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„Du aber bleibe ...“


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Rolf

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„Du aber bleibe ...“





Rückblick auf acht Jahrzehnte


Predigtüber 2.Tim 3,13-17

13 Mit den bösen Menschen aber und Betrügern wird's
je länger, desto ärger: sie verführen und werden
verführt.
14 Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und
was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt
hast
15 und daß du von Kind auf die heilige Schrift kennst,
die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den
Glauben an Christus Jesus.
16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze
zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur
Erziehung in der Gerechtigkeit,
17 daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem
guten Werk geschickt.


Liebe Gemeinde!
Als ich für die Vorbereitung der heutigen Predigt dieses Bibelwort
aufschlug, ging es mir blitzartig durch den Kopf: Diese Worte aus
dem 2. Timotheusbrief entsprechen genau dem, was mich in diesen
Wochen persönlich bewegt.

Die meisten Gemeindeglieder werden wissen, daß in diesem Monat
mein 80. Geburtstag auf mich zukommt. Das ist natürlich für mich
Anlaß, zurückzublicken und darum fühlte ich mich unmittelbar
angesprochen, als ich die Worte las, die der Apostel Paulus an
Timotheus schrieb: „Du weißt ja, von wem du gelernt hast und daß
du von Kind auf die heilige Schrift kennst“. Das wirkte auf mich, als
hätte der Apostel Paulus mich damit selbst unmittelbar
angesprochen. Deshalb möchte ich in dieser Predigt dazu dreierlei
sagen:

1. Ich weiß, von wem ich gelernt habe und kenne die heilige
Schrift von Kind auf.

2. Das Wort Gottes lehrt mich das Leben in dieser Welt
nüchtern zu sehen.

3. Das Wort Gottes weist mir den Weg zur Seligkeit.


1) Ich weiß, von wem ich gelernt habe und kenne die heilige
Schrift von Kind auf.


Mit diesem will ich natürlich nicht behaupten, daß ich von Kind auf
alle Texte der Heiligen Schrift im Einzelnen kenne. Aber den Willen
Gottes, der in der Bibel offenbart ist, den lernte ich von Kind auf
kennen. Meine Gedanken gehen zurück in meine Kindheit und in
mein Elternhaus. Ich danke Gott, daß er mir Eltern gab, die mich von
Kind auf mit dem Glauben an Gott vertraut machten. Insbesondere
lernte ich von meinem Vater im Kindergottesdienst viele biblische
Geschichten, besonders von Jesus. Und im Konfirmandenunterricht
lernte ich den Kleinen Katechismus. Martin Luther hat ja im Kleinen
Katechismus auf unübertroffene Weise zum Ausdruck gebracht, was
Gott uns durch Sein Wort in der Bibel für unser Leben sagen will.

Insofern kann ich sagen, daß ich das, was in der Heiligen Schrift
gesagt ist, seit Kindheitstagen kenne. Das hat meinem Leben auf
einen festen Grund gestellt, auch wenn ich manches erst nach und
nach begriff und es nicht immer einfach und selbstverständlich war,
das Gehörte als eigene Glaubensüberzeugung zu bekennen und zu
bejahen.

Ich bin dafür von Herzen um so dankbarer, zumal wenn ich
beobachte, daß viele junge Menschen ohne eine solche von Gottes
Wort geprägte innere Ausrichtung und ohne Jesus aufwachsen.
Dadurch, daß ich von Kind auf den Kleinen Katechismus, vor allem
die heiligen Zehn Gebote lernte, blieb mir manches Schwere erspart,
was andere durchleiden müssen.

Da stand als erstes das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott!. Du
sollst nicht andere Götter haben neben mir.“ Das sagte mir, daß Gott
der Herr ist, - ein ewiger, heiliger Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und
Heiliger Geist. Unbegreiflich ist Seine Macht. Vor Ihm, dem
Allerhöchsten muß ich stets Rechenschaft für mein Leben ablegen.
Seine Gebote sagen mir, wie ich mein Leben unter Ihm führen soll.

