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Die heiligen drei erfundenen Könige


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Rolf

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Die heiligen drei erfundenen Könige






Sie gehören zu jeder Weihnachtskrippe dazu, und jedes Kind kennt sie: Kaspar, Melchior und Balthasar, die heiligen drei Könige. Eine Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks zum "Dreikönigstag" am 6. Januar klärt über die Historizität der drei Gestalten auf. Biblisch sind sie jedenfalls nicht.


Der 45 Minuten lange Film von Martin Papirowski muss katholischen Gläubigen das Hochfest der katholischen Kirche, den "Dreikönigstag", leider ein wenig versäuern. Denn so bekannt die Geschichte um die "heiligen drei Könige" auch ist, historisch ist sie nicht belegt, und die Bibel nennt sie auch nicht.

Jedes Jahr zum 6. Januar treffen sich Tausende Kinder im Kölner Dom, um als "Sternsinger" durchs Land zu ziehen und Geld für arme Menschen sowie Süßigkeiten für sich selbst zu sammeln. Der Kölner Dom ist der Ort, an dem die Gebeine der drei Könige angeblich aufbewahrt sind. In einem Schrein, mit Blattgold überzogen und mit tausend Edelsteinen und Perlen bestückt, sollen sich die Knochen der Weisen befinden, die Jesus selbst berührt haben. Köln wurde im Mittelalter durch diese Reliquien zu einem der wichtigsten Pilgerorte der Welt.

Der Film "Die Heiligen Drei Könige" zeigt auf, dass es sich bei den drei Königen um einen Mythos handelt, und der Reichtum des mittelalterlichen Kölns auf einer Sage und auf der Hoffnung vieler Gläubiger beruht. Die Pilger erhofften sich durch die Reise zu den Gebeinen Heilung von Krankheiten und Erlösung von ewiger Höllenqual. Der Kölner Dom ist auch heute noch die dritthöchste Kathedrale der Welt. "Und das wegen einer handvoll Knochen", heißt es im Film.

Keine Erwähnung in der Bibel

"Sie waren keine Könige, keine Heiligen und zu dritt waren sie auch nicht", klärt Papirowski auf. Laut dem Matthäus-Evangelium waren es lediglich "Weise aus dem Morgenland", die zu Jesu Geburt kamen, wie Luther übersetzte. Noch genauer übersetzt waren es eigentlich "Magier aus dem Osten". Sie brachten laut der Bibel Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke mit. Nirgendwo in der Bibel steht jedoch, dass es drei waren, dass es Könige waren oder wie sie hießen.

Erst im Mittelalter entstand der Mythos um die "drei Könige". Im Jahr 1158 ließ Kaiser Barbarossa einen Mann in Mailand foltern, der angeblich wusste, wo sich die Knochen der biblischen Weisen aus dem Morgenland befinden. Unter Schmerzen nennt er seinen Peinigern ein Versteckt – und die Legende von den Überresten der Weisen aus dem Morgenland war geboren. "Wer den Knochen nahe war, der fühlte sich Gott nah", erklärt der Film den Kult um die Knochen, welcher der Stadt das wichtige Adjektiv "heilig" und damit einen finanziellen Boom einbrachte.

Der Film zeigt von Schauspielern nachgestellte Szenen sowie Computeranimationen, so wie man es von einer modernen Dokumentation gewohnt ist. Zu Wort kommen Experten wie der Historiker Arnold Angenendt oder der Altorientalist Markus Hilgert, der Experte für das alte Babylonien ist. Die Archäologin Sabine Schrenk, Expertin für antike Webstoffe, stellt fest, dass die Stoffe, die um die Kölner Knochen gelegt sind, zwischen dem zweiten und dem fünften Jahrhundert nach Christus gewoben sein müssten.

Da die Weisen aus dem Morgenland (vermutlich Babylonien) am Sternenhimmel etwas Ungewöhnliches entdeckt haben mussten, fragt der Film auch nach diesem Himmelsphänomen. Im Planetarium von Bochum stellen Astronomen den Sternenhimmel des wahrscheinlichen Zeitraumes der Geburt Jesu nach, nämlich zwischen dem 4. und dem 7. Jahr nach Christus. Die Astronomin Susanne Hüttemeister erklärt, dass auch chinesische Quellen auf eine Kometenerscheinung im Jahre 4 vor Christus hindeuten. Dass ein heller Komet zu jener Zeit am Nachthimmel auftauchte, sei also astronomisch denkbar, aber nicht beweisbar. Doch Kometen traten schon immer auf - warum hätten sich babylonische Sternenforscher so sehr dafür interessieren sollen?

Eine andere Theorie verweist auf eine Begegnung der beiden Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische im Jahr 7 vor Christus. Hüttemeister erklärt, dass man im biblischen Babylon Jupiter vielleicht als König, Saturn als Hinweis auf die Juden, und das Sternbild der Fische als Palästina gedeutet habe. Daraufhin hätten sich die antiken Astronomen auf die fast 2.000 Kilometer weite Reise nach Israel gemacht.

Die WDR-Dokumentation führt nach Köln, Mailand, Istanbul, in die antike Metropole Palmyra in der syrischen Wüste und nach Lalibela ins äthiopische Hochland. Der Film stellt nachvollziehbar den geschichtlichen Kontext der Geschichte der Weisen aus dem Morgenland dar, entführt den Zuschauer durch filmische Sequenzen und Animationen in vergangene Zeiten und bringt die Weihnachtsgeschichte auf eine ganz neue Weise nahe.


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