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WILLOW CREEK COMMUNITY CHURCH


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#1
Rolf

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WILLOW CREEK COMMUNITY CHURCH


- Eine differenzierte Beurteilung -

1992 hörte ich zum ersten Mal von Bill Hybels und der Willow Creek Community Church (Willow Creek bedeutet „Weidenbach“). Damals kannte kaum jemand die große Gemeinde am Stadtrand der 8-Millionen-Metropole Chicago. Inzwischen ist Willow Creek in aller Munde. Nach Vorträgen auf verschiedenen Tagungen und Kongressen wie in Hamburg, Oberhausen und Karlsruhe ist das Konzept „Kirche für Kirchenfremde“ ein viel diskutiertes Thema geworden. Hinzu kommt, daß sich die gesamte evangelikale Presse in dieser Sache engagiert und überwiegend positiv berichtet. Ein Übriges tut dann noch die perfekte Vermarktungsstrategie der Mega-Gemeinde, die den Bücher-, Kassetten- und CD-Markt mit ständig neuen Erzeugnissen aus dem Chicagoer Vorort Barrington versorgt.
Seit Anfang der 90er Jahre beschäftige ich mich intensiv mit dem Anliegen von Willow Creek. Im März 97 hielt ich mich anläßlich einer Amerika-Studienreise eine Woche in Chicago auf. Das Ergebnis meiner Untersuchungen, Beobachtungen und Gespräche möchte ich wie folgt beschreiben: Willow Creek - ein lachendes und ein weinendes Auge.


Was mich positiv beeindruckt


1. Die missionarische Leidenschaft von Bill Hybels und seinen Mitarbeitern

Bill Hybels ist ein Mann mit Seele. Wenn er von der Liebe Gottes zu den verlorenen Menschen spricht, werden seine Augen feucht. Ich nehme ihm diese missionarische Leidenschaft ab. Ich glaube, daß sein Ringen um Fernstehende echt ist. Seit den Anfängen der Gemeinde im Jahr 1975 ging es Hybels immer um die Errettung von Menschen. Das Hauptanliegen der ganzen Arbeit in Willow Creek ist, nichtreligiöse Leute zu voll hingegeben Nachfolgern Christi zu machen. Dafür haben sich Hybels und viele Mitarbeiter jahrelang bis an die Grenzen ihrer Kräfte aufgeopfert.1 Das ist absolut anerkennenswert. Davon kann man sich wirklich dicke Scheiben abschneiden.

2. Das echte Anliegen, neutestamentliche Gemeinde zu verwirklichen

Bill Hybels war von Anfang an von der in Apostelgeschichte 2 beschriebenen Gemeinde fasziniert. Während seines Studiums am Trinity College wurde er von Dr. Gilbert Bilezikians Gemeindesicht geprägt.2 Dieser betonte besonders die Bedeutung der ersten Kapitel der Apostelgeschichte für den Gemeindebau. Hybels wollte von Anfang an wirklich neutestamentliche Gemeinde bauen. Apostelgeschichte 2 und 4 wurden ihm Ideal und Modell.

1 Hybels, Lynne & Bill: Ins Kino gegangen und Gott getroffen, Projektion J, Wiesbaden 1995, S. 48
2 WCCC Church Leaders Handbook New Expanded 1996 Edition, 3. Aufl. S. 47
3 Hybels, Lynne & Bill: Ins Kino gegangen und Gott getroffen, S. 187-198


3. Das Konzept der Verbindlichkeit

Die Willow Creek-Gemeinde wuchs aus einer evangelistischen Jugendarbeit heraus. Das ist für das Gesamtverständnis nicht unwesentlich. Bill Hybels rief zu Christus, wollte aber auch die Gläubigen sammeln. So entstanden nach und nach Gemeindestrukturen, die an Verbindlichkeit nichts missen lassen. Die Gemeinde unterscheidet z.B. in feiner Weise die „ewige Zugehörigkeit“ zur weltweiten Gemeinde, dem Leib des Christus, und die „teilnehmende Zugehörigkeit“ zu einer bestimmten örtlichen Versammlung.4 Letztere wird allen Christen in Willow Creek nahegelegt. Bevor ein Interessent der Gemeinde als neues „Mitglied“ vorgestellt wird, wird er in verschiedenen Schritten intensiv vorbereitet.5
Wenn ich bedenke, wie viele Christen in deutschen Gemeinden lediglich unter der Rubrik „Gäste“ bzw. „Besucher“ geführt werden, finde ich das Konzept der Verbindlichkeit in Willow Creek vorbildlich. Warum im April 1996 allerdings „erst“ 2010 verbindliche Glieder gezählt wurden, wird an anderer Stelle noch zu erörtern sein.6

4. Das Anliegen, die Liebe Gottes in zwischenmenschlichen Beziehungen konkret werden zu lassen

Pastor Hybels wird nicht müde, die Bedeutung der Liebe und Wärme in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu betonen. Wie ich bei meinem Besuch selbst miterlebt habe, wird dieser Aspekt hauptsächlich in den sogenannten Kleingruppen (small groups) praktiziert. Eine solche Gruppe besteht aus 8-12 Teilnehmern. Die Gemeinde bietet zur Zeit ca. 1300 Kleingruppen an. Meine Begleiter und ich waren beeindruckt, wie offen sich die Geschwister über Freude und Leid austauschten und wie intensiv sie für einander beteten. Es versteht sich von selbst, daß eine Gemeinde dieser Größenordnung nicht ohne Kleingruppen auskommt. Darum betont man in Willow Creek, daß die Gemeinde nicht Kleingruppen hat, sondern aus Kleingruppen besteht.

