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Am wirklichen Problem vorbei


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Rolf

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Wichtiger Zeitungsbericht zumThema Geld /F inanzkrise

von Gottfried Hetzer





Am wirklichen Problem vorbei




In den letzten zwei Jahren ist viel und ausgiebig über die weltweite Finanzkrise und ihre teils
verheerenden Auswirkungen berichtet worden. In endlosen Analysen wurden die oft wohl-gemeinten,
teils recht hektisch beschlossenen, unter Zeitdruck durchgeführten und deshalb sicherlich
nicht immer wohl durchdachten Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung bzw. Abschwächung
der resultierenden Rezession in allen Medien durch die Entscheidungsträger dargelegt und gerechtfertigt.
Geholfen haben sie nur scheinbar.

Soviel ist sicher, was da mit unglaublichen Summen zu Lasten der steuerzahlenden arbeitenden
Bevölkerung künstlich am Leben gehalten wurde wird noch lange Zeit sehr negative Auswirkungen
auf uns alle haben. Davon können auch die vielen Beteuerungen, die Talsohle der Krise
sei durchschritten, nicht ablenken. Bereits Ende 2004 lag die gesamte Schuldenlast in Deutschland
(Regierung, öffentliche Hand, Unternehmen, Privatbereich) bereits derartig hoch, dass das
komplette BIP von fast drei Jahren zur Begleichung hätte aufgewendet werden müssen, Zinsen
nicht eingerechnet. Seither hat sich die Lage drastisch verschlechtert und im Sog der angeblich
gerade abebbenden Finanzkrise baut sich bereits ein neuer Tsunami auf.
Unfassbar also, dass in wirtschaftlich katastrophalen Zeiten wie wir sie derzeitig erleben die herkömmlichen
Wege zur Problembekämpfung gebetsmühlenartig gepredigt und gegen jede Vernunft
beschritten werden: durch astronomisch steigende Schuldenlasten (letztlich immer zu Lasten
des noch arbeitenden Steuerzahlers und der Konsumenten) wird neues Wirtschaftswachstum
als Allheilmittel heraufbeschworen. Zu selten werden Logik, Sinn und Machbarkeit eines
unentwegten Wachstums zu Lasten ungebremster Überschuldung öffentlich kritisch hinterfragt.

Mit Blick auf unseren privaten Haushalt verstehen wir zwar, dass hoffnungslose Überschuldung
wirtschaftlichen Ruin nach sich zieht. Warum wir aber glauben, dass die gleiche Systematik auf
einem größeren Spielfeld (Wirtschaft) ausgehebelt werden kann, entzieht sich jeglicher Logik.
Deutlich wird, dass sich in allen Analysen und Kommentaren nur selten jemand mit der eigentlichen,
wirklichen Ursache der Finanzkrise (oder besser: der Krise und Fehlbarkeit unseres Finanzsystems)
auseinandersetzt. Und Entscheidungsträger scheinen weder Willens noch offen zu sein,
Skeptikern einmal zuzuhören. Der z.B. generell als Ursache genannte Zusammenbruch des aufgeblähten
amerikanischen Immobilienmarktes ist auch nur ein Resultat des eigentlichen Problems,
nicht jedoch die Ursache der Finanzkrise selbst. Die liegt viel tiefer, gut vergraben und daher
nicht gleich sichtbar. Und was nicht im Blickfeld liegt, entzieht sich der analytischen Betrachtung.
Bildlich gesprochen versuchen die Entscheidungsträger die sichtbaren faulen Äpfel mit allen
möglichen Stützungsmaßnahmen am Baum zu halten und (zumindest äußerlich) gesund zu
putzen, damit der Baum wieder attraktiv und prächtig aussieht.

