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Glauben im Alleingang?


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Rolf

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Einzelgänger sucht Gemeinschaft





Über den Autor
Matthias ist Jahrgang 1983 und studiert Theologie , Geografie und Sportwissenschaft in Tübingen. In seiner Freizeit rennt er gerne durch den Wald, spielt Fußball oder sucht mit seiner Pfadfindergruppe das Abenteuer.


Frage von SM:
"Wie kann ich mich als Einzelgänger in der Gemeinschaft der Christen wohlfühlen? Zunächst dachte ich, ich brauche keine Gemeinschaft. Dann merkte ich, dass ich den Austausch mit anderen Christen brauche und besuchte eine Gemeinde. Mittlerweile bin ich in zwei Kreisen aktiv, merke aber immer wieder, dass ich nicht richtig dazugehöre, weil ich die Menschen nicht nahe genug an mich heranlasse. Kommunikation mit anderen strengt mich sehr an. Andererseits verlangt die Bibel Gemeinschaft und Engagement. Wie kann ich diesen Konflikt lösen?"
Das Neue Testament geht davon aus, dass Christsein nur in der Gemeinschaft mit anderen Christen funktioniert. Doch auch als Christ habe ich das Bedürfnis, ein Stück weit individuell zu sein.
Um herauszufinden, ob christliche Gemeinschaft trotz dieses Konfliktes funktionieren kann, ist es wichtig zu verstehen, wie das biblische Verständnis von Gemeinde ist.


Die Gemeinde lieben lernen

Jesus ist die in diese Welt hineingeborene unendliche Liebe. Die Bibel beschreibt ihn als Hirten, der sein Leben lässt für seine Schafe. Nach seiner Himmelfahrt verbindet sich Jesus untrennbar mit der christlichen Gemeinde und möchte durch sie seine dienende Liebe weitergeben.

Die Gemeinde ist der heilige Ort auf dieser Welt und Jesus ist in ihr gegenwärtig. Die Gemeinde ist eine Liebesgemeinschaft. Der Heilige Geist befähigt die durch sie verbundenen Menschen zur Einheit und zur gegenseitigen vergebenden Liebe. Deshalb bezeichnet Paulus die Gemeinde als den Leib (Körper) Christi.

Aus dieser Erkenntnis heraus dürfen Christen die Gemeinde lieben wie sie Jesus selbst lieben (Johannes 15,12). Liebe zu Gott soll sich auch in Liebe zu seiner Gemeinde äußern, weil sie der Leib Christi ist. Weil wir Jesus lieben, sollen wir die Gemeinde lieben.

Auch wenn die Gemeinde als Ganzes der Leib Christi ist, so besteht sie doch aus Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und deshalb sind Beziehungen innerhalb der Gemeinde weder vollständig angstfrei noch perfekt. Auch die Beziehungen zwischen Mitgliedern der christlichen Gemeinde können anstrengend, missverständlich und verletzend sein.

Dennoch lebt die Gemeinde von diesen unvollkommen Beziehungen: Nur durch sie kann das Evangelium weitergesagt, getröstet und gebeichtet werden. Ein anderer kann für mich beten, wenn ich selbst nicht mehr die Kraft dazu habe. Hier wird gesegnet, hier wirkt der Geist der Wahrheit und durch ihn dürfen Menschen ihre Schwachheit eingestehen und Masken ablegen. Die Gemeinde ist der Ort für liebevolle Ermahnung.

Aus der Liebe in diesen unvollkommen Beziehungen und Gesprächen kann Einheit entstehen, durch die sich die Gemeinde von nichtchristlichen Gemeinschaften unterscheidet (Johannes 17,20-23).

In Beziehungen investieren

Ich glaube, dass die beschriebenen Beziehungen möglich sind und für jeden Menschen innerhalb des Leibes Christi als befriedigend und großen Segen erlebt werden können. Dabei spielt der Charakter des Einzelnen eine große Rolle: Es gibt Menschen, die sofort mit scheinbar jedem Mitchristen auf einer Ebene sind und von Herz zu Herz sprechen können. Diesen Menschen fällt es nicht schwer, seelische Nähe zuzulassen, sich auf andere einzulassen. Herzlichkeit und unbekümmerte Offenheit sind Gaben, die das Beziehungsleben erleichtern.

Doch die Gefahr liegt darin, dass diese Offenheit und Ehrlichkeit auch von eher introvertierten, vorsichtigeren, Einzelgänger-Typen verlangt wird, nach dem Motto: „Ich bin ehrlich, also musst du auch ehrlich sein.“ Das kann andere unter Druck setzen und bewirkt meist das Gegenteil, von dem, was es eigentlich bezwecken soll: Rückzug aus zwischenmenschlichen Beziehungen und das Zurückziehen in einen „Schutzraum“.

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass aus einem „Schutzraum“ irgendwann Einsamkeit werden kann. Es gilt nicht für jeden Christen die oftmals unbewusst vermittelte Botschaft: „Du musst mich jetzt in deine Seele schauen lassen.“ Für jeden Christen gilt, dass er ein Recht auf Beziehungen zu Brüdern und Schwestern hat, die ihm gut tun und seiner Seele dienen - denn das ist der Sinn von Gemeinde.

Beziehungen entstehen durch gegenseitiges Vertrauen, die Bereitschaft dieses wachsen zu lassen und die Bereitschaft sich selbst ein Stück weit schwach und verletzbar zu machen. Gibt es einen Menschen, mit dem du dir vorstellen könntest, diesen Weg des Vertrauens zu gehen, mit ihm Sorgen zu teilen, mit ihm zu beten und Vergebung zu empfangen?

Es gibt Charaktere, denen zu viele Beziehungen nicht guttun, weil sie immer ein bisschen oberflächlich bleiben. Vielleicht wäre es für solche Menschen sinnvoller, eine Beziehung zu einem Menschen seines Vertrauens zu führen, in der Art einer„Gebetszweierschaft“. Ich kenne viele Menschen, die eine solche Zweierschaft pflegen und darin immer wieder die Stillung ihres Beziehungshungers finden. Es braucht Demut und kostet Überwindung, eine solche Beziehung aufzubauen, Hemmungen zu überwinden und seinen „Schutzraum“ zu verlassen.

Diese Art der Anstrengung lohnt sich jedoch immer. Die christliche Gemeinschaft ist keine Zusammenkunft von Siegertypen, sondern eine (Mit)Leidensgemeinschaft, in der der Heilige Geist als Tröster wirkt (Johannes 15,26).


Mut zu Beziehungen

Diesen Konflikt zu lösen ist ein Prozess, der Kraft kosten kann und „arbeitsintensiv“ ist.Inneres Verlangen nach echter Gemeinschaft und nach offener Kommunikation zeigen jedoch, dass es sich lohnt, den Aufwand zu riskieren.

Ich möchte Mut machen, diesen Weg zu gehen: Den Weg des Mutes, der die eigenen Beziehungsängste überwindet, den Weg des Vertrauens, der seelische Nähe ermöglicht, den Weg der geschwisterlichen Liebe für die unvollkommen Mitglieder der Gemeinschaft. Das ist ein heilsamer Weg, der gut tut.

Gott will dass Beziehungen funktionieren. Beziehungen zu Mitchristen aufzubauen ehrt Gott. Es hilft, sein Reich zu vergrößern und zu festigen.



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