5. Das Anliegen gabenorientierter Mitarbeiterschaft

In Willow Creek wird von allen Christen erwartet, daß sie sich einer Kleingruppe anschließen, den Wochen-Mitte-Gottesdienst besuchen und ihre Gaben in die gesamte Gemeindearbeit einbringen. Die sogenannten „Fünf G’s“ werden sehr betont. Sie enthalten neben Gnade, Wachstum, Gruppe und Gute Haushalterschaft auch den Bereich der Gaben (Grace, Growth, Group, Gifts, Good Stewardship).7 Nach meiner Überzeugung ist das ein biblisches Konzept. Reife Jünger Jesu sollen ihre persönlichen Dienstgaben kennen und zur Auferbauung der Gemeinde einsetzen.
Natürlich könnten hier weitere positive Aspekte der Willow Creek-Arbeit beschrieben werden. Die Aufzählung ist sicher nicht vollständig. Aber die Dinge, die mich am meisten beeindrucken, habe ich genannt. Soweit also - im Bild gesprochen - mein lachendes Auge.


4 WCCC Church Leaders Handbook S. 69-70
5 ebd. S. 70
6 ebd. S. 269
7 ebd. S. 70



Warum Kritik?


„Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest! Von aller Art des Bösen haltet euch fern!“ (1. Thess. 5, 20-22)

1. Das Negative wird in der Bibel nicht verschwiegen

Ich bin sicher, einige Leser wünschten, daß die Stellungnahme hier zu Ende wäre. Nachdem ich im letzten Jahr öffentlich eine kritische Anmerkung zum Willow Creek-Konzept gemacht hatte, schrieb mir ein junger Theologe, Paulus hätte die Thessalonicher lediglich aufgefordert, alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Er hätte nicht verlangt, auch das Negative zu erwähnen. Diese Sicht scheint mir symptomatisch für die heutige Zeit zu sein. Die Philosophie der Toleranz möchte alles stehen lassen. Keine Kritik mehr. Und vor allem keine Abgrenzung. Jemand drückte das generelle Klima so aus: Toleranz gegen alle - nur nicht gegen die „Intoleranten“! Wer hingegen das Neue Testament aufmerksam liest, der stellt fest, daß sowohl Jesus Christus als auch die Apostel sehr oft Kritik und Abgrenzung geübt haben (Mt. 16,11-12; Mt. 23; 1. Kor. 15,12; 2. Kor. 11,1-4; 3. Joh. 9-10; etc.).

2. Am Wort Gottes prüfen

Neulich las ich den Reisebericht eines bekannten deutschen Leiters. Er war auch in der Willow Creek Gemeinde gewesen. Zusammengefaßt sagte er: „Ich bin mit typisch deutscher Skepsis nach Chicago geflogen. Aber als mir dann diese warme, herzliche Atmosphäre entgegen kam, war mein Herz gewonnen.“ Natürlich kam er begeistert zurück. Darum meine Frage. Können wir noch biblisch prüfen? Oder lassen wir uns von den phantastischen Zahlen der angeblich größten Gemeinde der westlichen Welt blenden? Lassen wir uns fesseln von dem außergewöhnlichen Charisma eines amerikanischen Mittvierzigers? Lassen wir uns gefangen nehmen von der gigantischen Werbe- und Vermarktungsstrategie der Willow Creek-Produktion?

3. Kein Gefallen am Aufdecken der Fehler

Noch etwas möchte ich an dieser Stelle betonen. Ich habe kein Gefallen am Aufdecken der Fehler und Schwächen anderer. Mir wäre es lieber, ich könnte hier schließen. Aber gerade weil Willow Creek einen solchen Einfluß auf viele Gemeinden in aller Welt ausübt8, wie vielleicht nie eine einzelne Gemeinde zuvor in der Geschichte, darum muß sich Bill Hybels mit seinem Konzept an den Maßstäben der Heiligen Schrift messen lassen. Es geht letztlich um die Wahrheiten des Evangeliums und des neutestamentlichen Gemeindebaus.
Man würde natürlich ebenso Fehler und Mängel finden, wenn man beispielsweise die Gemeinde Mannheim, Edisonstraße, zu der ich gehöre, genau unter die Lupe nehmen würde. Diese Gemeinde hat keinen weltweit prägenden Einfluß. Dennoch freue ich mich, wenn mich jemand in aufrichtiger Haltung auf ungute Dinge in unserer Gemeinde aufmerksam macht. Aufrichtige Ermahnung hilft letztlich mehr als Schmeichelei. Unsere Verantwortung liegt darin, die Wahrheit in einer demütigen Haltung und mit dem Ziel der Hilfe zu sagen. Wahrheit zu unterdrücken hilft letztlich niemanden. Wahrheit muß Wahrheit bleiben, selbst wenn sie gegen uns spricht.

