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So sehen die Bischofskandidaten die sächsische Landeskirche


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Rolf

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So sehen die Bischofskandidaten die sächsische Landeskirche

 

 

 

 

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v. l.: Superintendent Andreas Beuchel, Superintendentin Ulrike Weyer und Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz. Foto: EVLKS

Dresden (idea) – Drei Kandidaten werden zur Bischofswahl in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens antreten: Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz (55/Dresden), Superintendent Andreas Beuchel (56/Meißen-Großenhain) und Superintendentin Ulrike Weyer (46/Plauen). Am 3. Februar stellten sie sich in Dresden vor und beantworteten die Fragen der Besucher.

 

Beuchel: Mission ist der Herzschlag der Kirche

 

In einem Impulsvortrag schilderten die Kandidaten zunächst ihre persönliche Sicht auf die sächsische Landeskirche. Bilz nutzte dabei das Bild einer Alpenwanderung. So sei die Kirche für ihn eine Weg- und Ermutigungsgemeinschaft sowie eine Gemeinschaft der Suchenden. Statt Einkommen, politischer oder theologischer Ansichten stehe der einzelne Mensch im Vordergrund.

 

Für Beuchel bildet Mission den Herzschlag der Kirche. „Als Kirche der Freiheit dürfen wir das Evangelium in voller Freiheit verkündigen, uns den Menschen zuwenden“, so der Superintendent. In allen laufenden Strukturprozessen gelte es darum, sich als Kirche nicht nur mit sich selbst zu beschäftigen, sondern die Menschen in den Blick zu nehmen.

 

Ihm zufolge sind viele Bürger durch Angst und Sorgen belastet. Weyer – sie wuchs in einem atheistischen Elternhaus auf und wurde als Erwachsene Christin – sagte, dass ihr die Kirche heute Heimat geworden sei. Sie sei zeitgemäßer, als viele Christen dächten. Zudem biete sie Suchenden Halt.

 

Bilz: Es gibt keine einfachen Antworten

 

Weyer zufolge sollte sich die Kirche durchaus auch gesellschaftspolitisch einbringen. So nannte sie etwa Familien in Not als ein wichtiges und bislang unterrepräsentiertes Handlungsfeld: „Wenn das geschieht, werden wir jedoch oft parteipolitisch eingeordnet.“ Das jedoch sei nicht Aufgabe der Kirche.

Diese Meinung vertritt auch Beuchel: „Wir werden uns Parteiprogramme angucken, aber die Wähler müssen selbst entscheiden.“ Bei bestimmten Dingen gelte es jedoch, die Stimme zu erheben. „Jegliche Form von Rechts- und Linksextremismus, Antisemitismus, Rassismus sind nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar“, so der Superintendent.

 

Auch für Bilz gehen christlicher Glaube und Nationalismus nicht zusammen. „Als Christen sind wir international, universal aufgestellt. Unsere Gemeinschaft setzt sich aus vielen Nationalitäten der Welt zusammen“, so der Oberlandeskirchenrat. Weiterhin warnte er davor, mit einfachen Antworten zu kommen. Er selbst unterscheide zwischen Partei und Wähler.

 

Weyer: Digitalstrategie entwickeln, um junge Leute zu erreichen

 

Ebenfalls diskutiert wurden Ansätze, um die Zahl der Kirchenaustritte wieder zu senken. Weyer zufolge steht hinter einem Austritt zuerst ein Prozess der Entfremdung. Hier gelte es, Strategien zu entwickeln und dem entgegenzuwirken, so die Superintendentin. Konkret nannte sie etwa eine Digitalstrategie, um speziell junge Leute dort zu erreichen, wo sie unterwegs seien.

 

Beuchel ermutigte dazu, als Kirche nach draußen zu gehen. In seiner Zeit als Senderbeauftragter im Bereich des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) hätten 90 Prozent der Hörer seiner Morgenandachten keinen kirchlichen Hintergrund gehabt. Über Themen wie Generationsprobleme, Familie sowie Partnerschaft ließen sich aber auch Außenstehende erreichen.

Bilz schlug vor, Kirchenaustritte über die Pfarrämter statt über Behörden laufen zu lassen, weil der persönliche Kontakt zu einem kirchlichen Mitarbeiter viele Austrittswillige dazu bringen könne, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

 

Bilz über konservative Christen: Auf sie ist sehr zu achten

 

Auch zum Miteinander von verschiedenen Strömungen und Frömmigkeitsformen innerhalb der Landeskirche nahmen die Kandidaten Stellung. Für Beuchel zeichnet sich Kirche ebenso wie die Gesellschaft durch Individualität und verschiedene Meinungen aus. „Doch unser gemeinsamer Mittelpunkt ist Jesus Christus.“

 

Bilz zufolge bilden die Konservativen eine große Gruppe und wichtige Säule in der Landeskirche: „Auf diese Christen ist sehr zu achten.“ Zur Landeskirche gehörten jedoch nicht nur Konservative und Liberale, sondern es gebe sehr verschiedene Prägungen, etwa missionarisch-evangelikal, charismatisch, evangelisch-lutherisch oder kulturprotestantisch. Diese müssten wieder mehr ins Spiel gebracht werden.

 

Für ihr erstes Amtsjahr kündigten die Kandidaten im Falle eines Wahlsieges vor allem Besuche bei den Gemeinden und Kirchenbezirken an. Weyer sprach sich zudem für Formate aus, um die verschiedenen Stimmen innerhalb der Landeskirche zusammenzubringen.

 

Weitere Vorstellungen der Kandidaten finden in Chemnitz und Leipzig statt

 

Die Bischofswahl ist erforderlich, weil Carsten Rentzing (52) zum 31. Oktober 2019 als Landesbischof zurückgetreten war. Er hatte sich zu dem Schritt entschlossen, nachdem unter anderem bekanntgeworden war, dass er als Student Beiträge für die rechtskonservative Zeitschrift „Fragmente“ verfasst hatte. Rentzing distanzierte sich von den Texten. Bilz zufolge hat Rentzing in einer schwierigen Situation für sich selbst entschieden zurückzutreten: „Er hat eine Abwägung getroffen, vor der ich großen Respekt habe.“

 

Alle Kandidaten werden sich auch noch in der Chemnitzer Markuskirche (4. Februar) und in der Leipziger Michaeliskirche (6. Februar) vorstellen. Vom 28. Februar bis 1. März kommt die Landessynode zu einer Sondersitzung zusammen, in der sie den neuen Landesbischof bzw. die neue Landesbischöfin wählen wird.

 


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