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Wozu brauchen Pfarrer Schauspiel-Training?


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Rolf

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Ausbildung von Geistlichen




"Das sieht roboterhaft aus"


Wozu brauchen Pfarrer Schauspiel-Training? Der Regisseur Thomas Kabel über das Instrument des Körpers und warum Pfarrer Training nötig haben.

Interview: Jutta Pilgram


Schauspielunterricht für Pfarrer vergrößern Unterricht für Pfarrer: "Wenn er den Mut findet, seine persönlichen Gesten authentisch zu leben, entsteht eine liturgische Präsenz, die uns berührt."

Wer sich und seine Botschaft gut herüberbringt, hat Erfolg im Beruf. Das gilt insbesondere für Pfarrer, die im Gottesdienst vor mehr oder weniger Publikum auftreten. Der Regisseur Thomas Kabel hält seit zwanzig Jahren Kurse zur "Liturgischen Präsenz" in den Ausbildungseinrichtungen der evangelischen und katholischen Kirche. Außerdem coacht er Führungskräfte der Wirtschaft für Medienauftritte.

Süddeutsche Zeitung: Was haben Gottesdienst und Theater gemeinsam?

Thomas Kabel: Beides sind Inszenierungen in einem speziellen Raum. Beides bewegt die Herzen. Und in beiden Fällen hängt das Gelingen stark davon ab, wie überzeugend die Akteure sind und ob sie es schaffen, in die Seele zu führen. Schon bei der Eröffnung eines Gottesdienstes entscheidet sich, ob die Gemeinde vom Zuschauen ins Erleben gebracht wird.

SZ: Aber ist das, was der Pfarrer am Altar zelebriert, denn ein Schauspiel?

Kabel: Nein, es ist kein Schauspiel, sondern ein Kult. Unsere kollektiven Vorstellungen, wie ein Pfarrer sprechen und sich bewegen soll, sind sehr festgelegt. Das führt oft zu einem gekünstelten Verhalten. Man erwartet einen pastoralen Tonfall, bei dem viel zu viele Worte betont werden, die Stimme am Ende jedes Satzes gehoben wird und nur ganz bestimmte Gesten erlaubt sind. Aus Angst bewegt der Pfarrer sich lieber gar nicht und hält sich höchstens am Pult fest. Dabei transportiert er, ob er will oder nicht, auch seine Haltungen, Einstellungen und unbewussten Gewohnheiten. Wenn er den Mut findet, seine persönlichen Gesten authentisch zu leben, entsteht eine liturgische Präsenz, die uns berührt.

SZ: Woran hapert es am meisten - an der Choreographie, den Gesten oder der Sprache?

Kabel: Am meisten hapert es am Training. Viele Pfarrer glauben, sie müssten gar nicht üben. Doch das ist ein Trugschluss. Es geht ja nicht nur um ein Verhaltenstraining, bei dem die Abläufe möglichst perfekt einstudiert werden. Das sieht dann vielleicht roboterhaft schön aus, doch es ist noch nicht lebendig, nicht authentisch.

SZ: Warum kommt die "liturgische Präsenz" in der Ausbildung der Geistlichen zu kurz?

Kabel: Theologen haben sich jahrhundertelang auf das Wort konzentriert und dabei vergessen, dass das Wort durch den Körper geht. Pfarrer müssen nicht nur theologisches Wissen sammeln, sondern auch liturgisches Know-how. Es ist immer noch so, dass Dinge von Pfarrern verlangt werden, die sie gar nicht lernen konnten. Zwei Tage Sprecherziehung in zwei Jahren - das ist einfach lächerlich.

SZ: Wie laufen die Kurse ab?

Kabel: Bedingung ist immer, dass wir "am Set" arbeiten, also in der Kirche und in Arbeitskleidung. Wir beginnen beispielsweise mit dem Segen. Ich reflektiere mit den Teilnehmern, wie der Segen gesprochen werden muss, damit er die Zuhörer anrührt. Ich korrigiere die Gesten, achte etwa darauf, dass der Daumen nicht ausgestreckt ist oder eine Uhr als Zeichen der Vergänglichkeit sichtbar wird. Denn das zieht Energie ab, und Aufmerksamkeit geht verloren. Dann schauen wir, wie Bewegungen, Gesten und Sprache zusammenwirken. Und welche Rolle der Pfarrer als Mensch mit allen seinen Sinnen und Gefühlen spielt.

SZ: Körperlichkeit ist in der Kirche ein heikles Thema. Wie gelingt den Teilnehmern die geistige Reflexion über ihre körperliche Ausstrahlung?

Kabel: Es gibt natürlich Widerstände, die daher rühren, dass die Kirche es lange versäumt hat, das Instrument des Körpers zu stimmen. Erst in jüngster Zeit hat man erkannt, dass es vor dem Altar, auf der Kanzel oder am offenen Grab einfach auf alle Sinne ankommt.
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