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"Erlebnisorientiertes" Christsein heute


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Rolf

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"Erlebnisorientiertes Christsein heute - Der Einfluss der postmodernen Erlebnisgesellschaft auf die christliche Gemeinde"(1)





Dr. Stephan Holthaus




I. Einleitung: Die Begriffe

Was bedeutet postmodern? Der Begriff tauchte abgesehen von einigen zu vernachlässigenden Verweisen zum ersten Mal in einem Artikel von Irving Howe im Jahre 1959 auf. Er warf darin der Literatur seiner Zeit ein Nachlassen der kreativen Potenz vor, im Gegensatz zur "modernen" Literatur eines Yeats, Eliot, Pound oder Joyce. Die neuere Literatur sei daher "postmodern". Postmoderne war hier also keineswegs als Höherentwicklung gedacht, sondern als Ausdruck für eine Degenerierung.

Später, ab Mitte der 60er Jahre, gebrauchte man den Begriff jedoch im positiven Sinne. In der Literatur sagte man konkret den als elitär geltenden Autoren der 20er und 30er Jahren adé. Die postmoderne Literatur sollte populistisch, romantisch und sentimental sein - bedeutende Stichworte einer neuen Stilrichtung. Träume, Visionen und Ekstasen sollten die neuen Leitideen der Autoren werden. Spätestens 1969 war in der Begriffsdebatte auch klar, daß pluralistische Konzepte unweigerlich die Grundlage der Postmoderne bilden sollten.

Der Begriff wurde ab Mitte der 70er Jahre auf die Architektur angewandt und ist auf diesem Gebiet bis heute federführend. Die neue Architektur ging auf die individuellen Wünsche der Menschen ein. Einen einheitlichen Stil gibt es nicht mehr. Mehrere Stilrichtungen werden kombiniert und zusammengeführt. Funktionsbauten sind out, Fiktionen dagegen in. Neben der Architektur übernahmen auch Malerei und Skulpturkunde die neue Trendwende der Postmoderne. Individualismus und Pluralismus werden auch hier zu den Grundlagen des Wandels und zu den Fundamenten der Postmoderne.

Die Ausweitung des Begriffes Postmoderne auf alle Gesellschaftsbereiche begann 1968 durch das Buch des Soziologen Amitai Etzioni, Die aktive Gesellschaft. Kennzeichen seiner Postmodernität, die er schon 1945 beginnen läßt, ist die Technologie, der Pluralismus und die Autonomie des Menschen. Der Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft wird ebenfalls als Wendepunkt von der Moderne zur Postmoderne angeführt. In ähnliche Richtung ging die Studie von Jean-Francois Lyotard, Das postmoderne Wissen, 1979 in Paris erschienen, in der er die Veränderung im Wissen des Menschen beschreibt und als postmodern klassifiziert.

Wolfgang Welsch hat in seiner grundlegenden Studie Unsere postmoderne Moderne(2)

darauf hingewiesen, daß sich Moderne und Postmoderne kaum voneinander abgrenzen lassen. Die Werte der Moderne sind heute immer noch aktuell. Die Postmoderne ist immer noch "modern", sie reflektiert nur kritisch über die Moderne. Mit Recht hat deshalb Welsch vor einer absoluten Trennung von Moderne und Postmoderne gewarnt.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Die Postmoderne bringt neue Aspekte in das Gesellschaftsleben ein: kollektiver Individualismus, extremer Pluralismus, Sentimentalität und Spiritualität.

Der Begriff "Erlebnisgesellschaft" wurde durch die bahnbrechende Studie des Bamberger Soziologen Gerhard Schulze populär. In seinem in vielen Auflagen erschienenen Standardwerk Die Erlebnisgesellschaft: Kultursoziologie der Gegenwart(3)

beschreibt er auf mehreren hundert Seiten die Veränderungen der westlichen Gesellschaft durch den Erlebnismarkt der Postmoderne. Er sieht das Paradigma des Erlebnisses als gemeinsame Klammer einer disperaten und vielfältigen Gesellschaft. Erlebnisse sind für ihn innengeleitete, subjektive Eindrücke, z.B. Gemütslagen wie schön, spannend, gemütlich usw. Erlebnisgesellschaft meint die breite Gesellschaftsströmung der inneren Glückssehnsucht. Erlebnisorientierung korrespondiert also mit der Erfahrungswelt der Postmoderne und ist ein elementarer Ausdruck davon.



II. Die postmoderne Erlebnisgesellschaft



Spätestens seit Gerhard Schulzes Buch wird die Kultur der Gegenwart gerne als Erlebnisgesellschaft bezeichnet. Was versteht man darunter?(4)

Hintergrund dieser Klassifizierung ist die moderne Tendenz des Menschen, um jeden Preis ein schönes, interessantes, angenehmes und faszinierendes Leben führen zu wollen. Leben heißt in unserer Zeit, "er-leben". Nicht Arbeit, Mühe, Leiden, Sparsamkeit, Entbehrung und Pflichtbewußtsein sind mehr Lebensinhalte, sondern Genuß, Zerstreuung, persönliches Glück, gutes Gefühl und Innenorientierung. Die Selbstentfaltungswerte haben die Werte des Pflichtbewußtseins abgelöst.

Die Erlebnisgesellschaft ist insbesondere bei Menschen bis zum 40. Lebensjahr zu beobachten. Sie zeigt sich überall: z.B. in der Zunahme von Vergnügungsparks für die ganze Familie. Kaufhäuser werden heute zu Erlebnishäusern umfunktioniert. Die Kinos werden zu Tempel des Amüsements umfunktioniert, mit Riesenleinwand und Bar. Unser Badezimmer wird zum Schönheitsstudio, unsere Stadtautos zu Geländewagen mit verchromter Stoßstange, mit der man bequem Nashörner jagen könnte. Schwimmbäder werden zu Erlebnisbädern samt Wasserrutsche, Whirlpool und Snack-Bar. Der Urlaub wird zur Vergnügungsreise. Aus der Butterfahrt wird die Erlebnisfahrt. Diskjockeys bestimmen die Szene, Animateure sind gesuchte Leute, Freizeitpädagogen und Entertainer sind "in". Designer bestimmen das Marketing.

Ein konkretes Beispiel sei angeführt: noch vor 30 Jahren reinigte sich der Mitteleuropäer ausschließlich mit Seife. Heute stehen ihm zur Körperreinigung und Pflege jedoch ein Heer von Waren zur Verfügung. Ganze Ladenketten, die Drogerien, leben von diesem Geschäft. Für jeden Körperbereich gibt es Spezialitäten. Von Kopf bis Fuß wird jeder Quadratzentimeter speziell gepflegt. Hunderte von Shampoos, Festigern, Lotionen, Duschgels, Deos, Parfüms, Badezusätze, Schminkutensilien, Rasierwässerchen usw. Unsere Ablagen biegen sich unter der Last unserer Pflegesachen. Der eigentliche Wert dieser Dinge liegt nicht in ihrer Effizienz, sondern in der Vermittlung des eigenen Wohlbefindens. Über ihre Nützlichkeit läßt sich trefflich streiten. Die Hauptsache ist: man fühlt sich wohl.

