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Gedanken zu „Wort und Geist“ in Röhrnbach


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Rolf

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Ekkehard Höfig

Immanuel-Gemeinde

Bernhardstraße 12

90431 Nürnberg

 

 

 

Gedanken zu „Wort und Geist“ in Röhrnbach

 

 

 

 

Anfänglich haben wir uns gefreut, dass sich im Bayerischen Wald geistlich etwas bewegt, dass sich viele Menschen bekehren und dass von vielen Heilungen berichtet wird. Außerdem war es für uns ein gutes Zeichen, dass Peter Wenz und Christoph Häselbarth dort auf einer Konferenz gesprochen haben. Auch die Begegnung mit Helmut Bauer auf der Pastorenkonferenz war sehr positiv. So öffneten wir uns und freuten uns mit, wenn Geschwister unserer Gemeinde dorthin fuhren und begeistert zurückkamen.

 

Allerdings begannen einige damit, nur noch Kassetten vom Bayerischen Wald zu hören. Sie besuchten dann dort Bibelschulen und fingen zunehmend an, seltsam zu reden (z.B. „das Wort lebt mich, denn ich liebe das Wort“... u.a.) und sich auch seltsam zu verhalten. Eine aidskranke Schwester musste sich rechtfertigen und fast entschuldigen, dass sie immer noch nicht von Aids geheilt ist. Ein Bruder verteilte im Untergrund massenhaft die „Der Weg in die Fülle“-Kassette von Pilsl in der Gemeinde und nutzte vermischt mit wachsender Kritik gegen unsere Gemeinde jede Gelegenheit, unter Vermittlung von Pensionen Leute in den Bayerischen Wald einzuladen. Wenn ein Lied mit „Komm, heiliger Geist“ gesungen wurde, gab es Vorbehalte usw. Leute, die eigentlich immer noch die Gemeinde und ihre Leiterschaft lieben, traten aus der Gemeinde aus, „weil sie weiter müssten“. Eine dieser Schwestern zog bereits ganz in den Bayerischen Wald.

 

Dies und anderes haben uns dazu gebracht, uns mit den Lehren und Inhalten der Botschaften näher zu befassen. Ich habe Kassettenserien von zwei „Bibelschulen“ angehört. Ich setze Bibelschule in Anführungsstriche, weil der Lehrinhalt nur im entferntesten etwas damit zu tun hat, was man landläufig unter Bibelschule versteht. Es sind samt und sonders die Lehren der Glaubensbewegung, zu der wir uns ja auch zählen. Allerdings werden dort gerade die bedenklichen Extreme, die wir ja schon in den 80er Jahren hatten, kultiviert.

Das „Christus in uns“ wird so extrem betont, dass anscheinend vergessen wird, dass Jesus Christus außerdem noch eine ganz eigenständige Person ist, die nicht nur in uns wohnt, sondern zur Rechten Gottes des Vaters sitzt. Dies hat erhebliche Auswirkung auf die Anbetung. Fritz Zellner sagt z.B. auf einer Kassette: Jesus spricht zu Johannes auf Patmos: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige! Und behauptet dann: Das seid ihr auch!

Wir mögen durch das „Christus in uns“ etwas von dem Ersten und Letzten in uns haben, aber wir sind es nicht. Das ist Jesus! Hier und durch ähnliche Aussagen wird die Einzigartigkeit und Hoheit Jesu angetastet. „In die Fülle“ zu kommen heißt dort, die volle Christus-Salbung zu bekommen, der aber auch hierin einzigartig ist. Nur in Ihm wohnte die Fülle der Gottheit leibhaftig . Wir haben ein gottgegebenes Maß des Glaubens und der Salbung, und wir können natürlich Gott darum bitten, dass er unser Maß erhöht, doch wir haben nicht das Maß Christi. Sicherlich wird an einer Stelle erwähnt, dass wir „Größeres“ tun werden. Dies geschah und geschieht ja auch durch viel größere Menschenmengen als sie Jesus hatte und durch vielleicht in der Menge mehr Heilungen. Doch wo Jesus alles in einem war, sind wir aufgeteilt in Apostel, Propheten , Evangelisten, Hirten und Lehrer.