Nicht, daß ich sagen könnte, daß ich die Gebote stets gehalten und
Gottes Willen immer vollkommen erfüllt hätte. Nein, das gelang mir
eigentlich nie. Oft genug mußte ich vielmehr vor Gott bekennen, wie
wenig dies der Fall war. Daran erkannte ich, daß ich vor Ihm ein
armer vergebungsbedürftiger Sünder bin. Aber mit Seinen Geboten
hatte ich stets eine feste Richtschnur, an der ich mich ausrichten
konnte. Und dies galt nicht nur für mein Verhältnis zu Gott, sondern
auch für mein Verhältnis zu anderen Menschen, ja für mein
Verhältnis zum Leben in dieser Zeit und Welt überhaupt.

Und der Kleine Katechismus lehrte mich nicht nur die Zehn Gebote
als das Grundgesetz unseres Lebens. Ich lernte darin mit dem
Zweiten Hauptstück ja auch den Glauben an den Dreieinigen Gott,
der nicht nur ein fordernder und richtender Gott ist, sondern der so
groß und barmherzig ist, daß er mir armen Sünder in Jesus seine
Gnade zuwenden will. Dafür ging er für mich sogar ans Kreuz. Das
alles – so lernte ich es und so wurde es mir je länger je mehr zur
Gewißheit – hat Gott der Herr mir schon geschenkt und zugesagt, als
ich am 24. Juni 1928 in der Kirche zu Steinach im Thüringer Wald
von meinem Vater getauft wurde. Seither darf ich trotz meiner
Unvollkommenheit mein Leben als ein Kind Gottes führen.

Im Kindergottesdienst hörte ich aber auch schon im Kindesalter von
Martin Luther, wie er – zum Beispiel 1519 in Worms – die Kirche
und die Gläubigen unerschütterlich auf das Wort Gottes gewiesen
hat, ohne das es keine Glaubensgewißheit und keinen festen Halt im
Leben geben kann. Und dieses Wort Gottes weist uns – so hat es uns
Luther ebenfalls im Katechismus gelehrt – verweist uns darauf, daß
unser Herr und Heiland in Seinem Heiligen Abendmahl gegenwärtig
ist, wo Er uns mit der Fülle seiner Gnade und Barmherzigkeit
beschenkt.

So war es denn auch kein Zufall, sondern Gottes Gnadenwille, daß er
mich vor mehr als 55 Jahren hierher an den Brüdernaltar und zu dem
damaligen Brüdernpastor Max Witte führte, wo ich dies alles immer
wieder dankbar erfahren durfte und so in der Gewißheit des
Glaubens gestärkt wurde. Ich kann also sagen: Ich weiß, von wem
ich gelernt habe und kenne die heilige Schrift von Kind auf.

2. Das Wort Gottes lehrt mich das Leben in dieser Welt nüchtern zu sehen.

Dem Satz „Du weißt ja, von wem du gelernt hast“ gehen freilich
Worte voraus, die damit scheinbar wenig zu tun zu haben. Da
schreibt der Apostel an Timotheus nämlich: „Mit den bösen
Menschen aber und Betrügern wird's je länger, desto ärger: sie
verführen und werden verführt.“ Damit spricht er ja nicht von dem
persönlichen Leben seines Schülers Timotheus, sondern von dem
Leben seiner Mitmenschen und ihrem Leben in dieser Welt. Wie
böse sind sie doch! Ja, diese Klage kennen wir auch in unserer
heutigen Zeit: Mit den bösen Menschen aber und Betrügern wird's je
länger, desto ärger: sie verführen und werden verführt. Man konnte
man also auch schon damals die gleiche Beobachtung machen wie
wir heute: Das Leben vieler Menschen wird immer gottloser.

Gottes Gebote scheinen auch heute manchen Menschen ganz
unbekannt zu sein. Fernsehen und Zeitungen berichten täglich von
Mord, Ehebruch, Unzucht, Kinderschänderei und vielen anderen
gotteslästerlichen Dingen. Jeder sucht offenbar nur seinen eigenen
Vorteil und will auf die widersinnigste Weise Spaß am Leben haben.
Wenn ich mir das tägliche Fernsehprogramm anschaue, habe ich den
Eindruck, daß die Fernsehmacher genau wissen, was viele Menschen
am liebsten sehen wollen: Das Absurdeste und Widersinnigste findet
das meiste Interesse. Und möglichst blutig und grausam muß es sein!

Ja: „Mit den bösen Menschen aber und Betrügern wird's je länger,
desto ärger.“ - so muß man ebenso wie der Apostel Paulus damals
auch heute klagen.

