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Gefeuerter David Berger wirft Papst Franziskus schizophrenes


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Rolf

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Gefeuerter David Berger wirft Papst Franziskus schizophrenes Denken vor






Bisheriger Chefredakteur des Schwulenmagazins Männer befasst sich im Magazin "The European" mit widersprüchlichen Äußerungen des katholischen Kirchenoberhauptes

(MEDRUM) Der ehemalige und erst vor wenigen Tagen als Chefredakteur des Schwulenmagazins Männer gefeuerte David Berger wirft Papst Franziskus schizophrenes Denken vor. Während Berger seinen Job bei Männer los ist, da ihm der Bruno-Gmünder-Verlag laut TAZ fristlos kündigte, darf er beim The European weitherhin, wie die Katholikin und Publizistin Birgit Kelle ("Dann mach doch die Bluse zu"), eine Kolumne füllen.

"Zutiefst schizophren"

Am 01.03.15 setzte das Maganin The European David Bergers Beitrag "Gewieft und arglos" in seine Internetseite. Berger, der ehemals mit Lehrerlaubnis der Katholischen Kirche ausgestatteter Theologe, versucht sich an einer Bilanz nach fast zweijähriger Amtszeit von Papst Franziskus. Die anfängliche Begeisterung schlage in Enttäuschung um, weil die Aussagen des Papstes, so Berger, "ein zutiefst schizophrenes Denken offenbaren".

Der studierte Theologe Berger betrachtet weniger das, was Franziskus theologisch geleistet hat, sondern das, was Schlagzeilen machte. Als besonderes Beispiel greift Berger die Äußerungen von Papst Franziskus über Homosexualität heraus. Die "Homo-Revolution", die viele nach anfänglichen Äußerungen von Franziskus mit Jubel allerorten erwartet hätten, werde es nicht geben. Alles werde beim Alten bleiben. Dementsprechend lautet eine Zwischenüberschrift in seinem Beitrag im The European: "Schwule: Revolution der kirchlichen Einstellung, aber alles bleibt beim Alten". Denn anderslautende und dem widersprechende Aussagen des Papstes, so seine Äußerung, dass Homosexualität Sünde sei, seien überhört worden, schreibt Berger. Im Übrigen seien die kommentierenden Journalisten und Politiker theologisch nicht versiert.

Am Ende seines Textes stellt Berger sogar die Frage, ob die Schizophrenie, die er vor nicht allzu langer Zeit aufs Heftigste bei der Kurie gegeißelt habe, nicht genau das Problem sei, unter dem der Papst selbst leide (Bergers O-Ton: "Seine Heiligkeit").

Homosexualität für Berger ein Reizthema

Das Thema Papst und Homosexualität hat es David Berger offenbar besonders angetan. So vermutete Berger, der vorherige Papst Benedikt XVI. müsse schwul sein. Er habe zwar nie ein Schlafzimmer mit ihm geteilt, er komme aber aufgrund psychologischer Einsichten zu dieser Erkenntnis. Das sagte Berger in einem Interview mit dem Morgenmagazin des ZDF vor einigen Jahren (Bild links).

2010 hatte David Berger, ehemals Herausgeber und Schriftleiter der katholischen Zeitschrift "Theologisches", großes Aufsehen erregt. Nachdem er zuvor lange Jahre mit Hilfe konservativer Positionen Karriere in der katholischen Kirche gemacht hatte, trat er plötzlich an die Öffentlichkeit und bekannte sich zu seinem homosexuellen Leben. Der katholischen Kirche warf er zugleich ein "perfides Unterdrückungssystem" vor. Einige Zeit später entzog ihm Kardinal Meisner die katholische Lehrerlaubnis, weil Berger aufgrund seiner Lebensführung die katholische Lehre nach Auffassung Meisners nicht mehr glaubwürdig vertreten konnte.

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Rolf

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Schwulen-Magazin „Männer“






David Berger fristlos entlassen






Dem Bruno-Gmünder-Verlag war nicht mehr wohl: Nach Kritik an Texten des „Männer“-Chefredakteurs warf er diesen nun hinaus.


Sonntagvormittag kursierten erste Gerüchte, Montag erhielt David Berger, der bekannteste schwule Journalist im Lande, von seinen Vorgesetzten die fristlose Kündigung. Er amtiert nun nicht mehr als Chefredakteur des Magazins Männer. Sein Nachfolger wird Kriss Rudolph, bislang schon Mitarbeiter von Berger in der Männer-Redaktion.

