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Erklärung des BFP zur Prädestination


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#1
Rolf

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Der Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden hat aus aktuellem Anlass eine Erklärung des Bundespräsidiums eine theologische Erklärung zur calvinistischen Prädestinationslehre herausgegeben.

Stand Juli 2009






PRÄDESTINATION





Die Lehre von der Gnadenwahl und Vorherbestimmung Gottes


PRÄAMBEL

Gibt es einen freien Willen oder nicht? Bestimmt Gott alles im Voraus oder entscheidet der Mensch autonom? Weiß Gott schon, wer in den Himmel kommt, oder ist das alles noch offen? Und: hat Gott mich erwählt oder kann sich alles noch ändern? Diese Fragen bewegen Christen, solange sie die Bibel lesen und über Gottes Weg mit den Menschen nachdenken.
Bei uns im BFP ist die Prädestinationslehre Calvins in den letzten Jahren verstärkt in den Interes-senfocus gerückt. Der große Reformator verfasste im 16. Jahrhundert eine erste umfassende evangelische Dogmatik, aus der insbesondere der konsequent durchdachte Erwählungsgedanke weit über den Bereich der Theologie hinaus Wirksamkeit entfaltet hat. Geschult durch ein gründ-liches juristisches Studium und mit dem ihm eigenen scharfsinnigen Verstand formt Calvin eine Gedankenkette, die von der Souveränität und Allmacht Gottes ihren Ausgang nimmt und sich bis zur doppelten Prädestination zum Heil und zur Verdammnis erstreckt.

Richtungsweisend wirkte dabei die Theologie des katholischen Kirchenlehrers Augustinus. Mit der Wiederentdeckung sei-nes Gnadenverständnisses griffen die Reformatoren hinter die mittelalterliche Werkgerechtigkeit zurück und rückten den handelnden Gott wieder in den Mittelpunkt des Heilsgeschehens.

Bei aller Zustimmung zum Gnadenverständnis und der Alleinwirksamkeit Gottes im Heil sind die finalen Schlussfolgerungen Calvins nie unwidersprochen geblieben. Die Vorstellung eines Gottes, der Menschen willkürlich zur Verdammnis oder zum Heil vorbestimmt, wird im Wider-spruch zu universalen Gnadenbekundungen in der Heiligen Schrift gesehen. So ist das Lebens-werk der Reformatoren als enormer Fortschritt zu würdigen, und doch bleibt ihr Denken durch die Gegebenheiten ihrer Epoche begrenzt.

Die Lehre von der Gnadenwahl und Vorherbestimmung Gottes
Unsere Arbeit mit der Bibel sowie die Forschung in der Theologie- und Kirchenge-schichte erlauben uns die Zusammenfassung unserer Überzeugungen in folgenden Sätzen:

Gnade.
Wir betonen die Gnade Gottes als einzige Grundlage unseres Heils. Kein Mensch kann aus eigener Kraft oder Entschlossenheit etwas zu seiner Rettung bei-steuern oder sich Gottes Gnade verdienen. Rettung ist ein Geschenk Gottes.

Allerdings folgen wir nicht der Schlussfolgerung, diese Gnade müsse sich zwingend und aus-schließlich in der Vorherbestimmung zum Heil wie zur Verdammnis (Supralapsarismus1) Aus-druck verschaffen, so als könne sich die göttliche Gnade nicht anders manifestieren. Gnade wirkt und ereignet sich im Hören der Gebote Gottes wie auch des Evangeliums (als Ruf zum Umkehr), als Schöpfungsgnade2 und Erlösungsgnade3. Es ist Gnade, auf den Ruf Gottes eingehen und sich bekehren zu können.
Eph 2:8-94: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.

Glaube.
Wir sind überzeugt, dass der heilsaneignende Glaube ein Geschenk Gottes ist. Durch Seine Gnade ermöglicht Gott es dem Menschen, zu glauben und somit gerettet zu werden.

Allerdings verstehen wir Glauben nicht als vorherbestimmtes und damit zwanghaftes Ereignis, sondern als Resultat Seiner vorlaufenden Gnade5. Diese Gnade erreicht den gefallenen und in Sünden versklavten Menschen im Wort des Evangeliums und dem Ruf zur Umkehr. Sie versetzt ihn überhaupt erst in die Lage, eine Entscheidung für Gott treffen zu können. Glaube ist Ver-trauen in Gott und Annahme des Heilswerkes Christi durch einen bewussten Schritt der Ent-scheidung.
Rö 3:286: Denn wir urteilen, dass der Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzes-werke.

