „Endete“ -
was endete hier? Endete die Verantwortlichkeit jedes Menschen, das erkannte Gute auch zu tun?
Gewiss nicht! Diese Verantwortlichkeit bleibt bis heute bestehen. Endete die Verpflichtung, sich
GOTT durch Opfer zu nahen? Nein, denn diese bestand weiterhin bis zu dem endgültigen Opfer
CHRISTI. Endete die Regung des Gewissens in den Herzen der Menschen? Keinesfalls! Paulus
sprach von ihr als wirksam in seiner Zeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Welche
charakteristischen Merkmale der „Dispensation des Gewissens“ sollen denn nun mit der Flut
geendet haben?

Zu (3): Das nächste ist die „Dispensation der menschlichen Herrschaft“, welche drei Endpunkte
hat; doch der Gedanke, dass es vor der Flut keine menschliche Regierung gegeben hat, ist
ungerechtfertigt. Im Falle der Juden endete die menschliche Regierung nicht, wie behauptet, mit
den Gefangenschaften. Es ist wohl richtig, dass sie, außer für einen kurzen Zeitraum unter den
Makkabäern, ihre nationale Unabhängigkeit nicht wiedererlangten, doch die Ausübung
menschlicher Regierung durch die Oberhäupter des jüdischen Volkes (Sanhedrin) wurde bis zur
Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. fortgesetzt (siehe 1. Mose 49,10).

Zu (4): Dann kommt das „Zeitalter der Verheißung“. Wir erfahren, dass sie mit der Gesetzgebung
auf dem Berg Sinai endete. Wiederum sei die Frage erlaubt: In welchem Sinne endete die
Verheißung an Abraham damals? Auch hierauf bekommen wir kaum eine Antwort. Wurden die
Verheißungen, er solle zu einem großen Volk werden, GOTT wolle ihm einen großen Namen
machen und das Land Kanaan solle seinen Nachkommen als Besitz gegeben werden,
zurückgenommen? Nein. Paulus erklärt ausdrücklich, dass die Gesetzgebung nicht dazu geführt
hat (Gal 3,19-22). War die Verheißung bereits erfüllt worden? Wir wissen, dass es nicht so war.
War es fortan unwichtig für einen Gläubigen des Alten Testamentes, an die Verheißung zu
glauben? Wer könnte so etwas meinen?

Zu (6): Der Punkt, an dem die Dispensationalisten mit der historischen christlichen Theologie in
Konflikt geraten, ist ihre Lehre von der Gemeinde und ihre Beziehung zum alttestamentlichen
Israel. Die Dispensationalisten behaupten: „Insbesondere ist es notwendig, den Gedanken
auszuschließen - der ja ein Vermächtnis des protestantischen Denkens aus nachapostoIischer Zeit
sowie aus der römisch-katholischen Theologie ist -, dass die Kirche das wahre Israel ist und dass
die neutestamentliche Vorausschau des Königreichs sich in der Kirche erfüllt hat.“
Die Dispensationalisten möchten also nach Pfingsten das alttestamentliche Gottesvolk
getrennt vom neutestamentlichen Gottesvolk parallel anordnen. Damit führen sie eine relativ
neue Lehre in die Theologie ein.

Die verschiedenen Ausprägungen des Dispensationalismus


Innerhalb der „dispensationalistischen Schule“ haben sich hier unterschiedliche Lager gebildet. Es
ist der klassische (oder normative), der modifizierte, der progressive und der Ultradispensationalis-
mus (Bullingerismus). Vom Dispensationalismus insgesamt wiederum ist der historische Prämillennialismus
zu unterscheiden. Den klassischen Dispensationalismus haben wir uns bereits angesehen.
Nun möchte ich noch auf die anderen Formen des Dispensationalismus eingehen.

Der modifizierte Dispensationalismus

Worin liegt im Blick auf die Eschatologie der wesentliche Unterschied zwischen dem klassischen
und dem modifizierten D., wie er seit den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts etwa in den
Werken von Charles C. Ryrie und J. Dwight Pentecost begegnet? Der Unterschied bezieht sich auf
die Zuordnung von Israel und der (heiden-)christlichen Gemeinde. An der Trennung zwischen
Israel und der Gemeinde wird zwar festgehalten - diese stellt etwa für Ryrie das "Sine Qua Non
(entscheidendes Kennzeichen) des Dispensationalismus" dar -, aber diese Trennung wird nicht
mehr als so absolut betrachtet, wie dies beim klassischen Dispensationalismus der Fall war.

Der progressive Dispensationalismus

Der progressive Dispensationalismus, wie er seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts etwa von
Robert Saucy, Darrell L. Bock und Kenneth L. Barker vertreten wird, nimmt gegenüber einer modifizierten
Form die Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde noch weiter zurück. Er bewegt
sich jenseits des „Sine Qua Non" Ryries. Wichtiger als die Unterscheidung oder gar Trennung
in Gestalt von Dispensationen ist ihm die Einheit, die durch das Opfer JESU CHRISTI
vollbracht ist. Sein Ansatz möchte weniger anthropologisch - an dem Zustand der Menschengruppen
(Israel und Gemeinde) - als vielmehr christologisch-soteriologisch (an CHRISTUS und
Seinem Heilswerk) orientiert sein.

Neue theologische Erkenntnisse auf exegetischem und historischem Gebiet haben viele Dispensationalisten
dazu geführt, „die transzendentale Unterscheidung zwischen himmlischen und
irdischen Völkern aufzugeben zugunsten einer historischen Unterscheidung in bezug auf die fortschreitende
Offenbarung des göttlichen Vorsatzes" (C. A. Blaising/D. L. Bock, Dispensationalism,
Israel and the Church, 1992, 33). Diese fortschreitende Offenbarung hat dem progressiven Dispensationalismus
den Namen gegeben: "It is continuity through progress, the progress of promissory
fulfillment". "Es ist Kontinuität durch Fortschreiten, das Fortschreiten der Erfüllung von
Verheissungen" (a.a.O., 381). Israel und die Gemeinde werden zwar weiterhin als Völker mit
verschiedenen Verheißungen und Aufträgen betrachtet, aber spätestens in der Ewigkeit ist diese
Unterschiedenheit völlig aufgehoben.

Mit dieser Einschränkung des Unterschieds zwischen Israel und der Gemeinde nähert sich der
dispensationalistische Prämillennialismus neuerdings mehr und mehr einem historischen Prämillennialismus
an, wie er etwa von George E. Ladd vertreten wird. Der historische Prämillennialismus
beansprucht, ohne Ausmalung dispensationalistischer Lehren unmittelbar an die frühen
Kirchenväter anzuknüpfen, die seines Erachtens prämillennialistisch, aber nicht dispensationalistisch
dachten und insbesondere die strenge Trennung zwischen Israel und der Gemeinde noch
nicht kannten. Historische Prämillennialisten lehren, dass die Gemeinde das geistliche Israel ist
und dass die Bundesverheißungen an Israel auf die Gemeinde übergegangen sind. Ein Millennium
wird zwar erwartet, doch ist dieses nicht auf ein nationales Israel ausgerichtet, sondern auf die
Herrschaft der Gemeinde mit Christus. Auch wird die Gemeinde erst nach der Trübsal entrückt, ist
also in der Zeit der Bedrängnis noch vorhanden. Mt 24 und andere Stellen werden daher auf die
Gemeinde bezogen (Posttribulationismus, Nachent- rückungslehre). Die Rolle Israels ist damit
nicht ausgeschlossen, tritt aber deutlich zurück. Eine Dichotomie (Zweiteilung) zwischen Israel und
der Gemeinde wird abgelehnt. Das sind die wesentlichen Unterschiede zum dispensationalis-
tischen Prämillennialismus.

Prüft man den exegetischen Befund (z.B. Eph 2,11ff.), so fällt es in der Tat schwer, Israel und die
Gemeinde als ausschließliche Gegensätze zu behandeln. Das wird deshalb heute auch kaum
noch getan. Dass trotz der gemeinsamen Zielbestimmung Unterschiede zwischen Israel und der
Gemeinde vorhanden sind, wird kaum jemand leugnen, auch nicht die Vertreter eines historischen
Prämillennialismus. Doch trotz dieser Unterschiede die Einheit festzuhalten und die Betonung auf
diese Einheit zu legen - dieses Verdienst kommt unbestreitbar dem progressiven Dispensationalismus
zu.

Der progressive Dispensationalismus ist (neben anderen Gründen) durch einen Wechsel der Auslegungsmethode
entstanden. Anstatt einem traditionellen grammatikalisch-historischen System zu
folgen, (wie der klassische Dispensationalismus) bevorzugen die Anhänger des progressiven D.
eine historisch-grammatikalisch-wörtlich-theologische Hermeneutik bei der Bibelauslegung. Dieses
System unterscheidet sich von der klassisch- dispensationalistische Bibelauslegung in folgenden
Punkten:

• Die Textbedeutung wird nicht auf die Vorgabe des Kontextes limitiert, sondern es läßt
“ergänzende” Deutungen zu, die dem biblischen Text Jahre oder sogar Jahrzehnte später
hinzugefügt wurden, nachdem der biblische Autor den Text niederschrieb.
• Progressive Dispensationalisten geben schwerpunktmäßige Kommentare über einen
Bibeltext, im Unterschied zu den klassischen D., die den Bibeltext i. d. R. grammatikalischhistorisch
auslegen.

