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W+G und die JesusFreaks


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45 Antworten in diesem Thema

#41
Rolf

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Ok distanzieren ist also ungut !

Aber Unterschiede zwischen der eigenen Anschauung und der der anderen kann man natürlich gerne anbringen. Mich zum Beispiel kotzt die Lehre von Wort und Geist , soweit ich sie berurteilen kann an.

Im allgemeinen mag ich ja , diese Distanzierungssachen net. Aber in einigen speziellen Fällen kann es doch von Nöten sein . Als Beispiel : Wenn jemand behauptet man müsse sich grün anmalen und anderen das Ohrläppchen abschneiden wenn man den Heiligen Geist bekommen hat , dann werde ich mich von dieser Lehre distanziern .
(net ganz ernst gemeint)
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#42
Rolf

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wie wäre es mit einem seminar “umgang mit irrlehren” auf dem freakstock?

also ich finde das eine sehr schwierige frage. bisher stand ich immer auf seiten der charis, die regelmäßig von bühne und co runtergemacht wurden/werden (wegen zungenrede etc). das fand ich unmöglich. nun stehen erstmals die charis in der situation, wo sie sich entscheiden müssen, inwiefern sie sich distanzieren oder etwas kritisieren.

und mal abgesehen von der lehre: hier wird in der gemeinde definitiv schaden angerichtet. es geht jetzt nicht darum, ob w+g irgendein event in einem stadion veranstaltet, sondern sie zerstören gemeinden. und dagegen muss man sich wehren. nur wie?

die stellungnahme von rust finde ich sehr ausgeglichen, verglichen mit dem, was von bühne und consorten immer kommt.

ein fehler, der auf jeden fall gemacht wurde war, dass man helmut bauer in den gemeinden rumgereicht hat, ohne ihn zu kennen und zu hinterfragen - etwa in bezug auf karl pilsl, mit dem man vorher schon einschlägige erfahrungen gesammelt hatte.

soweit etwas stückwerk von mir
  • 0

#43
Rolf

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ok mal was eher allgemeines:
mal ein paar fragen zur bewertung und zu den zu ziehenden konseqenzen, die man abwägen muss:

* muss eine gefahr abgewendet werden, oder geht es um die erhaltung der reinen lehre? inwiefern sind die diskrepanzen bez. der lehre relevant, wird das zentrum des evangeliums angegriffen?

* geht die gefahr von einer/mehrerer personen aus oder von dessen lehre oder beidem?

* welche “frucht” bringt die sache? kommen menschen zum glauben oder werden nur menschen aus anderen gemeinden abgezogen? werden menschen dadurch positiv verändert?

* ist lüge etc im spiel?

* bin ich / meine gemeinde / freunde betroffen?

* in welcher position stehe ich (pastor, jugendleiter, “normales” gemeindeglied)?

* welche konsequenzen werden gezogen?
z.B.
1. ich lasse den/die betreffenden nicht mehr in meiner gemeinde lehren
2. ich kündige die zusammenarbeit auf
3. ich warne intern vor der gefahr
4. ich warne öffentlich davor
5. ich bin lediglich anderer meinung und bringe das zum ausdruck
  • 0

#44
Rolf

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Selbstkritik





Jesus Freaks tragen Mitschuld am Erfolg von „Wort und Geist“





Oktober/November 2009



In den letzten Jahren
haben Wort und Geist
ihr wahres Gesicht immer
mehr gezeigt. Dadurch sind
die Christen in Deutschland
langsam aufgewacht und haben
angefangen, sich zu positionieren.
Heute ist für die meisten
ziemlich klar, dass W+G eine
sektiererische Gruppierung
ist, und es entstehen Erklärungsmodelle
zu ihrem Erfolg.

