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Universelles Leben: Das Phantom einer "Prophetin"


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Rolf

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Universelles Leben: Das Phantom einer "Prophetin"







Erkenntnisse einer Suche nach Gabriele Wittek, der 80-jährigen Gründerin des Universellen Lebens

Geheimnisvolles Dunkel: Um das Leben der mittlerweile 80-jährigen UL-Prophetin Gabriele Wittek ranken sich langsam Legenden. Lebt sie überhaupt noch auf Gut Greußenheim bei Würzburg? Unser Foto zeigt das gut gesicherte Tor, das die Zufahrt zum Hofgut versperrt.

Lebt sie überhaupt noch, die Prophetin des Universellen Lebens (UL)? Das fragen sich viele Menschen aus der Region, in der Gabriele Wittek und ihre Gemeinschaft tiefe Spuren hinterlassen haben. Dabei hat die „Sektenchefin“ zahlreiche Existenzen zerstört, glaubt man Aussteigern aus dem UL. Andererseits konnte sie Tausende begeistern, mit ihr von Würzburg aus eine Glaubensgemeinschaft, ein „Friedensreich“ und eine Kette straff geführter Firmen aufzubauen, darunter eine Klinik, soziale Dienste, Betriebe für Öko-Landbau, Bildungseinrichtungen, Versandunternehmen und das von außen orientalisch anmutende „Einkaufsland“ an der Autobahn A 3 in Altfeld (Lkr. Main-Spessart).

Seit 7. Oktober ist die Frau, die als „Schwester Gabriele“ und „Sprachrohr Gottes“ für Furore sorgte, 80 Jahre alt. Jahrzehntelang schon meidet sie die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Zuletzt war die „Prophetin“ völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Wir, Reporter dieser Zeitung, suchten nach einer Frau, die sich zu verstecken versteht.

Durch das „Einkaufsland“ im Marktheidenfelder Stadtteil Altfeld, das von Anhängern der Gemeinschaft Universelles Leben (UL) geführt wird, weht der Geist Gabriele Witteks nach wie vor. Ein feines, süßlich-würziges Aroma und leise Entspannungsmusik durchziehen das „Glitzerstübchen“ voller vornehmer Landhausmöbel und Accessoires. Dieselbe Atmosphäre umschmeichelt uns im Restaurant, in dem unter anderem vegetarische Pizza serviert wird. Sie begleitet auch beim Bummel hin zu veganen Schuhen und sündhaft teuren Cashmerepullis, vorbei an einer putzigen Schreinerwerkstatt und dem Friseurladen, in dem sich eine Frau den Kopf einseifen lässt. Nur in der Lebensmittelabteilung duftet es natürlich nach Brot, Obst und Gemüse.

Hier verzahnt sich ein Puzzle aus bio und betulich, einfach und edel, Glamour und Gemüt zum Gabriele-Stil, wie Kenner sagen. Gelegentlich schaue Gabriele Wittek noch nach dem Rechten und gebe Anregungen und Tipps, nicken die Damen vom Personal, wenn wir sie fragen. „Oh ja, hier ändert sich ständig etwas“, betont eine junge Frau lächelnd.

Es ist eine verschlossene Freundlichkeit, mit der man uns im „Einkaufsland“ begegnet. Fragen nach der Qualität der Waren werden regelrecht fröhlich beantwortet, bei Nachfragen zu Wittek werden die Mienen abweisend, die Münder schmallippig. „Sie ist die Prophetin, die das Wort in unsere Zeit gebracht hat“, stanzt die Dame der Schuhabteilung Worte zu einem Satz. Die Bedienung im Restaurant hat Wittek schon lange nicht mehr gesehen. Patzig erklingt ein: „Fragen Sie in der Sophia-Bibliothek.“

Die liegt nebenan und nennt sich „Zentrum des freien Geistes“, gegründet vom „Gabriele-Verlag“. Wir werden schon erwartet. Eine zierliche Dunkelblonde hält sich zurück, Alfred Schulte, Vorsitzender des Vereins Universelles Leben, kann kaum an sich halten vor Erregung. Fragen können wir nicht stellen, so schnell platzt Schulte mit dem Hausverbot heraus. „Das gilt heute und in Zukunft“, sagt er und atmet schwer. Als wir das Gelände verlassen, steht Schulte am Tor wie ein Zerberus, der das Geheimnis seiner Chefin bewacht.

