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Daniel Schneider: „Die Mehrzahl der Ehen scheitert an der Kommunikation“


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Rolf

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Daniel Schneider (Bild: Lea Barnowsky)
    Daniel Schneider: „Die Mehrzahl der Ehen scheitert an der Kommunikation“

 

 
 
Die meisten Paare heiraten mit dem Vorsatz, tatsächlich ein Leben lang zusammen zu bleiben. Und doch lässt sich der oft nicht umsetzen. Warum ist das so? Der Journalist Daniel Schneider hat sich für ein Buch auf die Suche nach Antworten gemacht. Im Interview erzählt er, welche er gefunden hat.

 

 

Interview: Christof Klenk

 

 

Christof Klenk: Daniel, dein Buch „Tabu Trennung“ ist kein Scheidungsratgeber, aber es ist auch kein Eheratgeber. Für wen hast du das Buch geschrieben?

 

Daniel Schneider: Dazu habe ich mir tatsächlich viele Gedanken gemacht. Es ist ein Buch, das sich konsequent mit dem Thema auseinandersetzt: Was passiert, wenn eine Ehe scheitert? Wie geht man damit um? Und wie kam es dazu? Menschen haben mir ihre Geschichten erzählt. Gleichzeitig habe ich beim Schreiben selbst unfassbar viel über Beziehung gelernt. An verschiedenen anderen Beispielen habe ich gemerkt, dass es eigentlich auch ein Präventionsbuch ist.

 

Und was hast du selbst für dich gelernt?

 

Grundsätzlich ist die platte Antwort: Entscheidend ist die Kommunikation. Die Art und Weise, wie man’s sagt. Wie offen und nicht offen man Dinge anspricht. Da ist mir der Psychotherapeut Michael Lukas Möller mit seinem Buch „Wie die Liebe anfängt“ auch sehr nah gekommen. Er sagt: „In Sekunden unbewusster Kommunikation geschieht, was das Bewusstsein manchmal viel später erfasst: die Liebe auf den ersten Blick.“ Deshalb lohnt es sich, diese ersten Minuten immer wieder auszugraben, also immer wieder an den Ursprung des Verliebtseins zurückzugehen. Denn auch das habe ich gelernt: Beziehung ist leider und zum Glück auch eine Kopfsache. Es ist eine Entscheidung, die von Gefühlen unterfüttert oder geleitet wird. Und das können wir in gewisser Form beeinflussen. Außerdem habe ich gelernt, dass Gott echt Humor hat, weil mir das nochmal ganz klargeworden ist: Laut Schöpfungsbericht hat er uns auf Beziehung angelegt und uns gleichzeitig aber auch so unfassbar unterschiedlich geschaffen. Mit dieser Unterschiedlichkeit kämpfen wir ein Leben lang. Und daraus folgere ich, dass wir funktionierende Ehen und Beziehungen viel mehr wertschätzen und viel mehr feiern müssen.

 

Wie feierst du denn die Beziehung zu deiner Frau?

 

Wir feiern unsere Beziehung im Alltag. Ich bin oft unterwegs. Das heißt für uns, dass wir dann die Wochenenden zelebrieren und versuchen, es uns schön zu machen. Einfach einen netten Abend gemeinsam gestalten oder zwischendurch eine nette Geste. Wir versuchen, nicht von Event zu Event oder von Highlight zu Highlight zu leben, sondern kontinuierlich zu fragen: „Was können wir tun, damit es uns im Alltag gut geht?“

 

Dein Buch steht unter dem Titel „Tabu Trennung“. Ist das wirklich noch so ein Tabu?

 

Ja, finde ich schon. Ich habe einige christliche Gemeinden kennengelernt, in denen es ein Tabu war und noch ist. Ich habe auch recherchiert und mit Menschen gesprochen, die das in ihrer Gemeinde erlebt haben. Das ging so weit, dass nicht gewünscht war, dass darüber geredet wird. Ich hoffe, dass dieses Redeverbot aus der Unsicherheit der Verantwortlichen entstanden ist. Es ist natürlich auch nicht einfach für eine Gemeinde, sich damit auseinanderzusetzen.

