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Mystik und Meditation statt Beten und Bibellesen


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4 Antworten in diesem Thema

#1
Rolf

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„Jahr der Stille“ 2010 –




Mystik und Meditation statt Beten und Bibellesen





Rudolf Ebertshäuser



Das Jahr 2010 ist zum „Jahr der Stille“ erklärt worden. Über 50 Verbände, Werke und Gemeinden haben sich zusammengeschlossen, um in der christlichen Öffentlichkeit dafür zu werben, in diesem Jahr besonders die Stille zu suchen. In einer Erklärung der Evangelischen Allianz dazu heißt es: „Das Jahr der Stille will helfen, Balance zu finden. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Ruhe. Gottes faszinierenden Lebensrhythmus entdecken, den er selbst in uns angelegt hat. Neue Impulse bekommen über das fruchtbare Wechselspiel von Aktion und Stille. Stille einbauen lernen in den ganz normalen Alltag von Beruf, Familie und Gemeinde“.

Zum Trägerkreis dieser Initiative gehören einflußreiche evangelikale Werke und Verbände wie die Evangelische Allianz in Deutschland, Gnadauer Gemeinschaftsverband, Bund Freier Evangelischer Gemeinden, Jugendverband EC, Jugend für Christus Deutschland, Heilsarmee Deutschland, Willow Creek Deutschland, „Kirche mit Vision“ Deutschland, Campus für Christus, die Navigatoren, der Bibellesebund u.a.m. Dabei sind auch charismatische Gruppen wie die „Geistliche Gemeinde-Erneuerung“ in der EKD, Adoramus-Gemeinschaft, Aglow sowie auch ökumenisch-liberale Gruppen wie die Deutsche Bibelgesellschaft und die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK).

Was ist von dieser Initiative zu halten? Zunächst einmal knüpfen die Befürworter des „Jahres der Stille“ an ganz zutreffende Beobachtungen an. Zu recht weisen sie darauf hin, daß die meisten Menschen heute gehetzt und getrieben werden von viel zu vielen Beschäftigungen, daß sie durch den Druck der Arbeit und der Alltagsaktivitäten kaum noch zur Ruhe und Besinnung kommen und überflutet werden mit zu vielen Informationen und Impulsen. Es ist wahr, daß Gott selbst uns durch den Ruhetag (Sabbat) zeigen möchte, daß der Mensch auch ein Zur-Ruhe-Kommen und Stillwerden braucht. Ganz gewiß besteht auch aus geistlicher, bibeltreuer Sicht bei vielen Gläubigen ein Mangel an Stille und innerer Ruhe vor Gott; wer von uns wünschte sich nicht mehr Zeit für Bibellesen und Gebet?

Und doch können bibeltreue Christen diese Initiative nicht begrüßen. Wenn man sich die offiziellen Materialien für das „Jahr der Stille“ ansieht, wird rasch deutlich, daß hier nicht die biblische Begegnung mit Gott in der Stille gefördert wird, das geistgeleitete Nachsinnen über Gottes Wort und das Gebet im biblischen Sinn. Manche Formulierungen werden zwar gebraucht, die diesen Anschein erwecken sollen. Doch bei genauem Hinsehen wird offenbar, daß stattdessen für etwas ganz anderes Werbung gemacht wird. Wir zitieren im folgenden aus dem offiziellen Ideenheft dieser Initiative.

Die beteiligten Christen sollen durch Meditation und Stille, Entleerung von sich selbst zu einer „Gottesbegegnung“ geführt werden. Dr. M. Gerland, Pfarrer für Meditation, schreibt: „Menschen gehen in die „Wüste“, um leer zu werden, stille zu werden, zu schweigen, zu hören, was das Leben bzw. Gott [!!] ihnen zu sagen hat. (…) Aus diesem Schweigen erwächst ein neues Hören auf das, was mir von einer anderen Welt, von Gott her, gesagt wird“ (S. 14/15). Das Ziel der gelenkten meditativen Stille ist wesentlich ein mystisch verstandenes „Hören auf Gott“. Es wird in den Beiträgen immer wieder betont, daß man das „Reden Gottes“ auf neue Weise suchen und finden solle. Damit ist das Hören auf innere Eindrücke und Stimmen gemeint, wie es auch mit der charismatischen Verführungspraxis des „Hörenden Gebets“ empfohlen wird. Hier wird der meditierende Mensch dazu verleitet, auf die trügerische Stimme falscher Geister zu hören, für die sie durch die Meditationsrituale offen gemacht werden.