Diese beiden Punkte belegen, dass der gravierende Unterschied zwischen dem klassischen und
progressiven Dispensationalismus ein hermeneutischer ist.
Der Ultradispensationalismus (Bullingerismus)
Die Vorsilbe “ultra” bezeichnet jemanden, dessen Standpunkt noch extremer ist als der desjenigen,
der den Begriff gebraucht. Der Hauptunterschied zwischen dem Ultradispensationalismus und dem
normativen Dispensationalismus liegt in der Frage, wann die Gemeinde, der Leib CHRISTI,
historisch ihren Anfang genommen hat. Die Ultradispensationalisten glauben, dass sie mit Paulus
einige Zeit nach Pfingsten begann, während die normativen Dispensationalisten daran festhalten,
dass die Gemeinde ihren Anfang an Pfingsten hatte (Apg. 2). Dieser Unterschied sieht auf dem
ersten Blick nicht sehr gravierend aus, allerdings beeinflusst er, welche Verordnungen praktiziert
werden und welche Bibeltexte unmittelbar die Gemeinde betreffen.

Es gibt zwei Ausformungen des Ultradispensationalismus, die extreme und die gemäßigte. Es
besteht Übereinstimmung zwischen beiden über sechs Punkte:
• Der Missionsbefehl in den Evangelien betrifft nur die Juden, und nicht die Gemeinde
• Der Dienst der zwölf Apostel war eine Fortsetzung des irdischen Dienstes CHRISTI
• Die Gemeinde nahm nicht zu Pfingsten ihren Anfang
• Die Wassertaufe gilt nicht für dieses Gemeindezeitalter
• Es gibt einen Unterschied zwischen dem früheren und dem späteren Dienst des Paulus
• Israel, und nicht die Gemeinde, ist die Braut CHRISTI

Keine Übereinstimmung herrscht zwischen beiden Ausformungen über die folgenden vier Punkte:
• Wann begann die Gemeinde?
• Extreme: Apostelgeschichte 28
• Gemäßigte: vor Apostelgeschichte 28
• Wie lange währt die Überganszeit in der Apostelgeschichte?
• Extreme: bis Apostelgeschichte 28
• Gemäßigte: bis Apg. 9 oder 13
• Wo ist der richtige Ort für das Herrenmahl?
• Extreme: nirgendwo
• Gemäßigte: in der Gemeinde
• Welche der Heiligen Schriften sind in erster Linie für die Gemeinde geschrieben?
• Extreme: Nur die Gefängnisbriefe
• Gemäßigte: auch alle anderen paulinischen Briefe
Der Begriff “Bullingerismus” geht auf den englischen Theologen Ethelbert William Bullinger zurück,
der den Ultradispensationalismus entscheidend prägte.
Exkurs: Wer war Ethelbert William Bullinger?
Ethelbert William Bullinger (1837 - 1913) wurde am 15. Dezember 1837 im englischen
Canterbury geboren. Ein direkter Vorfahre von ihm war Johann Heinrich Bullinger, ein
Bündnistheologe, der im Dezember 1531 in Zürich Ulrich Zwingli nachfolgte.
Seine Ausbildung absolvierte E. W. Bullinger am King’s College in London. Seine
Kompetenz auf dem Gebiet der biblischen Sprachen war geschätzt und deshalb wurde
ihm vom Erzbischof von Canterbury 1881 die Ehrendoktorwürde der Theologie
verliehen.

Bullinger glaubte an die prämillennnialistische Entrückung vor der großen Trübsal und
lehrte sie auch. Er war ein Ultradispensationalist, weil ”er lehrte, dass die Evangelien
und die Apostelgeschichte noch zum Zeitalter des Gesetzes gehörten und dass die
Gemeinde ihren tatsächlichen Anfang mit dem Dienst des Paulus nach
Apostelgeschichte 28,28 genommen habe” (Enns). Eine weitere Irrlehre (neben vielen
anderen Irrlehren) war die irrige Ansicht, dass die Seele zwischen dem Tod und der
Auferstehung ausgelöscht wird. Viele seiner Verehrer waren Befürworter der
Seelenvernichtungsirrlehre.

Einige seiner bekanntesten Werke sind Commentary on Revelation, Word Studies on
the Holy Spirit, The Witness of the Stars, The Book of Job, Figures of Speech Used in
the Bible, Great Cloud of Witnesses, The Critical Lexicon and Concordance to the
English and Greek New Testaments und The Companion Bible.
Bullinger starb am 6. Juni 1913 in London.

Der Dispensationalismus - eine relativ neue Lehre

Ist der Dispensationalismus nicht die vorherrschende Ansicht in vielen evangelikalen Kreisen
Deutschlands? Wird nicht in diesen Kreisen besonders von Israel (Ehefrau JHWH) und der Gemeinde
(Braut JHWH) gesprochen? Dies ist richtig und dennoch muss hier betont werden, dass
diese Lehre mit all ihren Ausprägungen, bezogen auf 2.000 Jahre Christenheit, relativ neu ist.
Die von den Dispensationalisten bestrittene Lehre wurde, wie bereits erwähnt, seit dem 6. Jahrhundert
bis zur Zeit Darbys von vielen Menschen vertreten. Darbys Lehre besagt, sehr kurz
formuliert, dass zwischen der historischen Entwicklung Israels und dem Entstehen der christlichen
Gemeinde ein deutlicher Bruch liege. Nach dem Zeitalter der Gemeinde würde GOTT die Geschichte
mit dem alttestamentlichen Volk fortführen. Die Gemeinde wäre damit in GOTTES Plan
nur eine Zwischenlösung gewesen.

Projiziert Darby hier seine eigene tiefe Enttäuschung über das
sündige Regiment der Kirchenfürsten seiner Tage in seine Theologie hinein? Die Gemeinde
GOTTES, wie im Neuen Testament vorgestellt, könne doch nicht der Schlusspunkt der Heilsgeschichte
sein. Doch weder bei den Kirchenvätern der verschiedenen Ausprägungen noch bei den
Theologen der Konzile, des Mittelalters, der Reformatoren oder der Puritaner war diese Lehre von
Bedeutung. Wenn Darby und später seine Schüler recht hatten, dann hatte die gesamte christliche
Gemeinde in diesem wichtigen Punkt des christlichen Glaubens 1800 Jahre lang unrecht. Nur
Darby hätte diese andere Sicht in einer besonderen Offenbarung erhalten.

Die eigentliche Absicht JESU aus dispensationalistischer Sicht

Was war die eigentliche Absicht von JESU Kommen nach Ansicht der Dispensationalisten?
Hier griff die neue Erkenntnis Darbys: Bald nach dem Tod der Apostel hätten die Gläubigen damit
angefangen, alttestamentliche Prophezeiungen und Verheißungen herzunehmen und auf sich
selbst anzuwenden. Sie hätten richtig erkannt, dass GOTT Sein irdisches Volk beiseite gesetzt
habe und dass sie, die Gemeinschaft der Christen (ein neuer Mensch in CHRISTUS aus Juden
und Nationen, Eph 2,15), nun das „Volk GOTTES“ waren. Dabei hätten sie jedoch den Fehler
gemacht, zu denken, dass Israel nun keinerlei Zukunft mehr hätte. Das Alte Testament sei aber
geschrieben von einem und für ein irdisches Volk. Die Prophetie selbst beschäftige sich stets mit
der Erde (??). Die neutestamentliche Gemeinde würde im Alten Testament nie erwähnt (!!) und sei
nirgends Gegenstand der Prophetie, weil sie ihrem Wesen nach himmlisch ist. Keine der alttestamentlichen
Prophetien seien auf sie anzuwenden. Sie sei das Geheimnis, verborgen in GOTT.

Aber als die Gemeinde jüdische Hoffnungen (und Praktiken) übernahm, hätte sie ihre eine wahre
Hoffnung verloren: das Kommen des HERRN für sie.
Das Wort GOTTES lehrt etwas anderes. Die Bibel bezeugt, dass schon die alttestamentlichen
Propheten sich gefragt hätten, wem ihre Weissagungen wohl gelten sollten. Als Antwort haben sie
erhalten: Sie sollten der Gemeinde, den Christen, dienen (siehe 1. Petrus 1,10-12!).
Insbesondere der Hebräerbrief deutet viele alttestamentliche Prophezeiungen und Tatbestände
aus der Sicht des Neuen Testaments. Er erklärt, dass die alttestamentlichen Vorbilder nicht das
Eigentliche waren, sondern nur auf das Eigentliche hinweisen sollten. Zum Beispiel:

• JESUS ist der wahre Hohepriester (4,14-7,28)
• Die neutestamentliche Hoffnung ist die bessere Hoffnung (7,19)
• Der neue Bund ist der viel bessere Bund (7,22)
• CHRISTI Opfer ist das bessere Opfer (9,23;10,14).

Gibt es im Alten Testament Prophetien für die Gemeinde? Die Verheißung, dass der Messias auf
dem Thron Davids sitzen werde, wird, um Scofield zu zitieren: „völlig unverändert ins Neue Testament
übernommen“ und dürfe nicht anders verstanden werden als die Verheißung einer politischen
Souveränherrschaft. So hätte Johannes der Täufer sie verkündet, als er predigte, dass das
Königreich nahe herbei gekommen war. Und so hätte JESUS selbst es im frühen Abschnitt seines
Dienstes gepredigt und verstanden. JESUS wäre damit gekommen, um eine solche politische
Herrschaft aufzurichten. Er hätte sie aufgerichtet, wenn Er gekonnt hätte. Diese Absicht sei durch
die Verweigerung der Juden, Ihn als ihren König anzunehmen, vereitelt worden. Deshalb sei zu
einem bestimmten Zeitpunkt Seines Dienstes - gekennzeichnet durch Mt 11,28 - (siehe Scofield-
Bibel S.985 Fußnote!) dieses Angebot zurückgezogen und ein neues Angebot an seine Stelle
gesetzt worden. Mt 11,28: „nicht das Königreich, sondern Ruhe und Dienst allen ..., die wissen,
dass sie seine Hilfe brauchen“.

