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Die Einheit des Leibes Christi nach der Schrift


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Rolf

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Die Einheit des Leibes Christi nach der Schrift



Wir haben schon erwähnt, daß die Aufrufe charismatisch-pfingstlicher Gruppierungen, um der «Einheit des Leibes Christi» willen alles Trennende beiseitezustellen, mehr und mehr Zustimmung finden. Schließlich, so denken viele, sind die Charismatiker und Pfingstler ja auch Christen, weshalb sollte man dann nicht gemeinsam handeln oder in einer Gemeinde miteinander zusammenleben? Die Zertrennungen in der äußeren Gestalt der Gemeinde Jesu Christi sind ja zu Recht eine Not für viele Gläubige. Warum nicht Anstrengungen zur Einheit machen und dabei Unterschiede zurückstellen?

Ist es nicht sektiererisch und engherzig, ja, ein Verstoß gegen den Willen des Herrn, wenn Gläubige heute noch an der Abgrenzung gegenüber irrgeistigen Strömungen festhalten? Wird damit nicht die «Einheit des Leibes Christi» verletzt und ein glaubwürdiges Zeugnis vor der Welt unmöglich gemacht?

In der Tat ist die Frage der Einheit des Leibes Christi eine der besonders schwierigen und umstrittenen Fragen in der Gemeinde. Hier herrscht viel Verunsicherung und Verwirrung; es mangelt an einem klaren, biblisch fundierten Verständnis von Einheit. Viele Vorstellungen von Einheit, die heute vertreten werden, stehen im Gegensatz zur Lehre der Heiligen Schrift und sind im Endeffekt irreführend und zerstörerisch.

Wir wollen deshalb versuchen, von der Heiligen Schrift her Antworten auf diese wichtigen und drängenden Fragen zu gewinnen. Leider erlaubt der Rahmen dieses Buches nur eine kurze Behandlung dieses vielschichtigen Themas.



a) Die Aussagen der Bibel zur Einheit des Leibes

Die Schrift zeigt uns, daß alle wahrhaft an Jesus Christus Gläubigen, aus Gottes Geist von neuem Geborenen gemeinsam einen geistlichen Organismus bilden, die Gemeinde, die als der «Leib des Christus» bezeichnet wird (Eph. 1,22f.; 1. Kor. 12,12-27; Rö. 12,5; Eph. 4,4-16; Kol. 1,18.24; Kol. 2,19; Kol. 3,15).

Unser Herr Jesus Christus ist das Haupt (Oberhaupt) dieses Leibes (Eph. 4,15f.; Kol. 1,18; Kol. 2,19). Er ist der Herrscher, das Zentrum, von dem alle Willensimpulse in diesem Leib ausgehen; Er hat die Glieder des Leibes erlist, verwandelt und zusammengefügt; Er leitet und versorgt nun den Leib mit allem, was er benitigt: Schutz, Kraft, Erkenntnis, Wegleitung.

Wenn die einzelnen Gläubigen Glieder des Leibes Christi sind, so nur in Ihm und durch Ihn - vgl. Rö. 12,5:

«(...) so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus».

Aus den Aussagen der Schrift über die Einheit des Leibes erkennen wir zunächst deutlich, daß jede Art von «Einheit», die nicht auf der Grundlage des lebendigen Glaubens an Jesus Christus und der Wiedergeburt beruht, unbiblisch und verführerisch ist. Zwischen einem wahren Gläubigen und einem bloßen Bekenner eines äußerlichen Christentums kann und darf es nach der Schrift keine Einheit geben, sondern nur Absonderung (vgl. 2. Kor. 6,14-18; 2. Tim. 3,1-5 u. a.). Damit ist jede Art von «Ökumene» ebenso schriftwidrig wie eine «Einheit» von Gläubigen und Ungläubigen in einer «Volkskirche».



[size=128Die objektive Einheit des Leibes in Christus[/size]

Wie kann dieses Wunder geschehen, daß die unterschiedlichsten Menschen zusammengefügt werden zu einem Organismus und damit eins werden – Juden und Griechen, Sklaven und Freie? Die Bibel sagt uns, daß es nur geschehen kann, indem diese Menschen ihre alte Adamsnatur ablegen und eine neue Natur empfangen, indem sie in Christus hineinversetzt und Seiner göttlichen Natur teilhaftig werden durch die Wiedergeburt und Taufe des Geistes.

Der Heilige Geist ist es, der einen Gläubigen im Augenblick seiner Wiedergeburt in Christus hineintauft (Rö. 6,3-6) und damit auch in Seinen Leib hineintauft:

«Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib [od. zu einem Leib] getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle in einen Geist getränkt worden» (1. Kor. 12,13).

Der Heilige Geist führt uns in die Todes- und Lebensgemeinschaft mit Christus, dem erhihten Haupt, und vermittelt uns alle Segnungen unserer himmlischen Stellung in Christus; Er ist es, durch den wir in Christus eins gemacht werden. Deshalb wird die Einheit der Gläubigen in Christus in Eph. 4,3 auch als die «Einheit des Geistes» bezeichnet. Sie ist vom Geist Gottes bereits hergestellt worden; die Gläubigen werden daher aufgefordert, sie zu bewahren.