Immer wieder wird betont, daß es wichtig für das Stillewerden sei, „gute Rituale“ und „Stilleübungen“ zu praktizieren. Der Meditationspfarrer Gerland empfiehlt in dem Ideenheft eine solche Übung:

„Ich lade Sie zu einer Übung ein, die Ihnen helfen will, zur Stille zu kommen und sich dem Geheimnis der Gegenwart Gottes zu öffnen (…) Suchen Sie sich einen stillen Ort in Ihrer Wohnung oder in einer Kirche. Zünden Sie eine Kerze an. Bevor Sie sich auf Ihrem Platz niederlassen, beginnen Sie in den Knien zu wippen, zunächst langsam und dann immer heftiger, bis der ganze Körper in eine Schüttelbewegung kommt. Streifen Sie mit den Händen den Körper ab und hauchen Sie alle verbrauchte Luft aus. Führen Sie die Handflächen zusammen und verneigen Sie sich vor dem Geheimnis der Gegenwart Gottes. (…) Nehmen Sie Ihren Atem wahr, wie er kommt und geht, ohne ihn zu verändern … Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Ausatmen, legen Sie in das Ausatmen alle innere Unruhe und lassen Sie sie mit dem Atem abfließen (…) Lassen Sie nun die Stille mit jedem Atemzug in sich einströmen (…) Wiederholen Sie die Worte mehrfach leise im Inneren … Hin zu Gott ist stille meine Seele – lauschen Sie in diese Stille … Gott ist da und Sie sind da … verweilen Sie, ruhen Sie in seiner Gegenwart, solange es ihnen möglich ist. Öffnen Sie langsam wieder die Augen, lösen Sie sich aus der Meditationshaltung. Führen Sie Ihre Hände vor der Brust zusammen und verneigen Sie sich vor der Gegenwart Gottes.“ (S. 15).

So müssen wir festhalten: dieser Initiative geht es nicht darum, das biblisch verstandene Gebet und die so wichtige Stille und Andacht der Gläubigen vor Gott zu fördern. Vielmehr wird unter evangelikalen Christen für heidnische Meditation und katholische Mystik geworben. Man redet von „Hilfen, um in die Stille zu finden“; was aber angeboten wird, stammt aus dem Repertoire buddhistisch-heidnischer Meditationstechniken. Das gilt besonders für die Empfehlung, auf den eigenen Atem zu achten und mithilfe des Atems symbolisch Negatives „auszuatmen“ und Positives „einzuatmen“. Das ist letztlich eine magische Handlung, wie sie auch buddhistische und hinduistische Meditationsmeister empfehlen. Auch die Aufforderung zum innerlichen „Leerwerden“ und zur „Achtsamkeit“ entstammt der buddhistisch-esoterischen Meditationstechnik.

Dasselbe gilt für Rituale wie das Entzünden einer Kerze oder das Einnehmen besonderer Körperhaltungen, das Nachspüren der „Erdung“ der Füße oder das Betrachten eines Kreuzes. Das alles dient dazu, den Meditierenden in einen tranceähnlichen veränderten Bewußtseinszustand zu bringen, wo er dann Erlebnisse mit Geistern machen kann, die als „Gegenwart Gottes“ oder „Reden Gottes“ angepriesen werden. Auch die eingebauten Elemente katholisch-orthodoxer Mystik sind keineswegs „christlich“ oder für Gläubige unbedenklich. Sie sind ebenfalls okkulte Wege zur Kontaktaufnahme mit trügerischen Geistern, die sich als „Gott“ ausgeben. Das ostkirchliche „Immerwährende Herzensgebet“ etwa ist nichts anderes als ein heidnisches Mantra, das durch ständige Wiederholung (vgl. die Warnung des Herrn, wir sollten nicht „plappern wie die Heiden", Mt 6,7) andere Bewußtseinszustände herbeiführen soll.

