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Philosoph kritisiert Umgang der Kirchen mit Corona


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Philosoph kritisiert Umgang der Kirchen mit Corona

 

 

 

 

19.03.2021

csm_kreuz_maske_corona_mundschutz_holz_8Hoffmann wirft den Kirchen vor, die seelischen Bedürfnisse der Menschen zu vernachlässigen. Foto: pixabay.com

 

 

Hagen (IDEA) – Scharfe Kritik am Umgang der Kirchen mit der Corona-Pandemie hat der Philosophieprofessor und Theologe Thomas Sören Hoffmann geübt. Er lehrt an der Fernuniversität Hagen, der mit über 78.000 Studenten größten deutschen Universität.

 

Der 59-Jährige äußerte sich in einem Interview mit dem Informationsblatt „Aufbruch“ des theologisch konservativen Gemeindehilfsbundes (Walsrode). Nach seinen Worten sind viele Nichtchristen – auch unter seinen Fachkollegen – verblüfft oder gar enttäuscht über das „dröhnende Schweigen“ der Kirchen zu den verschiedenen Facetten von Corona.

 

Es sei schon für den Staat ein Armutszeugnis, wenn er Menschen nur noch mit medizinisch-technischem Blick betrachte und ihm außer Warn-Apps, Testungen und Impfungen nichts einzufallen scheine. Noch viel schlimmer sei es, wenn auch die Kirchen den Menschen „nur noch als biologisches Wesen, als Fleisch und unter dem Aspekt der Volksgesundheit zu kennen scheinen“.

 

Wenn beim Abendmahl das eigentliche „Realpräsente“ die „Infektionsgefahr“ sei, wenn Bewohner auch kirchlicher Altenheime „gnadenlos isoliert und noch im Sterben alleingelassen werden, wenn die Seelen im ‚Lockdown‘ geschlagener, ja missbrauchter Kinder nichts mehr zählen, könnte es sogar sein, dass die Kirchen heimlich, still und leise ihren Platz einer ‚Gesundheitsreligion‘ geräumt haben, mit der sie gar nicht erst konkurrieren wollen“.

 

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben, der eher dem linken Lager zuzuordnen sei, erachte es als sehr merkwürdig, wenn gerade das Christentum, das früher nie den Kontakt zu Kranken gescheut habe, heute auch bei Gesunden das „social distancing“ praktiziere.

 

Luther blieb trotz Pest in Wittenberg

 

Agamben vertrete die Ansicht, „dass wir am Beginn der Ära einer neuen ‚Gesundheitspflicht‘ stehen könnten“. In deren Zeichen werde der christliche Gedanke, dass zur Gottebenbildlichkeit auch das Kranke, Leidende und Schwache am Menschen gehört, keinen Platz mehr haben.

 

Hoffmann erinnert an Martin Luther (1483–1546), der sich 1527 beim Ausbruch der Pest in Wittenberg geweigert habe, die Stadt zu verlassen. Er zitiert den Reformator: „Wenn ich die Pest gleich tausend Mal an meinem Leibe hätte, will mich darum nicht zu Tode fürchten; denn ich habe Christus, ist es sein Wille, soll mir die Pest weniger schaden als ein Floh unter meinem Arm.“ Und die Sterblichkeit bei Pest sei damals weitaus höher gewesen als heute bei Covid-19.

 

Evangelische Kirche ist „kirchensteuerfinanzierte Religionsbehörde“

 

In dem Interview äußert sich der Philosoph ferner zu der Frage, was er landeskirchlichen Christen rät, die am ethischen Kurs und der „Gendertheologie“ der EKD verzweifeln. Er beobachte den Weg der EKD nicht mehr, so Hoffmann: „Ich habe für Dinge, die gar keinen brauchbaren Inhalt mehr haben, gar keine Zeit. Die kirchensteuerfinanzierten Religionsbehörden sind seit geraumer Zeit wirklich nichts anderes mehr als Vorfeldorganisationen des linken politischen Establishments.“ Laut Hoffmann wäre es „ein fataler Fehler, ihnen gegenüber noch irgendwelche theologisch-geistlichen Kategorien anzulegen“.

 

Hoffmann empfiehlt Christen die SELK

 

Evangelischen Christen könne er nur raten, sich im Sinne von Luthers „Freiheit eines Christenmenschen“ immer neu zu üben und dabei nicht zuletzt auch „alle falsche Befangenheit in Traditionen, alle Autoritätsgläubigkeit gegenüber Religionsbeamten abzulegen“.

 

Ansonsten empfehle er ihnen die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK). Sie hat rund 33.000 Mitglieder in 174 Gemeinden. Der Gemeindehilfsbund wurde 1992 von Pastor Heinrich Kemner (1903–1993) gegründet, der auch das Geistliche Rüstzentrum Krelingen (heute: GRZ Krelingen) ins Leben gerufen hatte. Dieser Bund will nach eigenen Angaben Christen, die durch ein nicht schriftgemäßes kirchliches Reden und Handeln angefochten sind, mit Rat und Tat sowie durch Fürbitte beistehen.

 

Seit 1996 amtiert Pastor Joachim Cochlovius als hauptamtlicher Vorsitzender. Zu dessen Nachfolger berief der Bruderrat (Leitung) im Juni 2020 Pfarrer Stefan Felber, Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona (Bettingen bei Basel). Felber tritt sein neues Amt im Sommer 2022 an.


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