Was mich an allen, die
ich kenne, ziemlich stört, ist
dass sie sich selber gegenüber
sehr unkritisch sind. Gemäß
dem Motto „Wische erst vor
der eigenen Tür!“ habe ich
mir in den letzten Jahren viele
Gedanken darüber gemacht,
welche Nährböden es wohl in
unseren Gemeinden gibt, die
den Erfolg von W+G möglich
machen, und bin dabei auf
ein Grundproblem gestoßen:

/ Entfremdung vomeigenen Geist /

Durch die zunehmende Hektik
des Lebens und durch die
ständige Informationsfl ut ist es
uns westlichen Menschen nur
noch schwer möglich, zur Ruhe
zu kommen. Leider gibt es
sehr wenige Stellen, die dieses
Problem erkannt haben und
noch weniger Stellen, die ihm
den Kampf erklärt haben. Diese
Ruhelosigkeit hat zur Folge,
dass wir die Funktionsweisen
unseres Geistes, der in meiner
Defi nition aus Seele, Gefühle
und Verstand und deren
Zusammenspiel besteht, nicht
mehr kennen. Bei vielen Menschen
geht das soweit, dass ihrem
gesamten Geist oder seinen
Bestandteilen völlig überfordert
werden und ihn als etwas
Störendes erleben. Der Wille,
sich mit sich selbst auseinander
zu setzen, geht verloren. Folglich
sind wir nicht mehr in der
Lage zur Selbstrefl exion und
können nicht mehr feststellen,
was gut und was schlecht
für uns ist. Wir sind eigentlich
nicht mehr lebensfähig.

Trotz aller Überfl utung von
außen ist es uns nicht möglich,
dieses gestörte Verhältnis mit
uns selbst zu „übersehen“. So
kommt es dann auch, dass die
westliche Gesellschaft mit allem
Möglichen versucht, diese
Störung zu überdecken. Nicht
wenige fl üchten sich dazu in
den Glauben. Da diese Störung
sich von Generation zu Generation
verschlimmert, haben
vor allem Gemeinden mit einer
Ausrichtung auf Jüngere einen
hohen Anteil an Besuchern,
die an der Unfähigkeit zur
Selbstrefl exion leiden. Kommt
dann noch eine Ausrichtung
auf die unteren Schichten
der Gesellschaft hinzu, so wie
bei den Jesus Freaks, wird der
Anteil noch höher. Wenn aber
diese Unfähigkeit zur Selbstrefl
exion auf den Glauben triff t,
kommt es oft zu einer ganz
ungesunden Symbiose. Auf der
einen Seite verlangt der Glaube,
dass man sich besser fühlt,
dass man sich weiter entwickelt
und dass man eine lebendige
Beziehung mit Gott hat, bietet
aber auf der anderen Seite
keine Konzepte dafür an, ja er
arbeitet sogar daran, dass die
Gläubigen den Bezug zu sich
selbst noch weiter verlieren.

/ Konfrontation mit dem Chaos in uns /

Eine gesunde Beziehung
zu Gott ist aber nur möglich,
wenn man zuerst eine Beziehung
zu seinem Geist hat. Um
sich auf Gott konzentrieren zu
können, muss man erst mal
selbst in eine Ruhe mit sich
kommen. Dabei stoßen wir
unweigerlich auf unseren ungehörten
Geist und zahlreiche
unterdrückte Bedürfnisse und
Ängste. Auf diese Konfrontation
mit dem Chaos in uns wird
auf sehr unterschiedliche Weise
reagiert. Die Bandbreite geht
vom Erschrecken und sich nie
wieder auf „Gott“ konzentrieren,
bis hin dazu, dass man von
allem, was man hört, glaubt,
dass es von Gott kommt.
Dabei wird eine Person, die
ihren Geist nie kennen gelernt
hat und keine Hilfe von
außen im Umgang mit ihrem
Geist bekommt, nach dieser
Ersterfahrung je nach Veranlagung
alle Komponenten des
Glaubens instrumentalisieren.

/ Lobpreis als Droge /

Die Bibel und die jeweilige
Religionssatzung werden zur
unantastbaren Leitlinie, damit
nicht mehr selber gedacht werden
muss, viele Wünsche unserer
Seele werden als von Gott,
dem Heiligen Geist oder Jesus
kommend und als unumstößlich
wahrgenommen und proklamiert;
und Lobpreis wird zu
einer Droge, um das gestörte
Gefühl für uns selber zu übertünchen.
Das Problem bleibt
dabei aber immer dasselbe; eine
wirkliche Beziehung zu Gott ist
nicht möglich. Der ganze Glaube
wird zu einem unfl exiblen,
brüchigen System, ohne das
man nicht leben kann, und das
deswegen bis aufs Blut verteidigt
werden muss. Da wir alle
unterschiedlich sind, kommen
dabei ganz widersprüchliche
Dinge zustande, die angeblich
alle direkt von Gott sind.