Die «Einheit des Leibes Christi» ist also eine objektive Tatsache, die aus der Stellung der Gläubigen in Christus folgt. Diese Einheit wird durch den Geist Gottes bei der Wiedergeburt bewirkt. Der von neuem geborene Gläubige wird in den bereits bestehenden Organismus des Leibes hineingetauft, hineingefügt, und wird damit objektiv einsgemacht mit allen wahren Gottes-kindern auf der ganzen Welt. Diese Einheit kann von Menschen weder geschaffen noch zerstört werden; sie ist ausschließlich ein souveränes Werk Gottes. Sie wird nicht dadurch aufgehoben, daß einzelne Gotteskinder untereinander uneins sind – damit wird zwar die Darstellung und praktische Verwirklichung der Einheit des Leibes beeinträchtigt, nicht aber diese vollkommene, gottgewirkte Einheit selbst, die nicht in der Gemeinde, sondern in Christus besteht.

Es ist nicht ohne Bedeutung, daß der Geist Gottes die Lehre von der objektiven Einheit des Leibes in solcher Ausführlichkeit gerade den Korinthern schreiben ließ, die untereinander so zerstritten und uneins waren. Geradeihnen bezeugt Paulus, daß sie ein Leib sind durch das Werk des Geistes (1. Kor. 12,13.20.27). Die Erkenntnis dieser objektiven Tatsache sollte sie anspornen, auch in ihrer praktischen Gemeinschaft die Einheit anzustreben aber die Bibel fordert die Gläubigen nirgends auf, die «Einheit des Leibes Christi» herzustellen oder sich um sie zu bemühen. Sie wird durchgängig als eine objektive, durch Gottes Geist bewirkte und in Christus bestehende Tatsache dargestellt.

Es darf uns ein Trost sein, daß das Versagen und die Zersplitterung der Gläubigen durch die Jahrhunderte der Gemeindegeschichte diese in Christus bestehende Einheit nicht zu zerstören oder zu beeinträchtigen vermochte.

Wenn wir einmal offenbar werden mit dem Christus, bei Seiner Wiederkunft in Herrlichkeit, wird diese hier auf Erden verborgene vollkommene Einheit ebenfalls offenbarwerden und hervorstrahlen als heller Lichtglanz zur Verherrlichung unseres Herrn und Erlisers.

Diese wichtige Wahrheit wirft auch Licht auf eine Bibelstelle, die von den Verfechtern falscher «Einheits» bestrebungen immer wieder angeführt wird das Gebet unseres Herrn Jesus Christus in Johannes 17.



[size=18]Das Gebet Jesu Christi in Johannes 17 - und die vollkommene Einheit der Gemeinde[/size]

Einige der tiefsten und eindrucksvollsten Aussagen zur Einheit der Gemeinde finden sich zweifellos in Johannes 17,1-26. Diese Aussagen werden häufig zitiert, um den Bemühungen um eine äußere Einheit aller Gottes-kinder heute Nachdruck zu verleihen. Wir müssen uns jedoch fragen: Um welchen Aspekt der Einheit der Gemeinde geht es dem Herrn in Seinem Gebet? Hören wir zunächst die wesentlichen Aussagen:

«(18) Wie du mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt;

(19) und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit.

(20) Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben,

(21) damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.

(22) Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, daß sie eins seien, wie wir eins sind

(23) – ich in ihnen und du in mir –, daß sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.

(24) Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.»

(Joh. 17,18-24)

Aus diesen Worten wird deutlich, daß unser Herr von einer vollkommenen Einheit redet, von einer Einheit, die göttlichen Charakter trägt. Wenn Er davon spricht, daß wir erlöste Menschen «alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir» (V. 21a), dann geht es hier um eine makellose, überirdische Einheit. Die Erlösten der Gemeinde sollen eins sein, «wie wir eins sind» (V. 22b); ja, sie sollen «in eins vollendet» werden (V. 23a). Diese göttlich-vollkommene Einheit wird Wirklichkeit in Christus und im Vater: «damit auch sie in uns eins seien» (V. 21b).

Aus diesem Zusammenhang ist ersichtlich, daß der Herr hier nicht von der praktischen, äußeren Einheit unter den Gläubigen der Gemeinde spricht. Solange die Gemeinde hier auf Erden existiert, hat es eine solche Einheit in der Praxis, im äußeren noch niemals gegeben; selbst in der Apostelzeit gab es immer wieder Differenzen, Streitigkeiten, Parteiungen unter wahren Gläubigen, wie uns das NT zeigt – wieviel mehr erst in den Jahren des Verfalls danach!

Nein, unser Herr spricht hier von der geistlichen, himmlischen Stellung Seiner Gemeinde in Christus, von der vollkommenen Einheit, die durch die Herabkunft des Geistes an Pfingsten, durch die Wiedergeburt und Taufe des Geistes möglich wurde.

