Zum Inhalt wechseln

Welcome to Irrglaube und Wahrheit
Register now to gain access to all of our features. Once registered and logged in, you will be able to create topics, post replies to existing threads, give reputation to your fellow members, get your own private messenger, post status updates, manage your profile and so much more. If you already have an account, login here - otherwise create an account for free today!
Foto

Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Gemeinden


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
9 Antworten in diesem Thema

#1
Kranich

Kranich

    Member

  • Mitglied
  • PIPPIP
  • 23 Beiträge
  • Land: Country Flag

Hallo,

 

mich beschäftigt schon seit einiger Zeit eine Entwicklung, die wir in unserer Gemeinde beobachten und bei der ich darüber rätsle, ob sie nur uns betrifft, oder ob es eine allgemeine Tendenz in diese Richtung gibt.

 

Wir erleben sehr viele Menschen, die als Gäste in unsere Gemeinde kommen, und oft hochgradig psychisch belastet sind. Von Suchtproblematiken über Traumatisierungen bis hin zu komplett kaputten Familien bis ins dritte Glied. Und diese Menschen kommen dann zu uns, suchen Ansprache, wir versuchen, sie so gut wie möglich aufzufangen. Jetzt genügen bei solchen Menschen keine Alphakurse, sondern sich brauchen in der Regel eine komplette Einbeziehung in soziale Strukturen und sehr, sehr viel Geduld, auch die Entwicklung im Bereich "Glaubensleben" kann nur sehr langsam passieren und manchmal türmen sich da Hindernisse auf, vor denen man schier kapitulieren möchte. 

 

Auch binden diese Menschen sehr viel Energie und Aufmerksamkeit und auf einmal wird die Balance von "Gesunden" und "Kranken" in einer Gemeinde zum Thema. In der Regel sind diese Menschen ja auch nicht in der Lage, etwas zur Gemeinde beizutragen, sie befinden sich oft in einem reinen Überlebensmodus.

 

Ist das eine Tendenz, die auch in anderen Gemeinden beobachtet wird? Was erlebt ihr? Wie geht ihr damit um? Ist das eine Folge der gefallenen Welt, in der wir leben?

Welche Erfahrungen habt ihr hier mit Bekehrungen?


  • 0

#2
Rolf

Rolf

    Administrator

  • Administrator

  • PIPPIPPIP
  • 25261 Beiträge
  • Land: Country Flag

Das scheint mir ein Phänomen zu sein, das in fast allen Gemeinden auftritt. Es ist auch nachvollziehbar, dass Menschen mit Problemen nach Antworten suchen und hoffen in den Gemeinden Hilfe zu bekommen. Damit fängt dann das Problem für die Gemeinden schon an. Psychische Defizite sind für viele Christen nicht nachvollziehbar.  Dazu kommt, dass die Leute meist einen geringen Selbstwert haben. Ich erlebe in meiner Seeleorgearbeit häufig, dass gerade psychisch angeschlagene Menschen versuchen, sich von meiner Meinung abhängig zu machzen, wenn es darum geht, wie sie sich christlich verzalten sollten. Wir müssen aufpassen, diesen Menschen nicht vorzuschreiben wie sie sich zu bekehren haben. In der Tat ist es so, dass man unendlich Zeit und Geduld braucht um den Menschen zu helfen, dass sie eigenständig die richtigen Entscheidungen für Gott treffen können. Da jeder Mensch anders gestrickt ist und es keine Grundregeln gibt, ist das "Wie kann man helfen" hier kaum zu kommunizieren. Ich denke für solche Personengruppen beruft Gott Menschen in die Seelsorge die so ausgebildet sind, dass sie nicht selbst zu Psychologen werden, sondern diesen Menschen mit dem Wort Gottes begegnen können. Sehr schwieriges Terrain, wo es auch ganz entscheidend auf die Mithilfe des Heiligen Geistes ankommt, der uns in den jeweiligen Situtionen immer wieder die richtigen Impulse gibt. Entscheidend ist: Auch für diese Menschen gibt es in der Gegenwart Gottes Heilung.