Unverständlich bleibt, dass niemand
vom Heer derjenigen, die sich zu Wort melden, die faulen Äpfel als Symptom bzw. Resultat
kranker Wurzeln erkennt bzw. erkennen will. Dieser Eindruck wird jedenfalls vermittelt.
Also wird, bewusst oder unbewusst, eine Lüge gelebt, in der heute z.B. der Handel mit dem (per
Definition eigentlich neutralen) Umtauschmedium Geld und die Schaffung monetärer Vermögenswerte
wichtiger geworden ist, als die so genannte Realwirtschaft (Produktion von Gütern
und Dienstleistungen), für die das Geld doch nur als Austausch-Hilfsmittel gedacht war. So bezifferte
sich das Jahres-Welthandelsvolumen bereits Anfang dieses Jahrtausends zwar auf 730 Billionen
US$. Mit einem Anteil von 95% lagen dabei die spekulativen Geldtransaktionen aber 19
mal so hoch wie die eigentliche Herstellung von Produkten und die getätigten Dienstleistungen!
Solche Zahlen sind schockierend, machen sie doch deutlich, wie sehr wir vom produktiven (realen)
ins spekulative (ungewisse) Wirtschaften abgeglitten sind und dadurch Trugbilder schaffen,
die früher oder später in sich zusammenfallen. Vor diesem Hintergrund müssten wir uns angesichts
des stets angestrebten Wirtschaftswachstums zur Problemlösung eigentlich fragen: was
wächst hier denn eigentlich, die Finanzwirtschaft oder echte Produktivität?

Das Politmagazin Monitor griff in der Sendung vom 07. Januar 2010 erfreulicherweise so manche
Lüge im Zusammenhang mit der Finanzkrise auf und wagte es, genau dieses immer wieder
als Antwort gepredigte Wirtschaftswachstum kritisch zu hinterfragen.
Meines Kenntnisstandes nach sind die hauptsächlichsten Ursachen (die Art, wie wir Geld sehen
und nutzen und vor allem der Geld-Zinseszins), die den Menschen zum Sklaven der Wirtschaft
machen (anstatt die Wirtschaft zum Helfer des Menschen) und rein mathematisch zum stetigen
Wachstum, ungeahnter Ausbeutung und Ungerechtigkeit zwingen, dadurch soziale Spannungen
bis hin zu Kriegen verursachen, noch nicht öffentlich auf den Tisch gepackt worden.
Deshalb möchte ich im Folgenden einmal die Grundzüge unseres Finanzsystems skizzieren, die
zwangsläufig, logisch und arithmetisch immer zur Katastrophe führen müssen. Erst wenn wir bereit
sind uns diesen Wahrheiten zu stellen, ist eine wirklich nachhaltige Lösung möglich. Die Frage
ist, sind wir dazu bereit?

Funktion des Geldes


• Geld ist ein vom Staat durch die Zentralbanken zur Verfügung gestelltes Medium um Waren
und Dienstleistungen einfacher austauschen zu können.
• Geld an sich hat keinen Wert, zumal es heute weder durch Gold, die Regierung oder echte
Wirtschaftsproduktivität gedeckt ist. Es sind die Besitzer des Geldes, die ihm einen Wert beimessen.
• So wie Blut im Menschen permanent zirkulieren muss um den Körper mit allen lebensnotwendigen
Stoffen zu versorgen, so muss Geld ständig in der Wirtschaft zirkulieren, also ausgegeben
werden, um sie gesund und am Leben zu erhalten.
• Weil das Umtauschmedium Geld jedoch gegenüber Waren und Dienstleistungen viele Vorteile
hat (langlebig; handlich; beliebig aufteilbar und zusammensetzbar; für jeden, jederzeit, nahezu
überall für alles einsetzbar; etc.), ist es für die meisten mittlerweile wertvoller als die Produkte
und Dienstleistungen selbst, die damit ein- bzw. ausgetauscht werden sollen. Deshalb
wird es gern gehortet (gespart, zurückgelegt), also dem so wichtigen Kreislauf entzogen.
• Der Entzug von Liquidität aus dem Wirtschaftskreislauf hat schwerwiegende Folgen für alle
Beteiligten, von wachsender Arbeitslosigkeit bis hin zu Zusammenbruch der Wirtschaft.