Durch diese Taufe des Geistes wurde aus verstreuten Gläubigen, die immer noch irdische Menschen waren, ein geistlicher Leib, ein himmlischer, göttlicher Organismus geschaffen. Durch den Geist Gottes wurden die neuen Kreaturen in Christus nicht nur untereinander zu einem Leib getauft, sie wurden auch in eine kostbare, herrliche himmlische Stellung und Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn gebracht, die Kol. 3,1-4 so beschreibt:

«Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, euer Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.»

Von dieser himmlischen Stellung, von diesem vollkommenen Einssein in Christus handelt das Gebet des Herrn in Johannes 17. Diese göttlich-vollkommene Einheit ist heute noch verborgen; sie wird von der Welt nicht gesehen; sie existiert «verborgen mit dem Christus in Gott». In den Augen Gottes sind alle die verstreuten, getrennten, vielleicht auch zerstrittenen Kinder Gottes in Seinem Sohn eins, so wie sie auch in Seinem Sohn heilig und gerecht und tadellos sind aufgrund des allgenugsamen Söhnopfers Jesu Christi. Nach außen, in ihrem Wandel auf der Erde, ist die Gemeinde in dieser Heilszeit ebensowenig vollkommen eins, wie sie vollkommen heilig und gerecht ist. Aber inwendig, in ihrer Stellung vor Gott in Christus, ist sie schon jetzt beides.

Wenn wir nüchtern feststellen, daß die vollkommene Einheit, wie sie Johannes 17 offenbart, hier auf Erden unmöglich und von Menschen nicht machbar ist, dann soll das keineswegs eine billige Ausrede sein, um das bemühen um wahre, biblische Einheit unter Gläubigen abzutun. Es ist nur sehr wichtig, daß wir mit der Offenbarung Gottes ehrfürchtig und gewissenhaft umgehen und das Wort der Heiligen Schrift so anwenden, wie es der Herr gemeint hat.

In diesem Sinn ist es verkehrt und irreführend, wenn man die Bitten des Herrn in Johannes 17 zu einem Aktionsprogramm für die Vereinigung verschiedener christlicher Gruppierungen umdeutet. Unser Herr spricht von einer Einheit, die allein der Vater schaffen konnte und auch geschaffen hat. Es wäre auch unbiblisch und bedenklich, zu unterstellen, dieses vollkommene Gebet sei nicht erhört worden und nicht in Erfüllung gegangen, weil Menschen versagt hätten. Dieses Gebet ist erhört und im Kern bereits erfüllt, auch wenn manche Bitten heilsgeschichtlich ihre Erfüllung erst mit dem Offenbarwerden des Christus erfahren.

Das zeigt sich an den oft erwähnten Aussagen «(...) daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast» (V. 21b) und «(...) daß sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast» (V. 23b). Von manchen Christen werden sie so gedeutet, daß die Welt sich längst bekehrt hätte, wenn nur die Christen recht untereinander eins seien, und daß eine «Erweckung» ausbrechen würde, wenn nur die «Einheit» geschaffen werden könnte. Aus unseren heilsgeschichtlichen Betrachtungen über das Wesen der Heilszeit der Gemeinde wissen wir jedoch, daß «die Welt» das Zeugnis der Gemeinde nicht glauben wird noch Jesus Christus erkennt, sondern allein die Auserwählten. «Die Welt» glaubt erst an Christus und erkennt Ihn erst im Tausendjährigen Reich. Auf diese Zeit zielen nach unserer Überzeugung letzten Endes auch die oben angeführten äußerungen unseres Herrn.

Es gibt eine Zeit, in der alles offenbar wird vor den Augen der Welt, was bisher verborgen war.

«Wenn Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit» (Kol. 3,4).

«Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist» (1. Joh. 3,2).

Wenn auf dem Höhepunkt der Gerichte über die Völkerwelt der Herr Jesus Christus mit all Seinen dann vollendeten, verherrlichten Heiligen auf die Erde kommen und vor aller Augen offenbar werden wird, dann erst wird «die Welt» glauben, daß dieser Jesus Christus von Gott gesandt und Herr über alle ist. Dann erst wird die Welt auch anerkennen, daß die wahren Christen vom Vater geliebt sind – dieselbe Welt, die bis zu dieser Zeit alle an Christus Gläubigen haßt und verfolgt (vgl. Joh. 15,18-21!).

Dann erst wird die vollkommene, göttliche, herrliche Einheit des Leibes des Christus vor aller Augen offenbar sein und ein machtvolles Zeugnis für Christus darstellen. So heißt es in 2. Thess. 1,10 von der Ankunft des Christus zu Beginn des Tausendjährigen Reiches:

«(...) wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in all denen bewundert zu werden, die geglaubt haben.»

Nur wenn wir diese heilsgeschichtliche Spannweite der Worte unseres Herrn erkennen, werden wir vor Irrtümern bewahrt bleiben und Sein hohepriesterliches Gebet richtig verstehen.

