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Was wir in Deutschland dringend brauchen:


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#1
Rolf

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Gedanken über Angst, Mut und Widerstand


Wir brauchen mehr Menschen, die mit ihrem Namen auftreten und die Dinge beim Namen nennen, wenn sich etwas ändern soll.

Wenn ich mir einzelne Leiter anschaue, dann sehe ich darunter welche, die für die Wahrheit kaum mehr empfänglich sind. Also was können sie bewirken? Sie mögen vielleicht noch erkennen, dass etwas anders sein müsste, aber sie haben keine Kraft und keine Wege mehr, dies umzusetzen. Warum? Ich denke - sie haben bereits so viele Kompromisse gemacht, sie sind so vielen Menschen rückverpflichtet, dass sie nicht mehr die Freiheit haben, nur auf Gott zu hören. Denke ich an meinen ehemaligen Gemeindebund, sehe ich eine verschwägerte Gruppe von Leitern, die sich gegenseitig die Ehre geben, die gemeinsam einfach Angst haben, es könnte irgendwas passieren, das ihre Unvollkommenheiten, das ihre menschliche Schwächen offenbar und öffentlich werden lässt. So halten sie ihren Laden einfach nur zusammen und erbauen sich an Erfolgen, die Gott zweifelsohne immer noch schenkt. Wenn nun Leiter nicht mehr frei sind, auf die so viele schauen, welche Qualitätseinbußen hat dann die hiesige Christenheit hinzunehmen, wird ihr doch ein feiges menschengefälliges Christsein vorgelebt. Darin geht es um eine Karriereleiter, die man demütig in Gemeinden hochzuklettern hat, um dann als Christ irgendwann zum Clan dazuzugehören. Wie viel Freiheit ist noch darin, das zu tun, was Gott einem selbst persönlich sagt?

Auffallen und vor allem Veränderungen herbeiführen werden nur die, die ausbrechen und etwas riskieren, auch auf die Gefahr hin, auf Widerstand aus den Reihen von Christen zu stoßen. Davor haben viele von uns Angst, weil uns Menschenfurcht (falsches Obrigkeitsdenken) in den Gemeinden anerzogen wurde. Befreiung davon ist und bleibt die Hingabe an den dreieinigen Gott. Er allein macht frei von Menschenängsten, wenn man erst seine absolute bedingungslose Liebe und Bejahung ergriffen hat. Denn was soll es uns schon, wenn man über uns herabfallend spricht, wenn wir in bestimmten Kreisen kopfschüttelnd abgetan und als krank bezeichnet werden? Wenn wir vor unserem Gewissen, dass Gott ja auch erneuerte, Frieden haben, dann müssen wir handeln - ungeachtet solcher Konsequenzen. Kann denn anders etwas neues entstehen als durch ein gemeinsames mit Gott vorbereitetes Glaubenswagnis?
Wir modernen Christen haben uns letzten Endes wieder fangen lassen in klerikale Abhängigkeitsstrukturen. Wir fürchten um uns, wenn wir Menschen kritisieren. Menschen, die den Anspruch auf geistliche Leiterschaft längst verspielt haben. Die Verantwortung des einzelnen Christen ist riesig. Das muss nicht heißen, dafür Grosses anzupacken und gewaltige Vorhaben und Projekte umzusetzen, sondern im »kleinen« eigenen Leben auf Gott und das Gewissen zu hören und schlicht das zu tun, was Gott gerade sagt und wozu unser Gewissen grünes Licht gibt. Dann klopft das Herz und der Kreislauf rotiert, die Hände schwitzen und die Gedanken werden angegriffen wie vielleicht nie zuvor - aber Frucht und Bestätigung warten nicht lang. Für alles, was wir dann tun, gilt als Rahmenvertrag immer das Evangelium, d.h. wir bleiben freundlich und ruhig, aber wir werden nicht unterwürfig und angstgesteuert, denn wo Gott uns selbst gezeigt hat, dass wir handeln sollen, da dürfen wir mit ihm auch in Ruhe die Umsetzung planen und erfragen, wie wir Einzelheiten so angehen, dass sie passen. Sind wir also von Gott überführt von Notwendigkeiten, dann steht alles zur Verfügung, was nötig ist. Haben wir gehandelt und ausgeführt, dann ist es Gottes Sache, was daraus wird. Uns bleiben Frieden und Freude, gehorsam gewesen zu sein. Dann können wir die jeweilige Sache loslassen, ja wir müssen es sogar für eine Zeit. Wir kommen erst wieder in einen praktischen Bezug, wenn wir für unser Handeln vor Menschen einzustehen haben. Gerade dann kommt gewiss die Erfahrung, dass Gott hinter uns steht und wir gehen auf von IHM vorbereiteten Wegen. Bei allem werden wir nie absolut im Hinblick auf unser eigenes menschliches Urteilsvermögen. Es passieren Fehler bei allen Projekten, die Menschen tun. Aber wenn es auf Veranlassung Gottes geschehen ist, dann sind diese Fehler und Menschlichkeiten kein Hindernis, positive Früchte wachsen zu lassen. Aus dem Glauben leben wird immer zuvorderst die Erfahrung bleiben, zuerst Gott geglaubt, vertraut und dann gehandelt zu haben - im ganz persönlichen Leben. Diese manchmal kleinen Gehorsamsschritte haben - und das ist nicht neu - oftmals erstaunliche Auswirkung im Großen.

