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Wenn das Gewissen schlägt...


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#1
Rolf

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Wenn das Gewissen schlägt...





Über den Autor

Als schwäbischer Kosmopolit, Jahrgang 1956, lebt Alfred in der Nähe von Stuttgart, er ist verheiratet und hat vier erwachsene Töchter. Seine geistliche Heimat hat er in einer landeskirchlichen Gemeinschaft. An der Bibel begeistert ihn die Lebensnähe, dass sie Tagesaktuell und gleichzeitig ewiges Wort Gottes ist. Neben der Familie, dem Beruf, Gemeinde, Haus und Garten, wandern, reisen, lesen und Musikhören schätzt er ein Glas guten trockenen Rotweins, gerne gemeinsam mit guten Freunden.


Frage von SW:

"Ich bin gläubige Christin und lebe gern mit Jesus. Allerdings kommt es häufig vor, dass ich ein schlechtes Gewissen habe. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht zum Gottesdienst gehe, ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit Freunden mal eine Party besuche. Ist es dann Gottes Stimme oder was soll ich damit machen?"


Deine Frage berührt den wunden Punkt so vieler Christen, die ich kenne. Manche machen sich permanent ein schlechtes Gewissen.

Umgekehrt dazu verschwinden immer mehr Tabus, die es noch vor wenigen Jahrzehnten gab, aus der Öffentlichkeit. Viele Menschen verbinden ein schlechtes Gewissen nur noch mit der Frage, ob man ein Eis oder ein Stück leckeren Kuchen guten Gewissens genießen kann. Ethische Fragen werden unter dem Mantel eines „Alles geht, wenn man tolerant genug ist“ - Denkens verdrängt. Die Frage, wie man Gott gefallen kann, stellen sich meines Erachtens immer weniger Menschen.

Dabei sollte es umgekehrt sein! Das Christentum ist zuallererst ein Beziehungsglaube, Ich verzichte hier bewusst auf das Wort Religion. Denn Religion ist nach meiner Auffassung das menschliche Bestreben, Gott zu gefallen. Der an Christus Glaubende dagegen bemüht sich zuerst um die Beziehung zu Jesus Christus, die Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung selbst möglich gemacht hat. Die persönliche Beziehung zu Jesus macht den Unterschied. Diese Beziehung entscheidet über das ewige Leben und sollte die Basis für alle Entscheidungen des Lebens sein. Die Richtschnur für diese Entscheidungen lässt sich finden, wenn man die Bibel liest und im Gespräch mit Gott und anderen Christen bleibt.

Eine Religion „zwingt“ den Menschen wie gesagt nach meiner Überzeugung quasi dazu sein Heil, sein Schicksal und sein Wohlergehen durch die eigene Handlung zu bestimmen. Darin liegt das Paradoxe deiner Schilderung. Als Christin bist du zur Freiheit berufen. Der Heilige Geist ist der Geist der Freude und der Zuversicht:


Denn im Reich Gottes ist nicht entscheidend, was man isst oder trinkt, sondern dass man ein Leben führt in Gerechtigkeit und Frieden und in der Freude im Heiligen Geist.
Römer 14,17


Wenn dagegen der Heilige Geist unser Leben beherrscht, wird er ganz andere Frucht in uns wachsen lassen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Nichts davon steht im Widerspruch zum Gesetz.
Galater 5,22-23


Atmosphäre der Gesetzlichkeit

Ich kenne deine persönliche Situation und deinen Hintergrund nicht, deshalb muss ich etwas spekulieren, um der Ursache für dein schlechtes Gewissen nachzuspüren. Du kannst aus den verschiedenen möglichen Ursachen selbst die für dich passende aussuchen.

Eine mögliche Ursache für ein unnötiges schlechtes Gewissen könnte in einer gesetzlichen Erziehung zum Glauben liegen.

Gesetzlichkeit definiere ich so: Gesetzlichkeit stellt Tradition und Handlung des Menschen über das Gesetz Christi und über menschliche Bedürfnisse. Es fügt den Geboten des Neuen Testaments menschliche Vorschriften hinzu.

Manchmal erziehen die Eltern, Lehrer oder andere prägende Persönlichkeiten ein Kind sehr gesetzlich, d.h. das Tun des Menschen, die Bemühung darum, ein Leben nach Gottes Maßstäben zu führen, steht ständig im Vordergrund. Dann kann es zu einem permanenten schlechten Gewissen kommen. Das gleiche gilt natürlich auch für eine etwaige gesetzliche Verkündigung des Evangeliums in deiner Gemeinde. Manchmal ist eine solche Prägung in einer Gemeinde schon über mehrere Generationen hinweg vorhanden.