Wir wollen festhalten, daß nach der Lehre der Schrift die Aufforderungen «Wir müssen endlich die Einheit des Leibes Christi verwirklichen!» falsch und irreführend sind; diese Einheit existiert objektiv in Christus, und die Gläubigen sind nirgends aufgerufen, sie zu schaffen. Diese Einheit wird durch die äußerliche Zerstreuung der Kinder Gottes auch nicht aufgehoben, weil sie innerlichen, geistlichen, himmlischen Charakter trägt.



[size=18]B) Die praktische Einheit in der Gemeinde Jesu Christi[/size]

Mit der Feststellung, daß die Einheit des Leibes Christi eine objektive, vom Wandel der Gläubigen unabhängige Tatsache und ein vollkommenes Werk Gottes ist, soll keineswegs die Wahrheit verdunkelt oder abgewertet werden, daß die Heilige Schrift die Gläubigen immer wieder auffordert, in ihrem praktischen Zusammenleben auf Erden eins zu sein und der objektiven, stellungsmäßigen Einheit so weit wie möglich in ihrem Wandel zu entsprechen.

Jeder geistlich gesinnte Gläubige sollte sich immer mehr seiner Berufung als Glied am Leib Christi bewußt werden und so handeln, daß er zur Auferbauung des Leibes mit all denen zusammenwirkt, die der Herr zu ihm gestellt hat (vgl. 1. Kor. 12,12-27; Eph. 4,16; Rö. 12,4-8; 1. Petr. 4,9-11). Nur muß deutlich gemacht werden, daß diese «subjektive», praktische Einheit im Gegensatz zur objektiven Einheit in Christus von vorneherein nur eingeschränkt und unter bestimmten Bedingungen zu verwirklichen war und ist.



Die Ermahnungen der Schrift zur praktischen Einheit unter den Gläubigen.

Ein Schlüssel zum Verständnis der praktizierten Einheit unter Gläubigen finden wir in Eph. 4,3:

«Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens».

Der Ausgangspunkt, das Vorgegebene, ist die Einheit des Geistes, worunter zunächst die in der Taufe des Geistes bewirkte objektive Einheit in Christus zu verstehen ist. Diese Einheit des Geistes können und müssen wir nicht erst herstellen, wir sollen sie bewahren. Das vollbrachte Heil in Christus und die von Gott gewirkte objektive Einheit der Gläubigen im Leib Christi sind die Grundlage für alle Ermahnungen zur gelebten Einheit untereinander. Die fleischlichen Korinther werden von Paulus aufgerufen:

«Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle einmütig seid und keine Spaltungen unter euch zulaßt, sondern zusammenhaltet in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung» (1. Kor. 1,10 – revSch).

In dieser Aussage wie auch sonst im Korintherbrief wird auch eine wesentliche Einschränkung der praktischen Einheit der Gemeinde offenbar: Sie kann nur dort richtig ausgelebt werden, wo die Gläubigen geistlich gesinnt sind; fleischliche Gläubige wie die aus Korinth werden unwillkürlich immer wieder die Einheit verletzen und zu Streit, Parteiungen, Trennungen und falschen Lehren neigen (vgl. 1. Kor. 1,11-13; 3,3f.; 2. Kor. 12,20f.). Nicht umsonst werden unter den «Werken des Fleisches» in Gal. 5,19-21 Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zwistigkeiten und Parteiungen (haireseis) genannt.

So macht das Wort Gottes auch deutlich, daß die praktizierte Einheit innerhalb der Gläubigen eine Frage der geistlichen Gesinnung, der Herzenshaltung ist. Im Philipperbrief etwa schreibt Paulus:

«Gibt es nun irgendeine Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen, so machet meine Freude villig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habet, einmütig und auf eines bedacht seid, nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst, indem jeder nicht nur das Seine ins Auge faßt, sondern auch das des andern. Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war (...)» (Phil. 2,1-5 - Sch).

Auch in dem Segenswunsch oder Gebet des Paulus für die Römer kommt diese Betonung der Gesinnung zum Ausdruck:

«Der Gott des Ausharrens und der Ermunterung aber gebe euch, gleichgesinnt zu sein untereinander, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht. Deshalb nehmt einander auf [od.:an], wie auch der Christus euch aufgenommen [od. angenommen] hat, zu Gottes Herrlichkeit» (Rö. 15,5-7).

Die praktische Umsetzung dieser Gesinnung der Einheit ist gelebte Liebe untereinander (vgl. Rö. 13,8; 1. Kor. 8,1-3; 13,1-8; 16,14; Eph. 5,1; Kol. 2,2; 3,12-14; 1. Thess. 3,12f.; 2. Thess. 1,3; 1. Petr. 1,22f.; 3,8f.; 1. Joh. 3,11-17; 4,7-5,3; 2. Joh. 5f.) und gelebter Friede (vgl. Rö. 14,19; Eph. 4,3; 1. Thess. 5,12-15), der vor allem die gegenseitige Buße und Vergebung einschließt.