Dieser Entzug des Angebots, das „Königreich“ aufzurichten, wäre
jedoch nur zeitlich befristet. Das Angebot würde kurz vor der „Offenbarung“ JESU CHRISTI
erneuert werden, d. h. während der finsteren Tage des Antichristen, und es würde im Millennium
verwirklicht werden. Dies nennt man die „Theorie vom aufgeschobenen Königreich“. Die
Erneuerung dieses Angebots in den letzten Tagen würde somit den Zeitpunkt kennzeichnen, an
dem die Erfüllung alttestamentlicher Prophetie fortgesetzt werde.

Der Dispensationalismus und die Bibel - wie verstehen
Dispensationalisten die Bibel?


Ein Schüler Scofields schreibt: „Die prophetische Uhr ist auf Golgatha stehengeblieben. Nicht ein
einziges Ticken war seitdem zu hören. Von dem Moment an, als Jesus sein Haupt neigte und
seinen Geist in die Hände des Vaters befahl, sind all die Herrlichkeiten des Königreichs, von denen
die alttestamentlichen Seher und Propheten sprachen, im Zustand des Aufschubs.“
Die Bibel wird mit dieser Aussage in ein jüdisches Buch verwandelt, in dem Sinne, dass die
traditionelle Deutung der Synagoge, nicht diejenige der Gemeinde JESU, als korrekt anzusehen
ist. Das Alte und das Neue Testament wird von uns neutestamentlichen Gläubigen als das zu uns
gesprochene Wort Gottes angenommen. Allerdings wird es unter der Leitung dieser Lehrer zu
einem Wirrwarr von Dokumenten. Folgen wir dieser Vorstellung, bedarf es eines dispensationalistischen
Experten, um für uns zu entscheiden, welche Botschaft für uns bestimmt ist und welche für
die Juden des Millenniums. Ist der Hebräerbrief wirklich nur für Juden geschrieben worden? Ist die
Bergpredigt etwa zuerst nur das Gesetzbuch für das 1000jährige Reich?

Wir sind somit überrascht, dass konservative Bibellehrer mit liberalen Theologen in der Weise
übereinstimmen, wie sie die Bibel zerschneiden. Radikale Forscher zerlegen das Alte Testament in
unterschiedliche, sich widersprechende Dokumente mit gegensätzlichen theologischen Konzepten.
Die Dispensationalisten gehen zwar nicht auf die gleiche Weise vor, doch sie kommen zum Teil zu
ähnlichen Ergebnissen. Ebenso wie radikale Kritiker die biblischen Dokumente in kleinste Teilchen
zerlegen, so gibt es auch manche Ultra-Dispensationalisten („Bullinge- rianer“), die das gleiche
tun.

Der Dispensationalismus und das Kreuz CHRISTI

Sind wir Christen uns wenigstens in Bezug auf das Kreuz CHRISTI einig?
Die Unterscheidung, die der Dispensationalismus zwischen Israel und Gemeinde macht, deutet
einen anderen Heilsweg an. Dispensationalisten machen eine qualitative Unterscheidung zwischen
Israel und der Gemeinde. Diese zwei unterschiedlichen Gebilde haben eine unterschiedliche
Beziehung zu CHRISTUS in diesem Leben und eine unterschiedliche Zukunft. Die Bibel lehrt
jedoch, dass GOTTES Volk in allen Dispensationen ein und dasselbe ist (Eph 2,20).

Biblische Bewertung

Um eine biblische Bewertung des Dispensationalismus’ vornehmen zu können, muss die Frage
beantwortet werden, wie man das Alte Testament (AT) in Beziehung zum Neuen Testament (NT)
versteht. In diesem Zusammenhang gibt es grob vier Hauptlinien der Interpretation und des
Verständnisses der Bibel:

Eine Gruppe versteht die Geschichte aus Sicht der Bibel streng eingeteilt in verschiedene Zeitalter
mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und eigenen Plänen GOTTES (Dispensationalismus).
Zwischen diesen in sich geschlossenen sogenannten "Haushaltungen" (engl. dispensions) gibt es
nur wenige übergreifende geistliche Aspekte, die für andere "Haushaltungen" Gültigkeit hätten. In
dieser Sichtweise bleibt kaum Platz für generelle Verheißungen vergangener Zeiten im AT, die für
Christen heute konkrete Bedeutung hätten.

Andere verstehen in der Bibel als absolute Einheit mit einer einzigen übergeordneten geistlichen
Wahrheit, die insbesondere für die Gemeinde JESU im NT gültig ist. Diese Gruppe bezieht
ausnahmslos alles im AT als Vorläufer für die jetzige neutestamentliche Zeit. Beispielsweise wird
alles, was mit Israel zu tun hat, auf die Gemeinde übertragen. Alle AT-Verheißungen gelten
demnach ausnahmslos – meist übertragen symbolisch verstanden - für die Gemeinde bzw. für die
Christen. Hierbei werden die ursprünglichen Zusammenhänge der Aussagen im AT oft nicht
berücksichtigt.

Eine dritte Gruppe versteht die Bibel zwar in einem einheitlichen Zusammenhang mit inhaltlich
engen Beziehungen zwischen AT und NT, trennt aber strikt zwischen Israel im AT und der
Gemeinde im NT. Diese Gruppe versteht die AT-Verheißungen fast ausnahmslos als für Israel
geltend - mit noch ausstehenden Erfüllungen. Die Verheißungen im NT hingegen gelten für die
Gemeinde. Allerdings haben JESUS und die Apostel eine solche strikte Trennung nicht vollzogen,
oft haben sie das AT auf sich und die neutestamentliche Zeit bezogen.

Eine vierte Gruppe versteht die Bibel als eine Einheit, in der GOTTES Wirken und Ratschluss vom
Beginn der Schöpfung bis zur Schaffung der neuen Welt als ein roter Faden beschrieben wird.
Durch die Geschichte mit ihren verschiedenen Epochen gilt ein einziges geistliches Prinzip. Diese
Gruppe vesteht die Geschichte als Gottes kontinuierliches Handeln, in dem allmählich Sein Plan
umgesetzt und zum Ziel geführt wird ("Heilsgeschichte"). In dieser Sicht gelten die Verheißungen
in der Regel denen, die an den GOTT der Bibel glauben. Man muss jedoch aus dem textlichen und
geschichtlichen Zusammenhang heraus sehen, wer konkret angesprochen wird, wie eine
Verheißung zu verstehen ist, wem konkret eine Verheißung unter welchen Umständen gilt. Ich
persönlich sehe diese Denkweise am nähesten am korrekten Verständnis der Bibel.

Wie JESUS und die Apostel mit dem Alten Testament umgehen

GOTTES Wort offenbart den Ursprung der Schöpfung und der Menschheit, es offenbart GOTTES
Willen bezüglich der Schöpfung und des Menschen, es offenbart das Verhalten und das Wesen
des Menschen und GOTTES Geschichte mit dem Menschen vom Fall bis zu einer Wiederherstellung,
Rechtfertigung und Gericht über die Sünde. Es wird der Bogen gespannt über die Urzeit
der Menschheit über die Sintflut, über die besonderer Erwählung Abrahams und des Volkes Israel,
dessen Rettung, Landnahme und schließlicher Gefangennahme bis hin zum Kommen des Messias
am Kreuz, der Berufung seiner Gemeinde und Dessen Kommen in Herrlichkeit.

Schon im AT wird Israel als Nation (der sichtbare Bereich) und parallel dazu der gläubige Rest (der
geistliche Bereich) dargestellt. Bei JESU Kommen (Zeit des NT) wurde der gläubige Rest Israels
zusammen mit Gläubigen aus den anderen Völkern zur Gemeinde Jesu berufen. Nun gibt es
aktuell drei Gruppen, die Israeliten („nach dem Fleisch“, wie Paulus sie beschreibt), also die
ethnische Gruppe der bis heute lebenden Juden, ferner die an CHRISTUS Gläubigen (Juden und
Heiden) als Bestandteil der Gemeinde Jesu und schließlich die Nicht-Gläubigen (Nationen oder
Heiden). Über jede drei dieser Gruppen finden wir durch die ganze Bibel hindurch eine Fülle von
Aussagen und Versprechen GOTTES.

Die Apostel verstehen viele AT-Zitate als Voraussagen der Ordnungen, die im NT Realität wurden.
Diese betreffen die an CHRISTUS Gläubigen (die Christen), die Gemeinde. Der Römerbrief erklärt
uns beispielsweise den Glauben der Christen im Zusammenhang mit Abrahams Glauben. Im
Galaterbrief erläutert Paulus den Zusammenhang der Verheißungen an Abraham mit denen an die
heutigen Gläubigen. Der Hebräerbrief verdeutlicht die AT-Ordnungen bezüglich des Opferwesens
und des dabei vergossenen Blutes und deutet dieses alles auf CHRISTUS. Außerdem schlägt
gerade der Hebräerbrief in Kapitel 11 die wunderbare Brücke zwischen den Gläubigen im AT und
denen im NT.