Wenn manche sagen, sie glauben, Gott habe den Missbrauch zugelassen, dann kann ich das nur bedingt stehen lassen. Unser liebender Vater will Gutes für uns. Ist es nicht eher so, dass wir auf den Kern unserer persönlichen Erfahrungen kommen müssen, um daraus ein authentisches ja logisches Weiterleben und Reagieren ableiten zu können? Wir sollten nicht Gott zum Urheber unserer negativen Erfahrungen machen, sondern das suchen, was aus unserer persönlichen Erfahrung heraus das beinahe zwingend notwendige Beantworten ist. In gelebter Verantwortlichkeit uns selbst und anderen gegenüber. Die Qualität der Umsetzung dieser Antwort auf die eigene Lebenserfahrung ist dann nur, dass Gottes Geist uns zeigen darf, wie wir es tun. Habe ich zu Unrecht gelitten und bestehen die Ursachen zum Schaden für andere fort, kann die Antwort nur sein, Widerstand zu leisten, aufzuklären, Hilfe zu leisten. Wenn eine Kurve im Straßenverkehr auffällig viele Unfälle verursacht, stellt man dort Schilder auf und irgendwann - hoffentlich - begradigt man sie. Wäre es nicht Gleichgültigkeit, sie unverändert bestehen zu lassen?

Ich möchte niemanden überfordern, zumal ich weiß, wie viel Not und Einschüchterung der geistliche Missbrauch beim Einzelnen hinterlässt. Aber im Fortgang der persönlichen Heilung und Wiederherstellung - bitte - hinterlassen wir ein Zeichen für andere. Dann hat - im Nachhinein - das Ganze noch einen Sinn bekommen. Nicht den Sinn, dass wir es erleben mussten - wir sind nun mal den Sündenfolgen anderer Menschen in gewissem Maß ausgesetzt - aber wir haben dann Teil an der Verbesserung und vielleicht gänzlichen Abschaffung der Umstände, die Menschen zu Opfern geistlichen Missbrauchs machten. Ich glaube, darin liegt auch für uns selbst viel Heilung und eine schöne Freude. Lasst uns couragiert sein. Wir können Menschen wohl kaum immer raten, was sie richtigerweise gerade tun sollten, aber wir können sagen, was sie auf keinen Fall tun sollten. Wir können Suchende beraten, sie von Gefahrstellen ableiten. Wir können Leiter konfrontieren mit unserer Geschichte, die wir mit ihnen erlebten. Wir können Spuren zeichnen, die von ihnen wegführen. So wie ich hier oben schrieb: leiten wir sie - wenn es möglich ist - immer auch in die einzig beglückende Vertrauensbeziehung zu Jesus und dem Vater hinein. Darin liegt die meiste Kraft und der größte Schutz. Allein Sätze wie z.B. »Jesus hilft dir schon« zu sagen, wäre lieblos, weil nicht jeder hat, was wir schon geben können. Haben wir etwas Nützliches erkannt oder etwas Gefährliches durchwandert, können wir es mitteilen und auch der Nächste kann davon profitieren. Zumindest können wir eine Wahlmöglichkeit für ihn überhaupt erst möglich machen.

