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Der Tempel und seine Zeremonien


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3 Antworten in diesem Thema

#1
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Der Tempel und seine Zeremonien



Ein Teil der folgenden Informationen wird von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als heilig eingestuft. Niemand darf sich mit diesen Zeremonien außerhalb der Tempelmauern beschäftigen. Wir denken aber, dass sich bei vielen HLT-Mitgliedern ein Wertewandel vollzieht und sie sich besser informieren wollen als bisher. Wir denken auch, dass jeder Mensch frei ist und ein Recht hat, sich informieren zu können, wenn er dies möchte. Darum haben wir uns entschlossen, diese Zeremonien jedermann auf Wunsch zugänglich zu machen. Wir halten die nachfolgenden Informationen für gänzlich ungeeignet für Sensationspresse oder Effekthascherei, und wünschen daher, dass nur der geneigte Leser mit dem Wunsch, Kenntnis zu erlangen, diese folgenden Seiten aufruft. Nicht jede gegebene Information in diesem Abschnitt unterliegt dem Geheimhaltungseid, wo dies aber zutrifft, wurde der Link mit * markiert.


Das genealogische Werk


Ahnenforschung wird in der Kirche ganz groß geschrieben, denn stellvertretende Arbeit für Verstorbene kann nur bei Kenntnis der Personen durchgeführt werden. Daher hat die Kirche die größte Namensammlung der Erde. Das erklärte Ziel ist es, einen möglichst kompletten Stammbaum der Menschheit zu erhalten. Längst haben Computer bei dieser Arbeit Einzug gehalten. Dennoch werden weiterhin alle Daten auch auf Mikrofilm festgehalten und gelagert. So sind auch schon Tausende deutsche Kirchenbücher in den Bergen um Salt Lake City archiviert. Dort unterhält die Kirche nämlich ein atombombensicheres Gewölbe für diesen Zweck.

Die Mitglieder der Kirche sind aufgefordert, ein persönliches Ahnenregister zu haben, das mindestens bis in die vierte Generation vollständig ist, das wäre also bis zu den Urgroßeltern. Dennoch wenden die meisten Mitglieder relativ wenig Zeit für Familienforschung auf.

Gesammelt werden die persönlichen Daten, also Name, Vornamen, Geburtsname, Geburtstag und -ort bzw. Taufdatum und -ort, Heiratsdatum und -ort sowie Sterbedatum und -ort. Diese müssen aber nicht unbedingt vollständig sein. Weitere Daten wie Berufe usw. sind vor allem für die Familiengeschichte gefragt.

Jeder Name, der erfasst wurde, wird zum Zweck der Erteilung der Verordnungen an die Tempel weitergegeben. Dort erhalten die Verstorbenen also die Taufe, Konfirmation, Priestertum, Endowment und Ehesiegelung, so wie es auch bei lebenden Mormonen üblich ist.


Totentaufe, Konfirmation und Priestertum

Als Voraussetzung für die Rückkehr in Gottes Gegenwart wird die Taufe als unumgänglich angesehen. Deshalb muss die Taufe stellvertretend für alle Verstorbenen durchgeführt werden. Taufen in anderen Religionen werden nicht anerkannt. Das Sterbealter spielt keine Rolle. Die Verstorbenen haben dadurch die Möglichkeit, diese Taufe in der Geisterwelt anzuerkennen. Sie ist die erste stellvertretende Handlung für einen Verstorbenen im Tempel.

Diese Zeremonie wird meist von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren durchgeführt. Sie ist die einzige Zeremonie, für die Jugendliche den Tempel betreten dürfen. Dafür werden meist in den Gemeinden besondere Tempelfahrten für sie organisiert. Bei der Taufe tragen sie einen weißen Overall. Die Mädchen werden für verstorbene Frauen, die Jungen für verstorbene Männer getauft.

In den meisten Tempeln ruht ein rundes Taufbecken auf den Rücken von zwölf Ochsen. Die Wasseroberfläche befindet sich unter dem örtlichen Bodenniveau. Ein Tempelsekretär, auch Rekorder genannt, hat eine Liste von Namen, die dann nacheinander abgearbeitet werden.

Ein Träger des Melchisedekischen Priestertums geht mit einem Jugendlichen in das Wasser. Der Täufer hebt seinen rechten Arm rechtwinklig und sagt: „Bruder/Schwester [Familienname des Täuflings], mit der Macht des Melchisedekischen Priestertums taufe ich dich für [Name des/der Verstorbenen], der/die verstorben ist, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Danach wird der Täufling nach hinten gelehnt und vollständig untergetaucht. Der Täufer hilft ihm dann wieder nach oben. Zwei Zeugen wachen darüber, dass der Wortlaut korrekt und das Untertauchen vollständig waren. Diese Prozedur wird meist zwischen zehn und 50 mal wiederholt, je nach Anzahl der Namen und Täuflinge. Ein Täufer tauft im Allgemeinen nicht mehr als zehn Täuflinge. Nach der Taufe duschen die Jugendlichen und schlüpfen wieder in ihre Anzüge und Kleider.

Anschließend gehen sie in einen kleinen Nebenraum, wo ihnen von zwei männlichen Tempelarbeitern die Hände aufgelegt werden, um stellvertretend den Heiligen Geist gespendet zu bekommen. Das geschieht für jede Person, für die sie auch getauft wurden.

In den meisten Fällen schließt sich bei den Jungen gleich noch die stellvertretende Ordination zum Priestertum an.

Diese Verordnungen werden im Tempel ausschließlich für Verstorbene durchgeführt. Für Lebende finden sie außerhalb der Tempel, also in den Gemeindehäusern statt.


Der Tempelschein

Der Tempelschein (früher Tempelempfehlungsschein) ist die Voraussetzung, um einen Tempel betreten zu dürfen. Er wird am Eingang eines jeden Tempels von Hand kontrolliert. Um sicherzustellen, dass nur für ’würdig‘ erachtete Mitglieder Zutritt zu dem als heilig angesehenen und entsprechend geweihten Gebäude erlangen, sind für den Erhalt zwei Gespräche mit der Gemeinde- und Pfahlpräsidentschaft bzw. gleichrangigen Autoritäten erforderlich. Neue Mitglieder der Gemeinschaft müssen mindestens ein Jahr von ihrer Taufe an warten, um zum Würdigkeitsinterview zugelassen zu werden. Langjährige Mitglieder erhalten ihn selten vor einem Alter von 19 bzw. 21 Jahren (männlich bzw. weiblich), im allgemeinen kurz vor ihrer Mission oder ihrer Hochzeit im Tempel. Der Tempelschein bleibt von der Ausstellung an ein Jahr lang gültig, danach muss erneut ein Würdigkeitsinterview zur Erlangung eines Tempelscheins stattfinden. Die folgenden Anweisungen und Fragen sind die offiziellen Richtlinien, die die Gemeinschaft ihren örtlichen Führern für die Erteilung von Tempelscheinen an die Hand gibt.


Diese Seite gliedert sich in die Abschnitte
Die Veränderungen
Das Anschreiben über die Änderung
Anweisungen für das Ausstellen des Tempelscheins
Das Ausstellen des Tempelscheins
Das Ausfüllen des Tempelschein-Formulars
Das Unterschreiben des Tempelscheins durch den Tempelpräsidenten
Der Tempelschein mit eingeschränkter Geltung
Ein Mitglied, dessen Ehepartner die Begabung nicht erhalten hat
Die Meldung verlorener, entwendeter und widerrufener Tempelscheine
Sichere Verwahrung der Tempelscheinbücher
Gültigkeitsdauer
Gültigkeitsdauer des Tempelscheins
Anweisungen für das Interview
Die Fragen für das Tempelscheininterview
Abbildung eines Tempelscheins



Die Veränderungen

Die Fragen für das Würdigkeitsinterview ändern sich von Zeit zu Zeit geringfügig. An der Art der Fragestellung kann man die Entwicklung von Wertigkeiten innerhalb der Gemeinschaft ablesen. Es steht eine Liste von älteren Fragekatalogen zu Verfügung, die seit Mai 1999 gültigen Fragen befinden sich auf dieser Seite.