Zum Gefühl kommt die Erfahrung und das Erlebnis. Man will echte Erlebnisse machen, alles in der Tiefe genießen. Die moderne Erlebnisgesellschaft fragt nach Grenzerfahrungen. Vor Monaten prangte an vielen Litfaßsäulen eine Zigarettenwerbung mit dem Slogan: "Suchen Sie keinen Sinn, sondern Geschmack" - ein typischer Ausdruck der Erlebnisorientierung. Neuerdings werden große Messen als "event-Ausstellungen" konzipiert, Ware zum Anfassen ist geplant. In Oberhausen wurde das größte Kaufcenter Europas eingeweiht - samt Erlebnispark. Das Motto lautet: das Einkaufen soll ein Erlebnis werden, das man so schnell nicht vergißt. Auf der Cebit-Home gab es drei verschiedene Eintrittskarten: das normale Tagesticket für die Ausstellung, ein "Event-Ticket" für die zusätzlichen Entertainmenthallen und ein "Super-Ticket" für die begleitenden Superkonzerte mit DJ BoBo und der Kelly-Family samt Cyberdance Night. Damit der Einzelhandel an Kunden, die sowieso schon alles besitzen, etwas verkaufen kann, wird das Einkaufen zum Erlebnis umfunktioniert.

Erlebnis ist eine ideale Ware. Sie braucht keinen Platz, denn sie spielt sich im Kopf des Kunden ab. Es gibt in der Regel auch keine Reklamationen. Unsere Computerwelt scheint so erlebnisleer zu sein, daß wir erlebnisgeil geworden sind. Ein Blick in die moderne Tankstelle beweist es: der Weg zur Kasse gleicht einem Hindernisparcours voller Reizüberflutung. Wer es schafft, ohne Mickeymausheft, Magnum, Heißer Hexe und frischen Brötchen bis zur Kasse vorzudringen, gilt schon als asketischer Mönch. Das Tanken, ein wenig gefühlsmäßiger Vorgang, wird doch noch zum Erlebnis. Die Erlebnistankstelle ist unser größter Genuß.

Gleiches droht uns die Post an. Die Postämter legen ihr altes institutionelles Image ab. In der Posthalle von morgen gibt es vorne rechts den Bäcker, dann den Zeitungskiosk und den Schnellimbiß, den Ansichtskartenständer, eine Vitrine mit Devotionalien der Post, Reiseangebote usw. Dann der Postshop mit allem, was man so braucht: Kartons, Kleber, Schnüre, Schere, Ordner, Briefmarken, Poster der Kelly-Family. Am Ende dann endlich der gute alte Postschalter. Der Vorgang des Kaufens ist das Entscheidende, nicht mehr die Ware an sich. Man fragt sich: was hat das mit der Post zu tun. Egal, nicht fragen, einfach erleben und kaufen.

Erlebnisse, überall. In Berlin gibt es die Gaststätte "Klo". Hier sitzen die Gäste nicht auf Stühlen, sondern auf Klobrillen. Was für ein irrer event - fragt man sich. Das hat uns gerade noch gefehlt. Dennoch, das Unternehmen findet seine Gäste. Der Erlebnishunger ist riesig. Seien es Schaumparties in den Discos, eine künstliche Schneewelt auf dem Münchner Flughafen, ein Erlebniskino mit Bar, das Bungee-Springen oder das Fassadenklettern, das Free-Climbing oder House Running - wir brauchen immer neue, ausgeflippterte Reize, um unseren event zu erreichen.

Die Moderne bietet dem Menschen eine unüberschaubare Möglichkeit an Entscheidungsprozessen und Wahlmöglichkeiten an. Durch die Steigerung des Lebensstandards, den erhöhten Freizeitwerten, mehr Bildung und technischen Fortschritt stehen uns potenzierte Wahlmöglichkeiten offen, von denen unsere Väter nur träumen konnten. Man kann heute theoretisch aus 10 Milliarden Wahlmöglichkeiten beim Kauf eines BMWs auswählen. Schon nach dem Aufstehen am Morgen öffnen wir den Kleiderschrank und wählen aus - etwas, was unsere Vorfahren nicht kannten. Was esse ich heute zum Frühstück? Mit welchem Auto fahre ich zur Arbeit? Welchen Beruf wähle ich? Wohin fahre ich in Urlaub? Einmal oder zweimal im Jahr? Welche Zeitung kaufe ich mir, welches Buch? Welchen Sender schalte ich heute Abend ein? Welche Veranstaltung besuchen wir heute Abend? Wir treffen dauernd Entscheidungen. Manchmal wichtige, meistens unwichtige.

Diese Erweiterung der Wahlmöglichkeiten hat dem Menschen jedoch keineswegs eine größere Freiheit beschert. Denn wir leben in einem ständigen Entscheidungsdruck, der uns durch die Gesellschaft aufoktroyiert wird. Wir müssen entscheiden. Wem ging es nicht auch schon so, daß er vor einem riesigen Regal von identischen Produkten verschiedener Firmen stand, und resignierte. Erst neulich war es wieder soweit: ich wollte Babynahrung für unsere kleine Tochter kaufen. Wie gelähmt stand ich vor der Auslage: 10 verschiedene Firmen priesen die Babymilch an. Die gleiche Milch jedoch in verschiedenen Geschmacksorten. Naturbelassen oder mit Bananengeschmack, die Jumbopackung oder das Sonderangebot. Die Qual der Wahl.

Die Kehrseite dieser Multioptionsgesellschaft ist die Tatsache, daß der Mensch sich dadurch immer mehr mit sich selbst beschäftigt. Er ist ein Narzist geworden. Die Selbstreflexion des modernen Menschen nimmt rapide Formen an. Schulze schreibt: "Wo Erlebnisse zum beherrschenden Thema werden, beginnt man, sich vor allem mit sich selbst zu beschäftigen" (S. 541). Entscheidungsprozesse bedingen Reflexionsprozesse. Welches ist das beste Produkt? Wer hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Ich grüble in mich hinein, wäge ab, verwerfe wieder, bleibe doch bis zum Schluß unsicher, ob es die beste Entscheidung war. Wir kreisen endlos um uns selbst.

Zusätzlich entsteht die Problematik, daß Erlebnisgefühle allein im Inneren des Menschen entstehen. Wir sind innenorientierte Menschen geworden. Der moderne Mensch denkt viel über sich selber nach. Äußere Effekte begünstigen die inneren Glückserlebnisse. Ein schönes Fahrgefühl im Auto wird nur z.T. durch außengeleitete Eindrücke vermittelt, wichtiger ist die innere Einstellung. Alles wird vor die subjektive Grundfrage gestellt: ist es für mich schön? Der Mensch wird zum Manager seiner eigenen Subjektivität, zum Manipulator seines Innenlebens. Die Freude am Erlebnis muß in sich selbst hergestellt werden.

Das führt uns zu einer grundlegenden Erkenntnis: Erlebnisse sind nie allein durch äußere Umstände bedingt, sondern Ausdruck meiner inneren Einstellung und Bedingtheit. Die Subjektivität von Erlebnissen zeigt sich alltäglich darin, daß andere Menschen die gleichen Dinge anders empfinden können, als ich. Erlebnisse sind Ausdruck einer inneren Reflektion. Erlebnisse werden von Menschen gemacht und als solche Empfunden. Was von außen kommt, wird durch die subjektive Verarbeitung erst zu einem "echten Erlebnis". Man könnte extrem formulieren: wir haben nicht Erlebnisse, sondern wir machen Erlebnisse oder: wir sind Erlebnisse.