Wie groß kann der Einflußanspruch der Gemeinden und Organisationen auf die persönlichen Entscheidungen eines Christen heute sein ?

Jesus hat verurteilt, dass die damalige religiöse Obrigkeit ihre eigenen Satzungen über das Gesetz Gottes gestellt hatte. Diese versperrten den Gläubigen den Weg zum Himmel.
Die Apostelgemeinde in Jerusalem nahm z.B. Stellung zu Einzelfragen im Apostelkonzil.
Die Lehrbriefe weisen den Menschen in die richtige Haltung gegenüber Gott und den Mitmenschen.
Nun, die Apostel zu Jerusalem - sie gibt es nicht mehr. Die Gemeinden und Kirchen haben sich gespalten: Rom und Byzanz. Protestanten und Rom-Katholiken und die Freikirchen untereinander.
Es gibt heute kaum eine Gemeinde, die nicht aus Spaltung hervorgegangen ist. Neugründungen sind davon zwar nicht in erster Generation betroffen, aber die Wirklichkeit zeigt, das sich viele nach gewisser Zeit ebenfalls wieder spalten. Hieran wird deutlich, dass es keinen durchweg weisungsbefugten Leiter mehr gibt. Das liegt ganz auf der Linie des Evangeliums, welches Jesus als einzigen König und Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks kennt. Die Wahrheit in Einzelfragen - z.B. wenn es um Sünden und sittliches Verhalten einzelner geht - kann und sollte von gewissenhaften Leitern durchaus mit Autorität ausgesprochen werden. Bei der Lehre wird das jedoch schon schwieriger. Meines Erachtens ist bei denen die größte Lehrautorität anwesend, die nicht über das im Wort Gesagte hinausgehen, also eher behutsam auslegen, dafür aber worttreu bleiben. So kann auch Lehre aus dem Mund von Leitern Autorität haben und in das Leben von Christen hineinsprechen. Die Anwendung bleibt aber immer konkreten Anlässen vorbehalten. Allgemeine Lehre - soweit evangelisch - ist sicher immer gut und richtig, und daraus ziehen wir denselben Nutzen wie aus dem Lesen der Schrift. Kommen praktische Auslegungen hinzu, ist wieder jeder Christ für sich gefragt, ob er so in Frieden übernehmen kann, was dort gepredigt und gelehrt wurde. Manches kann für den einen Hörer zutreffen und für einen anderen jedoch nicht.

Das prophetische Wort ist keinesfalls dafür da, um Christen nach Leiters Laune und Begehr tanzen zu lassen und darf nicht zu diesem Zweck degradiert werden. Der letzte gültige Entscheid darüber liegt immer beim Gläubigen, der es vor Gott prüft.