Das Tempelschein-Interview zwischen 1996 und 1999
Das Tempelschein-Interview zwischen 1993 und 1996
Das Tempelschein-Interview vor 1993

Die Frage nach der Trennung von einem Ehepartner (Frage 12) wurde stark vereinfacht. Alle Stellen mit Bezug auf das Handbuch wurden auf den neuen Titel aktualisiert. In den Anweisungen wurde eine Ungenauigkeit beseitigt, die vermuten ließ, der Anwärter würde bereits mit einem Tempelschein zum Distriktspräsidenten gehen. Das Verfahren für Tempelscheine mit eingeschränkter Geltung wurde leicht geändert, sie verbleiben nunmehr im Tempel, wo sie den Minderjährigen bei einem weiteren Besuch wieder ausgehändigt werden.

Das Anschreiben über die Änderung

19. Mai 1999

An alle Generalautoritäten, Gebietsautorität-Siebziger, Pfahl-, Missions- und Distriktspräsidenten, Bischöfe und Zweigpräsidenten sowie Tempelpräsidenten

Neue Tempelscheinfrage

Liebe Brüder,

Die Frage 12 für die Ausstellung des Tempelscheins ist geändert worden.

Anbei erhalten Sie ein Exemplar der Tempelscheinfragen, worin die Änderung enthalten ist. Bitte verwenden Sie diese neuen Vorlagen ab sofort, wenn Sie Mitglieder interviewen und ihnen einen Tempelschein aushändigen, mit dem sie den Tempel betreten können. Alle noch vorliegenden Anweisungen und Fragen müssen mit dem Shredder vernichtet bzw. verbrannt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Die Erste Präsidentschaft

Anweisungen für das Ausstellen des Tempelscheins

Machen Sie sich mit den Anweisungen zum Tempel im Handbuch Anweisungen der Kirche vertraut, darunter mit den Anweisungen zum Tragen und zur Pflege des Garments. Bei allen Angelegenheiten, die dort erörtert werden, ist strikte Vertraulichkeit zu wahren.

Das Ausstellen des Tempelscheins

Einem würdigen Mitglied können Sie jederzeit einen Tempelschein ausstellen. Halten Sie ein Ehepaar dazu an, sich gleichzeitig zu bewerben, führen Sie das Interview aber mit jedem der beiden einzeln.

Das Ausfüllen des Tempelschein-Formulars

Füllen Sie (Bischof, Ratgeber des Bischofs im Fall des Erneuerns bzw. Zweigpräsident) den Schein mit Durchschrift aus, und tragen Sie auch das Ausstellungsdatum ein. (Siehe Handbuch Anweisungen der Kirche, Buch 1, Seite 66.) Füllen Sie den Tempelschein leserlich und genau aus, und entnehmen Sie die Angaben dem Mitgliedsschein. Belassen Sie die rosa Kopie im Buch, und händigen Sie dem Bewerber das weiße Original aus.

In einem Pfahl geht das Mitglied, dem ein Tempelschein, ein Schein für heilige Handlungen [Lebende] oder ein Schein mit eingeschränkter Geltung (dieser Schein gilt nur zum Vollzug von Taufe oder Konfirmierung) ausgestellt wurde, damit zu einem Mitglied der Pfahlpräsidentschaft, das dann ebenfalls mit dem Mitglied ein Interview führt und den Schein unterschreibt, wenn das Mitglied würdig ist.

In einem Distrikt in einer Mission geht das Mitglied aus einem Zweig mit dem Tempelschein zu einem befugten Mitglied der Missionspräsidentschaft, um interviewt zu werden. Wenn das Mitglied würdig ist, unterschreibt das Mitglied der Missionspräsidentschaft den Tempelschein.

Jedes Mitglied, das, wie oben angeführt, einen Tempelschein erhält, muss persönlich vom Bischof, einem Ratgeber des Bischofs bzw. vom Zweigpräsidenten und von einem Mitglied der Pfahlpräsidentschaft (oder in einer Mission von einem befugten Mitglied der Missionspräsidentschaft) interviewt werden. Der Pfahl- bzw. Missionspräsident muss jedes Mitglied, das sich um einen Schein für heilige Handlungen [Lebende] bewirbt, persönlich interviewen und zwar kurz bevor das Mitglied den Tempel besuchen wird.

Wenn ein Mitglied die Begabung erhalten, an seinen Ehepartner gesiegelt oder im Tempel für Zeit getraut werden soll, muss es zusätzlich zum Tempelschein (Buch 1) einen Schein für heilige Handlungen [Lebende] (Buch 2) haben. Siehe die Richtlinien für die verschiedenen Arten von Tempelscheinen nach dem Zwischenblatt.

Ein männliches Mitglied muss das Melchisedekische Priestertum tragen, um einen Tempelschein oder einen Schein für heilige Handlungen [Lebende] bekommen zu können.

Bei einer Frau ist der Tempelschein immer auf ihren derzeitigen gesetzlichen Namen auszustellen, ganz gleich, ob sie geschieden und an wen sie gesiegelt ist.

Wenn Sie einen Schein für heilige Handlungen [Lebende] für eine verheiratete Frau ausstellen, die in den Tempel geht, um die Begabung zu erhalten oder an ihren Mann gesiegelt zu werden, tragen Sie ihren vollständigen Ledigennamen ein und danach den derzeitigen Familiennamen in Klammern, z.B. Karin Monika Uffenheimer (Dietz).

Das Unterschreiben des Tempelscheins durch den Tempelpräsidenten

Wenn in außergewöhnlichen Fällen Mitglieder in abgelegenen Gebieten leben und nicht in der Lage sind, den Pfahl- bzw. Missionspräsidenten wegen eines Interviews und der Unterschrift auf dem Tempelschein zu erreichen, ist der Tempelpräsident bevollmächtigt, das Interview zu führen und die Unterschrift zu leisten. Dies ist nur dann gestattet, wenn das Zusammentreffen mit dem Pfahl- bzw. Missionspräsidenten mit übergebührlichen Reisekosten oder anderen außergewöhnlichen Umständen verbunden wäre.

In solchen Fällen muss der Schein vom Bischof, von einem seiner Ratgeber (nur bei Erneuerung des Tempelscheins) bzw. vom Zweigpräsidenten unterschrieben werden. Der Tempelpräsident spricht mit dem Missions- bzw. Pfahlpräsidenten, um sicherzustellen, dass dieser darüber informiert ist und dem Interview zustimmt.

Der Tempelschein mit eingeschränkter Geltung

Stellen Sie den Tempelschein mit eingeschränkter Geltung (Buch 3) nur einem würdigen Mitglied aus, das die Begabung noch nicht empfangen hat und jetzt nicht empfängt. Ein Kind unter acht Jahren benötigt keinen Tempelschein, aber ein Kind, das acht Jahre oder älter ist, muss einen Tempelschein mit eingeschränkter Geltung haben, wenn es an seine Eltern gesiegelt werden, an der Siegelung seiner Geschwister an die Eltern teilnehmen oder (wenn zwölf Jahre oder älter) Taufen und Konfirmierung für Verstorbene vollziehen soll. Andere Erfordernisse für Mitglieder, die die Begabung nicht empfangen haben, sind zu Anfang im Buch für Tempelscheine mit eingeschränkter Geltung und im Handbuch Anweisungen der Kirche, Buch 1, Seite 68 aufgeführt.