Die ganze Vorstellung von „Stille“, die dieser Kampagne zugrundeliegt, ist heidnisch-mystisch geprägt und nicht biblisch begründet, auch wenn immer wieder entsprechende Bibelverse angeführt werden. Das biblische Gegenstück der Stille und Andacht vor Gott beruht nicht auf unpersönlichen Techniken zur Bewußtseinsveränderung. Der Gläubige hat den Heiligen Geist innewohnend in sich und hat allezeit durch den Geist Gottes und Jesus Christus Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Der echte Gläubige braucht herausgenommene Zeiten der Stile, um mit Gott enge Gemeinschaft zu pflegen und sich Ihm im Gebet zu nahen. Gerade aber die klassische „Stille Zeit“ wird in den Beträgen zum „Jahr der Stille“ unterschwellig als ungenügend dargestellt. Man brauche „besondere Orte der Stille“, wie etwa katholische Kirchen oder katholisch-ökumenische Stille- und Retraitehäuser oder zumindest einen Hausaltar („Herrgottswinkel“) mit Bildern und Kerzen.

Wir brauchen als Gläubige gewiß auch mehr Zeit, um vor Gott stille zu werden und über dem Wort Gottes nachzusinnen und auch, um Gott im Gebet zu suchen. Aber dazu wollen wir nicht unser Bewußtsein entleeren, nicht „uns selber spüren“; wir wollen nicht Kerzen entzünden und auf unseren Atem achten. Wir haben im Geist unmittelbaren Zugang zu Gott im himmlischen Heiligtum. Wir dürfen unsere Gebete und Bitten kindlich im Glauben vor Gott aussprechen, anstatt beständig Mantraformeln vor uns hinzumurmeln. Es ist gut, wenn wir uns mehr Zeit nehmen, in Gottes Wort zu lesen und Ihn zu bitten, durch Sein Wort zu uns zu reden. Wir wollen uns aber hüten, auf irgendwelche „innere Stimmen“ und angebliches „Reden Gottes“ durch mystische Erlebnisse zu warten.

Die neue Aktion, an der führende Evangelikale beteiligt sind, die es eigentlich besser wissen müßten, bringt nur Verführung und eine weitere Irreleitung der Evangelikalen hin zur katholischen Kirche und ihrer falsche Religion. Hier wird an dem Ausbau der babylonischen Endzeitkirche mitgewirkt, anstatt echtes Glaubensleben zu fördern. Alle wahren Gläubigen tun gut dran, diese Aktionen zu meiden – und auch die Kirchen und Werke, die solche ökumenischen Verführungskampagnen fördern und in ihren Reihen durchführen.



[Rudolf Ebertshäuser - Dezember 2009 veröffentlicht auf www.das-wort-der-wahrheit.de]



Die unveränderte Weiterleitung und Publikation dieses Beitrages ist unter Nennung des Autors und der Quelle www.das-wort-der-wahrheit.de gestattet.
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#2
Franz

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Lieber Rolf,

zu den Ausführungen von Rudolf Ebertshäuser möchte ich folgendes anmerken:

Gerade die bibeltreuen Christen, der zum Trägerkreis der Initiative gehörenden Kirchen und Gemeinschaften werden diese Initiative begrüßen!

Christliche Meditation ist eine Art zu beten, ist ein ruhiges Verweilen in der Gegenwart Gottes, Stille vor Gott,

Dazu steht in der Bibel zum Beispiel folgendes:

"Herr lehre uns beten" (Lk 11,1).
"Wenn du betest, so gehe in deine Kammer und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater der in das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet" (Mt 6,6-8).


