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Es wird geglaubt und gebetet – aber oft diffus


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Rolf

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Es wird geglaubt und gebetet – aber oft diffus




Nur knapp ein Fünftel der Schweizer ist wirklich nichtgläubig. Alle andern haben "einen gewissen Glauben", wie der Soziologe Olivier Favre kürzlich vor den Delegierten der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) ausführte.

Nach einer aktuellen Umfrage geben 22 Prozent der Schweizer an, ihr Interesse an religiösen Fragen habe in den letzten drei Jahren zugenommen. 17 Prozent sagen genau das Gegenteil. Die Zeitung "24 heures" titelt bereits: "Die Schweizer sind näher bei Gott!" Olivier Favre ist skeptisch: "Ist Religion wirklich in, muss man sich auf einen neuen Andrang in den christlichen Gemeinden vorbereiten?"

10 Prozent im Gottesdienst

Als Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des ORS der Universität Lausanne (Observatoire des religions en Suisse) mag er Zahlen. Und als Pastor des "Centre de Vie" (BewegungPlus) in Neuenburg liebt er seine Gemeinde. Olivier Favre schöpft aus dem Vollen, wenn er sich zur religiösen Situation des Landes äussert. Kirchliche Institutionen verlieren an Einfluss. Die Pluralisierung des Glaubenslebens nimmt zu. Favre verdeutlicht es so: "Man kann gleichzeitig ein Bild von Jesus aufhängen, ab und zu einen Gottesdienst besuchen, Befürworter der Reinkarnation sein und mit der verstorbenen Grossmutter kommunizieren."

Das religiöse Leben nimmt weiter ab. 61 Prozent der Schweizer lesen die Bibel nie, 5 Prozent täglich, 4 Prozent wöchentlich. 39 Prozent der Schweizer beten täglich, 17 Prozent mindestens einmal pro Woche. Den Gottesdienst besuchen noch 10 Prozent wöchentlich. 57 Prozent der Schweizer sieht man höchstens an Festtagen oder nie im Gotteshaus.

Fünf Glaubensgruppen

Auf zwei repräsentativen Untersuchungen basierend, teilt Favre die Schweizer in fünf Glaubensgruppen ein:

- Exklusive Christen (10,6 Prozent): Glauben an Jesus, die Auferstehung und das kommende Reich Gottes. Praktizierende Gläubige, Mitglieder einer Landes- oder Freikirche, vorwiegend protestantisch. Die einzige deutlich schrumpfende Gruppe.

- Inklusive Christen (37,6 Prozent): Befürworten den christlichen Glauben, sind aber auch offen für andere Lehren und alternative Medizin. Eher katholischer Herkunft. Anerkennen den Stellenwert der Religion. Betrachten die Bibel mehrheitlich als inspiriertes Buch.

- Unentschlossene (11,3 Prozent): Bleiben in der Kirchgemeinde, glauben aber nicht an ein Leben nach dem Tod und messen der Religion keine grosse Bedeutung bei. Eher ältere und reformierte Leute.

- Gläubige Nichtchristen (22,2 Prozent): Wachsende Gruppe. Eher jünger und weiblich. Beten ziemlich oft, glauben an Reinkarnation und höhere Kraft. Lehnen den christlichen Glauben ab, halten die Bibel oft für ein Märchenbuch.

- Nichtgläubige (18,3 Prozent): Haben immer an der Existenz eines Gottes gezweifelt oder sind nichtgläubig geworden.


Für andere wichtig

Der Soziologe fasst zusammen: Glaube ja, aber man hält ihn besonders für andere wichtig. Die Kirchen haben ihre Autorität in Glaubensfragen weitgehend verloren, werden aber anerkannt, um soziale Not zu bekämpfen.

Und die Freikirchen? "Sie erscheinen inkonsistent", antwortet Favre. Die 1500 Freikirchen im Land zählen 150'000 Gläubige (2,1 Prozent). Ein Drittel sind Charismatiker oder Pfingstler. Favre meint, dass Freikirchen aus zwei Gründen wachsen: Es gelingt ihnen, drei Viertel des Nachwuchses zu behalten, und sie gewinnen Neubekehrte (charismatische Gemeinden etwa 25 Prozent, andere 10 Prozent). Den Zulauf zu charismatischen Gemeinden erklärt Favre mit der Sehnsucht nach Erfahrungen und Emotionen.

Kaffee, Gipfeli, Predigt
"Die Menschen mit ihren Bedürfnissen nach persönlicher Entfaltung und Wohlgefühl ernst zu nehmen, ist ein wichtiger Ausgangspunkt, um sie mit dem christlichen Glauben zu konfrontieren", betont der Neuenburger Pastor. Seine Gemeinde übt dies mit "Kaffee-Gipfeli-Gottesdiensten", mit Gebetsmorgen für Menschen mit Gesundheitsproblemen oder mit Geburtstagsfeiern für Kinder nach dem McDonalds-Modell. Favre betont: "Freikirchen müssen unbedingt vermehrt öffentlich auftreten, um ihre Identität zu vertreten und allenfalls zu verteidigen."

Autor: Andrea Vonlanthen
Quelle: ideaSpektrum Schweiz. Evangelisches Nachrichtenmagazin
Datum: 27.07.2007

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