In der Offenbarung werden eine Vielzahl von Symbolen und Begriffen aus dem AT verwendet und
in ein neues Licht gestellt. Man findet gerade in der Offenbarung fundamentale Aussagen und
Sichtweisen aus den Propheten Jesaja, Hesekiel und Daniel wieder. Hier wird deutlich, dass es
keine Trennung zwischen dem AT- und NT-Zeitalter gibt, sondern dass die Testamente stark
miteinander verwoben sind und sich aufeinander beziehen, da sie alle gleichwertige Bestandteile
ein und derselben Geschichte GOTTES sind.

GOTTES Versprechen für die Gläubigen

Schauen wir uns ein paar konkrete Verheißungen an und versuchen wir diese im Kontext und der
Betrachtungsweise der Apostel zu sehen:
1.Mose 17,1: „Als nun Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm JHWH und sprach zu ihm: Ich bin
GOTT, der Allmächtige. Wandle vor mir und sei untadelig!“
Hier wird konkret Abraham angesprochen - diese Verheißung gilt erst einmal ihm. Dennoch wird er
dadurch zum Vater vieler Völker. Er wird somit auch zum Vater der Gläubigen im NT (Römer 4,17
und 1.Mose 17,5).

Zeitlich nach 1.Mose 17,7 wird von einem Bund zwischen GOTT und Abraham gesprochen, der
sich über dessen Nachkommen erstreckt. In 1.Mose 22,18 verheißt GOTT, dass durch Sein Geschlecht
alle Völker auf Erden gesegnet werden sollen. Diese Bundesverheißungen gelten hier
erst einmal konkret Abraham und seinen Nachkommen. Aber die Bibel selbst eröffnet uns einen
weiteren Blick. Paulus sagt uns in Galater 3,16, dass hier nicht die Nachkommen Abrahams (Volk
Israel), sondern der eine Nachkomme – JESUS CHRISTUS – gemeint ist.

Hier wird deutlich, dass Pauschalaussagen, alles gelte Israel, oder alles gelte der Gemeinde, oder
alles gelte nur den angesprochenen Personen oder alles gelte übergeordnet immer und ewig nicht
gemacht werden können. Der Gesamtzusammenhang der Bibel ist zu berücksichtigen. Erst dann
wird deutlich, wem welche Verheißungen gelten. Der folgende Abschnitt verdeutlicht dies:

„1 O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht,
euch, denen JESUS CHRISTUS als unter euch gekreuzigt vor die Augen gemalt worden ist?
2 Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den GEIST durch Werke des Gesetzes
empfangen oder durch die Verkündigung vom Glauben? 3 Seid ihr so unverständig? Im Geist
habt ihr angefangen und wollt es nun im Fleisch vollenden? 4 So viel habt ihr umsonst erlitten?
Wenn es wirklich umsonst ist! 5 Der euch nun den Geist darreicht und Kräfte in euch wirken lässt,
[tut er es] durch Werke des Gesetzes oder durch die Verkündigung vom Glauben? 6 Gleichwie
Abraham GOTT geglaubt hat und es ihm zur Gerechtigkeit angerechnet wurde, 7 so erkennt auch,
dass die aus dem Glauben Abrahams Kinder sind. 8 Da es nun die Schrift voraussah, dass GOTT
die Heiden aus Glauben rechtfertigen würde, hat sie dem Abraham im voraus das Evangelium
verkündigt: "In dir sollen gesegnet werden alle Völker" 9 So werden nun die, welche aus dem
Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. 10

Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun" 11 Dass aber durch das
Gesetz niemand vor GOTT gerechtfertigt wird, ist offenbar; denn "der Gerechte wird aus Glauben
leben" 12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: "Der Mensch, der diese Dinge tut, wird
durch sie leben" 13 CHRISTUS hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, Er ein Fluch
wurde um unsertwillen (denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der am Holz hängt"),
14 damit der Segen Abrahams zu den Heiden komme in CHRISTUS JESUS, damit wir durch den
Glauben den GEIST empfingen, der verheißen worden war.“ (Gal. 3,1-14).

Paulus macht hier deutlich, wie die Apostel das AT verstanden haben. Der in 1. Mose 15 angesprochene
Glaube Abrahams wird von Paulus thematisiert. Paulus konzentriert dieses Thema auf
den Gedanken, dass in den Glaubensverheißungen und Segensversprechungen an Abraham
(auch) die Gläubigen im NT gemeint sind.
Galater 4,21-31 zeigt uns, wie Paulus die Abraham-Söhne Isaak und Ismael sieht. Nicht Israeliten
und Araber (Ismaeliten) spielen hier wie im AT eine Rolle, sondern die gesetzesgebunden
Israeliten im Gegensatz zu den befreiten Gläubigen. Das ist ein weiteres Beispiel das uns zeigt,
wie sehr man den Zusammenhang der Schrift beachten muss.

JHWH wird für euch streiten, und ihr sollt still sein! (2. Mose 14,14).
Hier haben wir es in erster Linie mit einer Verheißung des HERRN an Sein bedrängtes Volk Israel
in einer konkreten Situation zu tun. Das ist ein schönes Beispiel, wie allgemeine Wahrheiten in
gewissen Situationen konkret ausgesprochen und Realität wurden. Das heißt aber nicht, dass
diese Aussage ausschließlich in dem Augenblick und in dieser konkreten Situation gegolten haben
muss. Auch hier ist es wichtig aus den Gesamtaussagen der Bibel schließen zu können, ob wir es
mit einer allgemein gültigen Aussage zu tun oder mit einer einmaligen.

Viele andere Bibelstellen lassen erkennen, dass hier eine generelle Wahrheit ausgesprochen wird,
die im konkreten Fall ein Zuspruch für eine Zielgruppe wurde. Dennoch kann man durchaus sagen,
dass GOTT solche Zusage allen macht, die als Gläubige zu seinem Volk gehören. Auch für
Christen gilt, dass der HERR unsere Stärke ist. Aus dieser Tatsache beziehen beispielsweise die
Psalmen einen großen konkreten Nährwert auch oder gerade für die Christen. Der HERR ist eben
auch unser Hirte, unsere feste Burg, unser Schirm etc.

Ein anderes Beispiel, der Verheißung des Landes an das Volk Israel: Konkret in der speziellen
Situation hat GOTT dem Volk Israel ein Land verheißen (mehrfach in den Mosebüchern). Das
Josua-Buch zeigt uns, wie diese Verheißungen erfüllt werden. Aber auch hier führt und ein Blick
ins NT weiter. In Hebräer 4,1-13 wird darauf Bezug genommen, um uns einen erweiterten Blick in
dieses Thema zu geben. Dort nämlich wird behauptet, dass die eigentliche Verheißung einer Ruhe
noch aussteht. Der Schreiber dieses Briefes schlägt den Bogen zum NT und macht deutlich, dass
die wahre Ruhe und die wahre Landnahme durch JESUS CHRISTUS erfolgt und im Glauben an
ihn Realität wird.

Auch hier wäre es falsch zu behaupten, die Verheißung gelte ausschließlich Israel. Es ist ebenso
falsch zu behaupten, sie gelte nur der Gemeinde. Richtig ist, dass sie damals in einem bestimmten
Kontext Israel galt, aber eben nur zu einem Teil. Die eigentliche Erfüllung erfolgt im NT in Verbindung
mit CHRISTUS und dem Glauben an Ihn.

Eine weitere Verbindung vom AT zum NT können wir im Bundes-Begriff sehen. Hebräer 8,8 weist
darauf hin, dass der im AT verheißene Bund (Jeremia 31,31-34) nun durch JESU Opfer angebrochen
und verwirklicht ist. Die vielen Aussagen des AT über den Neuen Bund haben somit eine
neue konkrete Zielgruppe, nämlich die Gläubigen des NT.

Paulus hatte beispielsweise kein Problem, das Klagen des Psalmisten über die Bedrängnis-
Situation der Juden damals auf sich und die Christen zu beziehen und gerade der Gemeinde hier
eine große Verheißung der Bewahrung durch den Herrn mit auf den Weg zu geben (Römer 8,36
und Psalm 44,23).

Einige Probleme macht auch die folgende Verheißung:

„…denn wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an!“ (Sacharja 2,12b).
Ist nur Israel damals gemeint? Nicht vielleicht auch heute? Ist ein geistlich-symbolisches Israel
gemeint? Darf der Zusammenhang zur Gemeinde JESU hergestellt werden? Der geschichtliche
Zusammenhang zeigt, dass natürlich zuerst das Volk im AT gemeint ist. Inwieweit auch das heutige
Israel damit gemeint ist, sollte durchaus überlegt werden. Wenn man aber auch JESU Aussagen
über die Gemeinde liest, ist es dann ausgeschlossen, dass in der jetzigen Zeit des NT
sinngemäß JESU Gemeinde auch unter diese Zusage fallen kann?

Manchmal wird es deutlicher, wann ein konkreter Gegenstand aus dem AT zu einem Bild für eine
Erfüllung im NT wird. Johannes zitiert Psalm 78,24 und macht uns deutlich, in welchen Bereichen
durchaus reale Ereignisse aus dem AT ein Bild, ein Typus für geistliche Realitäten des NT sind:
Das reale Manna, mit dem GOTT Israel speiste weist auf JESUS hin, Der jetzt das Brot des
Lebens für Seine Jünger ist (Johannes 6,31). Dieses Beispiel zeigt, dass man AT und NT nicht
trennen kann. Der Bogen von den "Haushaltungen" im AT zu denen im NT wird oft deutlich
geschlagen.

