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Wenn eine Landeskirche einen Pastor für vogelfrei erklärt


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Rolf

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Wenn eine Landeskirche einen Pastor für vogelfrei erklärt

07.07.2021

csm_piehl_marcus_870_privat21_dfec5f0b71Der Pfarrer Marcus Piehl. Foto: privat

 

 

Hildesheim/Hannover (IDEA) – Scharfe Kritik am Umgang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit dem theologisch konservativen Pastor Marcus Piehl (Nordstemmen bei Hildesheim) übt das Netzwerk Bibel und Bekenntnis. Statt den Geistlichen in Schutz zu nehmen, wozu die Landeskirche als Arbeitgeber verpflichtet sei, habe sie „vernichtende Kritik“ an ihm geübt, ihm den Schutz entzogen und ihn für vogelfrei erklärt, heißt es in einem Kommentar im aktuellen Rundbrief des Netzwerks, das Pfarrer i. R. Ulrich Parzany (Kassel) leitet.

 

Rauswurf trotz Entschuldigung

 

Zum Hintergrund: Piehl hatte im Mai-Gemeindebrief die aktuelle Auseinandersetzung über die Geschlechtervielfalt als einen „Angriff auf Gottes Ordnung“ bezeichnet. Er hatte seine Haltung zur Rolle der klassischen Familie aus Vater, Mutter und Kind mit der Bibel begründet.

 

Daraufhin hatten sich die Kirchenleitung, die beiden Superintendenten im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld, Christian Castel (Elze) und Katharina Henking (Alfeld), sowie der Kirchenvorstand von Piehl distanziert. Nach einem Gespräch mit Castel hatte Piehl sich für seine Äußerungen entschuldigt.

 

Nachdem er im Zusammenhang mit der Kontroverse seinen „regulären Erholungsurlaub“ genommen hatte, teilten Kirchengemeinde und der Sprengel Hildesheim-Göttingen mit, dass Piehl seine Gemeinde verlassen muss – vier Wochen nach der Veröffentlichung seines Textes im Gemeindebrief.

 

Es gab keine sachgerechten Ermittlungen

 

Wie es dazu in dem Kommentar des Netzwerks weiter heißt, wurde Piehl „ohne ein einziges biblisch-theologisches Argument aus der Gemeinde entfernt“. Zudem habe es keine objektive Bewertung der Inhalte von Piehls Text gegeben: „Kein Richter hat den Pastor je verurteilt. Es hat auch nicht ansatzweise sachgerechte Ermittlungen gegeben.“ Piehl sei vorgeworfen worden, „homophobe Gedanken“ geäußert zu haben, doch tatsächlich habe er sich zum Thema Homosexualität gar nicht geäußert.

 

Der Autor des Beitrages nennt bewusst seinen Namen nicht – „wie die Vielen, die aus gutem Grund schweigen“. Er ist dem Netzwerk Bibel und Bekenntnis wie auch der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA bekannt.

 

Die Lehre der Kirche gilt nicht mehr

 

Wie der Autor weiter schreibt, zeigt der Vorfall, dass die Lehre der Kirche nicht mehr uneingeschränkt gelte, nach der es außer dem Wort Gottes „keine anderen Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten“ gibt, die als Gottes Offenbarung anerkannt werden. So hatte Castel gegenüber Journalisten erklärt, dass mit den von Piehl zitieren Bibelversen Positionen über Gottes Ordnung aufgewärmt würden, „über die wir seit Jahrzehnten hinaus sind“.

 

Nach Ansicht des Kommentatoren müssten sich Theologiestudenten und angehende Pastoren darüber im Klaren sein, „dass sie sich möglicherweise verpflichten sollen, theologische Positionen, denen sie bei Dienstbeginn zustimmen müssen, auch gegen ihr Gewissen zu widerrufen, wenn Umstände und Beschlusslage der Landeskirche es verlangen“.

 

Fall zeigt Krise der Meinungsfreiheit in der Kirche

 

Sein Unverständnis äußert der Autor des Kommentars ferner darüber, dass die Evangelische Kirche in Deutschland die Haltung des Reformators Martin Luther (1483–1546) vor 500 Jahren vor dem Reichstag in Worms „mit vernehmbarer Lautstärke dafür feiert, dass er den Widerruf seiner Schriften allein in Berufung auf das Wort Gottes und sein Gewissen gegen Kirche und Reich verweigert hatte“. Luthers Ausspruch „Hier stehe ich…“ sei als eine Sternstunde für Zivilcourage gewertet worden.

 

Der Streit um Piehl offenbare dagegen eine Krise der Meinungs- und Gewissensfreiheit in der Kirche heute. Mit dem Verweis auf ihr Gewissen, auf die Bibel oder landeskirchliche Gottesdienstordnungen könnten Pastoren sich nicht auf ein faires Verfahren verlassen.

 

Neue Perspektiven schaffen

 

Der Pressesprecher der hannoverschen Landeskirche, Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann, wollte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA die Meinungsäußerung des Netzwerks nicht kommentieren. Er sagte aber: „Jetzt geht es darum, für Herrn Piehl und die Kirchengemeinde Nordstemmen neue Perspektiven zu schaffen. Wir sind zuversichtlich, dass das in den nächsten Wochen auch gelingt.“

 

 

Zum Netzwerk Bibel und Bekenntnis gehören 2.920 Mitglieder sowie 77 Gemeinden und Organisationen. Es wurde laut Parzany gegründet, weil in den evangelischen Kirchen die Grundlagen des christlichen Glaubens infrage gestellt werden.


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