Falscher Ansatz

• Um also die notwendige Geldzirkulation zu gewährleisten, bedienen wir uns in unserem heutigen
der Wirtschaft zu Grunde liegenden Geldsystem fehlerhafter Systematiken: anstatt diejenigen
zu “bestrafen”, die durch ihr Horten (Sparen) die lebenswichtige Geldzirkulation unterbinden,
belohnen wir die Menschen mit noch mehr Geld (Zinsen), wenn sie das, was sie
(momentan) nicht brauchen (ihr Gespartes), als Kredit wieder anderen zur Verfügung stellen.
• Geld arbeitet nicht, auch wenn uns das die Werbung glauben machen will. Deshalb können
wir auch unser Geld nicht für uns arbeiten lassen. Menschen arbeiten. Wer also Zinseinkommen
hat, bezieht ein Einkommen ohne dafür den Finger krumm machen zu müssen. Das
müssen diejenigen tun, die zuwenig Geld haben und sich deshalb gegen Zins leihen. Sie arbeiten
nun also sowohl für ihr eigenes Einkommen als auch das der Zinsbezieher.
• Dieser Geldzins stellt so manches auf den Kopf. Wer Sachgüter verleiht, bekommt sie in der
Regel gebraucht und mit einem niedrigeren Wert zurück. Wer jedoch Geld verleiht, bekommt
nicht weniger, sondern sogar mehr Geld zurück. Das ist paradox. Einer Mietzahlung beim
Sachgutverleih entspricht beim Geldverleih allenfalls ein Inflationsausgleich, der (zumindest
in der westlichen Welt) jedoch nur einen kleinen Bestandteil des Zinssatzes ausmacht.

Probleme


• Der Geldzins hat verheerende Auswirkungen, gebiert er doch quasi Geld (bzw. Geldvermögen)
aus Geld (Geldvermögen), sprich Umtauschmittel aus Umtauschmittel, ohne durch Gold
oder echte Produktivität abgesichert zu sein. Da wir heute kaum noch mit linearen/einfachen
Zinsen, sondern mit Zinseszinsen arbeiten, haben wir es ausserdem mit einem exponentiellen
Wachstum dieser Geldvermögen zu tun.
• Exponentielles Wachstum kennen wir in der Regel von todbringenden Krankheiten wie Krebs,
die den Körper, von dem sie sich ernähren, sprichwörtlich auffressen. In gleicher Weise frisst
auch der Zinseszins die Wirtschaft auf, verdoppelt er doch mit mathematischer Präzision die
Geldmenge/-vermögen mit zunehmender Geschwindigkeit (z.B. bei 1% in 72, bei 3% in 24,
bei 6% in 12 und bei 12% in lediglich 6 Jahren!), was irgendwann eine Bedienung der Schulden
unmöglich macht und zwangsläufig zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führt.
• Zinsen hören sich wie ein glorreicher Weg der leichtfertigen Vermögensbildung an, gehen
aber immer zu Lasten derer, die sie erwirtschaften müssen. Und das ist der weitaus größte Teil
der hart arbeitenden Bevölkerung. Der Zinseszins führt unwillkürlich zur Umverteilung der
Vermögen, weg von der Arbeit (denen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen) hin
zum Kapital (denen, die nicht/nicht mehr für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen). So
werden die Armen zwangsläufig ärmer, die Reichen reicher und die Lücke zwischen ihnen zunehmend
größer. Zinseszins führt unweigerlich zur wachsenden Verarmung weiter Bevölkerungsteile
zugunsten einer kleinen reichen Minderheit.
• Das Dumme ist, das selbst diejenigen, die keine eigenen Schulden haben, Zinsen zahlen,
denn je nachdem wie groß der Kreditanteil in Kapital-intensiven Produktions- und Dienstleistungsbetrieben
ist (und heute ist es ja Gang und Gäbe große Investitionssummen zu leihen),
schlägt sich der Zinseszins als Kostenfaktor in den Preisen nieder und ist mitunter größer als
die Personalkosten selbst!
• Das Zinseszins-gestützte Geldsystem bringt eine ganze Reihe von Problemen mit sich, die uns
täglich begleiten und beschäftigen, jedoch kaum mit dem Zins in Zusammenhang gebracht
werden. Das reicht vom unausweichlichen Wachstumszwang bis zu Überentwicklungen
(Schulden, Geldvermögen, Zinsen, Spekulationen), von wirtschaftlichen Konsequenzen (Inflation,
Einkommen ohne Leistung, Zins-aufgeblähte Preise, wachsende Einkommenskluft zwischen
Angestellten und Selbstständigen, steigende Arbeitslosigkeit, ums Überleben kämpfender
Unternehmenssektor, kränkelnde Regierungen) bis zu ökologischen Konsequenzen
(Raubbau, Zerstörung unserer biologischen Lebensbasis), und endet letztlich in unausweichlichen
Kriegen und Kapitalzerstörung.
Die logischen Auswirkungen und gegenseitigen Beziehungen dieser Geldsystem-bedingten
Probleme auszuführen sprengt sicherlich den Rahmen dieses Artikels. Generell lässt sich jedoch
feststellen, dass das durch den Zinseszins exponentiell wachsende Geldvermögen durch gleichfalls
steigende reale Wirtschaftsleistung (Produktion und Dienstleistung) untermauert werden
muss, wenn der etwaige Wertverlust des Geldes bzw. der Geldvermögen verhindern werden soll.

