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Wie wörtlich ist die Bibel zu nehmen?


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Rolf

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Wie wörtlich ist die Bibel zu nehmen?





Über den Autor
Frank Schulz arbeitet als Buchhalter in der Lebensmittelindustrie. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören Altes Testament, Heilsgeschichte, Bibelauslegung und Fragen zur Beziehung von Gott zu den Menschen und den Menschen untereinander. Frank ist verheiratet und hat drei Kinder. Er wohnt mit seiner Familie in Schleswig-Holstein.


Frage von NN:
"Eine Frage, die ich mir oft stelle, ist: Wie wörtlich ist die Bibel wirklich zu nehmen?"
Da die Bibel Gottes Wort ist, und wir deshalb nicht frei über ihren Inhalt verfügen können und dürfen, sollte man die Bibel so wörtlich nehmen, wie sie es selber bezeugt. Oft gibt es jedoch Schwierigkeiten bei der Auslegung - dem Versuch, die Bedeutung der Worte zu erkennen.



Wörtlich oder nicht?


Alle Verse in der Bibel müssen wörtlich genommen werden. Es gibt allerdings Unterschiede in der Motivation und in der Zielsetzung der einzelnen Aussagen. So gibt es Prophetien in der Bibel, die buchstäblich genau so eingetroffen sind, wie sie in der Prophezeiung ausgesprochen wurden. Dafür ein Beispiel: In 2.Könige 9,30-37 lesen wir die Erfüllung einer Prophezeiung aus 1.Könige 21,23. Es ist hier alles so geschehen, wie man es aus den Sätzen in 1.Könige 21,23 hat entnehmen können.

Es gibt aber auch Prophezeiungen, die sich anders erfüllt haben, als man dies beim ersten Lesen oder Hören hätte vermuten können. Solche Prophetien hatten eine geistliche Motivation und eine geistliche Zielsetzung. Als Beispiel einer geistlich motivierten Bibelstelle möchte ich die Elia – Prophezeiung aus Maleachi 3,13-24 anführen. In Matthäus 17,10 wird Jesus von den Jüngern gefragt, ob Elia nicht zuerst kommen müsse. Sie reagieren damit auf die Erscheinung in den vorausgegangen Versen, bei der sie Mose und Elia mit Jesus gesehen hatten. Jesus bestätigt ihnen, dass Elia kommen würde, um alle Dinge wiederherzustellen und teilt ihnen gleichzeitig mit, dass dies schon geschehen sei. Die Jünger verstanden daraufhin, dass er von Johannes dem Täufer sprach. Diese Tatsache wird hingegen von Johannes selber vehement bestritten (Johannes 1,21).

Der Schluss, der daraus zu ziehen ist, findet sich in Lukas 1,17: Jesus und später auch die Jünger gingen nicht von einem leiblichen Wiedererscheinen des Elias aus, sondern von einem geistlichen. Dies stand im Widerspruch zur allgemeinen Ansicht der damaligen Theologie (Matthäus 17,10), in der eine wörtlich-leibhaftige Erfüllung gelehrt wurde.



Leitlinien zur Bibelauslegung

(a) Der Heilige Geist

An erster Stelle für eine richtige Bibelauslegung steht der Heilige Geist. Dieser Geist führt uns in alle Wahrheit (Johannes 16,12-15). Das Wort Gottes ist im Gegensatz zu uns Menschen geistlich (Römer 7,14) und muß daher auch geistlich beurteilt und ausgelegt werden (1.Korinther 2,14-16). Deshalb ist der Heilige Geist für die Auslegung der Bibel letztlich unerlässlich.

Weiter ist er das wesentliche Merkmal für eine Zugehörigkeit zu Gott (Römer 8,9) und damit zum richtigen Schriftverständnis. Da der Heilige Geist der Geist Gottes ist, ist es im Grunde Gott selber, der uns hilft, die Schrift zu verstehen. Es ist also folgerichtig, vor dem Studium der Bibel Gott um Hilfe für das Verständnis zu bitten.

Jeder Versuch, die Bibel ohne Gott verstehen zu wollen, läuft Gefahr, den Inhalt durch eigene Vorstellungen zu verfälschen oder zumindest zu verzerren. Dies gilt sowohl für Menschen, die den Heiligen Geist haben als auch für diejenigen, die ihn nicht haben. Gott möchte, dass wir sein Wort in einer demütigen Haltung in Abhängigkeit von ihm lesen.


(b) Exegese

Neben der Grundvoraussetzung des Heiligen Geistes gibt es noch andere Kriterien, die für eine gründliche Auslegung der Bibel hilfreich sind.

Der erste Teil wird "Exegese" genannt und beschreibt das sorgfältige und systematische Studium der Bibel mit dem Ziel, die ursprüngliche vom Autor beabsichtigte Bedeutung der einzelnen biblischen Texte zu entdecken. Sie ist im wesentlichen eine historische Aufgabe mit dem Ziel herauszubekommen, was die ursprüngliche Absicht der Verse war. Oft wird man hier die Hilfe eines "Experten" benötigen - also eines anderen Menschen, Bibellexikons oder guten Kommentars, der die nötige Ausbildung bzw. Informationen über die ursprüngliche Sprache und den historischen Rahmen verfügt.