Wir fahren ins wenige Kilometer entfernte Michelrieth, wo Wittek polizeilich gemeldet ist. Ein Nachbar erinnert sich, wie sie früher „zusammen mit den Herren“ von ihrem Domizil zur wenige Hundert Meter entfernten „Christusklinik“ heraufkam. „Aber jetzt habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen“, sagt der Mann, der gehört hat, Wittek leide an einer schweren Krankheit. Ja, man rede eben so im Dorf, bleibt der Nachbar auf Nachfrage unbestimmt.

Das Haus, in dem Wittek gemeldet ist, wirkt verwaist: Wir finden keine Klingel, die erreichbar wäre, kein Namensschild. Geschweige denn ein Lebenszeichen der Frau, die jahrelang immer wieder das Tagesgespräch in Gemeinden westlich Würzburgs beherrschte und den Sektenbeauftragten der Amtskirchen einiges Kopfzerbrechen bereitete.

Inzwischen ist es ruhiger geworden um die universelle Gemeinschaft. Das ist auch die Wahrnehmung von Robert Mohr aus Michelrieth. Der Expansionsdrang der ersten Jahrzehnte scheint erloschen. Mohr hat schon lange nichts mehr von Grundstückskäufen der UL-Anhänger gehört, und Wittek habe schon lange niemand aus dem Dorf gesehen, sagt Mohr.

Auch Christian Sailer nicht? Der von UL-Aussteigern und UL-Kritikern gefürchtet Jurist hat fast die gleiche Adresse wie Wittek, war jahrelang Sprecher des UL und Advokat von „Christusfreunden“ beziehungsweise „Urchristen“, wie sich die Anhänger Witteks nennen. Seit Juni 2012 hat Sailer „nichts mehr zu tun“ mit dem UL, schreibt der Anwalt auf seiner Homepage, an Wittek als Prophetin glaubt er hingegen nach wie vor. Obwohl wir ihn quasi überfallen zu Hause, bittet er gelassen ins Wohnzimmer. Beim Gespräch ist Sailer so zuvorkommend wie zugeknöpft, jedenfalls was Informationen über Wittek angeht.

Wenn sie noch lebt, dann auf „Gut Terra Nova“ bei Greußenheim (Lkr. Würzburg), inmitten des mehrere Hundert Hektar großen „Friedensreichs“, das UL-Anhänger zusammengekauft haben. Das jedenfalls wollen Bürger umliegender Gemeinden wissen, ebenso, dass „die Prophetin“ nicht mehr so viel herumchauffiert werde wie früher, und auch nicht mehr im VW-Phaeton, sondern in einem „gut aussehenden Geländewagen“ mit stark verdunkelten Scheiben.

„Christusfreund“ Jürgen Gauchel gehört seit Jahren zu denen, die das weitläufige Gelände durchstreifen, um unerwünschten Besuch von den sorgfältig abgeschotteten Bewohnern des Hofgutes fernzuhalten. Bewacht Gauchel auch die betagte „hohe Frau“ des UL, wollen wir wissen, als er gestoppt und eine Scheibe des japanischen Geländewagens heruntergelassen hat. „Dazu kann ich nichts sagen“, antwortet er stereotyp auf jede Frage nach der Jubilarin. Dabei lächelt er professionell nichtssagend – so ähnlich kann man sich einen Offizier der DDR-Grenztruppen vorstellen, der nach dem Sinn der Sperranlagen befragt wird.

Die Frau, deren Fähigkeiten ihre Anhänger in zahlreichen Publikationen als phänomenal schildern und die UL-Aussteiger als unnahbar kennengelernt haben, bleibt also ein Phantom. Die Reaktionen ihrer Gefolgschaft sind uns Reportern allerdings ein Hinweis, dass Wittek auch mit 80 noch mächtigen Einfluss ausübt beim UL. Eine Macht, die so gar nicht zum einlullenden Singsang ihrer Stimme passt, mit der sie unter der Hotline Tel. (0931) 3 90 32 00 dem „lieben Bruder“ und der „lieben Schwester“ am Morgen, zum Mittagsmahl und am Abend Ratschläge erteilt. Altbekanntes vom Band – aber in immer neuen Versionen.



Von unseren Redaktionsmitgliedern Angelika Becker und Tilman Toepfer
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