Interessant in diesem Zusammenhang sind z.B. Aussagen über Israel, die im NT auf andere
bezogen werden.
„Und Er blieb dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der HERR durch den
Propheten geredet hat, der spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Matth. 2,15).
Hosea prophezeit ursprünglich über Israel als den von GOTT geliebten, der aus Ägypten gerufen
wurde. Nun liegt es nahe, hier wirklich das Volk Israel zu sehen. Im Matthäusevangelium wird
jedoch deutlich, dass diese Aussage auch auf JESUS, den Messias zu beziehen ist.
Jesaja prophezeite über Israel als Knecht Gottes, dass dieser als Werkzeug sogar ein Licht für die
Heiden wird (Jesaja 49,1-6). Paulus bezieht dieses Wort auf die Apostel (nicht auf Israel als
solches), die nun das Evangelium zu den Heiden bringen.

Aber selbst dort, wo so deutlich der Bezug zur Zeit des NT hergestellt werden kann, darf nicht
zwangsläufig ausgeschlossen werden, dass konkrete Zusagen aus dem AT heute oder in Zukunft
eine bestehende Nation Israel betreffen können.

Weiterhin interessant ist auch, wann Verheißungen erfüllt sind:
„17 Und es wurde Ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben; und als Er die Buchrolle
aufgerollt hatte, fand Er die Stelle, wo geschrieben steht: 18 "Der GEIST des HERRN ist auf mir,
weil Er Mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; Er hat Mich gesandt, zu heilen,
die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie
wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, 19 zu verkündigen das angenehme
Jahr des HERRN.“ (Lukas 4,17-19).

Israel wurde Heil versprochen, Jesaja schreibt gerade darüber sehr viel und unter Nutzung vielerlei
anschaulicher Begriffe. Höhepunkt all dieser Versprechungen ist GOTTES Licht und GOTTES
Heil. Basierend darauf ist ein Aufbau des Landes versprochen. Wenn wir darauf warten, dass sich
dieses noch erfüllt, warten wir vergeblich und verpassen schon Geschehenes! Das Gnadenjahr
des HERRN ist bereits angebrochen, denn als JESUS diesen Vers zitierte, sprach er von der
Erfüllung vor den Augen der Zuhörer und macht deutlich, was sich in Seinem Kommen verwirklicht.
Wenn wir das verstehen, können wir an ähnlichen Aussagen des AT ableiten, was durch JESUS
bereits jetzt denen, die an ihn glauben geschenkt ist. Aber Achtung, der Vers aus Jesaja ist von
JESUS nur zur Hälfte zitiert. Von JESUS bewusst weggelassen? Der Tag der Vergeltung spielt
nämlich bei der Auslegung JESU (noch) keine Rolle!

Ich hoffe solche Beispiele können helfen, AT-Aussagen und Verheißungen bezüglich Israel und
Gemeinde JESU besser einzuordnen. Wenn wir das AT im Licht des NT sehen, können wir die
Zusammenhänge eher erkennen.
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#3
Rolf

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Dispensationalismus



Teil 3



Die Auswirkung des Dispensationalismus – ein ideologisiertes Bibelverständnis


Isoliert betrachtet ist diese Ansicht gar nicht verkehrt. Wenn Paulus „oikonomia“ (Luther übersetzte:
Zeitalter) sagt, bedeutet das „Verwaltung“ und umfasst auch ein Verstehen und Kennzeichnen
der Unterschiede der verschiedenen Zeitabschnitte biblischer Offenbarung. So hat es die
Gemeinde zu allen Zeiten gesehen. Das Besondere am dispensationalistischen Verständnis ist
nicht, dass es einzelne Entfaltungsstufen der Offenbarung unterscheidet, sondern die Art und
Weise, wie es diese Stufen definiert. Anders als das biblische Zeugnis verstehen die Dispensationalisten
diese Zeitabschnitte als streng getrennte Bereiche, die, anstatt sich fortschreitend zu
entfalten, miteinander im Widerstreit stehen. Echte biblische Offenbarung ist dagegen wachstümlich
zu verstehen; eine Stufe entfaltet sich natürlich aus einer anderen; ähnlich der sich
entfaltenden Blüte einer Blume.

Der Gebrauch des Wortes “Dispensation” (Heilszeit, Heilsordnung) im Sinne eines Zeitabschnittes,
während dessen ein bestimmter Zug des göttlichen Erlösungsprogramms stärker hervortritt, ist in
der Theologie bekannt. Wir alle kennen Begriffe wie „die alte Heilsordnung“, „die neue Heilsordnung“
oder: “alter Bund” und “neuer Bund” als Bezeichnungen für die Zeit vor bzw. nach dem
Kommen CHRISTI. Hier geht es um Zeitabschnitte, für die durch göttliche Autorität jeweils unterschiedliche
Ordnungen/Verordnungen eingesetzt waren. Im Alten Testament waren es die Opfer
und das Passahfest. Taufe, Fußwaschung und Abendmahl sind die Verordnungen im Neuen
Testament. Darby hat nun allerdings den Gedanken der besonderen Ordnungen auf die genannten
sieben Abschnitte ausgeweitet.

Für eine solche Ausweitung und Auflistung von Dispensationen liefert Darby jedoch keine Schriftbeweise.
Auch nennt er nicht die Grundlage, auf die er seine Behauptung stützt, dass es gerade
sieben sind. Er stellt die Aussagen autoritativ in den Raum. Er meint, es bedarf hierzu keiner
weiteren Worte. Doch wissen wir, dass andere dispensationalistische Ausleger auch zu 10 oder
gar 12 Dispensationen gelangt sind.

Die Entrückung aus der Sicht der Dispensationalisten

Wie wir bereits gesehen haben, wird das alttestamentlichen Israel von der Gemeinde JESU
heilsgeschichtlich in der dispensationalistischen Ideologie abgekoppelt. Biblische Verse werden
untersucht, ob sie für Israel oder ob sie für die Gemeinde Geltung haben. So wird die Bibel
systematisch in zwei Hälften geteilt. Das Ergebnis dieser Aufspaltung ist, dass Israel einen
anderen Heilsweg hat als die Gemeinde JESU. Juden werden nicht entrückt, gehen in die große
Trübsal und nehmen JESUS an, wenn Dieser in Macht und Herrlichkeit wiederkommt. Dies alles
wird für die Gemeinde JESU nicht angenommen. Christen werden entrückt und können, mangels
Anwesenheit, daher nicht in ein zukünftiges Tausendjahrreich gehen.

Um dies zu rechtfertigen ist eine Vorentrückung der Christen notwendig, an der keine andere
Bevölkerungsgruppe teilhat. Die Bibel hat Verse, welche vermeintlich auf ein heimliches Wiederkommen
des JESUS CHRISTUS und auf ein öffentliches Wiederkommen hinweisen. Trennt man
diese Verse auf, entsteht die Vorstellung, dass JESUS zwei Mal wiederkommt, zunächst heimlich
und nur für Christen sichtbar. Die Christen werden verwandelt, „in einem Augenblick“
(1.Korinther 15,51-53) und der Rest der Welt stellt mit Erstaunen und Entsetzen das Verschwinden
der Christen fest. Ein zweites Mal kommt JESUS öffentlich, „mit den Wolken“ und zum wiederum
Entsetzen aller noch übrig gebliebenen Menschen. Entsetzen deshalb, weil JESUS wiederkommt
um zu richten. Aus Platzgründen kann ich hier nur bruchstückhaft darstellen, wie es sich mit dieser
disp. Sicht verhält. Ebenso ist es mir hier nur möglich, auf einige Bibelstellen aus dem Neuen
Testament einzugehen. Unterschiedliches Prophetieverständnis kann ich hier ebenso wenig beleuchten,
wie die Konsequenzen, die sich aus dieser Sichtweise der Bibel ergeben.

Anhand einiger Bibelstellen aus dem Neuen Testament, die auch von den Vertretern einer verborgeneren
Entrückung angewendet werden, möchte ich im Folgenden etwas Klarheit in dieses
Thema bringen. Ich zitiere dazu die jeweiligen Bibelstellen und bespreche die Schlüsse die daraus
gezogen werden können.

A) Stellen über die Entrückung
a1) 1.Thessalonicher 4,17-18
a2) Johannes 14,1-4
a3) Apostelgeschichte 1,10-11

Anmerkungen: Die disp. Argumente für eine verborgene Entrückung beziehen sich auf eine
Kombination aus a1) und a3). Da in a3) nur Jünger des JESUS CHRISTUS anwesend waren und
der Engel daher auch nur sie ansprach, geht man davon aus, dass a1) auch nur für Christen
sichtbar sein wird. Weiter wird aus a1) geschlossen, dass JESUS die Entrückten mit hinauf in den
Himmel und auf der Erde die große Trübsal ihren Anfang nimmt. Innerhalb der disp. Theologie ist
diese Sichtweise durchaus logisch.

