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John Nelson Darby: Seine Sonderlehren und ihre Folgen


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John Nelson Darby: Seine Sonderlehren und ihre Folgen



von Joachim Orth (1977)


Über Darby wird in dem Buch "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt" berichtet, daß von ihm "ein hohes Maß geistlicher Kraft ausging". Er brachte längst verschüttete Schriftwahrheiten ans Licht.

"Sein Dienst vertiefte den Glauben an Gott und die Beschäftigung mit seinem Wort, belebte die Erwartung der Wiederkunft des Herrn ... und betonte die Freiheit des Geistes." [ 1 ]

Auf der anderen Seite entwickelte er mit der Zeit eine Sonderlehre, die dazu führte, daß er und seine Anhänger sich von solchen Brüdern, die dieser Lehre nicht zustimmten, trennten und dadurch zu vielen Spaltungen innerhalb der Brüderbewegung den Anstoß gaben.

Wir alle sind nicht ganz frei von dieser Haltung, sich von andersdenkenden Gläubigen zu distanzieren. Sie steckt als Gefahr in jedem von uns. Das muß uns hinsichtlich der Sonderlehre Darbys zu einer Beurteilung führen, die sich an der Liebe und der Wahrheit gleichermaßen orientiert. Deshalb haben wir keinen Anlaß, uns erhaben über solche Brüder zu stellen, die heute noch diese Lehre befürworten.

1. Die Lehre von dem Verfall

Kurz vor 1840 traf Darby mit freikirchlichen Gemeindegruppen in der Schweiz zusammen. Besonders in der Auseinandersetzung mit ihnen entwickelte er eine spezielle Sicht von der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Er ging davon aus, daß die Heilsgeschichte in verschiedene Epochen bzw. "Haushaltungen" oder "Ökonomien" eingeteilt werden kann [ 2 ]. Wie nun das Versagen des Menschen durch den Sündenfall die Zerstörung jener ersten Haushaltung nach sich zog, so sei dieser Verfall in jeder nachfolgenden Epoche eingetreten: in der Haushaltung des Noahbundes, des Abrahambundes, des Bundesschlusses am Sinai und in der seit Pfingsten bestehenden christlichen Kirche.

Diesen Verfall der Kirche datiert Darby in die Zeit zwischen dem 1. und 2. Timotheusbrief [ 3 ], also etwa zwischen 63 und 64 n. Chr.

Im ersten Brief werde nämlich die Kirche noch als das "Haus Gottes", als "Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit" bezeichnet. Im Gegensatz dazu sei im zweiten Brief von dem "großen Haus", in dem sich "Gefäße zur Ehre und Unehre" befinden, zu lesen. Darby schreibt hierzu:

"Als die Kirche gerade in ein großes Haus entartete, verließen sie alle den Apostel (Paulus). Der Apostel, abgerufen von Gott, verläßt sein nicht mehr anwendbares Apostelamt. Er hat den guten Kampf gekämpft... Was ist danach der Zustand der Versammlung? Welche Grundsätze bestimmen sie? Ich glaube, ich sehe die Gestalt einer Kirche, die sich in die Welt hinein niederläßt, in den Grundsatz von Hymenäus und Philetus hinein ... Man war in einer Situation, in der die Erwartung nach dem Herrn und nach der himmlischen Hoffnung aufgehoben war, denn, wenn die Auferstehung schon geschehen war (wie Hymenäus lehrte; 2. Tim. 2,17 f.), dann hatte Christus sein Volk ja schon geistlich befreit und sie hier in ihrer Zufriedenheit über ihren weltlichen Aufenthaltsort zurückgelassen [ 4 ]."

Darby geht einen Schritt weiter und verwirft jeden Versuch einer Wiederherstellung:

"Eine Haushaltung ist wahrhaft verworfen, sobald Menschen gegen sie gesündigt haben [ 5 ]."

Da die von Gott eingesetzte Haushaltung der christlichen Kirche durch menschliches Handeln zerstört worden sei, könne das von Gott Begonnene unmöglich durch Menschenhand wieder aufgebaut werden. Man finde in der Bibel auch keine Aufforderung dazu, das Verfallene durch "menschliche Organisation" wieder rückgängig zu machen [ 6 ].

Durch den Abfall habe das Apostelamt seine göttliche Autorität, Älteste, Diakone und andere Gemeindeämter einzusetzen, verloren. Deshalb gebe es heute keine Apostel mehr, die diese Vollmacht noch hätten. So besitze heutzutage kein Gläubiger mehr die Beauftragung von Gott für diese Einsetzung [ 7 ].