Unsere begrenzten Ressourcen machen ein exponentiell befeuertes Wirtschaftswachstum letztlich
jedoch unmöglich. So wird es unweigerlich zu Konflikten kommen, weil Individuen, Unternehmen,
Gemeinden, Regionen, Staaten sich gegenseitig ausstechen müssen, um zu überleben
und zwangsläufig ein regelrechter Kampf um die Ressourcen und Wirtschaftsmärkte entbrennt.
Das alles ist keine neue, exklusive Erkenntnis. Bereits in der Vergangenheit hat es immer wieder
Mutige gegeben, die den Nutzen unseres momentanen Geldsystems als gerechtes und brauchbares
Werkzeug unser Wirtschaft angezweifelt und ad absurdum geführt haben. Sowohl theoretisch
als auch praktisch. Und auch heute beschäftigen sich zunehmend Wirtschaftsteilnehmer
aller Art mit den Problemen unseres Geldsystems und möglichen Antworten darauf. Berechtigterweise
geht es fast immer darum, den götzenhaften Status des Umtauschmediums Geld zu
beseitigen. Oder anders ausgedrückt, wer eine für die Wirtschaft so wichtige ungehinderte permanente
Geldzirkulation erreichen will ohne sich dabei künstlicher, ungerechter und gefährlicher
Instrumentarien wie Zins und Inflation zu bedienen, der muss sicherstellen, dass das Geld
genauso an Wert verliert, wie die Güter und Dienstleistungen, deren Austausch es ja eigentlich
nur erleichtern soll.

Genau das wird seit Jahren vereinzelt und heute deutlich vermehrt in oftmals regionalen Netzwerken,
teils aber auch auf nationaler Ebene praktiziert, die z.B. mit so genannten komplementären,
sprich ergänzenden, Währungen arbeiten. Auch wenn die Initiativen und Aufklärungsarbeit
im In- und Ausland zunehmen, bleibt doch noch viel zu tun, in der Öffentlichkeit und bei den
Entscheidungsträgern ein Bewusstsein für unser destruktives Geldsystem zu schaffen, damit
wirklich nachhaltige Lösungen ein Chance haben. Für mich als gläubigen Christen hängt Nachhaltigkeit
aber auch von der Herzenshaltung ab, denn solange ich egoistisch nur auf mein Wohl
bedacht bin, werde ich versuchen, jedes System zu meinem Vorteil zu verbiegen. Unser derzeitiges
Geldsystem lädt geradezu dazu ein.


Gottfried Hetzer
[email protected]
von G o t t f r i e d H e t z e r
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