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Was ist Gnade?


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#1
Rolf

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Gnade





Über den Autor
Ralf Müller ist Qualitätsmanager in einem Entwicklungsunternehmen und arbeitet primär im Bereich Eisenbahnsignaltechnik. Er ist seit 1982 Christ. Er lebt in Braunschweig, ist verheiratet und hat ein Kind. Schwerpunkt seines Interesses sind Zeitgeist- und Religionsfragen, Wissenschaften und Theologie. Wenn noch Freizeit bleibt, interessiert er sich für Fußball, American Football und spielt selbst Badminton.


Frage von NN:
"In der Bibel steht oft das Wort "Gnade". Ich möchte gerne wissen, was sie bedeutet."


Antwort

In der Tat, der Begriff Gnade steht sehr oft in der Bibel und ist wirklich ein ganz wichtiger, ja ein zentraler Aspekt gerade im Neuen Testament. Es geht sogar soweit, dass die Botschaft über Jesus Christus das "Evangelium von der Gnade Gottes" genannt wird (Apostelgeschichte 20,24).

Im Lexikon wird Gnade folgendermaßen beschrieben: (unverdiente) Gunst, Hilfe, Liebeserweis, Freundlichkeit, Wohltat ohne Erwartung einer Gegenleistung, d.h. Gnade steht für ein Herabneigen eines Höheren / Starken zu einem Niedrigeren / Schwachen mit dem Motiv der Liebe und des Erbarmens.

Im Rechtswesen gibt es den Begriff Begnadigung. Ein Mensch ist rechtskräftig verurteilt und muss seine Strafe absitzen. Das Urteil ist gesprochen, unwiderruflich. Ein Staatsoberhaupt, z.B. der Bundespräsident hat nun die Möglichkeit und Vollmacht, Gnade zu schenken, d.h. den Verurteilten aus dem Stand der Verurteilung in den Stand der Freiheit und Gerechtigkeit zu versetzen. Ein Staat verzichtet auf die Vollstreckung eines rechtmäßigen Urteils. Und die Gnade in der Bibel hat genau damit zu tun, und geht darüber noch weit hinaus.

Dazu ein kleines bildhaftes Beispiel: Ein Mensch fiel in eine Morastgrube und kam dort trotz aller Bemühungen nicht mehr heraus. Er droht zu versinken. Laut um Hilfe schreiend hoffte er darauf, dass ihn bald jemand rettete. Da kamen im Lauf der Zeit einige Vertreter von Religion und Philosophie vorbei. Der eine meinte, es sei ein trauriges Schicksal, in dieser Grube leben zu müssen, daher muss man sich mit der Situation arrangieren. Ein anderer gab viele Tipps, wie man es anstellen könne, das Erdreich und Baumwurzeln zu benutzen, um sich einen Weg aus der Grube zu bauen. Ein weiterer meinte, durch Meditation und geistliche Übungen könnte man einen Zustand erreichen, die Situation zu ertragen, aber aus der Grube half dem armen Menschen keiner wirklich heraus. Er war weiterhin gefangen. Da kam schließlich einer, der ohne zu zögern an den Rand der Grube trat, sich herunter beugte, dem Gefangenen die Hand reichte und heraus half.

Das ist ein Bild der Gnade, wie die Bibel sie versteht. Mit eigener Kraft kann ich mich nicht aus der Lage befreien, aber in Jesus Christus reicht mir Gott die Hand und hilft mir heraus. Warum? Weil ich so ein super Typ bin? Weil ich musterhaft religiös bin und in die Kirche gehe? Weil ich mich immer positiv verhalten habe und ein "guter Mensch" war? Nein! Keiner dieser Gründe kann diese helfende Hand in Bewegung versetzen. Gott liebt uns und möchte uns aus der Grube auf sicheren Boden stellen. Im Johannesevangelium 3,16 steht: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeboren Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben." Das ist Liebe, das ist Gnade.

Und hier wird die Bibel deutlich! Sie redet sehr wohl davon, dass der Mensch sich in einer Situation befindet, die mit der obigen Grube vergleichbar ist. Die Bibel nennt es Sünde. Und diese Sünde erzwingt eine Verurteilung und nimmt den Menschen gefangen. Und kein Mensch kann etwas dazu tun, diese Gefangenschaft zu durchbrechen und der rechtmäßigen (!) Verurteilung zu entgehen. Keine "guten Taten", keine religiösen Anstrengungen, allein die ausgestreckte Retterhand Jesu hilft heraus. Das ist Gnade! Unverdiente Gunst. Ein Geschenk eines uns liebenden Gottes. Und ein Geschenk will angenommen werden.

So ist der Aufruf der Bibel (besonders im Neuen Testament) zu verstehen, diese Gnade anzunehmen, dem Wort Gottes zu Vertrauen. Gott sagt, vertraut mir - vertraut, dass das, was Jesus am Kreuz von Golgatha ertragen musste, ausreicht, um mit Gott versöhnt zu werden und neues Leben zu bekommen. Akzeptiert dieses Werk für euch, nehmt es an, sagt ja zu Jesus Christus, das ist der Aufruf der Bibel. Zu diesem Annehmen des Gnadengeschenkes, dem Glauben an Christus, fordert uns die Bibel immer wieder auf.