[size=18]Grenzen und Hindernisse der geistlichen Einheit[/size]

Wir haben gesehen, daß eine ungeistliche, selbstbezogene, fleischliche Gesinnung ein ernsthaftes Hindernis für die praktizierte Einheit der Gläubigen darstellt; dort wo fleischlich gesinnte Christen tonangebend sind, wird sich echte geistliche Einheit nicht verwirklichen lassen, wie an der Gemeinde in Korinth offenbar wird.

Noch schwerwiegender und bedrohlicher ist ein anderes Hindernis für die gelebte Einheit der Gemeinde: Verführerische, falsche Lehren und die daraus entstehenden Parteiungen (haireseis), die aus Anhängern falscher Lehren bestehen. Unter diesen Anhängern sind von Anfang an auch wahre Gotteskinder gewesen, die sich durch die Verführung betören ließen und sich außerhalb der Gemeinschaft der treuen Gläubigen stellten, obwohl sie Glieder am Leib Christi waren.

Von Anbeginn der Gemeindegeschichte waren solche Trennungen und Parteiungen aufgetreten; mit am einflußreichsten waren zu Beginn judaistische Irrlehren, die teilweise starke Anhängerschaft fanden und sogar zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Aposteln führten (vgl. Galater 2).

Mit dem Auftreten solcher Irrströmungen war die praktische, äußere Einheit der Gemeinde Jesu Christi schon von Anfang an nur annäherungsweise und eingeschränkt zu verwirklichen. Der Apostel Paulus gibt in seiner Abschiedsrede an die ältesten von Ephesus eine prophetische Offenbarung, die sich durch die ganzen Jahrhunderte der Gemeindegeschichte bestätigt hat:

«Ich weiß, daß nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch herein-kommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her» (Apg. 20,29f.).

Gegenüber solchen Irrströmungen, das zeigt uns das Wort Gottes ganz klar, darf es niemals zu einer «Einheit» kommen, selbst wenn in ihnen irregeführte Gotteskinder zu finden sind. Diesen Grundsatz der Absonderung von Verführung haben wir bereits oben ausführlich betrachtet (vgl. Kap. XII, S. 518ff.); die Schrift zeigt uns, daß eine «Einheit» mit Vertretern von Irrströmungen dazu führt, daß der Sauerteig der falschen Lehre auch auf die gesunden Gläubigen übergreift (Gal. 5,7-10) und daß sie sich mitschuldig machen an den bösen Werken der Verführer (2. Joh. 11). So gilt für die Gemeinde die Ermahnung aus Rö. 16,17-19:

«Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, gebet acht auf die, welche Trennungen und ärgernisse anrichten abseits von der Lehre [oder entgegen der Lehre], die ihr gelernt habt, und meidet sie [od. geht von ihnen weg, haltet euch fern von ihnen]. (...) Denn euer Gehorsam ist überall bekanntgeworden. Darum freue ich mich über euch, möchte aber, daß ihr weise wäret zum Guten und unvermischt bliebet mit dem Bösen.»

Biblische Einheit unter Gläubigen im vollen Sinn des Begriffes schließt also alle (auch alle Gläubigen) aus, die Irrlehren und Parteiungen anrichten bzw. Anhänger solcher Parteiungen sind (vgl. Tit. 3,10)! Wenn ein Gläubiger das Gebot der Absonderung vom Bösen mißachtet und sich in eine Kirche oder Gemeinde begibt, die verführerischen Lehren von Dämonen folgt, dann hat er sich selbst aus der praktischen Gemeinschaft des Leibes Christi ausgeschlossen.

Die Grundlage jeder biblischen Einheit muß der

«ein für allemal den Heiligen überlieferte Glaube» (Jud. 3)

sein, womit die Gesamtheit der wesentlichen Lehren des NT gemeint ist. Damit sind nicht nur offensichtliche Sekten wie die Zeugen Jehovas von einer solchen vollen Gemeinschaft ausgeschlossen, sondern auch andere irrgeistige Strömungen, seien es Anhänger liberal-bibelkritischer Lehren oder auch die Anhänger der Pfingst- und Charismatischen Bewegung.

Das bedeutet nicht, daß bibeltreue Gläubige mit echten Gotteskindern z. B. aus einer Pfingstströmung keine persönlichen Kontakte haben oder Gespräche führen könnten, wenn sie der Herr so leitet – aber eine Gemeinschaft innerhalb einer biblischen Gemeinde oder eine Zusammenarbeit etwa bei Evangelisationen ist von der Schrift her nicht möglich.



[size=18]c) Der Verfall der Gemeinde in der letzten Zeit und die Einheit[/size]

Mit dem von der Schrift geweissagten geistlichen Verfall der Gemeinde unmittelbar nach der Apostelzeit war auch ein endgültiges Zerfallen der äußerlichen Einheit der Gemeinde Jesu Christi verbunden. Seitdem sind die wahren Gotteskinder in einer großen Zahl verschiedener Großkirchen, Gruppen und Gemeinden zerstreut, die durch Lehrunterschiede und Traditionen voneinander getrennt sind.