Allwirksamkeit.
Wir bekennen, dass Gott der allein Handelnde ist, der die Initiati-ve zur Rettung der Menschen ergriffen und alle Voraussetzungen für die persönli-
che Heilsaneignung geschaffen hat. Damit widersprechen wir auch jeder Form des Synergismus7, die dem menschlichen Vermögen einen eigenen von der Gnade los-gelösten Beitrag zu Bekehrung und Wiedergeburt zuerkennen will.

Allerdings können wir der Ansicht nicht folgen, die Entscheidung des Menschen für Gott im Glaubensgehorsam könne den Anstrich eines verdienstlichen Werkes annehmen. Denn die menschliche Entscheidung erfolgt nur aufgrund und infolge der vorlaufenden Gnade, die sich in der Botschaft des Evangeliums konkretisiert. Indem ein Mensch auf den Ruf zur Umkehr ein-geht, handelt er nicht aus eigener Kraft und eigenem Vermögen, sondern antwortet verantwort-lich auf die Gnade Gottes.
Phil 2:12-138: ...bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist es, der in euch wirkt so-wohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.

Heilsunfähigkeit.
Wir wissen um die Gottesferne und Heilsunfähigkeit des natür-lichen Menschen. Aufgrund seines gefallenen Zustandes ist er verderbt und verlo-ren; es gibt nichts Gutes im Menschen, das in Fragen der ewigen Seelenrettung Gewicht beanspruchen könnte.

Allerdings können wir nicht zustimmen, wenn hieraus gefolgert wird, der Mensch könne auch nicht glauben oder gehorchen, also müsse der Glaubensakt als vorherbestimmt und zwanghaft gelten. Die Verderbtheit des Menschen erfordert nicht eine Zwangsvorherbestimmung in unwi-derstehlicher Gnade. Vielmehr hat Gott durch das Opfer Seines Sohnes die Voraussetzung der Rettung geschaffen und öffnet jetzt durch die Evangeliumsverkündigung den Zugang zum Heil durch Glauben. Dieser Ruf zum Glauben ist ein Wirken der Gnade am Willen des Menschen, den der Heilige Geist von seinem Verlorensein überführt.

Es wäre ein Irrtum, diese Auffassung als humanistisch misszuverstehen. Der Humanismus ver-körpert einen schrankenlosen Glauben an das Gute im Menschen. Jede Selbsterlösung oder gar das Bestreiten einer Erlösungsnotwendigkeit überhaupt bewegt sich außerhalb der Bibel. Wo dieser naive humanistische Optimismus trotz seines Scheiterns an der Wirklichkeit von Geschich-te und Gegenwart immer noch das Denken beherrscht, findet sich die Antipode zum biblischen Menschenbild. Daher wäre es auch ungerechtfertigt, bibelgläubige Christen als Humanisten zu verdächtigen, weil sie etwa eine doppelte Prädestination ablehnen.

Rö 3:10-129: ...wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und alle-samt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.

Alleinwirksamkeit.
Wir unterstreichen, dass Christi stellvertretender Opfertod am Kreuz grundlegend und entscheidend für das Heil ist. Gott allein handelt in der Hingabe Seines Sohnes; Christus allein konnte als sündloses Lamm Gottes Opfer sein. In diesem historischen Ereignis liegt die Basis für die Rettung des einzelnen.

Allerdings können wir nicht nachvollziehen, wieso dieses Bekenntnis zur Wirksamkeit des Opfers Christi ein partikularistisches Erlösungsverständnis erfordern soll.10 Potenziell hat Christus das
Heil für alle erworben, auch wenn es nur durch die aktive Annahme im Glauben persönlich wirk-sam wird. Das Heil wird in der Evangeliumsverkündigung allen als echte und wirksame Ret-tungsmöglichkeit angeboten, tritt aber erst durch Glaubensgehorsam des einzelnen für ihn in Kraft.