Für jemand, der einen Tempelschein mit eingeschränkter Geltung erhält, gelten dieselben Würdigkeitsmaßstäbe wie für diejenigen, die einen anderen Tempelschein erhalten.

Alle Mitglieder ab dem achten Lebensjahr (sofern sie zurechnungsfähig sind) müssen getauft sein und einen Tempelschein haben, sonst können sie nicht an ihre Eltern gesiegelt werden.

Wenn ein Mitglied, dessen Ehepartner die Begabung nicht erhalten hat, für die Begabung empfohlen werden soll

Sie (Bischof bzw. Zweigpräsident) können mit jemandem, dessen Ehepartner die Begabung nicht empfangen hat, das Tempelscheininterview erst dann führen, wenn Ihnen die schriftliche Zustimmung des Ehepartners vorliegt. Sowohl Sie als auch der Pfahlpräsident müssen sich in eingehenden Gesprächen davon überzeugt haben, dass die in der Begabung eingegangenen Verpflichtungen die eheliche Harmonie nicht beeinträchtigen werden.

Die Meldung verlorener, entwendeter und widerrufener Tempelscheine

Ist ein Tempelschein verlorengegangen oder entwendet worden oder wurde er widerrufen, befindet sich aber noch im Besitz des Betreffenden, so müssen Sie das sofort Ihrem Tempel bzw. der Tempelabteilung in Salt Lake City (Temple Department, 50 East North Temple Street, Salt Lake City, Utah 84150, Telefon 001-801-240-2395) melden. In der Meldung ist der Name des Tempelscheininhabers, sein Geschlecht, die Nummer der Einheit, das Ausstellungsdatum und die Registrierungsnummer anzugeben. Wenn ein ganzes Tempelscheinbuch verlorengegangen oder gestohlen worden ist, muss die erste und die letzte Registrierungsnummer gemeldet werden, außerdem die Nummern der noch unbenutzten Formulare.

Sichere Verwahrung der Tempelscheinbücher

Verwahren Sie die Tempelscheinbücher sehr sorgfältig, um jede Möglichkeit auszuschließen, dass sie in unrechte Hände geraten. Notieren Sie die Registrierungsnummer des ersten und des letzten Scheins von jedem Buch, und verwahren Sie diese Notiz an einem sicheren Ort.

Sobald Sie alle Scheine in einem Buch ausgestellt haben, legen Sie es hinten im Ordner ab, und bewahren Sie es dort mindestens ein Jahr nach dem letzten Vierteljahr auf, in dem der letzte Schein ausgestellt wurde. Aufgrund dieser Aufbewahrungszeit können Sie verlorene Tempelscheine melden. Danach vernichten Sie das Buch durch Verbrennen oder in einem Aktenvernichter.

Verwenden Sie sämtliche Tempelscheine im Buch. Jedes Buch enthält ein eigenes Bestellformular, so dass Sie nachbestellen können, bevor der Vorrat aufgebraucht ist.

Gültigkeitsdauer

Alle Tempelscheine, außer der Tempelschein mit eingeschränkter Geltung, der für Jugendliche einer Gemeinde ausgestellt wird, sind nach dem Vierteljahr, in dem sie ausgestellt worden sind, ein Jahr lang gültig. (Siehe untenstehende Übersicht.) Machen Sie jeden Bewerber deutlich darauf aufmerksam, dass er nur dann in den Tempel eingelassen wird, wenn er einen gültigen Tempelschein vorweist.

Gültigkeitsdauer für den Tempelschein mit eingeschränkter Geltung (Buch 3):

Der Tempelschein für eine Jugendgruppe aus einer Gemeinde, die Taufen und Konfirmierung für Verstorbene vollziehen will, ist nur für einen einzigen Tempelbesuch gültig.


Wenn Eltern ältere Kinder zum Tempel mitnehmen, um Taufen und Konfirmierung für Verstorbene zu vollziehen, werden die Assistenten alle ausgestellten Tempelscheine im Tempel aufbewahren, ob er nun für ein einziges oder für mehrere Kinder aus einer Familie ausgestellt wurde. Wann immer die Kinder zum Tempel kommen, wird ihnen der Tempelschein ausgehändigt. Die Tempelscheine werden ein Jahr nach dem Vierteljahr, in dem sie ausgestellt worden sind, ungültig. Jugendliche, die die Begabung nicht empfangen haben, müssen beim Tempelbesuch von Erwachsenen beaufsichtigt werden.


Unverheiratete Mitglieder über 21 Jahre und Jugendliche ab etwa 17 Jahren, die nicht mit einer Jugendgruppe den Tempel besuchen, können den ihnen individuell ausgestellten Tempelschein mit eingeschränkter Geltung behalten und ein Jahr lang verwenden.


Gültigkeitsdauer des Tempelscheins (ausgenommen ist der Tempelschein mit eingeschränkter Geltung für eine Jugendgruppe aus einer Gemeinde)

Mit dem Ausstellungsdatum
Dezember, Januar, Februar
März, April, Mai
Juni, Juli, August
September, Oktober, November

Ende der Gültigkeit nächstes Jahr am
28. (29.) Februar. Ein im Dezember ausgestellter Schein läuft Ende Februar des übernächsten Jahres ab.
31. Mai
31. August
30. November

Anweisungen für das Interview

Wenn Sie ein Mitglied interviewen, müssen Sie mit großer Sorgfalt vorgehen. Machen Sie klar, dass Sie den Herrn vertreten, wenn Sie zu entscheiden haben, ob ein Mitglied würdig ist, sein heiliges Haus zu betreten. Ein Mitglied darf den Tempelschein nur dann erhalten, wenn es für würdig befunden worden ist. Überzeugen Sie sich, dass der Bewerber in bezug auf die Richtlinien und Grundsätze der Kirche würdig ist. Wenn ein Bewerber nicht gemäß den Richtlinien und Grundsätzen der Kirche lebt, muss er wahre Umkehr beweisen, ehe er einen Tempelschein erhalten kann. Aus der zufriedenstellenden Beantwortung der Fragen ergibt sich im allgemeinen, dass der Betreffende für einen Tempelschein würdig ist. Sie dürfen aber nicht annehmen, wenn jemand schon einmal würdig gewesen ist, den Tempel zu betreten, so brauche ein nachfolgendes Interview nur noch oberflächlich geführt zu werden. Besprechen Sie die Interviewfragen mit jedem Bewerber einzeln, und behandeln Sie jedes Interview vertraulich.

Wenn ein Tempelschein mit eingeschränkter Geltung nur für Taufen und Konfirmierung für Verstorbene ausgestellt wird, wird der Bewerber nur vom Bischof oder von einem seiner beiden Ratgeber interviewt, nicht aber von einem Mitglied der Pfahlpräsidentschaft. Alle übrigen Tempelscheine mit eingeschränkter Geltung bedürfen des Interviews und der Unterschrift durch ein Mitglied der Pfahlpräsidentschaft.

Wenn Sie jemanden für den Tempelschein interviewen, dürfen Sie nicht auf persönliche, intime Angelegenheiten eingehen, die mit der ehelichen Beziehung zwischen den Ehepartnern zu tun haben. Im allgemeinen dürfen Sie von den hier aufgeführten Fragen nicht abweichen. Falls jemand im Lauf des Interviews fragt, ob ein bestimmtes Verhalten einwandfrei ist, gehen Sie nicht näher darauf ein; sagen Sie einfach, wenn er sich über die Zulässigkeit seines Verhaltens so viele Gedanken macht, dass er Fragen stellt, wäre es wohl am besten, damit aufzuhören. Mit Einfühlungsvermögen und Weisheit können Sie erreichen, dass solch eingehende Fragen beim Interview gar nicht erst gestellt werden.

Die Fragen für das Tempelscheininterview

Haben Sie festen Glauben an Gott, den ewigen Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den Heiligen Geist, und haben Sie in dieser Hinsicht ein Zeugnis?