So schmerzlich diese Tatsache für jeden bewußten Christen ist, so sehr sie Gottes ursprünglicher Absicht mit der Gemeinde widerspricht und ihr Zeugnis beeinträchtigt, so lassen doch manche Aussagen der Schrift erkennen, daß diese Entwicklung von Gott so zugelassen ist und eine Folge jener ernsten Tatsache ist, die uns in 1. Petr. 4,17 geoffenbart wird:

«Denn die Zeit ist gekommen, daß das Gericht anfange beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen?»

Es mag uns helfen, wenn wir hier das Vorbild Israels heranziehen (vgl. 1. Kor. 10,1-12). So wie das Versagen des Volkes Israel schließlich zu seiner Zerstreuung führte, die alle äußerliche Einheit und Herrlichkeit des Gottesvolkes wegnahm bis hin zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels, und nur ein geringer Überrest bewahrt wurde und mitten in diesem Gericht treu blieb (Daniel, Esra, Nehemia), so wurde auch alle äußerliche Einheit und Herrlichkeit der Gemeinde weggenommen und das Volk Gottes in eine Zerstreuung geführt, die der ursprünglichen Wesensbestimmung der Gemeinde widersprach und ein schmerzhaftes, demütigendes Mal ihres Versagens darstellt.

Aber ebensowenig wie das Volk Israel aus eigenem Antrieb und Wirken die Zerstreuung rückgängig machen und zu seiner alten Größe im verheißenen Land zurückkehren konnte, ebensowenig kann die wahre Gemeinde aus eigenem bemühen die gerichtliche Zerstreuung der Gläubigen rückgängig machen.

Die Geschichte der Gemeinde seit der Reformation, insbesondere auch die Geschichte der geistlichen Aufbrüche und Belebungen in den letzten 200 Jahren hat bewiesen, daß der vielfache geistliche Segen, den der Herr den Seinen inmitten des Verfalls gegeben hat, dennoch nicht zu einer neuen äußerlichen Einheit aller wahren Gläubigen geführt hat. Einige z. T. schwarmgeistig inspirierte Versuche dazu sind kläglich gescheitert und haben die Verwirrung und Zersplitterung häufig nur vergrößert.

In diesem Sinn müssen wir uns demütig unter die Hand Gottes beugen, der offenkundig solchen äußerlichen Einheitsbestrebungen Seinen Segen verwehrte.

«Denn es müssen ja auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten offenbar werden» (1. Kor. 11,19).

Vielleicht steckt tatsächlich eine prophetische Bedeutung für die letzte Zeit in dieser Aussage des Paulus; in jedem Fall kann die Zersplitterung der Gemeinde aus der heutigen Sicht nur durch ein souveränes Eingreifen Gottes, nicht aber durch die Bemühungen von Gläubigen beseitigt werden. Im Gegenteil richtet in dieser letzten Zeit mit ihren vielfältigen Verführungen jedes Einheitsbestreben, das nicht auf der Grundlage der Absonderung von Sünde, verführerischen Lehren und Weltfirmigkeit erfolgt, direkten Schaden an, indem es den Kräften der Irreführung Raum gewährt und sie deckt.

Andererseits sollte die geistliche Gemeinschaft zwischen bibeltreuen Gläubigen nicht durch zweitrangige Lehrfragen wie etwa den Zeitpunkt der Entrückung oder Einzelheiten der Gestaltung des Gemeindelebens verhindert werden. Gerade in der letzten Zeit, in der die Zahl der Gläubigen abnimmt, die dem Herrn noch wirklich treu sind, sollten diese, auch wenn sie sich in unterschiedlich geprägten Gemeinden versammeln, doch die Liebe zueinander, den gegenseitigen Austausch und die Ermutigung nicht vernachlässigen und bestrebt sein, so weit wie möglich eines Sinnes zu werden, miteinander Seine Gemeinde zu bauen und dabei treu nach dem Wort Gottes zu handeln, so wie jeder Einsicht hat.

Hier geht es nicht um äußerliche Vereinigung, sondern um die innere Einheit des Geistes, um die Einheit des Glaubens und der Vollerkenntnis unseres Herrn Jesus Christus, zu der wir hinwachsen sollen, um zur vollen Mannesreife zu gelangen (Eph. 4,12f.). Dies ist nur möglich, wenn alle diejenigen, die treue, geistlich gesinnte Christen sind, wirklich als Glieder an dem einen Leib des Christus handeln, einander dienen und erbauen, zuallererst im Rahmen der örtlichen biblischen Gemeinden, aber auch in größerem Rahmen, so wie es der Herr der Gemeinde führt.

Wenn es hier inmitten aller Zerrissenheit und Verwirrung der letzten Zeit zu geistlichem Wachstum und Vorwärtsschreiten kommen soll, dann ist die Voraussetzung ganz sicherlich Buße und Beugung über dem eigenen Versagen, über fleischlicher Trägheit und Eigensucht, über Streitigkeiten und Besserwisserei, über Mangel an biblischer Absonderung und Mangel an herzlicher Bruderliebe für die «anderen».