Selbst schreckliche Katastrophen werden heute unterhaltend als Erlebnis präsentiert, damit noch ein schönes Gefühl entsteht. Die Hungersnot in Afrika wird zum Innenerlebnis: wir waren dabei, wenn auch nur am Bildschirm. Der Kriegsschauplatz wird aus der ersten Reihe in sicherer Distanz beobachtet und uns läuft der Schauer über den Rücken. Schulze nennt diese Verdrehung von Negativereignissen eine "Ästhetisierung" des Alltagslebens. Überhaupt müssen alle Erfahrungen "schön" sein. Negative Erfahrungen werden verdrängt.

Die Erlebnisgesellschaft ist nur auf dem Hintergrund einer ausgeprägten Individualisierung der westlichen Welt zu verstehen. Der Einzelne steht im Mittelpunkt, er bestimmt über sich selbst, ist autonom. Der moderne Mensch hat sich selbst entdeckt. Obwohl es Anfänge des Individualismus schon im antiken Griechenland gab, setzte er sich als gesellschaftliches Leitphänomen erst in der Neuzeit durch. Die Interesse des Einzelnen werden hier extrem gegenüber der Gemeinschaft hervorgehoben. Nicht umsonst titulierte man erst neulich die Deutschen als ein Volk voll Egoisten. Sicher kann man ähnliches auch in der Schweiz feststellen. Meinhard Miegel und Stefanie Wahl haben übrigens darauf hingewiesen, daß extreme Individualkulturen in der Gefahr der Selbstzerstörung stehen.(5)

Vor einem Mißverständnis muß hier jedoch gewarnt werden. Der moderne Individualismus führt nicht zu einer totalen Vereinzelung des Menschen. Im Gegenteil: selbst der Individualismus prägt kollektive Strukturen aus. Individualismus ist heute ein Massenphänomen geworden. Selbst in Gruppenprozessen beobachten wir Individualisierungsprozesse. Man kann im Kollektiv leben, und doch Individualist sein.

Noch vor wenigen Jahrzehnten kämpften die Menschen auch in Mitteleuropa gegen Armut und Hunger. Hauptthema des Lebens war das Überleben. In einer Gesellschaft, in der keiner mehr hungern muß und viele mit 30 schon alles haben, was sie brauchen, entsteht heute ein verändertes Problembewußtsein. Nicht der alltägliche Kampf ums Überleben steht im Mittelpunkt, sondern das Recht auf Vergnügen. Die Hausfrau am Küchenherd fragt heute nicht mehr: werden wir heute etwas zu essen haben, sondern: was kochen wir denn heute? Wir haben mehr, als wir brauchen.

Erleben wird zur neuen Lebensaufgabe. Der Wandel von der Armuts- zur Wohlstandsgesellschaft brachte dieses völlig neue Lebenskonzept mit sich. Die außengeleitete Überlebensorientierung wird von der innengeleiteten Erlebnisorientierung abgelöst. Wir wissen heute nicht mehr, was Hunger heißt. Deshalb müssen wir andere Bedürfnisse stillen, die in unserer Seele liegen. Nicht mehr die Versorgung ist unser Problem, sondern die Entsorgung.

Erlebnisse führen jedoch nie zu einer letzten Befriedigung. Jeder neue Designwandel muß mitgemacht werden, Programmänderungen sind unaufhaltsam. Innovationen werden aufgezwungen. Die Gier nach neuen Erlebnissen ist unstillbar. Ein Schlußverkauf jagt den nächsten. Ich darf nichts verpassen. Der Zapper am Fernsehen, der mit der Fernbedienung hin und her schaltet, ist Ausdruck der ständigen Angst, etwas zu verpassen.

Die Ungeduld der Erlebnisgesellschaft hat übrigens einen einfachen Grund, auf den uns ein in der Schweiz lebender Soziologe aufmerksam gemacht hat. Peter Gross aus St. Gallen konstatiert: die Menschen haben die Dimension der Ewigkeit verloren. Für eine christliche Gesellschaft war die Ewigkeit das erhoffte Ziel im Jenseits, wo Glück und Zufriedenheit herrschen werden. Ich muß nicht alle Ziele hier auf Erden erreichen, denn das letzte Ziel liegt im Jenseits. Heute, wo man den Himmel abgeschafft hat, ist der Mensch gezwungen, alle seine Ziele in den paar Jahren hier auf der Erde zu erreichen. Da die Welt sich um mich dreht, wird der Zeitbegriff verändert. "Weltzeit schrumpft auf Lebenszeit zusammen. Zeit wird Frist."(6)

Ich brauche 99 Leben, um alles zu erreichen, was ich erreichen will.

Durch den neuen Wohlstand verschiebt sich die Wertebene von den Gebrauchs- hin zu den Genußwerten. Die Masse des Brauchbaren machte das Nützliche zur Nebensache. Wir geben heute nur noch 20% unseres Einkommens für Grundnahrungsmittel aus. Genießen ist angesagt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Spaß ist angesagt. In einer neuen Umfrage unter Jugendlichen mit der Fragestellung, was sie besonders mögen, gaben 99% an: Spaß haben. Warum fahren Hunderttausende nach Berlin zur Love-Parade, um eine Wochenend-Techno-Party zu feiern. Das Motto des ganzen hieß: Friede, Freude, Eierkuchen. Es ging nicht um Atomkraft, Bosnien oder Mittelstreckenraketen. Einfach fun haben, heißt die Devise. Die Post muß abgehen. Leichtigkeit ist angesagt. 43% aller Jugendlichen bezeichnen sich als völlig unpolitisch. Man ist weder rechts noch links, sondern lustig. Das Motto der Raver: wir wollen nur Spaß haben. Raven heißt toben, und so tobt man sich aus.

Interessant ist auch zu beobachten, wie die Wissensebene Veränderungen unterworfen ist. Wir haben heute eine unüberschaubare Datenmenge von Wissen zur Verfügung. Der Computer hat das Wissensfeld weiter revolutioniert. Das Internet tut ein übriges. Wissen liegt für jedermann auf der Straße. Andererseits hat das Allgemeinwissen bedrohlich abgenommen. Wissen ist explodiert, gemeinsames Wissen implodiert. Es gibt kaum noch gemeinsame Wissensebenen. Daher kommt es, daß sich die modernen Menschen nicht mehr verstehen. Man redet und lebt aneinander vorbei, wenn man keine gemeinsamen Wissens- und Komminikationsebenen mehr hat.

"Erlebnisorientierung ist die unmittelbarste Form der Suche nach Glück", schreibt Schulze.(7)

Die Glückssehnsucht ist unstillbar. Wir wollen glücklich sein, wir haben ein Recht darauf. Diese Geisteshaltung nennt man Eudämonismus. Das höchste Ziel ist mein persönliches Glück. Es liegt nicht in der Ewigkeit, sondern im hier und jetzt. Wir alle sind Hans im Glück. Glück bedeutet, ein Leben nach seinen tiefsten Wünschen und Vorstellungen führen zu können. Unser größter Traum heißt: nichts ist unmöglich - Toyota.