Bedenklich stimmt mich, dass a1) gar nicht davon spricht, dass die Christen in den Himmel
aufgenommen werden. In den einschlägigen Publikationen trifft man immer wieder auf einen
Doppelpfeil, welcher die disp. Sichtweise widerspiegeln soll. Dort sieht man einen Pfeil, welcher in
Richtung Himmel aufsteigt und etwa ab der Hälfte des Weges von einem vom Himmel kommenden
anderen Pfeil begleitet wird. Erster Pfeil stellt die Christen der zweite Pfeil JESUS dar.
Das Bild, das uns von a1) vermittelt wird ist jedoch ein anderes. Die Christen werden JESUS
entgegengerückt und haben anschließend ewige Gemeinschaft mit Ihm. Davon, dass Christen und
JESUS zusammen zurück in den Himmel gehen, steht da gar nichts. Sie gehen JESUS entgegen,
Der sich auf dem Weg zur Erde befand. Dass JESUS die Christen nur abholt und seinen Weg zur
Erde nicht fortsetzt, lässt sich nicht begründen. Möchte man dies in einen Pfeil illustrieren, so kann
man dies tun. Der Pfeil der Christen steigt von der Erde auf, begegnet in der Luft dem Pfeil des
JESUS CHRISTUS und gemeinsam gehen sie auf die Erde zum Gericht.

Dass in a3) ausschließlich Jünger JESU anwesend waren, hat meines Erachtens keine besondere
heilsgeschichtliche Bedeutung außer der, dass ihnen die große Ehre und Verantwortung dieses
Ereignisses zuteil wurde. Aus keinem Wort lässt sich darauf schließen, dass die Himmelfahrt
generell unsichtbar war bzw. nur für die Jünger sichtbar gewesen ist.
Zwischenstand: Alle Argumente für eine verborgene Vorentrückung der Christen lassen sich nur
innerhalb des Disp. halten. Geht man Vers für Vers vor und lässt theologische Grundüberzeugungen
beiseite, ergibt sich durchaus ein anderes Bild.

B) Stellen über die öffentliche Wiederkunft JESU CHRISTI
b1) Markus 13,26
b2) 1.Thessalonicher 4,15
b3) 1.Thessalonicher 4,16

Anmerkungen: Die Verse b1) und b2) sind unstrittig. JESUS kommt wieder und alle können es
sehen. Es gibt in den anderen Evangelien noch weitere Verse über dieses Ereignis. Alle Verse
reden von allgemeiner Panik vor dem drohenden Gericht. Es handelt sich also in jedem Fall um
eine allgemein sichtbare Wiederkehr.

C) Stellen über die vermeintlich verborgene Wiederkunft JESU CHRISTI
(verborgene Verwandlung der Christen)
c1) 1.Korinther 15,51-53
c2) 1.Thessalonicher 5,2
c3) 2.Petrus 3,10
c4) Offenbarung 3,3
c5) Offenbarung 16,15

Anmerkungen: Die Geschwindigkeit in der die Menschen verwandelt werden, ist ein weiteres
Argument der disp. Theologie. Das in c1) stehende griechische Wort für "Augen-blick" lautet
"ATOMOS" und bezeichnet den so ziemlich kürzesten Zeitabschnitt den man sich vorstellen kann.
Er sei, laut disp. Theologie, sogar so schnell, dass niemand es mitbekommt. Weiter wird davon
ausgegangen, dass der verwandelte Leib für Nichtchristen unsichtbar sei. Nach der Verwandlung
stehen dann die Ereignisse in a1) und a2) an. Die Entrückung ist damit also unsichtbar. Dass der
verwandelte Leib unsichtbar ist, kann man keiner Aussage der Bibel entnehmen. Gewiss wurde
JESUS in a3) nur von Jüngern gesehen und gewiss erschien Er nach seinem Tod nur Menschen,
die an Ihn glaubten. Von einer generellen Unsichtbarkeit lesen wir jedoch nichts. Auch eine
Gleichsetzung zu den Christen ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Beide Beispiele beziehen sich
auf Situationen vor Pfingsten.

Die Verse c2) bis c5) beziehen sich sowohl auf Nichtchristen als auch auf Christen. Disp.
Theologen schließen aus der Redewendung „wie ein Dieb“, dass der Tag des HERRN bzw. die
Wiederkunft JESU CHRISTI heimlich und unbemerkt passiert. Liest man sich die Verse durch
erkennt man schnell, dass das Bild der "Diebe" auf die Wachsamkeit zielt und nicht auf einen
unsichtbaren Hergang des Ereignisses. Nicht nur Nichtchristen, welche ohnehin nicht an die
Wiederkunft JESU CHRISTI und Dessen Gericht glauben, sondern auch Christen können von dem
Tag der HERRN überrascht werden. Davor warnen alle vier Verse und zwar unabhängig von den
Empfängern. Auf die vermeintlichen Unter-schiede von "Tag des HERRN" oder "Tag JESU
CHRISTI" etc. möchte ich jetzt aus Platzgründen nicht eingehen.

Fazit

Die zitierten Verse zwingen uns nicht an eine verborgene Entrückung zu glauben. Meines Erachtens
ist das Gegenteil der Fall. Es gibt nur eine öffentliche Entrückung und nur eine öffentliche
Wiederkunft unseres Herrn JESUS CHRISTUS. Wachsamkeit ist aber das Gebot der Stunde. Das
wird aus den zitierten Versen in jedem Fall deutlich. Christen sollten sich gut auf die Wiederkunft
vorbereiten. Nichtchristen sollten sich schleunigst überlegen, ob sie ihr Leben nicht in die Hände
Dessen legen wollen, Der da wiederkommt. Noch ist Zeit dafür. Niemand kann jedoch sagen,
wann JESUS wiederkommt. Daher sollte man keine Zeit verlieren und sich zu dem bekehren, der
alleine der Weg die Wahrheit und das Leben ist: JESUS CHRISTUS.

Wie die Dispensationalisten das Wort falsch teilen

Wir wollen die Tendenz der Dispensationalisten, die Wahrheit in unerlaubter Weise zu teilen, noch
ein wenig näher betrachten. Es ist wichtig, die wesentlichen unterschiedlichen biblischen Axiome
sorgfältig darzustellen (2Tim 2,15). Aber man kann darin auch leicht des Guten zuviel tun. Der
ungezügelte Eifer mancher dispensationalistischer Denker, Einteilungen zu schaffen, hat dem
Evangelium eine Anzahl unglücklicher Beschränkungen eingetragen. Zum Beispiel ist JESUS
sowohl Retter als auch HERR (Lk 2,11), und kein wahrer Gläubiger würde das je in Zweifel ziehen.
„Retter“ und „HERR“ sind verschiedene Ämter; aber wir haben bei dieser Unterscheidung aufzupassen,
das wir nicht am Ende einen zerteilten CHRISTUS haben (siehe 1. Kor 1,13). Trotzdem
hört man aus dem Lager der Dispensationalisten laut die Lehre, es sei möglich, CHRISTUS als
HERRN zu verwerfen und Ihn doch als Retter anzunehmen.

Tatsächlich gibt es welche, die uns glauben machen wollen, es sei die Regel bei der Errettung,
JESUS als Retter anzunehmen, ohne Ihm das Herrsein einzuräumen. Sie versteigen sich zu der
Behauptung, jede andere Lehre laufe auf ein falsches Evangelium hinaus, „weil es heimlich Werke
zu den klaren und einfachen Bedingungen hinzufügt, die das Wort Gottes stellt“. (Livingstone
Blauvelt, Jr., “Does the Bible Teach Lordship Salvation?“ Bibliotheca Sacra (Januar-März 1986), S.
37).

Die von ihnen bekämpfte Ansicht haben sie mit dem Namen „Lordship Salvation“ belegt. Lordship
Salvation wurde von einem, der sie als Häresie bezeichnete, so beschrieben: „Sie ist die Ansicht,
dass eine Person, um errettet zu werden, JESUS CHRISTUS als dem Retter von den Sünden
vertrauen muss und außerdem CHRISTUS als den HERRN ihres Lebens anzuerkennen und sich
Seiner souveränen Autorität zu unterwerfen hat.“ (ebd.)

Es ist erstaunlich, wie irgend jemand diese Wahrheit als unbiblisch und häretisch charakterisieren
kann; doch wächst der Chor der Stimmen, die dieses Urteil nachsprechen. Das kommt daher, weil
sie die Anerkennung der Herrschaft CHRISTI als menschliches Werk bezeichnen. Dies ist eine
Fehleinschätzung; aber sie stützt sich auf viele dicke Bücher, die negativ über Menschen reden,
„die JESUS CHRISTUS zum HERRN ihres Lebens gemacht haben“ (ebd., S. 38).

Wir „machen“ CHRISTUS nicht zum HERRN; Er ist der HERR! Alle, die Ihn nicht als HERRN
annehmen, machen sich schuldig, Ihn zu verwerfen. „Glaube“, der Seine souveräne Autorität
ablehnt, ist in Wirklichkeit Unglaube. Umgekehrt ist die Anerkennung Seiner Herrschaft nicht mehr
ein Menschenwerk als die Buße (siehe 2. Tim 2,25) oder der Glaube selbst (siehe Eph. 2,8.9).
Tatsächlich ist sie ein wichtiger Bestandteil des gottgewirkten rettenden Glaubens und nicht etwas,
das dem Glauben hinzugefügt wird.