Wie die gesamte Jesus-Nachfolge ist auch die Auslegung der Bibel ein Lernprozess, den man durchlaufen muss, um erfolgreich zu sein. Wir müssen lernen, wie man die Verse der Bibel sorgfältig liest und die richtigen Fragen an sie stellt.

Es gibt zwei grundlegende Bereiche an Fragen, die man zu jedem biblischen Text stellen sollte:


Die Frage nach dem Zusammenhang (Kontext)

Die Frage nach dem Inhalt

wobei sich die Frage nach dem Kontext noch in einen historischen und einen literarischen Bereich einteilen lässt.


© Der historische Kontext

Der historische Hintergrund ist von Buch zu Buch natürlich unterschiedlich. Er hat mit der Zeit und der Kultur des Verfassers und der Empfänger zu tun. Weiter ist er für den Anlass des Buches sehr oft von großer Bedeutung, da Gott ja beispielsweise seine Propheten aufgrund eines historischen Ereignisses sendet. Aus dem historischen Zusammenhang ergibt sich oftmals der Zweck eines biblischen Buches.
Deshalb ist es wichtig zu wissen, was in Israel oder in der Gemeinde vorging, das es nötig machte, ein inspiriertes Buch dafür zu verfassen. Die Antwort ist meist im biblischen Buch selber zu finden, wobei hier allerdings ein offenes und geschultes Auge für diese Thematik notwendig ist.


(d) Der literarische Kontext

Dieser Punkt ist im Prinzip das, was die meisten Menschen meinen, wenn sie davon reden, dass etwas im Zusammenhang gelesen und verstanden werden muss. Glücklicherweise ist dies in den meisten Fällen ohne die Hilfe eines "Experten" möglich.
Eigentlich bedeutet der literarische Kontext nur, dass die Worte im Kontext des Satzes und der Satz im Kontext der Sätze davor und danach betrachtet und verstanden werden müssen. Die Fragen, die man hier stellen muss, sind:


Was ist der Inhalt meines Abschnittes?

Was will der Autor hier sagen und weshalb sagt er es ausgerechnet an dieser Stelle?

Die Fragen sind sicherlich von Buch zu Buch unterschiedlich. Sie müssen jedoch gestellt werden, da der eigentliche Sinn der Exegese ja ist, herauszufinden, was der Autor eigentlich sagen wollte.


(e) Der Inhalt

Inhalt meint in diesem Falle die Bedeutung der Worte und den Aufbau der Sätze in Stil und Grammatik. Hier sind auch die unterschiedlichen Textgrundlagen der Handschriften zu beachten, wenn sie unterschiedliche Lesarten bieten. Um solche Dinge klären zu können, muss man entweder selber in den Sprachen und in der Kultur bewandert sein, oder die Hilfe eines Lexikons oder eines Kommentars in Anspruch nehmen.


(f) Hermeneutik

Mit Hermeneutik meine ich in diesem Falle die Übertragung des Inhalts auf die aktuelle Situation für uns. Exegese schafft sozusagen die Grundlagen für das weitere Vorgehen im Bibelstudium. Von der ursprünglichen Situation des Autors und der Empfänger wird der Schritt zum "Heute" vollzogen. Dies ist wahrscheinlich der Grund, aus dem die meisten Menschen überhaupt die Bibel lesen. Sie wollen die Bedeutung für ihre eigene Lage herausfinden.

Die Exegese hat dabei den Zweck, dass man mit ihrer Hilfe die eigene Hermeneutik kontrollieren kann. Damit möchte ich nicht ausschließen, dass der Heilige Geist nicht auch durch das reine Lesen des Verses wirkt. Dieses "erbauliche" Bibellesen sollte aber nicht das Übergewicht bekommen. Die meisten Irrlehren entstehen durch eine Auslegung, die nicht durch eine sorgfältige Exegese kontrolliert wird. Findet dies nicht statt, ist der Willkür keine Grenzen gesetzt und jeder kann in der Bibel all das finden, was er gerne möchte. Gewiss bewahrt uns Gott vor viel Unsinn und unser "gesunder Menschenverstand" verhindert oft das Schlimmste, doch können wir nicht jedem Vers die Bedeutung geben die uns in den Sinn kommt und es dann dem Heiligen Geist zuschreiben.

Abschließend ist mir ein Satz noch wichtig: Ein Vers oder ein Abschnitt kann nicht etwas bedeuten, das er niemals bedeutet hat. Die richtige Bedeutung liegt also in dem, was der Vers ausgesagt hat, als er zum ersten Mal aufgeschrieben wurde.



Fazit

Um zu erkennen, wie und in wie weit Gott in der Bibel Aussagen, Aufforderungen und Warnungen für unser Leben hat aufschreiben lassen, kommen wir nicht umhin, uns mit Gott und der Bibel auseinanderzusetzen. Er lässt uns dabei nicht alleine. Jeder Christ hat den Heiligen Geist und damit die Möglichkeit, die Bibel zu verstehen (Beispiel: Jeremia 31,34, 1. Johannes 2,20-21 und Hebräer 8,11). Allerdings kommt es darauf an, ob wir Gott und seinem Wort glauben oder nicht. Dies ist die Grundvoraussetzung für ein richtiges Verständnis. Dann aber ist das richtige Verstehen der Bibel zwar ein Prozeß, aber keine "Geheimwissenschaft", wie Paulus deutlich macht:


Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr lest und auch versteht. Ich hoffe aber, ihr werdet es noch völlig verstehen ...
2.Korinther 1,13


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