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Eine Aussteigerin berichtete über ihre Erfahrungen


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Rolf

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* "FRÄNKISCHE NACHRICHTEN" vom 2. Dezember 1996




Eine Aussteigerin berichtete über ihre Erfahrungen mit dem Universellen Leben




"Schlüssel zum Tor des Vegetierens"




Irene Saft erlebte totalen Realitätsverlust / Mit Heilfasten begann dreijähriger Leidensweg

Höhefeld. "Das könnte mir nie passieren". Das dachten sicherlich viele Zuhörer beim Vortrag von Irene Saft aus Heilbronn, die über ihre Erfahrungen mit dem "Universellen Leben" (UL) berichtete. Doch man konnte im Höhefelder Gemeindesaal den Eindruck gewinnen, daß es sich bei Saft um einen Person handelt, die das vor ihren Erlebnissen auch einmal von sich behauptet hat.

Sehr ausführlich berichtete Irene Saft, wie sie erstmals mit der Sekte in Berührung gekommen sei. Im Oktober 1991 habe sie sich in der "HG Naturklinik Michelrieth" zum Heilfasten aufgehalten. "Ich kam total blauäugig dorthin", sagte die Referentin. Überrascht habe sie die Freundlichkeit und das angenehme Ambiente in der Klinik. Barrieren zwischen Arzt und Patienten habe es nicht gegeben, da sich alle "dutzten".

Heute ist Saft der Überzeugung, all diese Verhaltensweisen und auch die Einrichtung dienten nur zum Zweck, daß sich die Patienten "fallen lassen" und dadurch beeinflußbar werden. In der Klinik habe man sich nie ohne Begleitung bewegt. "Ich glaube heute, daß ich ständig unter Beobachtung stand", sagte die "Aussteigerin".

Zu dieser "Beobachtung" zählte die Referentin auch eine Frau, mit der sie sich während des Aufenthaltes anfreundete. "Ich gehe davon aus, daß sie auf mich angesetzt wurde". Auf dem Programm standen neben sogenannten "Heilmeditationen" auch tägliche Gruppengespräche. Dabei sei versucht worden, den "Patienten" näherzubringen, Krankheiten resultierten auschließlich daraus, daß man sich nicht an die zehn Gebote und die Bergpredigt halte. Wobei diese nichts mit den biblischen Ausführungen zu diesem Thema gemein hatten. Werde in der ersten Woche "der Körper aufbereitet", wie Saft es ausdrückte, so werde in der der zweiten versucht, die Menschen unmerklich und sehr sachte zu programmieren. Dazu zählte sie auch, daß ausschließlich Filme über Reinkarnation gezeigt würde. Sie habe sich ständig wie in Trance gefühlt, ohne dies in einen direkten Zusammenhang mit den verabreichten Tropfen zu bringen. Noch heute wisse sie nicht, so Saft, wofür oder wogegen sie diese eingenommen habe.

Nach ihrem Aufenthalt sei es wie ein innerer Zwang gewesen, sich immer wieder in den "Dunstkreis" der Sekte zu begeben. Sie habe den Eindruck gehabt, sogenannte "Erleuchtungen" und andere paranormale Phänomene zu erleben. Irene Saft bezeichnnete das als "totalen Realitätsverlust" und "Hyperaktivität des Bewußtseins". "Die Seele wird gereinigt", sagte das UL zu diesem Zustand. Wie eine Süchtige habe sie alle Schriften der Sekte gelesen und sich in eine immer größere Abhängigkeit begeben. "In diesem Zustand haben Sie keine Chance auszusteigen", so die Referentin. Gerade für Angehörige sei es unglaublich schwer, in dieser Phase "an einen" heranzukommen. Nachdem man diesen Grad der Abhängigkeit erreicht habe, werde "die Schraube" angezogen. Die Freundlichkeit verwandle sich immer mehr in Druck: "Du mußt Dich endlich entscheiden, zu wem Du gehörst".

Dankbar zeigte sich die "Aussteigerin" gegenüber ihrem Mann, der ihr letztlich gemeinsam mit einem sogenannten "Ausstiegsberater" geholfen habe, sich von der Sekte zu lösen. Enttäuscht sagte Saft: "Man hat mich belogen und getäuscht". Sie bezeichnete im Gegensatz zu dem vom UL gebräuchlichen Slogan: "Schlüssel zum Tor des Lebens", die Organisation als "Schlüssel zum Tor des Vegetierens". Der zweiwöchige Klinikaufenthalt habe ihr einen dreijährigen Leidensweg beschert.

Da einige Zuhörer sich nicht vorstellen konnten, daß man das Bewußtsein eines Menschen so tiefgreifend beeinflussen könne, zitierte Clara Bregenzer, sektenpolitische Sprecherin der SPD-Lantagsfraktion, aus einem psychologischen Gutachten, das über dieses "Phänomen" angefertigt wurde. Dort heißt es: Angestrebt werde eine innere Leere, in die der "Geist Gottes" Einzug halten könne. Diese Beeinflussung werde mit Hilfe von Meditation erreicht. In der meditativen Phase dringen Aussagen unmerklich sehr tief ins Bewußtsein ein.

Zuhörer wollten wissen, wie bekannt das UL in Deutschland sei. Obwohl es 21 sogenannte "Innere Geist = Christus Kirchen" gebe, habe man sich nicht mit dem UL beschäftigt, meinte Bregenzer. Ihr Vorwurf auch an die eigene Fraktion: Wir haben in der Vergangenheit uns zu sehr fast ausschließlich mit Scientology beschäftigt." Sie habe sich vorgenommen, allen Ortsvereinen in Baden-Württemberg Informationsveranstaltungen über das Wirken des UL anzubieten. "Wir können niemandem verbieten, dorthin zu gehen", so Bregenzer. Aber den Leuten müsse klar gemacht werden, worauf sie sich einlassen.

riff
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