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Frömmigkeit, Show und der Glaube


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Rolf

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Frömmigkeit, Show und der Glaube




(Matthäus 6,1-4; 13. n. Trin. V)

Eine Predigt von Bernhard Kaiser


1Habt Acht auf eure Frömmigkeit, daß ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen
gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. 2Wenn du
nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler
tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden.
Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3Wenn du aber Almosen
gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, 4 damit dein Almosen
verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Zur Einführung: Die Versuchung zur Selbstdarstellung

Vor vielen Jahren war ich bei einer christlichen Tagung. Wir hatten morgens und nachmittags
Vorträge und so ergab es sich, daß wir in einem örtlichen Speiselokal das Mittagessen
einnahmen. Es war ein größerer Raum und wir waren eine größere Gruppe, die
an mehreren reservierten Tischen Platz nahm. Als es dann soweit war, daß das Tischgebet
gesprochen werden konnte, sagte der Tagungsleiter, der alles vor Ort organisiert hatte:
„So, nun wollen wir danken. Damit es auch die anderen Gäste hören und merken,
daß wir Christen sind und wir ihnen einen Hinweis auf Jesus geben wollen, singen wir
ein kurzes Danklied.“ Er sagte dann das Lied an – einen kurzen Vers, den alle Tagungsteilnehmer
kannten, und schon bekamen die anderen Restaurantgäste unerwartet ein
Lied zu hören.

In der Sache ist es keineswegs schlecht, in der Öffentlichkeit ein christliches Lied zu
singen. Doch wir müssen bei diesem Vorfall genauer hinsehen. Das Lied sollte ein
Dank sein an Gott, aber es wurde mit einer anderen Funktion verknüpft: es wurde zur
Demonstration der Frömmigkeit vor anderen Menschen, in der Hoffnung, das eigene
Glaubenszeugnis könne den anderen Restaurantgästen ein Anlaß sein, auch mal wieder
an Gott zu denken. Ausdrücklich wurde so der Dank an Gott mit der Darstellung vor
anderen Menschen verbunden.

Das Problem dabei ist, daß man seine Frömmigkeit zur Schau stellt. Man sagt damit:
„Leute, schaut her, wir sind gläubige Menschen und ihr solltet es uns gleichtun.“ Das
war gängige Praxis bei den Juden und es ist überall dort gängige Praxis, wenn es in einer
Gemeinde, Kirche oder in einer bestimmten Familie oder gesellschaftlichen Schicht
gefordert wird. Dann gibt es immer Menschen, die vor anderen beten, oder Geld spenden
und davon reden, oder sich in einer Gemeinde engagieren, so daß die anderen es
sehen. Das genau ist das Problem, das Jesus in der Bergpredigt anspricht.

Der Gedanke, daß man Selbstdarstellung betreibt, ist gerade in der modernen Theologie
gang und gäbe. Friedrich Schleiermacher, der Vater der modernen Theologie und vor
bald zweihundert Jahren Theologieprofessor in Berlin, war der Meinung, daß christliche
Verkündigung nichts anderes als Selbstdarstellung sei. Der Pastor in der Kirche habe in
der Predigt die Aufgabe, seine religiösen Gefühle und Empfindungen darzustellen und
zu zeigen, wie sich seine Frömmigkeit praktisch auswirkt. Missionarische Verkündigung
ist demzufolge, daß der Christ von sich und seinem Erleben spricht. Neupietistisch
gewendet heißt das, daß man erzählt, was man mit Jesus erlebt hat.