Haben Sie ein Zeugnis vom Sühnopfer Christi und von seiner Rolle als Erretter und Erlöser?


Haben Sie ein Zeugnis von der Wiederherstellung des Evangeliums in diesen, den Letzten Tagen?


Anerkennen Sie den Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als den Propheten, Seher und Offenbarer und als den einzigen Menschen auf der Erde, der die gesamte Schlüsselgewalt des Priestertums innehat und ermächtigt ist, sie auszuüben? Anerkennen Sie die Mitglieder der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf als Propheten, Seher und Offenbarer? Anerkennen Sie die übrigen Generalautoritäten und die örtlichen Autoritäten der Kirche?


Leben Sie das Gesetz der Keuschheit?


Gibt es in Ihrem Verhalten gegenüber den Mitgliedern Ihrer Familie irgend etwas, was mit den Lehren der Kirche nicht im Einklang steht?


Unterstützen Sie oder haben Sie Verbindung mit Gruppen oder Einzelpersonen oder stimmen Sie solchen zu, deren Lehren oder Handlungen mit den von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage akzeptierten unvereinbar sind bzw. sich dagegen richten?


Sind Sie bestrebt, die Bündnisse, die Sie eingegangen sind, zu halten, an Ihrer Abendmahlsversammlung und Ihrer Priestertumsversammlung teilzunehmen und im Einklang mit den Gesetzen und Geboten des Evangeliums zu leben?


Sind Sie im Umgang mit Ihren Mitmenschen ehrlich?


Zahlen Sie den Zehnten voll?


Befolgen Sie das Wort der Weisheit?


Haben Sie gegenüber einem früheren Ehepartner oder Ihren Kindern finanzielle oder sonstige Verpflichtungen? Falls ja, sind Sie damit auf dem laufenden?


Falls Sie die Tempelbegabung schon empfangen haben:


Halten Sie sich an die Bündnisse, die Sie im Tempel eingegangen sind?


Tragen Sie das Garment sowohl nachts als auch tags, -- nämlich gemäß der Unterweisung bei der Begabung und entsprechend dem Bund, den Sie im Tempel eingegangen sind?



Gibt es in Ihrem Leben irgendwelche Sünden oder Verfehlungen, die mit einer Priestertumsautorität hätten bereinigt werden sollen, aber nicht bereinigt wurden?


Halten Sie sich für würdig, in das Haus des Herrn zu gehen und dort an den heiligen Handlungen teilzunehmen?

Betonen Sie in jedem Interview, dass der Tempelschein sicher zu verwahren ist. Er darf nie verliehen werden, und es ist dem Beamten, der ihn ausgestellt hat, sofort zu melden, falls er verloren oder entwendet wurde. (Siehe "Die Meldung verlorener, entwendeter und widerrufener Tempelscheine" auf der vorhergehenden Seite.)





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Der Tempel und seine Zeremonien II





Die Vorverordnungen


Der Name dieser Zeremonien ergibt sich aufgrund der Plazierung vor dem Erhalt des Endowments. Für Verstorbene werden die Verordnungen massenweise abgearbeitet. Die hier beschriebene Prozedur bezieht sich daher auf den Empfang durch Lebende.

Der Endowmentempfänger kauft sich im Tempelladen ein Paar Garments und betritt dann den Tempel. Er wird in einen Raum geschickt, wo er von einem Tempelarbeiter Belehrungen über die bevorstehenden Zeremonien und den Umgang mit den Garments empfängt. Er hört also von der Waschung, der Salbung, dem Neuen Namen und dem Endowment, von denen er vorher noch keine Kenntnis hatte, und wird ermahnt, seine Garments ständig zu tragen, sie nicht öffentlich zu zeigen, sie nicht auf den Fußboden zu werfen usw. Der Tempelarbeiter beruhigt vorsorglich, dass alle folgenden Zeremonien vielleicht ungewohnt aber nicht entwürdigend sein werden.

Anschließend wird der Verordnungsempfänger mit einer Art Poncho aus sehr leichtem Stoff in den Umkleideraum geschickt, wo er sich aller Kleidung entledigt und den Poncho überzieht, der etwa bis zu den Knien reicht und an der Seite offen ist. Damit geht er in einen kleinen Raum - den Waschungsraum.
Die Waschung Ein Tempelarbeiter nimmt eine rituelle Waschung vor, indem er seine Hand in ein Gefäß mit Wasser taucht und dann die betreffende Stelle des Körpers durch Berührung mit der Hand benetzt. Dabei benutzt er folgende Worte: „ Bruder/Schwester [Name des Empfängers], mit Vollmacht wasche ich dich, damit du rein sein mögest vom Blut und den Sünden dieser Generation. Ich wasche deinen Kopf, damit dein Verstand klar arbeiten und schnelle Wahrnehmung haben möge; deine Augen, damit sie deutlich sehen und die Dinge Gottes erkennen mögen; deine Ohren, damit sie das Wort des Herrn hören mögen; deinen Mund und deine Lippen, damit sie nicht arglistig sprechen; deine Arme, damit sie das Schwert zur Verteidigung von Wahrheit und Tugend führen mögen; deine Brust und Eingeweide, damit ihre Funktion gestärkt sein mögen; deine Lenden und Hüften, damit du fruchtbar sein mögest in der Verbreitung des göttlichen Samens; deine Beine und Füße, damit du rennen und nicht müde, laufen und nicht schwach werden mögest.“ Dann wird man mit einem Handtuch zu Vorbereitung der nächsten Zeremonie abgetrocknet. Die Salbung Ein weiterer Tempelarbeiter nimmt die rituelle Salbung vor. Der Vorgang ist der gleiche wie bei der Waschung, nur dass jetzt statt des Wassers Olivenöl verwendet wird. Der Text wird dahingehend angepasst, bleibt ansonsten jedoch unverändert.

Nach diesen Vorverordnungen darf der Endowmentempfänger seine Garments anlegen, wobei er aufgefordert wird, sie von nun an für immer zu tragen, und wird zum Umkleiden entlassen.


Die Tempelkleidung


Dieser Abschnitt betrachtet die Kleiderordnung, wie sie mit dem Tempel verbunden ist und untergliedert sich daher in allgemeine Tempelkleidung, Garments und Zeremoniekleidung. Diese Kleiderordnung steht nicht ausdrücklich unter dem Geheimhaltungseid, dennoch fühlen sich die meisten Mitglieder verpflichtet, nicht darüber zu sprechen, da sie untrennbar mit den Zeremonien, insbesondere dem Endowment, verbunden ist.

Die allgemeine Tempelkleidung

Die Tempelbesuche sollen etwas besonderes darstellen, deshalb geht man in Anzug und Krawatte bzw. im Kleid zum Tempel. Dennoch zieht man sich im Tempel sofort um, denn dort sind alle komplett in weiß gekleidet. Die übliche Kleidung besteht also für Männer aus einem langärmligen Hemd, langer Hose, Krawatte, Socken und Pantoffeln, Tempelarbeiter haben meist feste Schuhe und ein Sakko, und für Frauen aus einem langärmligen Kleid und ebenfalls Socken und Pantoffeln, natürlich alles in weiß gehalten. Diese Kleidung kann man sich in jedem Tempel auch ausleihen. Alternativ dazu ist auch ein weißer Overall erhältlich, vom Englischen her auch Jumpsuit genannt. Diese Overalls werden auch bei Taufen im Tempel und in den Gemeinden benutzt. Unter dieser Kleidung trägt man selbstverständlich die Garments.