Was mir Sorge bereitet

„...er hat aber keine Wurzel in sich,
8 Bob Buford: „Willow Creek is the cue ball of the contemporary church movement. Their innovative approach
has broken the mold. The impact of these innovations on the church around the world is incalculable.“
Quelle:

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vom 23.4.97

sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks...“ (Matth. 13,21)

1. Die Philosophie des Pragmatismus

Mir ist aufgefallen, daß Bill Hybels ein ausgesprochener Pragmatiker ist. Pragmatisch nennt man eine Haltung, die das tut und bevorzugt, was funktioniert. Der verstorbene chinesische Staatsmann Deng Xiao Ping definierte Pragmatismus einmal auf originelle Weise: „Es spielt keine Rolle, ob eine Katze schwarz ist oder weiß. Wenn sie Mäuse fängt, ist es eine gute Katze!“ Pragmatismus ist also die Einstellung, Dinge nicht nach übergeordneten Prinzipien zu beurteilen, sondern lediglich nach ihrer Funktionalität. Pragmatismus ist Zweckmäßigkeitsdenken.

Die Neigung zum Pragmatismus hat in den Staaten, gerade was den geistlichen Bereich angeht, tiefe Wurzeln. Die USA entwickelten eigentlich nie eine eigenständige Theologie im engen Sinne. Sie übernahmen großenteils das Erbe der Reformation über England, und zwar mit stark calvinistischem Einschlag. Die Liebe zur Freiheit verband sich mit der Liebe zum Protestantismus und zum Pragmatismus. Letzterer stellt in diesem Zusammenhang die Bereitschaft dar, das Evangelium anzunehmen, wenn es funktioniert und sich bewährt.9

Pragmatismus in Willow Creek

Zum einen in der Verkündigung. Gregory Pritchard, der den Inhalt der Sucher-Gottesdienst-Predigten mit wissenschaftlicher Genauigkeit untersuchte, kam zu dem Ergebnis, daß Hybels ständig auf Theorien der Psychologie und des Wirtschafts-managements zurückgreift.10 Abgesehen davon knüpft er stark bei den Bedürfnissen des Menschen an. Das ist zunächst legitim. Aber Hybels steht damit in der Gefahr, ein „eudämonistisches Evangelium“ zu verkündigen, d.h. eine Botschaft, die in erster Linie die Glückssehnsucht des Menschen stillen möchte. Hören wir, was Bill Hybels selbst dazu äußerte. Nach einer Sommerstudienpause kam er mit folgenden Gedanken zurück:
Ich war immer noch dabei, mich in der Segnung zu sonnen, die ich bei der Taufe von fast vierhundert Erwachsenen unserer Gemeinde am letzten Juni-Sonntag erlebt hatte. Aber dieses Sonnenbad endete abrupt, als ich mir die ernüchternde Frage stellte: „Ich möchte gerne wissen, wie viele dieser vierhundert gerade Getauften in acht Wochen, bei meiner Rückkehr immer noch Gott treu folgen, in ihm wachsen und für ihn Frucht bringen?“ Die ehrliche Antwort konnte ich mir nur schmerzlich eingestehen. Über den Zeitraum von dreizehn Jahren in dieser Gemeinde haben sich Tausende als auf das Steinige Gesäte erwiesen und als unter die Dornen Gesäte, deren Glaube verwelkte.11

Das sind ehrliche Worte von Bill Hybels. Ob sich die Inhalte seiner evangelistischen Verkündigung seit dieser Einsicht wesentlich verändert haben?12

Nach mehr als 15 Jahren Erfahrungen im Dienst der Evangelisation weiß ich um das schwierige Ringen, wieviel Wahrheiten der Nachfolge man einem noch nicht gläubigen Menschen zumuten soll. Eines ist klar. Die Komm-zu-Jesus-und-du-bist-glücklich-Botschaft ist ein verkürztes Evangelium. Wer nur solche Verkündigung hört,

9 Eine ausgezeichnete Definition und Darstellung des heutigen Pragmatismus’ findet sich im Vorwort von
MacArthur, John: Wenn Salz kraftlos wird, CLV Bielefeld 1996, S. 12-17
10 Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, Evaluating a New Way of Doing Church, Baker Books,
Grand Rapids, MI 1996, S. 278 (das Buch erscheint voraussichtlich Ende 97 bei CLV in deutscher Sprache)
11 ebd. S. 277
12 Dr. Pritchard schrieb mir in einem Brief vom 4. Mai 1997, daß er mehrmals mit Bill Hybels über seine
Studie sprach. Leider war Hybels nicht offen für seine Argumente. Pritchard hat bis heute keine Kenntnis
von einem Kurswechsel in Willow Creek.

