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Wir sind alles wundervoll gebrochene Menschen


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Rolf

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Nadja Bolz-Weber: »Wir sind alles wundervoll gebrochene Menschen«





01.10.09


Von: Agnes Goßler


Diese Frau ist eine eher ungewohnte Erscheinung ihrer Zunft: Nadja Bolz-Weber sieht man ihr Pastorendasein wahrlich nicht an. Tattoo-übersät und mit Dreadlocks-Mähne sitzt die lutherische Pastorin– und Gemeindegründerin uns in einem Berliner Gemeindebau gegenüber. Hier im Zentrum des bürgerlichen Gemeindelebens prallen Welten aufeinander.


Agnes Goßler: Nadja, dein Nachname klingt sehr deutsch, hast du deutsche Vorfahren?
Nadja Bolz–Weber: Ja, Bolz –mein Mädchenname– ist tatsächlich ein deutscher Name. Ich hab ihn vom Vater meines Stiefvaters. Und der Nachname meines Mannes ist deutsch, weil seine Verwandtschaft aus Deutschland kommt. Zu den zwei deutschen Nachnamen kommt dann noch ein russischer Vorname.


Dafür, dass du Pastorin bist, trägst du auffällig viele Tattoos. Wie verträgt sich das mit der Einstellung deiner Gemeinde?
Ich bin Pastorin in einer besonderen Gemeinde, in der es nicht unnatürlich ist, Nasenringe oder Tattoos zu tragen. Viele meiner Gemeindemitglieder haben auch welche! Die meisten Tattoos beschreiben das Kirchenjahr – also besondere Feste wie Ostern und Weihnachten.


Sich Tattoos stechen zu lassen ist ja sehr schmerzvoll. Gibt es da eine Gemeinsamkeit zwischen deinem Äußeren und deinem Inneren? Also dir bewusst Schmerzen zuzuführen.
Ja, für mich sind Tattoos etwas, was man aus dem Inneren nach Außen bringt. Ich habe mit 17 angefangen mich tätowieren zu lassen, was für die Zeit schon sehr verrückt war. Das hat kein junges Mädchen in meinem Alter getan. Ich wollte der Gesellschaft zeigen, dass ich kein Teil von ihr bin. Tattoos waren nicht gerne gesehen seinerzeit.

Für mich hat das „Branding“ aber auch einen geistlichen Hintergrund. Als Kind bin ich in eine sehr konservative und altmodische Kirche gegangen und wollte dann als Jugendlicher nichts mehr damit zu tun haben. Ich hatte sehr lange ein Drogen- und Alkohol-Problem und einen ziemlichen Hals auf Gott – bis Gott mir sagte, ich könne so nicht weiterleben.

Wie ist es dann dazu gekommen, dass Du vor Jahren selbst in Denver eine Gemeinde gegründet hast?
Wie gesagt war ich damals Mitglied der lutherischen Kirche und total begeistert von der Auslegung Luthers. Als ich mich aber in meiner alten Gemeinde umsah, habe ich festgestellt, dass niemand aussah wie ich. Niemand aus meinem hippen Freundeskreis ging in die lutherische Gemeinde. Also dachte ich mir, warum gründe ich nicht eine eigene Kirchengemeinde. Der lutherische Gemeindebund hat mir übrigens finanziell bei der Gründung geholfen und unterstützt uns bis heute.


Und jetzt hilfst Du als Pastorin Menschen dabei, auf den richtigen Weg zu kommen?
Das ist mir zu konservativ gedacht. Ich denke nicht, dass ich sagen kann ‚so sollst du leben und so nicht’. In traditionellen Gemeinden ist es leider oft so: Du kannst kein Teil der Gemeinde sein, solange du ein Drogen- oder Alkoholproblem hast oder homosexuell bist. Das schreckt viele Menschen davon ab, in die Kirche zu gehen, obwohl sie glauben.


...weil sie aus dem christlichen Rahmen fallen?
Bei den Christen in Amerika gibt es eine große Liste mit Dingen, die du nicht tun sollst. Zum Beispiel darfst du nicht rauchen, keine schlimmen Filme anschauen und auf gar keinen Fall die Gebote verletzen. Das ist eine sehr strenge Kultur.
Jesus hat mit allen Sündern zusammengegessen und sie geliebt. Wir sind alle Sünder. In unseren Gemeinde leben wir mit Menschen zusammen, die uns manchmal aufregen, verletzen, ärgern usw. Aber es geht um Gottes Vergebung, seine Herrlichkeit, das Evangelium und darum, wer Gott wirklich ist. Es geht viel um Vergebung.


Wie definierst Du für Dich Sünde?
Sünde ist für mich nicht, eine Zigarette zu rauchen. Sünde ist für mich, dass wir alle wundervolle, gebrochene Menschen sind und uns Gott liebt wie wir sind, obwohl niemand von uns alles richtig macht. Gott kennt uns und vergibt. In unserer Gemeinde geht es auch darum, dass wir Gott erleben und wir sein Wort und die gute Nachricht hören. Wir alle kommen so vor Gott wie wir sind. Und das ist es was die Kirche ausmacht. Viele Leute denken, in eine Kirche zu gehen bedeute, unsere Persönlichkeit, unsere Vergangenheit und Kultur zu überprüfen und dann nur kompatible Teile von sich preiszugeben. Das ist ein großes Missverständnis. Die Menschen sollen so kommen können wie sie sind.
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