Die Garments

Diese Unterwäsche ist heute zweiteilig. Das Oberteil ist kurzärmlig und hat einen kleinen Ausschnitt. Es befinden sich drei Markierungen darin. Diese sehen wie eine dicke Naht aus, für die auch normaler Faden verwendet wird. Über der rechten Brust befindet sich das Zeichen ’Rechter Winkel‘, das auch eine entsprechende Form hat, mit den Schenkeln nach unten und zur Körpermitte. Über der linken Brust befindet sich das Zeichen ’Zirkel‘, ebenfalls aus zwei Nähten im rechten Winkel zueinander bestehend, mit dem Scheitel nach unten. Über dem Bauchnabel befindet sich das Zeichen ’Nabel‘, eine einfache waagerechte Naht. Das Unterteil ist eine knielange Hose. Über dem rechten Knie befindet sich das Zeichen ’Knie‘, das die gleiche Form wie das Zeichen ’Nabel‘ hat. Die Bedeutung dieser Markierungen wird im Endowment erläutert. Die Garments sind in verschiedenen Fasermaterialien wie Baumwolle oder synthetischen Fasern und für Frauen mit Spitzenrändern erhältlich.

Man bekommt diese Unterwäsche, wenn man die Vorverordnungen für das eigene Endowment erhält. Sie soll ein göttlicher Schutz gegen Gefahren sein und immer an die Tempelbündnisse erinnern. Daher gehen in der Kirche auch Geschichten von kugel- und brandsicheren Garments um. Verbunden ist damit die Auflage, sie ständig, d.h. Tag und Nacht zu tragen und sie heilig zu halten. Dazu zählt, sie nicht öffentlich zu zeigen oder zum Trocknen aufzuhängen, oder sie unachtsam auf den Boden zu werfen. Nach Abnutzung sind die Markierungen herauszuschneiden und möglichst zu verbrennen. Der übrige Rest kann aber dennoch als Putzlappen oder ähnliches Verwendung finden. Auf die Garments ist niemals zu verzichten, das Ablegen zum Wechseln und zur Körperhygiene ausgenommen. In letzter Zeit werden dabei jedoch Abstriche gemacht, besonders beim Sporttreiben und Baden. Die Garments sollen immer direkt auf der Haut aufliegen, deshalb werden z.B. Büstenhalter darüber gezogen.




Nicht immer hatten die Garments die gleiche Form. Die erste Abbildung zeigt z.B. die Garments aus dem Besitz von Hyrum Smith. In den Anfängen der Kirche bis hinein ins zwanzigste Jahrhundert reichten die einteiligen Garments bei Männern und Frauen gleichermaßen von den Knöcheln bis zum Handgelenk und bedeckten den Hals. Noch in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts lag dabei die Scham der Frau offen, d.h. sie war unbedeckt. Obwohl heute weiß sollen sie eine Zeitlang blutrot gewesen sein. Es gab lange und heftige Diskussionen, ob die Garments auch verändert werden dürfen, was von offizieller Seite lange rigoros abgelehnt wurde. Doch plötzlich verlautete aus gleicher Quelle, dass es nie irgendwelche Vorschriften gegeben hätte. So könnten Soldaten die Markierungen auch ausschneiden und auf ihre Unterwäsche nähen. Seither sind die Garments an Arm und Bein gekürzt und mit einem Ausschnitt versehen worden. Heute sind Oberteile auch in T-Shirt-Form erhältlich.

Die Zeremoniekleidung

Diese oft einfach als Tempelkleidung bezeichnete Kleidung wird beim Endowment eingeführt und findet bei allen höheren Zeremonien Verwendung. Nur die Empfänger der Zeremonie tragen diese Kleidung, nicht aber die Tempelarbeiter. Zur Zeremoniekleidung gehören auch die Pantoffeln die aber im gesamten Tempel getragen werden dürfen. Bis auf die Schürze sind alle Kleidungsstücke weiß. Diese werden über die vorhandene weiße Tempelkleidung gezogen.


Der Neue Name

Über die Herkunft dieses Rituals ist schon viel spekuliert worden, aber ein klar umrissenes Konzept hat es bisher noch nicht gegeben. Sicher ist hingegen der heute propagierte Zweck – die Trennung der Würdigen von den Unwürdigen am Himmelstor. Damit ist dieses Ritual untrennbar mit dem Endowment verknüpft, das ebenfalls Wissen über die Eintrittsvoraussetzungen an der Pforte vermittelt.

Joseph Smith prophezeite in diesem Zusammenhang von einem Seherstein, der jedem gegeben werden wird: „und einem jeden von denen, die in das celestiale Reich gelangen, wird ein weißer Stein gegeben, worauf ein neuer Name geschrieben ist, den niemand kennt als der, der ihn empfängt. Der neue Name ist das Schlüsselwort.“ (LuB 130:11)

Das Ritual ist sehr kurz und wird jedem Endowmentempfänger einzeln unmittelbar vor Beginn dieser Zeremonie zuteil. Früher wurde es in direkter Verbindung mit der Übergabe der Garments durchgeführt, doch heute werden die Garments als vorhanden vorausgesetzt.

Der Endowmentempfänger geht auf seinem Weg in den Endowmentraum durch einen Gang, der auf beiden Seiten mit Vorhängen abgetrennt ist, so daß ein kleiner Raum entsteht. Dort befindet sich ein Tempelarbeiter, der den Teilnehmer hereinbittet. Dort weist man den Zettel vor, auf dem der Name der verstorbenen Person steht, für die man das Endowment empfangen wird. Der Tempelarbeiter flüstert einige Sätze mit folgendem Sinn, die sich der Teilnehmer aufmerksam anhört.

„Bruder/Schwester” - man nennt den eigenen Familiennamen - „Sie empfangen heute das Endowment für und anstelle von” - der Tempelarbeiter hält den Namenszettel in die Höhe und man liest den Namen ab - „der/die verstorben ist. Zu diesem Zweck gebe ich Ihnen einen Neuen Namen, der niemals preisgegeben werden darf. Er ist ein Schlüsselwort, das von Ihnen an einer bestimmten Stelle im Tempel erwartet wird. Der Name ist __________.”

Der Tempelarbeiter wiederholt den Namen bereitwillig, falls man ihn nicht richtig verstanden hat. Dieser Neue Name ist ein männlicher respektive weiblicher Personenname aus der Bibel oder dem Buch Mormon. Er wird für einen bestimmten Tag von der Kirchenführung festgelegt und gilt für jeden Tempel der Welt, wobei die Aussprache an die Sitten der jeweiligen Sprache angepaßt wird. Somit ist der Name anhand von Datum und Geschlecht nachvollziehbar.

Anschließend wird der Namenszettel - meist mittels einer Lochzange - markiert. Danach wird man durch den anderen Vorhang entlassen und kann zum Endowmentraum gehen, wo am Eingang auf diese Markierung geachtet wird. Der Tempelarbeiter bittet den nächsten Teilnehmer zum Empfang des Neuen Namens.

Auch bei der Teilnahme an mehreren Sessionen an einem Tag ist dieses Ritual jedesmal Pflicht, obwohl sich der Name natürlich nicht ändert.

Dieser Neue Name darf niemals preisgegeben werden. Selbst ein Ehepaar darf darüber nicht sprechen. Zwar kennt der Ehemann den Neuen Namen seiner Frau - da er sie in den Himmel hereinlassen muß - aber sie wird seinen Namen nie erfahren. Damit ist sie völlig von ihrem Mann abhängig, will sie in Gottes Gegenwart zurückkehren.