gelangt schwerlich zum echten Leben aus Gott. Ein Willow Creek-Mitarbeiter brachte es auf den Punkt:
„Diese Haltung produziert Zahlen, aber keine Jünger!“13


Zum anderen findet sich der Pragmatismus in Willow Creek in der Praxis. Beispielsweise wurden in den Anfangsjahren säkulare Managementberater konsultiert, die der Gemeinde halfen, eine marktorientierte Strategie zu entwickeln. Der Theologe und Gemeindewachstumsforscher Michael Blömer, der sich in seiner Doktorarbeit mit der Willow Creek-Gemeinde befaßt hat, kommt zu dem Ergebnis: „In den USA hat man Gemeindeaufbau und Wachstum von Gemeinden richtig erforscht, hat verschiedenste Gemeinden befragt und untersucht und Prinzipien herausgefunden, nach denen Kirchen immer wieder wachsen. Im Grunde ist die Willow Creek-Gemeinde die Top-Gemeinde, die diese Prinzipien am besten umgesetzt hat.“14 Kommentar überflüssig.

Dann sind Frauen offiziell als Älteste tätig.15 Frauen lehren in Veranstaltungen, bei denen Männer zugegen sind. Programmdirektorin Nancy Beach erzählt in einem Interview, wie es dazu kam. Die Ältesten der Gemeinde hätten Bücher und Kommentare gewälzt. Schließlich seien sie zu dem Ergebnis gekommen, daß Frauen lehren und leiten können.16 In dem selben Interview bestätigt Nancy Beach den in Willow Creek vorherrschenden Pragmatismus:
„Wir können ewig theoretisch diskutieren, letztendlich setzt sich das durch, was funktioniert.“
Diese und viele weitere ungenannte Beispiele zeigen, daß Willow Creek’s Pragmatismus im Ernstfall die Aussagen der Heiligen Schrift relativiert. Christus und die Apostel kannten die Philosophie des Pragmatismus nicht. Pragmatismus und Oberflächlichkeit gehen nämlich Hand in Hand.

2. „Gottesdienste“ für suchende Menschen

Mehr als 50 % der Amerikaner geben heute an, irgendeiner christlichen Gemeinschaft anzugehören, und 84 % glauben der Statistik zufolge, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist. Trotz des unverkennbaren Einflusses der Säkularisation ist in den USA immer noch eine religiöse Grundstimmung vorhanden. Das Phänomen von Willow Creek ist also zunächst ein Phänomen des durch zahlreiche Segnungen gepflügten und gedüngten Bodens. Roger Peugh, der 20 Jahre lang als Gemeindegründer in Deutschland arbeitete und heute als Professor für Missiologie am Grace Seminary in Winona Lake, Indiana, lehrt, verglich die unterschiedliche Situation in einem Gespräch folgendermaßen: „In den USA sind 30% der Menschen suchend nach Gott; in Deutschland vielleicht 2-3%.“

Ist es unter den Voraussetzungen in den Staaten nicht weise, Gottesdienste für Suchende zu konzipieren? Der Pragmatiker wird die Frage bejahen. Wer sich strikt an die Weisungen des Neuen Testaments halten möchte, wird zurückhaltender sein. Das Zusammenkommen der örtlichen Gemeinde hat nach der Schrift den Zweck der Anbetung Gottes, der Erbauung der Gläubigen sowie deren Zurüstung zum Dienst. Nirgendwo werden wir aufgefordert, den „Gottesdienst“ zu einer Evangelisations-

13 Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, S. 278
14 Zeitschrift Neues Leben, Altenkirchen, Nr. 1/97, S. 28
15 Hybels, Lynne & Bill: Ins Kino gegangen und Gott getroffen, Projektion J, Wiesbaden 1995, S. 107 + 143
16 Zeitschrift Praxis, Heft 1/97 Nr. 68, S. 13


veranstaltung umzufunktionieren. In 1. Kor. 14,23 und in Jak. 2,1ff wird beispielhaft ausgeführt, was passieren könnte, wenn... Aber wir werden durch diese Stellen nicht angehalten, das Programm und die Verkündigung auf Suchende auszurichten. Uns bieten sich außerhalb der Gemeindezusammenkunft ungezählte gute Möglichkeiten zum Evangelisieren. Warum sollten wir es gegen den neutestamentlichen Grundsatz im „Gottesdienst“ praktizieren? Wenn wir es dennoch tun, treibt uns nicht die Heilige Schrift, sondern Pragmatismus.