Wir Christen haben es also mit Leitern zu tun, die ihrerseits untereinander gar nicht so eins sind. Wie schon oben angedeutet, fließt das Blut innerhalb von Bünden und Organisationen etwas dicker. Der Preis, den die Menschen darin dafür bezahlen ist der Kompromiss an vielen Stellen. Das wurde mir mal sehr deutlich, als ich zum ersten Mal der Ordination eines jungen Praktikanten zum Pastor beiwohnte. Die Formel, die er dem Bundesvertreter nachzusprechen hatte, sprach immer wieder von Treue zum Bund und dem von ihm gegebenen Amt mit geradezu eidmäßigen Worten.
Die Treue zu Gott und die Liebe zum Menschen verblassten gegenüber den vielfachen Nennungen des Bundesnamens.
Im Gottesdienst einer Pfingstgemeinde, dem ich als Gast bewohnte, trat ein Bibelschüler ans Pult, der wohl gerade Urlaub hatte und nun nach einigem Monaten zum ersten Mal wieder seine Heimatgemeinde besuchte. Der Pastor sprach ihn an: »Erzähl uns mal, wie es dir dort geht!« Der Bibelschüler konnte nur immer wiederholen, wie bewusst er sich ist, welch Vorrecht es sei, nun auf Beröa studieren zu können. Der Pastor hakte zweimal ein: »Was ist mit dir? Hast du Freude?« Der Bibelschüler wiederholte jedoch immer den gleichen Satz, ohne wirklich Antwort auf die gestellte Frage zu geben.
Diese Bibelschule war zur Zeit des Präseswechsels mit - soweit ich es richtig erinnere - über 400.000 DM verschuldet. Sie hätte eigentlich schließen müssen. Aber das ist auch so ein Ding: stattdessen wurde in allen Gemeinden des Bundes gesammelt, damit die Schule fortbestünde. Ich will damit sagen, dass diese Organisationen einen Ruf zu verlieren haben. Dinge, die vielleicht lange gut und richtig waren, können irgendwann mal an ihr Ende kommen. Aber das darf dann nicht sein. Das wäre in ihren Augen Niederlage und das Erkennenlassen von eigener Fehlbarkeit - und das tut sich kaum eine Organisation an. Der Ruf muss erhalten und das Gesicht gewahrt bleiben. Es entgeht ihnen scheinbar völlig, dass das aufrichtige Bekennen von Fehlverhalten und Fehlentscheidungen einen Menschen und auch eine Organisation viel glaubwürdiger macht als das Zurechtbiegen und Gutreden von oftmals offensichtlichen Mängeln.

Entsprechend ist es auch mit dem Thema Kritikfähigkeit. Als ich mal etwas Kritisches ins Gästebuch auf der Website eines Bundes schrieb, wurde eilig das ganze Gästebuch abgeschafft.

Im Hinblick auf diese Bünde lauert die Gefahr für uns, zu meinen, der Wille Gottes sei innerhalb solcher Bünde mit größerer Autorität auf deren Mitglieder gegenwärtig.

Wer sich nun missbrauchenden Leitern oder deren Bünden kritisch annähert, macht oft die Erfahrung, dass am Ende nur Schweigen steht, nachdem (schnell zuvor) formelartig eine Kategorisierung in eigener glatter Sprachregelung stattfand, mit der sich diese Leute (es stehen immer Menschen dahinter) aus der Kritiklinie ziehen.

Der Faktor der Ehre in dem einen oder anderen Gemeindebund ist nicht zu unterschätzen. Auf der Karriereleiter auf höherer Etage angekommen - z.B. als Pastor oder Ältester - genießen sie dann das Ansehen, welches sie beim Hochsteigen sehnsuchtsvoll bei den schon Fertigen beobachtet haben.

Um ein Bespiel zu nennen: ein Pfingstpastor schrieb mich auf cleansed an und machte einige ganz gute Bemerkungen zu dem, was er auf der Website gelesen hatte. In einer weiteren Mail fragte ich ihn, zu welcher Denomination er gehöre. Er antwortete: zum BFP, aber er sei dort nur ein kleines Licht.

