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Vorfahrt für die Bibel! Was heißt „bibeltreu“?


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3 Antworten in diesem Thema

#1
Rolf

Rolf

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Quelle: Liebenzeller Mission



Vorfahrt für die Bibel! Was heißt „bibeltreu“?



(1) Der Begriff „bibeltreu“ bürgert sich seit ca. zwei Jahrzehnten zunehmend
ein. Er steht für den Anspruch einer Theologie, die bewußt nicht
„bibelkritisch“ ist oder besser: sein möchte. Freilich, welcher Theologe und
Christ möchte nicht der „Bibel treu“ sein, sich also an ihr orientieren? Und
umgekehrt: Wer könnte denn von sich behaupten, daß er nicht durch sein
Denken und Leben „Kritik an der Bibel“ übt, weil er ihre Aussagen nicht
befolgt oder - vielleicht ohne es zu wissen - etwas in sie hineinlegt, was sie
gar nicht sagen will?

Die Ausdrücke „bibeltreu“ und „bibelkritisch“ eignen sich
denkbar schlecht, um Positionen zu bestimmen oder gegeneinander
abzugrenzen. Vielfach klingt der Begriff „bibeltreu“ sogar selbstgerecht und
abgrenzend; er ist darum wenig hilfreich, wenn es um das Sachanliegen
geht, für das er steht und das für jede evangelische Theologie unverzichtbar,
ja fundamental ist.

(2) „Bibeltreue Theologie“ rückt das sola scriptura wieder in den Mittelpunkt.
„Allein die (Heilige) Schrift!“- das war der Weckruf, mit dem Martin Luther die
christliche Theologie zu der allein verlässlichen und darum allein
maßgebenden Quelle zurückgerufen hat. Wo sonst sollen und können wir
uns über den lebendigen, dreieinigen Gott, seinen Willen und sein Wesen,
seine Geschöpfe und seine Welt kundig machen als in den Schriften, die sein
Reden und Handeln bezeugen und dokumentieren?

Die biblischen Schriften sind Wort Gottes, weil und insofern sie an dieser Selbstoffenbarung des
einen Gottes teilhaben. So sehr damit klar ist: ihre Autorität hat die Bibel
nicht in sich; sie ist „nur“ abgeleitet, so klar ist doch umgekehrt: ohne die
Bibel wüßten wir nichts von dem Gott, der sich in der Geschichte Israels und
vor allem in Jesus aus Nazareth geschichtlich offenbart und persönlich
bekannt gemacht hat. Im Anschluß an diese reformatorische Grundeinsicht
behauptet „bibeltreue Theologie“, daß christlicher Glaube davon lebt und sich
dadurch auszeichnet, daß er dieser Erkenntnisquelle über Gott, Mensch und
Welt absoluten Vorrang vor allen anderen Erkenntnisquellen einräumt, seien
es Weltanschauungen, Philosophien, Offenbarungsansprüche anderer
Religionen oder selbst die scheinbar so unerschütterlichen, in Wahrheit oft
überholten und ihrem Wesen nach überholbaren wissenschaftlichen
Erkenntnisse.

Dabei ist natürlich darauf zu achten, auf welche Erkenntnisansprüche wir in
der Bibel treffen und daß wir ihr nicht Aussageabsichten unterstellen, die sie
nicht hat. So will sie ja ihrem Charakter nach gewiß kein
naturwissenschaftliches Lehrbuch sein, auch wenn man umgekehrt
auch Ostern, Bedeutung haben für das Gespräch mit der Naturwissenschaft
und potentiell in Konflikt mit deren Aussagen geraten können.