Wo Erlebnisse zum obersten Lebensziel werden, reißt unweigerlich die Sinnfrage auf. Was macht mich glücklich? - ist die Frage aller Fragen. Wieder Schulze: "Menschen, die nach oben wollen, haben Mittelkrisen. Menschen, die oben sind, haben Sinnkrisen" (S. 61). Peter Berger hat erst neulich ein Buch auf dem Markt gebracht mit dem tiefsinnigen Titel Sehnsucht nach Sinn: Glauben in einer Zeit der Leichtgläubigkeit(8)

. Er beschreibt darin den Schrei nach Sinn unserer postmodernen Gesellschaft.

Heute bemerkt der Erlebnismensch, daß sein Durst nie gelöscht wird und das Enttäuschungsrisiko bei jedem Erlebnis mitschwingt. Macht mich das Erlebnis wirklich glücklich? Die dauernde Steigerungssucht führt unweigerlich zu einem ständigen Sinndefizit. Erlebnisse geben nur punktuelle Befriedigung. Unsicherheit und Angst vor Enttäuschung sind die beiden klassischen Phänomene eines erlebnisorientierten Lebens und finden sich überall in unserer Gesellschaft. Mit einem Ceylonurlaub kann man nicht seine Ehe reparieren, Langnese Eiskrem gibt keinen Lebenssinn. Levis Jeans sind kein Garant für tiefe Freundschaft.

Vor allen Dingen sind die künstlichen Glückserlebnisse nur Nebenprodukte des Lebens. Die Plastikwelt der Moderne, in der wir uns alle mit Computer und Chipkarten fortbewegen, führt auf ihrer Rückseite zu einer Sehnsucht nach Echtheit und Authentizität. Wir zweifeln angesichts der künstlichen Welten an der Wirklichkeit. Wer sind wir eigentlich? Was sind unsere wirklichen Bedürfnisse? Man verliert auch in einer zeitlosen Gegenwart das Gefühl für die Zeit und die Gegenwart. Die Künstlichkeit unserer Wahrnehmung macht unsicher. So flieht man in den "Authentic-Mythos", das "große Heimweh" ist angesagt, laßt uns Nostalgieparties feiern. In der Spielzeugbranche kommen wieder die alten Brettspiele auf. Holzpuppen contra Gameboy. Das Echte ist das Wahre in uns, das Substantielle, unwandelbare, glaubwürdige. Aus diesem Grund sind die alten Hausrezepte wieder in. Werte wie "handgemacht", "aus eigenem Anbau" usw. geben dem verlorenen Menschen wieder scheinbaren Halt und Sicherheit. Wir kommen aus der Überfluß- in die Überdrußgesellschaft, wo andere Werte zählen.

Schulzes Gesamtbild der westlichen Gesellschaft, das sich ohne große Schwierigkeiten auch auf die Schweiz übertragen läßt, lehrt einem das Fürchten. Der moderne Mensch ist wie ein offener Kanal, durch den alle Neuigkeiten hindurchfließen müssen. Ruhelos pulsierend kommt nie die Befriedigung. Wir sind abhängig geworden von pausenlosen Erlebnissen, totale Innenorientierung führt zu sozialen Abkapslungen und zu einer gefährlichen Passivität. Der moderne Mensch meint, nichts sei ihm unmöglich, er müsse seine Träume nur noch in die Wirklichkeit umsetzen. Er sucht nach Sinn und erlebt doch nur dauernde Sinndefizite.



III. Die Gemeinde und ihre Erlebnisfrömmigkeit



Es stellt sich nun die Frage, ob die Erlebniszentrierung der modernen Gesellschaft auch in den christlichen, genauer in den evangelikalen Kreisen zu finden ist. Es drängt sich geradezu auf, die neueren soziologischen Studien zur Erlebnisgesellschaft auf religiöse Kreise anzuwenden. Dabei treten tatsächlich klare Parallelen zu Tage. Einige Beispiele seien genannt:

Auf dem Christival in Dresden gab es einen "Erlebnisparcour Mission". Hier konnte man in einer einstündigen Tour verschiedenen Missionssituationen quasi in Miniaturformat miterleben. Pro Christ, die europaweite Evangelisation, warb mit dem Slogan: "Komm und erlebe Gottes Wort". Ein Prospekt eines großen deutschen Missionswerk warb neulich mit dem Slogan: "Vielfalt erleben". Große christliche Veranstaltungen erinnern heute an erlebnisorientierte Happenings. Der Erlebnismarkt zeigt sich auch auf dem christlichen Büchermarkt: Titel mit Erlebnisgeschichten fungieren als Spitzenreiter. Erst neulich erschien eine neue evangelikale Zeitschrift mit dem Titel "Aufatmen". Fast jeder dieser Artikel enthält mehrfach das Wort "Erlebnis" oder gibt persönliche Erfahrungen weiter.

Alles muß immer toller und größer werden, auch in christlichen Kreisen. Man muß den Leuten etwas bieten, damit sie noch in die Gemeinde kommen, heißt die Devise. In Zukunft soll auch in Deutschland ein christlicher Vergnügungspark entstehen, samt Arche Noah in Originalgröße. Berühmte Sportler, wenn auch nur christlich angetoucht, müssen als Vorzeigechristen herhalten. Die Gottesdienste werden erlebnisorientiert - the show must go on. Christsein ist cool.(9)

Woher kommt die Erlebnisreligiosität der Moderne? Religiöse Erlebnisorientierung hat ihre Wurzeln zunächst einmal im Protestantismus. Denn hier war Arbeit zwar ein integraler Bestandteil des Lebens. Aber auch jenseits des Berufes gibt es ein wichtiges Erfahrungsfeld, das die Bibel keineswegs aburteilt. Die persönliche Entfaltung und Entwicklung des Einzelnen war nicht umsonst ein wichtiges Ziel der Reformation Martin Luthers. Der Wandel von der Pflicht- zur Selbstentfaltungskultur widerspricht also nicht grundsätzlich den biblischen Vorgaben.

Auch der Pietismus des frühen 18. und die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts haben auf die Erlebbarkeit des Glaubens hingewiesen. Sie wandten sich gegen die tote Orthodoxie oder die rationale Aufklärung. Die Betonung lag auf dem praktischen Christentum, der praxis pietatis. Gott ist erlebbar, war schon die Botschaft von August Hermann Francke, der selbst ein "Bekehrungserlebnis" vorzuweisen hatte. Das Eingreifen Gottes in die alltäglichen Abläufe des Lebens wurde ja gerade zur Botschaft der erwecklichen Verkündigung. Aber das Gotteserlebnis wurde nie, und das ist der entscheidende Unterschied, zur Mitte des Christenlebens. Pietismus und Erweckung sahen die Mitte des Christseins im Werk Jesu auf Golgatha, nicht in den eigenen subjektiven Erfahrungen.

