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Scientology schleust Sekten-Buch in Klassenzimmer


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Rolf

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Scientology schleust Sekten-Buch in Klassenzimmer





Die Sekte Scientology will an Kinder und Jugendliche herankommen. Sie verschickt Exemplare von "Der Weg zum Glücklichsein" an Schulen und Kindergärten.


Eine friedliche Landschaft ist zu sehen, ein geschwungener Weg führt hindurch zu einem gleißenden, sonnenrunden Licht. Das Buch mit dem idyllischen Erlösungsbild trägt den Titel „Der Weg zum Glücklichsein“ und wirkt harmlos. Die 21 "Regeln“ lesen sich wie ein allgemeingültiger Lebensratgeber, um ein besserer Mensch zu werden.

Foto: dpa/DPA Scientology versucht immer wieder über Umwege an neue Mitglieder zu gelangen - offenbar auch an Schulen. Experten warnen.
Das Buch wird vertrieben von der "Way To Happiness Foundation“, einer Stiftung mit Sitz in den USA, die als Urheber die "L. Ron Hubbard Library“ erwähnt. Selbst der Verweis auf diese "Bibliothek“ sagt nicht unbedingt vielen etwas. Freilich verrät er alles: Hubbard ist der Gründer von Scientology und die Stiftung versucht, dessen Lehren zu verbreiten. Am Ende des Buches steht ein Appell an den Leser: "Sie müssen nicht weiter tun, als ,Der Weg zum Glücklichsein’ in der Gesellschaft zirkulieren zu lassen.“ Man solle Freunden mehrere Exemplare geben, damit sie es "in immer weiterem Umkreis verbreiten können“.

Ganz subtil zu Scientology

Dieses Buch kennt die Geschäftsführerin der Sekten-Info NRW in Essen, Sabine Riede, seit Langem, und sie sagt, dass diese Stiftung eine "Tarnorganisation“ von Scientology sei. Es gibt von dem Buch auch kleinere Exemplare, dünn und handlich wie eine Broschüre. "Über diese Broschüre kann man ganz subtil zu Scientology gelangen“, sagt Riede.

Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet Scientology mit schätzungsweise rund 600 Anhängern in NRW und 6000 bundesweit seit Jahren wegen demokratiefeindlicher Tendenzen, menschenverachtender Praktiken und ihres totalitären Ziels der "Weltherrschaft“ und wurde in seiner Auffassung 2008 vom Oberverwaltungsgericht Münster bestätigt.

Aussteigerin berichtet über gezielten Kontakt zu Schulen

Nun berichtet eine Aussteigerin, dass Scientologen sich mithilfe der Happiness-Stiftung strategisch darauf konzentrieren, Schulen zu kontaktieren. Es seien bereits Bücher "Der Weg zum Glücklichsein“ an mehrere Schulen verschickt worden. "Scientology hat Probleme, in Deutschland Mitglieder und Anhänger zu bekommen. Es gibt den Plan, den Fokus auf Jugendliche zu richten“, sagt Nicole Z. im Gespräch mit der Welt. Die Aussteigerin bittet darum, ihren richtigen Namen, Alter und Beruf nicht zu nennen, weil sie fürchtet, von Scientology bedrängt zu werden.

Ein Sprecher von Scientology Deutschland beteuert gegenüber "Welt Online", man sei „überhaupt nicht“ eingebunden in den Versand von Exemplaren "Der Weg zum Glücklichsein“. Es wird freilich bestätigt: "Selbstverständlich besteht zwischen Scientology und der Foundation ein Kontakt und eine Verbindung.“ Die Organisation erklärt auch, dass die Broschüre "innerhalb Scientology als Leitfaden verwendet“ werde. Noch klarer wird es auf der deutschen Homepage: Dort ist die Stiftung im Menü zu finden – mit weitere Links, die nach Ansicht des Verfassungsschutzes zu "Tarnorganisationen“ führen.

"Ausbeutung und Menschenrechtsverletzung"

Die deutsche Sektion selbst betont im Internet mit vielen friedlichen Bildern und Filmen, Scientology sei "eine Religion im wahrsten Sinne des Wortes, da sie hilft, dem Menschen völlige spirituelle Freiheit und Wahrheit zu bringen“. Doch Sekten-Spezialistin Riede wirft Scientology "Ausbeutung“ und "Menschenrechtsverletzungen“ vor.

Nicole Z. bekräftigt dies mit ihren Erfahrungen. Sie ist über eine Bekannte zur Organisation gelangt. Sie erzählt von den berüchtigten Psycho-Gesprächen am "E-Meter“, einem Gerät mit Griffen, die man in Händen hält und die bei persönlichen Fragen die elektrische Spannung messen und wunde seelischen Punkte verraten; sie erlebte Drill und Druck im "Ethik-Lager“ der Europa-Zentrale in Kopenhagen. Nicole Z. hat sich nach Monaten wieder gelöst, weil ihre Zweifel wuchsen, weil ihr der kalte Umgang untereinander nicht gefiel, weil sie sich von Familie, Freunden und Beruf distanzieren sollte.