 

Der Untertitel deines Buches lautet „Ein Journalist auf der Suche nach Antworten“. Was war für dich die überraschendste Antwort, auf die du gestoßen bist?

 

Die Antwort von Manu war für mich überraschend, als ich mit ihm über das Scheitern seiner Ehe gesprochen habe. Er hat gesagt: „Allein für die Geburt unserer Tochter hat sich die Ehe gelohnt.“ Das fand ich stark. Es hat mich beeindruckt, wie er und seine Ex-Frau miteinander umgehen und wie sie übereinander reden. Den Ex-Partner schlechtmachen, das geht für sie gar nicht.

 

Es gibt auch ein Paar in deinem Buch, das nach der Scheidung wieder zusammengekommen ist.

 

Ja, Rita und Björn, das ist eine Geschichte mit einer überraschenden Wendung. Die beiden haben es erst nach ihrer Scheidung geschafft, so richtig offen miteinander zu reden. Jetzt haben sie wieder geheiratet und ein Kind bekommen. Das ist natürlich ein mega Happy End. Das finde ich schön und deshalb ist die Geschichte auch drin.

Dass man nach einer Scheidung wieder zusammenkommt, ist sicher ungewöhnlich. Du hast auch mit einem Theologen gesprochen, der zwei Scheidungen hinter sich hat.

Ja, Reiner Knieling. Er hat den krassen Satz gesagt: „Ich habe mir die Frage gestellt, ob Beziehungen auch einfach gesegnet sterben können.“ Ich kenne kaum einen reflektierteren Menschen als Professor Knieling, meinen ehemaligen Dozenten. Er saß zusammen mit seiner damaligen Frau in einer Totenmesse und beide hatten diesen Gedanken.

 

Das klingt zu schön. Hast du nicht manchmal den Eindruck gehabt, dass deine Gesprächspartner sich selbst täuschen?

 

Nein, in keinem Moment. Wir Menschen an sich neigen in manchen Situationen sicher dazu, im Nachhinein Dinge zu harmonisieren. Aber die Gesprächspartner, die ich gewählt habe, gerade Manu und Reiner, das sind Typen, die einen sehr klaren Blick haben. Manu hat es zunächst als „perfide“ empfunden, dass ihm seine Frau gerade dann eröffnet, dass sie sich von ihm trennen will, als er mit ihr beziehungsmäßig nochmals durchstarten will. Das fürchterliche Timing wird für ihn im Nachhinein perfekt. Wenn er das so empfindet, dann kann und will ich ihm das nicht ausreden. Zumal er in dem Gespräch ja auch zum Ausdruck bringt, was er für Fehler gemacht hat und dass er Dinge ändern möchte. Das ist für mich der Punkt.

 

Aber wenn von „einem gesegneten Sterben der Beziehung“ die Rede ist, klingt das schon beschönigend.

 

Auch da finde ich, dass der Satz helfen und trösten kann. Reiner und seine damalige Frau haben sich das ja nicht vom Himmel gepflückt, sondern das so in dieser Situation empfunden. Das ist kein Gedanke, der das Ganze schönredet. Reiner bringt die Problematik ja trotzdem ganz deutlich auf den Punkt. Auf die Frage, ob das Scheitern einer Ehe Sünde ist, sagt er: „Natürlich! Die Frage ist nur, was die größere Sünde ist. Eine Beziehung zu beenden oder in einer nicht funktionierenden Beziehung zugrunde zu gehen.“ Er definiert Sünde „als alles, was das Leben erstickt.“ Irgendwann kommt man dann an einen Punkt, wo man sich entscheidet, einen Schlussstrich zu ziehen, obwohl man weiß, dass es unfassbar weh tut.

