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Ich verlor ein Bein und gewann Gott


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#1
Rolf

Rolf

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Ich verlor ein Bein und gewann Gott



Mit meinem Bruder konnte ich alles besprechen. Ja, das war nicht immer so gewesen, aber jetzt war es. Unsere Mutter sagte immer: „Die große Schwester und der kleine Bruder – so friedlich wie nie!“
Früher, als wir noch jünger waren, war ich der Schrecken meiner ganzen Geschwister: Die große Schwester die jetzt in der Pubertät war und einem Monster ähnelte. Ein Kaktus der mit Worten stach. Ich hatte außer meinem Bruder noch zwei weitere Schwestern, alle waren jünger als ich. Doch sie waren während der Pubertät kein Kaktus gewesen. Zu meinen Schwestern hatte ich auch als Erwachsene kein besonders gutes Verhältnis bekommen. Sie waren beide verheiratet und hatten Kinder. Ich konnte mit Kindern gar nichts anfangen und mit Männern auch nicht. Mein Bruder war ebenfalls ledig und wir trafen uns oft.

Es war ein Freitag. Ich kam gerade von meiner Tanzschule und fuhr wie immer mit dem Fahrrad nach Hause. Gerade war ich in meine Straße eingebogen, als ich irgendwie die Kontrolle verlor und hinflog. Erst im Krankenhaus wachte ich wieder auf. Ein Arzt stand an meinem Bett und sah mich irgendwie komisch an. Erst nach einigen Minuten wusste ich, was sein Gesichtsausdruck widerspiegelte: Sorge.
Ich fragte: „Was ist los? Mein Bein tut weh!“
Der Arzt murmelte: „Phantomschmerzen.....“
Erst nach einigen Augenblicken verstand ich, was das bedeutete: Ich hatte mein Bein verloren. Wie auch immer.
Später erfuhr ich, dass mich wohl ein Auto angefahren hatte und mein rechtes Bein so schlimm zugerichtet war, dass man es mir abnehmen musste. Was würde jetzt aus meiner Tanzkarriere werden? Ich hatte gerade mein erstes großes Engagement bekommen und jetzt? Wer wollte schon eine Ballettänzerin, die nur noch ein Bein hatte?

Viele Wochen vergingen. Ich bekam zwar eine Prothese doch irgendwie wollte ich gar nicht mehr laufen. Ich war ja nutzlos! Mein Job war es gewesen mit meinen langen Beinen auf dem Tanzparkett zu tanzen und die Leute zum staunen zu bringen – und jetzt? Ich war nichts – gar nichts. In dieser Zeit, die ich in meiner Wohnung verbrachte, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ja, ich erinnerte mich plötzlich an einen Gott. Von dem hatten meine Eltern uns früher immer erzählt und meine beiden Schwestern glaubten an ihn. Irgendwie glaubte ich, dass es dort Trost geben würde. Doch mich hatte das früher nie interessiert. Jetzt versuchte ich mich wieder zu erinnern.
Gott hatte die Welt erschaffen. In zwei Tagen und dann sechs Menschen. Die hießen ... ja wie hießen die? Egal. Dann gab es mal eine Art Tsunami oder so. Irgendwie kam dann Gottes Sohn auf die Welt – aber wie hieß der? Und der ist dann gestorben ... deshalb feiert man Weihnachten.

Ich war nicht so ganz zufrieden mit dem, was ich herausbekommen hatte. In der hintersten Ecke fand ich noch eine Bibel. Ich sog alles wie ein trockener Schwamm in mich auf.
Nein, Gott hatte die Erde ja in sechs Tagen erschaffen und zudem zwei Menschen. Der Tsunami war eine Sintflut weil Gott sauer auf die Menschen war – es überlebten nur die Gottesfürchtigen. Gottes Sohn hieß Jesus und er ist an Ostern gestorben, an Weihnachten wurde er geboren. Er ist aber nicht einfach so gestorben sondern er ist für unsere Sünden gekreuzigt worden ... wie ein Mörder obwohl er gar nichts falsch gemacht hatte – nie. Dadurch können wir zu Gott – wenn wir einsehen und bekennen, dass wir Sünder sind und eigentlich sterben müssten.

Das war so wunderbar, dass ich es nicht glauben konnte. Ich bekannte meine Schuld und wollte diese wunderbare Botschaft anderen Leuten weitersagen. Ich wurde Missionarin und mein Leben hatte auch mit nur einem Bein einen Sinn. Gott liebt mich. Ja, ich bin wertvoll. Und als ich mein Bein verlor gewann ich Gott.
Alles was Gott zulässt hat einen Sinn. Ohne den Unfall würde ich immer noch nichts von Gott wissen.



Rahel Stangl
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