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Peter Maffay: „Über allem steht eine höhere Instanz: Gott“


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Rolf

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Peter Maffay: „Über allem steht eine höhere Instanz: Gott“

 

 

 

 

 

Der Musiker Peter Maffay redet in seinem neuen Buch „Hier und Jetzt“ auch über seine Beziehung zu Gott. Den Glauben nimmt er mit auf Tournee.

 

epd-Gespräch: Timo Lechner

 

Der Sänger und Musiker Peter Maffay will mit seiner Stiftung Schutzräume für benachteiligte Kinder und Jugendliche schaffen – und dies vorwiegend auf seinem Bio-Landwirtschaftsbetrieb Gut Dietlhofen in Weilheim in Oberbayern. Das Landgut ist ein Rückzugsort des 70-Jährigen und hat den im rumänischen Kronstadt geborenen Künstler zu seinem neuen Buch „Hier und Jetzt“ inspiriert, das heute (31. Januar) erscheint.

 

epd: Herr Maffay, wie würden Sie Ihre spirituelle Reise in den vergangenen Jahren beschreiben?

 

Peter Maffay: Aus meiner Sicht ist das ganze Leben eine Reise. Seit ich Vater bin, beschäftigen mich Fragen des Umwelt- und Naturschutzes mehr als zuvor, denn man möchte seinen Kindern eine lebenswerte Welt hinterlassen. Je älter ich werde, desto mehr denke ich über die Vergänglichkeit nach, über den Sinn des Lebens und über Gott. In der Bibel heißt es: „Alles im Leben hat seine Zeit.“ Das stimmt. Das ist eine Aussage, mit der ich viel anfangen kann. Deshalb haben wir sie vor einigen Jahren als Titel für ein Lied genommen.

 

„Der Glaube spielt eine große Rolle in meinem Leben.“

 

1982 erschien mit „Lieber Gott“ das erste Mal ein Lied, in dem Sie bewusst Bezug auf Ihren Glauben nehmen, aktuell wieder in „Größer als wir“. Warum ist Glaube immer wieder ein Thema für Sie?

 

Der Glaube spielt eine große Rolle in meinem Leben. Er ist wie ein Leuchtturm, eine Orientierungshilfe. Es gibt natürlich auch Menschen, Umstände und Erlebnisse, die mich bewegen und beeinflussen, aber über allem steht eine höhere Instanz: Gott.

 

Sie erwähnen Ihren Bau einer Kapelle auf Mallorca, bei dem Muslime zwar geholfen haben, nun aber nicht mehr hineingehen. Wie weit sind wir im interreligiösen Dialog?

 

Das ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Es gibt viele ermutigende Zeichen. Interreligiöse Fakultäten an Hochschulen oder interreligiöse Kirchenführungen. Ich halte viel von Verständnis und Toleranz, aber wenig davon, wenn wir das St. Martinsfest in „Lichterfest“ umbenennen. Ebenso wenig wie man das von uns Christen einfordern darf, erwarte oder verlange ich, dass unsere muslimischen Mitarbeiter in Spanien das christliche Gotteshaus betreten, das wir gemeinsam gebaut haben. Jeder darf selber entscheiden, wie weit er sich auf den Glauben des Anderen einlassen und daran teilhaben möchte. Alles andere ist dem wechselseitigen Respekt nicht dienlich.

 

„Ich gehe immer und überall in Kirchen, gerne auch, wenn wir auf einer Tour sind.“

 

Wie schaffen Sie sich während Ihrer Tourneen Oasen für spirituelle Momente?

 

Ich gehe immer und überall in Kirchen, gerne auch, wenn wir auf einer Tour sind. Auf diese Weise habe ich schon eine Vielzahl schöner Kapellen und Kirchen kennengelernt.

 

Zum 70. Geburtstag haben Sie sogar eine Kapelle geschenkt bekommen. Wie viel Zeit verbringen Sie darin?

 

Zu wenig! Aber oft, wenn ich auf Gut Dietlhofen bin, unternehme ich den kurzen Spaziergang dorthin. Sie ist ein wunderschöner Ort, um innere Einkehr oder Zwiesprache mit Gott zu halten.