Wenn der Herr Gnade gibt, daß diejenigen Gläubigen, die noch aus Tradition und Vernachlässigung der biblischen Lehre über die Gemeinde in Groß und Freikirchen vermischt mit dem Bösen leben, die Kraft und den Mut zu biblischer Absonderung empfangen, und andererseits solche Gläubige, die aus einer falschen Lehre der Absonderung heraus sich von ihren Brüdern abgekapselt haben, wieder zu biblischer Gemeinschaft mit anderen treuen Gläubigen finden, dann kann es vielleicht gewisse Fortschritte in Richtung auf eine nüchterne, biblische Einheit wenigstens der bibeltreuen Gläubigen geben. In jedem Fall ist jeder Gläubige verpflichtet, im Gebet und Handeln auf ein solches biblisches Einswerden hinzuwirken, das immer ein gemeinsames Hinwachsen zu Christus, dem Haupt, ist.



[size=18]Zerstörerische Einheit oder auferbauende Abgrenzung[/size]

In bezug auf die Aufrufe zur «Einheit» mit Irrlehren und Parteiungen wie der Pfingst- und Charismatischen Bewegung hingegen gilt: Eine «Einheit» auf Kosten der Wahrheit, eine «Einheit», die nicht auf der Grundlage des ein für allemal überlieferten Glaubens, der gesunden Lehre und der biblischen Absonderung vom Bösen steht, ist keine biblische Einheit; sie dient nicht zur Auferbauung des Leibes, sondern letztlich nur der Zerstörung und Verwirrung.

Eine solche «Einheit» hat auch nichts mit der echten, geistlichen Agape Liebe zu tun. Wer den Herrn und die wahren Gotteskinder liebt, wird es niemals zulassen können, daß der Feind seine trojanischen Pferde in die echte Gemeinde Jesu Christi einschleust und dort sein Werk der Verführung unter dem Deckmantel der «Einheit» tun kann.

Wenn einem falschen Geist und falschen Lehren die Türen geöffnet werden, dann hat nur einer Nutzen von einer solchen unbiblischen Einheit: der Widersacher. Die Vermischung mit dem Irrgeist behindert bzw. beeinträchtigt nur die echte Einheit, d. h. die biblisch gebotene geistliche Zusammenführung der wahren Gläubigen auf der Grundlage der geoffenbarten Wahrheit der Heiligen Schrift.

So ist in unserer heutigen Zeit jeder Gläubige vor die Wahl gestellt: Entweder er hat Teil an einer unbiblischen, gegen den Herrn gerichteten «Einheit», die Vermischung mit dem Bösen bedeutet, oder er muß sich von dieser unbiblischen Vermischung absondern, um mit den Gläubigen eins zu werden, die auf der Grundlage der Heiligen Schrift Gemeinde bauen und gemeinsam zu ihrem Herrn Jesus Christus heranwachsen wollen. Möge der Herr Gnade schenken, daß noch viele Gotteskinder erkennen, was in dieser Situation der Wille Gottes ist, das Gute und Vollkommene und Wohlgefällige!

[size=18]Die falsche Einheit als Methode der antichristlichen Irreführung[/size]

Wenn wir die endzeitliche Entwicklung nüchtern betrachten, müssen wir feststellen, daß gerade in diesen letzten Tagen eine betrügerische, unbiblische «Einheit» zu den wirkungsvollsten Verführungsparolen des Satans gehört.

Die satanische, widerchristliche «Einheit» wird in drei sich ausweitenden Kreisen propagiert.

* Der engste Kreis ist die unbiblische Einheit der «evangelikalen Christenheit» unter Einschluß von dämonischen Irrströmungen und Parteiungen wie liberalen Irrlehren oder charismatischen Strömungen. Diese falsche «Einheit» öffnet dem Feind die Tore, um seine falschen Lehren noch weiter auszubreiten und geistliche Blindheit auf viele Christen zu legen.

* Der nächste Kreis betrifft die sich verstärkenden Bestrebungen zu einer weltweiten und örtlichen «Einheit» der abgefallenen Namenschristenheit in der sogenannten «Ökumene». In dieser letztlich antichristlichen Sammlungsbewegung sind so gut wie alle Abweichungen vom gesunden Glauben vertreten, vom Katholizismus über liberale Theologie und dem «sozialen Evangelium» bis hin zu pfingstlich-charismatischen Irrlehren. Die Vereinigung all dessen, was sich äußerlich zum Namen Jesu Christi bekennt, aber innerlich vom Glauben längst abgefallen und nur menschlich-religiös ist, richtet sich im Grunde gegen unseren Herrn Jesus Christus.