Die Angst vor religiöser Leiterschaft ist aber gleichwohl etwas Archaisches. Nicht nur in christlichen Bekenntnissen. Sie ist schon lange im Menschen verwurzelt und ein Werk des Feindes Gottes. Mit Hilfe dieser Angst gelingt es dem Feind immer wieder, Menschen von der Natur und dem Charakter des wahren Gottes fernzuhalten, der ihnen allein die Wahrheit offenbaren kann.
Denn es ist allein der dreieinige Gott, der den Anspruch hat, uns durch die Person des Heiligen Geistes in alle Wahrheit leiten zu wollen, dem wir zuerst Rechenschaft zu geben haben, mit dem wir in einen Bund getreten sind, der auch besagt: du ganz für mich und ich ganz für dich.
Warum schließen wir nach diesem Bund noch weitere? Das Evangelium sagt uns doch, dass wir einander lieben sollen. Der einzige weitere Bund, der noch in Ordnung ist, ist der Ehebund - dann aber ist Schluss. Denn wenn ich in einen Bund mit einem religiösen Werk eintrete, dann verantworte ich alle dessen Fehler mit. Stattdessen ist eine punktuelle Zusammenarbeit, die auch den Einzelnen stehenlässt, wo und was er ist, meines Erachtens viel fruchtbarer. Manche Werke und Gemeinden realisieren so etwas z.B. durch Netzwerke.

Es zeichnet sich heute in Gemeinden vielfach eine Erfolgsethik ab. Erfolg ist ja in der Welt immer die Berechtigung fürs Weitermachen. Also muss Erfolg her - sichtbarer Erfolg. Diese Last wird den Mitgliedern auferlegt und abverlangt. So entstehen Quantitäts-Werke, die den Einzelnen zu einem Werkhelfer machen, der den Erfolg mitzutragen hat. Es wird so wenig geschaut, was Gott im Einzelnen tun will. Stattdessen gibt es große Ziele und große Zahlen. Mit der Qualität sieht es dann bescheiden aus. Vergessen wir nicht: auch dem Menschen ist gegeben - aus seiner natürlichen Begabung von Gott - Großartiges hervorzubringen. Doch ist nicht jedes große Werk darum aus Gottes Plänen erstanden.

Was Christen ebenfalls häufig fürchten und sie einschüchtert, ist die starke Wortmacht von Predigern. Doch kann die Welt das nicht auch? Es gibt Menschen, die Gaben zu reden haben. Sind diese dann Pastoren, haben sie eine große Macht. Doch es bleibt dabei: wir müssen genau hinsehen, den Anspruch und die Wirklichkeit vergleichen und nach der Frucht suchen. Bringt zum Beispiel ein Leiter immer wieder Menschen ins Reich Gottes und kann aber nicht demütig mit Andersdenkenden umgehen, ist abzusehen, was aus seiner Reich-Gottes-Beute einmal werden wird.

Wir Wiedergeborenen sind erfolgreich, schon allein darum, weil wir bei Gott angelangt sind. Messen wir uns nicht an den Zielen von erfolgsorientieren Leitern!

Wir sehen, wie gering der wahre Anspruch von Leitern uns gegenüber ist. Eigentlich müssen wir sagen, dass wir uns von uns selbst aus in Freiwilligkeit diesem geringen Anspruch unterordnen sollen, wenn wir Teil einer christlichen Gemeinschaftform sind. Gesegnet die Menschen, die mit Leitern zu tun haben, die Gott hingegeben sind und die Menschen lieben.

Wir sehen auch, wie groß die Verantwortung ist, die jedem einzelnen Christen gegeben ist, vor Gott und den Menschen nach der eigenen mit Gott gewonnen Überzeugung zu wandeln.

Ich schrieb eingangs, dass wir Menschen brauchen, die mit ihrem Namen - und wennmöglich auch mit Namensnennungen von Leitern und problematischen Gemeinden - auftreten. Dieser Wunsch richtet sich an diejenigen geistlich Missbrauchten unter uns, die schon ein Stück Heilung erfahren haben.

Für die ganz neu Verletzten gilt: Gottes besondere Zuwendung gilt ihnen, und nochmal mehr denen, die an der wahren Gottesbeziehung vorbei geschoben wurden. Ich kann uns missbrauchten Personen nur raten - vor aller Widerstandsaktivität - in die Monate und Jahre (man weiß vorher nicht, wie lange das dauert) der Wiederherstellung in ganz persönlicher Vertrautheit mit dem Vater, dem Sohn und Heiligen Geist hinein zu gehen. Unser Kämmerlein ist der wohl wichtigste Ort, unser Heimplatz, an dem wir heilen und auftanken, und wo wir eines Tages mit neuer Kraft angetan auferstehen werden zu einem von Missbrauchsspuren geheilten Leben. Dazukommen sollte der Umgang mit wohlmeinenden und wohltuenden Menschen, die uns so annehmen können, wie wir sind.

