Zum Inhalt wechseln

Welcome to Irrglaube und Wahrheit
Register now to gain access to all of our features. Once registered and logged in, you will be able to create topics, post replies to existing threads, give reputation to your fellow members, get your own private messenger, post status updates, manage your profile and so much more. If you already have an account, login here - otherwise create an account for free today!
Foto

Neuapostolische Kirche wird in die ACK Deutschland aufgenommen


  • Bitte melde dich an um zu Antworten
Keine Antworten in diesem Thema

#1
Rolf

Rolf

    Administrator

  • Administrator

  • PIPPIPPIP
  • 25386 Beiträge
  • Land: Country Flag

Please Login HERE or Register HERE to see this link!

 

 

 

 

Neuapostolische Kirche wird in die ACK Deutschland aufgenommen
 

 

 

Die Neuapostolische Kirche (NAK) wird Gastmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Sie soll auf der diesjährigen Mitgliederversammlung am 2.-3. April 2018 in Hofgeismar aufgenommen werden. Dieser Schritt war im letzten Jahr von den 50 Delegierten einstimmig empfohlen worden, und im Laufe des Jahres stimmte die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der Kirchenleitungen aller siebzehn Mitgliedskirchen zu. Mit der ACK-Aufnahme kommt ein fast zwanzig Jahre währender Prozess der Annäherung und theologischer Lehrgespräche mit der NAK zum Abschluss. Die deutsche ACK vollzieht damit nach, was die Ökumenischen Kirchenräte der Niederlande und der Schweiz schon vor Jahren mit weit kürzerer Vorlaufzeit geschafft hatten.

Die NAK hatte im 19. Jahrhundert als Reformbewegung mit universal-ökumenischem Anspruch begonnen, entwickelte aber im Laufe des 20. Jahrhunderts ein sehr exklusivistisches Selbstverständnis und isolierte sich zunehmend von anderen Kirchen. Sie war zwar frei von Polemik, doch gerade im Verhältnis zu den Großkirchen entstanden nicht zuletzt dadurch Spannungen, dass ihr rapides Wachstum jahrzehntelang überwiegend durch Konversion gläubiger evangelischer und katholischer Christen geschah. Erst Mitte der 1990er Jahre setzte ein theologischer  und sozialer Öffnungsprozess ein, der zur Voraussetzung für die jetzige ACK-Aufnahme wurde. 1999 schuf NAK-Kirchenoberhaupt Stammapostel Richard Fehr eine nach außen gerichtete Arbeitsgruppe für Ökumenekontakte und leitete zugleich mit Blick nach innen eine Überarbeitung der NAK-Lehrgrundlagen ein. Als dogmatische Basis hatte der 150 Jahre alten Kirche mit 500.000 Mitgliedern bis dahin nur ein jahrzehntelang unverändertes, schmales Heftchen mit dem Titel „Fragen und Antworten“ gedient, dessen „Überarbeitung“ vieles verändern sollte.

Das erste sichtbare Wirken der Ökumene-AG war der Beginn offizieller Gespräche mit der regionalen ACK in Baden-Württemberg, die 2001 begannen. Die württembergische Weltanschauungsbeauftragte Annette Kick, die damals schon bei den Gesprächen dabei war, erinnert sich, dass es sehr schnell zu einem menschlich unkomplizierten Miteinander kam: „Sektiererische Abgrenzung in der direkten Begegnung oder etwas dieser Art war eigentlich schon damals nicht zu spüren. Aber in der Lehre war die NAK doch sehr exklusivistisch. Es war den Gesprächspartnern nur schwer zu vermitteln, wie groß für uns das Problem mit dem lehrmäßigen Exklusivismus war, trotz oder gerade auch angesichts der ansonsten so offenen Begegnung.“

2006 verkündete der damals neu ins Amt gekommene Stammapostel Wilhelm Leber bedeutende Lehrveränderungen, unter anderem die Anerkennung der Taufen anderer Kirchen und eine Relativierung des Exklusivismus. Dieser sogenannte „Info-Abend von Uster“ (Schweiz) wurde von den Reformkräften innerhalb der NAK als bahnbrechende Zäsur wahrgenommen. Lebers Schritt erleichterte die ökumenischen Kontakte fast schlagartig, so dass schon kurz danach in Memmingen die erste NAK-Gemeinde in eine lokale ACK aufgenommen wurde. Heute sind an die 150 NAK-Gemeinden in knapp 60 lokalen ACK als Voll- oder Gastmitglieder aktiv und werden dort, so ergab eine deutschlandweite Auswertung vor einigen Jahren, durchweg als Bereicherung erlebt. Außerdem ist die NAK in acht regionalen ACKs vertreten.