Wenn trotz allem eine weitere
Auseinandersetzung mit dem
Selbst stattfi ndet, bekommt
der eigene Geist etwas mehr
Spielraum, dadurch verstärkt
sich aber auch das Gefühl, dass
Selbstkritik
Jesus Freaks tragen Mitschuld am
Erfolg von „Wort und Geist“
etwas nicht stimmt. Das führt
dazu, dass viele Leute immer
mehr in die Extreme gehen,
um dieses ungute Gefühl loszuwerden.
Genau an dieser Stelle
haben sich W+G positioniert.
Dieser Gruppierung ging
es nie darum, Menschen für
Gott zu gewinnen. Sie haben
von Anfang an bei anderen
Gemeinden gefi scht, indem
sie dieses Spiel, welches wir
begonnen haben, auf eine weitere
perversere Ebene gebracht
haben. Sie erklären alles, was
den Geist ausmacht, für nicht
relevant, ja sie rufen sogar dazu
auf, ihm nicht zu glauben. Die
Unfähigkeit, seinen Geist zu erkennen,
wird also zur höchsten
Disziplin erklärt. Damit werden
sie genau für die Leute attraktiv,
die ihren Geist als
Feind wahrnehmen
und versuchen,
ihn in
den
ganzen
christlichen
Mechanismen
zu ertränken. Es wird
damit geködert, dass man
sich gar nicht mehr mit seinem
Geist auseinandersetzen muss,
und es werden die „Drogen“1
erhöht und ein „Stellvertreter
Gottes“2 eingesetzt. Zusätzlich
dazu werden die Lehreinheiten
sehr Richtung Gehirnwäsche
gehalten, so dass die Besucher
zwar den Auftrag bekommen,
etwas zu sein, es wird aber nie
näher defi niert, was sie sein
sollen. Ich weiß nicht, ob es
möglich ist, dass man den
Zugang zu seinem Geist bei
einem Menschen völlig zerstört,
ich denke aber, dass W+G das
sehr professionell anstrebt. Sie
schaff en willenlose, ständig
grinsende Zombies, die alles
zu verlieren scheinen, was
einen Menschen ausmacht.

/ Paradies für gebeutelte Leiter /

Dass wir diese Feindschaft zu
unserem Geist nie aufgearbeitet
haben und unsere Mitglieder
nicht zu mündigen Menschen
erzogen haben, die im Einklang
mit ihrem Geist leben,
rächt sich also gerade bitterlich,
hat aber noch eine weitere
Sache zur Folge, die gerade
uns Freaks in Bezug auf W+G
verantwortlich macht. Viele
prägende Leiter bei W+G stammen
aus unseren Reihen, waren
oftmals auch prägende Leiter
bei uns. Natürlich ist klar, dass
viele von ihnen dieselbe Unfähigkeit
im Umgang mit ihrem
Geist haben wie wir alle, aber
die hohe Leiterfl ucht hat noch
einen anderen Grund. Ein
Mensch, der nicht mit seinem
Geist im Einklang lebt, tut sich
sehr schwer damit, zu vertrauen,
weil er keine Sicherheit und
keine Parameter hat, an denen
er wirklich festmachen kann,
was ihm gut tut. Deswegen
haben wir Jesus Freaks uns
unseren Leitern gegenüber sehr
respektlos verhalten und ihnen
das Leben
un- glaublich
schwer
gemacht.
W+G hat mit
ihrem Leiterkult
dann eine
wahres Paradies
für gebeutelte
Leiter
geschaff en
und so hat
eins zum
anderen
geführt.
Ich glaube,
es werden in
nächster Zeit noch
viele sich aus den
unterschiedlichsten
Motiven heraus die
Entfremdung der Menschen
von ihrem Geist zunutze
machen. Deswegen sollten
wir endlich damit anfangen,
unseren Leuten ihren Geist
näher zu bringen, auch wenn
wir damit Gefahr laufen, uns
viele mündige Persönlichkeiten
zu schaff en, die mit
vielem, was wir tun, vielleicht
nicht einverstanden sind.