"Seid still und erkennt, dass Ich Gott bin" (Ps 46,11).
"Gott, man lobt Dich in der Stille" (Ps 65,2).
"Meine Seele ist stille zu Gott der mir hilft. Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn Er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz" (Ps 62,2;6-7).
"Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet" (Mt 7,7).
"Wenn ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen" (Jer 29,13-14).
"Ringet danach, dass ihr stille seid" (1 Thess 4,11).
"Der Ertrag der Gerechtigkeit wird zeitlose Stille sein" (Jes 32,17).

"Es sei vor Ihm stille alle Welt" (Hab 2,20).
"Seid stille vor Gott dem Herrn" (Zeph 1,7).
"Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn" (Sach 2,17).
"Betet ohne Unterlass" (1 Thess 5,17).

"Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja mit meinem Geist suche ich dich am Morgen" (Jes 26,9).
"Wach auf meine Seele, wach auf Psalter und Harfe, ich will das Morgenrot wecken" (Ps 57,9).
Jesus verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott (Lk 6,12).
Er stand früh auf auf und betete an einsamen Orten (Mk 1,35; Lk 9,18; 4,42).
Jesus betete in der Einsamkeit der Wüste und auf Bergen (Mk 1,12; 6,46; 9,2; Lk 6,12; Mt 14,23).

"Wenn du betest, gehe in deine Kammer und schließ die Tür zu":
Allein, an einem ruhigen Ort; lass die Alltagsgedanken und Bilder los, halte Schweres Ihm hin: "schließ die Tür zu", um allein an den Herrn zu denken und in Ihm Ruhe und Kraft zu finden,
"und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist":
"Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1 Kor 3,16; 6,19). " Sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch" (Lk 17,21).
"Gott wohnt in der Mitten. Alles in uns schweige und sich innig vor Ihm beuge" (Gerhard Tersteegen).


Zu unserem "Mangel an Stille und innerer Ruhe vor Gott":

Meines Erachtens ist es häufig kein Zeitproblem. Sondern das eigene Ich, das vom sich-beschäftigen, sich-erfüllen, sich-ablenken lebt (durch Bücher, Fernsehen, Zeitungen, Internet, durch Arbeit usw.), schreckt vor dem Gefühl seiner eigenen inneren Ödnis, seiner inneren Langeweile zurück, die sich im Nicht-ablenken, Nicht-unterhalten, Nicht-beschäftigen auftut, wenn man "in die Kammer geht und die Türe hinter sich zuschließt".
Das Ich fürchtet sich davor, sich in diese innere "Wüste" führen zu lassen (vgl. Ps 136,16). Es gibt niemanden, der diese Gefühle innerer Ödnis und Langeweile nicht schon gespürt hat oder nicht spüren wird.
Aber man muß sich diesen Gefühlen stellen und nicht davor weglaufen, sich nicht ablenken, sondern sie wahrnehmen und im Herzen halten. Dadurch kann man hindurch und darüber hinaus gelangen; dann geschieht etwas Neues:

"Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir,
wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten.
Ziehen sie durch das trostlose Tal,
wird es für sie zum Quellgrund, und
Frühregen hüllt es in Segen.
Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft;
dann schauen sie Gott auf dem Zion" (Ps. 84,6-8).

"Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut" (Lk 11,23).


Zum Hören auf innere Eindrücke und Stimmen:
Meditation oder Stille vor Gott ist "Hören auf Gott". Es ist nicht das Trachten nach "inneren Stimmen" oder Visionen, wie heilig diese auch scheinen mögen, weil dies alles von der persönlichen Ich-Voreingenommenheit bedingt ist; deshalb muß wahre Meditation auch mit Selbsterkenntnis, das heißt Einsicht in das eigene ich-bezogene Denken und Tun, einhergehen:
"Da wo du auf dich triffst, da lass von dir ab" (Meister Eckhart).
"Verlange, in nichts etwas zu sein" (Johannes v. Kreuz).
"Gott ist mehr als die eigene Innerlichkeit, deshalb soll sich der Mensch von sich weg und den Dingen Gottes zuwenden" (Ignatius v. Loyola).


"Leerwerden" " und "Achtsamkeit" entstammen nicht buddhistisch-esoterischer Meditationstechnik, sondern sind biblische Praxis.