Dennoch ist für Darby nicht alles verloren. Aus seiner alttestamentlich geprägten Sicht heraus stellte er fest, daß sich in jeder Haushaltung ein treuer Überrest bildete, der sich von allem Bösen der jeweiligen Zeit fernhielt. Als Beleg führt er Beispiele des Alten Testaments an - z. B. Moses und die Levitenn [ 8 ]. Er sah, daß sich solch ein Überrest auch in seiner Zeit herauskristallisierte. Damit nun diese "kleine Herde" nicht in den allgemeinen Sog des christlichen Abfalls mit hineingezogen würde, wußte er sich in seiner rastlosen Reisetätigkeit dazu beauftragt, diesen Gläubigen zu sagen, wie sie sich von dem Bösen absondern sollten. Der Weg dieser Absonderung bestünde in der Trennung von allen Kirchen oder Freikirchen, in welchen "menschliche Einrichtungen" in Form von Gemeindeämtern und -ordnungen existierten [ 9 ]. Außerdem sei dieser Weg durch gemeinsame Zusammenkünfte "zum Namen des Herrn hin" nach Matth. 18, 20 gekennzeichnet" [ 10 ].

Zusammenfassung: Darby geht von der heilsgeschichtlichen Sicht aus, daß jede Haushaltung durch das Versagen des Menschen zerstört und hinfällig wurde. Keine dieser Epochen könne in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Der einzige Ausweg bestehe in der Treue eines kleinen Überrestes, der 1. sich vom Bösen trennt und 2. sich nach Matth. 18, 20 dort versammelt, wo der Herr seine Gegenwart verheißen hat.

2. Die Lehre von der Gleichsetzung (Identifikationslehre)

Darby trat am 28.12.1845 aus einer Brüderversammlung in Plymouth aus, weil dort ein einflußreicher Bruder namens Newton durch organisatorische Maßnahmen - gemeint waren die Predigtvorbereitung und die Vereinbarung, wer wann predigen sollte"[ 11 ] - "Gott praktisch abgesetzt" habe" [ 12 ]. Er überzeugte viele andere von der Notwendigkeit, sich von dieser Versammlung in Plymouth wegen ihrer "menschlichen Einrichtungen" zu trennen [ 13 ]. Mehr und mehr bemühte er sich, diese Aufforderung zur Trennung auch biblisch zu begründen. Die logisch durchdachte Begründung finden wir in seiner Identifikationslehre.

Diese Lehre taucht erstmalig in seinem berühmten "Bethesda-Rundschreiben" vom 26. B. 1848 auf. Hierin klagt er die Bethesda-Gemeinde Georg Müllers in Bristol der Sünde an, sie habe zwei "Irrlehrer" [ 14 ] zum Brotbrechen zugelassen. Dann führt er aus: "Diejenigen, die Personen von Bethesda aufnehmen, identifizieren sich dadurch mit (,those are morally identified with') dieser Sünde [ 15 ]." Darby warnt also die Versammlungen, keinen Gläubigen aus der Bethesda-Gemeinde zur Mahlfeier zuzulassen. Auffällig ist, daß er nicht nur vor den zwei "Irrlehrern" warnt, sondern vor allen Gläubigen der Bethesda-Gemeinde. Weshalb? Weil durch die Aufnahme zweier "Irrlehrer" zum Abendmahl alle vor Gott verunreinigt sind und mit den "Irrlehrern" auf gleicher geistlicher Ebene stehen.

Die Identifikationslehre besagt folglich: Durch Abendmahlsaufnahme eines Bösen geschieht eine Gleichsetzung aller Gläubigen dieser Gemeinde mit jenem Bösen.

Darby begründet seine Identifikationslehre mit dem Hinweis auf die gemeinsame bzw. kollektive Verantwortung der Gemeinde:

"Denn die Gemeinschaft (die Bethesda-Gemeinde im speziellen Fall), die so handelt (d. h. ,Irrlehrer' aufnimmt), ist als Ganzes verantwortlich für das Böse, das sie zuläßt [ 16 ]."