(3) „Bibeltreue Theologie“ ist darum keine Position, sondern im besten Sinne
eine alle evangelische Theologie verpflichtende, eigentlich
selbstverständliche Haltung. „Bibeltreue Theologie“ ist ein Programm, das
lautet: absoluter Vorrang, prinzipielle Vorfahrt für die Bibel und den in ihr
dokumentierten, sich in ihr offenbarenden, durch sie bis heute sprechenden
dreieinigen Gott! Dieses Programm wirkt sich aus in einem bestimmten
Umgang mit der Heiligen Schrift:

(4) „Bibeltreue Theologie“ verzichtet auf Kritik, Bevormundung,
Besserwisserei und jede Zensur biblischer Aussagen. Wenn hier wirklich
Gott zu Wort kommt, wenn wir hier wirklich mit dem Reden und Handeln
Gottes konfrontiert werden, dann müssen wir ja gerade damit rechnen, hier
auf etwas zu treffen, was alle unsere Denkschablonen und Überzeugungen
in Frage stellt. Dann dürfen wir darum uns und unser Denken gerade nicht
zum Maßstab für die Wahrheit der Bibel machen. Wer die Bibel am Kriterium
dessen mißt, was er für richtig hält, bringt sich darum um das Entscheidende;
um das, was seinen Horizont sprengt, sein Denken und Erkennen erweitern
und sein Handeln verändern kann.

Der Seufzer Karl Barths „kritischer müßten mir die Historisch-Kritischen sein!“
ist noch heute aktuell. Wer behauptet: Wunder, vor allem die Auferstehung
Jesu kann es nicht geben; eine geschichtliche Selbstoffenbarung Gottes ist
nicht möglich oder gar denkbar; Gott ist prinzipiell unerkennbar - der zensiert
die Bibel nicht nur in entscheidender Hinsicht; er sitzt ja selbst unkritisch
bestimmten Denkvoraussetzungen auf, die ganz und gar nicht
selbstverständlich, vielmehr aus der Sicht eines wirklich kritischen Denkens
höchst problematisch sind.

Wer bestimmte Aussagen der Heiligen Schrift für ungültig hält, weil diese
„zeitbedingt“ seien - auch das ist eine Form von Bibelkritik -, der muß sich
nicht nur fragen lassen, ob er damit nicht recht unbescheiden einen
absoluten Maßstab, eine Art Gottesstandpunkt für sich beansprucht, der es
ihm erlaubt, sogar in der Bibel zwischen gültig und nicht gültig zu
unterscheiden; der muß sich auch fragen lassen, wo eine solche Auswahl
anfängt und wo sie aufhört. Kann man so nicht - je nach Geschmack - alles
ausscheiden, was einem nicht paßt - bis hin zum Kreuz Jesu?

„Bibeltreue Theologie“ unterscheidet zwischen zeitbedingt und zeitbezogen.
Sie liest die biblischen Schriften als das, was sie sind: als historische
Dokumente, die man an ihre Zeit zurückgeben und in ihre geschichtliche
Situation hineinhalten muß, wenn man sie verstehen will. Aber sie geht von
der zentralen theologischen Voraussetzung aus, daß der Gott der Bibel sich
geschichtlich geoffenbart und in der Geschichte geredet hat. Gerade wenn
man eine biblische Aussage historisch einordnet und versteht, wird man
darum auf eine Willenskundgabe Gottes treffen, die doch nicht nur für jene
vergangene Zeit gültig ist.

Ein Beispiel: Die Anweisung des Paulus, daß Christinnen nicht kurze Haare
tragen sollen, ist nicht etwa als eine zeitbedingte, überholte Weisung zu
verwerfen. Geschorene Haare waren damals das äußere Kennzeichen von
Prostituierten. Weiß man das, dann ist das als auch heute gültiger Wille
Gottes zu begreifen, daß christliche Frauen als Angehörige der neuen
Schöpfung nicht mit Prostituierten verwechselbar sein sollen. Umgekehrt
macht eine solche, die Texte zeitbezogen lesende Auslegung klar, daß es
heute christlichen Frauen nicht auferlegt werden kann und muß, lange Haare
zu tragen.

(5) „Bibeltreue Theologie“ begegnet - entgegen der exegetischen Praxis an
deutschen theologischen Fakultäten aber in Übereinstimmung mit
allgemeiner wissenschaftlicher Methodik den historischen Aussagen des
Alten und Neuen Testamentes mit einem Grundvertrauen in ihre
Zuverlässigkeit. Sie gibt ihnen einen Vertrauensvorschuß.