Zurück zu Ängsten, die wir antreffen: neulich las ich folgenden Abschnitt in einem Buch1:

Das Gewissen kennt kein Ansehen der Person. Man kann es auch nicht dadurch beeinflussen, dass man sich auf irgendeine andere Autorität beruft. Niemand kann es hindern, sein unbestechliches und unwiderrufliches Urteil zu fällen. Ja, es stellt seinen Spruch dem der Obrigkeit und ihrer Gesetze entgegen. »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.«, sagt Petrus seiner Obrigkeit ins Gesicht, als diese den Aposteln verbieten will, das Evangelium zu verkündigen.
(...)
Luther (...) beseitigte die Bevormundung des Gläubigen durch die Kirche nicht nur auf religiösem, sondern auch auf sittlichem Gebiet.
(...) Der Glaube ist nicht länger das Fürwahrhalten kirchlicher Dogmen, sondern das persönliche Zutrauen des einzelnen zu Gottes Offenbarung in Christus, vermittelt allein durch das Wort Gottes.
Luther hat sich die Freiheit, nach seinem in Gottes Wort gebundenem Gewissen zu leben, erst erringen müssen. Er musste sich von der Vorherrschaft, die die Kirche über ihn wie über alle anderen, die zu ihr gehörten, auch auf sittlichem Gebiet ausgeübt hatte, gewaltsam losreißen.
Der Kritik Luthers an ihrer Grundauffassung begegnete die katholische Kirche mit dem ständig wiederholten Vorwurf: Deine eigentliche Sünde ist der Hochmut, mit dem du dich unterstehst, den Protest deines Gewissens gegen die ganze heilige allgemeine Kirche anzumelden. Die Kirche ist Gottes Stellvertreterin auf Erden. Sich gegen die Kirche stellen, heißt gegen Gott selbst Stellung nehmen, heißt sich anmaßen, über dem ewigen Gott und seinem irdischen Stellvertreter zu stehen.
Luther hat offen und ehrlich darüber gesprochen, wie schwer ihn dieser Vorwurf traf. Oft war er nahe daran, seinen Kritikern recht zu geben. War es nicht vermessen, dass er, der einzelne unbekannte Mönch, die alte ehrwürdige Kirche mit all ihrem berühmten Namen ins Unrecht setzen wollte?
Er gesteht auch, dass er öfter versucht war, nachzugeben und sich dem Anspruch der Kirche zu beugen, auch wenn es gegen seine Gewissensüberzeugung ging. Aber er fügt hinzu, dass Gottes wunderbare Führung und innere Wegweisung ihm stets aufs neue Mut und Kraft gaben, mit Gottes Hilfe, allein gestützt auf das Zeugnis seines Gewissens, der ganzen Kirche Trotz zu bieten.

Kennen wir diese Ängste? Luther kämpfte gleich gegen die ganze und damals einzige christliche Kirche überhaupt - wenngleich die Spaltung nie sein Ziel war, sondern die Reformierung des Bestehenden.