"Wer Ohren hat zu hören, der höre" (Matth 11,15): Geistliches Leben, Stille-sein, kommen nicht ohne acht-geben, Achtsamkeit, auf-merken aus. Das tägliche Leben und z.B. das Autofahren auch nicht.
"Mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht" (Matth 13,13): Auch die Unaufmerksamkeit wahrzunehmen ist Aufmerksamkeit. Die Handkonkordanz zur Bibel füllt zwei Seiten mit Bibelstellen zu "achten, achthaben" bzw. "hören" und deren Fehlen. Das ist daher nichts speziell buddhistisch-esoterisches, sondern geht jeden an.

"Leerwerden" mag ein ungewohnter Begriff sein. Er meint aber eine Selbst-Entäusserung, die auf eine geistliche Armut zielt, das heißt, auf eine Abgeschiedenheit von Alltagsgedanken und -Bildern, auf ein inneres Schweigen vor Gott: "Wenn du betest, gehe in deine Kammer und schließ die Tür zu". "Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist Gottes Reich" (Mt 5,3).
"Dort wo du auf dich (in deinen Gedanken) triffst, da lass von dir ab" (Meister Eckhart).
Das (wenn auch nur zeitweise) innere Ledig-sein von dem ununterbrochenen Gedankenstrom, bei dem ein Gedanke und ein Bild dem anderen folgen, geht mit einer großen Tiefe und Klarheit einher. Da stellt Er unsere Füße auf weiten Raum (Ps 31,9).
"Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein" (Jes 30,15). "Sei stille dem Herrn und warte auf Ihn" (Ps 37,7).

Mögen im Übrigen auch die sogenannten Esoteriker und Zen-Buddhisten achtsam und liebevoll sein und sich selbst tief entäussern: Gott läßt seine Sonne auch über ihnen aufgehen (Matth 5,45): "Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten" (Jes 65,1). Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken (Jes 55,8).


Es ist abwegig, dass das ostkirchliche `Immerwährende Herzensgebet´, das heißt, die Anrufung des "Namens über allen Namen" (Phil 2,9) und die damit verbundene liebende Hingabe an Jesus Christus "ein heidnisches Mantra zur Herbeiführung anderer Bewußtseinszustände" sein soll.
"Ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet oder um eine Schlange, wenn er um Fisch bittet? Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten" (Matth 7,9-11).
Wer sich für diese tiefe, jahrhundertealte Gebetsform interessiert, dem sei das schöne Büchlein "Das Jesusgebet", herausgegeben von Emmanuel Jungclaussen, Verlag Friedrich Pustet , Regensburg, empfohlen.

Weder das Anzünden von Kerzen noch das Achten auf den Atem entstammen buddhistisch-esoterischer Meditationstechniken.
Das entspannte, aufrechte Still-da-sitzen, vor einem Kreuz und einer Kerze, das Wahrnehmen des eigenen Leibes und des eigenen tiefen Atems stellen eine gute Hilfe für eine solches inneres zur-Ruhe-kommen dar.
Wenn man schon im Gottesdienst Kerzen anzündet (vgl. 3. Mos 24,2-4) , dann erst recht auch beim Lob Gottes im stillen Kämmerlein.
Es ist Gott, der uns atmen lässt. Dieser Atemzug, jetzt im Moment, ist uns gegeben. Die Erfahrung, dass man zum Beispiel bei "Lampenfieber" oder bei Streß ruhiger wird, wenn man ruhig und tief durchatmet, hat wahrscheinlich schon jeder gemacht. Durch unsere sitzende Arbeits- und Lebensweise ist unsere Atmung oft sehr oberflächlich. Immer wieder tief durchatmen, Bauchatmung, tut gut und tut not. Am Schreibtisch und auch im Stille-sein vor Gott
hin und wieder auf den Atem zu achten, ist also ganz natürlich.
"Alles was atmet hat, lobe den Herrn" (Ps 150,6); das kann gerade im still-sitzen geschehen.
Tief und ruhig atmen betrifft jeden Menschen und ist daher weder esoterisch oder buddhistisch.