Berger gehört zu den profiliertesten Kritikern christlicher, vor allem katholischer Homophobie – ihrer amtskirchlichen Strukturen und Einflussnahmen auf die Politik. Als Autor des Buches „Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“ – eine profunde Schrift, die 2010 perfekt zu den heuchlerischen Debatten im vatikanischen Klerus, etwa zur Pädosexualität einer Fülle von Priestern, passte – war er Gast in so gut wie in allen Talkshows des Fernsehens.

Im Mai 2013 wurde Berger zum Chefredakteur von Männer bestellt. Dieses Magazin war bis dahin eine mehr oder weniger journalistisch drapierte Annoncenwerbefläche für die erotisch-visuellen Produkte aus dem Bruno-Gmünder-Verlag. Der 46-jährige machte aus dem Hochglanzmagazin quasi über Nacht eine homobürgerrechtlich orientierte Illustrierte, die absichtsvoll Debatten innerhalb der schwulen Community befördern sollte.

Das politische Credo des Chefredakteurs könnte man umfassen mit: Schwule müssen um ihre Rechte kämpfen, für ihre öffentliche Präsenz – und vor allem dürfen an Bürgerrechten interessierte Homosexuelle sich nicht von den Interessen anderer abhängig machen. Politisch müsse Männer unabhängig sein: „Wer manches von dem, was wir veröffentlichen, als rechts wahrnimmt, soll das tun. Andere nehmen uns als links wahr. Beides kann richtig sein – wir wollen Diskussion, keine Publizistik, die päpstlich dekretiert“, so Berger.

Im November allerdings kündigte die Deutsche Aidshilfe an, künftig keine Anzeigen mehr in Männer schalten zu wollen – denn das Magazin befördere eine Vorstellung von Männlichkeit, die nicht mehr zeitgemäß sei. Muskulöse, glatte, makellose Körper plus Diskrimierendes gegen Mitglieder der Community, die diesem Bild nicht entsprechen.

Konkret sind diese Vorwürfe nie so ganz belegt worden – allen Dossiers in einschlägigen queeren Foren zum Trotz. Berger gab sich empört: Die Annoncenrücknahme, die in der Tat die finanzielle Basis des Blattes mit sichert, sei für eine durch Steuermittel finanzierte Organisation nicht statthaft. Sie habe sich an den Verbreitungschancen ihrer Präventionskampagnen zu orientieren, nicht am politischen Geschmack der Annoncengeber, sagte Berger der taz in einem Interview Anfang Januar.

„Männer“ war auf einem guten Wege

Aber der Verlag, der Männer (noch) herausgibt, knickte nun doch ein. Er ließ sich auch nicht erweichen durch den Umstand, dass durch Bergers Interventionen (in Männer, mit Kommentaren, die zu diesem Magazin führten, in der deutschen Huffpo) die Leserschaft für das publizistische Flaggschiff des Hauses immens angewachsen war.

In Leserkommentaren hieß es, man werde kontrovers informiert und fühle sich durch Männer gut ins Bild gesetzt. Außerdem, so äußerten Leser, sei es auch genug gewesen mit Berichten, die überwiegend von in den siebziger, frühen achtziger Jahren sozialisierten schwulen Journalisten verfasst worden waren. Mit anderen Worten: Männer war gemessen an den bankrottösen Auflagen- und Aufmerksamkeitskennziffern auf einem guten Wege.

Offizieller - vielleicht letztgültiger - Anlass für die Kündigung war ein Text des Autors Daniel Krause, den David Berger im „Männer“-Kanal in der Huffington Post veröffentlichte. Krause hatte zuvor im WDR den Holocaust relativiert und verharmlost, indem er erklärte, ihm ginge das Problem der Massentierhaltung näher als Auschwitz. Der Beitrag, der inzwischen aus der Huffpo entfernt worden ist, entsprach auch, was die Islamdebatte anbetrifft, nicht den Wünschen der Herausgeber: Der Autor Krause wie auch der Chefredakteur Berger sollen allzu stark die Beschwernisse des Islam (in den allermeisten seiner Strömungen) mit dem Thema Homosexualität thematisiert haben. Dies geht aus Unterlagen hervor, die der taz vorliegen.

