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Ängste und Niedergeschlagenheit in der Depression


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Rolf

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Ängste und Niedergeschlagenheit

Christliche Seelsorge alternativ und flankierend
zu psychotherapeutischen Maßnahmen


Rolf Wiesenhütter

Brückenschlag - vom Problem zur Hoffnung, Fehmarn


Auch von mir ein herzliches Willkommen zu diesem Nachmittag.

Depression – Angst – Niedergeschlagenheit – das ist das Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Ich möchte Ihnen also ein bisschen, sozusagen als Klammer auf, erzählen über Möglichkeiten der Hilfestellung, der Begegnung mit depressiven Menschen, oder denen, die im Umfeld von Depressiven leben.
Die Zielsetzung ist, dass wir miteinander ins Gespräch kommen. Wir möchten Ihnen einen Funken Hoffnung vermitteln, eine Handreichung, das Gefühl vermitteln, hier sind Menschen, die verstehen mich in meiner Situation.
Menschen, die bereit sind mir zuzuhören, oder die einfach so für mich da sind.
Was ich Ihnen jetzt sage ist eine Information. Mehr kann ich, mehr können wir in der Kürze der Zeit im Rahmen einer solchen Veranstaltung nicht leisten.
Wir können Ihnen viele Zusammenhänge, auch über Depressionen aus psychotherapeutischer und vor allem aus einer bibelbegründeten Seelsorge erklären, wenn Sie unsere Gesprächsangebote annehmen.

Aber die heutige Veranstaltung bitte ich Sie lediglich zur Information, nicht aber zu einer eigenen Diagnose heranzuziehen.
Eine Diagnose muss immer von einem behandelnden Arzt gestellt werden. Unser Selbstverständnis ist, Ihnen gezielt auf der Grundlage einer fachlich gestellten Diagnose weiterzuhelfen.
Wenn sie also zu uns zum Gespräch kommen, dann bringen Sie bitte Ihre ärztliche Diagnose mit, ansonsten müssten wir sie bitten, einen Arzt Ihrer Wahl, oder einen mit uns zusammenarbeitenden Arzt aufzusuchen, damit zunächst einmal konkret abgeklärt wird, was der Grund Ihrer Erkrankung ist.
Die mit uns zusammenarbeitenden Ärzte sind immer zugleich auch Christen, und dieses Angebot erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Soweit die Vorrede.

Es geht um Depressionen, und Depressionen sind eine Erkrankung der Seele des Gemüts. Die Definition, was eine Depression ausmacht, entnehmen wir der Psychologie, die dazu sagt:

Definition

Bei einer Depression leiden die Betroffenen unter anhaltender deutlich gedrückter, pessimistischer Stimmung und/oder verlieren das Interesse für die meisten Tätigkeiten. Die Erkrankung dauert mindestens zwei Wochen. Häufig ist die Depression kombiniert mit Angst und Hoffnungslosigkeit.
Jeder Mensch empfindet neben Freude auch Traurigkeit.
Stimmungsschwankungen, die in der Umgangssprache ebenfalls als Depressionen bezeichnet werden, gehören zum Leben. Die Depression im Sinne einer Krankheit ist jedoch nicht nur durch die besondere Schwere und Dauer von Trauer und Niedergeschlagenheit gekennzeichnet, sie verändert auch den Betroffenen und kann oft nicht alleine und ohne Hilfe bewältigt werden.
Wenn Sie sich also die psychologischen Definitonen von Depressionen oder Angst anschauen, dann ist mit Depressionen nicht eine vorübergehende Verstimmung auf Grund einer vielleicht gerade unangenehmen Lebenssituation gemeint, oder ist mit Angst eher weniger eine vielleicht natürliche Angst gemeint, die man gerade erleben mag, wenn man sich an einem anderen Arbeitsplatz einarbeitet und dort mit neuen Aufgaben und Schwierigkeiten konfrontiert wird.
Es geht vielmehr um Störungen oder Krankheiten, die längerwährend den normalen Ablauf des Lebens und das eigene Verhalten und Empfinden wesentlich und nachhaltig beeinträchtigen, so dass der gewohnte Lebensvollzug und Lebensalltag deutlich erschwert wird.
Nun ist Depression nicht gleich Depression, aber es gibt Elemente, die sich in der Erkrankung immer wieder übereinstimmend zeigen.
Das sind z.B. Ängste und Niedergeschlagenheit, die wesentlicher Bestandteil einer Depression sind.
Leider ist dies nicht immer so klar und einfach. Insofern hat man über die Zeit begonnen, psychische Veränderungen, die durch Körperkrankheiten oder innerseelische Vorgänge entstehen und die man als krankhaft ansehen kann, besser mit dem Begriff "Störung" zu umschreiben.