Die neue Aktion ...bringt nur Verführung und eine weitere Irreleitung der Evangelikalen hin zur katholischen Kirche und ihrer falschen Religion".
Diese Pauschalverurteilung ist nicht zutreffend und bedient nur das Negativbild ("Feindbild") über die katholische Kirche.
Im katholischen Glauben stehen der dreieinige Gott, die Erlösungstat des Sohnes im Vater, seine Selbstmitteilung im Wort und in der Eucharistie sowie die Gottes- und Nächstenliebe absolut im Mittelpunkt. "Niemand kann Jesus den Herrn heißen ohne durch den heiligen Geist, der da wirkt alles in allen" (vgl. 1 Kor 12, 3-11).
Wahrheit und Irrtum, "Unkraut unter dem Weizen" gibt es nicht nur in der katholischen Kirche allein sondern auch in den Freikirchen und in unserem eigenen Leben. Ein wunderbares Gleichnis Jesu: Trotz aller Ernsthaftigkeit - Irrtümer und Fehler sind geschehen und werden immer wieder passieren; überall geht auch "Unkraut unter dem Weizen" auf. Aber das Unkraut wird in unserer Beharrlichkeit verbrennen und die Zeit der reifen Ernte wird kommen (vgl. Matth 13,24-30).
Für den freikirchlichen Blickwinkel auf die kath. Kirche sollte daher der Blick Jesu auf die "anderen Jünger" gelten: "Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch" (Lk 9,49-50).


Mit herzlichen Grüßen

Franz
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#3
Rolf

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Völlig richtig! Meditation ist an sich ein Wort das in der Bibel (giech. Meditaze) zu finden ist. Dabei ist es nicht negativ belegt,sondern bedeutet überetzt sich versenken oder zur Ruhe kommen und sich bewusst im Gebet zu Gott wenden und sich auf ihn einzulassen.

Dass der Begriff Meditiation in esoterischen und okkulten Kreisen stigmatiiert eingesetzt wird um sich femden Religionen und Mächten zu öffen, sorgt für ein erhebliches Angstpotential unter vielen Christen.

Im biblischen Sinne ausgelegt ist diese Angst völlig unbegründet. Allerdings versucht man uns in chistlichen Kreisen immer wieder aufs Glatteis zu führen, derzeit z.B. durch das Buch "Die Hütte" zum Jahr der Stille.

Eine gewisse Wachsamkeit ist von daher auch von Nöten.


Herzliche Grüße


Rolf
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#4
Franz

Franz

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Lieber Rolf,

noch ein Nachtrag:

"Wenn du betest, so gehe in deine Kammer und schließ die Tür zu ...(Mt 6,6):
Der Umgang mit belastenden/schmerzlichen Gefühlen/ Gedanken und Bildern, um die "Türe zu schließen", ist Teil christlicher Meditation.

"All euere Sorge(n) werfet auf Ihn, denn Er sorget für euch. Seid nüchtern und wachsam. Euer Widersacher, der Durcheinanderbringer sucht, wen er fassen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens" (vgl. 1 Petr 5,7-8).

"All euere Sorgen, Ängste und Schmerzen werfet auf Ihn": Sie auf Ihn zu werfen, sie Ihm wirklich zu überlassen, weil sie eins mit jener Angst und jenen Schmerzen sind, die Er für uns getragen hat (vgl. Jes 53,3-5), bedeutet, nicht mehr um sie zu kreisen, ihnen nicht mehr auszuweichen oder sie wegzuschieben, sondern diese Gefühle Ihm hin-halten, sie im Bewußtsein und Herzen still-halten und um Seinetwillen darin still verharren, beharrlich, solange die Sache akut ist.

Dazu ist - aus meiner Sicht - das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Matth 13,24-30) eine wunderbare, befreiende Anleitung Jesu, des besten Kenners der menschlichen Psyche, wie man mit "Unkräutern", das heißt mit Schwierigkeiten, Problemen, mit Leid, im eigenen Leben fertig werden kann: "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut und den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein"...Die Knechte wollen es ausreissen, was ihnen der Herr verwehrt: "Nein, sonst reisst ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen...".