M. Anderfuhren



1 Es wird eine Lobpreisatmosphäre
geschaffen, in der die Privatsphären
nahezu nicht mehr vorhanden sind.
Es darf angefasst, umarmt usw. werde.
Dazu werden die ganzen Familienstrukturen
Stück für Stück aufgelöst,
so dass man jederzeit an die
volle Dosis Liebe kommen kann.
2 Da Gott nicht erreichbar ist für
die Leute, werden Menschen an
seine Stelle gesetzt. Aus diversen
Predigten kann man entnehmen,
dass die Meinungen von H. Bauer,
T. Voss oder A. Irmscher immer elementarer
werden und dass ein richtiger
Kult um die Personen entsteht.
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#45
Rolf

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Bei Wort + Geist kann die Eigenverantwortung abgegeben werden






Interview mit Solveig Prass, Sektenbeauftragte der unabhängigen Eltern- und Betroff enen-Initiative gegen psychische Abhängigkeit Sachsen e.V. in
Leipzig (www.ebi-sachsen.de)



Frau Prass, ist die Wort-und-
Geist-Bewegung eine Sekte?


Wenn man es von der klassischen
Defi nition her sieht
als Loslösung von der Kirche
könnte man sagen „ja“, ich
stufe sie allerdings als „konfl
iktträchtige Gruppe ein“,
weil es negative und positive
Sekten gibt. Wenn man zum
Beispiel die Sektencheckliste
der Kultusministerien nimmt,
kann man sehr viele Punkte
fi nden, die da übereinstimmen
und man sollte schon bei
einem ‚Ja’ vorsichtig sein. Und
wenn ich dieses Schwarz-Weiß-
Denken sehe, „wir sind die
Guten, die anderen sind die
Schlechten“, dann wird das
schon deutlich. Außerdem hat
man eine Führungsfi gur, auf
die alles ausgerichtet ist: Die
Gruppe ist nicht mehr auf das
Geistliche ausgerichtet, sondern
eben auf die Person, und
das ist bei so einer Gruppe in
einem derartig geschlossenen
System ziemlich gefährlich.
Ist das eine Gefahr, sich sozial
zu isolieren oder gibt es
da noch größere Gefahren
für Mitglieder der Gruppe?
Das erste ist die mögliche
soziale Abgrenzung aus der
Gesellschaft und das andere
ist, dass ein Angstglaube
auftritt: dass man sozusagen
glaubensmäßig regelrecht
unter Druck gesetzt wird. Dass
man Angst hat, im Glauben
zu versagen. Und das ist für
den Menschen in seiner Psyche
sehr gefährlich. Glaube sollte
eigentlich lebensunterstützend
sein, gesellschaftsfördernd sein,
und das kann ich zur Zeit bei
dieser Gruppe nicht erkennen.
Wort und Geist behauptet
aber: Bei uns wird niemand
unter Druck gesetzt, im Gegenteil,
wir zeigen ein Gottesbild
auf, das frei macht?

Wer sich die W+G-Predigten
im Internet anhört und weiß,
mit welchem Druck dort
gearbeitet wird, der kann nicht
mehr sagen, ja das ist freiwillig
und für den Menschen frei
zu entscheiden, wie er sich
dann danach verhält. Es ist ein
absoluter Druckaufbau, der
dem Menschen seine Entscheidungsfreiheit
nimmt.

Wie wird dieser Druck aufgebaut?

Es gibt Psychotechniken, wenn
ich mit einer ständigen Wortwiederholung,
einer überdimensionalen
Lautstärke arbeite,
dann frisst sich das in den Kopf
rein. Dies ist bei den Predigten
ganz klar der Fall. Parallel dazu
wird dem der zuhört unterstellt,
wenn es bei ihm nicht funktioniert,
dass er selbst schuld
ist. Es fi ndet also eine geistige
Isolierung statt.
Nun könnte man
vermuten, dass
es vor allem labile
Menschen betriff t,
aber da sind ja auch
christliche Führungskräfte
unter denen, die zu W+G
gewechselt sind: Leiter, Pastoren.