Die zwei klarsten Aussagen über den Weg der Errettung in der ganzen Schrift betonen beide das
Herrsein JESU: „Glaube an den HERRN JESUS, und du wirst errettet werden“ (Apg 16, 31); und:
„Wenn du mit deinem Munde JESUS als HERRN bekennen und in deinem Herzen glauben wirst,
dass GOTT Ihn aus den Toten auferweckt hat, (wirst) du errettet werden“ (Röm 10,9). Einige
Dispensationalisten möchten die Anwendung von Römer 10,9.10 auf ungläubige Juden beschränken.
Es ist wahr, Römer 9 bis 11 beschäftigt sich mit der Frage der Verwerfung des Messias durch
Israel und mit der Stellung, die den Völkern in GOTTES ewigem Plan zugedacht ist. Aber die
heilsgeschichtliche Bedeutung dieser Verse kann nicht auf Israel beschränkt werden; denn in den
Versen 12.13 heißt es: „Es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn derselbe HERR
von allen ist reich über alle, die ihn anrufen; denn jeder, der irgend den Namen des HERRN
anrufen wird, wird errettet werden.“

Die Predigt des Petrus zu Pfingsten schloss mit der Erklärung: „Das ganze Haus Israel wisse nun
zuverlässig, dass GOTT Ihn sowohl zum HERRN als auch zum CHRISTUS gemacht hat, diesen
JESUS, den ihr gekreuzigt habt“ (Apg 2,36).

Keine Verheißung auf Errettung wurde je auf solche ausgedehnt, die das Herrsein CHRISTI nicht
anerkennen wollen. Es gibt also keine Errettung außerhalb der sogenannten „Lordship Salvation“.
Mir gefällt der Ausdruck „Lordship Salvation“ nicht. Er wurde von Leuten geprägt, die den Gedanken
an die Unterwerfung unter CHRISTUS von dem Ruf zum rettenden Glauben trennen wollen;
und er suggeriert, dass JESU Herrsein fälschlich dem Evangelium hinzugefügt wurde. Wie wir aber
sehen werden, ist „Lordship Salvation“ nichts anderes als die biblische und historische Doktrin der
Heilslehre. Ich benutze diesen Ausdruck nur aus Argumentationsgründen.

Die Widersacher der „Lordship Salvation“ haben lang und breit zu beweisen versucht, das Wort
„HERR“ in diesen Abschnitten bedeute nicht „Gebieter“, sondern sei nur eine Ehrenbezeichnung
JESU wegen Seiner Göttlichkeit. (ebd., S. 38-41. Siehe auch G. Michael Cocoris, Lordship
Salvation – Is It Biblical? Dallas: Redención Viva, 1983), S. 13-15)
Selbst wenn wir das akzeptierten, so bedeutete das doch, dass alle, die zu CHRISTUS kommen,
um errettet zu werden, Ihn als GOTT anerkennen müssen. Das beinhaltete aber noch weit höhere
Ansprüche, als wenn „HERR“ nur als „Gebieter“ zu verstehen wäre!

Tatsächlich bedeutet „HERR“ wirklich in all diesen Versen „GOTT“. Genauer: es bedeutet „GOTT,
der regiert“. Das Verständnis biblischer Ausdrücke hängt ab von der Etymologie, dem Zusammenhang
und der geschichtlichen Situation. Etymologisch leitet sich das Wort “KYRIOS” von der
griechischen Wurzel mit der Bedeutung von “herrschen”, “Herrschaft” und “Macht” ab. Für den
Zusammenhang, in dem Petrus das Wort “KYRIOS” in Apostelgeschichte 2,36 gebraucht, ist es
wichtig, dass er in Verse 34 und 35 aus dem messianischen Psalm 110 zitiert („Setze Dich zu
Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde lege zum Schemel Deiner Füße“, Ps 110,1). Petrus sagt
nicht einfach: „GOTT hat Ihn … zu GOTT gemacht“, sondern er bestätigt JESU Recht auf die
Herrschaft.

Historisch betrachtet richtet sich die Predigt des Petrus an die Juden, die ihren Messias gekreuzigt
hatten (Vers 23). Bei dem Verhör JESU vor Pilatus und der jüdischen Volksmenge ging es eindeutig
um Seine Königswürde, von der zwischen Johannes 18,33 und 19,22 mindestens ein
Dutzend Mal die Rede ist. So kann eine sorgfältige historisch-grammatische Exegese von Apostelgeschichte
2,36 nur zu folgendem eindeutigen Schluss führen: JESUS ist GOTT und König, der
inmitten von Freunden und Feinden regiert. Nachdem Petrus ihnen damit bewiesen hat, dass
CHRISTUS der HERR über alles ist, verkündigt er ihnen das Evangelium.

Man sollte sorgsam beachten, dass Paulus in gleicher Weise von JESUS predigt (2Kor 4,3-5):
JESUS ist unser souveräner HERR und wir sind Seine Diener.
All das unterstützt nur die Argumente für die „Lordship Salvation“. Niemand, der in wahrem
Glauben um Errettung bittet, und der ehrlich glaubt, das JESUS der ewige, allmächtige, souveräne
GOTT ist, wird Seine Autorität absichtlich ignorieren. Wahrer Glaube ist kein Lippenbekenntnis.
Unser HERR selbst drohte denen Verdammnis an, die Ihn mit den Lippen und nicht mit ihrem
Leben verehrten (Mt. 15,7-9).

Er wird niemandes Retter, bevor ein Mensch Ihn nicht als den annimmt, der Er ist – der HERR
über alles (Apg. 10,36).
A.W. Tozer schreibt: „Der Herr wird niemanden erretten, über den Er nicht herrschen soll. Er wird
Seine Ämter nicht teilen. Man kann nicht an einen halben Christus glauben. Wir nehmen Ihn für
das, was Er ist – der gesalbte Erretter und HERR, der König der Könige und der HERR der
Herren! Er wäre nicht der, der Er ist, wenn Er uns rettete und beriefe und auserwählte, ohne dass
dies gleichzeitig bedeutete, dass Er unser Leben führen und kontrollieren wollte.“ (Tozer, A. W.:
Call It Heresy, Harrisburg, PA: Christian Publications, 1974), S. 18-19.)

Epilog

Die Vertreter dieser Auslegungsmethode vergessen leicht, dass der Dispensationalismus eine
hermeneutische Innovation des ausgehenden 19. Jahrhunderts und somit keine fundamentale
biblische Lehre ist. Wenn man ehrlich wäre, müsste man also zugeben, dass diese Schau nicht
einfach gleichgesetzt werden kann mit der Wahrheit biblischen Glaubens, sondern von einer
bestimmten Interpretation ausgewählter und auf bestimmte Weise miteinander kombinierter
Belegstellen abhängig ist.

Der Dispensationalismus ist deshalb keine offenbarte Wahrheit, sondern eine konstruierte Lehre.
Man hat einige Jahre daran gearbeitet, bis es so war wie wir es heute kennen. Das macht diese
Lehre nicht automatisch falsch, aber dennoch sollte man bereit sein, sachlich darüber zu reden
und durch das Wort GOTTES zu prüfen. Die biblische Bewertung ergab, dass es sich beim
Dispensationalismus eindeutig um eine Irrlehre handelt. Wie bei jeder anderen Häresie, zieht auch
der Dispensationalismus weitere Irrlehren hinter sich her.

Zwei Beispiele sollen an dieser Stelle genannt werden: Die Institutionalisierung des Darbysmus hatte zu einem geschlossenen, theologischen System geführt (dem Dispensationalismus), in dem die Erscheinung von Wundern in
der heutigen Zeit nicht vorgesehen war. Die „reine (Irr-)Lehre“ hatte festgelegt, dass ein Teil der
Geistesgaben aufgehört hatten zu existieren, nachdem der letzte Apostel gestorben war, und dass
GOTT heute ausschließlich durch Sein geschriebenes Wort redet. Diese Erlöschungstheorie wird
auch als Cessationismus bezeichnet. Die Bibel kennzeichnet auch den Cessationismus als Irrlehre
(vgl. das „Vollkommene“ in 1. Kor. 13,8-11).

Das zweite Beispiel betrifft die Bergpredigt: Extreme Dispensationalisten predigen sogar, dass die
Lehren der Bergpredigt “nicht auf Christen anzuwenden sind, sondern nur auf solche, die unter
Gesetz stehen; und darum beziehen sie sich auf ein anderes Zeitalter”. (Larkin, Clarence: Dispensational
TruthPhiladelphia 1918, S. 87). Larkin, dessen Bücher und Schaubilder heute noch
erhältlich sind und von vielen Dispensationalisten benutzt werden, sagt zu der Bitte „Dein Reich
komme!“ aus dem „Vater unser“, sie sei der Beweis, dass dies Gebet nur für diejenigen bestimmt
ist, die während der großen Drangsal leben. Seine Folgerung ist nicht schlüssig. Das Reich soll
auch für die kommen, die heute, vor der großen Drangsal, leben. (vgl. auch www. bibelkreis.ch.
Auf dieser Website kann man lesen, was extreme Dispensationalisten alles glauben).

Diese beklagenswerte Auslegung wurde in unterschiedlichem Maß auf die meisten Lehren unseres
HERRN hier auf Erden angewandt, wodurch man das Evangelium seiner Kraft beraubte. Es soll an
dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass viele Dispensationalisten nicht mit dieser Meinung
einverstanden sind. Sie glauben nicht, dass die Bergpredigt und andere Lehren JESU ausschließlich
für ein künftiges Zeitalter bestimmt sind. Die meisten Dispensationalisten sind der Meinung, die
Bergpredigt habe auch für die Gemeinde eine gewisse Bedeutung.

Sie wagen aber nicht zu sagen, die Bergpredigt sei in erster Linie für Christen bestimmt. Selbst Charles Ryrie, der die oben geschilderten Ansichten leidenschaftlich bestritt, möchte die Bergpredigt nicht als Wahrheit für uns
gelten lassen. Er kommt nach einer ausgedehnten Verteidigung der traditionalen Ansicht der Dispensationalisten
zu dem Schluss, man könne die Bergpredigt nicht in erster Linie und vollständig
auf die Gläubigen dieses Zeitalters anwenden (Ryrie: Dispensationalism Today, S. 109). In Wirklichkeit
wird jedes Detail der Bergpredigt in den Briefen wiederholt.