Begleitet wird dieses Denken häufig von einer fehlenden Gewissheit des Heils: „Bin ich gut genug? Reicht mein Verhalten, um Gott zu gefallen?“ fragen sich manche Christen. Dabei sollte es doch jedem Christen klar sein, dass unser Handeln niemals reicht, um vor Gott gerecht zu werden. Nur der Glaube an Jesus Christus reicht, weil er unsere Schuld am Kreuz bezahlt hat. Seit Golgatha ist die Frage der Schuld geklärt. Jeder und jede, die sich zu Jesus Christus bekennen, hat das ewige Leben und ist in Gottes Augen im wahrsten Sinne des Wortes gut genug. Die eigene Schuld ist dann vergeben – man steht in einer neuen Beziehung zu Gott.

Gesetzliche Prägung in der Kindheit und gesetzliche Verkündigung in deiner Gemeinde könnten zwei mögliche Ursachen deines unbegründeten schlechten Gewissens sein. Ich möchte jetzt einfach mal davon ausgehen, dass dieses Gefühl der Schuld bei dir in den meisten Fällen wohl eher unbegründet ist.

Konkret im Bezug auf deine Fragen bedeutet das: Jesus selbst hat die Frage nach dem Sabbat, bzw. Sonntag zurecht gerückt. Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat (Markus 2,27). Natürlich gilt auch, dass wir die Gemeinde nicht verlassen sollen (Hebräer 10,25). Diese Bibelstelle im Hebräerbrief bedeutet jedoch nicht primär, dass ich immer an jedem Sonntag im Gottesdienst sein muss, quasi als neues Gebot. Zuerst bedeutet diese Stelle dabei zu bleiben, zu einer Gemeinde und der damit verbundenen gottesdienstlichen Versammlung zu gehören. Das ist ganz wichtig, um weiterhin geistlich wachsen zu können.


Hör’ mal, wer da spricht…

Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass Satan, der Widersacher Gottes versucht, dir die Freude an deinem Christsein zu nehmen, indem er dir alles madig macht, was zu einem normalen Leben gehört. Das wäre dann ein besonders gemeiner Angriff auf dich. Er kennt unsere Schwachstellen. Im Bild gesprochen versucht er, wie ein brüllender Löwe die Gläubigen anzugreifen:

Seid besonnen und wachsam und jederzeit auf einen Angriff durch den Teufel, euren Feind, gefasst! Wie ein brüllender Löwe streift er umher und sucht nach einem Opfer, das er verschlingen kann.
1.Petrus 5,8

Dabei ist er sich nicht zu schade, dir das Leben außerhalb der Gemeinde schlecht zu machen, damit du auch keine Freude mehr in der Gemeinde empfindest. Er, der Vater aller Lüge, kann auch solche Methoden anwenden, wenn es ihm hilft, dich zu versuchen. In Epheser 6,12-18 findest du Hilfestellungen, wie man sich gegen solche Versuchungen wehren kann. Ganz wichtig ist dabei das Gebet und dass du mit deinem Leben, allen Beziehungen, Veranstaltungen etc. in einer ganz engen Beziehung zu Jesus bleibst.

Vielleicht erscheint Dir diese Option die Unwahrscheinlichste zu sein. Ich beobachte das jedoch gar nicht so selten. Da steht eine wichtige Versammlung in der Gemeinde an, ein besonderer Dienst, eine schöne Konferenz und plötzlich läuft alles schief, man bekommt Ärger im Beruf oder in der Familie. Die Freude an Gottes Wort und seiner Gemeinde werden einem gründlich vergällt. Sobald man Gott bittet, Herr über diese Situation zu sein, einem die Freude wieder zu schenken, tritt dann häufig eine positive Veränderung ein. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Ich selbst kenne diese Versuchung auch und habe gute Erfahrungen mit dem Gebet gemacht.

Bleibt die vierte Möglichkeit: Gott redet tatsächlich durch seinen Heiligen Geist zu dir.
Gott ist jedoch kein Miesepeter und Spielverderber. Er hat das Leben und alles Schöne erfunden. Nur wenn wir durch unseren Lebensstil von ihm abkommen würden oder wenn es um ein klares sündiges Verhalten geht, ruft er zur Umkehr.


Den Kuchen mit Jesus essen

Wie kannst du jetzt unterscheiden, woher dein schlechtes Gewissen kommt und was du dagegen machen kannst?

Der erste Gedanke gilt deinem Verständnis als Christin. Ich möchte ein Bild verwenden. Kennst du ein Kuchendiagramm? Es sieht von oben betrachtet wie ein Kuchen mit vielen Stücken aus. Ein Stück ist der Beruf, ein anderes die Partnerschaft, die Kinder, Freunde, Hobbys, Gemeinde etc. Das Leben von vielen Menschen besteht aus getrennten Stücken. Montags dominiert der Beruf, sonntags die Gemeinde und von Freitag bis Samstag die Freunde. Die einzelnen Stücke haben wenig miteinander zu tun. Wenn das Gemeindestück dran wäre und du das Partystück bevorzugst, kommt es zum Gewissenskonflikt. Eigentlich sollte ich ja, aber heute habe ich gar keine Lust - so könnte es in dir aussehen. Liege ich damit falsch?