 

Herzliche Grüße

 

Rolf


  • 0

#3
Kranich

Kranich

    Member

  • Topic Starter
  • Mitglied
  • PIPPIP
  • 23 Beiträge
  • Land: Country Flag

Vielen Dank für deine Antwort, Rolf.

 

Hast du denn den Eindruck, dass dieser Trend zur Zeit zunimmt? Oder gab es das schon immer in dem Umfang und mir fällt es nur so auf?

 

Mein größtes Problem ist, dass ich mich regelrecht trainieren muss, ihnen ihr eigenes Tempo zu lassen. Man möchte sie manchmal schütteln, wenn man all die kranken Muster und Verhaltensweisen sieht, wenn man sieht, wie negativ ganze Familien davon beeinflusst werden. Und dann kommen sie, fragen um Rat, sind beim Umsetzen von irgendwelchen Vorschlägen aber unglaublich träge. 

Druck führt dann ganz schnell zu genau der gegenteiligen Entwicklung, zu völligem Rückzug.

 

Meine Erfahrung ist, dass ich solche Menschen nur in genau berechneten Dosen aushalten kann. Zwei Stunden intensives Gespräch, und ich brauch drei Wochen Pause, damit ich in einer gesunden Haltung bleiben kann und mich nicht zu sehr in all das reinziehen lasse.

 

Du hast auch Recht, es ist unglaublich wichtig, auf die Impulse des Heiligen Geistes zu hören, gerade wenn da ein riesiger Haufen von Themen liegt und man aus menschlicher Sicht kaum sagen kann, wo es am klügsten ist, zu beginnen. Welches Thema ist jetzt dran und bringt dann auch wirklich etwas vorwärts.

 

Ist es nicht auch so, dass man sich besonders vor allzu großer Betroffenheit hüten muss? Ich erlebe da immer wieder Geschwister in meiner Gemeinde, die regelrecht zu Boden geworfen werden von den Problemen anderer Menschen. Die nach oder sogar in den Gesprächen das Weinen anfangen, weil sie so sehr mitleiden. Meine Ansicht ist: dadurch vergrößere ich die Last für die Person, mit der ich spreche, noch, weil die jetzt auch noch mit meinen Gefühlen konfrontiert wird.

 

Hast du vielleicht irgendeinen Tip, was ich lesen könnte, um da Ideen zu bekommen? Oder irgendwelche anderen Quellen?


  • 0

#4
keine Hoffung mehr

keine Hoffung mehr

    Advanced Member

  • Mitglied
  • PIPPIPPIP
  • 1744 Beiträge

Please Login HERE or Register HERE to see this link!

 

Etwas zum Lesen aus dem geschlossenen Forum.

 

Zusätzlich einige Bücher dazu.

 

Please Login HERE or Register HERE to see this link!


  • 0

#5
Roerlo

Roerlo

    Newbie

  • Mitglied
  • PIP
  • 7 Beiträge
  • Land: Country Flag

Watchman Nee schreibt in seinem Buch "DER GEISTLICHE CHRIST" (Schwengeler 4. Aufl. 1996) etwas, was hier hilfreich sein könnte. Meines Erachtens nach können viele Gläubige das seelische und geistliche Leben nicht angemessen unterscheiden. Das verursacht dann solche Schwierigkeiten.

Roerlo


  • 0

#6
Rolf

Rolf

    Administrator

  • Administrator

  • PIPPIPPIP
  • 25261 Beiträge
  • Land: Country Flag

Lieber Wolfgang,

 

unter dem ersten von Dir genannten Link finden sich Lehren der Neuapostolischen Kirche. (NAK) Es macht keinen Sinn diese zu bewerben. Bei den Büchern sind einige die man empfehlen kann.

 

 

HerzlicheGrüße

 

 

Rolf


  • 0

#7
Rolf

Rolf

    Administrator

  • Administrator

  • PIPPIPPIP
  • 25261 Beiträge
  • Land: Country Flag

Hallo Kranich!