Denken wir uns eine Gemeinde A, die durch Zulassung eines Irrlehrers verunreinigt ist. Wenn nun irgendein Gläubiger jeder Gemeinde in einer Gemeinde B zum Tisch des Herrn zugelassen wird, dann werden auch alle Gläubigen der Gemeinde B in Gottes Augen mit der Sünde des Irrlehrers der Gemeinde A gleichgestellt. Diese juristische Gleichstellung von einer Gemeinde zur anderen kann wie eine Kettenreaktion erfolgen: Wenn z. B. eine Gemeinde C irgendeinen aus der Gemeinde B zum Brotbrechen aufnimmt, dann sind alle Gläubigen dieser dritten Gemeinde verunreinigt. Dieser Prozeß kann von einer Gemeinde A bis ins Unendliche theoretisch weitergedacht werden. Wobei die Sünde einer zehnten Gemeinde genauso schlimm ist wie die einer ersten Gemeinde. Der letzte Gedanke wird von einem Bruder der Exklusiven Versammlung mit dem Bild einer Kette, bestehend aus zehn Ringen, verglichen:

"Wollen wir zu jedem guten Werk bereit sein, dann kommt es also nicht nur auf unseren persönlichen Wandel an, sondern auch auf unsere Verbindungen (durch Abendmahlsgemeinschaft mit anderen Gemeinden) ... Und was Verbindungen betrifft, so dürfen wir nicht vergessen, daß das zehnte Glied einer Kette, die uns mit dem Bösen verbindet, ebenso real ist wie das erste Glied [ 17 ]."

Daß die Identifikationslehre in der heutigen Exklusiven Versammlung vertreten wird, verdeutlichen folgende Zitate:

"Da kommt ein Gläubiger und nimmt teil am Tisch des Herrn. Er gehört zu einem Kreis, in welchem gelehrt wird, daß Jesus nicht der Sohn Gottes im Fleisch gekommen sei. Dieser Gläubige bringt diejenigen, mit welchen er gelegentlich am Tisch des Herrn ist, in Gemeinschaft mit dem Kreis, dem er angehört. Dies ist in besonderer Weise die Belehrung von 1. Kor. 10, 14-22 [ 18 ]."

"Selbst wenn Christen, die persönlich keine falsche Lehre haben, an einem Tische teilnehmen, an welchem solche zugelassen sind, die Irrtümer festhalten, so machen sie sich eins mit jenem Tische ... Wenn wir am Tische des Herrn Gläubige zulassen, die Irrtümer festhalten, so bringen wir diesen Tisch in Gemeinschaft mit dem Irrtum, wie auch alle Versammlungen, die sich auf dem Boden der Wahrheit befinden. Das können und wollen viele der lieben Kinder Gottes nicht verstehen [ 19 ]."

Wenn wir uns die negativen Folgen dieser Lehre vor Augen führen, wie sie sich in den gegenseitigen Ausschlüssen ganzer Versammlungen zeigten, dann fühlen wir uns mitbetroffen und leiden mit unter der Last vieler Trennungen innerhalb unserer Brüderbewegung.

3. Die Lehre von der Absonderung

Aus der Identifikationslehre entstand nun als logische Konsequenz Darbys die Absonderungslehre: Die Versammlungen, die sich zu ihm hielten, fühlten nun die Verantwortung, sich von jeder verunreinigten Gemeinde abzusondern. Das betraf sowohl die Trennung von ganzen Gemeinden als auch die Ablehnung der Abendmahlsgemeinschaft mit einzelnen Gläubigen, die zu verunreinigten Gemeinden gehörten und allein schon deshalb durch das Böse angesteckt waren. Die Lehre von der Absonderung soll also vor der Gefahr der eigenen Verunreinigung schützen. Darum muß nach Darby vor der Zulassung eines Gläubigen zur Mahlfeier geprüft werden, ob jener auch die Voraussetzung der Trennung von allen verunreinigten Gemeinden erfüllt hat.

Es bedrückt uns, wenn wir in diesem Absonderungsdenken eine zur Uberheblichkeit neigende Tendenz verspüren, die sich in folgenden Zitaten widerspiegelt:

"Es geht nicht darum, daß wir andere (Gläubige) veranlassen, unserem Licht gemäß zu wandeln, sondern darum, daß wir nicht in ihrer Finsternis wandeln dürfen [ 20 ]."