Sie erzählt, dass Scientology ständig auf der Suche nach Einnahmen sei und versuche, ihre teuren Kurse zur Selbstbehauptung, Selbstfindung und Leistungssteigerung zu vermarkten. Nicole Z. fand nach ihrem Abschied den Weg zur Sekten-Info in Essen und wird von Geschäftsführerin Riede unterstützt.

Telefonterror und Drohmails

Nicole Z. erzählt von Telefonterror und Mails, in denen gedroht wird, dass man sie beim Arbeitgeber anschwärzen werde. Eines Tages hätten zwei Männer vor ihrer Haustür gestanden und gesagt, sie möge zurückkehren, sie sei noch "nicht perfekt“. Da entgegnete sie keck: "Ich bin perfekt.“ Als einer den Fuß in die sich schließende Tür stellte, sagte die Frau, sie werde die Polizei rufen. Die Männer verschwanden.

Die Aussteigerin verfügt über Insider-Informationen, die für das Sekten-Info wertvoll sind und sich mit bisherigen Erkenntnissen decken. Bereits vor einiger Zeit warnte der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz davor, dass Scientology getarnt versuche, über Nachhilfe-Kurse in die Gesellschaft weiter vorzudringen. In ihrem noch aktuellen Jahresbericht 2010 weisen die Verfassungsschützer darauf hin, dass Scientology per Internet mit Filmen und Plattformen "auf Kundenfang“ geht und "unmittelbaren Zugang ins Kinderzimmer“ habe.

Manche Lehrer holen Sektenmitglieder in den Unterricht

Zudem können sich die Scientologen in den sozialen Netzwerken leicht vernetzen. Wer bei Facebook einen Scientologen aus Nordrhein-Westfalen entdeckt, der kann sich durch den Freundeskreis weit in die Szene vortasten. Eine Frau hat in ihr Profil geschrieben:"„Kursleiterin bei Scientology Kirche Deutschland“. Andere bieten Links zu Scientology-Organisationen oder -Foren.

"Es gibt immer wieder neue Wellen von Unterwanderungsversuchen“, sagt Pädagogin Riede. Da Scientology in der Öffentlichkeit diskreditiert sei, versuche die Organisation über "Tarnorganisationen“ neue Anhänger und Kursteilnehmer zu rekrutieren. Die "Way To Happiness Foundation“ sei öffentlich kaum bekannt.

Der Sektenbeauftragte der CDU-Landtagsfraktion, Marc Ratajczak, hat deshalb NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) angeschrieben und darum gebeten, die Schulen darauf aufmerksam zu machen und dafür zu sorgen, dass das Buch nicht ausgelegt bzw. eingesammelt wird.“ Das Schulministerium erklärte auf Anfrage: "Ein solches Buch gehört nicht in eine Schulbibliothek. Es gibt aber keine Hinweise, dass das Buch vermehrt an Schulen angekommen ist.“ Die Lehrer seien über Scientology informiert. Eine aktuelle Warnung hält man daher nicht für notwendig.

Scientology Deutschland selbst antwort auf die Frage, welche Kontakte zu Kindergärten und Schulen bestünden: "Keine direkten. Es kommt aber oft vor, dass uns Schüler direkt kontaktieren, um Informationen aus erster Hand zu erhalten, die sie dann für ihre Referate nutzen.“ Hin und wieder würden Lehrer anfragen, "ob ein Vertreter in der Schule Rede und Antwort stehen kann, was wir auch gerne tun“.

Piraten-Partei hat Scientologen rausgeworfen

Sekten-Spezialistin Riede warnt Lehrer, die meinen, sie seien charakterlich so stark, um Scientologen im Unterricht zu entzaubern. Riede berichtet auch von Schülern, die es gerade wegen allzu scharfer Warnungen "doppelt spannend“ gefunden hätten, dorthin zu gehen. "Mein Rat lautet: Grundsätzlich nicht hingehen. Das größte Risiko ist die eigene Selbstüberschätzung“, sagt Riede.

Sie beklagt, dass lediglich im Religionsunterricht über Scientology gesprochen werde. "Viele Kinder gehen aber nicht mehr zum Religionsunterricht. Deshalb wäre es sinnvoll, Scientology in anderen Fächern wie Politik oder Sozialwissenschaften zu behandeln“, sagt Riede. Kürzlich outete sich ein Scientologe im Kreisverband Düsseldorf der Piratenpartei. Der NRW-Landesverband beschloss, dass "die Lebensführung nach den Regeln L. Ron Hubbards“ mit einer Parteimitgliedschaft "nicht vereinbar“ sei und warf den Betreffenden raus.
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