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Michael Diener will weiter „christuszentrierten, offenen Pietismus leben“


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#1
Rolf

Rolf

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“Ich werde einen christuszentrierten, offenen Pietismus weiterhin leben.“

 

 

 

Was ist Dein größtes Herzensanliegen, wie es nun danach im Gnadauer Verband weitergehen soll?

 

Ich bin überzeugt, dass wir beim Upgrade-Kongress in Willingen 2019 die Weiterführung des „Neues wagen“- Prozesses inhaltlich treffend mit „leidenschaftlich glauben, engagiert leben und innovativ gestalten“ beschrieben haben und darum wird es in der Zukunft gehen. Die Gemeinschaftsbewegung hat mit ihrem lebendigen Erbe aus Reformation, Pietismus und Erweckungsbewegungen einen einzigartigen Platz als innerkirchliche Erneuerungsbewegung.

 

Den gilt es christuszentriert, missionarisch und gesellschaftlich relevant zu leben, mit möglichst wenig Selbstbeschäftigung und möglichst viel segensreicher Außenwirkung.

 

Wo siehst Du in den nächsten Jahren die größte Herausforderung der Gnadauer Bewegung?

 

Das kann ich nicht singulär beantworten: Gesellschaftlich erleben wir eine zunehmende Individualisierung und eine wachsende Säkularisation. Glaube ist einfach nicht mehr gefragt und in diesem Klima als missionarische Bewegung zu bestehen, wird nur gelingen, wenn wir kreativ, innovativ und mit viel, viel Ausdauer mit den Menschen unserer Zeit, im Gemeinwesen, in der Nachbarschaft unterwegs sind.

 

Wir unterlaufen sozusagen, die gesellschaftliche Entwicklung, die weg von Religion und Glaube führt, indem wir die nach wie vor kostbaren persönlichen Beziehungen pflegen und zweckfrei dabei auch das teilen, was unser Leben neu gemacht hat: die Beziehung zu Jesus Christus. Intern müssen wir nach wie vor einen seit Jahrzehnten bestehenden Erneuerungsstau bearbeiten.

 

Ich hätte gerne noch intensiver aufgearbeitet, wie es dazu kommen konnte, dass eine doch recht junge Bewegung, so schnell so sehr „in die Jahre kommen“ konnte. Ich glaube, dass dabei teils auch ein toxisches theologisches Erbe mit verantwortlich ist, welches das Heil einseitig in der Distanz zur Welt suchte und das Festhalten an teils überkommenen Inhalten und Formen geistlich als Bekennermut oder Märtyrertum überhöhte. Es gibt immer noch einen teils erkennbaren Unwillen und auch eine sehr belastende Unfähigkeit zur Erneuerung.

 

Verkürzt könnte man sagen: wir können Gemeinschaftspflege als „Kuschelclub der so Frommen“ wirklich besser als Evangelisation als Sendung in die Welt. Wir müssen noch klarer die „Kleinstaaterei“ in den Blick nehmen und die Strukturen unserer Arbeit modernisieren und intensiver zusammenarbeiten.

 

Deine Präses-Zeit ist auch mit einigen Kämpfen innerhalb der missionarisch-erwecklichen Bewegung verbunden gewesen. Wie blickst Du darauf auch persönlich zurück?

 

Ach, welche Präses-Zeit war das in der Vergangenheit denn nicht? Ich bin meinem Vorgänger sehr dankbar, dass er die Auseinandersetzungen um die Innerkirchlichkeit der Gemeinschafts-bewegung mit dem Gnadauer Vorstand bewegt und gestaltet hat. Was gab es da Lagerbil-dungen und Verwerfungen und in meiner Zeit hat dann diese Frage kaum noch eine spaltende Rolle gespielt. Jede Zeit hat ihre Kämpfe und die müssen dann auch geführt werden. Ich gehe wirklich mit ganz großer Dankbarkeit für erlebte Geschwisterschaft, für tragfähiges Miteinander und tiefe geistliche Begegnung. Gnadau ist eine klasse Bewegung und es war mir eine Freude, in der Gemeinschaft der Geschwister dienen zu dürfen.

 

Und ja, dann gab es auch Unerfreuliches, Verletzendes und Trennendes. Das hat immer nur eine recht kleine Anzahl an Menschen oder Organisationen betroffen – die letzte Mitgliederversammlung in Elbingerode hat in großer Deutlichkeit gezeigt, wie einmütig wir insgesamt unterwegs gewesen sind. Wenn ich das Gnadau meines Dienstantritts mit dem Gnadau heute vergleiche, dann gibt es durch die eingeleiteten Prozesse heute bei den Allermeisten eine viel höhere Identifikation, eine ausgeprägtere Erwartungshaltung gegenüber Gnadau, eine intensiver gelebte Beheimatung in Gnadau und das freut mich sehr.

 

Und für mich persönlich gilt es, das Erlebte geistlich zu verarbeiten, das Gute und das Schlechte: da bin ich durch die CoronaKrise, die mir sehr viele Fahrzeiten genommen hat, schon weiter als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Ich werde einen christuszentrierten, offenen Pietismus weiterhin leben, mich allerdings klarer gegenüber fundamentalistischen und aus meiner Sicht unevangelischen Positionen abgrenzen – auch öffentlich.

 

Wie kann eine Zersplitterung und auch eine Trennung überwunden werden? Wie bleiben wir bei der Mitte, die uns verbindet?

 

Grundlage dafür ist, dass wir Pluralität zulassen und unsere eigene Haltung nicht immer wieder zum status confessionis erheben. Den Christus im anderen erkennen, das ist Herausforderung für mich und für uns alle. Aus der Vergebung zu leben, ist das größte Geschenk unseres Glaubens – wenn wir das doch mehr tun würden. Und dann dem anderen seinen Glauben glauben und das Gemeinsame festhalten und tun – nur so wird es gehen – davon bin ich überzeugt. Für Dich steht nun ein Sabbatjahr an, wahrscheinlich eine einzigartige Lebensphase.

 

Was hast Du Dir vorgenommen? Was hast Du für Pläne? 

 

Na ja, Pläne haben meine Frau Eveline und ich sehr viele. Die reichen von bewusster Einkehr und Stille über viel, viel Reisen bis zur Klärung unserer zukünftigen Lebens-und Wirkungsstätte. Jetzt schauen wir mal, was in Corona-Zeiten davon möglich ist. Aber spannend ist es auf jeden Fall und wir freuen uns sehr auf dieses ganz besondere Jahr.

 


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