"Wir werden weiterhin ... den Kreis von Menschen nach den Gedanken Gottes darstellen, der allein den Gerichten entrinnen wird. Alle anderen Gläubigen der gegenwärtigen Haushaltung, die sich nicht zu uns halten, werden ebenfalls den Gerichten entrinnen, aber als einzelne [ 21 ]." "Diejenigen, die nicht auf diesem Boden der Absonderung stehen, stehen damit auf Allianzboden ... Die Allianz ist ein Werkzeug des Feindes." [ 22 ]


4. Die Lehre von der Darstellung der Einheit am Tisch des Herrn


Darby begründet seine Aufforderung zur Trennung von verunreinigten Gläubigen unter anderem auch damit, daß er die wahre Einheit des Leibes Christi darstellen möchte. Dieser Leib sei nämlich wesenhaft ganz anders als menschliche Organisation. Deshalb könne die Einheit des Leibes nur durch Absonderung von allen Gemeinden mit organisatorischen Kennzeichen, wie Ämter, Gemeindeordnungen, Konfessionsbenennungen usw., dargestellt werden. Darby schreibt dazu aus seiner alttestamentlich geprägten Sicht:

"Jede wahre Einheit ist gegründet in der Treue gegenüber der eigenen Trennung von dem Bösen, das bekannt ist ... Gottes Ziel ist Einheit, aber er kann sich nicht mit Bösem vereinigen, und er kann uns nicht vereinigen bis zu ihm hin, ohne uns von dem Bösen, in dem wir sind, zu trennen [ 23 ]."

Die wahre Einheit findet außerdem ihre stärkste Verwirklichung am Tisch des Herrn, wo der Blick aller auf das eine Brot gerichtet ist:

"Der Herr Jesus ... hat uns auch einen bleibenden Ausdruck von der Einheit hinterlassen . . . Und dies ist sein Tisch: ,denn', sagt der Apostel, ein Brot, ein Leib sind wir die Vielen, denn wir alle sind des einen Brotes teilhaftig'." [ 24 ]

In einem Traktat des Jahres 1958, in dem der Verfasser ungenannt bleibt, lesen wir:

"Der Tisch des Herrn ist und bleibt doch der einzige Platz, die einzige Gelegenheit, wo der Einheit Ausdruck gegeben werden kann. Nur hier findet sie (die Einheit) in dem einen Brote, von welchem alle essen, eine sichtbare, sinnfällige Darstellung... Die das Abendmahl Feiernden bilden immer nur einen kleinen Bruchteil des gesamten Körpers - aber der Glaube sieht alle Gläubigen mit sich auf demselben Boden vereinigt [ 25 ]."

Zur Beurteilung der Sonderlehre Der hervorstechende Aspekt der Sonderlehre Darbys ist seine Absonderungslehre. Sie erhielt durch den Gedanken der Identifikation eine durchaus logische Begründung.

Diese Identilikationslehre stellt eine ganz neue Erscheinung in der Abendmahlstheologie der gesamten Kirchengeschichte dar. Ist sie darum vielleicht als eine besondere Offenbarung Gottes für die Gemeinde Jesu in der Endzeit zu werten? Dazu müssen wir folgendes bedenken:

1. Sie sollte eine Trennung zwischen Gliedern am Leibe Christi rechtfertigen und konnte deshalb nur weitere Trennungen veranlassen, wie es in England in verwirrender Vielfalt geschah. Diese Folgen spürte Darby selbst, besonders in den letzten Jahren seines Lebens. Zu einem vertrauten Bruder, namens Brockes, sagte er einmal bezüglich seiner Anhänger: "In der Tat, wenn ich lange genug lebte, würden sie mich auch noch ausschließen [ 26 ]." Kann eine Lehre, die in sich den Keim zur Spaltung birgt, schriftgemäß sein?

2. Sie entstand 1848 nicht in einer sachlichen Atmosphäre, sondern in einer turbulenten Zeitjahrelanger persönlicher Entzweiung zwischen den beiden Hauptführern der Plymouth-Gemeinde, Darby und Newton. Einige historische Beispiele sollen das erläutern:

Seit ca. 1835 vertieften sich zwischen ihnen die Unterschiede in der Auslegung von prophetischen Schriftstellen. "Da Darby . . . in allen Fragen, die die Kirche betrafen, unbedingte Autorität beanspruchte, war ein Zerwürfnis beider abzusehen, wenn nicht einer nachzugeben bereit war [ 27 ])." - Als Darby 1845 von einer Reise nach Plymouth zurückkehrte, veranstaltete er sofort private Bibelstunden, "in denen er nicht mit harter Kritik an Newton . . . sparte". Beide warfen sich gegenseitig brieflich vor, "sich dem Worte Gottes nicht mehr zu unterwerfen".