Der bekannte Bibelausleger John MacArthur weist darauf hin, daß nach dem Tod von Ananias und Saphira große Furcht über alle kam, die es hörten (Apg.5,11). Er fährt fort: „Nach Vers 13 wagten die Ungläubigen nicht, sich ihnen anzuschließen. Das steht in diametralem Gegensatz zu der heute so beliebten Philosophie der Benutzerfreundlichkeit. Anstatt die Leute zu ködern, indem man ihnen das Gefühl gibt, willkommen und sicher zu sein, benutzte Gott die Angst, um sie draußen zu halten.“17

Nur ein Formfehler

Nun argumentieren die Vertreter des Willow Creek-Modells, der Sucher-Gottesdienst sei halt nur eine evangelistische Veranstaltung unter einem anderen Namen. Der Gemeindegottesdienst fände ja in der Wochenmitte statt. Tatsächlich versammeln sich in Chicago am Mittwoch- und Donnerstagabend jeweils zwischen drei und viertausend Christen.
Dieser Sicht kann ich nicht zustimmen. Einerseits wäre es immer noch eine Aushöhlung des biblischen „Gottesdienstbegriffs“. Das Neue Testament beschreibt das Zusammenkommen der Christen als eine Versammlung für Gläubige. In einer solchen Zusammenkunft wird Gott angebetet, die Christen werden auferbaut und zugerüstet.18

Andererseits fürchte ich, daß die meisten Gemeinden in unserem Land lediglich sonntags evangelisieren würden, ohne für den erforderlichen Ersatz an Lehre, Auferbauung und Zurüstung zu sorgen. Wiederum trägt der Pragmatismus zu einer Verflachung biblischen Gemeinde-lebens bei. Eine Gemeinde braucht „gesunde Lehre“ zur Festigung des Glaubens und zur Verwurzelung im Herrn (Apg. 2,42; 11,26; etc.).

Das Problem der Integration

Abgesehen davon, daß der deutsche Boden nicht mit dem amerikanischen gleichgesetzt werden kann, gibt es noch etwas zu bedenken. Kenner der Szene warnen übereinstimmend vor der Tatsache, daß viele Leute im Gottesdienst für Suchende hängen bleiben. Pritchard studierte die Willow Creek-Gemeinde intensiv. Er kommt zu der Einschätzung, daß die Mehrheit der ca. 15.000 Wochenend-Besucher bereits eine Entscheidung für Christus getroffen haben.19 Erinnern wir uns an das Mißverhältnis von Besuchern und Gemeindegliedern?

Offensichtlich fällt es den Mitarbeitern trotz aller ausgefeilten Strategien schwer, die Leute aus der Besuchermentalität herauszuholen. Ed Dobson, der viele Elemente von Willow Creek übernommen hat, gibt in seinem Buch „Der offene Gottesdienst“20 zu, daß sein evangelistisches „Saturday Night“-Programm zu einer Gemeinde

17 MacArthur, John: Wenn Salz kraftlos wird, S. 66
18 Dr. Fruchtenbaum, Arnold in Gemeindegründung, KFG Rasdorf, Nr. 49, S. 4-11
19 WCCC Church Leaders Handbook New Expanded 1996 Edition, 3. Aufl. S. 275
20 Dobson, Ed: Der offene Gottesdienst, Projektion J, Wiesbaden 1996, S. 119 (Originaltitel: Starting a Seeker-
sensitiv Service, Zondervan Publishing House, Grand Rapids, MI 1993)

innerhalb der bestehenden „Golgatha-Gemeinde“ geworden ist (Calvary Church, Grand Rapids, Michigan). 21 Das ist ungefähr das Letzte, was wir erreichen wollen.

Evangelisation mit weltlichen Mitteln

Eine weitere Frage muß an dieser Stelle erörtert werden. Ist es legitim, Menschen mit „weltlichen“ Mitteln aus der „Welt“ herauszurufen? Warum muß es Soft-Pop oder Rockmusik sein?22 Warum muß man die Leute mit Theaterstücken auf die Verkündigung vorbereiten? Warum muß die Predigt „weltlich genug“ sein?

Die Frage muß gestattet sein, ob man auf diese Weise das Evangelium in die Welt bringt, oder die Welt in die Gemeinde. Ich weiß sehr wohl, daß solche Gedanken für viele Christen fremd geworden sind. Aber die Gemeinde ist Gottes heiliges Volk (1. Petr. 2,9). Lohfink nennt sie eine „Kontrastgesellschaft“.23 Das Wort vom Kreuz zieht Grenzen zwischen Gemeinde und Welt. Diese dürfen nicht verwischt werden. Doch genau das tut der Pragmatismus.

Man kann auch außerhalb der Gemeinde evangelisieren, z.B. durch Bibelstudien, evangelistische Hausbibelkreise, Fachvorträge, etc. Wenn man die Leute erst dann in die Gemeindeveranstaltungen einlädt, nachdem sie bekehrt sind, lösen sich einige Probleme von selbst. Der „Gottesdienst“ am Sonntag (oder wann auch immer) kann weiterhin seiner biblischen Bestimmung dienen. Zeitgemäße Musik, Theater, Pantomime, übertriebene visuelle Medien und weitere fragwürdige Elemente können auf diese Weise vor der Tür gelassen werden. Für dieses Modell möchte ich plädieren.24