Hier werden Weichen gestellt, die einmal zur Vereinigung mit der katholischen Kirche und zum Ausreifen der «Hure Babylon» führen dürften. Und doch mehren sich Stimmen scheinbar «evangelikaler» Christen wie etwa Billy Graham, die diese gottlosen Einigungsbestrebungen unterstützen und dem Betrug des Feindes Vorschub leisten. Die im Zeitalter der Reformation mit Blut verteidigten Wahrheiten des Evangeliums werden heute von treulosen Erben bedenkenlos preisgegeben um einer verführerischen «Einheit» willen, die den lebendigen Herrn und Erlöser ausschließt, um menschliche Größe und äußerliche Einheitlichkeit demonstrieren zu können

* Dem «Ökumenischen» Kreis der falschen, antichristlichen Einheit folgt mit innerer Konsequenz der noch weitere, noch offener antichristliche Kreis der «Einheit der Weltreligionen», der Dialog der abgefallenen Weltchristenheit mit den Gitzenreligionen der Heiden, der sich bis hin zu gemeinsamen «Gebeten» und «Gottesdiensten» versteigt. Auch hier dürfen wir die Entwicklungsspuren nach Babylon erkennen. Immer klarer zeigt sich heute, daß diese drei Kreise auf einer abschüssigen Bahn liegen: Wer der Verführung zu einer falschen Einheit erliegt, driftet immer mehr auf die satanische Vereinigung aller religiisen Kräfte unter antichristlichem Vorzeichen zu.

Doch am gefährlichsten für gläubige Christen ist die erste Stufe der unbiblischen Einheitsbestrebungen, die auf eine Vereinigung von irrgeistig verführten und bibeltreuen Christen hinzielt. Besonders in der Evangelisation sei eine Zusammenarbeit notwendig, ergänzt durch gemeinsame Gebetsaktivitäten und verstärkte gemeindliche Beziehungen. «Um der Sache Jesu Christi willen», so lautet die Argumentation, müßten unterschiedliche Lehrmeinungen zurückgestellt werden; um der «Liebe» willen solle man alles Trennende beiseitelassen.

[size=18]Die Wahrheit der Berliner Erklärung und das Versagen vieler heutiger Hirten[/size]

Diese vordergründig einleuchtenden Argumente haben immer mehr Verantwortliche in der Gemeinde benebelt und irregeführt. Sie sind zu Kompromissen bereit, die in Wahrheit der «Sache Jesu Christi» großen Schaden zufügen und den geistlichen Verfall und die Irreführung in der Gemeinde fördern. Sie haben damit gegen die klaren Anweisungen der Heiligen Schrift gehandelt und sind als Hirten an ihrem Herrn und der ihnen anvertrauten Herde schuldig geworden.

Es ist nur folgerichtig, daß gerade solche «Evangelikale», die die Abgrenzung zur Pfingstbewegung aufheben wollen, auch zunehmend offen für den «Dialog» mit der katholischen Kirche und für die antichristliche Ökumene werden.

Demgegenüber muß dankbar hervorgehoben werden, daß zu Anfang dieses Jahrhunderts Hirten und Verantwortliche der Gemeinde den Mut hatten, den dämonischen Charakter des Pfingstgeistes klar beim Namen zu nennen und auf der Grundlage der Heiligen Schrift eine Abgrenzung zu vollziehen, die den Gläubigen im deutschsprachigen Raum zum großen Segen geworden ist.

Die heute vielgeschmähte «Berliner Erklärung» von 1909 hatte einen geistlichen Damm aufgerichtet, der über Jahrzehnte die schwarmgeistige Irreführung in Grenzen hielt. Sie war ein vorübergehender Sieg des Lichts im geistlichen Kampf für den überlieferten Glauben, gerade weil sie jede Gemeinschaft mit Anhängern der Pfingstbewegung verweigerte und dem irrgeistigen Einbruch mit geistgewirkter Entschiedenheit entgegentrat.

Heute dagegen müssen wir nüchtern feststellen, daß dieser geistliche Schutzdamm ein für allemal gebrochen ist. Die «Berliner Erklärung» behält ihre Gültigkeit als Zeugnis der Wahrheit unvermindert bei; im Gegenteil, die heutige Entwicklung in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung unterstreicht nur, wie klar die Brüder damals im wesentlichen sahen. Aber die große Mehrheit der Gemeinden und Gemeinschaften, die damals die Berliner Erklärung unterstützten, hat sich von der geistlichen Klarheit ihrer Vorväter weit entfernt und driftet im endzeitlichen Sog des Verfalls und der Verführung weg von der Wahrheit der Schrift und weg vom Herrn der Gemeinde.

Diese Entwicklung ist nicht umkehrbar; es ist absehbar, daß am Ende nur noch eine kleine Minderheit der gläubigen Christen sich wirklich klar von der pfingstlich-charismatischen Verführung abgrenzt, während Scharen von Christen mehr und mehr unter den betrügerischen Einfluß dieses Irrgeistes geraten werden. Sie werden die klarstehende Minderheit als «Spalter» und «Agenten Satans» angreifen, als sture, wortklauberische Fundamentalisten, die Hindernisse für die von ihnen verfolgte schwarmgeistige «Einheit» bilden.

Diese Angriffe dürfen jedoch niemanden davon abhalten, um des Herrn willen an dem göttlich vorgezeichneten Weg der Absonderung von allem Bösen festzuhalten. «Deshalb laßt uns zu IHM hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir» (Hebr. 13,13f.).

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