Ein weiterer Meilenstein war 2012 die Veröffentlichung des „Katechismus“ der NAK, der das Heftchen „Fragen und Antworten“ ersetzte und weniger ein Katechismus als eine Grundlagendogmatik neuapostolischer Lehre ist. Hierin wurden zahlreiche Theologumena ökumenisch anschlussfähig formuliert und die Basis für die weitere ökumenische Einbindung der Kirche gelegt.

2015 veröffentlichten ACK und NAK gemeinsam eine Handreichung zum gegenseitigen Verhältnis und praktischen Fragen (gegenseitiges Gastrecht in Kirchengebäuden, konfessionsverschiedene Ehen usw.).

Im Laufe der Jahre fanden eine ganze Reihe theologischer Studientagungen und theologische Gesprächsreihen mit der NAK statt, in denen auch die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, das Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt, das Konfessionskundliche Institut Bensheim und das Johann-Adam-Möhler Institut für Ökumenik involviert waren. Diese förderten gegenseitiges Verständnis und beeinflussten die Lehrformulierungen der NAK, wobei es aus neuapostolischer Sicht immer galt, die Balance zwischen ökumenischer Anschlussfähigkeit und Bewahrung der eigenen Identität zu wahren.

In diesem „sehr breit angelegten Diskussions- und Kommunikationsprozess, den wir auf allen Ebenen der ACK durchgeführt haben,“ sieht denn auch Marc Witzenbacher von der ACK-Geschäftsstelle in Frankfurt die Gründe für das langwierige Aufnahmeverfahren. „Um möglichst alle Mitgliedskirchen in dem Prozess mitzunehmen und sie einzubinden, haben wir noch die eine oder andere Schleife mehr gedreht. Insgesamt haben wir so aber eine sehr fundierte theologische Auseinandersetzung geführt, an deren Ende große Zustimmung und Akzeptanz stehen.“

Die NAK-Vertreter äußerten sich zwar im Verlauf der jahrelangen Beratungen gelegentlich ratlos, weil ihnen nicht immer ganz klar war, was von ihnen noch erwartet wurde, um als „ökumenetauglich“ zu gelten, ohne die eigene Identität aufzugeben. Aber im Rückblick sieht man die Gründe dafür vor allem in der eigenen Geschichte, wie der langjährige Vorsitzende der neuapostolischen Ökumene-AG, Apostel Volker Kühnle erklärt. Die Außenwahrnehmung sei nachhaltig durch das frühere Wachstum auf Kosten anderer Kirchen und eine Heilslehre, die auf andere Christen ausschließend wirkte, geprägt worden. Das zu überwinden brauchte offenbar Zeit: „Die vielen Begegnungen und Gespräche haben einerseits geholfen, bestehende Unsicherheiten und Vorbehalte aus ‚alter Zeit‘ zu überwinden. Andererseits förderte das intensive Aufeinander-Hören und miteinander Lernen das  wechselseitige Verständnis für Sonderlehren und unterschiedliche Frömmigkeitsformen. Für diesen ‚Lernprozess‘ können wir nur dankbar sein!“

Etwas skeptischer blickt die württembergische Verhandlungspartnerin Annette Kick zurück: „Trotz des langen Gesprächsprozesses und einiger Lehrveränderungen ist die NAK im Kern doch bei ihrem exklusiven Selbstverständnis geblieben. Da hätte ich mir aus ökumenischer Sicht nach den Fortschritten der ersten Jahre doch etwas mehr erhofft.“

Einig sind sich alle Beobachter und Beteiligten darüber, dass die ACK-Aufnahme ein zwar wichtiger, aber letztlich nur formaler Schritt ist. Entscheidend sei, was nun ökumenisch passieren und getan werden solle. Die bisherigen Erfahrungen mit der NAK in ACK-Strukturen lassen hoffen, dass sie, obwohl fast alle Amtsträger berufstätige Laien sind, ein eher aktives und engagiertes ACK-Mitglied sein wird.

Dr. Kai Funkschmidt

Please Login HERE or Register HERE to see this link!

 

Please Login HERE or Register HERE to see this link!

 


  • 0