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Jobs in der Esoterikbranche: Tierkommunikatorin und Schamane


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Jobs in der Esoterikbranche: Tierkommunikatorin und Schamane






30.08.2012

Erfolgreiche Spinner Auf dem Eso-Trip



Von Anna Brüning


Esoterische Berufe: Ihr haltet uns für verrückt. Na und?

Die boomende Esoterik-Branche bietet neue Job-Möglichkeiten. Eine
Tierkommunikatorin plaudert mit Ponys, eine Kräuterfee besingt Petersilie,
ein Schamane trifft Lichtwesen auf Astralreisen. Hier erzählen sie, wie
aus dem Hobby ihr Beruf wurde - und wie sie damit über die Runden kommen.

Als Catherin Seib, 31, dem Vater einer Freundin von ihrem Beruf erzählte,
stand er einfach auf und ging. Wortlos. Tierkommunikatorin nennt sie sich
und plaudert gegen Bezahlung mit Hunden, Katzen oder Vögeln. Herrchen und
Frauchen schicken ihr per E-Mail Fotos ihrer Lieblinge, dann rufen sie
Seib an - und unterhalten sich mit ihrem Tier. Mit Seib als Medium. "Das
ist Gedankenübertragung, so blöd es auch klingt", sagt Seib. "Ich sehe
Filmszenen und Bilder aus dem Leben des Tieres, spüre Emotionen und
Schmerzen, manchmal höre ich eine Stimme."

So ein Tiergespräch kostet 70 Euro, gut zehn Telefonate führt Seib pro
Woche. Einmal habe ihr ein Pony erzählt, dass die Besitzerin schwanger sei
- und es habe gestimmt. Für Seib ein Beweis, dass die Gedankenübertragung
funktioniert. Manchmal könne sie es selbst kaum fassen, sagt sie.

Zu dem skurrilen Job kam die gelernte Zootierpflegerin durch einen
Fernsehbeitrag. "Ganz ehrlich: Ich habe gelacht und alles als völligen
Unsinn abgestempelt", sagt die Stadthagenerin. Dann erzählte eine
Nachbarin von ihren guten Erfahrungen mit einer Tierkommunikatorin - und
Seib rief selbst bei der Frau an. "Sie wusste, bei wie vielen Menschen
mein Hund vorher schon gelebt hatte und wie lange er tagsüber allein war,
obwohl sie mich weder kannte noch vor Ort war. Das hat mich sehr berührt",
erzählt Seib.

Ich höre was, was du nicht hörst

Man mag das alles für Mumpitz halten, wie auch bei anderen skurrilen
Angeboten aus der deutschen Esoterik-Szene. Aber davon leben inzwischen
nicht wenige Menschen. Catherin Seib hört Stimmen. Sie ist fest davon
überzeugt, dass sie tatsächlich mit Tieren sprechen und ihnen sogar mit
"Energieheilung" helfen kann. Da draußen gibt es Menschen, die ebenfalls
fest daran glauben. Und dafür zahlen.

Also machte Seib aus der Tierkommunikation ihren Beruf und buchte Kurse,
erst zwei Tage für 200 Euro, dann drei Tage für 345 Euro, schließlich der
fünftägige Profikurs für 820 Euro - mit Zertifikat, das der Staat freilich
nicht anerkennt. "Telepathie wird in unserer Gesellschaft ja leider nicht
akzeptiert", so Seib. "Dabei schlummert das Talent in jedem von uns."

Sonderbare Jobs: Berufe gibt's, die gibt's gar nicht

Mittlerweile bietet sie selbst Kurse zur Tierkommunikation an; ihr sei gar
nichts anderes übrig geblieben als der Schritt in die Selbständigkeit.
Denn kaum konnte sie mit den Tieren sprechen, beschwerten die sich bei
ihr, etwa über die Lebensbedingungen. "Für mich wurde es unmöglich, so
weiterzuarbeiten", sagt Seib. Sie kündigte ihren Job als Tierpflegerin in
einem Wildpark, versuchte es als Pferdewirtin. Nach fünf Monaten die
nächste Station: Tiertrainerin in einer Filmtierschule. Nach vier Monaten
kündigte sie erneut: "Die Tiere wurden nirgends so behandelt, wie ich es
mir gewünscht hätte."

Der Einstieg in die Vollzeit-Tierkommunikation sei dann einfacher gewesen
als gedacht: "Ich hatte erwartet, dass mich mein Umfeld für völlig
durchgeknallt hält, aber die meisten reagierten sehr positiv. Sogar die
Bodenständigen erzählten von übersinnlichen Erfahrungen - all diese Dinge,
die man sonst verschweigt, um nicht für verrückt gehalten zu werden."

25 Milliarden Euro Umsatz im "Sinnmarkt"

Nach Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Allensbach hält rund die
Hälfte der Deutschen Gedankenübertragung für möglich, hat homöopathische
Mittel eingenommen oder würde sich einem Geistheiler anvertrauen. Vor
einigen Jahren stellte die Universität Hohenheim fest, dass rund 15
Prozent der Deutschen zu den "spirituellen Sinnsuchern" zählen. Und sie
greifen dafür auch gern tief in die Tasche: 25 Milliarden Euro werden
jährlich im deutschen "Sinnmarkt" umgesetzt, bald sollen es 35 Milliarden
Euro sein, sagte Zukunftsforscher Eike Wenzel dem SPIEGEL.