Titus 2:11: Denn die Gnade Gottes ist erschienen heilbringend allen Menschen.
1Ti 2:4: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit
kommen. Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab.
1Joh 2:2: Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.
Souveränität. Wir unterstreichen die Souveränität und Allmacht Gottes. Er allein ist es, dem jeder Gerettete sein Heil verdankt, und von dem der Mensch überhaupt Rettung erwarten kann. Gott ist auch der Herr der Geschichte, der Seine Pläne und Heilsabsichten mit der Welt und den Menschen zum Ziel führt.

Allerdings folgen wir nicht der Deutung, dass diese Wahrheit eine willkürliche Festlegung einzel-ner Persönlichkeiten zum Heil oder zur Verdammnis nach sich ziehen müsse. Vielmehr erkennen wir, wie die Bibel den persönlichen Heilszuspruch infolge der verantwortlichen Entscheidung des Individuums zu Glauben und Gehorsam geschehen lässt. Diese Entscheidungsmöglichkeit ist Geschenk der Gnade, die der souveräne Gott Seinen Geschöpfen bietet.

Auch können wir nicht nachvollziehen, wieso Gottes Souveränität nur dann gewahrt bliebe, wenn sie sich in einer doppelten Prädestination11 äußern dürfe. Wir sehen die biblische Selbstof-fenbarung des menschenliebenden Gottes, der Sein Leben für Sünder gab, durch diese Behaup-tung verdunkelt und gefährdet.

Rö 11:33-36: O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?« Oder »wer hat ihm et-was zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte?« Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Erwählung.
Wir bekennen die göttliche Erwählung des Menschen zum Heil und seine Bestimmung für die ewige Gottesgemeinschaft.
Allerdings erkennen wir in der Bibel keine parallele Struktur von Erwählung12 und Verwerfung13, auch keine Stütze für einen dogmatischen Charakter der Prädestinationslehre und ihre Veranke-rung in der vorweltlichen Ewigkeit. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn man Gottes Wil-lensbekundungen philosophisch abstrakt „vor“ den Entscheidungen Seines geschichtlichen Handelns denkt. Doch Gottes ewiger Wille und Sein geschichtliches Handeln sind eins. Weil Er au-ßerhalb, ja oberhalb aller Zeit steht, verwirklicht sich Sein Wille in der Geschichte. Andernfalls träte ein Parallelismus von Erwählung und Verwerfung zutage, den die Bibel aber nicht kennt, und das Weltgeschehen würde in ein schematisches Korsett der Kausalität14 gezwängt.

2Thess 2:13: Gott hat euch von Anfang an erwählt zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit.
Erwählung „in Christus“. Wir bekennen die Erwählung der Gemeinde und der Heiligen zur ewigen Rettung „in Jesus Christus“. In dieser souveränen Entschei-dung Gottes liegt der alleinige Grund für die Möglichkeit der persönlichen Heilsan-eignung.

Allerdings wollen wir festgehalten wissen, dass diese Erwählung „in Christus“ erfolgt ist. Ihr Ak-zent liegt damit nicht auf der Vorzeitlichkeit, sondern auf der Lebensverbindung mit Christus, die allein das Heil garantiert. Insofern ist sie auch eine ewige Erwählung vor Grundlegung der Welt, weil der Entschluss Gottes, die Menschheit durch Seinen Sohn Jesus Christus zu retten, eine ewi-ge Entscheidung ist. Hierin zeigt sich auch das völlig andere Verhältnis Gottes zur Zeit. Sein ewi-ges Wollen und Sein Handeln greifen ineinander und unterscheiden sich nicht. So ist das, was dem Menschen als Aufeinanderfolge vorkommt, in Gottes ewigem Wesen eins, da Er außerhalb jeder Zeit steht.

Eph 1:4,13: In Christus hat Gott uns auserwählt vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor Ihm seien... In Ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung.

1Pe 1:20-21: Er ist zwar im voraus vor Grundlegung der Welt erkannt, aber am Ende der Zeiten geoffenbart worden um euretwillen, die ihr durch Ihn an Gott glaubt, der Ihn aus den Toten auferweckt und Ihm Herrlichkeit gegeben hat, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott gerichtet sei.
Bedingungslose Erwählung. Wir bekennen, dass die Erwählung des Menschen durch keine Voraussetzung in seiner Person begründet ist. Es gibt nichts, durch das sich ein einzelner Gott gewogen machen könnte oder wie er durch eigene Leistung Gottes Gnade auf sich ziehen könnte.
Allerdings öffnet sich diese Wahrheit nicht dem Verständnis, in Glaube und Entscheidung des Menschen Bedingungen der Gnade sehen zu müssen. Dieser Glaube ist Antwort auf den Ruf des Evangeliums. Im Glaubensgehorsam wird das Heil als Geschenk der Gnade angenommen.