3. Mangel an biblischer Lehre

Eine weitere Folge des bereits besprochenen Pragmatismus ist ein offensichtlicher Mangel an biblischer Lehre. An den Wochenenden stehen die suchenden Menschen im Mittelpunkt. Die Christen treffen sich am Mittwoch- und Donnerstagabend zu „New Community-Anbetungsgottesdiensten“. Hier wäre also der Rahmen für die Belehrung der Gläubigen gegeben. Allerdings wurden in den letzten sieben Jahren lediglich ein halbes Dutzend biblische Bücher behandelt.25 80 Prozent der Abende sind mit Themen gefüllt. Das zeigt einen offensichtlichen Mangel an systematischer biblischer Unterweisung.
Dr. Gregory Pritchard beklagt den Mangel an biblischer Lehre insgesamt. Er führt aus, daß es unter 180 Vollzeit-Mitarbeitern nur eine Handvoll Lehrer mit biblischer Ausbildung gibt.26 Das ist für eine riesige Gemeinde wie Willow Creek viel zu wenig. Natürlich gibt es ein großes Angebot an Seminaren. Aber biblische Lehre, die wirklich in der Schrift gründet, wird den Gläubigen selten angeboten. Dafür spielt die säkulare Psychologie eine um so dominantere Rolle.27

Pritchards Studie deckt sich mit meiner Einzelbeobachtung. Als ich mit meinen Begleitern in einer Kleingruppe für Ehepaare teilnahm, erfuhr ich, daß der Großteil der Anwesenden nicht in der Willow Creek-Gemeinde zum Glauben gekommen war.

21 Wird im WCCC Church Leaders Handbook New Expanded 1996 Edition, 3. Aufl. S. 93 empfohlen.
22 Dobson, Ed: Der offene Gottesdienst, Projektion J, Wiesbaden 1996, S. 50-53
23 Lohfink, G.: Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?, Herder Verlag 1993, S. 143f zitiert bei Wetzel, Gabi:
Die Spannung zwischen bedürfnisorientierter und bibelorientierter Gemeinde (Hausarbeit der FTA, Gießen)
24 Übrigens beklagt der Herr Jesus Christus in den Sendschreiben bei keiner der sieben Gemeinden „mangelnde
Ausrichtung auf Suchende, wohl aber fehlende Abgrenzung und weltliche Vermischung.
25 Quelle: www.willowcreek.org/new community series vom 28.4.97
26 Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, S. 274 + 285
27 Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, S. 223-239 (The Quagmire of Psychology)


Befragt, warum sie ihre früheren Gemeinden verlassen hätten, kam mehrmals die Antwort: zu „gesetzlich“! Dann folgte die Bibelarbeit. Der Text war Joh. 2,1-12, die Hochzeit zu Kana. Das ist wirklich kein schwerer Abschnitt. Aber die Ausbeute war sehr, sehr mager. Der Leiter war nicht besonders gut vorbereitet. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag. Aber auch die Beiträge der anderen Teilnehmer bewegten sich überwiegend an der Oberfläche. Ich konnte es mit Händen greifen. Hier fehlt die Tiefe. Hier fehlt die Gründung in Gottes unerschöpflichen Wort.

Im Buchladen der Gemeinde findet man eine große Auswahl an christlicher Literatur. Evangelistische Bücher und Veröffentlichungen der Willow Creek-Gemeinde sind zahlreich vertreten. Bei genauerem Hinsehen vermißt man allerdings Schriften zu den Themenkreisen Wachstum, tieferes Bibelverständnis und Heiligung fast völlig. Büchertische und Buchläden spiegeln in gewisser Weise das geistliche Leben einer Gemeinde wider. Warum kaum wertvolle Biographien? Warum fast keine vertiefende Lehre? Warum so wenig Heiligungsliteratur? Pritchard gibt folgende Antwort:
Themen, Bücher und Wissenschaften, die in dem Gesamtkonzept von Willow Creek nützlich sind, erreichen weite Verbreitung. Solche außerhalb des Gesamtkonzeptes werden abgelehnt.“28
Es ist mein aufrichtiger Eindruck, daß die Willow Creek-Gemeinde trotz vielem Vorbildlichen insgesamt gesehen zu oberflächlich aufgebaut ist. Allerdings erheben sich sofort die Fragen: Sind wir selbst tiefer gegründet? Sind unsere Gemeinden stärker befestigt? Gebe Gott, daß wir gemäß biblischer Prinzipien bauen!
Etwas läßt mich hoffen. Lynne und Bill Hybels schrieben 1995 in ihrer Willow Creek-Geschichte: „In den ersten Jahren von Willow Creek hatten wir noch nicht so viele Christen, und so verwendeten wir den Löwenanteil unserer Mittel für den ersten Teil des Missionsbefehls. Als wir einige Bekehrungen erlebten, verlagerten wir unsere Mittel schrittweise, um den nötigen Ausgleich zu schaffen. Heute liegt die Betonung mehr auf Jüngerschaft als auf Evangelisation, weil so viele Christen so nötig Förderung und Schulung brauchen.“29