Auf den Seiten des Internetportals "Psychiatrie-aktuell" werden Sie Informationen zu verschiedenen Krankheitsbildern oder Störungen finden, die im landläufigen Sinne eher zu den schwereren psychischen Erkrankungen zählen. Wenn Sie sich also zum Beispiel die Kapitel über Depressionen oder Angst durchlesen, ist mit Depressionen nicht eine vorübergehende Verstimmung auf Grund einer vielleicht gerade unangenehmen Lebenssituation gemeint, oder ist mit Angst eher weniger eine vielleicht natürliche Angst gemeint, die man gerade erleben mag, wenn man sich an einem anderen Arbeitsplatz einarbeitet und dort mit neuen Aufgaben und Schwierigkeiten konfrontiert wird. Es geht vielmehr um Störungen oder Krankheiten, die längerwährend den normalen Ablauf des Lebens und das eigene Verhalten und Empfinden wesentlich und nachhaltig beeinträchtigen, so dass der gewohnte Lebensvollzug und Lebensalltag deutlich erschwert wird.
Insofern möchten wir Sie in Ihrem eigenen Interesse nochmals bitten, diese Inhalte nur zu Ihrer Information, nicht aber zu einer eigenen "Diagnose" heranzuziehen. Eine Diagnose kann immer nur ein behandelnder Arzt oder Psychologe im Rahmen einer intensiven Untersuchung und eines persönlichen Gespräches mit Ihnen stellen.
Leider ist dies nicht immer so klar und einfach. Insofern hat man über die Zeit begonnen, psychische Veränderungen, die durch Körperkrankheiten oder innerseelische Vorgänge entstehen und die man als krankhaft ansehen kann, besser mit dem Begriff "Störung" zu umschreiben.
Dies ist eine etwas unscharfe Bezeichnung, die aber die Möglichkeit in sich birgt, einen klinisch erkennbaren Komplex von Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten zu gruppieren und unter einer Bezeichnung zusammenzufassen, die einen klaren Hinweis auf die Behandlungsrichtung geben kann.
Im Rahmen dieses Störungsbegriffes kann man eine medizinische Diagnose für jede Erkrankung stellen. Dabei kann die jeweilige Erkrankung aber in verschiedenen Schweregraden und / oder Ausprägungen auftreten. Aus Erfahrung weiß man, dass es für die entsprechenden Krankheiten einer Störungsgruppe oftmals verschiedene Verläufe gibt.
. Die jeweilige Entwicklung kann man in bestimmten Fällen und bei bestimmten Erkrankungen nicht immer vorhersagen.
Grundsätzlich ist es aber wichtig, unabhängig davon, von welcher Krankheit man betroffen ist, gemeinsam mit Ärzten, Psychologen, medizinischem Personal, Sozialarbeitern Angehörigen und Seelsorgern in eine Behandlungspartnerschaft zu treten und gemeinsam an der Bewältigung der jeweiligen Erkrankung und ihrer Folgen für das persönliche Leben und Umfeld zu wirken.
Die Erfahrungen und die Hilfe vieler anderer erleichtern es Betroffenen und ihren Angehörigen oftmals bedeutend, mit den Problemen einer psychischen Erkrankungen umzugehen und diese zu bewältigen.


Symptome

Die Depression ist meist Tagesschwankungen unterworfen: morgens nach dem Aufwachen ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt (Morgentief), im Laufe des Tages bessert sie sich, um sich unter Umständen bis zum Abend weitgehend zu normalisieren.
Der Zustand der depressiven Verstimmung wird von jedem Betroffenen anders erlebt und beschrieben. Die einen fühlen sich niedergeschlagen, hoffnungslos und verzweifelt, andere betonen, dass sie nicht zu echten Gefühlsregungen wie Freude und Trauer fähig sind (Gefühl der Gefühllosigkeit). Sie fühlen sich "leer" und innerlich "wie ausgebrannt und abgestorben". Die Betroffenen können auch sich selbst nicht mehr positiv wahrnehmen und fühlen sich wertlos, überflüssig oder schuldig. Sie hoffen schon nicht mehr auf eine Besserung oder auf eine lebenswerte Zukunft. Der eigene Zustand erscheint aussichtslos. Das Weiterleben erscheint dem Erkrankten häufig unerträglich und sinnlos.
Und mit dieser Situation sind dann die Angehörigen konfrontiert, oft ohnmächtig und hilflos. Wenn die Krankheit lange anhält werden die Mühen größer, und der Akzeptanzpegel fällt immer tiefer.

