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«Ramm ihm dein Knie in den Magen»


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Rolf

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«Ramm ihm dein Knie in den Magen»





Tausende von Menschen strömen in eine Kirche in Florida. Spektakuläre
Phänomene werden übers Internet weltweit verbreitet.



Rolf Höneisen

Videoclips im Internet zeigen, was sich seit anfangs April in der Ignited Church, einer Pfingstkirche in der 90000-Seelenstadt Lakeland in Florida, abspielt. Im Mittelpunkt steht der Kanadier Todd Bentley, 32, dessen Gemeinde sich «Fresh Fire» nennt. Das Missionswerk des Ex-Drogenabhängigen gibt an, dass bereits Hunderte von Behinderten wiederhergestellt und Kranke geheilt worden seien. Bentley bläst die Menschen an, meistens berührt er sie, die einen stösst er regelrecht um. Sie bleiben minutenlang wild zuckend auf dem Bühnenboden liegen. Er schlägt Menschen, boxt, tritt ihnen ins Gesicht, schlägt Zähne aus und sagt öffentlich, dass Gott ihm das alles einflüstere.

Was zieht Tausende von Menschen – inzwischen aus aller Welt – zu Todd Bentley nach Lakeland? Der in Manchester lebende Deutsche Stefan Driess erzählt, er komme nur deshalb zu Bentley, um von dessen Kraft berührt zu werden. Doch bevor Bentleys Kraft zuschlägt, erzählt ihm Driess von einer Begegnung mit einem Engel, der ihm die Eingeweide herausoperiert und vergoldet habe. Bentley hört ungerührt zu, stellt ab und zu eine Frage, dann beginnt sein Kopf immer mehr zu zucken. Plötzlich geht er auf den Deutschen zu und rammt ihm in der Manier eines Wrestlers ein Knie in den Magen: «Bam!» Driess fällt zu Boden und bleibt am ganzen Körper spastisch zitternd liegen. Helfer decken ihn mit Tüchern zu. Prediger Bentley erklärt dem Publikum: «Gott hat mir gesagt: Ramm ihm dein Knie in den Magen!» Dabei klingt er, als widere ihn der Deutsche an.

Die als Erweckung dargestellten Ereignisse von Lakeland werden heftig diskutiert. Vor allem in Internet-Blogs und Foren debattieren Christen, ob Bentley von Gott ist oder von jemand anderem. Wolfram Kopfermann (Hamburg), Gründer und Leiter der Anskar-Kirche, war mehrere Tage in Lakeland. Er beurteilt die Bewegung im Grundsatz positiv, mahnt aber vor allzu viel Emotionalität. Das Psychische dürfe das Geistliche nicht überlagern, sagte Kopfermann gegenüber «idea», ohne eine genauere Definition oder eine Hilfe zur Unterscheidung zu geben.

Den tätowierten und mehrfach gepiercten Todd Bentley bezeichnet Kopfermann positiv als «geistlichen Provokateur ». Der Anskar-Leiter ist beeindruckt vom «Mass der bezeugten Heilungen». Wohl deshalb wertet er die Ereignisse in Lakeland als echte Erweckung. Der Akzent liege dort auf «Zeichen und Wundern». Von Busse und Umkehr ist nicht die Rede. Für Kopfermann ist das Umfallen von Menschen ein Begleitphänomen des Heiligen Geistes, aber nicht das Eigentliche seines Wirkens. Dieses seien die Früchte und Gaben des Geistes gemäss dem Neuen Testament. Er wolle das Umfallen nicht verteufeln, solange es nicht zur Hauptsache werde. Die starke Betonung von Engeln sieht Kopfermann ebenfalls nicht als unbiblisch. Engel würden in Lakeland nicht angebetet, sondern Gott werde gebeten, sie zu schicken.

Äusserst kritisch schätzt hingegen der Evangelist Alexander Seibel Bentleys Wirken ein. Bentley führe den Beginn der Heilungswelle auf einen weiblichen Engel namens Emma zurück. Seibel: «Weibliche Engel gibt es nicht in der Bibel, sind aber umso häufiger im New Age und Spiritismus anzutreffen.» Die Videos von Bentleys Auftritten würden ihn eher an «eine Geisterparty erinnern, denn an eine Manifestation Gottes»: «Leute zucken, zappeln auf dem Boden, irrationales Gelächter kommt aus Bentleys Mund (...) Es ist das Gegenteil von dem, was Paulus in 1. Korinther14,40 anmahnt, nämlich alles ordentlich
und ehrbar zugehen zu lassen.»

