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Aus dem Kontext gerissen...


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Rolf

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Aus dem Kontext gerissen...





Vorsichtig beim zitieren von Bibelstellen!



D.R. Reid



Leitvers: Philipper 4,13

Inhalt
Einleitung
Die Schrift aus dem Zusammenhang reißen
Beispiel: Philipper 4,13
Kontext beachten
Der Kontext von Philipper 4,13





Einleitung




Es ist eine gut bekannte Tatsache, daß man, wenn man einen Menschen ohne den dazugehörigen Kontext zitiert, ihm nahezu alles in den Mund legen kann. Wir alle wissen, daß Politiker Experten in diesem Gebiet sind - besonders während des Wahlkampfes!

Leider machen viele Leute exakt das gleiche mit der Bibel. Es ist erstaunlich, zu was man die Bibel machen kann, wenn man sie ohne Textzusammenhang zitiert. Es wird tatsächlich oft gesagt, daß ein biblischer Text ohne seinen Zusammenhang leicht zu einer Ausrede wird. Das heißt, daß man den Text benutzt, um Absichten zu präsentieren, die mehr den Gedanken des Redners entsprechen, als den Gedanken Gottes.
Die Schrift aus dem Zusammenhang reißen

Nun reißen die meisten Christen die Schrift nicht mit Absicht aus dem Zusammenhang. Wir haben zwar alle unsere Steckenpferde, aber wir wollen mal hoffen, daß wir die Bibel nicht willentlich verzerren und entstellen, um unsere eigenen Ziele zu rechtfertigen. Doch ist es so, daß viele Christen unwissentlich biblische Verse herausnehmen und den Kontext ignorieren. Viele Christen laufen deshalb Gefahr, die heilige Schrift zu zerpflücken, weil sie dem Textzusammenhang nicht genügend Aufmerksamkeit schenken.
Beispiel: Philipper 4,13

Nehmen wir Philipper 4, 13 als Beispiel, um zu zeigen, was es bedeutet, daß der Textzusammenhang die Auslegung kontrolliert. Was bedeutet es, wenn die Bibel sagt, „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht.“? Bedeutet es, daß ich 250 kg stemmen kann, wenn ich genug Glauben besitze? Heißt das, daß ich von einem Hochhaus springen kann ohne mir auch nur einen Knochen zu brechen, weil ich übernatürliche Kräfte habe? Heißt das, daß ich wie Christus auf dem See von Galiläa auf dem Wasser gehen kann? Sicherlich wird kein Christ bei Verstand Philipper 4, 13 derart aus dem Kontext reißen.

Aber wie steht es mit anderen Fällen? Denken wir an christliche Studenten, die sich gewaltige Aufgaben aufladen – Akademiker, Athleten, Aktionsgruppen in nützlichen Aktivitäten. Sie gönnen sich keine adäquate Ruhezeit und treiben sich stetig an, immer mehr an Lasten aufzunehmen. Ist es gerechtfertigt, daß diese Studenten für ihren Erfolg in diesen Disziplinen Philipper 4, 13 fordern? Erlaubt der Kontext dieses Verses eine solche Schlußfolgerung? Sollen diese Studenten das Gefühl haben, an mangelndem Glauben gescheitert zu sein oder gar daß Christus gescheitert ist, wenn sie an der Grenze ihrer körperlichen Fähigkeiten angelangt sind? Hat sich das Versprechen von Philipper 4, 13 als falsch erwiesen oder ist der Vers aus dem Zusammenhang gerissen worden?

Stellen wir uns nun einmal Christen vor, die einen neuen Beruf ergreifen oder sogar einen neuen Dienst für den Herrn beginnen ohne sich zuerst vorbereitet und umsichtig geplant zu haben. Verspricht Philipper 4, 13 Erfolg, solange wir im Glauben leben?
Stellen wir uns vor, die neue Karriere läuft nicht an oder unser Dienst schlägt fehl. Ist es richtig für einen Christen, dann frustriert zu sein und mit dem Herrn zu hadern, daß Philipper 4, 13 nicht wahr ist? Reicht die Stärke Christi wirklich für alles aus, oder ist Philipper 4,13 aus dem Zusammenhang gerissen worden?