Sie verhält sich nicht unkritisch, sondern fordert im Gegenteil eine kritischere, d.h. noch
präziser wahrnehmende, auch selbstkritische Einstellung im Umgang mit der
Heiligen Schrift. Mit dem nahezu als Konsens vertretenen Urteil, über die
Geschichte Israels bis zum babylonischen Exil könne man eigentlich nichts
Verläßliches wissen, Mose sei mehr oder weniger eine mythologische Figur,
Jesus habe sich nicht als Messias verstanden, das Urchristentum habe ihn
erst zum Gott gemacht, von seiner Auferstehung in Raum und Zeit könne
man nicht sprechen und auch die Apostelgeschichte stimme nicht, - befindet
sich die deutsche Theologie weltweit gesehen in zunehmender Isolation.

Was noch wichtiger ist, die Arbeitsweise der Ausleger, die zu so desaströsen
Ergebnissen geführt hat, wird von Profanhistorikern als absurd und
unwissenschaftlich verworfen.

„Bibeltreue Theologie“ setzt sich für eine Überprüfung dieses Gesamtbildes
biblischer Geschichte und Theologie ein, weil sie glaubt, daß wir hier vor der
Wahrheitsfrage stehen und auf sie eine ehrliche Antwort finden müssen.
Wenn Jesus tatsächlich nicht in Raum und Zeit auferstanden ist, sollten wir
Paulus folgen, konsequent sein und dem christlichen Glauben den Abschied
geben.

(6) „Bibeltreue Theologie“ ruft also nicht zum Verzicht auf kritische
Wahrnehmung auf, sondern fordert ganz im Gegenteil, die Texte und ihren
Anspruch wieder ernstzunehmen. Wo es zu Befunden kommt, die nicht
zusammenzupassen scheinen, verzichtet „bibeltreue Theologie“ auf das
vorschnelle Urteil, es lägen theologische Widersprüche, historische Fehler
oder gar unterschiedliche Theologien und Gottesbilder vor.

Sie ruft vielmehr dazu auf, den Quellen auch historisch Priorität
einzuräumen. Viele angebliche, z.T. sehr schwerwiegende Widersprüche und
Fehler haben sich bei nährerem Hinsehen in Wohlgefallen aufgelöst. Ein
Beispiel: Die alte Behauptung, daß Matthäus, Markus und Lukas einerseits
und Johannes andererseits eine völlig unterschiedliche Datierung des
Todestages Jesu vornehmen, läßt sich nicht mehr halten, seit wir - mit Rainer
Riesner - davon ausgehen müssen, daß sich das Johannesevangelium
naheliegenderweise am essenischen Kalender orientiert.

„Bibeltreue Theologie“ hält offene Fragen aus und vermeidet, diese
vorschnell zu entscheiden. Sie rechnet mit der Begrenztheit und
Fehlerhaftigkeit allen menschlichen Erkennens, auch aller wissenschaftlichen
Erkenntnisprozesse. Sie rechnet ferner damit, daß hinter den in der Tat sehr
unterschiedlichen Gotteszeugnissen der Bibel ein gemeinsamer, allen
vorgegebener Bezugspunkt: Gott selber, steht. Sie sucht die verschiedenen,
z.T. gegensätzlichen Aussagelinien nicht in eine Vielzahl unterschiedlichster
„Theologien“ ohne gemeinsamen Bezugspunkt auseinanderfallen zu lassen,
sondern unterstellt zunächst einmal, daß derselbe Gott - wenn auch auf sehr
verschiedene Weise - erfahren worden ist.

So ist es - beispielsweise - sehr die Frage, ob sich Paulus und Jakobus
hinsichtlich der Einschätzung von Glauben und Werken wirklich fundamental
unterscheiden, oder ob nicht Jakobus auf ein Mißverständnis paulinischer
Theologie reagiert, mit dem Paulus selbst auch schon zu kämpfen hatte.

So ist es weiter sehr die Frage, ob man den Gott des Alten Testamentes
(inklusive sogenannter heiliger Kriege und Rachepsalmen) wirklich gegen
den neutestamentlichen Gott der Liebe ausspielen kann und ob nicht im
Gesamtzusammenhang biblischer Zeugnisse Gottes Liebe und Gottes
Heiligkeit als eine letzte Einheit begriffen werden müssen. Wer hier meint,
wählen zu müssen und dann sachkritisch einen Strang biblischer
Überlieferung verwirft, der wird erklären müssen, inwiefern sein Urteil nicht
willkürlich ist, welchen Kriterien es sich verdankt und ob nicht vorschnell
Gegensätze behauptet und konstruiert werden, wo es gilt, eine letzte Einheit
in den Blick zu nehmen.