Was bringt Erwachsene, selbstständige
intelligente Menschen dazu, da mitzumachen?


Das ist ähnlich wie bei anderen
konfl iktträchtigen Gruppen,
es gibt eine psychologische
Erklärung nach Festinger, wonach
eine kognitive Dissonanz
hervorgerufen wird. Mir wird
suggeriert, dass mir ohne diese
Gruppe etwas fehlt. Die Person
hat dann eine Dissonanz, die
sie ausgleichen möchte. Ein
Beispiel zur Verdeutlichung:
Man nimmt immer ein und
dasselbe Waschmittel und
nach zehn Jahren ist auch das
schönste weiße T-Shirt vergraut.
Das ärgert einen und dann
wird einem in der Werbung
suggeriert: „mit dem anderen
Waschmittel ist es viel besser“.
Das ist eine kognitive Dissonanz,
die die Werbung hervorruft,
und dann kauft man
dieses Waschmittel, weil man
das T-Shirt retten möchte. Und
genau mit diesen Methoden
arbeiten solche Gruppierungen.
Und nicht nur bei W+G sind
intelligente Leute. Da gibt’s
Gruppierungen, die viel bekannter
sind, wie zum Beispiel
der Psychokult Scientology,
auch da sind wissenschaftliche
Köpfe mit drin, das macht
vor keiner Gruppe halt.

Was ist das Werbeversprechen, das W+G macht? Ein Christentum
ohne Enttäuschungen?


Den Himmel schon jetzt hier
auf Erden. Das ist natürlich etwas,
was jeder Mensch gerne
hätte. Aber es ist eben
nicht der Himmel
schon auf Erden. Also gibt es
hier ein falsches Versprechen.
Das andere ist, und da verstoßen
sie gegen die Gesetzeslage
und man muss es noch prüfen
im strafrechtlichen Bereich: sie
geben Heilungsversprechen.
Sie versprechen Heilung von
Krankheiten. Das ist strafrechtlich
relevant. Stellen Sie sich
vor, Sie sind schwer erkrankt
und vielleicht austherapiert,
und dann ist da so eine Gruppe,
die sagt, wenn du nur stark
genug glaubst, dann bist du
geheilt. In dem Moment wo
ich sage, durch uns geschieht
Heilung, das andere brauchst
du nicht mehr, setzen die
Leute natürlich ihre Medikamente
ab – das muss nicht
mal off en gefordert werden.

W+G hat also Ähnlichkeiten mit anderen konfl iktträchtigen
Gruppen. Gibt es auch etwas, was neu ist?


Die Tendenz zur Gleichstellung
mit Gott bei den Führungspersonen.
Viele Sektenführer
bezeichnen sich als Sprachrohr
Gottes, als Medium oder wie
beim „Universellen Leben“,
da spricht Jesus halt durch
die Führerin. Bei W+G ist
einfach eine absolute Überhöhung
der Führungsfi gur.

Warum hat W+G so einen Erfolg bei evangelikalen und charismatischen Christen gleichermaßen?