 

In der Tat ist das so, dass man mit psychisch Kranken sehr umsichtig umgehen muss. Zwei Stunden Gespräche überfordern da absolut. Man muss tatsächlich lernen sich an die Möglichkeiten des anderen  anzupassen. Gerade darum ist der Zeitaufwand in der Arbeit mit ihnen ja so groß. Aus dem Grund beschränken Psychologen ihre Sitzungen in der Regel auf 40-45 Minuten und führen selbst in dieser Zeit keine Intensivgespräche. Da ist Geduld gefragt. Ich selbst mache Gesprächstherapien und achte darauf, dass mein Gegenüber in Bezug auf das, was wir miteinander besprechen aufnahmefähig ist. Sobald das nicht gegeben ist, delegiere ich nach Rücksprache mit meinem Gegenüber diesen zu einem bereundeten gläubigen Psychologen oder Psychater.

 

Ganz wichtig ist natürlich auch, dass du lernst, Dir eine emotinale Distanz zu erhalten. Wenn Du die Probleme Deiner Klienten zu nahe an Dich ran lässt, wird es Dich selbst kaputt machen. Daher gibt es eine Regel die lautet: Kein Seelsorger ohne Seelsorger. Es ist wichtig, dass Du jemanden hast, wo Du Dich aussprechen und auch Probleme, die an Dich herangetragen werden, besprechen kannst. Aber bitte die Probleme der Klienten nur mit ausdrücklicher Genehmigung mit einem Dritten besprechen. Ansonsten gilt absolute Schweigepflicht. Was Du auch brauchst ist eine gute Selbstreflektion, damit Du Deine eigenen Grenzen kennst. Niemand kann alle Probleme dieser Welt lösen. Auch ich muss gelegentlich noch delegieren.

 

Da ich seit vierzig Jahren Seelsorger bin, kann ich natürlich auf vielfältige Erfahrungen zurückgreifen. Dennoch gibt es natürlich auch gute Literatur. Ich werde Dir kurzfristig etwas zusammenstellen.

 

Herzliche Grüße

 

Rolf


  • 0

#8
Kranich

Kranich

    Member

  • Topic Starter
  • Mitglied
  • PIPPIP
  • 23 Beiträge
  • Land: Country Flag

Hallo, Rolf,

 

ich bin weder in Seelsorge, noch in Therapie ausbildet. Zwar habe ich durch meinen Beruf eine sehr weit gefasste pädagogische und psychologische Grundausbildung (ich arbeite mit schwer erziehbaren Jugendlichen), führe aber die Gespräche in der Gemeinde in aller Regeln nicht im Rahmen eines therapeutischen Settings. Bisher war es immer so, dass ich den Impuls hatte, Menschen nach dem Gottesdienst anzusprechen, wir kamen ins Gespräch. Es bildeten sich Beziehungen, im Rahmen dieser Beziehungen ergaben sich dann zwanglose Kaffeetischgespräche. Gemerkt habe ich dabei: man muss ziemlich genau spüren, wann der Absprung aus den belastenden Themen dringend geboten ist. Wenn das gelingt und man dem Gespräch eine positive Grundnote geben kann, dann ist schon viel gewonnen. Freundschaft/Beziehung und Therapeut, das passt nicht gut zusammen und ich frage eigentlich immer sehr schnell nach, welche Anbindung an therapeutische Hilfen die Person schon hat und empfehle professionelle Hilfe, wenn ich wahrnehme, dass das nötig ist.

 

Das mit der emotionalen Distanz klappt zum Glück meistens ganz gut (eben auch durch meinen Beruf, den könnte ich nicht machen, wenn ich alles an mich ran lasse), ich bekomme sogar die Rückmeldung, dass es entspannend ist, weil man mit mir reden kann, ohne Angst zu haben, dass mich das fertig macht. Anstrengend ist es natürlich trotzdem.