Sie besteht aus einem gerafften Umhang, der entsprechend über der rechten oder linken Schulter liegt und im Hüftenbereich zusammengebunden wird. Er reicht etwa über die Knie. Über der Schulter ist ein Stoffstreifen aufgenäht, ähnlich wie bei einem Pilotenhemd. Der Gürtel ist eine Art Scherpe, die um die Hüfte gebunden und zu einer großzügigen Schleife verknotet wird (wie ein Schnürsenkel). Dieser Knoten befindet sich immer auf der Seite, auf der nicht der Umhang hängt. Die Schürze ist wie ein Latz, der um die Hüfte gebunden und hinten verknotet wird. Sie ist grün und es sind neun Feigenblätter darauf abgebildet. Diese Zahl neun wird nicht näher erläutert. Die Schürze reicht bis knapp zu den Knien. Sie soll die Kleidung von Adam und Eva darstellen. Zuletzt gehört noch eine Kopfbedeckung dazu. Für die Männer ist dies eine Kappe, die mit einem Gummizug ausgestattet ist und eine leicht gebogene Plastikscheibe enthält, wodurch eine Pfifferlingsform entsteht. Auf einer Seite ist ein Stoffstreifen flach aufgenäht, der eine Schleife repräsentieren soll. Auf der anderen Seite befindet sich ein Faden, der mit dem Schulterstreifen des Umhangs verknotet wird und sich deshalb immer auf der entsprechenden Seite befinden muss. Die Frauen haben eine Art einfachen Schleier, der aber meist nach hinten hängt. Diese Kleidungsstücke werden vor und nach der Zeremonie in einem kleinen Stoffbeutel untergebracht, der dann als Zeremoniepäckchen bezeichnet wird.





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Der Tempel und seine Zeremonien II





Das Endowment

Das Endowment, was soviel wie Begabung bedeutet, ist das mormonische Geheimritual schlechthin. Bereits 1831 versprach Joseph Smith seinen Anhängern ein Endowment vom Himmel, doch erst elf Jahre später, und nicht einmal zwei Monate nachdem er den Meistergrad in der Freimaurerei erlangte, führte er diese Zeremonie ein. Seither hat sie sich erheblich entwickelt. Die letzte große inhaltliche Änderung fand 1990 statt, als viele unliebsame Stellen entfernt wurden. So gibt es heute mit Ausnahme des Salt Lake Tempels auch keine Live-Endowments mehr. Man geht beim Endowment sehr weitgehende Bündnisse mit dem Herrn ein, die man aber selbstverständlich mit der Kirche schließt. Dazu gehören das Gesetz der Reinheit und das Gesetz der Weihung. Im Tempel gibt es mindestens einen Endowmentraum wie diesen hier in Freiberg. Ihnen allen gemeinsam ist ein Altar, zwei getrennte Sitzgruppen, Stühle im vorderen Teil, ein Vorhang und eine Projektionswand. Nach den Vorverordnungen und dem Erhalt des Neuen Namens nehmen die Mitglieder Platz, die Schwestern auf der linken Seite und die Brüder auf der rechten (in Blickrichtung des Bildes). Wenn alle Mitglieder anwesend sind, wird die Tür geschlossen und die Tempelarbeiter (hier zwei Schwestern und zwei Brüder) nehmen vorn ihre Plätze ein und die etwa zweistündige Zeremonie beginnt.

Das Endowment hat einen genau festgelegten Wortlaut. Es ist jedoch strengstens verboten, diesen preiszugeben. Der vorliegende Endowmenttext* wurde aus der englischsprachigen Aufzeichnung einer Tonbandaufnahme von 1990* und natürlich aus den Erinnerungen ehemaliger Mitglieder rekapituliert. Weiterhin lagen die Aufzeichnung einer Tonbandaufnahme von 1984* und die schriftliche Aufzeichnung der Zeremonie von 1931* vor, beides in englischer Sprache. Daran lässt sich auch sehr schön die Entwicklung der Zeremonie verfolgen.

Es sind von 1990 bis 1996 auch zwei verschiedene Filme verwendet worden, die aber fast nicht voneinander abweichen. Seither hat es wiederum einen neuen Film gegeben, dessen Unterschied aber ebenfalls nur unerheblich ist.


Die Waschung der Füße

Erste Erwähnung findet die Handlung am 27. Dezember 1832 in LuB 88:74,75, doch die Bedeutung, die Joseph Smith der Fußwaschung beimisst, tritt bei der ersten Anwendung auf einer Konferenz am 23. Januar 1833 zutage: „... wir kamen zu Waschung der Füße ... Ich sagte den Ältesten: Wie ich euch getan habe, so tut ihr mir; darum waschet einander die Füße; und mit der Kraft des Heiligen Geistes spreche ich sie alle rein vom Blut dieser Generation; aber wenn einer von ihnen absichtlich sündigen sollte, nachdem sie so gereinigt wurden und zu ewigem Leben gesiegelt wurden, sollen sie bis zum Tag der Erlösung in die Hände Satans übergeben werden ...” (HC 1:323,324).

Danach wurde diese Zeremonie bekanntlich nur noch in Tempeln durchgeführt, so auch an Bischofschaften und Kollegiumspräsidenten. Heute wird sie nur noch an höchsten Kirchenführern vorgenommen, was auch ihre Unbekanntheit erklärt, wie es auch bei der Zweiten Salbung der Fall ist.


Abenteuer im Tempel


von Richard Packham
8. Mai 2001

Dies ist ein Bericht über einen Ausflug zum Tempel, der vor kurzem stattgefunden hat: zwei Frauen und drei Männer haben in einem der großen Tempel der Heiligen der Letzten Tage an einer Endowmentsession teilgenommen. Das wäre nichts Ungewöhnliches, wenn, ja wenn diese Leute treue Mormonen wären. (Nur ein Mormone in gutem Stand bei den örtlichen Autoritäten darf an der Endowmentzeremonie teilnehmen.) Von dieser Gruppe war allerdings keiner ein glaubenstreuer Mormone. Einer der Männer ist zwar auf dem Papier noch Mitglied der Kirche (der Mormonen), aber die anderen vier haben die Kirche offiziell verlassen, und alle fünf gelten bei den Mormonen als „Abtrünnige“. Wie und warum haben sie nun diesen Ausflug unternommen? Es versteht sich wohl von selbst, dass die Identität dieser Personen sowie einige Details ihres Abenteuers vertraulich bleiben müssen. Ich kann dem Leser allerdings versichern, dass die Geschichte wahr ist und dass – bis auf die fiktiven Namen der Teilnehmer – alles authentisch ist.

Ich will diesen abtrünnigen Tempelbesuchern fiktive Namen geben, damit ich die Geschichte leichter erzählen kann: Jack, Joe, Bob, Jane und Alice.

Jack war für die Mormonen auf Mission; er hat sehr viel Humor, er ist furchtlos und furchterregend – ein Draufgänger. Er hat sich die Sache ausgedacht und geprüft, ob sie überhaupt machbar war.

Joe, auch auf Mission gewesen, ist auf dem Papier noch Mitglied, aber längst nicht mehr gläubig.

Bob hat dem Mormonismus vor vielen Jahren den Rücken gekehrt; ihn interessierte es einfach, die heutige Zeremonie zu erleben, da sie sich seit dem letzten Mal, als er sie als gläubiger Mormone erlebte, doch sehr verändert hat: die blutigen Strafen und Eide gibt es nicht mehr, es tritt kein protestantischer Geistlicher mehr als Untergebener des Satans mehr auf und das Ganze wird zum größten Teil per Film und Tonbandaufnahme vorgeführt – es ist also alles ziemlich anders als die Zeremonie, die er kannte.

Jane, aktive Exmormonin, hatte das Endowment in ihrer Mormonenzeit nicht mitgemacht. Sie wollte es einmal erleben, da ihre Eltern noch gläubige Mormonen sind und regelmäßig in den Tempel gehen.

Alice ging, als sie noch Mormonin war, regelmäßig in den Tempel, fühlte sich dort aber nie so ganz wohl, da sie nie den Geist verspürte, wie man ihn dort eigentlich spüren sollte. Jedenfalls sagen die Mormonen das. Sie hatte immer das Gefühl, sie käme nicht ganz mit.