Patient und Angehörige brauchen Hilfe. Und die kann ganz unterschiedlich aussehen.
Ich sagte bereits, ein wichtiger Bestandteil von Depressionen sind die Angststörungen.
Normale Angst ist ein sehr sinnvolles Gefühl, das eine biologische Reaktion auf Gefahren und Bedrohungen ist. Damit können diese überhaupt erst wahrgenommen, bewältigt oder vermieden werden. Definiert wird Angst als eine unangenehme Empfindung, die von Vernunft und Willen nicht kontrollierbar ist und von einer unmittelbaren Bedrohung hervorgerufen wird. Ein Angstausbruch ist fast immer begleitet von verschiedenen Symptomen wie Blässe, Zittern, Schweißausbruch, Herzklopfen, Blutdruckanstieg oder Ohnmacht.

Als frei flottierende Angst wird eine Angst ohne realen Auslöser bezeichnet.
Unter Angststörung ist die krankhaft übersteigerte Form der Angst zu verstehen. Zu den Angststörungen zählen die
• Phobie, bei der sich die Angst auf bestimmte Objekte oder Situationen richtet
• Panikstörung mit wiederholten Panikattacken
Generalisierte Angststörung: eine anhaltende Form der Angst ohne spezielle Auslöser, d.h. es besteht keine Gefahr oder Bedrohung.

Was passiert denn weiter, wenn eine Depression nun zweifelsfrei diagnostiziert wurde?
Die Mediziner kümmern sich um evtl. körperliche Probleme, und mit der seelischen Erkrankung werden sie zum Psychologen, oder meist zum Psychotherapeuten überwiesen.
In der Psychotherapie kann nun eine ganze Menge passieren. Psychotherapeuten sprechen vom sogenannten integrativen Ansatz und sie meinen damit, dass sie methodenplural arbeiten.
Ein Begriff, der durchaus seine Berechtigung hat, denn es gibt heute weit über 100 verschiedene Therapieansätze, und es fällt selbst den Fachleuten schwer, da überhaupt durchzublicken.
Was mich als Seelsorger in diesem Zusammenhang erstaunt, und mir auch die Berechtigung gibt zu sagen, wie können das flankierend helfen, ist die Tatsache, dass in der Psychotherapie, die sich ja um die seelische Seite der Erkrankung kümmern soll, in diesem „Loch der Depression“ eher körperorientierte Verfahren einsetzt.
Entspannungsübungen, Musiktherapie, Lichtduschen – das sind körperorientierte Verfahren die das Gemüt aufhellen sollen.
Dazu kommt dann eine Gesprächstherapie, die zunächst einmal ein „Trösten durch Dabeisein“ ist. Hier spricht nämlich im Wesentlichen der Patient, der Therapeut hat eher die Funktion des Zuhörers.
Durch diese Maßnahmen aus körperorientierten Verfahren und Zuhören wird zunächst einmal Verbesserung des Zustandes des Patienten erwartet.
In dieser Phase beginnt man dann an den Tagesstrukturen des Patienten zu arbeiten, um Eigenverantwortung und Selbstmanagement wieder angekurbelt werden.
Dem folgen Maßnahmen aus der Verhaltenstherapie um beispielsweise einen Gedankenstopp herbeizuführen, also um diesen ganzen Bereich der negativen Gedanken, die auch immer ein typisches Symptom einer Depression sind, aufzulösen.
Danach folgt dann der kognitive Ansatz, der eine Korrektur des „verirrten Denkens über sich selbst“ herbeiführen soll.

Erst danach wird die eigentliche Gesprächspsycho- therapie, werden explorative Verfahren angewandt.
Das sind dann tiefenpsychologische Konzepte wie z.B.
Lebensstilanalyse, Skriptanalyse, die auf die Änderung der Entwicklung der Persönlichkeit des Patienten abzielt, oder auch logotherapeutische Ansätze .