Daher ist es kein Wunder, wenn sich die aus einem solchen System abgeleitete Evangeliumsbotschaft
scharf von dem Evangelium Jesu unterscheidet.
Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen, vieles, was CHRISTUS verkündigte, sei für ein
anderes Zeitalter bestimmt, warum sollte dann unser Evangelium dem entsprechen, was Er
gepredigt hat?

Aber dies ist eine gefährliche und unhaltbare Voraussetzung. JESUS ist nicht gekommen, eine
Botschaft zu verkündigen, die bis zur Drangsalszeit und bis zum Millennium unwichtig ist. Er kam,
um die Verlorenen zu suchen und zu erretten (Lk 19,10). Er kam, um Sünder zu Buße zu rufen
(Mt. 9,13). Er kam, auf das die Welt durch Ihn errettet würde (Joh. 3,17). Er proklamierte das
rettende Evangelium, nicht ein Manifest für irgendein künftiges Zeitalter. Sein Evangelium ist die
einzige Botschaft, die wir zu predigen haben – jedes andere Evangelium steht unter dem Fluch
GOTTES (Gal. 1,6-8).

Unabhängig von der spezifischen Lehre die vertreten wird, tendieren in sich geschlossene
Systeme - wie der Dispensationalismus - dazu fundamentalismusanfällig zu machen, bzw.
verwandeln sie das Fundamentale im Glauben in eine fundamentalistische Konkretisierung der
Letztgrundsätze mit bestimmten, charakteristischen Grundzügen:

1.Intransigenz
Mit unversöhnlicher Unnachgiebigkeit verteidigt der Dispensationalist seinen Glauben, d.h.
genauer: jene Sätze, die ihn, seiner Ansicht nach, als solchen konstituieren. Sie müssen
fest sein und festgehalten werden, sonst brechen Glaube, Gemeinde und Christentum
zusammen. Und wenn dies passiert, dann sieht sich der Dispensationalist auch um seine
Identität gebracht. Besonders deutlich kann man das bei bestimmten Sekten beobachten
(z. B. Zeugen Jehovas, die bestimmte Wachtturm-Sprüche stereotyp wiederholen. Wenn
man diese Sprüche hinterfragt, stellt man oft fest, dass der „Zeuge“ mit der Beantwortung
der Fragen völlig überfordert ist). So kommt alles darauf an, Selbst- und Glaubenssicherheit
zu finden. Das geschieht am besten, wenn man sich in ein Glaubenssystem wie in eine
Festung verschanzt. Mit Hilfe einer Kriegsmetaphorik werden die anderen als Feinde
bezeichnet, die man kampfunfähig machen und ausschalten muss. Die Anderen sind mithin
die Bösen und des Bösen Kinder. Fremde Meinungen tragen das Stigma der Unmoral.
Differenzierungen werden nicht gemacht.

2. Isolierung

Die Haltung der Intransigenz ruft in der Gruppe ein starkes Wir-Gefühl hervor. Es stärkt das
eigene Ich und seine Haltung. Zugleich aber wird dieses aus der Gesellschaft ausgegrenzt.
Diese Ambivalenz verstärkt sich oft durch das Bewusstsein der Auserwähltheit, das sich mit
der religiösen Ideologie gern verbindet. Gott selber ist es, der das Werk in Gang gebracht
hat. Die Geschlossenheit wird erreicht einmal durch eine möglichst dichte Abschottung der
Bewegung nach außen. Sie wird zum anderen dadurch erreicht, dass im Binnenraum der
Gruppe mit großem Aufwand eine Art Familiengefühl vermittelt wird.

3.Autoritarismus
Der beste Garant der Geschlossenheit nach außen und der Gemeinschaftlichkeit nach
innen ist ein starker Führer, legitimiert wie das Werk durch Gott selber. Alle fundamentalistischen
Bewegungen huldigen daher einem ausgesprochenen Personenkult hinsichtlich
ihres Stammvaters (z. B. Darby) bzw. ihrer Stammutter (z. B. Ellen G. White bei den
Adventisten). Allein die Haltung fraglos-demütigen Gehorsams ist angebracht und rechtens
(auch gegenüber ihren Nachfolgern). Er wird auch gern geleistet, da man durch die
Übereinstimmung mit dem Führer selbst an dessen Macht und Herrlichkeit Anteil bekommt.
Das Führerprinzip seinerseits verleitet die Autoritäten gern dazu, Untergebenen den
Aufstieg in die Hierarchie nur dann zu ermöglichen, wenn sie linientreu, nicht wenn sie
sachlich qualifiziert sind.

4.Dualismus
Der Grundgedanke, der zu jener Intransigenz führt, ist die Aufteilung der Welt in Gut und
Böse. Das dispensationalistische Weltbild trägt die Züge eines starren Absolutismus. Die
Wirklichkeit ist bunt, Gutes vermischt sich mit Bösem. Genau damit aber kann der Dispensationalist
nicht leben. Die von ihm erstrebte Sicherheit ist nur dann gewährleistet, wenn die
Farben getilgt und alles auf Schwarz und Weiß verteilt werden kann.

5.Reduktionismus
Der Dualismus läuft auf eine Reduktion der Wirklichkeit hinaus. Die Verengung des
Blickwinkels äußert sich unterschiedlich (Heilsmonismus, Traditionalismus,
Absolutheitsanspruch), aber der Fundamentalist ist immer Wahrheitsbesitzer. In
Wirklichkeit jedoch verwechselt er die Wahrheit des Glaubens mit der Richtigkeit der Sätze.
Er fragt nicht nach der Sache, sondern nach dem Wortlaut.

6.Diskursunfähigkeit
Wenn hinter der Gruppe Gott steht und wenn sie im Besitz der absoluten Wahrheit ist, dann
kann es nicht mehr Diskussion, sondern nur noch Predigt, nicht mehr Erörterung, sondern
nur mehr Feststellung, nicht fragendes Suchen, vielmehr allein statuarische Imperative
geben. Begründungsansprüche sind verboten, Lernprozesse können nicht mehr stattfinden.
Wie wir gesehen haben, entwickelte Darby seine Philosophie (Dispensationalismus) auf Grund der
Weissagung einer Charismatikerin und der Literatur diverser Jesuiten. Deshalb kann man auch
getrost sagen, dass der Ursprung des Dispensationalismus im Katholizismus liegt. Außerdem
machte der ultrakonservative Priester und Freund Moons, Tim LaHaye, mit seinen religiösen
Romanen diese Ideologie populär.

Letztlich führt der Dispensationalismus zu einer „frommen“ Bibelkritik (“Teile der Bibel gelten für
uns heute nicht mehr…..”), die ich als weitaus gefährlicher einstufe, als die liberale Bibelkritik.
Der Irrtum des Dispensationalismus liegt in der fehlerhaften Vorstellung von einer Heilszeit, in
einer fehlerhaften Auslegung von Schlüsselstellen und in einer falschen Ansicht über die Taufe des
HEILIGEN GEISTES. Von den biblischen Texten wird der Dispensationalismus nicht gestützt.
Die Bibel warnt uns, dass wir uns nicht durch die Philosophien und den Betrug der Menschen (z.
B. Dispensationalismus) berauben lassen sollen: „Habt acht, dass euch niemand beraubt durch
die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den
Grundsätzen der Welt und nicht CHRISTUS gemäß.“ (Kol. 2,8).

Verwendete Literatur:

Pieters, A.; Gerstner, J. H.: ...recht zerteilen das Wort der Wahrheit - Scofield und die Heilszeiten
auf dem Prüfstand, Reformatorische Paperbacks, Reformatorischer Verlag H.C.Beese, Hamburg
Neue Scofield Bibel, Verlag Mitternachtsruf (Alter Luthertext)
Bibel Panorama - Die sieben Zeitalter des biblischen Heilsweges in 12 farbigen Darstellungen,
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
Weremchuk, Max S.: John Nelson Darby und die Anfänge einer Bewegung, CLV, Bielefeld,1988
MacArthur, John F.: Lampen ohne Öl, 1. Auflage Bielefeld (CLV) 1997
Weremchuk, Max S.: Weil ihr aber Söhne seid…., 2. Auflage, Obrigheim 2004
Pfister, Raymond: Pfingstlertum als ökumenische Herausforderung o. Jg.
Gut, Walter: Die theologischen Hintergründe des Dispensationalismus o. Jg.
Nikodemus.net
www.netlexikon.de
Gassmann, Lothar: Dispensationalisme, in: Handbuch Orientierung - Religionen,
Kirchen,Sekten,Weltanschauungen,Esoterik. (Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft für Religiöse
Fragen)
Linke, Hans-Ulrich: Gedanken zum Dispensationalismus dargestellt in der Scofield-Bibel o. Jg.
Weber, Heinz: Die Zeitalter im Heilsplan Gottes 1999
Die Mehrheit der Angaben über Edward Irving sind den Dokumenten

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und

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entnommen, wobei das erste mit
sämtlichen Quellenangaben der Ursprungsquellen versehen ist.
www.torah.de
- Bullinger, Ethelbert William: Commentary on Revelation, Grand Rapids (Kregel) 1984
- Enns, Paul: The Moody Handbook of Theology, Chicago (Moody Press, 1989)
- Couch, Mal (Hrsg.): Lexikon zur Endzeit, 1. Auflage, Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft)
2004

Ende

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