Jack, Bob und Jane sind zur Zeit mit Nichtmormonen verheiratet; Joe und Alice sind geschieden und alleinstehend.

Wie kam es, dass diese Gruppe früherer Mormonen so etwas tat? Das ist durchaus eine legitime Frage, die auch in der Gruppe selbst erörtert wurde. Zunächst gab es sicher Gründe, so etwas nicht zu tun. Der Tempel und seine Rituale sind den Mormonen sehr heilig (außerdem sind sie geheim), und die Mormonen ergreifen alle möglichen Maßnahmen, um den Tempel dem Blick der Öffentlichkeit fernzuhalten. In gewissem Sinn hatte die Gruppe also vor – zumindest aus Sicht der Mormonen – in heilige Bereiche vorzudringen und sie zu entweihen. Ein weiterer Grund, es nicht zu tun, war die Möglichkeit, erwischt zu werden. Ein Mormonentempel wird schließlich von der mormonischen Privatpolizei in Zivil (den Sicherheitskräften) bewacht.

Manche der persönlichen Gründe der Beteiligten wurden bereits genannt. Als Gruppe wollten sie sich natürlich in gewisser Hinsicht auch einfach einen Schabernack erlauben und den Mormonen „eins auswischen“. Aber es steckte noch mehr dahinter. Die Mormonen glauben daran, dass Gott ihren Tempel beschützt, dass „Böses“ (wie zum Beispiel abtrünnige Exmormonen) dort nicht eindringen kann, dass diejenigen, die im Tempel amtieren, eine ungewöhnliche „Macht der Erkenntnis“ haben und, dank der Eingebungen des Heiligen Geistes, jeden Anwesenden erkennen, der nicht wirklich würdig ist. In der mormonischen Folklore gibt es reichlich solche Geschichten, in denen häufig erzählt wird, wie eine Gruppe von Heiligen im Tempel versammelt war und mit der Zeremonie beginnen wollte und der Amtierende feierlich verkündete, es sei jemand anwesend, der unwürdig sei, daran teilzunehmen, so dass die Zeremonie erst weitergehen könne, wenn der Betreffende gegangen sei. Natürlich schlich dann immer irgendjemand beschämt und leise von dannen, nachdem er so kraft göttlicher Inspiration entlarvt worden war. Gott kann man schließlich nicht reinlegen, oder?

Einer der wichtigsten Gründe war der, dass geprüft (eigentlich bewiesen) werden sollte (schließlich wusste man Bescheid) ob der „Geist der Erkenntnis“ einen ertappt. Offensichtlich war Gott an dem Tag gerade anderswo und nicht in seinem Tempel.

Der Tempel, den sie für dieses Abenteuer auswählten, war einer der neueren Tempel; er steht in einer amerikanischen Großstadt. Er hatte viele der Einrichtungen, die den meisten kleineren Tempeln fehlen: Cafeteria, Mietkleidung, Informationszentrum und Laden. Außerdem fangen den ganzen Tag lang bis in den Abend hinein häufig neue Endowmentsessionen an.

Um Zulass zu einem Mormonentempel zu erhalten, muss man einen „Tempelschein“ vorweisen, eine Art Ausweis, der ein Jahr lang gültig ist und vom örtlichen Mormonenbischof (Pastor) ausgestellt und vom Pfahlpräsidenten (dem Vorgesetzten des Bischofs) gegengezeichnet wird. Nur sehr würdige Mormonen erhalten einen solchen Tempelschein. Dazu müssen sie eine Unterredung über sich ergehen lassen, in der ihre Glaubensstärke und ihr Gehorsam gegenüber den Geboten und Praktiken der Kirche überprüft wird. Schätzungen zufolge haben nicht einmal zehn Prozent der Mitglieder der Kirche einen gültigen Tempelschein. Die Beschaffung eines Tempelscheins für jeden in der Gruppe war also die erste größere Hürde, die es zu überwinden galt.

Jack gelang es, dieses Problem zu lösen. Wie er das genau gemacht hat, muss vertraulich bleiben, aber es gab keinen Diebstahl und keinen Betrug oder andere illegale Methoden. Es gelang ihm, für jeden in der Gruppe einen gültigen, authentischen Blanko-Tempelschein zu besorgen.

Am Abend bevor die Gruppe in den Tempel ging, traf sie sich in dem Motel, wo diejenigen, die von außerhalb angereist waren, übernachteten. Jetzt füllten sie die Tempelscheine aus. Manche verwendeten ihren richtigen Namen, andere einen fiktiven. Die Unterschrift des „Bischofs“ und des „Pfahlpräsidenten“ leisteten sie füreinander. Dabei verwendeten sie teilweise den korrekten Namen von tatsächlich existierenden Bischöfen und Pfahlpräsidenten (aus einer kirchlichen Telefonliste abgeschrieben) und teilweise fiktive Namen. Mehrere der Männer baten die Frauen in der Gruppe, als „Bischof“ bzw. „Pfahlpräsident“ zu unterschreiben. Da Mormonenfrauen niemals ein solches Amt innehaben, war dies ein weiterer Test für die „Gabe der Erkenntnis“.

Am nächsten Morgen fuhr die Gruppe gemeinsam zum Tempel. Sie gingen allein bzw. paarweise hinein, um nicht aufzufallen. Keiner hatte am Eingang Schwierigkeiten. Die Tempelscheine wurden von dem freundlichen älteren Tempelarbeiter, der einen jeden mit einem leisen Gruß und einem Lächeln willkommen hieß, überprüft. Jeder wurde von einem der vielen Tempelarbeiter ordnungsgemäß zu den Umkleideräumen – für Männer und Frauen getrennt – geführt. Die männlichen Tempelarbeiter trugen einen weißen Anzug, die Frauen ein langärmliges, hochgeschlossenes weißes Kleid. Überall standen sie mit einem Lächeln im Gesicht, um den Besuchern des Tempels, die zur Endowmentsession kamen, zu helfen.

Da fast keiner in der Gruppe die passende Tempelkleidung besaß, hielten sie zunächst an dem Schalter an, wo sie die nötigen Sachen ausleihen konnten. Die Komplettausstattung kostete $ 2,50.

Eine Sorge war, dass keiner der Beteiligten das „heilige Garment“ als Unterwäsche trug. Jeder tempelwürdige Mormone trägt diese spezielle Unterwäsche ständig, und jeder im Tempel, der solche Unterwäsche nicht trug (außer ein Mormone, der für sein eigenes Endowment kam), musste doch sofort als Eindringling erkannt werden. Es stellte sich heraus, dass dies kein Problem war. Niemandem fiel auf, dass sie das heilige Garment nicht trugen.

Jeder in der Exmormonengruppe begab sich in den entsprechenden Umkleideraum und zog die weiße Kleidung an (Hose, Hemd, Krawatte, Socken und Schuhe für die Männer; bodenlanges Kleid (langärmlig, hochgeschlossen), Strümpfe und Schuhe für die Frauen) und ging an die Stelle, wo die Namen der Verstorbenen ausgegeben werden, für die die Tempelbesucher stellvertretend das Endowment erhalten. Dann begaben sie sich in die Kapelle. Dabei trugen sie ein kleines Bündel unter dem Arm: Schürze, Schärpe und Schleier (für die Frauen), Kappe (für die Männer). Sie setzten sich und warteten ab, bis die Anwesenden zum Beginn der eigentlichen Endowmentzeremonie aufgerufen wurden.

Eine ältere Tempelarbeiterin setzte sich vorn in der Kapelle an die Orgel und begann, etwas zu spielen, was sicher auf „den Geist“ einstimmen sollte. Das tat es leider nicht. Die arme Schwester hätte man niemals in die Nähe einer Orgel lassen dürfen. Jede zweite Note war falsch und sie hatte nicht die geringste Ahnung davon, wie man Orgel spielt. Es war also eine Qual.