Derselbe Gedanke verbirgt sich hinter der gegenwärtig häufig anzutreffenden Vorstellung,
christlicher Glaube müsse „ansteckend“ sein. Dann kommt es zunächst darauf an,
seine Frömmigkeit gut zu managen, um sie dann vor den anderen darzustellen, um bei
ihnen Anklang und Anerkennung zu finden. Man nennt das dann „ein Zeugnis sein.“
Praktisch wird der Christ damit angewiesen, sich besonders gelungen als Christ darzustellen
in der Erwartung, daß dann andere Menschen auch so sein wollen wie er, der
Musterchrist, oder das gleiche erleben wollen. Shooting star (= Schützenkönig) ist dann
immer der Superchrist, der eine Erfahrung nach der anderen berichten kann und auf den
andere Christen neidisch werden, weil er immer etwas Besonderes als Erlebnis mit Jesus
zum Besten geben kann. Der Durchschnittschrist allerdings erlebt kaum etwas. Vielleicht
sind Sie ein solcher und stellen sich die Frage, was etwa in Ihrer Beziehung zu
Jesus nicht in Ordnung sei, wenn Sie so wenig erleben.

Jesus sieht das alles ganz anders. Lassen Sie mich anhand unseres Predigttextes zunächst
über den Mißbrauch der Frömmigkeit zu Show-Zwecken sprechen und im zweiten
Teil darüber, wie man seine Frömmigkeit recht ausübt.

1. Wer seine Frömmigkeit zur Schau trägt

Jesus sagt zu diesem Thema generell: „Habt Acht auf eure Frömmigkeit, daß ihr die
nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn
bei eurem Vater im Himmel.“ Das ist das Thema der folgenden Abschnitte in der Bergpredigt.
Was er in unserem Predigttext über das Almosengeben sagt, gilt auch für das
danach angesprochene Beten und Fasten.

Alle diese Tätigkeiten, insbesondere Beten und Geben, sind normale Äußerungen der
Frömmigkeit. Weil Gott eine Person ist, darum will er auch eine personale Gemeinschaft.
Er will, daß wir zu ihm beten und fordert uns oft genug auf, zu ihm zu beten.
Das gleiche gilt für das Geben. Gott gibt uns gute Gaben und darum ist es billig, wenn
wir andere Menschen, die bedürftig sind, mit dem, was Gott uns gibt, unterstützen. Das
kann ganz unterschiedliche Formen haben. Gott sieht das so an, als würden wir es ihm
geben. In Sprüche 14,31 heißt es: „wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott“ und in
Sprüche 19,17: „Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm
vergelten, was er Gutes getan hat.“

Doch wir sind Sünder und darum auch geneigt, das Gute, das wir tun, zu mißbrauchen.
Darin zeigt sich unsere Durchtriebenheit. Das geschieht im Normalfall in der Form, daß
wir uns wegen unserer Werke vor Gott rühmen. Wir denken: Wenn ich jeden Tag meine
Andacht halte, am Arbeitsplatz ein verläßlicher Kollege und zu Hause ein liebevoller
Ehemann bin und ab und zu etwas Gutes tue, dann kann Gott doch mit mir zufrieden
sein. So denken die Werkgerechten, und die Bibel ist voll von der Kritik an diesem
Denken. Doch man kann das Gute, das man tut, auch mißbrauchen, indem man sich vor
den Menschen damit brüstet und es bereitwillig zur Schau trägt.

Wenn dann hinzukommt, daß man in einer bestimmten Umgebung darauf wartet, religiöse
Übungen vor anderen Menschen zu tun, dann ist die zur Schau gestellte Frömmigkeit
die Folge. Im alten Rom galt das auch. Dort waren die Menschen richtig religiös.
Sie glaubten an die Götter und brachten ihnen Opfer. Das taten sie zum Beispiel an
den öffentlichen Altären, die in den Tempeln oder an den Straßen standen. Wenn sie
dann ihren Götzendienst nach Vorschrift verrichtet hatten, galten sie vor den übrigen
Bürgern als gerecht und gottesfürchtig und paßten sich damit den Gepflogenheiten der
Gesellschaft an. Bei den Juden war es nicht anders. Sie verehrten zwar keine heidnischen
Götzen, sondern den lebendigen Gott, aber auch bei ihnen war der in der Gesellschaft
akzeptiert, der die üblichen Formen der Frömmigkeit beachtete. Wer so seinen
Gottesdienst verrichtete, der suchte nicht die Anerkennung bei Gott, sondern seine eigene
Anerkennung bei den Menschen.