Der moderne Glaube lebt dagegen von der Erfahrung. Diese Entwicklung ist übrigens keineswegs neu. Der Vater des modernen Liberalismus, Friedrich Schleiermacher, wollte schon Anfang des 19. Jahrhunderts den Glauben vor der modernen Welt sichern. Sein Rezept: der Glaube ist im Kern eine menschliche religiöse Erfahrung, wobei das Christentum die erhabenste Erfahrung aller Religionen sei. Die moderne Infragestellung des Glaubens und seiner Wunder durch den Rationalismus verführte Schleiermacher dazu, den Glauben jenseits der Wissenschaft und Realität in der Mystik festzumachen. Die Sicherheit des Glaubens wurde nun verlegt: weg von den objektiven Realitäten, hin zu den subjektiven Erfahrungen des Einzelnen. Schleiermacher war ein Schüler des Pietismus und lebte zur Zeit der Romantik. Seine Erlebnisfrömmigkeit reicht bis in unsere Zeit, weshalb er nicht umsonst als der Kirchenvater des 19. und 20. Jahrhunderts gilt. Auf philosophischer Ebene war es dann Sören Kierkegaard, der von einem Sprung in den Glauben sprach. Bei ihm ist Wahrheit reine Subjektivität, d.h. Existentialismus. Nachdem Karl Barth diesen Ansatz Anfang des 20. Jahrhunderts radikal verworfen hatte, findet er sich doch weiterhin in der Theologie, so z.B. in der existentialistischen Interpretation von Rudolf Bultmann.

Was ich damit sagen möchte ist folgendes: die liberale Theologie wird von uns zu stark auf die Sachkritik an der Bibel beschränkt. Dies ist aber nur ein Teil des Liberalismus, gegen den sich viele Evangelikale bis heute zu Recht zur Wehr setzen. Liberalismus ist jedoch mehr als nur Bibelkritik, er ist auch subjektive Erfahrungsreligiosität. Diese Art von Liberalismus unterwandert im Augenblick evangelikale Gemeinden. Dorthin müssen wir vermehrt unsere Aufmerksamkeit hinwenden. Hier treffen sich zwei so disparate Linien wie Liberalismus und Fundamentalismus. Gotteserlebnisse sind kein Sondergut der Evangelikalen, sondern finden sich in vielen anderen Frömmigkeitsgruppen und religiöse Richtungen. Gerade deshalb ist eine Differenzierung und Fundamentalisierung der religiösen Erlebnisse eine Hauptaufgabe unserer Zeit.

Wir sprachen im Rahmen der Soziologie der Erlebnisse von den immensen Wahlmöglichkeiten der Moderne. Auch im kirchlichen Bereich haben die Entscheidungsprozesse zugenommen. Es gibt heute z.B. eine unüberschaubare Vielfalt von kirchlichen Gruppen und Kreisen. Jeder kann sich für seine Kirche entscheiden und damit seinen Individualismus pflegen. Auch innerhalb der Gemeinden ist ein wachsender Individualismus zu beobachten. Man läßt sich nichts mehr sagen, ist sein eigener Chef. Die Unverbindlichkeit wird zum Problem. Der Markt der Möglichkeiten ist nicht nur auf den Kirchentagen unüberschaubar geworden. Die Zahl der christlichen Werke und Organisationen ist Legion. Der christliche Literaturmarkt unüberschaubar und disparat. Z.Zt. gibt es etwa 10.000 lieferbare christliche Bücher im deutschsprachigen Raum. In den letzten Jahren entstanden in Deutschland fünf neue Freikirchen. Das Adressverzeichnis evangelikaler Institutionen ist unüberschaubar geworden. Auch hier muß dauernd ausgewählt und abgewogen werden. Auch hier dreht man sich um sich selbst.

In der Gemeindewachstumsbewegung wurde in den vergangenen Jahren viel über effektive Evangelisation nachgedacht. Wir haben gelernt, unsere Veranstaltungen bedürfnisorientiert zu gestalten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Aber auch hier muß die Gefahr klar gesehen werden: es gibt eine Bedürfnisorientierung, die biblische Wahrheiten ausgrenzt und die Botschaft vom Kreuz unterminiert. Die Botschaft von Sünde, Hölle und Gericht befriedigt kaum die Bedürfnisse moderner Zeitgenossen, aber sie ist überlebensnotwendig. Bedürfnisorientierung darf nie in Konkurrenz zur Bibelorientierung stehen. Wir müssen den Menschen das sagen, was sie brauchen, nicht unbedingt das, was sie wollen. Natürlich in der Art und Weise, daß sie die christliche Botschaft verstehen. Aber die Spannung muß genau beobachtet und immer kritisch hinterfragt werden. Gerade das Evangelisationskonzept der Willow-Creek-Gemeinde zeigt, wieviel Nachdenken hier gefordert ist, um nicht durch ein übergroßes Spektakel die Menschen vom Kern des Evangeliums abzulenken. Bill Hybels und seine Leute haben es m.E. bisher verstanden, eine Ausgewogenheit ohne Kompromisse zu erzielen. Der Grund liegt dabei in ihrer Bibelzentriertheit. Andere schießen längst über das Ziel hinaus. Wo Jonglagen und Sporteinlagen die Evangeliumsverkündigung überlagern, ist Protest angesagt.(10)

Die neue Erlebnisfrömmigkeit zeigt sich auch vermehrt in der evangelikalen Bibelauslegung. Hauptkriterium der Textauslegung ist hier der Satz: "Was sagt der Text mir". Diese schon in der Erweckungsbewegung immer wieder vorkommende Existentialisierung des Bibeltextes ist an sich nicht falsch. Problematisch wird sie jedoch, wenn der Existentialbezug am Anfang des Auslegungsprozesses steht. Zunächst muß gefragt werden, was der Bibeltext in der damaligen Zeit in seinem spezifischen Kontext meint. Erst nach diesem zugegeben manchmal mühevollen Auslegen darf mit aller Vorsicht nach dem existentiellen Bezug gefragt werden. Viele Evangelikale machen sich diese Mühe jedoch nicht mehr. Bibellektüre wird zur Meditation über den Text. Der Geist wird mir schon etwas eingeben. Wie oft höre ich neuerdings im Bibelgespräch eine Formulierung, die ich bisher nur aus liberalen Kreisen kannte: "Der Bibeltext bedeutet für mich das und das." Wieso nur für Dich? Gibt es eine individuelle Aussage der Bibel, die nur für einen Einzelnen gilt?

Wir sprachen davon, daß die Ästhetisierung der Welt ein Grundparadigma der Moderne ist. Das Leben soll unter allen Umständen schön sein, es muß mir gefallen, man soll sich wohlfühlen. Diese Wohlfühlmentalität findet man ebenso in unseren Kirchen. Man spricht schon lakonisch von der "Wohlfühlgemeinde" oder der "Wohlfühlreligiosität". Ausdruck dieser Frömmigkeit ist ein nie zu stillendes Harmoniebedürfnis. Man kämpft in den Gemeinden nicht mehr für die Wahrheit. Man ringt nicht mehr um die Wahrheit. Aufkommende Diskrepanzen werden im Keim erstickt. Nur ja keinem auf die Füße treten - scheint die Leitlinie vieler Pastoren zu sein. Der Gemeinde alles so angenehm wie möglich machen. Angenehme Sessel statt Kirchenbänke. Die Bedürfnisse des Besuchers sind alles und bestimmen den Ablauf.