4. Pseudo-charismatische Offenheit

Wenige Monate vor der Gemeindegründung im August 1975 las Hybels das Buch von Robert Schuller „Your Church Has Real Possibilities“30. Anschließend besuchte er dessen Seminar über „Erfolgreiche Gemeindeleiterschaft“ in Kalifornien.31 Schuller gilt als „erfolgreichster“ Fernsehprediger aller Zeiten.
Er hat es wie kein anderer verstanden, die Philosophie des Positiven Denkens unter den Evangelikalen zu verbreiten.32 Eine weitere fragwürdige Gestalt, die Hybels in seiner Anbetungspraxis geprägt hat, ist der Charismatiker Jack Hayford.33 Bill Hybels ist sicher kein „ganzer Charismatiker“, aber mindestens ein halber. Sein Anbetungsverständnis und die Praxis in den Wochenmitte-Gottesdiensten ähnelt der Prägung einer gemäßigten charismatischen Gemeinde. Auch das Schulungsmaterial „Dienen im Einklang von Neigungen, Stärken und Talenten“ (D.I.E.N.S.T) enthält

28 ebd. S. 280
29 Hybels, Lynne & Bill: Ins Kino gegangen und Gott getroffen, Projektion J, Wiesbaden 1995, S. 249
30 WCCC Church Leaders Handbook New Expanded 1996 Edition, 3. Aufl. S. 48
31 Pritchard, Gregory: Willow Creek Seeker Services, S. 49
32 Bühne, Wolfgang: Spiel mit dem Feuer, CLV Bielefeld, 2. Aufl. 1991, S. 132
33 Hybels, Bill & Zander, Dieter: Defining Moments, The Willow Creek Audio Journal For Church Leaders,
Connecting People To God Through Worship, Zondervan Publishing House 1996

pseudo-charismatisches Gedankengut. Zum Beispiel werden die Zeichen- und Offenbarungsgaben wie Prophetie, Zungenrede und Wunderkräfte als heute gültige Gaben eingestuft. Durch diese Sichtweise wird weiteren pseudo-charismatischen Einflüssen Tür und Tor geöffnet.

5. Die „ökumenische“ Philosophie

Wo keine Abgrenzung gegen pseudo-charismatische Einflüsse praktiziert wird, ist auch fast immer Offenheit gegenüber dem Katholizismus und allen möglichen Strömungen vorhanden. So ließ Hybels beispielsweise einen katholischen Priester aus der Nachbarschaft zu seinem Auditorium reden. Sein Thema lautete: „Was Protestanten von Katholiken lernen können.“ Hybels fragte den Priester, ob er wiedergeboren sei. Dieser antwortete: „Wir sind geboren worden und aufgewachsen, aber ich denke, wir müssen immer wieder geboren und wiedergeboren werden. Nicht nur einmal, sondern wieder und wieder.“ Obwohl ihn Mitarbeiter wiederholt aufforderten, die falschen Aussagen richtigzustellen, ließ Senior-Pastor Hybels diese Aussage unkorrigiert im Raum stehen.34

Die Willow Creek-Association

Vor einigen Jahren wurde die Willow Creek Association ins Leben gerufen. Diese Vereinigung umfaßt inzwischen weltweit mehr als 2200 Gemeinden aus über 70 verschiedenen Denominationen!35 Es versteht sich von selbst, daß Lehrunterschiede hier in den Hintergrund treten müssen. Der entscheidende und vereinende Faktor ist, daß eine Gemeinde nach dem Vorbild von Willow Creek Gemeinde baut.

Das Spektrum reicht in den USA von waschechten Pfingstgemeinden (Assemblies of God) über Siebenten-Tags-Adventisten bis hin zur halbliberalen Reformierten Kirche.36 Das ist pragmatischer Pluralismus.

Willow Creek und die „Promise Keepers“

Die Willow Creek-Gemeinde unterstützt offiziell die „Promise Keepers“-Bewegung. Diese neue Männer-Bewegung soll in den USA innerhalb von wenigen Jahren bereits an die zwei Millionen Mitglieder gewonnen haben. Eines der sieben Versprechen, die jeder Mann geben muß, betrifft den Einsatz zur Überwindung aller Denominationsgrenzen. Wahrheiten, für die unsere Vorväter zum Teil ihr Leben gelassen haben, werden hier im Zuge einer neuen ökumenischen Einheit eingeebnet.
Die Männer der Willow Creek-Gemeinde werden ermutigt, an den großen Promise Keepers-Treffen teilzunehmen.37

Überkonfessionelle Kongresse

Bill Hybels sprach 93 auf dem Kongreß in Nürnberg, der von überwiegend charismatischen Gruppen veranstaltet wurde. Er sprach 95 auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in Hamburg. Dem der großen Hamburger Tagung im November 96 war der Konreßvorstand mehr evangelikal geprägt.38 Dahinter steckt Methode. Hybels versteht sich bewußt als Integrationsfigur zwischen

34 WCCC Church Leaders Handbook New Expanded 1996 Edition, 3. Aufl. S. 274-275
35

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vom 23.4.97
36 WCCC Church Leaders Handbook S. 35
37 ebd. S. 206
38 Materialdienst der EZW 1/97, S. 26

charismatischen und nicht-charismatischen Evangelikalen. Darum gibt es keine Abgrenzung nach irgendeiner Seite.

