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Wenn der Mond aus grünem Käse ist


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Rolf

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Atheisten auf Bustour: Wenn der Mond aus grünem Käse ist






05.06.09


Rolf Krüger



Die säkulare Buskampagne Deutschland rollt seit einiger Zeit durch Deutschland. In ihrem Windschatten verteilen Christen Bibeln. Und kommen besser an als die Atheisten.

Donnerstag, 11 Uhr, Dortmund, Innenstadt, Reinoldikirche. Ein weißer Reisebus schiebt sich langsam über das Kopfsteinpflaster. Die wenigen Menschen, die um diese Zeit die Fußgängerzone bevölkern, schauen kaum auf. Obwohl auf dem Bus ein ungewöhnlicher Satz prangt: "Und wenn es ihn doch gibt..." Dazu eine Internetadresse: gottkennen.com.

Das "doch" bezieht sich auf die Botschaft des roten Doppeldeckerbusses, der unter atheistischer Flagge derzeit quer durch Deutschland tourt. Er verkündet, es gäbe "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" keinen Gott. Ziel der Organisatoren ist es, zu provozieren, den Glauben an Gott und die von ihnen gefühlte Allmacht der Kirche zu kritisieren. Dialog steht nicht auf dem Programm.

Ursprünglich sollte die "gottlose Botschaft" durch den öffentlichen Nahverkehr ins Land getragen werden – so wie schon in England oder Spanien zuvor. Doch in Deutschland sagten die Städte reihenweise ab. Keine religiöse Buswerbung. Oder nicht zuständig. Deswegen fahren die Atheisten nun selbst durch die Gegend. Und einige Christen dachten sich: Wir hängen uns einfach dran. Und stellen die Gegenfrage.

Von Atheisten ist heute in Dortmund allerdings nichts zu sehen. Und auch generell haben die beiden Fahrzeuge wenige Berührungspunkte, lerne ich bei einem Gespräch mit Tourleiter Thomas Schneider. Man kennt sich und steuert die gleichen Städte an. Aber erst einmal standen die beiden Busse direkt nebeneinander. Die von Campus für Christus organisierte Tour versteht sich als fairer und kritischer Begleiter der Atheisten, nicht gegen sie, sondern für Jesus.

Etwas anders sehen das die Atheisten. Hagen, zwei Stunden später. Der rote Doppeldecker parkt schüchtern in einer Seitenstraße hinter dem Hauptbahnhof. Nicht leicht zu finden. Entsprechend wenig Publikum ist anwesend: Eine junge Studentin und ein älteres Ehepaar. Im Oberdeck echauffiert sich gerade ein Aktivist gegenüber einer Journalistin von der Lokalpresse: "Die Christen klauen einfach unsere Kampagne mit dem Argument, man habe doch so viele Gemeinsamkeiten." Das sei nicht wahr, sagt er aufgebracht, "so als ob ein Vergewaltiger zu seinem Opfer sagen würde: wir haben doch Gemeinsamkeiten, wir haben zusammen Sex gehabt". Die Journalistin lächelt müde.

Immerhin bescheinigt er seinen ungebetenen christlichen Begleitern noch, dass sie sich in freundlicher Umarmung üben. Begeistert ist er darüber aber nicht.

In Dortmund ist inzwischen der Infostand aufgebaut. Ein Klapptisch, auf dem braune Gideon-Bibeln und einige Traktate liegen, dazu ein Buch von Werner Gitt: "Fragen, die immer wieder gestellt werden". Am Bus hängt ein orangefarbenes Tour-Banner und ein passendes T-Shirt, mit Klebestreifen befestigt. Teammitglieder verteilen kleine Kärtchen und Bibeln. Das Team setzt auf Bewährtes.

Generell, sagt Thomas Schneider, sind die Gespräche das Besondere auf ihrer Reise. Manche sind oberflächlich, einige tiefgehend. Als aggressiv nimmt die fromme Kampagne niemand wahr. Eher als clever. Selbst von sonst kritischen Medien kommt Lob.

In Hagen hat sich derweil Rudolf Ladwig, Vorsitzender des Internationalen Bunds der Konfessionslosen und Atheisten, in Rage geredet. Er findet den Spruch auf seinem eigenen Bus viel zu bieder. Sein Vorschlag: "Kinder, holt die Wäsche rein, die Atheisten kommen!" Er erzählt stolz von dem Gerichtsverfahren seines Verbandes gegen die Kirchenaustrittgebühr vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und von den Drohbriefen, die er bekommt.

Ein junger Türke tritt an den Bus heran und fragt: "Wie kommen Sie darauf, dass es keinen Gott gibt?" - "Wie kommen Sie darauf, dass es einen gibt?", entgegnet Ladwig, und noch bevor der junge Muslim antworten kann, unterbricht ihn der stämmige Atheist barsch. Wenn man behaupte, das Innere des Mondes sei aus grünem Käse, müsse man das auch beweisen und nicht die anderen das Gegenteil. Mehr Argument braucht kein Atheist.

Erbost gibt der junge Mann zurück: "Ich kann Ihnen nur sagen, dass sie auf dem ganz falschen Weg sind.", und im Weggehen ruft er noch: "Gott wird Sie strafen!"

"Ja, Gott wird mich strafen, wunderbar!", murmelt Ladwig und besteigt seinen Bus. Mit nur einem älteren Ehepaar und einer jungen Studentin startet der Doppeldecker seine Stadtrundfahrt. Provozieren wollten sie ja, die Atheisten. Das Interesse an ihrem Thema hätten sich die Streiter für eine gottlose Welt aber größer vorgestellt.
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