Ich habe häufiger mit meinen Studenten folgendes erlebt. Nach einigen Wochen der Orientierung sollten sie sich verbindlich zu einer Gemeinde vor Ort halten. Viele von ihnen habe ich gefragt: Warum hast Du Dich gerade dieser Gemeinde angeschlossen? In den weitaus meisten Fällen war die Antwort: ich habe mich dort wohlgefühlt. Entscheidungskriterien für oder gegen eine Gemeinde sind heute typische Wohlfühlkriterien: werde ich freundlich begrüßt, gibt es dort nette Leute in meinem Alter, einen guten Jugendkreis, gute Kinderbetreuung, genug Parkplätze usw. Dogmatische Fragen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Auch die Predigten haben sich verändert. Nach einer Umfrage in den USA in evangelikalen Gemeinden kam man zu dem Ergebnis, daß 90% aller Predigten sich nur um die menschlichen Bedürfnisse der Evangelikalen drehen.(11)

Niemand predigt heute mehr über Dogmatik. Wann haben wir die letzte Predigt über Dreieinigkeit oder Prädestination, Rechtfertigung aus dem Glauben oder Heiligkeit Gottes gehört? Die Hauptsache ist, daß die Predigt mich angesprochen hat, wie man so oft hört. Aber was bedeutet dieses Angesprochensein? Ist es nur eine gefühlsmäßige Beeinflußung, meint es, daß die äußerliche Präsentation ansprechend war? Oder hat die Predigt dadurch, daß sie Gottes Wort weitergab und vom Geist geleitet war, in mir einen geistlichen Veränderungsprozeß freigesetzt, der zu den Früchten des Geistes führt?

Noch ein Aspekt zur Predigt. Was heute hängenbleibt, sind die Stories, gefühlsmäßig aufgemacht. Wir müssen es uns von einem säkularen Soziologen wie Peter Gross sagen lassen, der über die modernen Evangelisten klagt: "Geschichtenerzähler und Wissensproduzenten haben die Evangelisten von früher, die die eine und wahre Erzählung verkündet haben, abgelöst."(12)

Wir bleiben bitte noch einen Moment in unseren Gemeinden. Auch die Gottesdienste haben sich verändert. Die Vorprogramme werden immer länger, die Predigten immer kürzer. Da man dem modernen Menschen etwas bieten muß, ist natürlich Abwechslung angesagt. Manchmal ist die Grenze zur Showeinlage fließend. Auch wir haben am Abend vorher Thomas Gottschalk gesehen, und wollen es ihm nachmachen. Perfekt inszenieren wir unsere Gottesdienste. Der Besucher ist es ja gewohnt, passiv in seiner Zuschauerhaltung zu verharren. Er will Gottesdienst erleben, mit Leib, Seele und Geist.

Unmerklich hat sich unser Gottesbild verändert. Gott ist nicht mehr der strafende, gerechte Gott, sondern der liebe, zärtliche Vater. Im Magazin "Aufatmen" in der dritten Nummer war zu lesen, daß Gott ein zärtlicher Gott ist, der uns küßt und umarmt. Wir sollen, so heißt es, unsere Beziehung zu Gott genießen. Gott habe eine Sehnsucht, Leidenschaft und Zärtlichkeit zu mir. Solche Sätze tun gut. Gott will uns alles schenken. Gott nimmt Dich so an wie Du bist, mit allen Deinen Fehlern und Schwächen. Du darfst schwach sein vor Gott. Wer hört solche Sätze nicht gern? Ist es nicht ein großer Fehler gewesen, Gott immer nur als den gerechten, heiligen und zornigen Gott zu sehen, fragen heute viele Christen? Also wird Gott zum Freund umfunktioniert, der mir nie widerspricht, mich bestätigt

Die Erlebnispotenzierung der Moderne korreliert im religiösen Bereich mit der zunehmenden charismatischen Frömmigkeit. Auf diesen Zusammenhang haben schon öfters Religionssoziologen hingewiesen. Auch Siegfried Großmann von der deutschen charismatischen Bewegung hat darauf in seinem Buch "Weht der Geist wo wir wollen"(13)

selbstkritisch hingewiesen. Erlebnisse werden hier als Ware angeboten, die schnelle Befriedigung der religiösen Bedürfnisse versprechen. Auch eine übermäßige Ichzentrierung ist zu beobachten: ich will die Heilung, den Segen, das Zungenreden, und zwar sofort. In charismatischen Gottesdienst tritt oft die Lehre hinter der Erfahrung zurück. Predigten werden zu Showveranstaltungen ohne Tiefgang oder Bibelauslegung. Musik peitscht die Emotionen hoch, ihre Texte sind ichzentriert. Überhöhte Erwartungen werden propagiert. Der Subjektivismus mancher prophetischer Worte ist bekannt.

Die Erfahrung wird zudem zur Selbstlegitimation. Wer heilt, hat recht, heißt die Devise. Ich habe Christus erfahren - wer kann mir widersprechen? Natürlich werden wieder nur schöne Erfahrungen angeboten. Von den Enttäuschungen erfährt man nur hinter vorgehaltener Hand. Auch die Steigerungssehnsucht ist unüberbietbar: zum normalen Segen gesellt sich der doppelte und der dreifache Segen. Es geht immer noch besser, größer, gesalbter. "Immer mehr von Dir, immer mehr" - als wäre Gott Produkt eines Supermarktes.

Wir sprachen von der Sinnkrise der Moderne. Erlebnisse führen nie zu einer letzten Befriedigung. Gleiches entdecken wir auch bei der Erfahrungsfrömmigkeit der Moderne. Wir haben Angst vor den Enttäuschungen. Wir sind nicht glücklicher geworden. Die Sehnsucht ist ungestillt geblieben. Viele steigen aus. Wir wollen Gott erfahren, und sind doch weit entfernt von ihm. Man flieht in die Stille der Kommunitäten, und ist doch ohne Halt. "Was bringt mir der Glaube" - eine typisch moderne Frage, auf die nicht nur viele junge Leute keine Antwort mehr haben.




IV. Gemeinde zwischen Erlebnisorientierung und Christuswirklichkeit




Um es noch einmal deutlich zu sagen: ich beklage am modernen Evangelikalismus, dem ich mich selber tief verbunden weiß, daß er postmodern geworden ist. Die Erlebnisfrömmigkeit unserer Kreise ist nicht Ausdruck einer biblischen Frömmigkeit, sondern Ausdruck der Anpassung an den Zeitgeist, gegen den wir doch sonst immer zu Felde ziehen. Unbemerkt haben wir uns dem Zeitgeist angepaßt, haben kapituliert, fühlen uns dabei sogar noch pudelwohl.

Natürlich ist bei vielen konservativen Christen die Folgerung nach einem solchen Vortrag klar: wir müssen uns von dieser Welt mit ihrer Erlebnisorientierung kategorisch abwenden. Unsere Gottesdienste müssen wieder die alten Formen bekommen. Früher war alles besser. Zurück zur Gottesdienstform der guten alten Zeit. Diese Position übersieht jedoch, daß die Abwendung von der Kultur auch nur eine von vielen Wahlmöglichkeit ist, die eine Nische für sich entdeckt und sich ichzentriert in die eigene Kuschelwelt zurückzieht. Die Individualisierung der Welt mit ihren Rückzugsmentalitäten zeigt sich gerade in den konservativen Separatisten unserer Zeit.