Genau das kritisiert Jesus hier. Normalerweise hat man ja ein Interesse, wirklich Gott
mit dem zu dienen, was man tut, eben im Sinne der gerade beschriebenen Werkgerechtigkeit.
Man möchte bei Gott Punkte sammeln, um seine Anerkennung auf sich zu ziehen.
Aber das, was man dazu tut, kann man noch mehr mißbrauchen, indem man damit
die Anerkennung bei den Menschen sucht.

Bleiben wir bei dem Beispiel vom Geben, das Jesus in unserem Predigttext nennt. Er
sagt: „Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es
die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen
werden.“ Das war ganz offensichtlich die Art mancher Juden: Sie hatten Geld,
und brachten es zum Gotteskasten im Tempel. Anstatt es still und unauffällig einzuwerfen,
machten sie eine Show daraus. Der Gewürzhändler – nennen wir ihn Eleasar – war
ein solcher. In der Schlange, die am Gotteskasten vorüberging, stellte er sich ganz vorne
an, und wenn es dann ans Einwerfen ging, zog er mit generöser Geste und so, daß es
alle sahen, ein Geldsäckchen unter seinem Mantel hervor und warf der Reihe nach die
Drachmen in den Kasten. Die umstehenden Leute konnten mitzählen: eins, zwei, drei,
… zehn … zwanzig! Sein Ansehen in der frommen Umgebung und die Bewunderung
für seine Großzügigkeit stiegen mit jeder Drachme. So mancher weniger gut betuchte
Zeitgenosse weiter hinten in der Schlange mochte bei sich voller Neid gedacht haben:
„Ach, wenn ich doch so viel hätte, daß ich nur die Hälfte einwerfen könnte!“ Auf jeden
Fall wurde die Großzügigkeit Eleasars zum Stadtgespräch. Die Tage darauf ging die
Nachricht die Straßen rauf und runter: Der Gewürzhändler Eleasar hat am Sabbat zwanzig
Drachmen in den Opferstock geworfen!

Eine ganz besondere Menschenfreundlichkeit erwies der Edelsteinhändler – nennen wir
ihn Ben Joseph. Daß er viel Geld hatte, war ja ohnehin bekannt. Aber nun wollte er ein
gutes Werk tun und kündigte an: Am nächsten Freitagnachmittag sitze ich vor meinem
Haus und verteile den Zehnten meiner Monatseinkünfte an die Armen der Stadt. Seine
Angestellten streuten die Nachricht, und die Folgen waren absehbar: Eine große Schar
von minderbemittelten Menschen fand sich am Freitagnachmittag vor der noblem Villa
des Edelsteinhändlers ein und hielt die Hände auf. Und tatsächlich ging niemand ohne
ein Almosen davon. „Ja, der Ben Joseph, das ist ein richtiger Gutmensch, und seine
Frömmigkeit mußte doch tadellos sein“ – so priesen ihn die frommen Bettler.

Wir könnten diese Beispiele problemlos in unsere Zeit übersetzen. Wenn aus einer
1000-Euro-Spende eine Pressemeldung gemacht wird, dann ist das im Grunde genommen
genau das Gleiche. Oder wenn ein Gemeindeglied scheinbar ganz beiläufig erwähnt,
daß es die Gemeinde mit einem monatlichen Dauerauftrag unterstützt und vielleicht
noch die Höhe des monatlichen Beitrags nennt, dann fällt diese Mitteilung nur,
damit sie von den Umstehenden registriert wird.

Jesus sagt von solchen Leuten: „Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“ Sie haben ihre
Frömmigkeit bei den Menschen in Szene gesetzt und dafür ihren Applaus bekommen.
Sie konnten sich in ihrem guten Ruf sonnen. Mal nur eine Woche lang Anlaß für lobende
Worte zu sein – das ist doch was! Es bleibt doch immer etwas davon hängen. Doch
solche Menschen sind nicht fromm für Gott, sondern für die Menschen. Darum bekommen
sie auch bei Gott keinen Lohn mehr.