Es wird zwar außerordentlich betont, dass wir dadurch, dass Jesus zur Sünde wurde, wir „die Gerechtigkeit“ sind, dass wir es jedoch nur „in Ihm“ wird weniger herausgestellt.

Bedenklich ist auch, dass das AT regelrecht abgewertet wird, denn der Kleinste im Neuen Bund ist größer als der Größte in Alten Bund. Folglich haben David, Mose und andere AT-Figuren keine Vorbildfunktion für sie, denn sie sind ja „größer“! Worin sind wir größer? Doch durch die Erlösung und Gerechtmachung. Dies bedeutet nicht unbedingt das Maß der Dienstsalbung. Bisher ist noch auf keiner der uns bekannten Konferenzen das Feuer vom Himmel gefallen und hat alles verzehrt. Auch andere Machttaten des AT möchten wir gerne noch erleben. Zellner sagt, „die im AT waren doch nur Knechte, im NT sind wir Söhne!“ Warum diese völlige Abwertung des AT, dass man sich fürchten muss, darüber zu predigen?

Sicherlich ist die Sohnschaft unsere Identität. Wir sind aber als Söhne auch Sklaven und Knechte, was reich im NT bezeugt ist. Sohnschaft, die damit verbundene Identität, Autorität und die Segnungen werden gepredigt, die Dienerschaft und das dienende Herz wird vollkommen ausgespart.

Zudem darf nur noch positiv gedacht und positiv bekannt werden. Man braucht hier nicht auf ein Rhemawort warten. Dem „Christusmenschen“ steht alles zur Verfügung. Er kann sich nehmen, was er braucht. Was er sich auch nimmt und bekennt, wird passieren. Du weißt, was solch selektives Herangehen an die Schrift bewirken kann.

Dann bestehen ihren Aussagen gemäß große Gefahren, dass man „sich zum Fluch sprechen kann“. Eine Tatsachenbeschreibung oder Problemanzeige wird dann schon zum negativen Bekenntnis, mit dem man sich zum Fluch spricht. Wie schon früher geraten die Menschen in ein „Bekenntnisgefängnis“ und entwickeln wahnhafte Ängste und skurrile Sprechweisen. Auch hier wird wieder eine biblische Wahrheit (Tod und Leben liegen in der Gewalt der Zunge) extremisiert.  Zudem klingt hier eine vom Boden der Schrift losgelöste Form von Wortmagie an. Jeder von uns weiß durch die Leitung des Geistes, wenn er zu negativ wird und Gefahr läuft, Schaden zu erleiden oder anzurichten. Im übrigen widersprechen sich Pilsl und Co. selbst, denn sie reden sehr viel Negatives über andere und zeigen beständig Probleme auf, wo sie doch über Probleme gar nicht mehr reden wollen, da sie den „Problemlöser“ in sich haben.

 

Teufel und Dämonen sind ja längst besiegt, wir leben nur im Sieg und eigentlich ist alles „so einfach“. Diese Phrase wird bis zum geht nicht mehr proklamiert. Ich stelle mir vor, wie es gewesen wäre, wenn ich in dieser Art an John´s Krankenbett gesessen wäre und gesagt hätte: „John, tu di net ooh. Des is doch alles so einfach! Musst halt no a bisserl mehr glauben!“  John und wir alle haben bis zuletzt geglaubt, aber an einem bestimmten Punkt haben wir alle erkannt, dass Gott in Seiner Souveränität anders entschieden hat. Diese Balance zwischen Glaube und Souveränität wird dort nicht gelehrt! Gott wird dort fast zum Automaten, in den man die Glaubensmünze oben reinsteckt, und unten kommt das gewünschte Ergebnis heraus. Und Christen, die vielleicht noch mehr wie wir die Souveränität Gottes betonen, sind nicht mindere Christen.