Gerade die Christen, die diesen Vers zitieren, um ihren Erfolg in verschiedenen Unternehmungen zu erklären, bringen noch mehr Verwirrung in die richtige Auslegung von Philipper 4,13.Nehmen wir als Beispiel den christlichen Geschäftsmann, der einem Gespräch bei einem Abendessen Philipper 4,13 als Begründung für seinen finanziellen Erfolg heranzieht. Das hört sich zunächst doch ziemlich gut an, aber wie deklassiert diese Aussage alle die armen, sich abmühenden christlichen Geschäftsleute unter seinen Gästen, die finanziell schlechter gestellt sind? Ist die Stärke Christi nicht ausreichend für sie? Ist Philipper 4,13 nicht aus dem Kontext genommen worden? Was ist mit dem rekord-brechenden christlichen Sportler, der seine Triumphe bescheiden mit diesem Vers erklärt? Das alles hört sich so großartig an, und es kommt sicher aus einem dankbaren Herzen, aber wenn wir diesen Vers als Erklärung für sportlichen Erfolg benutzen wird es eine ernste Frage. Wieder müssen wir überlegen, was mit dem christlichen Athleten ist, der nicht so talentiert ist und nicht so viele Medaillen gewonnen hat. Auch er hat viel trainiert und hat das Letzte aus sich herausgeholt und hat trotzdem verloren oder sich nicht einmal qualifiziert. Wo ist die Stärke Christi für diese? Sicherlich hatten die meisten von ihnen ebenso viel Vertrauen in die Zusage aus Philipper 4, 13 wie der erfolgreiche Sportler. Ist dieser Vers aus dem Kontext gerissen worden?

Das Problem aller dieser Beispiele ist, daß man den Kontext von Philipper 4, 13 außer Acht gelassen hat. Der Gebrauch dieses Verses aller dieser wohlmeinenden Christen wurde nicht durch den Kontext kontrolliert, so daß der Vers Dinge zu sagen scheint, die der Heilige Geist nie beabsichtig hat. Der Textzusammenhang verdient also unbedingt Beachtung. Es ist nicht allein hilfreich, den Kontext einer Stelle genau zu untersuchen, sondern obligatorisch für die richtige Auslegung. Den Kontext zu prüfen schützt uns vor überspannten Interpretationen, die Gott nie im Sinn hatte, als er den Text inspirierte. Ein gutes Verstehen des Kontextes kontrolliert gleichsam unsere Auslegung zu jedem einzelnen Vers. Den Kontext zu kennen löscht das Bedürfnis nach Vermutungen und Vorstellungen aus. Da ist weniger Raum für gefühlsmäßige Interpretation, wenn wir den Zusammenhang einer Passage der Schrift verstanden haben.

Kontext beachten

Was genau meinen wir nun mit „Kontext“? Der Kontext, der Zusammenhang ist mehr als nur die umgebenden Verse eines Textes der Heiligen Schrift. Kontext schließt die umgebenden Abschnitte und Kapitel und schließlich das ganze Buch der Bibel, aus dem der Text entnommen wurde, mit ein. Je mehr wir über den geschichtlichen Hintergrund wissen, je mehr uns die originale Situation vertraut ist, je besser wir die Absicht, mit welcher der Brief geschrieben wurde, erkennen, je besser wir das Hauptthema, die Struktur und Beweisführung des Buches kennen, desto leichter wird es uns fallen, unsere Auslegung zu jedem Buch der Bibel zu kontrollieren. Übrigens ist dies der Grund, warum die „Buch für Buch- Methode“ die beste Strategie ist, sich die Bibel zu erschließen. Gott stellte die Bibel nicht dadurch zusammen, daß er voneinander isolierte Verse einfach zusammenfügte, er gab uns sein Wort vielmehr in Büchern. Warum studieren wir die Bibel nicht, wie Gott sie uns gegeben hat. Ich sage das hier nicht, um zu implizieren, daß Studien und Nachdenken über Lieblingsstellen oder selbst das „öffnen und einfach irgendwo lesen“ nicht gewinnbringend sein kann. Aber das Vorgehen Buch für Buch hat zusätzlich den Vorteil, daß wir die richtige Auslegung kennenlernen: den umfassenden Kontext eines jeden Verses in diesem Buch.