Vielleicht war David Bergers Problem am heftigsten in einer Sache begründet, die jeder Verein, jede Organisation, jedes Medium stiftet: Er, der gelernte Theologe, verfügt nicht über diesen gewissen Stallgeruch der schwulen Szene der Bundesrepublik. Einer, der sich buchstabiert wie: Homoehe ist doof und unnötig, politischer alternativer Lifestyle in queerer Hinsicht ist obligatorisch, wichtig ist das schwule Milieu und ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus eher nicht so von Gewicht. Berger ist ein homosexueller Journalist, der Kontroversen ins Leben rief und die Pros und Contras in den Ring holte: Das ist ungefähr das, was all seine Vorgänger im Job nicht vermochten.

Für die Öffentlichkeit muss David Bergers Demission nichts bedeuten. Schwule Medien fristen ein Randdasein im allgemeinen Publizistikgewerbe – abgesehen von reinen Anzeigenblättern wie der Berliner Siegessäule oder Blu: Darin wird über Termine und Veranstaltungen mit einem diesem Service dienlichen journalistischen Anspruch informiert. Das volle Spektrum des schwulen Diskurses über die jugendlichen und schwulenbewegten Szenen hinaus bilden diese Blätter nicht ab.

David Berger wird weiter für die Huffpo seine tatsächlich häufig geklickten Texte schreiben. Kriss Rudolph steht bei Männer vor der Aufgabe, ebensoviel Aufmerksamkeit für das Blatt bewirken zu müssen wie sein Vorgänger.



Anmerkung des Autors, 3. Februar 2015:

Ich muss, ich möchte mich korrigieren. Tatsächlich habe ich beim Schreiben meines kommentierenden Textes den Autor Daniel Krause nicht einschätzen können – prinzipiell war und bin ich der Auffassung, dass das Gebot der Meinungsfreiheit gerade publizistisch weit höher anzusiedeln ist als das der politisch zulässigen Geläufigkeit. Daniel Krauses Beiträge, die inzwischen auf HuffPost Media nicht mehr nachlesbar sind, sind in der Tat unerträglich.

Der Autor darf natürlich unerträglich sein, das ist, in seinem Fall, jetzt Angelegenheit der nordrhein-westfälischen Schulbehörden. Was mich nun entsetzt – ich bitte um Verzeihung, dass mir das erst im Laufe des späten Montagnachmittags zu prüfen möglich war –, ist, dass offenbar David Berger im Kontext des Gedenktages am 27. Januar zur Befreiung des KZ Auschwitz 1945 diesen Autor und dessen Text zu veröffentlichen möglich machte. Wie ich Montagabend erfuhr war der Verlag, in dem Männer Magazin erscheint und dessen Chefredakteur David Berger bis Montag war, diesem bis zu diesem Text gewogen und um Ausgleich bemüht. Nun muss ich einräumen, dass ein redaktionelles Ja zu einem Text auf Huffpo wie dem von Daniel Berger nicht akzeptabel ist.

Ich kann noch anfügen: Nach meinem Verständnis ist die Relativierung dessen, wofür das Wort „Auschwitz“ auch steht, in unserem Lande strafbewehrt – gut so. Man könnte jetzt sagen: Vielleicht hat David Berger das sogar in Kauf genomnen, um die – ob zurecht oder unrecht – Giftigkeiten gegen ihn auf die Spitze zu treiben. Darüber mag ich nicht spekulieren. Aber mit der Last, die mit der Autorschaft Daniel Krauses er sich hat aufbürden wollen, konnte der Verlag nicht umgehen: Das ist mir inzwischen, zugegeben, verständlich.

Und nach meiner – vielleicht zu groben – Zählung hat niemand unter den heftigsten Kritikern David Bergers auch nur einmal dieses Magazin gekauft. Sondern - das weiß ich, weil ich davon selbst 'betroffen' war – viele schwule Journalisten haben Freiexemplare erhalten: Für den politischen Szenetalk war Männer kein „must have“ – sondern allenfalls ein „can get“. Ich bedaure meinen Einschätzungsfehler, was das Aktuelle angeht. Nicht, was die Person David Bergers als erfrischende und höchst streitbare Alternative zum Üblichen anbetrifft. Er kniff vor keinem Streit – und er ließ ihn, bei allen Übertreibungen, zu. Das ist sein Verdienst bis zur Veröffentlichung des monierten und in der Tat monierenswerten Textes gewesen.



Anmerkung der Redaktion, 2. Februar 2015:

In einer früheren Version des Textes hieß es, Daniel Krause sei Autor der Huffington Post und habe dort den Holocaust relativiert und verharmlost. Beides ist unwahr: Krauses Beitrag wurde von Berger weitergeleitet, in diesem ging es um „Islamismus und die queere Szene“. Wir bitten, diese Fehler zu entschuldigen.
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