Wir haben es nicht gleich mit einer ganzen Großkirche zu tun, sondern mit einzelnen Leitern und durch Missbrauch infizierten Gemeinden. Wir haben also die Angst uns gelöst zu haben von etwas vermeintlich Richtigem, das Gott gewollt hat. Hier liegt der Irrtum. Wenn das erneuerte Gewissen uns etwas anderes sagt, die Wirklichkeit dem Evangelium widerspricht, dann sind wir frei zu gehen und Widerstand zu leisten. Dabei brauchen wir nicht polemisch zu werden - wenngleich ich großes Verständnis habe für die »Schreie« , die Neu-Aussteiger in ihrer Verletztheit und Verzweiflung über den Betrug an ihrem geistlichem Leben von sich geben. Polemik ist deshalb nicht nötig, weil die Realität des Erfahrenen brutal genug ist. Sagen wir einfach nur das, was wirklich war in sachlicher Weise - das ist abschreckend genug. Ich schaudere heute immer noch, wenn ich gelegentlich meinen eigenen Erfahrungsbericht wieder lese. Es ist immer wieder unfassbar. Wenn wir sachlich das berichten, was objektiv abgelaufen ist, nehmen wir nur die Freiheit wahr, die wir glücklicherweise in diesem Land genießen - und die auch die Mißbraucher auch nur zu gern benutzen. Ist es denn unfair, von uns zu reden, von unseren Zweifeln und die Beteiligten zu nennen, wenn es sein soll? Die Bibel hat mit Öffentlichkeit kein Problem. In den Pastoralbriefen, die in den Gemeinden verlesen wurden, wurden Namen von Personen genannt, die dem Werk Gottes widerstanden. Paulus rügt Petrus vor versammelter Mannschaft wegen dessen Heuchelei2. Stephanus greift mit offenem Wort die religiöse Obrigkeit an - und wird leider gesteinigt (ups). Paulus nennt den Hohepriester »getünchte Wand«3, und nimmt dann nur Abstand davon, weil es der Hohepriester war, dem man nach jüdischem Gesetz sowas nicht antun sollte. Daraus folgt logisch, dass Paulus nur diese einzige Ausnahme akzeptiert, und seinen Ausdruck für jede andere Person stehengelassen und als berechtigt angesehen hätte.

Niemand also darf sich hinter Gott verstecken, der in seinem Namen gehandelt haben will. Darum ist es von unserer Seite nur klug, nicht zu argumentieren mit Phrasen wie »Gott hat mir gesagt.« Sondern wir können von unserem Gewissen reden und vom Wort Gottes.

Lösen wir uns von dieser Obrigkeitsangst! Wir waren zu lange einem Herd nahe, der uns infiziert hat, sodass wir krank daran wurden. Sollten wir noch Angst haben, wenn wir sehen, dass diese Gruppen doch recht klein sind, gemessen am ganzen Gottesvolk? Sie repräsentieren manches, aber nicht das Evangelium. Sie bringen nicht einmal die Frucht der Buße hervor: ein gottesfürchtiger Leiter würde doch zumindest seinen Dienst unterbrechen, wenn er nur hörte, dass er zum Schaden für einen Gläubigen geworden ist. Wann haben sich uns Menschen aus diesen Kreisen auf väterliche Weise genähert und das Gespräch gesucht? Ich glaube selbst Jesus hätte das getan, um dem aufrichtig Betrübten aufzuhelfen. Und Jesus hat es ja auch getan, indem er die damalige Obrigkeit aufs Schärfste bedrohte und anklagte.

Ist es unsere Aufgabe, die problematischen Leiter zu ändern? Ich denke, das ist Gottes Sache. Wir haben keinen Anspruch darauf, dass diese Menschen so werden, wie wir es gerne sähen. Sie verantworten ihr Handeln vor Gott, ob sie das wollen oder nicht. Doch wir geben ihnen die Chance, indem wir ihnen vorhalten4, was sie tun und getan haben.

Das wunderbare Evangelium mit allen treuen Zusagen ist uns nicht verloren gegangen. Für Gegenwart und Zukunft bleibt uns der ganze Schatz der guten Nachricht zum Wohle auch des eigenen Lebens. Jesus bleibt. Sein Zeugnis tragen wir in uns. Ihm haben wir unser Vertrauen geschenkt. Heilung und Wiederherstellung, ja alles erwarten wir zurecht von ihm.

Jörg Hellenkamp


________________
1 Ole Hallesby: Vom Gewissen, R. Brockhaus 1977
2 Galater 2, 11 ff
3 Apg. 23, 3
4 Lukas 17, 3
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