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Liberale und evangelikale Christen brauchen einander


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Rolf

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Liberale und evangelikale Christen brauchen einander

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Der Weltanschauungs- und Sektenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht. Archivfoto: idea/Halfmann

Dresden (idea) – Liberale und evangelikale Christen brauchen und ergänzen einander. Sie benötigen sich gegenseitig als Korrektur und Stachel. Diese Ansicht vertrat der Beauftragte für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht (Dresden), am 19. Februar in Dresden. Er sprach vor 200 Teilnehmern zum Thema „Frömmigkeitsströmungen in Sachsen“.

 

Anlass ist der Rücktritt von Landesbischof Carsten Rentzing, der von 2015 bis Oktober 2019 amtierte. Lamprecht zufolge ist kirchliche Theologie oft frömmer, als viele Evangelikale denken. Zudem sei evangelikale Theologie mitunter reflektierter, als Liberale denken. Für beide Gruppen gelte Römer 15,7: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“

 

Was Evangelikale und Liberale einander vorhalten

 

In der Öffentlichkeit bestehe der Eindruck, dass in der sächsischen Landeskirche evangelikale und liberale Christen tief gespalten seien. Evangelikale würden liberalen Christen vorwerfen, sich an den Zeitgeist anzupassen und den Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens aufzugeben. Von liberaler Seite gebe es den Vorwurf, dass Evangelikale rechthaberisch und geistig hochmütig seien, sich ausgrenzend und lieblos verhielten und unter „ständigem Bekehrungsdruck“ ständen. Evangelikalen werde vorgehalten, dass sie nur Traktate verteilen wollten, und Liberalen, dass sie nur Brunnen bohren wollten.

 

Diese Gegenüberstellung sei jedoch falsch. Das holzschnittartige Bild vergröbere unzulässig und verstelle den Blick für die Glaubensvielfalt und Spiritualität innerhalb der Landeskirche. Es gebe kein einfaches Rechts-Links-Schema.

 

Lamprecht zufolge gibt es in Sachsen stark pietistisch geprägte Teile. Kennzeichnend für diese innerkirchliche Erneuerungsbewegung seien eine persönliche Gottesbeziehung und Jesus-Frömmigkeit. Bedeutende pietistische Vertreter in Sachsen seien die Landeskirchlichen Gemeinschaften.

 

Zudem gebe es im Freistaat etwa 400 freikirchliche Gemeinden mit 30.000 Mitgliedern. Lamprecht verwies auf den Soziologen Max Weber (1864–1920), nach dem sich Volks- und Freikirchen durch ihre Zielgruppe unterscheiden. Die Volkskirche richte sich an alle, „auch Lasche, Laue, Sünder“. Es gebe keine Verhaltensweisen, die zum Ausschluss aus der Kirche führten. Dagegen wendeten sich Freikirchen an Ausgewählte. Dort fänden sich „nur Entschiedene, Reine, Würdige“. Nötig sei eine bewusste Glaubensentscheidung. Bei Fehlverhalten sei ein Gemeindeausschluss möglich.

 

Was Evangelikale betonen

 

Laut Lamprecht ist der Begriff „evangelikal“ in Deutschland erst in den 1960er Jahren durch Predigten des US-Evangelisten Billy Graham (1918–2018) populär geworden. „Evangelical“ bedeute eigentlich „evangelisch“. Der Begriff sei ursprünglich durch einen Übersetzungsfehler entstanden.

 

Evangelikale betonten die persönliche Glaubenserfahrung, die Notwendigkeit von Buße, Bekehrung, Wiedergeburt und Heiligung sowie von Mission. Zudem stehe evangelikale Theologie häufig im Konflikt mit dem wissenschaftlichen Umgang mit der Bibel.

 

Lamprecht zufolge sind Erweckungsbewegungen eine Gegenreaktion, um an den Entscheidungscharakter des Glaubens zu erinnern. Das sei nicht immer angenehm, gehöre aber dazu. Für den durchschnittlichen Dresdner liberalen bildungsbürgerlichen Christen seien Christen im Erzgebirge rechthaberisch und engstirnig. Er habe jedoch in der Begegnung mit Evangelikalen die Tiefe ihrer Theologie schätzen gelernt und sei zu einem „Freund der Evangelikalen“ geworden. Lamprecht: „Es ärgert mich, dass die es nicht merken.“

 

Was für liberale Christen charakteristisch ist

 

Charakteristisch für eine aufgeklärte, historisch-kritische Theologie sei die „Hochschätzung der Vernunft“. Die Bibel werde nicht als verbal inspiriert verstanden. Zwar enthalte die Schrift Gottes Wort, aber sie sei nicht Gottes Wort.

 

Liberale Theologie enthalte keine einheitliche Lehre, sondern unterschiedliche Ansätze. So unterschieden liberale Theologen zwischen dem historischen Jesus von Nazareth und dem Christus des Glaubens. Jesus werde von liberalen Theologen als „Vorbild des Glaubens“ betrachtet. Entscheidend sei das Handeln in der Liebe und in der Nachfolge von Jesus.

 

Prägend für die liberale Theologie sei auch die „Entmythologisierung“ der Bibel durch den Theologen Rudolf Bultmann (1884–1976).


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