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Täuschen und Tarnen


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#1
Rolf

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Täuschen und Tarnen






Über den Umgang mit der Wahrheit

"Politiker machen Versprechen und vergessen sie bereits in der Wahlnacht ... Sie koalieren mit politischen Gegnern, deren Ziele sie gestern noch für indiskutabel hielten, und sie verfolgen, gemeinsam mit jenen, genau diese Ziele." (Thomas Rothschild, Literaturwissenschaftler, "Alles Lüge - das Ende der Glaubwürdigkeit")

Sicher ist diese Aussage sehr provokant, aber sie trifft nicht selten genau den Punkt in der "großen" Politik. Trotz der geschickten Formulierungen gelingt es so manchen Staatsmännern/frauen nicht, bei dem zu bleiben, was man von ihnen erwartet - nämlich dass sie zu ihrem Wort stehen und ehrlich bleiben. Dass ein Zwang zu Kompromissen durch den politischen Rivalen besteht, mag schon wahr sein. Damit konnten sie aber schon vor der Wahl rechnen und in ihren Versprechungen berücksichtigen.

Auch sonst fällt es ziemlich auf, dass sich Politiker widersprechen, mit vagen Aussagen täuschen und Verfehlungen erst dann zugeben, wenn sie nicht mehr anders können. Sind Politiker so viel anders als andere oder fällt es vielleicht bei ihnen nur stärker auf, weil sie permanent unter öffentlichem Druck stehen? Auch was die Wirtschaft betrifft, scheint Täuschen und Tarnen zum Regelfall zu werden. Korruption, Spionage oder einfach nur hochriskante Spekulationen sind an der Tagesordnung. Der österreichische BAWAG-Bankenskandal ist ein Beispiel dafür. Inzwischen weiß auch der einfache Mann, was man mit Spekulationen innerhalb kürzester Zeit so alles anstellen und wie man unvorstellbar viel Geld in kürzester Zeit verdienen oder eben auch verlieren kann. Der Schweiß dabei kommt wohl mehr von dem Bewusstsein der riskanten "Spielerei" als von einer ehrlich erbrachten Leistung.

Vertrauen ist gut ...

... Kontrolle ist besser - und notwendiger als je zuvor. Wer hat wann und warum weg geschaut? Wen kann und muss man zur Verantwortung ziehen? Einer schiebt die Schuld auf den anderen, bis schließlich im Gericht das letzte Urteil, zumindest vorläufig, verkündet wird. Das Knäuel aus Halb- und Unwahrheiten, direkten Lügen oder auch nur Täuschungen ist nicht leicht zu entwirren. Wem kann man denn heute noch vertrauen? Wie schlimm ist es wirklich um die Moral in unserer Gesellschaft bestellt?

Intaktes Unrechtsbewusstsein?

Im Allgemeinen scheinen wir ja ein gutes moralisches Empfinden zu besitzen. Offensichtliche Verbrechen werden zutiefst verabscheut. Mörder, Räuber, Diebe, Pädophile, Kinderschänder und eine ganze Reihe von Gesetzesbrechern finden keinerlei Sympathien in der Gesellschaft. Man möchte mit diesen Menschen nichts zu tun haben. Verbrechen? Nein, danke! Man möchte meinen, dass es wohl nicht gerecht wäre, die Welt wegen ihrer Verbrechen zu verurteilen oder schlecht zu machen - schließlich tut man ja was gegen diese Randgruppen, die sich nicht an das Gesetz bzw. an die Ordnungen halten.

(K)Eine heile Welt

Werden die ganzen Skandale und Verbrechen nur von den Medien hochgespielt? Oder sind sie vielleicht doch Symptome einer Gesellschaft, die sich zwar nach außen hin recht bieder gibt, aber heimlich die Grenzen immer wieder auslotet oder sie auch weit überschreitet?

Offensichtlich hat der Mensch ein Problem damit, seine frühkindlichen Gewohnheiten abzulegen. Schwindeln und Flunkern gehört zum Alltag. Schlimmer noch. Täuschung und Unwahrheit entwickeln sich prächtig und die Methoden der Tarnung werden immer raffinierter. Kein Zwinkern, Zucken oder Erröten lässt auf eine Lüge schließen. Geschickt wird der Geschäftspartner über den Tisch gezogen, dem Ehepartner nach dem Seitensprung die ewige Liebe versichert oder der Aufsichtsrat wenn schon nicht bestochen, dann aber doch mit falschen Zahlen versorgt.

Beim Doping mag es ja noch recht einfach sein, verbotene Praktiken aufzudecken, und beim Bankenskandal war es, wie bei vielen anderen Wirtschaftsbetrügereien, nur eine Frage der Zeit, bis "alles" aufgedeckt wurde. Schwieriger wird es bei den alltäglichen Aufgaben, in denen geschummelt wird, was das Zeug hält. Ohne Lüge geht es eben nicht. Das behauptete zumindest Wilhelm Busch in seinen satirischen Versen: "Der Beste muss mitunter lügen. Zuweilen tut er's mit Vergnügen."

Ursachen für das Täuschen und Tarnen gibt es viele. Man möchte Schwierigkeiten aus dem Weg gehen, etwas verbergen oder sich Vorteile verschaffen. So spielt man sein Stück, das sich langsam vom Lustspiel zum Drama entwickelt. Jeder hofft dabei, den zweiten Teil nie erleben zu müssen. Gegen jede Vernunft ist man sich relativ sicher, um später doch das Gegenteil festzustellen.

Wo es beginnt

"Eine Welt ohne Lüge, dies wäre das Ende aller Beziehungen, der privaten, der beruflichen, der öffentlichen", behauptet die Schweizer Psychotherapeutin Irmtraud Tarr- Krüger. Ihrer Meinung nach kommen wir ohne Lügen nicht aus. Denn "ohne Phantasie, Ausschmückung, Geschichtenerzählen, Übertreiben, Verschweigen oder Prahlen wäre die menschliche Kommunikation arm." Die These scheint einleuchtend, aber ist sie wahr?

Ein Kind lernt, bevor es schon richtig sprechen kann, die Halb- und Unwahrheiten in Form von Ausreden und familiären Täuschungsmanövern. Sind auch die Märchen, die man dem Kind glaubhaft machen möchte, wirklich so eine gute Idee? Muss man wirklich mit dem Osterhasen oder dem Nikolaus die Kinder täuschen, um ihnen Freude bereiten zu können? Das geht auch ohne Schwindel und Lüge und erspart später die Enttäuschung. Schließlich sinkt das Alter immer mehr, in dem man von seinen Freunden als dumm bezeichnet wird, weil man den Eltern noch immer glaubt. "Und das mit dem lieben Gott, da komm ich ihnen auch noch auf die Schliche" - kein Wunder, wenn man nur noch glauben will, was man sieht.

Es ist auch ein Trugschluss, wenn man meint, lügen zu müssen, damit die Wirklichkeit erträglicher wird. Letztendlich schadet man sich nur selbst. Wer sich durchs Leben schwindelt, wird diese Taktik auch von anderen erwarten. Das Misstrauen vervielfältigt sich auf diese Weise. Wem und was kann man nun wirklich glauben?

Dort fängt ein Stückchen vom Paradies an, wo man dem Wort, auch dem des Schöpfers, wieder Vertrauen schenkt und dem Versucher mit seinen Intrigen keine Chance lässt. Ob es in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Politik, in der Wirtschaft, beim Sport oder wo auch immer ist - "ehrlich währt am längsten" - und ewig für die, die sich ganz auf die Seite Gottes, und damit auf die Seite der Wahrheit, stellen.
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