Ein Lösungsweg würde darin bestehen, in die Mitte des Kuchens, dort, wo sich alle Stücke treffen, einen Kreis zu malen mit der Aufschrift „Beziehung zu Jesus Christus“. Alle Lebensbereiche treffen sich dann in Jesus. Das Kuchenstück mit der Aufschrift „Arbeit“ hat Jesus in der Spitze, ebenso das Stück „Freunde“ und „zur Party gehen“.

Dann brauchst du auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn du mal nicht im Gottesdienst bist. Wenn alles, was du tust, in der Verbindung mit Jesus geschieht, dann bist du sozusagen „im Auftrag seiner Majestät“ unterwegs, egal ob du bei Freuden, bei der Arbeit oder im Gottesdienst bist.


Bitte kein Schwarz-Weiß-Denken

Es geht nicht um ein „Entweder – Oder“. Es geht um ein „Sowohl als Auch“. Christen sind Salz und Licht. Das Salz soll nicht im Salzfass isoliert bleiben, das Licht nicht unter einem Eimer versteckt werden. Wo du auch bist und was du auch tust, du bist als Botschafterin von Jesus unterwegs. Deine Freunde brauchen dich, um sich von ihm finden zu lassen, von alleine kommen sie doch nicht in den Gottesdienst.

Daneben gilt auch: Du brauchst die Gemeinschaft mit anderen Christen, Gottesdienste, Hauskreis, Predigten, das eigene Bibellesen etc. So wie der Mensch essen und trinken muss, so wichtig ist diese „geistliche Nahrung“ für Christen.

Aber bitte nicht als Gesetz! Du darfst (fast) alles tun ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, solange es kein sündiges Verhalten ist. 1. Korinther 10,23 zeigt die Möglichkeiten und die Grenzen deines Handelns:


Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.
1.Korinther 10,23



Gerne hätten wir glasklare Regeln, doch Christen leben in der Freiheit, nicht unter dem Gesetz. Ein Beispiel: Ich darf jederzeit Wein trinken, werde aber auch vor übermäßigen Genuss gewarnt.

Es gibt Grenzen dieser Freiheit, dann beschreibt die Bibel dieses Verhalten und markiert es als Sünde.


Mit dem richtigen Gottesbild gesund werden

Wenn dein Gewissen schlägt, dann kannst du anhand der Bibel und im Austausch mit anderen erforschen, ob es dich vor sündigem Verhalten warnt, wenn nicht, hast du viele Freiheiten.

Falsche Erziehung aus der Kindheit und eine ungesunde, gesetzliche Verkündigung können durch die richtige, gesunde Lehre aus der Bibel ersetzt werden. Der erste Schritt besteht im Erkennen der Ursachen. Bitte Gott im Gebet dir zu zeigen, wo dein Denken nicht dem Evangelium gemäß ist. Der Geist Gottes wird dir helfen, sein Wort richtig zu verstehen, durch Bibellesen, durch gute Verkündigung. Gute Bücher gibt es in christlichen Buchhandlungen. Gespräche in Kleingruppen oder mit einem Seelsorger können helfen, die ungesunden Gedanken durch froh machende zu ersetzen.

Ich bin selber ziemlich gesetzlich erzogen worden und freue mich heute an Jesus Christus, den ich als gnädigen, gütigen und vergebenden Gott kennen gelernt habe. Wichtig war ein Paradigmenwechsel in meinem Gottesbild. Den harten, strafenden Gott, der nur darauf lauert, bis ich einen Fehler mache, gibt es heute nicht mehr in meinem Denken. Gute, gesunde Verkündigung und Lehre sind der Schlüssel zum Erfolg gegen Gesetzlichkeit, gegen ein Denken, dass der Mensch durch die Befolgung von Regeln und Vorschriften, gerettet wird.


Fazit
Welche der vier Möglichkeiten treffen für dich zu? Ist es deine Erziehung, falsche Lehre heute, oder der Widersacher Gottes, der deine Freude an Jesus zerstören möchte, oder der berechtigte Ruf Gottes, weil du auf Abwegen bist?

Nach deiner eigenen Aussage zu urteilen, sehe ich die ersten drei Möglichkeiten als die Wahrscheinlichsten an. In diesem Fall würde ich dir empfehlen, den Römerbrief, den Galaterbrief und die Evangelien zu lesen. Bitte Gott, dein Denken und Verstehen zu erneuern und dir neue Freude in und an ihm zu schenken. Als zweite Empfehlung möchte ich dir mitgeben, jeden Lebensbereich mit Jesus zu gestalten, ihn überall einzuladen, dabei zu sein. Dann ist alles, was du tust, für ihn getan (Römer 11,36, Kolosser 1,16).

Vielleicht helfen dir auch noch folgende Bücher & Artikel weiter:

Reinhold Ruthe, Gewissen - Das Geheimnis der inneren Stimme, Hänssler Verlag ( im ERF Shop bestellen)
Harald Sommerfeld, No more Blues. Glauben ohne Schuldgefühle. Down to Earth Verlag (im ERF Shop bestellen)

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