Die Lösung muß grundsätzlicher und differenzierter ansetzen. Zunächst sei deutlich gesagt: Erlebnisse gehören zum religiösen Leben. Keine Religion kann ohne Erlebnisse existieren, auch nicht der christliche Glaube. Es gibt wahrscheinlich in der ganzen Religionsgeschichte keine rein rational-platonische Religion jenseits der Erfahrbarkeit. Wenn es sie gäbe wäre sie tote Orthodoxie. Wir finden in der Bibel überall Menschen, die Erlebnisse mit Gott machten. Gott handelt in der Geschichte. Er spricht zu Menschen, führt sie auf rechtem Weg, bewahrt sie vor Schaden, gibt ihnen Aufträge. Gerade die Offenbarung Gottes ist ja eine Erfahrung in Raum und Zeit.

Und doch lesen wir nur ganz selten in der Bibel Einzelheiten über diese persönlichen Gotteserfahrungen der Menschen. Oft heißt es nur: "Und Gott sprach zu ihm", "und Gott kam zu...". Keine Einzelheiten über Wie und Wo. Keine Showveranstaltung vor großer Masse. Die biblischen Erlebnisse - und das wäre eine eigene Studie wert - bleiben im persönlichen Intimbereich. Sie werden nicht sehnsüchtig herbeigezwungen. Gott ist und bleibt in solchen Situationen immer souverän. Er offenbart sich dort, wo er es will. Wir erfahren auch fast nichts über die emotionale Ebene dieser Gotteserfahrungen. Natürlich sind viele Menschen in diesen Situationen überwältigt, fallen auf den Boden (nicht auf den Rücken), ziehen ihre Schuhe aus usw. Aber ihre Innenwelt bleibt uns erstaunlicher Weise verschlossen. Es geht ihnen nicht um sich selbst, sondern um Christus. Paulus erzählt sein Bekehrungserlebnis in der Apostelgeschichte zweimal, aber nur um zu zeigen, wie groß und barmherzig Christus ist, nicht um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Ich möchte an dieser Stelle einen wie ich meine fundamentalen Unterschied einführen: den Unterschied zwischen Erfahrungen und Erlebnissen. Erfahrungen kommen von außen an den Menschen heran. Man kann sich ihnen in der Regel nicht entziehen. Darunter fallen positive wie negative Erfahrungen. Wir erfahren Situation den Freude, des Trostes, der Geborgenheit, aber auch des Leides, der Krankheit und Schmerzen. Erlebnisse sind dagegen innenorientiert, um die Terminologie von Schulze aufzunehmen. Sie sind ichgebunden, innengeleitet. Diese Unterscheidung aufnehmen meine ich, daß Christen Erfahrungen mit Gott machen. Gott spricht zu uns, durch sein Wort, durch die Gemeinde, durch die Alltagserfahrung. Wir erfahren täglich seine Güte und Liebe. Gott wendet sich dem Menschen zu, er schweigt nicht. In diesem Sinne habe die Menschen in der Bibel Gott erfahren, in seiner Souveränität. Erfahrungen mit Gott sind nicht erzwingbar, nicht manipulierbar, sondern seiner Güte überlassen. Ob die Erfahrung für mich ein Erlebnis wird, ist dagegen völlig sekundär. Die innere Emotionalität dieser Erfahrungen wird in der Bibel nur nebensächlich erwähnt, wie wir schon sahen. Von daher wage ich zu behaupten: Christen erfahren Gott nach seiner Souveränität in ihrem Leben, weil Gott zum Menschen spricht und an ihm handelt. Die Erlebnisdimension, die vom Menschen ausgeht, ist jedoch nachgeordnet und für das Christenleben sekundär.

Im weiteren Gegensatz zur Erlebnissucht der Moderne spricht die Bibel übrigens von der Enthaltsamkeit, Selbstgenügsamkeit und Selbstbeherrschung des Christen. Wir müssen wieder lernen, uns genügen zu lassen. Die "enkrateia", die Selbstbeherrschung, scheint mir ein seltenes Gut geworden zu sein. Enthaltsamkeit ist das Gegenteil von Erlebnissucht und Genußorientierung. Wer sein Leben verliert um Jesu willen, der wird es gewinnen (Mt 16,25). Die Hingabe an ihn, mit allen Konsequenzen, widerspricht diametral einem erlebnisorientierten Eudämonismus, und sei er noch so fromm verbrämt. Das meint nicht, daß Christen lustlos leben. Ich sage noch einmal, daß das Leben mit Gott kein asketisches Vegetieren sein muß. Paulus spricht in 1Tim 6,17 von Gott, der uns alles darreicht zum Genuß. Aber wenige Verse vorher spricht er vom Kampf des Glaubens. Wir müssen wieder lernen, zu kämpfen, zu leiden, um Christi willen.

Was wir brauchen ist einen wahrhaft alternativen Lebensstil der Christen. Wir brauchen Menschen mit Überzeugungen in einer Welt, die keine Überzeugungen mehr hat. Ein amerikanischer Philosoph hat erst neulich diesen Tatbestand beklagt, daß wir keine "convictions" mehr haben.(14)

Trendforscher beklagen über die postmoderne Generation, sie habe keine Gesinnungstäter mehr. Wo sind die überzeugten Gläubigen, die mutig und in Liebe ihren Standpunkt vertreten? Die Menschen von heute wissen doch gar nicht mehr, was das Christentum beinhaltet, weil wir es ihnen nicht mehr sagen.

Was der moderne Mensch dagegen besonders schätzt sind echte Vorbilder.(15)

Der Wunsch nach Tiefgang und ganzheitlichen Konzepten sollte deshalb uns Christen anspornen, durch die praktische Tat der Nächstenliebe und durch sichtbare Beispiele in Familie und Beruf auf den Glauben an Christus hinzuweisen. Eine ruhige, ausgeglichene Art im Hektik und Streß des Alltags kann mehr Zeugnis bewirken, als jedes Traktat. Ein bewußter Verzicht auf unnötige Konsumgüter, ein rechter Umgang mit Medien, ein gesundes Familienleben, eine stabile Ehe oder ein mutiges Nein zur Homosexualität und Abtreibung sind auffallende Positionen, die für sich selbst sprechen. Der moderne Mensch wird hellhörig, wenn er Leute mit einem festen Standpunkt trifft, die zudem noch vorbildlich leben. Schämen wir uns nicht unserer christlichen Ethik. Gerade die neuen Tendenzen des Zurücks zu Familie und Autorität sind Indizien dafür, daß wir uns nicht zu verstecken brauchen. Die neue Sinnsuche macht deutlich, daß der Mensch sich nach Geborgenheit und Gemeinschaft sehnt. Hier haben Christen etwas zu sagen. Der nach dem verlorenen Paradies suchende Mensch braucht die Nachricht vom Heil in Christus. Er ist in gewisser Hinsicht wieder offen für Übernatürliches. Er lehnt meistens Gott nicht ab. Wie erschütternd ist es, daß diese Menschen mehr von Sekten und Kulten des Ostens erreicht werden, als von den Christen in ihrer Umgebung. Deshalb liegt es an uns, ihnen den wahren Weg des Heils zu weisen: in Worten und in Taten. So ist die Moderne eine unglaubliche missionarische Herausforderung für uns Gläubige. Wie erreichen wir die modernen Menschen mit dem Evangelium? Die Soziologen sagen uns, daß es nur einen Weg zum Herzen der Menschen gibt, das persönliche Vertrauen. Es muß gewonnen werden und kann nicht eingefordert werden. Die klassischen Institutionen wie Staat und Kirche können nicht mehr einfach Vertrauen fordern oder gar befehlen. Man kann nicht mehr vom hohen Roß den Glauben an Gott befehlen. Der moderne Mensch will vertrauensvoll gewonnen werden. Vertun wir uns nicht: der Pfarrer ist längst nicht mehr automatisch der respektierte Freund und Helfer - höchstens noch in ländlichen Gegenden. Er muß heute um Vertrauen kämpfen, sagen wir besser Vertrauen gewinnen. Das bedeutet: einen langen Atem haben, für den anderen Zeit haben, vertrauenswürdig leben.Es geht aber auch um Vertrauen in Gott. Matthias Horx, beileibe kein Gläubiger in unserem Sinne, bringt es auf dem Punkt. Er schreibt: "Gelassenheit, diesen Mega-Wert in einer Zeit der Unruhe, des Lebens-Stresses, und Verunsicherung, hat man eben, wenn man seinen Jesus hat - und er ist auch im spirituellen Supermarkt ringsherum kaum zu haben... Gottvertrauen nannte man das früher - eine heute, um im Marketing-Jargon zu bleiben, enorm begehrte Ware, um die diesen komischen, riesigen, alten Verein [gemeint ist die Kirche] jeder Marketing-Manager brennend beneiden würde."(16)