Weil die Gnade überhaupt erst in den Stand der Entscheidungsfreiheit setzt, ist Glaube und Bekeh-rung kein verdienstliches Werk. Weil die Gnade aber durch die Evangeliumsverkündigung wirkt und einer Antwort bedarf, ist sie nicht als zwangsweise oder unwiderstehlich zu verstehen.
14 Kausalität ist der gesetzmäßige Zusammenhang von Ursache und Wirkung. In der Vorstellung der doppelten Prädestination bedeutet dies, dass aufgrund der aktiven Erwählung Gottes auch auf die aktive Verwerfung Gottes geschlossen werden müsse.

Joh 3:1615: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Allwissenheit.
Wir unterstreichen die Allwissenheit Gottes, ausdrücklich auch im Hinblick auf alle Entscheidungen und Handlungen des Menschen sowie auf ihre finale Rettung oder Verdammnis hin.

Allerdings versagt sich die Bibel unserer Auffassung nach einem Erwählungsverständnis aufgrund von Vorherwissen, so als erwähle Gott diejenigen, deren Entscheidung Er voraussehe. In diesem Falle könnte die Glaubensentscheidung als eine Bedingung missverstanden werden, die mit freier Erwählung nicht in Einklang stünde. Tatsächlich aber ist die Entscheidung Folge der Gnade und des Rufes zur Umkehr. Erwählung geschieht durch die bedingungslose Liebe Gottes und ist durch nichts auf Seiten der Erwählten motiviert, auch nicht durch Vorherwissen seiner Entschei-dungen.16

Hebr 4,13+16 …und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!
Heilsgewissheit. Wir glauben und bekennen in großer Dankbarkeit, dass Gott die Seinen für die ewige Rettung zu bewahren weiß. In Seiner Gnade, mit der Er uns erwählt und errettet hat, wird Er uns auch hindurchtragen und zum Ziel führen. Heilsgewissheit ist das Geschenk Gottes an alle gläubigen Christen.

Allerdings ist unter Heilsgewissheit keine Bewahrung zu verstehen, die ein Mensch ungeachtet seines Lebensstils oder Glaubensgehorsams beanspruchen könne. Vielmehr gehört zu einer ver-antwortlichen Glaubensentscheidung auch die Möglichkeit der Abkehr vom Glauben. Das Neue Testament lässt seine Leser nicht im Unklaren über einzelne Christen, die sich trotz eines guten Starts vom Weg des Glaubens abgewandt haben und jetzt Gericht und Verdammnis entgegenge-hen.17 Gnade und Heilsgewissheit dürfen nicht zum Vorwand genommen werden, die Ermah-nungen der Nachfolge und die Gebote der Heiligung zu vernachlässigen oder gar zu ignorieren. Der Mensch kann die Gnade ausschlagen und sich durch bewusste Entscheidung oder konklu-dentes Handeln aus der Lebensbeziehung mit Jesus Christus und der Heilsgemeinschaft der Ge-meinde lösen.

2Pe 2:1: Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die verderbenbringende Parteiungen heimlich einführen werden, in-dem sie auch den Gebieter, der sie erkauft hat, verleugnen. Die ziehen sich selbst schnel-les Verderben zu.
Hebr 12:14: Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird.


Bibel.
Wir achten die Bibel als die einzige Erkenntnisgrundlage in allen Fragen des Heils und der Erwählung und bekennen unsere Ehrfurcht vor Gott und der Heili-gen Schrift, wie sie Gott als den Allmächtigen und Rettenden offenbart.

Allerdings betonen wir ausdrücklich: Christen, die eine doppelte Prädestination, ein begrenztes Sühneopfer (Partikularismus), die unwiderstehliche Gnade oder die These von der Unverlierbarkeit des Heils ablehnen, stehen zur Souveränität Gottes und bestreiten keinesfalls die Allmacht Gottes im Wirken des Heils. Ein Humanismusvorwurf oder der Verdacht verdünnter Bibeltreue wäre gänzlich unangebracht, da das Gnadenhandeln Gottes in keiner Weise geschmä-lert wird.