Der eigentliche und offensichtliche Grund, warum es so wichtig ist, den Kontext genau zu verstehen ist, daß Gott nicht einen einzigen Vers der Bibel ohne Kontext schrieb. Es gibt immer einen historischen Zusammenhang und einen literarischen Kontext zu jedem Vers der Bibel. Deshalb sollte der Frage: „Was hat dieser Vers uns heute zu sagen?“ immer die Frage: „Was bedeutete der Vers, als er geschrieben wurde?“ vorangehen. Was war die historische Situation? Wer war der Autor und wem schrieb er? Wann, wo und warum wurde dieses Schriftwort niedergeschrieben? Welche literarische Form wurde verwendet? War es eine Prophetie, ein Gleichnis, ein Gedicht, ein Brief, ein historisches Geschehnis oder eine andere literarische Gattung? Die Antworten auf diese Fragen sind Teil des Kontextes, und die Kenntnis der Sachverhalte ermöglicht uns einen raschen Fortschritt von der Frage „Was bedeutete dieser Vers?“ hin zu der Frage: „Was bedeutet dieser Vers uns heute?“. Wenn wir diese Hausaufgabe gemacht haben, wird unsere Anwendung für heute kraftvoller und weniger spekulativ sein, weil sie dann direkt auf Gottes Absicht mit dem Text beruht.

Der Kontext von Philipper 4,13

Laßt uns nun einen kurzen Blick auf den Kontext von Philipper 4,13 werfen, um zu sehen, wie selbst ein gekürztes kontextbezogenes Bewußtsein helfen kann, den Vers richtig zu interpretieren. Der Apostel Paulus war Gefangener in Rom als er diesen Brief an die Philipper schrieb (siehe Apg. 28). Die Gemeinde in Philippi wurde auf Paulus zweiter Missionsreise vor über zehn Jahren gegründet (siehe Apg 16). Ein gläubiger Bruder namens Epaphroditus (Phil. 2, 25; 4, 18) kam zu Paulus von Philippi nach Rom, um Paulus eine finanzielle Hilfe zu übergeben. Den Gläubigen für ihr Geschenk zu danken und sie über seine Situation in Rom zu informieren war einer der Gründe, warum er diesen Brief schrieb.

Nun beachte man die Verse, die Philipper 4, 13 direkt umgeben. Paulus war sehr dankbar für dieses Geschenk und erfreut über die Tatsache, daß sie mit ihm beschäftigt waren (4, 10, 14-19). Der Apostel hob aber auch hervor (4, 11-12), daß er ungeachtet seiner Umstände zufrieden war, weil er gelernt hatte, sich mit seinen Bedürfnissen auf den Herrn zu verlassen. In diesem Zusammenhang haben wir die zuversichtliche Aussage in Vers 13. In Zeiten von Not und Leid war Paulus nicht besorgt oder aufgeregt, weil er die Erfahrung gemacht hatte, daß er sich völlig auf Christus verlassen konnte. Auch wir können es! Das ist die wunderbare Zusage von Philipper 4,13 für uns heute - in Übereinstimmung mit dem

Textzusammenhang!

Durch diese Kontrolle durch den Kontext geführt, sollten wir durch Philipper 4, 13 nicht finanziellen Erfolg, gute Prüfungsergebnisse oder Goldmedaillen fordern, aber wir dürfen durch diesen Vers sicherlich die Kraft fordern, die wir brauchen. Erinnern sie sich, daß dem Kontext zufolge die Bedürfnisse des Paulus sich auf den Dienst für Christus konzentrierten, nicht auf die aus selbstsüchtigen Ambitionen, Verantwortungslosigkeit oder Nachlässigkeit resultierende Nöte. Auch das sollte unsere Auslegung und Anwendung dieser Verheißung kontrollieren.

Stehst du vor irgendwelchen Bedürfnissen, Schwierigkeiten oder harten Zeiten, weil du dich entschieden hast, zu Jesus zu stehen? Dann darfst auch du mit Paulus voller Zuversicht sagen: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht.“
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