Mit anderen Worten: wir müssen uns wieder auf das Wesentliche besinnen. Weniger ist mehr, auch für uns Christen. Und vor allen Dingen müssen wir die Mitte des Glaubens neu zur Sprache bringen: die Rettung in Jesus Christus.Bei allen missionarischen Bemühungen um unsere Zeitgenossen dürfen wir jedoch unbedingt eins nicht übersehen: die Botschaft vom Kreuz ist und bleibt ein Skandalon. Unsere missionarischen Strategien dürfen uns auf keinen Fall dahin führen, daß wir ein sanftes und angenehmes und damit verfälschtes Evangelium vertreten. Das "Wort vom Kreuz" ist eine Torheit. Die Botschaft von der Menschwerdung Gottes widerspricht allen Selbsterlösungsvorstellungen des modernen Menschen. Diese Spannung müssen wir aushalten, auch in einer Zeit der Harmonie und des Ausgleichs. Wenn wir an diesem Punkt fallen, fällt die ganze Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft. Diese Nachricht vom sterbenden Gottesknecht widersprach den damals herrschenden religiösen und philosophischen Vorstellungen im Judentum wie im Griechentum. Und trotzdem war sie das Evangelium. Wieder muß hier Peter Berger zitiert werden: "Wenn die Kirche diese ´Torheit´ preisgibt, verliert sie ihre Existenzberechtigung, gibt sie sich selbst auf... wenn die Kirche (oder in diesem Fall einzelne Christen) den transzendenten Kern der christlichen Lehre preisgeben, um sich mit dem Zeitgeist zu arrangieren, dann geht dabei die wertvollste Wahrheit verloren, die der Kirche anvertraut ist - die Wahrheit von der Erlösung der Menschen durch Christus, in welchem Gott in die Welt kam."(17)

Fragen wir uns aber auch, ob wir uns nicht selbst in unserem Denken und Handeln dem Zeitgeist angepaßt haben. Die Gemeinde Jesu - und damit wir - ist längst ein Spiegelbild der Gesellschaft geworden. Es sind nicht nur die lehrmäßigen Gefahren, die auf uns lauern. Auch der Lebensstil kann sich anpassen und mich von Christus wegführen. Hier sind Kurskorrekturen in der Gemeindearbeit von Nöten. Der schnöde Mammon steckt in uns allen, die Softwelle hat uns längst überschwappt. Die Faszination der Technik und Medien ist da. Was tun? Reden wir als Christen miteinander über diese Dinge. Sprechen wir in den Predigten offen diese Sachverhalte an. Diskutieren wir in Hauskreisen über Medienpädagogik, Erziehung, Ehe. Kümmern wir uns um eine tiefe, gut aufgemachte lehrmäßige Verkündigung in unserer Gemeinde. Achten wir auf Seelsorge, Tiefgang und Gemeinschaft. Wieweit kann ich auf die Bedürfnisse der modernen Menschen eingehen, wo muß ich mich dagegen wehren? Große Fragen, keine Patentrezepte. Aber dringend notwendige Herausforderungen für uns alle, die uns ins Gebet und in die Buße treiben, um von Gott Hilfen zu erbitten.


Bibliographie

1 Referat auf dem Kongreß des Schweizer Bibelbundes in Olten am 16.11.1996.
2 Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, 4. Aufl. Berlin: Akademie Verlag, 1993.
3 6. Aufl. Frankfurt: Campus, 1996.
4 Eine gute Zusammenfassung des umfangreichen Buches von Schulze bietet Wolfgang Schneiß, "Erlebe dein Leben!- der kategorische Imperativ unserer Zeit," Bibel und Gemeinde 95(Nr. 3, 1995), 59-68. Beachtenswert ist auch Hans Joachim Schliep, "Kirche in der Erlebnisgesellschaft," Pastoraltheologie 85(Nr. 6, 1996), 211-224.
5 Meinhard Miegel/ Stefanie Wahl, Das Ende des Individualismus: Die Kultur des Westens zerstört sich selbst, München: Aktuell, 1994.
6 Peter Gross, Die Multioptionsgesellschaft, Frankfurt: Suhrkamp, 1994, S. 372.
7 Schulze, a.a.O., S. 14.
8 Peter L.. Berger, Sehnsucht nach Sinn: Glauben in einer Zeit der Leichtgläubigkeit, 2. Aufl. Frankfurt: Campus, 1995.
9 Gleiches läßt sich übrigens natürlich auch in den Landeskirchen katholischer und evangelischer Richtung nachweisen. Nicht umsonst ist die Theologie Eugen Drewermanns von der Erfahrung und dem Gefühl bestimmt. Auf evangelischer Seite könnte am die christliche Meditationsbewegung oder die Renaissance der Kontemplation anführen. Wir wollen uns jedoch auf die evangelikalen Kreise beschränken.
10 Vgl. den vehementen Protest von Os Guinness gegen einige Konzepte der Gemeindewachstumsbewegung in Dining with the Devil: The Megachurch Movement Flirts with Modernity, 3. Aufl. Grand Rapids: Baker, 1994.
11 So David F. Wells in seiner hervorragenden und erschreckenden Situationsanalyse des amerikanischen Evangelikalismus in No Place for Truth or: Whatever Happened to Evangelical Theology, Grand Rapids: Eerdmans, 1993.
12 Peter Gross, Die Multioptionsgesellschaft, Frankfurt: Suhrkamp, 1994, S. 67.
13 Siegfried Großmann, Weht der Geist wo wir wollen? Wuppertal: Oncken, 1995, S. 65-75.
14 Diogenes Allen, Christian Belief in a Postmodern World: the Full Wealth of Conviction, Louisville: Westminster, 1989.
15 Nach der EMNID-Umfrage geben 44 Prozent der Jugendlichen an, daß sie keine Vorbilder hätten.
16 Matthias Horx, Trendbuch 2, Düsseldorf: Econ, 1995, S. 129.
17 Peter L. Berger, Sehnsucht nach Sinn, 2. Aufl. Frankfurt: Campus, 1995, S. 20-21.
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