Es gibt überdies auch Leute, die mit Geld Politik machen, auch in christlichen Gemeinden.
In der Regel sind das Großspender, die vier- oder fünfstellige Eurobeträge im Jahr
geben können. Sie sind in Gemeinden und christlichen Werken besonders beliebt. Das
wissen sie und darum senden sie vielleicht schon mit der Großspende das Signal: Das
ist für diesen oder jenen Zweck – ohne daß die Gemeindeleitung oder Werksleitung dies
beschlossen hätte. Ich könnte darüber hinaus noch subtilere Methoden der Einflußnahme
schildern. Indem dann ein Pastor oder eine Gemeinde- oder Werksleitung ihren
Wünschen entspricht, haben sie ihren Lohn bekommen. Von Gott jedenfalls haben sie
keine Anerkennung mehr zu erwarten.

2. Wie sieht die rechte Frömmigkeit aus?

Die Frömmigkeit, von der Jesus spricht, lebt von einer wichtigen Einsicht: Gott ist
überall und sieht alle Dinge. Er sieht mich, so wie ich bin. Er sieht mich auch, wenn andere
mich nicht sehen. Er sieht in das Verborgene und registriert, was dort geschieht. Er
übersieht nichts. Und er vergilt das, was im Verborgenen geschieht. – Wir bemerken,
daß es sich bei dieser Einsicht um ein Stück Erkenntnis Gottes handelt. Das ist als erstes
zu beachten. Gott in seiner Allwissenheit braucht die in der Welt üblichen Medien nicht,
um sich Kenntnis zu verschaffen.

Diese Einsicht trägt sodann den Glauben, in dem ein Mensch seine Gaben gibt. Er vertraut
darauf, daß Gott in das Verborgene sieht und sich darüber freut. Gott hat freilich
unsere Gaben nicht nötig und wir können ihn mit unseren Gaben nicht bestechen oder
verpflichten, uns etwas zu geben. Unsere Gaben sind doch nur ein Echo alles dessen,
was er uns gibt. Aber gewiß hat Gott Freude daran, wenn wir ihm aus der Gesinnung
der Dankbarkeit heraus etwas geben. Die Schrift sagt doch: „Einen fröhlichen Geber hat
Gott lieb“ (2Kor 8,7). Was immer er uns dafür zukommen lassen will, brauchen wir
nicht zu berechnen; wir könnten es gar nicht. Aber daß Gott die guten Werke seiner
Kinder nicht unvergolten läßt, wird aus den Endzeitreden Jesu deutlich. Beim großen
Weltgericht werden sie den Herrn auf sein Urteil hin fragen: „Herr, wann haben wir
dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu
trinken gegeben?

Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen,
oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis
gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen
sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten
Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matth 25,37-40). Aus ihrer Frage wird deutlich,
daß sie kein Interesse hatten, ihre guten Werke eigens zu registrieren, als sie sie
taten. Sie wollten mit ihnen nichts erreichen, weder bei den Menschen noch bei Gott.
Sie haben sich und ihr Tun praktisch vergessen. Aber vor Gottes Gericht werden ihre
Werke nicht unbelohnt bleiben.

Wenn ich also meine Frömmigkeit praktiziere, dann tue ich es dort, wo kein öffentlicher
Applaus zu erwarten ist, also nicht vor den Menschen, sondern vor Gott. Jesus sagt:
„Laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen
bleibe.“ Das heißt, daß wir durchaus aktiv den verborgenen Gottesdienst suchen, daß
wir dort gute Werke tun, wo andere gerade nicht hinsehen. Almosengeben ist darum
nicht eine Sache, bei der man vor aller Augen den Geldbeutel öffnet und einen Schein
herauszieht. Es soll diskreter geschehen.