Im Oktober 1845 gab Darby an einem Sonntag in der Plymouth-Gemeinde bekannt, daß er die Gemeinschaft mit ihnen nicht mehr aufrechterhalten könne. Dadurch wurde ein leidenschaftlicher Streit entfacht, der auch nicht während einer zweiwöchigen Reise Darbys im Dezember 1845 zurückging. "Als auch nach Darbys Wiedereintreffen in Plymouth keine Entscheidung der Versammlung gegen Newton erreicht werden konnte, gründete Darby eine zweite Versammlung in Plymouth [ 28 ]."

1847 beschuldigte er seinen Gegner Newton in mehreren Streitschriften einer falschen Lehre über die Leiden Christi. Am 26. 11. 1847 widerrief Newton diese Irrlehre in einem öffentlichen Schreiben und bat darin den Herrn und alle, denen er Schaden zugefügt haben könnte, um Vergebung. Darby betrachtete dies jedoch als geschickten Schachzug, der Newtons Einfluß in Plymouth wahren sollte [ 29 ]. Letzterer resignierte daraufhin und zog von Plymouth weg. Eine Aussöhnung zwischen beiden ist leider nie bekannt geworden.

Da durch diese jahrelange Unversöhnlichkeit von ca. 1835 an die innere Offenheit Darbys für Gottes direktes Reden stark in Frage gestellt werden mußte, kann die Identifikationslehre durchaus nicht als Gottes Antwort zur Klärung des Konfliktes angesehen werden. Vor allem aber ist sie biblisch nicht begründbar.

3. In der Literatur der Exklusiven Brüder wird der Versuch unternommen, die Lehre von der Identifikation durch Bibelworte zu stützen. Es seien hier lediglich die am häufigsten genannten Stellen im Neuen Testament aufgeführt, da das Alte Testament keinen Beleg für eine speziell neutestamentliche Abendmahlslehre liefern kann:

1. Kor. 5 zusammen mit 2. Kor. 7,11; 1, Kor. 10, 14-22; 2. Kor. 6, 14 bis 7,1; 1.Thess. 5, 2; 2.Tim. 2,19-22; Hebr. 13,13; 2. Joh. 7-11. Alle diese Verse haben mit Ausnahme von 1. Kor. 10, 14-22 nichts mit dem Abendmahl zu tun und können deshalb nicht für die Identifikationslehre, die sich speziell auf das Mahl des Herrn bezieht, herangezogen werden. Daher werden diese Bibelstellen bei dem Bemühen, sie auch für die Abendmahlslehre benutzen zu wollen, zwangsläufig aus dem inhaltlichen Zusammenhang herausgerissen.

Betreffs 1.Kor. 10,7,14-22 zeigt ebenfalls der Textzusammenhang, daß es Paulus einzig um den Nachweis einer Gefahr geht, wenn Gläubige zusammen mit Ungläubigen in einem Götzentempel Opferfleisch essen. Er warnt hier vor der Gefahr der Verbindung von Gläubigen mit unsichtbaren Dämonen und nicht vor einer geistlichen Gleichstellung von Gläubigen mit einer menschlichen Person, die zwar gläubig, aber mit einer falschen Lehre behaftet ist. Wenn die Identifikationslehre schon von Paulus formuliert worden wäre, hätte man sie in seinen Briefen auch entdecken können. Da sie nun erstmalig 1848 von Darby erwähnt wird, erscheint es wenig überzeugend, wenn sie in das Neue Testament hineininterpretiert wird.

Sie steht auch gerade entgegengesetzt zur neutestamentlichen Sicht von der Gemeinde. Denn nach 1. Kor. 12, 21 ff. ist darauf zu achten, daß Glieder am Leibe Christi nicht voneinander getrennt werden. Diese Worte bleiben für uns verbindlich, unabhängig von bestehenden konfessionellen oder erkenntnismäßigen Unterschieden:

"Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bedarf deiner nicht ... Gott hat den Leib zusammengefügt, indem er dem Mangelhafteren reichlichere Ehre gegeben hat, auf daß keine Spaltung in dem Leibe sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander haben möchten."

Die hier aufgezeigte Sonderlehre stellt nur denjenigen Teil des Gedankengutes Darbys dar, der mehr Verwirrung als Klärung unter uns bewirkte. Jedoch wollen wir keineswegs die vielen anderen Erbauungsschriften von ihm übersehen oder abwerten, in denen uns die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus und ein Leben innigster Gemeinschaft mit ihm vor Augen gestellt wird. Diese Schriften haben für Unzählige zur Ermutigung und Stärkung in der Nachfolge Jesu beigetragen.

© 1977 Joachim Orth.