Der Mensch ist zur Zeit in der
Gesellschaft ziemlich auf sich
allein gestellt. Er braucht ein
soziales Gefüge, wo auch mal
jemand dasteht und sagt „Ich
weiß, wo’s lang geht.“ Und
es gibt Menschen, die brauchen
nach ihrem eigenen
Dafürhalten ein ganz hartes
Gefüge, wo sie Verantwortung
abgeben können. Hier
bei dieser Gruppe kann die
Eigenverantwortung komplett
abgegeben werden. Und damit
bewegt es sich natürlich in
einem solchen gesellschaftlichen
System viel besser.
Es hat also nichts damit zu
tun, dass evangelikale und
charismatische Christen anfälliger
wären für solche Kulte?
Ich glaube, W+G wirbt verstärkt
in diesen Reihen, weil
sie den gleichen „Dialekt“
haben. In einer atheistischen
Umgebung damit zu werben,
wäre schwieriger – die sprechen
verschiedene Sprachen.
Aber ich denke auch, dass
zum Beispiel in lutherischen
Kirchen genauso geworben
werden könnte. Wo es verhältnismäßig
leicht ist zu werben,
ist gerade bei jungen Leuten.
Wenn man sich anschaut, wie
viele junge Leute bei den Jesus
Freaks mit dabei sind, vielleicht
sogar hauptsächlich junge
Leute, die noch ihre Identität
suchen, die selber noch nach
dem richtigen Glauben suchen,
was normal ist, und in dieser
Situation kommt jemand daher
und sagt „Ich hab’s, hier ist
mein Erfolgsrezept, das einzig
Wahre“, dann können die
ziemlich schnell nachfolgen.

Was kann ich denn machen, wenn ein Freund von
mir auf einmal nur noch W+G-Predigten hört und da
immer mehr reinrutscht?


Man sollte nie selbst versuchen
mit dieser Person zu
diskutieren, sondern diese
Person einem Außenstehenden
antragen, so dass, wenn
diskutiert wird, er hinterher
auch aufgefangen werden kann.
Man sollte Fragen stellen, so
dass er anfangen muss wieder
nachzudenken. Das ist ja
das, was viele Gruppen ihren
Mitgliedern nehmen und es
ist ja auch eine gezielte Aussage
von W+G: „Den Verstand
abschalten“. Man muss bei
demjenigen versuchen, das
Denken wieder einzuschalten.
Das heißt nicht, dass man
ihm den Glauben nehmen
soll, aber er sollte ein gesundes
Verhältnis zwischen Glauben
und Wissen wieder kriegen.

Aber ein Betroffener wird ja kaum zu einer Beratungsstelle
gehen, solange er es als eine Bereicherung empfindet?


W+G ist eine verhältnismäßig
junge Gruppe. Es werden dort
Leute aussteigen. Und derjenige,
der im Kopf beginnt auszusteigen,
der sucht sich dann
schon Beratung, weil er weiß,
dass es schwierig ist. Denn es
geht auch darum: wenn sie
sozial ausgegrenzt sind, keine
Kontakte mehr haben, dann
begleiten wir Aussteiger aus
Gruppen, bis sie wieder Fuß
gefasst haben im sozialen
Leben und nicht nur, bis sie
die Ideologie verarbeitet haben
oder was ihnen passiert ist.

Fallen die Aussteiger dann nicht in ein Riesenloch?
Können sie dann noch anirgendetwas glauben?


Es ist sehr häufi g, dass sie dann
dem christlichen Glauben
insgesamt den Rücken kehren.
Deswegen arbeite ich gerne
mit Kirchgemeinden zusammen,
die gerade aus solchen
Gruppierungen Aussteiger
einfach mal annehmen. Und
wenn ich mit ihnen, mit den
Ausstiegswilligen anfange, sage
ich ihnen immer, dass man den
Glauben nicht wegwerfen darf,
nur weil man dem falschen
Propheten nachgelaufen ist.

Was sollten Jesus-Freak-Gruppen tun, wenn Leute von
W+G zurück kommen und wieder Anschluss suchen?


Es sollte auf jeden Fall geprüft
werden, kommt er tatsächlich
zurück oder kommt er, um zu
werben? Ansonsten empfehle
ich den Jesus Freaks, als eine
verhältnismäßig off ene Gruppe
mit einem sozialen Bewusstsein,
demjenigen natürlich nicht
die Tür zu verwehren, sondern
ihn einzulassen. Und was man
dann machen muss, ist mit
ihm reden. Man muss auch
dann, wenn er nicht in eine
Beratungsstelle geht, es schaffen,
dass er anfängt zu denken.
Und man sollte nicht sagen
„Siehste, das haben wir dir doch
gleich gesagt.“, weil sonst geht
die Mauer hoch. Sondern man
sollte sich freuen, dass derjenige
aus dem gesellschaftlichen
Abseits wieder zurück ist.

Welche Rolle spielt das Geldverdienen bei W+G?

