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Schwarzgeld auf Vatikan-Bank?


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Rolf

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Schwarzgeld auf Vatikan-Bank?



Der Manipulations-Skandal im italienischen Fußball wirft immer mehr Fragen auf

In Italien hat die Jagd auf die Schwarzgeld-Millionen von Luciano Moggi begonnen. Die Ermittler vermuten die Konten des Ex-Sportdirektors von Juventus Turin, der im Mittelpunkt des Manipulations-Skandals im italienischen Fußball steht, auf der ganzen Welt: in der Schweiz, in Liechtenstein, auf den Cayman-Inseln und - besonders pikant - auch bei der Vatikan-Bank IOR.

Die Gelder von Moggi und dessen Sohn Alessandro, Inhaber der mächtigen Spielervermittlungsgesellschaft GEA, sollen aus illegalen Profiverträgen stammen. In den Bilanzen wurden offenbar stark überhöhte Ausgaben aufgeführt, um Schwarzgelder zur Seite legen zu können. Allein die GEA, die mehr als 200 Spieler und Trainer unter Vertrag hat, soll dank der illegalen Buchführung Summen in Millionenhöhe angesammelt haben.
Ermittlungen laufen zu angeblich künstlich aufgeblasenen Transfers von Profis wie denen des Mittelfeldspielers Fabio Liverani, der im September 2001 von AC Perugia zu Lazio Rom gewechselt war. Offiziell betrug die Ablösesumme für Liverani 12,5 Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro sollen der GEA schwarz gezahlt worden sein. Auch wegen des Transfers von Abwehrspieler Alessandro Nesta von Lazio Rom zum AC Mailand im August 2002 wird ermittelt. Milan soll damals 30,2 Millionen Euro überwiesen haben.

Gestern wurde auch Nationaltrainer Marcello Lippi befragt. Medienberichten zufolge habe der einst allmächtige Moggi sogar auf Lippi, ehemals Juventus-Trainer, massiv Druck ausgeübt. Lippi sollte Spieler für die Nationalmannschaft nominieren, die bei der GEA unter Vertrag stehen, um deren Marktwert zu steigern. Die Ermittler stellten fest, daß Lippis Sohn Davide enge Beziehungen zur GEA pflegt. Der Nationaltrainer wurde gestern in Rom von der Staatsanwaltschaft fast dreieinhalb Stunden lang befragt. "Es ist alles gut verlaufen", sagte er.

Das Schreckgespenst eines Zwangsabstiegs von Juventus in die Serie B belastet auch die Spieler. Allein die Aussicht eines Abstiegs scheint mehrere Superstars in die Flucht zu treiben. Ungewiß ist vor allem die Zukunft des schwedischen Stürmers Zlatan Ibrahimovic und von National-Verteidiger Fabio Cannavaro, deren Wohnungen in Turin von der Steuerpolizei durchsucht worden sind. Die Ermittler gehen davon aus, daß ihre Spielerverträge von den Fälschungen betroffen sind.
Wegen der Verstrickungen in den Skandal rücken auch die Sponsoren von Juve ab. Sportartikelhersteller Nike und der Mineralölkonzern Tamoil erwägen eine Auflösung der Verträge mit dem Spitzenklub. Die Kontrakte mit den TV-Sendern Mediaset und Sky Italia über die TV-Übertragungsrechte könnten für ungültig erklärt werden, sollte der Klub in die Serie B absteigen müssen.

Zudem bleiben die Juve-Aktien an der Mailänder Börse unter Druck. Seit der Aufdeckung des Manipulationsskandals verloren die Papiere des Klubs fast 50 Prozent ihres Wertes. Allein gestern morgen fiel die Aktie um elf Prozent auf das historische Tief von 1,19 Euro. In den vergangenen Wochen gingen 137 Millionen Euro Kapitalisierung verloren.
Aber auch gegen Vizemeister AC Mailand wird wegen angeblicher Absprachen mit Schiedsrichtern weiter ermittelt. Der Eigentümer des Klubs, der abgewählte Staatspräsident Silvio Berlusconi, beteuerte, daß sein Klub nichts mit Moggis Manipulationen zu tun habe: "Wir sind selber Opfer." Nachdem Berlusconi bei den Parlamentswahlen im April abgewählt wurde, will sich der Ex-Regierungschef wieder persönlich um den AC Mailand kümmern.

Aus der Berliner Morgenpost vom 20. Mai 2006
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