 

Nun kommen wir m.E. zum bedenklichsten Punkt: Wie gesagt, Teufel und Dämonen sind längst besiegt. Deshalb ist geistlicher Kampf Unsinn (Eph 6 sagt was anderes). Gefährlich sind nur noch die „religiösen Geister“, die einen vom Segen abhalten. Diese „religiösen Geister“ heißen nach Pilsl „Pastoren, Hauskreisleiter“ etc. In einem erheblichen Teil der Bibelschulbotschaften wird dann über andere Formen des Christseins regelrecht abgelästert. Wenn in einer Gemeinde „Komm in unsere Mitte, o Herr“ oder „ Komm, Heiliger Geist“ gesungen wird, ist dies eine Gemeinde, in der ein religiöser Geist herrscht. Die bösen Geister halten sich nach Pilsl schwerpunktmäßig in Gemeinden und Kirchen auf, weniger in der Welt. Mitgeschwister und v.a. Leiter werden diffamiert und regelrecht dämonisiert: Sie sind „religiöse Geister“, vor denen man sich schützen muß. Wenn du deinen Pastor oder Hauskreisleiter als „religiösen Geist“ identifiziert hast, wird auch gleich eine Handlungsanweisung mitgegeben wie mit ihm umzugehen ist. Immer wieder wird gewarnt vor falscher, religiöser Lehre. Die Gläubigen könnten sich dadurch religiös verseuchen. Auch hier wird massiv mit Angst gearbeitet. Zudem wird ja vermittelt: Wir sind es! Wir haben die Offenbarung und bringen die Neue Reformation! Dieses Konglomerat bewirkt, dass viele nur noch Predigtkassetten vom Bayerischen Wald hören.

Die meist einfachen Leute bekommen eine Art „Checkliste“ mitgegeben, um ihre Heimatgemeinde als vom religiösen Geist befallen zu identifizieren und dann, um sich davor zu schützen, auszutreten.

 

Wir haben bei den betroffenen Leuten folgende Symptome bemerkt: einen bodenlosen geistlichen Stolz, - sie haben schon alles und sind durch Christus in ihnen wie Christus selbst. Die meisten leben ein Leben, das nicht im mindesten den Maßstäben entspricht die sie verkünden, denn Heiligung und Charakterbildung wird klein geschrieben. Außerdem sind es: Reden in  formelhaften Wendungen, Herausgehen aus Diensten, generelle Unverbindlichkeit, starkes Richten anderer Christen und anderes. Die Leute kommen leider nicht als der erhoffte große Segen zurück! Hier werden die Menschen mit holzschnittartigen Botschaften hochgeschossen. Größere Verantwortung wird nicht übernommen, wenn jemand scheitert, denn man ist ja nicht Gemeinde im engeren Sinne, sondern Bewegung. Trotzdem nennen sich einige von ihnen „Pastor“, obwohl gerade das Pastorenamt  die Sorge um die „Schafe“ beinhaltet.

 

In vielem sind wir natürlich gleich oder nahe zusammen. Aber es kommt doch sehr darauf an, in welcher Balance und Nuance das Ganze gelehrt wird. In der biblischen Breite und theologischen Verantwortbarkeit unterscheiden wir uns erheblich! Dort wird ein Schmalspurevangelium mit einem Minimum an Bibelstellen, die ständig wiederholt werden  und wiederkehrenden Floskeln, mit denen die Leute regelrecht indoktriniert werden, präsentiert. Irrlehre ist meist nicht etwas völlig Falsches, sondern eine Wahrheit, die aus dem Gesamtduktus herausgegriffen und völlig überzeichnet wird. Dies sehe ich besonders in der völlig überzeichneten Christusmenschenlehre als gegeben an. Jesus warnte ja: „Es werden viele kommen und sagen: Ich bin der Christus! und werden viele verführen!“ Die Gefahr, dass diese „Christusmenschen“, vor allem die unreifen davon, meinen: Ich bin´s!, ist hier sehr groß. Die Heilungen allein dürfen doch nicht der Maßstab sein, wenn die Lehre nicht stimmt. Zu einem Jesus, der einen zum Sohn mit unbegrenzter Superpower macht und vor allem auch Wohlstand und Reichtum verspricht, bekehrt man sich leicht, wenn der Herrschaftswechsel völlig verschwiegen wird. Das Wort „Buße“ habe ich beim Durchhören von zwei ganzen Bibelschulen nicht ein einziges Mal gehört. Wahrscheinlich gehört das schon zum religiösen Kompost!


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