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Lothar Gassmann: „Was ist Kirche?“


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Rolf

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Lothar Gassmann: „Was ist Kirche?“





(VfrE 2005)


Was ist Kirche? Diese Frage beschäftigt die Christenheit seit ihrem Anfang. Im vorliegenden Buch, das bisher völlig zu Unrecht relativ wenig Beachtung erfuhr, befasst sich der bekannte Apologet und Buchautor Dr. Lothar Gassmann mit dieser Thematik.

Welches Fundament hat die Kirche? Ist die Papstkirche, die Staatskirche oder die Freikirche biblisch am angemessensten? Wie verhält es sich mit der Gespaltenheit der Konfessionen und der Einheit der Gemeinde? Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Kirche und Gemeinde Jesu? Kann man noch in der Kirche bleiben? Brauchen wir eine neue Reformation? Solche Fragen werden heute immer wieder diskutiert und verlangen nach einer Antwort. Es sind keine unwichtigen Nebenfragen, sondern Fragen, die jeden Christen betreffen.

Im ersten Abschnitt nimmt der Autor eine Bestandsaufnahme vor, indem er die aktuelle Kirchendiskussion im Protestantismus beleuchtet. So geht er auf die Debatten im Gnadauer Gemeinschaftsverband, die Diskussion um eine neue „Bekennende Kirche“ und zwei weitere sich als Alternativen verstehende Überlegungen (W. Kopfermann, C. A. Schwarz) ein.
Es folgt eine hilfreiche Begriffserklärung. Worüber reden wir eigentlich? Was meinen die Wörter „Ekklesiologie“, „Ekklesia“ oder „Synogoge“ und wie sind sie in die Theologie einzuordnen?

Im nächsten Kapitel geht es um verschiedene ekklesiologische Modelle und Vorverständnisse. Der Autor skizziert in Anschluss an eine frühere Untersuchung von Heinrich Rendtorff die volkstümliche, die organisatorisch-juristische, die enthusiastische, die objektive, die symbolische, die dialektische, die missionarische, die verbalistische und die politische Auffassung.

Es folgt eine Darstellung der Grundlinien römisch-katholischer Ekklesiologie. Hier ist die Kirche der mystische Leib Christi. Man spricht auch vom Ursakrament und vom Gottesvolk im Neuen Bund. Die Zugehörigkeit beruht auf der Taufe und ist heilsnotwendig. Kennzeichnend ist eine klare Unterscheidung zwischen Klerus und Laien, sowie das hierarchisch gestufte Amtsverständnis, an dessen Spitze der Papst, den man als Nachfolger des Apostels Petrus und als Stellvertreter Christi sieht, steht. Rom empfiehlt die Verehrung Heiliger und sieht in Maria eine Fürsprecherin und die Mutter der Kirche.

Danach stellt der Autor die Grundlinien reformatorischer Ekklesiologie (Kirche als Geschöpf des Wortes Gottes) und in einem weiteren Kapitel die der freikirchlich-täuferisch geprägten Gemeinden vor. Dabei geht er auch auf einige interne Besonderheiten ein (Verquickung von Kirche und Staat, Tauffrage, Gemeindezucht).

Im nächsten Abschnitt legt Gassmann neutestamentliche „Leitlinien aus der Vergangenheit für die Gegenwart“ in Bezug auf das Thema Kirche dar. Der Autor arbeitet biblisch sauber und lässt sich nicht in eine konfessionelle Schublade pressen. Das Wort Gottes ist für ihn maßgebend.
Es folgt ein Abdruck der auch in anderen Publikationen erschienenen „Neuen 95 Thesen zur Situation von Kirche und Gesellschaft heute“, die der Autor anlässlich eines 1996 stattfindenden internationalen Kongresses in Berlin unter dem Motto „Reformation heute“ verfasste und die man vor der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Sie sind heute in über 30 Sprachen übersetzt worden.

Das Buch endet mit einem Kapitel, in dem die gegenwärtige kirchliche Lage nüchtern dargestellt und analysiert wird. Der Autor überlegt, wie heute eine Reformation aussehen könnte, warum eine solche aber sehr schwierig wäre und wie sich Christen in dieser Lage verhalten können. Vor diesen Fragen sollte man nicht die Augen verschließen.

Es folgt noch ein Beitrag von Dr. phil. Thomas Sören Hoffmann über das „Bekennen“ und die „Bekennende Kirche heute“ (mit Auszügen einer Ansprache von Dr. Heinz-Jürgen Fischbach) und eine Literaturliste zum Thema Ekklesiologie.

Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert und hilft, sich einen Überblick über die verschiedensten Auffassungen zur Frage „Was ist Kirche?“ zu verschaffen. Es zeigt, dass es sich lohnt nicht in konfessionellen Engführungen zu denken, sondern alles menschlich Gewachsene immer wieder anhand der Bibel zu prüfen. Der Autor bleibt nicht beim Analysieren und beim In-Frage-stellen stehen, sondern zeigt eigene sinnvolle Alternativen auf.

Sebastian Gruner (Erlbach-Kirchberg)

Dr. Lothar Gassmann: Was ist Kirche? Papstkirche, Staatskirche oder Gemeinschaft der Glaubenden?; Verlag für Reformatorische Erneuerung Wuppertal 2005; 9,80 EUR, Paperback, 178 Seiten; ISBN 9783878573173
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