(7) In Summa: „Bibeltreue Theologie“ ist kein Sonderpfündlein von Pietisten
und Evangelikalen, sondern ein Programm zur Erneuerung der ganzen
Theologie und Kirche. Sie ist keine Position, die irgendwelche Gruppen
gepachtet hätten, sondern ein Auftrag, der allen gilt, die mit Ernst Christen
sein wollen. Sie ist eine Haltung, an die wir uns gegenseitig erinnern und
binden wollen.
  • 0

#2
Olly

Olly

    Newbie

  • Mitglied
  • PIP
  • 8 Beiträge
In Sachen Bibeltreue:

Es ist nicht einer allgemein gültigen Methode zu folgen,
die das eine befolgt, während sie das andere ausschließt.
Hermeneutik ist vielmehr ein Suchen nach Gott in der Bibel.
Diese Suche verbindet insbesondere ein „was“ mit dem „wie“.
Diese Verbindung dürfen wir nämlich in Lukas 10,26 lesen
als Jesus zu einem Schriftgelehrten sprach:

„…Was steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du?“

Unser Schriftverständnis kann jedoch nicht von uns selbst
arrangiert werden (lese hierzu: Matthäus 16,17).

Wer also etwas zur Schriftauslegung beitragen will, muss sich
selber erforschen, mit welchem Recht er dies tut.
Mit einer grammatische Exegese des Bibeltextes kann man
zumindest herausbekommen zu versuchen, was man meint
zu lesen. Jedoch wartet der Bibelausleger in Demut, bis der
Text wie in einer Parusie ankommt. Die Gegenwart des
Wort Gottes in Deinem Herzen bezeichnet die Anwesenheit
Gottes in Deinem Herzen – der Christus in Dir !
Das ist die Bibeltreue.

Gottes Segen
Olly
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#3
Guest_Peter Wiem_*

Guest_Peter Wiem_*
  • Guests
"...der (Heilige Geist) wird euch in alle Wahrheit leiten" Jesus Christus

Prinzipiell ist die Rückkehr zur unbedingten Glaubwürdigkeit der Schrift zu begrüssen.
Der Fehler dieser Bewegung liegt darin, dass sie den Heiligen Geist aussen vor lässt.

Im neuen Bund hat der Geist Gottes die Aufgabe übernommen, Jesus zu verherrlichen und die Gläubigen in alle Wahrheit zu leiten.
Im alten Bund war dies die Aufgabe des Wortes Gottes.

Hier wird also versucht, mit alttestamentlichen Methoden ein neutestamentliches Glaubensleben führen zu wollen.
Das kann nicht funktionieren!

"Wer aus der Wahrheit ist, der hört (im NT) meine Stimme." Jesus Christus.

Die bibeltreue Bewegung vermischt also unzulässig AT- und NT-Glaubensgut.
Überdies entmündigt sie den Heiligen Geist, weil die Anhänger dieser Überzeugung nicht wahrhaben wollen, dass die göttliche Dreieinigkeit eben nicht aus Vater, Sohn und Gottes Wort besteht.
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#4
1.Kor.1,30

1.Kor.1,30

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  • PIPPIPPIP
  • 849 Beiträge
Es gibt diese Kriterien: Die Liebe zu Jesus, die Beziehung zum Heiligen Geist, die Treue zum Worte Gottes. Hier ist alles ausbalanciert. Da gibt es wohl eine Spannungsfeld, aber das ist, wie es Jesus Christus uns vorgelebt hat. Den Pharisäern trat er scharf entgegen, weil sie menschliche Traditionen und Überlieferungen neben dem Wort Gottes gelten ließen und so für andere Menschen das Himmelreich verschlossen (Vergleich heute: Katholische Charismatiker), den Schriftgelehrten, die den Buchstaben vergötzten ebenso (Vergleich manche Brüdergemeindler, Evangelikale).

Jesus allein, der einen eigenständigen Weg außerhalb der etablierten, traditionellen Strömungen seiner Zeit ging, ist das Vorbild.
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