Zusammenfassung und Schluß

Von Willow Creek gehen ambivalente Signale aus. Für mich steht außer Zweifel, daß der Herr in dieser Gemeinde am Werk ist. Ungezählte Gemeinden rund um den Globus haben durch Bill Hybels und seine Mitstreiter eine neue Sicht für die Dringlichkeit der Evangelisation bekommen. In diesem Stück ist Willow Creek wirklich vorbildlich. Aber was die Methoden der Evangelisation und den Gemeindebau betrifft, arbeitet die Gemeinde nach meinem Ermessen zu oberflächlich. Einige Dinge muß ich sogar unbiblisch nennen. In Willow Creek ist die Grenze zwischen Gemeinde und Welt nicht klar genug gezogen. Phänomenologisch betrachtet ist alles sehr beeindruckend, glänzend, attraktiv. Wer genauer prüft, gewinnt einen differenzierteren Eindruck. Vieles ist einfach zu oberflächlich angelegt, nicht tief genug im Wort Gottes gegründet. Willow Creek exportiert beides, das Exzellente und das Oberflächliche. Schenke Gott, daß wir unterscheiden können!
Die Befürworter des Willow Creek-Konzeptes müssen sich darum fragen lassen, ob sie sich die Mühe gemacht haben, die Quellen von Hybels’ Theorien und Prinzipien zu ergründen? Ob sie die Inhalte seiner Verkündigung gründlich analysiert haben? Ob sie geprüft haben, wie viele in Willow Creek wirklich Christen, Jünger und Mitarbeiter werden? Und ob sie realisiert haben, wieviel Pragmatismus, wieviel Philosophie, Psychologie und wieviel modernes Managementdenken zugrunde liegt.

Ich werde den Eindruck nicht los, daß die Faszination der großen Zahlen stärker war als die Ansätze des kritischen Reflektierens. Darum sind nicht wenige Christen und Gemeinden in den Sog einer neuen Welle geraten. Die Haltung “If it’s big it’s good“ ist nicht biblisch. Ich fürchte, die Popularität mancher moderner Gemeinden ist mit vielen widergöttlichen Kompromissen erkauft worden.

Insgesamt teile ich die Einschätzung von Wolfgang Bühne: „Meine große Sorge ist, daß wir Evangelikalen immer wieder der Gefahr erliegen, eine Erweckung von neuen Methoden, Techniken, Programmen und Persönlichkeiten zu erwarten, anstatt uns auf den Herrn und sein Wort auszurichten, uns vor ihm zu demütigen und uns ihm im neuen Gehorsam hinzugeben.“39
Ich habe nichts gegen die Person Bill Hybels. Im Gegenteil. Ich finde ihn sehr sympathisch. Aber es geht um die Sache und deren Auswirkung auf die Gemeinde Jesu Christi in unserem Land. In Willow Creek ist Gemeinde und Welt nicht klar genug voneinander getrennt. Man kann christlich und zugleich weltlich sein. Auf diese Weise wird das Wort vom Kreuz entschärft. Christentum wird salonfähig. Salz wird letztendlich kraftlos. Der Apostel Paulus, der mit seiner Verkündigung „den Erdkreis aufwiegelte“ (Apg. 17,6), hätte m.E. dem Gesamtkonzept von Willow Creek keine Zustimmung gegeben.
Eines noch. Ich bin davon überzeugt, daß jedes Aufkommen einer fragwürdigen oder falschen Strömung auf „Vitaminmangel“ in der Gemeinde Jesu zurückzuführen ist. Was fehlt dem Leib Christi? Fehlt nicht weithin das Erschrecken vor Gottes Heiligkeit, Buße über Lauheit und Kompromisse mit der Sünde, klare Abgrenzung zum

39 Bühne, Wolfgang: in „fest und treu“, Meinerzhagen, Nr. 3/96, S. 16

materialistischen Lebensstil, sowie die Treue zu Christus und seinem Wort? Fehlt nicht weithin ein authentisches Christentum in der Kraft des Heiligen Geistes? Fehlen nicht geisterfüllte Gläubige und biblisch ausgerichtete Gemeinden in unserem Land? Bevor wir also das Thema Willow Creek eilfertig abhaken, sollten wir die guten Anregungen von dort aufnehmen und als Anfrage an uns sehen. Ist unser persönliches Leben völlig an Jesus Christus hingegeben? Hat der christliche Kreis, zu dem wir gehören, wirklich das Anliegen, Gemeinde nach dem Neuen Testament zu sein und immer mehr zu werden? Brennt in uns die Liebe zu Christus gleichermaßen wie die Liebe zu den verlorenen Menschen? Wenn nicht, dann können wir einiges von Willow Creek lernen.
„Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt,
so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm
und befestigt im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid,
darin überströmend mit Danksagung.“ Kol. 2,6-7

Wilfried Plock, Hünfeld

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