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Vom Rocker zum Pastor: „Ich hatte Todesangst“


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Rolf

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Thomas-Baur.jpegFoto: privat
 

 

 

 

Vom Rocker zum Pastor: „Ich hatte Todesangst“

 
 
 
 
4. April 2022
 
 
Thomas Baur wurde von seinem Vater verprügelt, steckte voller Hass. Als Rocker erlebte er einen Bandenkrieg mit. Erst der Glaube an Gott gab ihm eine Perspektive für sein Leben.

Herr Baur, Ihr Vater hat Sie verprügelt, Ihre Klamotten auf die Straße geworfen. Sie haben viel Gewalt in der Familie erlebt. „Vererbt“ sich so etwas?

 

Thomas Baur: Das ist total vererbbar. Ich hab die Wutausbrüche meines Vaters geerbt. Auch meine Tochter ist sehr impulsiv. Und ich kenne viele Leute mit einer ähnlichen Geschichte. Man verändert sich, aber es steckt tief in einem drin.

 

Sie berichten, dass Sie große Hassgefühle hatten. Andererseits war Ihr inneres Leben so taub, dass Sie drei Selbstmord-Versuche unternommen haben – die aber kläglich gescheitert sind.

 

Ich hatte zwei ältere Geschwister, die sind mit 18 zu Hause raus. Mein kleiner Bruder und ich, die Nachzügler, waren übrig. Und ich wusste nicht, wo ich hätte Hilfe kriegen können. Ich war in der Schule unbeliebt, keiner wollte mich. Da schien für mich der Selbstmord die Lösung.

 

Sie sind als Jugendlicher schon mit dem Tod konfrontiert worden: ein Freund ist an Krebs gestorben.

 

Das war direkt vor meiner Rocker-Phase. Ich habe den Todeskampf meines Freundes jahrelang mitgemacht, mit 15, 16! Als er dann tot war, fühlte ich mich total ohnmächtig. Dann habe ich die Rocker kennengelernt, mit 17 – und die wurden mein Familien-Ersatz. Unser Motto war: Einer für alle, alle für einen – und das war auch so! Wir haben alles miteinander geteilt.

 

Wie tief geht denn die Kameradschaft unter Rockern tatsächlich?

 

Es gibt zwei Welten bei den Rockern. Es gab damals die kleinen Rockergruppen, wie unsere, die eher familiär geprägt waren. Wir haben Kutten-Taufen gemacht, im Matsch, mit Bier, sind mit dem Motorrad drübergefahren, waren zusammen auf dem Münchener Oktoberfest …

 

Einige der großen Rocker-Klubs heute sind Organisationen wie die Mafia, die betreiben Drogenhandel, Prostitution, Waffendeals; das hat mit Rockerromantik nichts mehr zu tun. Ich habe später einen Bandenkrieg miterlebt, da ging es nur noch ums Überleben. Ich hab keine Ruhe mehr gehabt, mich ständig umgedreht, hatte Todesangst

.

Sie haben dann den Ausstieg aus der Szene geschafft, im August 1989. Was haben Sie damals entdeckt, was Sie nicht kannten?

 

Nach einer brutalen Prügelei bei einer Rockerparty hab ich realisiert: Dieses Gelabere von „Brüderschaft“ und „Ehre“ ist alles nur verlogen. Ich habe keinen Sinn mehr darin gesehen, bin in ein großes „Loch“ gefallen – und war überzeugt: Du wirst keine 25 Jahre alt, sondern kommst vorher um: durch Drogen, das Motorrad oder Gewalt. Ich wollte auch nicht älter werden.

„Es war auf einmal ein Frieden in mir.“

Ausgerechnet da hat mich meine Schwester zu einer christlichen Veranstaltung mitgeschleppt, obwohl sie mir mit ihrem frommen Gerede unheimlich auf den Wecker gegangen ist. Aber ich hatte immer die Frage nach Gott in mir. Also bin ich mit. Dann sprach eine Predigerin – und mir wurde heiß und kalt.

 

Jahrelang war Angst mein Thema gewesen – vor meinem Vater, meiner Mutter, vor der Zukunft, den Rockern … Und diese Angst war an dem Abend komplett weg! Es war auf einmal ein Frieden in mir. Ich habe mich total frei gefühlt … Ich habe tatsächlich Gott gefunden. Das ist alles real!

 

Was hat sich verändert: Was ist heute entscheidend für Sie?

 

Ich bin seit 2010 Pastor. Und meine Vergangenheit hilft mir heute. Ob jemand Junkie ist, Alkoholiker, psychisch krank, aus der Szene … ich kenn das alles.

 

Entscheidend ist: Gott liebt die Menschen. Er liebt mich so wie ich bin – das ist der Punkt.

Sie haben irgendwann auch Ihren Eltern vergeben – bei allem, was die ihnen körperlich und seelisch angetan haben …

 

Oh ja! Erst mit dem Geschenk der Gnade Gottes wurde es gut, dadurch hat sich etwas verändert. Und ich sage denen, die ähnliche Dinge erlebt haben, heute: Du vergibst nicht um deines Vaters willen oder wem auch immer – sondern um deiner selbst willen! Wenn man vergibt, wird man frei.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Die Fragen stellte Jörg Podworny

 

 

 

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift 

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 erschienen. 

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wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

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