"Unkraut" sind Drangsale und Leid, alles was einen stört (Beispiele: Anfechtungen, belastende Dinge, Ärgernisse, Ängstlichkeiten, Sorgen, Krisen, Selbstvorwürfe, Selbstbemitleidung, Begierden, Langeweile, negative Gedanken, Illusionen, Enttäuschungen, Neid, Zweifel, psychische Verletzungen, innere Widersprüche, eigenes Scheitern, Schuldgefühle, usw.).

"Sollen wir hingehen und es ausreissen?"
"Ausreissen" steht für dagegen ankämpfen, es kontrollieren, unterdrücken, es verdrängen, verscheuchen, es wegschieben, es rationalisieren wollen.

"Nein, sonst reisst ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus", das heißt: Wogegen "ich" ankämpfe oder was "ich" kontrolliere oder unterdrücke, das versuche ich von "mir" abzuschneiden, abzuspalten; das bestärkt man jedoch auf diese Weise, das schwelt weiter und das schadet einem; denn "ich" bin in das Problem involviert und nicht davon abgetrennt. (Denn: wäre ich davon frei, was hätte es dann noch mit mir zu tun?).

"Lasst beides wachsen bis zur Ernte": Wenn wir die "Unkräuter" überwinden wollen, müssen wir sie "wachsen lassen", sie zulassen, sie in uns offenbar werden lassen, ohne sie abzulehnen oder sich dabei zu verurteilen, auch wenn es nicht erfreulich ist, was zutage tritt. Es gilt, sie aufmerksam ins Auge zu fassen, ohne Ausflucht: "Face ist", auch wenn einem ein Problem schwer vor dem Herzen stehen mag.

"Wenn dann die Zeit der Ernte da ist":
Die "Zeit der Ernte" ist bereits jetzt da, das heißt, im Lichte der bewußten Nachfolge Jesu und einer damit einhergehenden Christus- und Gotteserkenntnis eine fortschreitende Einsicht in die eigene, immer wieder zutage tretende Unzulänglichkeit und Unbewußtheit:

"Jede Rebe an mir, die Frucht bringt, reinigt der Vater, damit sie mehr Furcht bringt...Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun" (Joh 15,2,5).

"Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, sammelt zuerst das Unkraut:
Nicht das unachtsame "Ausreissen", dagegen-ankämpfen, unterdrücken oder verscheuchen aus einem falsch verstandenen (christlichen) Ideal heraus ist entscheidend, sondern ein sehr aufmerksames Vorgehen:

"Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel": Das heißt, die enorme Energie, die in solchen Drangsalen steckt, zum Beispiel in einem Ärger, sammeln und bündeln, damit diese Energie sodann "verbrennt", sich auflöst.

Das geschieht dadurch, dass man die Anfechtung, den Ärger, die Angst, dieses Gefühl im Herzen und Bewußtsein hält, Jesus Christus hin-hält und darin still verharrt,
ohne dabei zu versuchen, das "Unkraut" auszureissen, das heißt, ohne zu versuchen, auf dieses Gefühl einzuwirken, ohne dagegen anzukämpfen, ohne es abzulehnen, ohne sich davon weg zu bewegen, davor zu fliehen, ohne davor zurückzuschrecken (vgl. Joh 14,1a), ohne zurückzuschlagen,

sondern das belastende Gefühl, die Drangsal, im Bewußtsein hält (so wie man ein randvolles Glas still-hält und anschaut), es Ihm hin-hält und darin still verharrt, ganz dabei bleibt um Seinetwillen (vgl. Phil 3,10b), passiv, unverkrampft, mit Beharrlichkeit und Geduld, wieder und wieder, mit ganzer Aufmerksamkeit, möglichst ohne abzuschweifen,
und
ohne in Gedanken darum zu kreisen,
das heisst, ohne sich in diesen aufsteigenden Gedanken und Bildern zu bewegen und so das Leid weiter zu nähren.