Man kann sich das Geld, das man in die Kollekte
geben möchte, zu Hause schon separat in die Tasche stecken. Man kann aber auch
die Gemeinde oder das Werk, das man begünstigen möchte, auf bargeldlosem Wege
fördern, etwa durch eine Banküberweisung. Die Bank wahrt das Geheimnis, man selbst
kann darüber den Mund halten und der Schatzmeister der Gemeinde oder des Werkes
sollte ebenfalls die nötige Diskretion walten lassen. So kann auch eine Spende, die mit
den Mitteln unseres modernen Bankensystems gegeben wird, verborgen bleiben.
Das Gleiche gilt für das Beten. Wir beten doch zu Gott und nicht zu den Menschen. Ob
ein Mensch wirklich beten kann, wird nicht daran erkennbar, ob er in der Gemeinde
oder in einer Gebetsgemeinschaft betet, sondern ob er im stillen Kämmerlein betet.
Manchmal beschleicht mich der Eindruck, daß in Gebetsgemeinschaften Gebete gesprochen
werden, damit die anderen sie hören und den Eindruck gewinnen, man sei
doch ein guter Christ.

Man kann bestimmte Gebetsformeln von den Eltern oder anderen
Christen übernehmen und so in Wortwahl und Satzbau wohlgeformte Gebete sprechen,
die schlußendlich nicht für das Ohr Gottes, sondern des Nächsten bestimmt sind. Der
Mitchrist wird schönen Gebeten seine Bewunderung nicht versagen. Doch solche Gebete
täuschen vor, man stehe vor Gott und rede zu ihm, aber in Wirklichkeit steht der
fromme Mensch vor den Menschen. Damit sage ich nicht, daß man auf Gebetsgemeinschaften
oder Gebetsstunden in der Gemeinde verzichten soll, wohl aber, daß man in
der rechten Einstellung an ihnen teilnimmt.

Zum Schluß: Was lernen wir daraus?


„Der Herr sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen
ist, der Herr aber sieht das Herz an“ – so sagte es Gott dem Propheten Samuel
(1Sam 16,7). Gott läßt sich nicht von dem beeindrucken, was Menschen für gelungen
und großartig halten. Gott fragt vielmehr nach unseren Motiven, nach den Gedanken
unseres Herzens, die uns leiten, wenn wir vor ihm leben und handeln. Er will, daß wir
uns über unsere Motive Rechenschaft ablegen. Deshalb ermahnt uns die Schrift: „Gibt
jemand, so gebe er mit lauterem Sinn“ (Röm 12,8).

Wer gute Werke zur Selbstdarstellung mißbraucht, damit die anderen ihn „cool“ finden,
wer sie mißbraucht um Politik zu machen und in einer christlichen Gemeinde oder einem
Werk Einfluß auszuüben, der hat seinen Lohn schon hier auf Erden. Es ist ein armseliger
Lohn. Denn was ist schon die Anerkennung bei den Menschen wert? Menschen
sind Wendehälse. Heute bekunden sie Anerkennung, morgen sind sie Gegner. Es lohnt
sich nicht, um ihre Gunst zu buhlen oder ihnen zu willfahren, wenn man in Gottes Sache
tätig ist. Nur zu schnell wird man von ihnen abhängig. Dann dient man nicht mehr
Gott, sondern Menschen.

Viel besser ist es, die Anerkennung bei Gott zu suchen. Er sieht nicht auf das, was vor
Augen ist, was Eindruck schindet, was sich in den Medien vermarkten läßt. Viele Dinge,
die in idea berichtet werden, mögen wohl Menschen beeindrucken, aber sie sind für
Gott wertlos, wenn das gute Werk, von dem berichtet wurde, nur getan wurde, um wieder
in der frommen Medienwelt zu erscheinen. Gott fragt nach dem Glauben und der
Gesinnung, die dem Glauben gemäß ist. Das führt uns zu der Einsicht: Ich darf meine
Frömmigkeit nicht zur Demo machen. Es geht im Dienst Gottes nicht um Selbstdarstellung,
sondern darum, daß ich mit allem, was ich tue, Gott ehre und nicht mich selbst.
Amen.
Sie
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