Wenn Sie zum Beispiel Predigt-
CDs kaufen, wenn sie in die
Bibelschule gehen, das muss
alles teuer bezahlt werden. Hier
steckt ein richtiges Finanzsystem
dahinter und das ist
ziemlich ausgeklügelt. Ich gehe
soweit in dem Vergleich, dass
man sagen kann, psychokultartig
aufgebaut mit dem Schulungssystem,
das mich an Scientology
erinnert, nur hier ist
es im christlichen Bereich und
Scientology ist eine Patchwork-
Ideologie, aber das System des
Geldfl usses ist schon ähnlich.

Derzeit gibt es viel Kritik von anderen Christen an
W+G. Glauben Sie, dass Röhrnbach damit konstruktiv umgeht?


Nein. Wort und
Geist hat keine
Kritikfähigkeit und
keine Konfliktfähigkeit.
Ganz im Gegenteil,
sobald man diese
Gruppe kritisiert,
wird man überdimensional,
also juristisch
belangt. Es wird
sich aber nicht in
dem Bereich mit der
Kritik auseinandergesetzt,
sondern es wird
verlangt, dass man
schweigt, das ist das
Ergebnis, was W+G
erreichen möchte,
und das ist wieder ein
ganz wichtiges Merkmal
für eine konfl iktträchtige
Gruppe.

Sehr viele Leute, die gerne zu W+G
etwas sagen möchten, trauen sich nicht,
weil sie Angst davor
haben, dass sie vor
den Kadi gezogen
werden. Es ist demzufolge
auch schwer,
mit Menschen, die
mit W+G in Berührung
kamen, noch
mal reden zu können.
W+G stellt sich selbst
mit dieser Konfl iktunfähigkeit
ins Abseits. Denn
so würde man ja wenigstens
noch miteinander ins Gespräch
kommen, und gerade kritische
Punkte sollte sich W+G dann
doch anhören, man könnte
sie dann auch abstellen.

Begründen W+G nicht ihre Kritikresistenz nicht
mit ihrer Ideologie?


Natürlich, sie sind die
Überflieger, wir anderen sind
ja alle unwissend, das ist in der
Ideologie der Gruppe mit drin.
Aber selbst wenn das in dieser
Ideologie mit drin ist, frage
ich mich, selbst wenn ich so
ein Übermensch bin, weshalb
stehe ich dann nicht über den
Konfl ikten und ziehe die, die
Kritik üben, vor den Kadi? Also
christlich fi nde ich das nicht.


Interview: Frank Hartkopf
Buchtipp: Margaret Thaler Singer,
Janja Lalic: „Sekten: Wie Menschen
ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen
können“ Carl-Auer-Systeme Verlag 1997.

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#46
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Wort + Geist





Alle reden über Helmut






Wie ich zu Wort und Geist kam und nicht blieb


Nach meinem Wegzug
aus Nürnberg
2004 war ich
ganz ohne Gemeinde. Die
Umstellung wurde ziemlich
schwierig, denn die Gemeinschaft
bei den Nürnberger
Freaks war besonders gesegnet.
Ich erlebte alleine in meiner
Wohnung die wichtigste
Glaubenskrise meines Lebens.
Ich habe verzweifelt gebetet
und sogar gefastet, dann kriegte
ich eine Off enbarung: Ich war
durch Jesu Werk am Kreuz
eine neue Schöpfung! Und dass
ich frei von meiner sündigen
Natur war, weil Jesus den Preis
bezahlt hatte, ein für allemal!
Es kam aus dem Nichts und
veränderte mein Leben.
Ich erzählte es Leuten von
den Freaks, die mir sagten:
„Du solltest dir Wort und
Geist angucken, sie erleben in
Röhrnbach das Gleiche!“ Das
hat mich tierisch gefreut. In
der Zwischenzeit wohnte ich in
Hamburg und besuchte erfreut
ein Seminar von Helmut Bauer,
dem Pastor der Röhrnbacher
W+G-Gemeinde. Die Diskussionen
hatten damals noch
nicht wirklich angefangen.