Und hier kommt nun natürlich die Frage nach der Seelsorge, denn spätestens jetzt wird deutlich, dass ja diese therapeutischen Verfahren inhaltlich gefüllt werden müssen.
Von hierher wird auch verständlich dass manches was hier in der Psychotherapie passiert umstritten ist, weil sehr, sehr häufig die wissenschaftlichen Grundlagen fehlen.
Persönlichkeitsveränderung aufgrund nicht geprüfter Theorien, dass ist so eine Sache – so ein bisschen ist das eine „Versuchskaninchenmentalität mit Risiken und Nebenwirkungen.“
An diesem Punkt ist die Frage nach dem inhaltlichen Wirken des Seelsorgers zu stellen.

Was passiert denn da?

Der therapeutische Seelsorger arbeitet ganz ähnlich wie der Psychotherapeut, allerdings in etwas anderer Reihenfolge und mit anderen Inhalten.
In der biblischen Seelsorge sind die Inhalte eben biblisch fundiert, dass heißt, sie sind nicht in erster Linie von der Natur menschlicher Beobachtung und der Annahme theoretischer Zusammenhänge geprägt, sondern sie stützen sich auf Aussagen der Bibel, die ja ein Buch ist, das uns erklärt, wie menschliches Leben in Friede und Freude gelingt.

Einige Feststellungen beim Hinhören auf die Botschaft des Neuen Testamentes
Für das, worum es in der christlichen Seelsorge wesenhaft geht, steht im griechischen Urtext häufig das Wort "Paraklesis". Es bedeutet "Trost", "Ermutigung" und in diesem Sinn "Ermahnung". Es ist bemerkenswert, daß im Lukasevangelium Christus mit demselben Wort bezeichnet wird als "der Trost Israels" (Lukas 2,25). In den Abschiedsreden Jesu wird auch der heilige Geist "Parakletos" genannt, das bedeutet "Beistand", "Tröster" (Johannes 14,16+26).
Das ist ein wichtiger Hinweis für den Dienst der Seelsorge, sowohl für den, der ihn ausrichtet, als auch für den, der ihn empfängt. Denn was dem Menschen wirklich hilft, kann nur durch den Beistand des heiligen Geistes geschehen, durch Gott selbst, den Paulus im zweiten Korintherbrief den "Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes" nennt (2. Korinther 1,3). Nur wen Gott selber tröstet, der ist wirklich getröstet.

Im Römerbrief verbindet der Apostel Paulus das Wort "ermahnen" zweimal mit bedeutsamen Zusätzen: "Ich ermahne euch durch die Barmherzigkeiten (Mehrzahl!) Gottes" (Römer 12,1). Das zweitemal: "Ich ermahne euch durch die Liebe des (heiligen) Geistes" (Römer 15,30). Seelsorge kann also nur im Einflußbereich des Golfstromes der Liebe und Barmherzigkeit Gottes geschehen. Er hat sich uns gleichsam als der dreieinige Gott in dreifacher Erbarmung zugeneigt als der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Wer Seelsorge annimmt, läßt sich in diese alles umgreifende Liebe Gottes hineinschließen und -bergen.
Gott übt diesen seinen Dienst an uns durch Menschen aus, die ihn zuerst an sich selber immer wieder geschehen lassen Der Apostel Paulus deutet das im zweiten Korintherbrief an:
So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns:
Laßt euch versöhnen mit Gott! (2. Korinther 5,20)
Im Römerbrief bezeichnet er das seelsorgerliche Ermahnen als Gabe Gottes, die weitergegeben wird (Römer 12,8). So sagt auch Jesus bei der Speisung der Fünftausend zu seinen Jüngern: "Gebt ihr ihnen zu essen!" Und dann füllt er ihnen die Hände, daß sie weitergeben können an die Menschen (Matthäus 14,16+19).
Seelsorge geschieht also aus dem Beschenktsein von Gott heraus. Sie ist geistlicher Durchblick, geistliche Diagnose und geistlicher Rat. Und in all dem bleibt sie weitergegebene Handreichung des heiligen Geistes, von der der Seelsorger selber täglich lebt.
Als Paulus sich von den Ältesten der Gemeinde von Ephesus verabschiedete, erinnerte er sie daran, wie er seinen seelsorgerlichen Dienst unter ihnen in zweifacher Weise ausgerichtet hat:
Ich habe euch nichts vorenthalten, was nützlich ist,
daß ich's euch nicht verkündigt und gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern...
Darum seid wachsam und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht abgelassen habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen. " (Apostelgeschichte 20120+31)
Daraus dürfen wir schließen, daß Seelsorge sowohl durch die öffentliche Predigt als auch durch das Ausrichten der Frohen Botschaft an den Einzelnen geschieht, in der persönlichen Aussprache und vornehmlich im Beichtgespräch. Dazu hat Jesus seine Jünger ausdrücklich ausgerüstet und mit dem heiligen Geist beschenkt, als er zu ihnen sprach:

Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet denen sind sie behalten. (Johannes 20,22-23)

Worauf wir grundsätzlich achten sollten

Seelsorge kann nur üben, wer sie immer neu an sich selber geschehen läßt. Es geht in ihr nicht um Anwendung psychologischer Weisheiten und Techniken, sondern um die schlichte Weitergabe geistlichen Trostes und geistlichen Lebens, um die Mitteilung der Glaubenskräfte, die Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene, darreicht. Dabei wird unser Leben ins Licht des Reiches Gottes hineingestellt. Nur dadurch wird Seelsorge zur Durchhilfe und zum gemeinsamen Stehen vor Jesus, zum gemeinsamen Gebet, das auch die Segnung im Namen Jesu mit einschließen kann.
Seelsorge versucht den Menschen zum großen Seelsorger Jesus Christus hinzuführen. Dies ist nur in der Haltung des inneren Hörens auf das Wort Gottes möglich. Als Seelsorger müssen wir immer Christus zwischen uns und dem anderen Menschen stehen lassen. "Der Herr stehe zwischen mir und dir" (l. Samuel 20,42).

Drei wichtige Grundregeln

1. Die Achtung vor der Person-Hoheit des anderen.

In dem Sendschreiben an Laodizea sagt Jesus:
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.
(Offenbarung 3,20)
Jesus bricht also nicht ein, sondern wartet, ob der Mensch ihm freiwillig die Tür zu seinem Leben auftut. Dies gilt es bei jeder Begegnung mit Menschen zu beachten. Nur was einer selber einsieht und bejaht, kann ihm zu einer echten, freiwilligen Entscheidung verhelfen. Was er nicht willentlich auf- und angenommen hat, fällt auf die Erde und bleibt nicht in ihm. Wirkliche Seelsorge hat mit Überredungskunst nichts zu tun. Die geringste geistige oder geistliche Vergewaltigung ist vom Übel.

Ein dem andern nur übergestülpter Glaube, sogenannte "Glaubensübertragungen", sind eine sehr kurzfristige Scheinhilfe und stehen gegen die Ordnung des heiligen Geistes. Nur was ein Mensch selber willensmäßig vollzieht, bringt ihn weiter. Deshalb ist große Zurückhaltung gegenüber der Person des andern und Achtung vor seiner Persönlichkeit geboten.

2. Seelsorge ist Hoheitsgebiet des heiligen Geistes

Der heilige Geist bindet und löst. Wo er bei dem Beichtenden sowie bei dem Beichthörenden auf den Plan treten kann, gibt es einen inneren Glaubens- und Lebensfortschritt. Der Seelsorger muß je länger je mehr offen sein für die Einsprache des heiligen Geistes und seine Weisheit. Dabei geht es ganz praktisch um das Achthaben und Hören auf das Wort der Heiligen Schrift. Der Herr muß auf den Plan treten und das Gespräch führen. Er muß das Feld beherrschen, ich darf hörend hinter ihm bleiben im Sinn des Wortes: "Der Herr stehe zwischen mir und dir!"
Nur was der Herr als der große Seelsorger mir im Gespräch darreicht, löst und führt weiter. Seelsorge nötigt mich in die völlige Abhängigkeit von der Handreichung des heiligen Geistes. Ich muß im inneren Hören stehen, sonst empfange ich nichts zum Weiterreichen an den, der Rat und Hilfe sucht.

