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Der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz nennt Papst Franziskus einen „großen Europäer“.


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Rolf

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Der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz nennt Papst Franziskus einen „großen Europäer“.

 

 

 

Mit Blick auf die Verleihung des Internationalen Karlspreises an den Papst am Freitag sagte der deutsche Europapolitiker im Gespräch mit Radio Vatikan, Franziskus verkörpere die „Solidarität der Tat“, die schon die Gründungsväter der Europäischen Union angemahnt hätten. Das Gespräch mit Martin Schulz führte Gudrun Sailer.

 

RV: Der Karlspreis für Verdienste um die Sache Europas geht an Papst Franziskus, einen Argentinier, der offen sagt, er halte Europa für blutleer und unkreativ. Ist das der Grund, warum der Papst den Preis verdient? Weil er mit seiner Kritik an Europa nicht zurückhält?

 

„Dann würden, wenn das so wäre, viele andere den Preis ja auch verdienen. Die Zahl der Kritiker Europas ist ja groß. Der Papst unterscheidet sich aber von den meisten dadurch, dass er nicht nur kritisiert, sondern uns erinnert, dass wir es besser machen würden, wenn wir uns auf unsere traditionellen Kooperationsformen und Werte besinnen würden. Deshalb ist es der Papst, der als Kind italienischer Einwanderer in Argentinien und langjähriger Erzbischof von Buenos Aires eine andere Welt kennengelernt hat als die privilegierte, in der wir Europäer leben, der uns die Augen dafür öffnet, wie dankbar wir sein müssen für diese großartige Welt, in der wir in Europa leben dürfen: das macht ihn zu einem großen Europäer.“

 

RV: Es heißt, 2016 werde ein Schicksalsjahr für Europa. Die Briten entscheiden, ob sie aus der EU austreten, die Krise in Griechenland ist noch lange nicht vorbei, und die Flüchtlingsfrage bringt die EU scheinbar an den Rand des Abgrunds. Was erhoffen Sie sich in dieser Lage von Papst Franziskus?

 

„Ich glaube, dass der Satz von Jean Monnet, einem Gründervater der Europäischen Union, dass Europa aufgebaut werden sollte auf dem Grundsatz der Solidarität der Tat, exakt das ist, was der Papst auf Lesbos gemacht hat. Wenn es Staatsführer gibt in Europa, die sagen, wir führen ein katholisches Land und deshalb können wir keine Muslime aufnehmen bei uns, und der Papst fährt nach Lesbos und nimmt drei Familien muslimischen Glaubens mit in den Vatikan, um ihnen dort Zuflucht zu gewähren – dann ist das eine Lektion außergewöhnlicher Art für diejenigen, die so denken wie dieser von mir zitierte Regierungschef. Und das ist die Solidarität der Tat. Genau das ist die Botschaft der Gründerväter der Europäischen Union gewesen.“

 

RV: Meinen Sie, dass diese Lektion der Solidarität in Form der Papstreise nach Lesbos wirklich in den Ländern ankommt, für die sie gedacht war?

 

„Da bin ich ganz sicher. Die hohe moralische Autorität, die das Oberhaupt der katholischen Kirche gerade in katholischen Ländern genießt, bringt dort sicher eine Menge Menschen zum Nachdenken.“

 

RV: Als 2004 Papst Johannes Paul II. den Außerordentlichen Karlspreis entgegennahm, da kam zu dieser Feier ein Staatssekretär. Diesmal ist es anders, da schart sich die ganze europäische Spitze plus Bundeskanzlerin Merkel um den Papst, und das nicht nur deshalb, weil Sie alle schon den Karlspreis verliehen bekommen haben. Warum kommen all diese EU-Granden in den Vatikan?

 

„Die Europäische Union sieht sich einer ganz dramatischen Herausforderung gegenüber. Zu dem Zeitpunkt, als Johannes Paul II. den Außerordentlichen Karlspreis bekam, war die Lage eine andere und die jetzige Situation ist nicht vergleichbar mit der damaligen. Im Übrigen hat das Karlspreisdirektorium die Präsidenten der EU-Institutionen gebeten, also Junker, Tusk und mich selbst, die wir ja auch selbst Karlspreisträger sind, zu dritt, als gemeinsame, kollektive Repräsentanten der Europäischen Union dem Papst unsere Reverenz zu erweisen. Dieser Einladung sind wir mit großer Freude und Selbstverständlichkeit nachgekommen. Und ich finde, wenn eine deutsche Bundeskanzlerin sagt, das ist mir eine Reise nach Rom wert, um meinen Respekt vor dem Papst auszudrücken, habe ich das nicht nur nicht zu kommentieren, sondern im Gegenteil mit großer Freude zur Kenntnis zu nehmen.“

(rv 04.05.2016 gs)


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