Gott schenkt gerne! Leider wird dieses "Gottesbild" nicht mehr oft vermittelt. Gott schenkt aus Freiherzigkeit heraus. Das und die Tatsache, Heil und Rettung nicht erarbeiten bzw. verdienen zu können, führen zur biblischen Aussage, Menschenwerke - seien sie auch noch so edel - können nicht mit Gott versöhnen. Aber das Annehmen der Geschenke Gottes, das Vertrauen in ihn, das rettet. Der Zugang zu Gott ist nur möglich, wenn Gott sich herabbeugt, um die Brücke zu schlagen - und genau das ist geschehen. Wer diesen Weg beschreitet, nimmt Gottes Gnade an und ist begnadigt und von Gott angenommen.

Diese Tatsache wird in Psalm 51,3-4 verdeutlicht. "Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit, wasche mich rein von aller Sünde ..." Dieser Beter erkannte, dass seine Sünde ihn von Gott trennt und er keine Chance hatte, Zugang zu Gott zu finden, es sei denn, er beruft sich auf Gottes Gnade. Und dieses Vertrauen, dass Gott dem vergibt, der sich an ihn wendet und seinen Lebensmüll namens Sünde bei ihm ablädt, lässt die Begnadigung erfahren.
Dabei ist es wichtig, Gott so zu erkennen, wie die Bibel ihn schildert. Psalm 103 ist da ein schönes Beispiel: Da dankt einer von Herzen Gott. Warum? Psalm 103,3: "Der da all meine Sünde vergibt", Psalm 103,8: "Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte", Psalm 103,10: "Er handelt nicht nach unseren Sünden" Psalm 103,13: "Wie ein Vater sich über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten".
Dieser Mensch hat erkannt, dass er wie alle Menschen Sünder ist und nichts aufzuweisen hat, um Gott zu gefallen (Römerbrief 3, 22). Aber er durfte eben auch erkennen, dass uns Gnade um Gnade, d.h. eine riesige Fülle an Gnade, geschenkt ist (Johannesevangelium 1, 16). "Denn aus Gnade seid ihr gerettet ...", schreibt Paulus den Christen in Ephesus (Epheserbrief 2, 8), "... durch den Glauben, und das nicht aus euch - Gottes Gabe ist es".

Und wenn man von ganzem Herzen Jesus Christus aufgenommen hat in sein Leben, also Gottes Gnadengeschenk angenommen hat, geht es erst richtig los mit der Gnade im alltäglichen Leben. "Denn es ist Gottes heilsame Gnade erschienen, dass wir absagen dem nichtgöttlichen Wesen und gerecht leben [...]" (Titusbrief 2, 11-12). Das Erleben der Gnade Gottes wirkt sich im Leben aus. Daher in der Bibel immer wieder die Ermunterung, bewusst in dieser Gnade zu leben. Man wird erleben, wie sehr wir von Gott geliebt sind und gnädig behandelt werden. Wir werden sehen, wie oft wir es nicht schaffen, Gottes Maßstäben zu genügen, wir oft wir versagen, wie schwach wir eigentlich sind. Und das beschämt, wenn man Gott lieb gewonnen hat. Und genau hier erleben wir, dass Gott kein knüppelschwingender Moralapostel ist, der uns eine überzieht, wenn wir "böse Kinder" sind. Nein, man wird erleben, wie geduldig Gott uns führt und leitet, aufbaut und den Weg weist. Gott ist nachsichtig, trotz allen Ernstes des Themas Sünde. Das ist Gnade, erfahrbar im Leben als Christ.

Und gerade ein Paulus, ein vermeintlich starker und erfolgreicher Mann der Bibel, schreibt nach langen Jahren als Christ, dass gerade er abhängig ist, dass Gott ihn gnädig behandelt. Er merkt, dass seine eigene Stärke nicht annähernd ausreicht, für Gott tätig zu sein. Er erkennt seine Begrenztheit, weiß aber um Gottes Kraft, der er sich ganz und gar anvertraut. Gott ruft ihm zu "Meine Gnade reicht für dich, denn meine Kraft kommt in deiner Schwachheit zur Vollendung" (2. Korintherbrief 12, 10). Und hier merkt Paulus, dass Gott es wirklich gut mit uns meint, auch wenn es manchmal nicht so scheinen mag.

Zusammenfassend kann man sagen:

Wir Menschen haben von Natur aus keine Möglichkeit, in den Genuss der doch so notwendigen Segnungen Gottes zu kommen. Die Verbindung zu Gott ist abgeschnitten, tot. Da nützen alle Bemühungen, Arbeiten, Gebete nichts. Doch Gott beugt sich in Christus zu uns in eine unheile Welt herab, um heil zu machen. Sein Motiv ist Liebe zu uns, dieses Geschenk von "Rettung aus der Grube" ist unverdient. Das ist Gnade. Du kannst es annehmen, akzeptieren und dich hierüber freuen, oder es ablehnen, gleichgültig sein und weiter versuchen, selbst das zu erarbeiten, was du allein mit menschlichen Mitteln nicht bekommen kannst (und hier sind die Aussagen der Bibel sehr ernst) - nämlich Zugang zum lebendigen Gott. Und auch als gläubiger Christ wirst du feststellen, dass du abhängig bist von Gott, der dich liebt, der dich aufbauen will, der dich zum Ziel führen will. Doch dieses Wirken wird keinem aufgezwungen, es ist ein Geschenk, eine Wohltat, eine Freundlichkeit Gottes. Wir müssen eigentlich nichts anderes tun, als die Gnade anzunehmen und in dieser Gnade zu bleiben (Galaterbrief 2, 21).


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