Literaturverzeichnis

[ 1 ] E. H. Broadbent, "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt", Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 1965, S. 368

[ 2 ] ebd. S. 363

[ 3 ] Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 73

[ 4 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. XX, S. 371ff

[ 5 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. IV, S. 297

[ 6 ] E. H. Broadbent, "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt", Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 1965, S. 363

[ 7 ] Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 97

[ 8 ] Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 65

[ 10 ] E. H. Broadbent, "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt", Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 1965, S. 366

[ 11 ] Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 41

[ 12 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. IV, S. 407

[ 13 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. XX, S. 40

[ 14 ] in Darbys Sicht! Dies entsprach jedoch nicht den Tatsachen, vgl. Brüderbewegung Teil 1, Punkt 6. Die Trennung in "Exklusive" und "Offene Brüder"

[ 15 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. XV, S. 166

[ 16 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. XV, S. 166

[ 17 ] Finvandrat, "Goldene und silberne Gefäße, S. 9

[ 18 ] Gorbety, "Die Gemeinschaft am Tisch des Herrn", S. 7

[ 19 ] S. P. "Wie läßt sich heute verwirklichen, was Versammlung Gottes ist?"S. 6

[ 20 ] W. Kelly, "Die Versammlung Gottes", S. 196

[ 21 ] A. P. C. aus: Knaupp, Absonderung, 1969, Neuauflage, S. 13f

[ 22 ] E. B. in einer Ansprache am 28.2.1973 in Dillenburg Ebd., S. 54

[ 23 ] J.N. Darby, "Collected Writings", 34 Bd. London: Kingston-on-Thames, 191-1967, 2. Auflage, Bd. I, S. 276f

[ 24 ] "Botschaft des Heils in Christo", 1883, S, 283f

[ 25 ] Anonym, "Die Versammlung, der Leib Christi", S. 13-15

[ 26 ] Gustav Ischebeck, "John Nelson Darby", Witten, Bundes-Verlag, 1929, S. 129

[ 27 ] Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 39

[ 28 ] Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 40 un. 43

[ 29 ] E. H. Broadbent, "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt", Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 1965, S. 372; Erich Geldbach, "Christliche Versammlung und Heilgsgeschichte bein John Nelson Darby", Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1972, 2. Auflage, S. 44

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#2
Rolf

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Das ist ja eines der Hauptprobleme, dass bereits die Strukturen in diesen Gemeinden nicht stimmen. Wenn Älteste in der Gemeinde eingesetzt werden, die nach pragmatischen Gesichtspunkten ausgewählt werden, anstatt nach biblischen Maßstäben erkannt, dann kommen eben solche Entgleisungen dabei heraus.

Das Problem ist in der Tat, dass viele, auch evangelikale Gemeinden von Leuten in der Leitung dominiert werden, obwohl die Personen weder eine bibnlische Berufung noch eine Qualifikation für dieses Amt haben. Oft genug werden solche Leute durch Protektion des Pastors eingesetzt, der eher darüber nachdenkt, wie er sich selbst ein Denkmal setzen kann, als dass er nach dem Willen Gottes für seine Gemeinde fragt.

Dadurch kommen dann tatsächlich auch Leute auf die Kanzel, die Dreck am stecken haben und deshalb da eigentlich nichts verloren haben. Solche Leute müssten aufgefordert werden, zuerst ihr eigenes Leben nachvollziehbar in Ordnung zu bringen, bevor sie anderen erklären dürfen, was Gottes Wort und Wille ist.

Aber mit dieser Überzeugung mache ich mich ja schon seit Jahren bei der hohen Geistlichkeit unbeliebt. Wer so denkt, wird als "Nestbeschmutzer" abqualifiziert, aber damit kann ich leben. Jedenfalls ist es für mich kein Grund, den Glauben an den Nagel zu hängen. Meine Konsequenz besteht darin, dass ich mit solchen Leuten keine Gemeinschaft mehr pflege. Alles andere kann ich getrost Gott überlassen. Solche Gemeinden werden nicht überleben, auch ohne dass ich sie täglich verteufeln muss.

Die Aufgabe von echten Christen muss darin bestehen, die Menschen vor Gemeinden und Leitern, in denen solche Fehlentwicklungen existent sind, nachdrücklich zu warnen, da hin zu gehen, oder sich gar dort anzuschließen. Das gehört zum Selbstverständnis von diesem Forum. Aber ich habe schon wiederholt darüber geschrieben, dass man über das "Wie" nachdenken muss, denn erfolgreich kann man nur sein, wenn man auch Akzeptanz erreicht.

Herzliche Grüße

Rolf
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