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Scheidungsagende


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#1
Rolf

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Scheidungsagende – theology.de S. 1



© "Charlie" Friedemann Jung; Pfarrer und Kabarettist aus Würzburg


Liebes Scheidungspaar, liebe Trennungsgemeinde,

liebe Freunde und Anwälte des zu scheidenden Paares,
Sie sind hier zusammengekommen, um Abschied zu nahmen von der Illusion ewiger Liebe
zwischen Menschen - so meinen Sie. Sie sind doch nur hier um Anschied zu nahmen von
Ihrer privaten Illusion, Ihre Ehe sei alles Glück auf Erden und sei ewigwährender Frühling.
So beugen wir uns unter der Last der Beziehungskrisen, bücken uns unter dem drohenden
Deckel der Beziehungskiste und gedenken des Unglücks, des Glückes und des Glückes
im Unglück.
An dieser Stelle ist ein Gemeindelied zu singen, etwa EKG 523, Valet will ich dir geben oder
524, Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual - je nach Kasus - oder aber
528, Ach wie flüchtig, ach wie nichtig.
Hört nun aus dem Prediger Salomo die Worte zur Stunde:
Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Geboren
werden hat seine Zeit und Sterben hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit und ausreißen,
was gepflanzt ist hat seine Zeit. Abbrechen hat seine Zeit und bauen hat seine
Zeit, Lachen hat seine Zeit und Weinen hat seine Zeit. Herzen hat seine Zeit aufhören zu
herzen hat seine Zeit. Suchen hat seine Zeit und Verlieren hat seine Zeit. Behalten hat
seine Zeit und wegwerfen hat seine Zeit. Zerreißen hat seine Zeit und Nähen hat seine
Zeit. Lieben hat seine Zeit und Hassen hat seine Zeit. Streit hat seine Zeit und Frieden hat
seine Zeit. Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Darauf folgt eine Trennungsvermahnung wie etwa die folgende:
Liebes Trennungspaar,
Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen. Daran haltet wir unverbrüchlich fest, auch
wenn dies wohl eher im Allgemeinen als im Konkreten gelten mag. Ja, auch dann, wenn
es Männer und Frauen gibt, die dem anderen Geschlecht entsagen und lieber mit ihresgleichen
leben wollen.
Auch ist die Ehe als solche eine gute Ordnung. Auch daran halten wir fest, auch wenn dies
wieder eher in abstracto denn in concreto gilt.
Scheidungsagende – theology.de S. 2
© "Charlie" Friedemann Jung; Pfarrer und Kabarettist aus Würzburg
Doch ist das Kreuz des Ehestandes, von dem schon unser Martinus Luther ein Liedchen
zu singen wußte - und von dem mit weit mehr Recht seine Käthe manch Liedlein sang -
dies Kreuz ist Euch nun zu schwer geworden. Zwietracht und Unfrieden hielten Einzug
und nur noch Last war Euch, was einst Lust verhieß.
So wollt ihr nun das Haus, das ihr mit Eurer Ehe gebaut und das Euch allzu windschief
geriet, lieber einreißen, als es zu halten; ganz nach der Devise: Besser im Freien als unter
einem schlechten Dach - und in solchem Entschluß habt ihr euch hierher begeben, um
das Ende am selben, Ort zu begehen wo es einst seinen Anfang nahm. Ihr wollt - und das
ist wahres Vertrauen - den Segen, der auch in der Ehe nicht half, dennoch für Eure Scheidung
erbitten und für Euer Loben danach. Es ist ein hartes Stück und steiniger Weg, der
vor Euch liegt - doch geht Ihn getrost, denn etwas besseres als den alltäglichen Kleinkrieg
findet ihr allemal - und sei es nur der Kleinkrieg nur einmal im Monat.
So reicht einander nun die rechte Hand.
(Hand auflegen) Was Gott zusammengefügt: hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Doch (Hände auseinanderreißen) was hat Euch dazu verführt zu meinen, es sei Gott, der
Euch zusammengeführt hat?
Gebt nun einander die Ringe zurück, die ihr einander gegeben habt, damit jedem wieder
das seine werde.
Hört nun die Worte des Predigers:
So freue dich deiner Jugend und laß das Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen.
Tu was da, was Dein Herz gelüstet und was Deinen Augen gefällt.
So geht nun auseinander.
Amen.
Der Scheidungszug teilt sich. Angeführt von den jeweiligen Anwälten verlassen die Geschiedenen
die Kirche durch getrennt Ausgänge. Wo dies nicht möglich ist, nacheinander in gebührendem
Abstand.
Dabei könnte gesungen werden, EKG 243 Lob Gott getrost mit Singen oder 321 Nun danket
alle Gott, ... das Leiden, hat ein Ende, er hält in aller Not und löst auch unsre Hände.
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