Nach eigenem Zeugnis war Bentley drogenabhängig und verstrickt in okkulte Praktiken. Nach seiner Bekehrung habe ein katholischer Charismatiker ihn in einem Exorzismus von 25 Dämonen befreit. Er, Bentley, habe sich dabei gewunden wie eine Schlange und wild um sich geschlagen. Acht Männer hätten ihn kaum am Boden halten können. Alexander Seibel zeigt sich besorgt über den Zulauf, den das «Lakeland Revival» hat. Diese Entwicklung füge sich nahtlos in das Bild ein, das uns die Bibel von den letzten Tagen zeichne; «mal abgesehen von den kräftigen Irrtümern, die mit verführerischen Zeichen und Wundern begleitet sein werden». Seibel beruft sich dabei auf 2. Thess. 2,9 bis 11.

Todd Bentleys Predigen bestehen vorwiegend aus Berichten über Begegnungen mit Engeln, Gott oder Jesus. Im Zentrum stehen Heilungen, Schüttelphänomene, Umfallen, Lachen – für ihn alles Manifestationen von Gottes Geist. Oft erzählt er von einer Begegnung mit einem Engel namens «Emma», der aussah wie eine Frau in einem weissen Gewand. «Emma» sei bereits 1980 in Kansas City aufgetaucht und sei dafür zuständig, bei Geburten zu helfen, sagt Bentley. «Auch den ‹Engel der Finanzen› traf Bentley mehrfach. Wenn der kommt, füllen sich die Kassen der Gemeinde. Denn die Leute spenden fleissig»,schreibt das Medienmagazin «pro» und bemängelt, dass eine Predigt über Jesu Opfertod für Bentley nicht notwendig sei, um «Jesus anzunehmen». Es reiche, wenn Todd Bentley für die Person bete, ihr die Hand auflege oder ihr einfach in den Magen boxe. «Ich werde jetzt nicht 45 Minuten lang predigen», sagte er einmal zu einem Mann, der auf einen Altarruf hin nach vorne gekommen war. «Ich bete einfach, dass Du Jesus jetzt empfängst.»

Eine Frau berichtet von einer Veranstaltung, in der Bentley sagte, er wolle einen Psalm lesen. Doch jedes Mal, wenn er anfangen wollte zu lesen, lachte er los und machte komische Geräusche. «Für mich war es, als mache er sich über die Bibel lustig.» Jesus, so will Bentley wissen, habe «die braunsten Augen», ähnlich wie Bambi. Das behauptet er, ohne mit der Wimper zu zucken. Wer bei Youtube nach Todd Bentley sucht, bekommt Hunderte von Ergebnissen. Jeder kann sich so selbst ein Bild von seinen Auftritten und Berichten machen.

Bentleys Auftritte sind umstritten. Jemand schreibt: «Satan muss sich vor Lachen auf dem Boden wälzen, wenn er sieht, wie Bentley die Leute täuscht. Der einzige Wind, der da bläst, ist der der Scharlatanerie.» Und er zitiert Matthäus 7,22, wo Jesus sagt: «Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!»

J. Lee Grady, Autor der Zeitschrift «Charisma», war anfänglich von Bentley beeindruckt, jetzt äussert er Zweifel: «In Kolosser 2,18 lesen wir, dass manche Menschen, die Engeln begegnet waren, damit prahlten.» Wenn der Heilige Geist auf Menschen komme, könne es durchaus zu Zittern und Umfallen kommen, meint Grady. Dennoch müsse man aufpassen, dass die Ordnung beibehalten werde. Niemand, der unter dem Geist Gottes stehe, solle «ausser Kontrolle» geraten.

«Komm und hol’s dir!» Mit diesem und ähnlichen Slogans wird für den Besuch in Lakeland geworben. Der alles andere als anti-charismatisch denkende Grady kritisiert: «So etwas verkleinert das, was der Heilige Geist wirklich tut.» «pro» kommentiert: «Bei Bentleys Shows jedenfalls steht vor allem einer im Vordergrund: er selbst.» Zu Busse und Umkehr ruft er kaum auf. Sein Gesicht wirkt versteinert, seine Präsenz strömt kalte Macht aus. Wo ist die Liebe? Ohne sie ist bekanntlich alles nichts (vgl. 1. Kor. 13,1 bis 3).

Todd Bentley reagiert auf die wachsende Kritik pragmatisch: «Wenn das, was ich tue, fleischlich oder vom Teufel ist, werde ich fallen. Doch wenn die Ereignisse von Gott sind, dann kann nichts und niemand das Aufflammen des Feuers der Erweckung eindämmen, solange nicht, bis Gott es will.»

Dieser Artikel erschien in factum 5/2008.

Quellen:

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www.alexanderseibel.de

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