 

Manche Christen werden sagen: Damit öffnet man die Büchse der Pandora. Man eröffnet einen Ausweg, wo es eigentlich keinen Ausweg geben sollte.

 

Ja, absolut. Ich finde, dass dieser Tabubruch heilsam sein kann. Wir sündigen, und wir sündigen in so existenziellen Bereichen. Und dann kann man fragen: Ist es sinnvoll, um jeden Preis in dieser Beziehung zu verharren? Auch wenn ich daran zugrunde gehe? Vielleicht ist es sinnvoll, tatsächlich einen schmerzhaften Schnitt zu machen, der geprüft ist. Dass die Menschen in meinem Buch das ganz ernsthaft getan haben, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Wenn ich höre, dass Ehepaare auseinandergehen, ist mein erster Gedanke auch oft: „Naja, die haben sich ja wohl nicht genug angestrengt, oder?“ Aber gegen diesen Gedanken kämpfe ich an und einem solchen Pauschalurteil möchte ich entgegenwirken, indem ich Rückfragen stelle und mich damit auseinandersetze.

 

Grundsätzlich hätte ich gedacht, dass es deinem Buch noch mehr um die Ursachen geht, weswegen Ehen kaputtgehen. Bei Manu und Reiner lässt sich das aber gar nicht so ganz nachvollziehen.

 

Für Manu kam dieser Satz „Ich liebe dich nicht mehr!“ ja fast wie aus heiterem Himmel, auch wenn er wusste, dass es in seiner Ehe nicht wirklich gut läuft. Für seine damalige Frau stand dahinter ein langer Prozess. Sie hat sich sehr allein gefühlt mit dem Kind. Aber ich glaube, grundsätzlich ist es so, wie der „Lifecoach“ Mickey Wiese sagt: Es sind oft nicht die ganz großen Dinge, sondern die Kleinigkeiten des Alltags, die auf Dauer zermürben und Ehen scheitern lassen. Und diese Kleinigkeiten sind nicht so leicht zu ermitteln und stehen in einem größeren Kontext. Das im Einzelnen aufzuschlüsseln hätte die Grenze zur Privatsphäre überschritten, und das wollte ich vermeiden. Sicherlich hätte ich mich nicht dagegen gewehrt, wenn meine Gesprächspartner da ein oder zwei Details mehr ausgeplaudert hätten. Aber es ist auch gut, sich nicht auf einzelne Punkte zu versteifen. So kann jeder das auf die eigene Beziehung übertragen und fragen: Wo sind denn diese Punkte bei uns? Und wie können wir daran arbeiten?

 

Also würdest du sagen, dass das die Erfahrungen deiner Gesprächspartner zusammenfasst, dass viele Ehen eher an den kleineren Verwerfungen scheitern?

 

Und die zu größeren Gefahren und zu den Explosionen führen – das würde ich schon sagen. Wobei es natürlich da auch Ausnahmen gibt. Bei mir geht es nicht um Ehen, in denen Unterdrückung herrscht oder auch Gewalt. Dafür müssen andere Bücher geschrieben werden. Die Mehrzahl der Ehen scheitert aus meiner Sicht an der Kommunikation. Da sind die Kleinigkeiten im Alltag, die nicht besprochen werden und die im Verborgenen schwelen. Dann guckt man sich irgendwann an und fragt sich: „Haben wir uns eigentlich gar nichts mehr zu sagen? Wo kommt das denn her?“ Oder: „Wieso hast du mir das denn nie gesagt?“ Wie bei Rita und Björn, bei denen ist die Beziehung an der Kommunikation gescheitert, wobei sich das immer so einfach anhört – die Kommunikation. Das ist hochkomplex und es gibt gerade in der vorhin schon angesprochenen Verschiedenheit ganz viele Stellschrauben, die es zu entdecken gilt. Es beginnt oft mit den kleinen Dingen – ja, so lässt sich das sicher ganz gut zusammenfassen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Daniel Schneiders Buch

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ist im Frühjahr 2017 im SCM-Verlag erschienen.


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