2Tim 3:16-17: Alle Schrift ist von Gott eigegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zu-rechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig, für jedes gute Werk ausgerüstet.

Das reformatorische Anliegen.
Wir teilen das reformatorische Anliegen, den Heilsgewinn der menschlichen Verfügbarkeit zu entziehen und ihn stattdessen ganz der Gnade Gottes anheim zu stellen. Dabei anerkennen wir das positive Anliegen Calvins, die Souveränität Gottes bei der Erwählung des Menschen zu betonen.

Allerdings folgen wir der Erwählungslehre Calvins da nicht mehr, wo sie Thesen beinhaltet, die nicht mit der Bibel in Einklang zu bringen sind und die vor allem das Wesen und den Charakter Gottes zu verzerren drohen. Denn das Motiv, Synergismus zu vermeiden und gleichzeitig Gottes Alleinwirksamkeit im Heil zu bewahren, zwingt nicht zu Partikularismus, Supralapsarismus und Heilszwang. Nehmen solche Thesen eine zentrale Bedeutung an, rückt auch das Gesamtgebäude ins Zwielicht. Das Werk der Erlösung ist und bleibt alleine Gottes Geschenk, das der Mensch anzunehmen durch die Gnade Gottes in Stand gesetzt wird, ohne sich dessen rühmen zu können. Kurz gesagt: Wird er gerettet, dann ist es ausschließlich Gottes Werk; geht er verloren, war es seine eigene Schuld.

Die Bibel lehrt eine echte eschatologisch18 relevante Verantwortung. Hierin liegt die Dialektik19 und Komplementarität20 der biblischen Gnadenlehre. Diese Spannung muss ausgehalten werden, auch wenn sie unbefriedigend erscheinen mag.

Ein geschichtliches Erwählungsverständnis „in Christus“ und eine komple-mentäre Quantentheologie21 der Prädestination kann mit dem polaren Spannungsfeld von göttlicher Souveränität und menschlicher Freiheit umgehen. Die Allein-wirksamkeit Gottes und die Verantwortung des Menschen bleiben erhalten, aber sie stehen nicht gleichwertig nebeneinander. Menschliche Freiheit ist Gnade, die der souveräne Gott ermöglicht. In Gottes Willen und Gnade ist der Spielraum des Menschen eingeschlossen, in den Gott durch Sein geschichtliches Handeln in Christus und durch den Ruf des Evangeliums hineintritt, um das individuelle Heil zu verwirklichen. Sowohl Synergismus als auch Heilszwang, Allversöhnung oder doppelte Prädestination halten wir für hilflose Übergriffe auf den Ratschluss Got-tes. Alle Versuche, das dimensionale Ineinander von Gottes Allwirksamkeit und unserer Eigenverantwortung zu lösen, führen an die Grenzen des Denkvermögens. Das Reden von der Vorherbestimmung Gottes hat da seine Berechtigung, wo es das reformatorische sola gratia22 und den unverdienten Charakter der Rettung wah-ren will. Es wird da anmaßend, wo es in ahistorischer Spekulation zu Partikularis-mus und Verdammungsurteil kommt.

Dem doxologischen23 Charakter der Prädestination entspricht die Heilsgewissheit. Durch kein Versagen des Christen wird sich Gott in Seiner durch Christus am Kreuz erwiesenen Treue beirren lassen. Der biblische Erwählungsgedanke will nicht Anlass zu einer spekulativen Lehre sein, die entweder Angst oder Sorglosig-keit auslösen könnte, sondern drückt die Dankbarkeit, Heilsgewissheit und Freude des Gläubigen aus. Seine Rettung hängt nicht von ihm selbst ab und wird auch nicht durch vielerlei Umstände aufs Spiel gesetzt, sondern entspricht dem Willen Gottes. Er darf sich in dieser gottgewollten Gottesgemeinschaft für ewig geborgen wissen.24
steht einerseits der durch die Gnade befreite Wille des Menschen vor den Optionen von Gehorsam oder Unglauben, während andererseits der souveräne Gott, der Sein Weltregiment zum Ziel bringen wird, darin die Freiwilligkeit des Menschen eingeschlossen hat.