Die Gruppe wartete also geduldig darauf, in den eigentlichen Tempel geleitet zu werden. Der Amtierende betrat schließlich die Kapelle und fragte leise Joe und Alice (von der Exmo-Gruppe), ob sie für die Session als „Zeugen“ fungieren wollten. Das Paar, das als Zeugen fungiert, muss an mehreren Stellen während des Rituals nach vorn kommen und am Altar des Tempels niederknien – stellvertretend für alle Anwesenden. Es ist eine besondere Ehre, wenn ein Ehepaar darum gebeten wird, dieses „Zeugenpaar“ zu sein. Zumindest handelt es sich meist um ein Ehepaar. (Joe und Alice sind nicht miteinander verheiratet.) Sie erklärten sich aber bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Jane war daraufhin ein bisschen durcheinander, weil sie noch nie an einer Endowmentsession teilgenommen hatte und darauf hoffte, dass Alice bei ihr blieb und sie davon abhielt, etwas falsch zu machen. Das Zeugenpaar sitzt allerdings immer ganz vorn in der ersten Reihe.

Für Jane erwies sich das trotzdem nicht als Problem, da die Tempelarbeiter daran gewöhnt sind, dass die Besucher mit den Ritualen nicht so vertraut sind. Sie helfen immer bereitwillig, wenn jemand gerade nicht weiß, was er tun oder sagen soll.

An der Session nahmen rund dreißig Personen teil, etwa zwei Drittel von ihnen Frauen. Der Amtierende geleitete sie in den Sessionsraum. Die beiden Zeugen saßen vorn in der ersten Reihe, die Männer auf der rechten Seite des Raums, die Frauen auf der linken. Es hätten zweimal so viele Personen in den Raum gepasst.

Die Endowmentsession begann. Der Amtierende stand vorn am Altar, und eine Tonbandaufnahme wurde abgespielt. Er sagte nichts selbst, sondern fungierte praktisch als Roboter (der Text der gesamten Zeremonie ist hier vorhanden). Im passenden Moment begann der Film und damit eins der heiligsten Erlebnisse für jeden Mormonen.

Die Exmos hatten keine Probleme. Jane band ihre Schärpe nicht richtig. Sie hatte die Schleife vorn, statt an der Seite, aber es fiel niemandem auf. Als die Anwesenden aufgefordert wurden, alles, was sie hatten, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu weihen, sagten die Exmos nicht „ja“ wie die anderen, aber das fiel keinem auf. Als der Kreis „für die wahre Ordnung des Betens“ gebildet wurde, trug Jack seine Schuhe nicht, als er zum Altar ging, aber auch das fiel niemandem auf. Als Alice während des Gebetskreises anfing zu kichern (auf die Bitte um Segen für „unseren Propheten, Gordon B. Hinckley“ hin) und Joe damit zu kämpfen hatte, nicht laut loszulachen, bemerkte niemand etwas. Als Jane dann „durch den Schleier“ ging, fielen ihr die heiligen Passwörter nicht so recht ein, und die Tempelarbeiterin musste sie ihr vorsagen, aber auch das fiel nicht auf.

Es fiel auch niemandem auf, dass keiner aus der Gruppe die vorgeschriebene Unterwäsche, das „Garment“, trug – wobei die beiden Frauen überhaupt keine Unterwäsche trugen.

Niemandem fiel auf, dass auf dem Tempelschein, den Jack vorlegte, keine Gültigkeitsdauer angegeben war.

Kein Zeichen, dass der „Geist der Erkenntnis“ die Tempelarbeiter davor warnte, dass „Beauftragte des Satans“ (ihre Terminologie) sich an dem heiligen Ort befanden.

Nach der Endowmentsession, als die Gruppe sich bereits wieder umgezogen hatte, traf man sich auf dem Parkplatz. Jack kam ein bisschen später, weil er noch den Tempelpräsidenten in dessen Büro aufgesucht hatte, um ihm ein paar Fragen zu stellen. (Jack, dies nur nebenbei, sieht wie ein typischer Mormonenbischof aus.) Der Tempelpräsident hieß ihn willkommen und beantwortete die meisten seiner Fragen bereitwillig. Jack erfuhr von ihm, dass die Zahl der Tempelbesucher tatsächlich niedrig ist. Außerdem bestätigte der Tempelpräsident, dass der Tempel bereits seit einiger Zeit gezwungen war, Namen mehrfach zu verwenden, dass also für ein und denselben Verstorbenen das Endowment mehrfach vollzogen wurde, weil einfach nicht genügend Namen von Verstorbenen vorlagen. Und das, obwohl solche Arbeit völlig unnötig ist und eigentlich ein Betrug, da ja der glaubenstreue Mormone meint, er verhelfe da irgendeinem Verstorbenen zu himmlischer Herrlichkeit, auch wenn diese Eintrittskarte bereits von jemand anderem gekauft und bezahlt worden war.

Der Tempelpräsident erklärte außerdem stolz, es gebe ein Programm, mit dem die Besucherzahlen gehoben werden sollen: jeder Mormone, der an einem Tag an drei Endowmentsessionen teilnimmt, erhält in der Cafeteria des Tempels ein kostenloses Mittagessen. Wie erfolgreich dieses Programm war, sagte er allerdings nicht.

Außer den bereits geäußerten Schlussfolgerungen dazu, was dieses Experiment über die Heiligkeit eines Mormonentempels aussagt, und abgesehen von der Empörung, die die Mormonen angesichts dessen empfinden werden, weil diese Personen erfolgreich in die heiligen Gemäuer eingedrungen sind, muss sich doch jeder Mormone verwirrt eine weitere Frage stellen: diese fünf Personen haben jeder für einen Verstorbenen das Ritual vollzogen. Die fünf Verstorbenen sind jetzt in den Kirchenbüchern „mit Endowment“ eingetragen, also des celestialen Reichs würdig. Sollten die Mormonen das Endowment nun als gültig betrachten? Oder ist es ungültig (da von „Unwürdigen“ vollzogen)?

Die Gruppe war der Ansicht, sie hätten sowohl die gemeinsame Absicht als auch ihre persönlichen Absichten erreicht. Alice meinte anschließend, es habe ihr immer zu schaffen gemacht, dass sie, wenn sie als glaubenstreue Mormonin in den Tempel gegangen war, „nicht mitkam“. Dieses Erlebnis hatte ihr sehr deutlich gezeigt, dass die glaubenstreuen Mormonen, die im Endowmentraum im Tempel sitzen, nicht „mitkommen“: sie kapieren nicht, dass der gesamte Hokuspokus sinnlos und ein Schwindel ist.

Jane war besonders froh darüber, dass sie die Zeremonie zum ersten Mal erlebt hatte. Es machte sie sehr traurig, wenn sie daran dachte, dass ihre Eltern so etwas noch glauben konnten. Ganz besonders traurig war sie an dem Punkt, wo Adam und Eva in die „einsame und öde Welt“ ausgestoßen werden und sie daran denken musste, dass die Mormonen (wie ihre Eltern) diese wundervolle Welt so negativ, als Fluch, betrachten.

Bob staunte über die vielen Änderungen in der Zeremonie und meinte, wenn er noch Mormone wäre, hätte er sicher den Eindruck, die Änderungen seien ein Zeichen dafür, dass die heutige Kirche vom Glauben abgefallen sei.

Alle Teilnehmer stimmten darin überein, dass sie froh waren, dass sich ihnen diese Gelegenheit geboten hatte. Manche meinten sogar, es sei ein erhebendes Erlebnis gewesen – allerdings zweifellos nicht im orthodoxen mormonischen Sinn.





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#4
taufanzug

taufanzug

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Vielen Dank für diese wirklich tolle Infos.

Grüße,

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