Auch wenn dem Anschein nach bei dieser Art des An-schauens nichts zu geschehen scheint, geschieht dennoch (verborgen) ein Ansammeln und Bündeln der Energie, die in einer solchen Drangsal steckt und sodann ein "Verbrennen" des "Unkrautes", das heißt, ein
sich-Auflösen der Drangsal, des Ärgers, eine Loslösung.

Der "Widerstand in der Kraft des Glaubens" (1 Petr 5,8) geschieht vor dem Hintergrund dieses Gleichnisses nicht durch ein aktives Ankämpfen gegen eine Anfechtung, eine Sorge, eine Angst, sondern durch "wachsen-lassen", aufkeimen-lassen, zulassen dass sich diese Gefühle offenbaren und sodann durch ein beharrliches, passives Im-Bewußtsein-und-Herzen-halten, durch ein Ihm-hinhalten und darin still verharren.

Das ist eine immer wieder gemachte, erstaunliche und befreiende Erfahrung, dass sich auf diese Weise Probleme lösen, das heißt, ihre Macht verlieren.

Die "herkömmliche", unachtsame Art und Weise, auf eine solche Herausforderung zu reagieren ist, gedanklich immer und immer wieder um ein Problem zu kreisen oder dagegen anzukämpfen davor zu fliehen. So wird die Schwere eher noch verstärkt. Jedes schwelende Problem kostet Kraft, das heißt, es geht mit Energiervergeudung einher - das hat schon jeder erfahren.

"Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut" (Lk 11,23).

Wird die Angelegenheit aber beharrlich im Bewußtsein gehalten, das heißt, das Bild und das belastende Gefühl Ihm hin-gehalten und dabei geblieben, ohne darum zu kreisen und es dadurch nicht zu nähren (und das bedeutet hier, sich selbst zu entäussern), wird die darin enthaltende enorme Energie (mit Ihm) gesammelt, gebündelt und sodann "verbrannt", aufgelöst.
Diese Loslösung, Befreiung, geschieht ohne ein weiteres gedankliches Zutun, denn nicht "ich" bin da der Handelnde.

"Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernet von mir, so werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen". (vgl. Matth 11,28-30).

"Selig sind, da da Leid tragen sie sollen getröstet werden" (Matth 5,4). "Leid tragen" im Sinne von: Das Leid, die Angst, dieses Gefühl Ihm hin-halten, und ganz und gar darin still verharren, diese Spannung aus-halten, ohne darum zu kreisen.

"Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein" (Jes 30,15).

Das mag man (anfangs) als sehr mühsam empfinden, weil wir instinktiv anders reagieren. Aber wenn man sich dem so stellen kann (vgl. Phil 3,10b), wird man entdecken, dass Erstaunliches geschieht:

"Deine Wüste und Einöde wird frohlocken und wird blühen wie Lilien. Sie wird blühen und jubeln. Denn es werden Ströme lebendigen Wassers in deiner Wüste hervorbrechen, in deinem dürren Land. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Brunnquellen sein" (vgl. Jes 35,1-2;6-7; Joh 7,38).

Mit herzlichen Grüßen

Franz
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#5
Neo12345

Neo12345

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Hallo, vielleicht kann mir ja jemand hier helfen....

Ich bin momentan bei einer Psychologin und wir haben dort auch Gruppengespräche und nach dieser Stunde machen wir immer eine Art "Achtsamkeitsübung".

Heute zum Beispiel, sollten wir bewusst darauf achten, wie wir sitzen , ob wir bequem sitzen , ob wir angespannt sind usw. Wir sollten halt auch auf unseren Körper achten und jede Körperpartie bewusst wahrnehmen ..

Jedenfalls war ich auch erst verunsichert wegen diesen Begriffen .... Achtsamkeit ... usw.



Solche Übungen kann ich doch aber unbedenklich machen , oder ?

Ich bin so verunsichert durch meinen Geistlichen Missbrauch , dass ich sofort immer an was okkultes denke...


LG
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