Die Ergebnisse im Überblick:

I. Worüber Konsens besteht

- Verderbtheit, Depravity; Sündenzustand, die Ver-derbtheit des Menschen, der zu seinem Heil nichts beitragen kann.
- Alleinwirksamkeit Gottes zum Heil, uneingeschränkt und bedingungslos.
Die Erwählung von Menschen zum Heil durch Gottes persön-lichen Ratschluss wird in der Schrift ausdrücklich bezeugt.
- Unfreier Wille und vorlau-fende Gnade (gratia praeveniens)
Der Wille der Menschen ist in der Tat nicht mehr frei, sondern von der Sünde versklavt, …
- Bedingungslose Erwählung, unconditional election; Beru-fung und Erwählung als Gnadenwirken Gottes.
- Keine Prädestination durch Vorherwissen (Präszienz).

II. Was modifiziert werden muss
- Völlige Ver-derbtheit, total depravity; der Mensch ist zwar völlig heilsunfä-hig, was die Bibel aber nicht so versteht, dass er dem Ruf Gottes nicht gehorchen könne und des-halb zwangser-wählt und –gerettet werden müsse.
…doch darf die vorlau-fende Gnade, die die Annahme des Heils er-möglicht, weder mit Vorherbestimmung noch mit souveräner Entscheidungsfreiheit des Menschen verwech-selt werden.

III. Was nicht mitgetragen wird
- Doppelte Prädesti-nation (Gemina praedestinatio); die Er-wählung zum Heil und zur Verdammnis.
Parallele Struktur von vocatio et reprobatio, Erwählung und Verwerfung, wird von der Bibel nicht gelehrt. Verwer-fung setzt immer eigenes Verschulden voraus und liegt damit nicht im Rat-schluss Gottes.
- Supralapsarismus; die Vorherbestimmung des Sündenfalls.
- Partikularismus, limited atonement, begrenztes Sühneopfer; Christus sei nur für die Erwähl-ten gestorben.
- Unwiderstehliche Gna-de, irresistable grace; Heilszwang.
- Beharren der Heiligen, perseverance oft the saints; Verneinung des Abfalls der Erwählten; „once saved – always saved“ („einmal gerettet – im-mer gerettet“).


Erklärungen

1 Supralapsarismus ist die theologische Vorstellung, dass bereits der
Sündenfall von Gott vorherbestimmt war. Auch der bis dahin sündlose Mensch des Paradieses habe damit keine Wahl gehabt und musste in Sünde fallen.

2 Die Schöpfungsgnade besteht darin, dass der Mensch seine ganze Existenz einem Gnadenakt Gottes, der Schöp-fung, verdankt. Darin ist der Mensch auf Gott hin angelegt, da er aus Gott seine Existenz als Geschöpf Gottes er-hält.

3 Die Erlösungsgnade ist die Erweckung des Menschen zum Glauben und seine Errettung durch den Glauben. Bei der Errettung wird der Mensch durch die Verkündigung des Evangeliums unter der Wirkung des Heiligen Geistes zum Glauben erweckt, gibt Gott in diesem Glauben Antwort und wird dadurch aus der Gottesferne zur Gottesgemein-schaft errettet. Hierbei erfährt der Mensch die Wiedergeburt und die Gewissheit seines Heils in Christus.