 

In ihrem Buch beschreiben Sie Ihre Kindheit in Rumänien und die Zustände damals wie heute dort. Sehen Sie hierzulande Defizite, Ihr Heimatland zu verstehen?

 

Rumänien hat Licht- und Schattenseiten. Wenn ich heute in meinem Geburtsort Kronstadt in Siebenbürgen das muntere Treiben auf dem Rathausplatz beobachte, schöpfe ich Hoffnung für die Zukunft des Landes. Da spielen Bands aus aller Herren Länder, junge Leute unterhalten sich in vielen unterschiedlichen Sprachen, und von siebenbürgischen Krautwickeln über Pizza und italienisches Eis bis zum Dönerteller wird alles angeboten. Wer sich wie ich noch an die gedrückte Stimmung und die Tristesse zu Zeiten des Kommunismus erinnern kann, weiß den Unterschied umso mehr zu schätzen. In vielen Köpfen hier ist Rumänien allerdings noch ein armes, rückständiges Land. Die Seite Rumäniens gibt es natürlich auch. Wenn man aufs Land hinaus fährt, wird das offenkundig. Deshalb sind wir mit unserer Stiftung auch in Rumänien aktiv geworden.

 

„Den Glauben daran, dass unsere Demokratie solche Beben aushält, habe ich noch nicht verloren.“

 

Sie schreiben, die Lösungen für die großen Fragen unserer Zeit würden aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Derzeit scheint es allerdings nur noch feindlich gesonnene Lager zu geben. Welchen Ratschlag haben Sie, wie man wieder zu einer Mitte gelangen könnte?

 

Als die Grünen vor 30 Jahren in den Bundestag einzogen, haben die Leute gesagt: „Das sind ja gefährliche Spinner, Extremisten. Wenn die sich durchsetzen, herrscht Anarchie.“ Heute ist die Partei in der Mitte der Gesellschaft verankert und ihre Positionen wurden längst auch von anderen Parteien übernommen. Wer hat entschieden, dass Deutschland aus der Atomkraft aussteigt und damit eine grüne Forderung umgesetzt? Frau Merkel, und die ist bekanntlich in der CDU. Früher haben die Atomkraftgegner sich an Bahngleise gekettet, heute tragen sie einen Anzug und einen Aktenkoffer. Vieles relativiert sich mit der Zeit. Wir dürfen unsere derzeitigen gesellschaftlichen Probleme nicht ignorieren und die Hände in den Schoß legen, aber den Glauben daran, dass unsere Demokratie solche Beben aushält, habe ich noch nicht verloren.

 

Die Mehrheit der Bundesbürger blickt mit Sorge in die Zukunft. Sie haben zwei junge Kinder. Plagt Sie Sorge oder überwiegt die Zuversicht?

 

Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo neue Konflikte ausbrechen. Wir haben Erosionen, die in dieser Form noch nie dagewesen sind. Es gibt Terrorismus, Separatismus, Links- und Rechtsradikalismus, Fanatismus. Wir haben mit Politikern wie Trump, Putin, Erdogan Staatsmänner an der Macht, deren Handlungsweise kaum ein Mensch mehr versteht. Man kann gar nicht in wenigen Worten aufzählen, wo es überall brennt. Trotzdem bin ich kein Pessimist. Das kann ich mir gar nicht leisten. Unsere Stiftung existiert nun 20 Jahre, das ist eine lange Zeit. Uns besuchen jedes Jahr 1.500 bis 2.000 Kinder, denen es nicht gutgeht. Sie kommen aus Krisengebieten, aus schwierigen familiären Verhältnissen, haben ihre Eltern verloren oder sind krank. Sie stehen am Rand der Gesellschaft und mahnen uns, dass wir für eine bessere Welt arbeiten. Jeden Tag. Meine kleine Tochter ist etwas mehr als ein Jahr alt, mein Sohn ist 16. Ihnen bin ich natürlich ganz besonders verpflichtet. Ich hoffe, dass sie und alle Kinder in eine Welt hineinwachsen, die noch einigermaßen intakt ist.


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