3. Seelsorge hat ein von Gott gesetztes Ziel

Das Ziel ist die durch den Glauben an Jesus geschenkte Geborgenheit in der Hand Gottes und in seinem Frieden:
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. (Johannes 10,27-29)
Darum ist es das Bemühen aller christlichen Seelsorge, die in der Bibel bezeugte Verankerung unseres Lebens in Gott aufzuzeigen und sie wiederherstellen zu helfen.
Man kann auch menschlich allerlei entwirren auf der horizontalen Ebene guter Mitmenschlichkeit. Das mag hilfreich sein und ist nicht gering zu achten. Es gibt ein Weiterreichen von Lebenserfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich, etwa bei den Fragen im Hinblick auf die junge, die "mittelalterliche", die alternde Ehe, auf Erfahrungen in der Kindererziehung u. a. Aber entscheidend ist es doch, daß diese ganze zwischenmenschliche Problemwelt ins Licht der Wirklichkeit Gottes gerückt wird, der uns in seinem Wort aufzeigt, wie wir mit und aus all dem zurückfinden in die Gemeinschaft mit ihm.
Die geistliche Zielrichtung ist also bei der Seelsorge ganz wesentlich. Ist dieses Ziel nur der einigermaßen harmonische, oder der mit Gott zum Frieden gekommene, in ihm ruhende Mensch? Hilft es dem Menschen, wenn er wieder ein wenig "Spaß am Leben" hat, oder ist ihm nur dann wirklich geholfen, wenn sich seine Lebenshoffnung auf das gründet, was Gott uns in seinem Wort zuspricht? Genügt es, wenn einer in seinem augenblicklichen Tief halbwegs über die Runden gekommen ist, oder müßte nicht die Grundmisere seines Lebens vom Wort Gottes her ihre Aufhellung erfahren (z. B. Lukas 5,17-26)? Ist einem Menschen geholfen, wenn ihm seine Schwermutskomplexe für den Augenblick etwas abgenommen worden sind, oder erst dann, wenn er trotz, in und mit seiner Schwermut die Geborgenheit seines Lebens in der Liebe Gottes annehmen kann; wenn er darauf vertrauen kann, daß er mit allem, was in ihm ist, ein von Gott Geliebter ist und in ihm zur Ruhe kommen darf?
Das Ziel der Seelsorge ist also das bewußte Annehmenkönnen der Rechtfertigungsbotschaft:
Wenn wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.
Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt; Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.
(Römer (5,1-5)
Das Ziel der Seelsorge ist, daß wir uns genügen lassen an der geistlichen Armut, die uns von Gott im Sinne der ersten Seligpreisung zugestanden wird:
Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihnen gehört das Himmelreich. (Matthäus5,3)

Es ist der Mensch, der in kindlicher Überlassung seines Lebens an Gott lebt, das Kind Gottes, das von dem Urvertrauen zu Gott, dem Vater, getragen wird.
Das Ziel ist der Mensch, der im Vollzug des göttlichen Doppelgebotes leben lernt, wie es uns Jesus gelehrt hat:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
(Matthäus 22,37-40)
Es kommt alles darauf an, daß ich mir nicht selbst ein Wunschziel stecke, sondern das ins Auge fasse, was uns Gott in seinem Wort verheißen hat. Nur dann kann der andere mit mir darüber froh werden, daß wir Glieder am Leib Christi sein dürfen und sich freuen über sein Geliebt- und Angenommensein bei Gott. Nur so kann er mit mir von Herzen das Vaterunser beten und sein "Ja, Vater!" sagen zu allen Anforderungen des Tages auch dann, wenn die gewaltige Hand Gottes über ihn kommt und ihn führt, wohin er von Natur aus nicht will (Johannes 21,18).
Das Ziel der Seelsorge ist der Mensch, der sein Leben als dankbares Opfer in der Hingabe an Gott lebt, der im Lobpreis der Lippen und im Lobopfer der barmherzigen Liebe zum Nächsten seine Erfüllung findet.
Wer kann solche Seelsorge üben? Nur ein wahrhaft demütig und selbstlos gewordener Mensch. Denn alles seelsorgerliche Bemühen bleibt angewiesen auf das, was der heilige Geist wirkt. Das kann nur in großer Selbstlosigkeit geschehen und hat mit ideologischen Überzeugungen nichts zu tun. Wir haben vielmehr den verwirrten und verzagten Menschenherzen die Zuneigung Gottes zu bezeugen und ihnen nahezulegen, daß sie sich ihm vertrauensvoll überlassen.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
2. Korinther 1,3-4 //

















































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