4 weitere Verse: Rö 3:24; Rö 11:6; Tit 3,7

5 Die vorlaufende Gnade ist die Wirkung Gottes am unerretteten Menschen, wodurch der Mensch befähigt wird, Gott im Glauben zu antworten. Hierbei geht es nicht um den freien Willen des Menschen, sondern um den befreiten Willen infolge von Gottes Gnadenwirken am bislang unerretteten Menschen.
6 weitere Verse: Hab. 2,4; Röm. 1,17; Gal. 2,6
7 Synergismus ist die theologische Überzeugung, dass der Mensch zum Heil seinen eigenen Teil beitragen muss. Somit ist nicht Gott der allein Wirkende, sondern der Mensch ist in Bezug auf sein Heil der Mit-Wirkende.
8 weitere Verse: Röm. 2,4; Eph. 2,1-5
9 weitere Verse: Jes. 53,6; Röm 3,23; 1. Joh. 1,8
10 Der Partikularismus behauptet, Christus sei nicht für alle Menschen, sondern nur für die zuvor Erwählten gestor-ben. Im Englischen spricht man von limited atonement, dem begrenzten Sühneopfer Christi, im Unterschied zum uni-versalen Verständnis Seines Heilswerkes für alle.
11 Unter der doppelten Prädestination (gemina praedestinatio)versteht man Gottes aktives erwählendes und verwerfen-des Handeln. Gott erwählt die einen Menschen zum Heil und bestimmt die anderen zum Unheil. Hierbei ist es allein Gott, der die einen errettet und die anderen verwirft.
12 Erwählung bedeutet die Gnadenwahl Gottes, wodurch er den Menschen zum Heil bestimmt.
13 Verwerfung ist die Konsequenz von Gottes Gericht über dem sündigen Menschen. In der Vorstellung der doppel-ten Prädestination jedoch wird der Mensch, der von Gott nicht zum Heil erwählt ist, von vornherein von Gott ver-worfen. Verwerfung ist hier also die logische Folge des Nichterwähltseins.
14 Kausalität ist der gesetzmäßige Zusammenhang von Ursache und Wirkung. In der Vorstellung der doppelten Prädestination bedeutet dies, dass aufgrund der aktiven Erwählung Gottes auch auf die aktive Verwerfung Gottes geschlossen werden müsse.
15 weitere Verse: Röm 5:8; Röm 10,17
16 Nirgends zeigt sich das deutlicher als bei dem hartnäckigen Widerwillen, mit dem sich auch die Erwählten (z.B.Israel) den Plänen des Ewigen verweigern können.
17 Hymenäus, Philetus, Alexander, Demas (1Tim 1:19f, 2Tim 2:17f, 4:10,14)
18 Die Eschatologie ist die „Lehre von den letzten Dingen“. „Eschatologisch“ bedeutet, in Bezug auf die endzeitliche Vollendung gesehen. Diese Vollendung ist der Inhalt der Hoffnung, die wir in Christus haben.
19 Dialektik bedeutet, dass sich zwei scheinbare Gegensätze in konstruktiver Spannung gegenseitig ergänzen und zu einer ganzheitlichen Sicht führen. So darf die Gnade und die Verantwortung des Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Mensch wird aufgrund der Gnade zur Verantwortung gerufen. Verantwortlich handeln kann der Mensch aber nur, weil ihn Gott durch die Gnade dazu befähigt.
20 Komplementarität. In den scheinbaren Gegensätzen biblischer Aussagen stößt die Theologie auf die Komplemen-tarität der biblischen Gnadenlehre. Komplementär werden in der Physik Phänomene genannt, wenn zwei unter-schiedliche Experimente unterschiedliche und einander – vordergründig betrachtet – widersprüchliche Ergebnisse hervorbringen, die aber beide die identischen physikalischen Dinge untersuchen. Das bekannteste Beispiel ist der „Welle-Teilchen-Dualismus“ des Lichts.
21 Siehe mcw-Prädestination-C Abschnitt II.7. Den Begriff „Quantentheologie der Prädestination“ führt der Verfas-ser ein, um die Gleichzeitigkeit und das Nebeneinander zweier biblischer Wahrheiten zu illustrieren. Einerseits gilt nämlich die Herrschaft Gottes über die Geschichte, deren von Gott geplanter Ausgang durch menschliche Entschei-dungen weder verhindert noch gefördert werden kann. Andererseits ist damit die Entscheidungsmöglichkeit des einzelnen nicht geleugnet. Wie im Bild der Quantenphysik werden auf der Makroebene Gottes Pläne unwiderstehlich zustande kommen, ohne dass damit jede Entscheidung auf Mikroebene vorweggenommen ist. Die Wahlfreiheit des durch das Evangelium angesprochenen Menschen ist nämlich Teil des umfassenden Rettungsplanes Gottes.
22 Sola gratia bedeutet: Allein aus Gnade. Dabei wird betont zum Ausdruck gebracht, dass allein die Gnade Gottes und keinerlei Mitwirken des Menschen das Heil bewirkt.
23 doxologisch, Doxologie bedeutet Lobpreisung Gottes.
24 Unvergessen bleibt die einfache Illustration eines theologischen Dozenten, der das Rettungsgeschehen mit einem Tor verglich, das auf der Außen- und Innenseite zwei unterschiedliche Aufschriften trägt. Außen liest der schuldbe-laden eintretende Sünder "Herzliche Einladung!", und sobald er das Tor durchritten hat, erkennt der nunmehr von seiner Sündenlast Befreite die Worte "Von Ewigkeit erwählt!"
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