Mit einer Mischung aus Heilpraktik und Spiritualität verdient auch Doris
Fölster, 50, ihren Lebensunterhalt. Sie ist zertifizierte Kräuterpädagogin
und steckte rund 1000 Euro in die einjährige Ausbildung. Das Restaurant,
in dem sie 27 Jahre lang gearbeitet hatte, war gerade geschlossen worden -
"ich wusste nicht, wie es weiter geht. Ich hatte noch nie eine Bewerbung
geschrieben."

Sie lernte, wie man Pflanzen erkennt und verarbeitet. Weil sie schon immer
gern singt und auf der Bühne steht, mixte sie die Kräuter kurzerhand mit
Gesang und Schauspiel; heraus kam ein neuer Beruf: Kräuterfee.

Sie erzählt und singt, über Löwenzahn und Petersilie. Sie erklärt und
reimt, im Samtkleid mit enger Korsage. Die gefalle vor allem den Männern,
sagt Fölster. Sie lässt sich für Firmenevents buchen, auch vor
Schulkindern ist sie schon aufgetreten und im Seniorenheim. In ihrem
Programm geht es darum, wo Kräuter wachsen, wie sie schmecken und wirken,
wen sie inspiriert haben. "Kräuter können glücklich machen", so Fölster.
Ihren Gästen reiche sie gern Gänseblümchen-Tee. Für die gute Laune.

Mindestens 125 Euro verlangt sie pro Stunde, plus Fahrtkosten. 5 bis 15
Auftritte habe sie pro Monat, finanziell sei es "ein Auf und Ab". Ihre
Freunde fragen sie manchmal, was sie denn vorhat, wenn es nicht klappt -
"aber so weit denke ich gar nicht. Ich habe keinen Plan B. Es wird sich
schon ergeben."

90 Euro für eine Einzelstunde beim Schamanen

Wenn Benjamin Maier, 29, nach seinem Beruf gefragt wird, dann sagt er
"Lebensberater". Klingt nicht ganz so verrückt wie Schamane. In der Schule
war er mit seinem Hang zur Esoterik ein Einzelgänger. "Nur die Mädchen
fanden mich toll. Ich war mysteriös, so anders als die anderen", sagt
Maier. Schon als Kind habe er gespürt, wenn es anderen schlecht ging.

Nach einem Philosophie- und Religionsstudium besuchte er eine
Heilpraktikerschule; nichts brachte die gewünschte Erfüllung. Schließlich
suchte er online nach jemandem, der ihm Aura-Chakra-Lesen beibringt. Dabei
geht es um eine Ausstrahlung, die angeblich jeden Menschen umgibt, um
Energiefelder, die Stärken und Schwächen, die Blockaden, Gefühle und
Gedanken - so ungefähr. Mit präzisen Erklärungen tun sich Anhänger der
Eso-Szene notorisch schwer, Rationalität ist nicht ihre Welt.

Im Web fand Maier seinen spirituellen Lehrer: "Ich hatte beim persönlichen
Treffen sofort das Gefühl, dass wir befreundet sein könnten. Er begeistert
mich und bringt mich weiter." In die Ausbildung investierte er die
erstaunliche Summe von 50.000 Euro. "Das klingt viel, aber es lohnt sich",
glaubt Maier. "Und ich habe das Geld wieder drin, sobald ich selbst
Ausbildungen anbiete." Auch so entstehen Esoterik-Berufe - jemand, der
schon ein paar Erfahrungen hat, gibt sie an zahlende Neulinge weiter, die
dann später selber Seminaranbieter werden.

Seit 2010 hat Maier seine eigene Praxis, dort berät er Menschen mit
Partnerschafts- oder Jobsorgen. Drei bis vier Beratungstermine hat er pro
Woche, 90 Euro kostet die Einzelstunde. Er gehe den Problemen mit Hilfe
von Lichtwesen auf den Grund, so Benjamin Maier. Lichtwesen? "Es gibt sie
auf der ganzen Welt, in jeder Kultur - Engel, Krafttiere, Elfen. Die
feinstofflichen Wesen sind überall, sie kümmern sich um uns", sagt er.
"Ich bin ständig in Kontakt mit ihnen." Auf "Astralreisen", in denen sein
Geist den Körper verlasse, könne er sich mit ihnen unterhalten, sie
sprächen dann durch ihn hindurch.

Bei einem Paar habe er so etwa herausgefunden, dass sich die Frau verhielt
wie ihre Mutter, der Mann wie sein Vater: "Eigentlich streiten sich also
die Verhaltensmuster der Eltern, nicht sie selbst." Seinen Kunden
empfiehlt er gern den Kauf von Karnevals-Verkleidung. "Sobald es zum
Streit kommt, müssen rote Nasen aufgesetzt werden - man kommt sich
bescheuert vor, muss lachen und merkt, dass der Streit ebenso bescheuert
ist."






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