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Gottes Handeln verstehen


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Rolf

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Gottes Handeln verstehen



Gott und die Zeit
"Dispensationalismus" ist ein Wort aus dem englischen Sprachraum, das seine deutsche Entsprechung im Wort "Heilszeitentheologie" hat. Damit ist die Überzeugung gemeint, dass Gott in seiner Geschichte mit der Menschheit zu verschiedenen Zeiten verschieden gehandelt hat.

Vergleichen wir die Geschichte der Menschheit einmal mit einem Zeitstrahl vor, der bei Null beginnt und ins Unendliche geht. Jeden Tag bewegen wir uns einen kleinen Abschnitt auf diesem Zeitstrahl vorwärts. Die "Null" würde den Anfang der unserer Geschichte darstellen, also die Schöpfung von Himmel und Erde - 1.Mose 1,1. Irgendwo auf diesem Zeitstrahl gibt es in der Zukunft einen Punkt „X“, der das Ende der Geschichte markiert, wie wir sie kennen. Dort beginnt die Ewigkeit, der jetzige "erste" Himmel und die jetzige "erste" Erde sind dann vergangen (Offenbarung 21,1).

In den Geschichtsbüchern der Bibel können wir Berichte darüber nachlesen, wie Gott in der Vergangenheit gehandelt hat. Und in vielen prophetischen Büchern der Bibel gibt Gott Hinweise darauf, wie er in der Zukunft handeln wird. Der Dispensationalismus ordnet nun das Handeln Gottes, wie es in der Bibel beschreiben wird, in die verschiedenen Abschnitte auf dem Zeitstrahl - ordnet es sozusagen "ins große Bild" ein.


Herkunft und Grundaussagen

Der englische Begriff "Dispensation" geht auf das griechische Wort "oikonomia" zurück. Es bedeutet "Hausverwaltung, Haushaltung, Heilsordnung"; wir haben von ihm auch das Wort "Ökonomie". Paulus verwendet das Wort z. B. in Kolosser 1,25, wo er von einer "Heilsordnung" schreibt, die jetzt der Gemeinde (d.h. im Neuen Bund) von Gott offenbart worden ist, den gläubigen Israeliten zu früheren Zeiten (d.h. im Alten Bund) aber verborgen war. Eine ähnliche Aussage lesen wir in Epheser 1,10 und Epheser 3.

Der Dispensationalismus führt diese Unterscheidung nun weiter aus. Bereits in der Frühzeit der Kirche gab es z.B. eine Dreiteilung der Geschichte in die Abschnitte „vor dem Gesetz“, „unter dem Gesetz“ und „unter der Gnade“. Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurde der Dispensationalismus vor allem in England und Irland unter John Nelson Darby stark verbreitet. Darby erarbeitete zusammen mit Scofield folgende Abschnitte auf dem Zeitstahl (so genannte "Dispensationen"):


1. Unschuld - von der Erschaffung des Menschen bis zum Sündenfall,
2. Gewissen oder moralische Verantwortung - vom Sündenfall bis zur Sintflut
3. Menschliche Regierung - von der Sintflut bis zur Berufung Abrahams,
4. Versprechen - von der Berufung Abrahams bis zum Exodus
5. Gesetz - vom Sinai bis zu Jesus Christus
6. Gnade - von Pfingsten bis zur Entrückung
7. Königreich - von der Entrückung bis zur Ewigkeit.


Es gibt in der Theologie auch andere Einteilungen, die dieses System entweder verfeinern (12 Dispensationen – Einteilung von A. E. Knoch) oder vergröbern (2 Dispensationen – praktische Einteilung).


Grenzen

Sicher steht außer Frage, dass die Bibel das Handeln Gottes im Alten und im Neuen Bund deutlich unterscheidet (ohne dass es ein anderer Gott wäre, der da handelt!) . Aber an den feiner unterteilten Abschnitten beginnen sich die Geister zu scheiden. Gerade die Abschnitte zwischen Schöpfung und der Kreuzigung und Auferstehung Jesu sind keineswegs einheitlich festzulegen. Dasselbe gilt für die Fragen nach den zukünftigen Entwicklungen am Ende der Zeit (Eschatologie): Auch hier gibt es verschiedene theologische Auffassungen, und es würde den Rahmen sprengen, hier die Details aufzuzeigen.


Was habe ich davon?

Der Dispensationalismus bietet ein Raster an, um die verschiedenen Berichte in der Bibel besser in den großen Rahmen der Selbstoffenbarung Gottes an seine Menschen einzuordnen. Das kann durchaus eine Hilfe sein, und gerade die Unterscheidung in Leben nach dem Alten Bund ("unter dem Gesetz") und Leben nach dem Neuen Bund ("unter der Gnade") gehört eigentlich zu den wichtigsten Grundlagen des Christseins - mit großer Relevanz auch für den Alltag.

Darüberhinaus ist der Dispensationalismus aber kein geschlossenes und zweifelsfrei aus der Bibel ableitbares System, und es hat relativ wenige – um nicht zu sagen keine – Auswirkungen für mein Leben, ob es nun tatsächlich 12 oder 7 oder 3 Dispensationen in der Heilsgeschichte gibt.

Was in der Bibel wesentlich mehr Gewicht hat, ist die Tatsache, daß Gott in der Geschichte eingegriffen hat - zu allen Zeiten unserer Menschheitsgeschichte. Immer wieder gab es Menschen, die sich auf diesen Gott einließen, ihm gehorchten, und tiefe Erfahrungen in ihrem Glauben machten (siehe Hebräer 11).

Das fordert mich viel mehr heraus als theoretisches Wissen: Es ist relativ einfach, am Reißbrett das Handeln Gottes in der Geschichte zu analysieren, zu kategorisieren (und ein Stück weit auch zu spekulieren). Es ist viel schwerer, Gott in allen Lebensumständen zu vertrauen.

Der Gott, den ich heute erfahren kann, ist derselbe treue, heilige, liebevolle und kreative Gott, den Adam, Noah, Abraham, Petrus, Paulus und zahllose andere Menschen begegnet sind. Und auch wenn ich nicht die Einzelheiten aller Endzeittheorien auswendig beherrsche, so weiß ich doch eins: Jesus kommt wieder - und danach will ich mein Leben ausrichten.

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