Ein fröhlicher 08/15-Typ
stand auf der
Bühne. Die
Leute dort
wollten möglichst
nahe
an der Bühne sitzen, da die Salbung
in seiner Nähe stärker sei.
Ich spürte Gottes Gegenwart,
aber keinen Unterschied, ob
ich bei Helmut war oder nicht.
Während seiner ziemlich coolen
Predigt kam eine Spinne von
der Decke runter bis zu seinem
Kopf. Im Licht der Strahler
konnte man ihren Faden gut
sehen. Ich und meine Freunde
haben gelacht, aber die Leute
vor uns meinten, voller Ehrfurcht:
„Guck mal, seine Verbindung
zu Gott ist sogar sichtbar!“
Und das war kein Witz.

Ich dachte, dass die Leute keine
besondere Gabe der Weisheit
hatten, aber ich fand’s lustig.
Kurz danach hatte ich einen
Traum, etwas warnte mich vor
Wort + Geist: die Th eologie,
die dort gepredigt wurde, war
gut und megawichtig, aber
irgendetwas stimmte da trotzdem
nicht. Ich besorgte mir
aber weitere Predigten aus
Röhrnbach und schrieb mich
für die Bibelschule dort ein.
In Röhrnbach spürte ich die
Gegenwart Gottes in den Räumen
und auch eine Salbung auf
den Rednern, aber nicht besonders
auf Helmut. Außerdem
fand ich den Lobpreis total
spackig, es ging stets um ICHICH-
ICH: „Ich bin aus Gott
... Ich kann alles“ usw. Das
konnte ich noch stehen lassen,
aber als uns wieder gesagt wurde,
wir sollen unseren Verstand
ausschalten, schrie alles in
mir: „Bloß nicht! Geist und
Verstand gehören zusammen!“
Alle redeten über Helmut,
was für ein toller Mensch er
war usw. Dabei sah ich nur
einen Mann, der gut drauf war,
Jaguar fuhr, teuer angezogen
war und ziemlich gut reden
konnte.

Über die
Leute dachte
ich nur:

Ach, sie
sind Deutsche, sie wollen
bloß einen neuen Führer.“


Dann wurde es uns klar
gesagt, dass wir unseren
Gemeinden verlassen sollten,
wenn diese etwas gegen
Wort und Geist sagen würden.
Wortwörtlich. Krass.
Die folgenden Gemeindespaltungen
kamen mit einer
solchen Arroganz, wie ich es
noch nie erlebt habe. Ein Leiter
aus Nürnberg rechtfertigte
sich, als ich ihn fragte, wo die
Liebe geblieben
sei: „Wir
erleben eine
Salbung der
Freude. Die
Liebe kommt
vielleicht
irgendwann,
aber
jetzt ist
die Freude
an- gesagt.“
Voll unjesusmäßig,
was da abging.

Aber na gut,
auch die Jesus
Freaks hatten am
Anfang Scheiße gebaut.
Mir wurde aber klar, dass
diese komische Sache, die sich
bei Wort und Geist eingemischt
hatte, nicht von Gott
war, obwohl die Off enbarung
des Geistes am Start war. Ich
hörte mir immer noch Predigten
von W+G an, fand die
Art und Weise, wie die Leute
sie umsetzten, aber voll scheiße.
Dann wurden die Inhalte
immer schräger und sie wurden
gepredigt und gelehrt, als
wären sie die Wahrheit! Das
konnte ich nicht stehen lassen!

Seit fünf Jahren wird bei
W+G immer das Gleiche gepredigt,
die Bibel weniger zitiert,
in letzter Zeit nicht mal über
Jesus geredet, sondern nur über
Helmut. Ich hoff e nun, dass
jeder Christ das Gute von Wort
und Geist behalten wird, denn
die „Grundlehre“ ist das Wichtigste,
was ich je in meinem
Glaubensleben erlebt habe, und
das unabhängig von W+G!
Mik Clottu (29) ist Schweizer und
wohnt auf Facebook. Er besucht
Underground-Gemeinden in Europa
und lebt zur Zeit von Spenden
und Predigen. Er ist seit 2000 mit
den Jesus Freaks unterwegs.



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