 

In diesem Zusammenhang noch eine andere Frage (wenn du schon so lange Seelsorger bist, kannst du das bestimmt beantworten): muss ich mich professionalisieren, wenn ich Menschen in Gemeinden berate und begleite? Mein Mann und ich begleiten auch Ehepaare und waren neulich mit der Aussage konfrontiert, dass wir ja gar nicht wirklich wüssten, was wir machen. Wir sollten uns erst ausbilden lassen und dann an die Menschen ran. Diese Einstellung finde ich irgendwie seltsam. Ich frage mich da immer, wie wohl die Menschen in der Urgemeinde ihre Probleme gelöst haben, als es noch keine Therapeuten- und Seelsorgerausbildungen gab. Auch denke ich, dass manchmal eine gewisse Herzensbildung fast wichtiger ist. Natürlich werden wir nie ein Ehepaar mit einer hochkomplizierten Dynamik begleiten, sondern sie dann an einen richtigen Berater verweisen. Aber für unregelmäßige Treffen, bei denen wichtige Themen zwanglos besprochen werden können, oder für Themenabende wird das doch reichen, oder?

 

Danke, dass du mir Literatur zusammen stellst, ich lese mir sehr gerne gute Sachen an.


  • 0

#9
Rolf

Rolf

    Administrator

  • Administrator

  • PIPPIPPIP
  • 25261 Beiträge
  • Land: Country Flag

Hallo Kranich!

 

Nu möchte ich endlich meiner Zusage nachkommen und Dir ein paar Buchvorschläge unterbreiten. Meine Seelsorgebibliothek ist sehr umfangreich, so dass da sicherlich noch einiges mehr zu finden ist. Würdest Du in meiner Nähe wohnen, dann könntest Du meine Bibliothek in Anspruch nehmen.

 

Hier nun ein paar Vorschläge:

 

1. Kubsch, Ron Hrsg.

    Die Wiederentdeckung des Glaubens in der Seelsorge

    Verlag für Kultur und Wissenschaft 2003

 

Ein Buch, das auch für Laien gut geeignet ist.

 

2. Dobbelstein, Dr. med. H.

    Psychiatrie und Seelsorge

    Eine praktische Anleitung für Seelsorger und ihre Hilfskräfte

    Herder Verlag Freiburg 1952

 

Dieses Buch soll z.B. behilflich sein, die eigenen Grenzen zu erkennen.

 

3. Kix, Joachim

    Versöhnung beginnt mit mir! Lernen, von Herzen zu vergeben

    Ignis - deutsche gesellschaft für christliche Psychologie e.V. Kitzingen 1999

 

Dieses Buch erläutert ausführlich die Notwendigkeit von Vergebung und ist Wegweiser, wie Vergebung gelingen kann.

 

4. McGinnis, Alan Loy

    Selbstwertgefühl

    Projektion J  Wiesbaden 1996

 

Die Notwendigkeit eines gesunden Selbstwertgefühls als Teil unserer Beziehung zu Gott

 

5.  Walter, Georg

     Seelsorge an Neurosekranken

     Ehrenfried Klotz Verlag Stuttgart

 

Wichtiges Buch über Neurosen und seelsorgerlichen Ansatz, Einfach zu lesen.

 

6. Cloud, Henry Dr. & Townsend, John Dr.

    Verlag Schulte & Gerth, Asslar 1995

 

    12 Thesen aus Beobachtung und Erfahrung mit Patienten und seelsorgerliche Umgang.

 

7. Yancey, Philip

    Von Gott entäuscht - Durch Leiden an Gott in der Liebe zu ihm wachsen

    Ernst Franz Verlag, Metzingen 1999

 

Wie kann Gott zulassen, dass mir so schreckliche Dinge widerfahren? Die Hintergründe unserer Enttäuschungen und die Hinführung zu hoffnungsvollem, geistlichen Wachstum.

 

 

 

Du siehst, Seelsorge ist ein weites Feld. Gute Bücher sind nicht billig. Daher ein Tipp von mir: Auf der Seite ZVAB, das ist das Zentralverzeichnis aller deutschsprachigen Antiquariate. Dort kannst Du fündig werden und vieles günstig gebraucht erwerben. Hier der Link:

 

Please Login HERE or Register HERE to see this link!

 

 

 

 

Herzliche Grüße

 

 

Rolf

 

 

 


  • 0

#10
Kranich

Kranich

    Member

  • Topic Starter
  • Mitglied
  • PIPPIP
  • 23 Beiträge
  • Land: Country Flag

Danke, Rolf, werde ich dran machen, einiges zu lesen.


  • 0