Aber aus dem heiligen Gotteswort hören wir diese Worte nicht als
eine Klage, sondern als eine nüchterne Feststellung: So ist es nun
einmal in dieser Welt, wenn man Gott nicht fürchtet und Ihn nicht als
Herrn achtet! Dem gegenüber aber prägt der Apostel seinem Schüler
sein nachdrückliches „Du aber!“ ein: „Du aber bleibe bei dem, was
du gelernt hast und was dir anvertraut ist.“ Das heißt mit anderen
Worten: Du bist ein Christ! Sei und bleibe Du anders viele Menschen
heutzutage! Sei dir dessen bewußt, welchen kostbaren Schatz du
empfangen hast, wenn du von Gott den Glauben an Jesus empfangen
und du diesen in deinem Herzen bewahren darfst. Laß ihn dir nicht
rauben. Das heißt nicht, daß Du Dich hochmütig über die anderen
Menschen erheben sollst.

Vielmehr: Bete für all die anderen, die
nicht das Glück haben, Jesus als Heiland zu kennen. Man muß
eigentlich Mitleid mit ihnen haben! Auch sie sind ja Gottes
Geschöpfe. Jesus will, daß auch sie nicht verloren werden. Doch die
Macht Satans in dieser Welt ist ja so groß!
„Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast!“ - das ist aber auch
eine Absage an den großen Irrtum, der sich heutzutage auch bei
manchen Christen breit gemacht hat. Man sagt: Die Bibel muß man
moderner und dem Zeitgeist angepasst auslegen. „Du aber bleibe bei
dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist.“ Mahnt der
Apostel.

In dem Irrtum, daß sich die Christen und die Kirche der Welt
möglichst gleichstellen müsse, um den Menschen nahezukommen,
sind sich freilich alle Ideologien dieser Welt – ob nun links oder
rechts - alle gleich. Und die Folgen sind immer die gleichen. Dann
wird die Überzeugungskraft der Christen und der Kirche immer
geringer und die frohe Gewißheit des Heils und der Geborgenheit bei
Christus schwindet aus den Herzen der Menschen. „Du aber bleibe
bei dem, was du gelernt hast!“ - mahnt der Apostel im Namen des
Herrn. Große Heilige und glaubenstarke Christen sind uns darin
immer ein großes Vorbild gewesen. Kann man sich etwa vorstellen,
daß Martin Luther sich damals lieber dem Zeitgeist angepaßt und
sich statt auf Jesus und sein Wort lieber auf Ablaßbriefe und
ähnliches verlassen hätte? Nein, Er bezeugte: So sagt Gottes Wort.
Das ist der Glaube der Kirche. Hier stehe ich und kann nicht anders.
Gott helfe mir!

Darum mögen gerade wir in unserer Brüdernkirche, die wir als
lutherische Christen hier so viel Trost aus Wort und Sakrament
empfangen dürfen, im Glauben und Bekennen feststehen. Jeder
einzelne von uns möge sich durch das heutige Gotteswort sagen
lassen: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast!“

3. Das Wort Gottes weist mir den Weg zur Seligkeit.

Und das fügt der heilige Apostel noch hinzu: Die Heilige Schrift, die
du kennst, kann dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an
Christus Jesus. Ja, die Bibel ist ein einzigartiges Buch. Manche
Menschen wollen das nicht wahrhaben. Sie sagen, die Bibel ist nicht
Gottes Wort, sie ist keine Heilige Schrift, sie besteht doch wie alle
anderen Bücher auch nur aus Papier und Druckerschwärze. Ja, das ist
wahr. Aber doch ist in ihr niedergelegt, was all die Menschen Gottes
von den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob bis hin zu den heiligen
Aposteln und Evangelisten in der Begegnung mit dem lebendigen
Gott als ewige Wahrheit erfahren haben.

Man kann die Heiligkeit des Bibelwortes gewiß nicht beweisen,
indem man die chemische Beschaffenheit des Papiers und der
Druckerschwärze untersucht oder mit angeblich wissenschaftlichen
Methoden auslegt, aber man kann ihrem Zeugnis vertrauen und die
gleichen Erfahrungen machen wie all die vielen Frommen und
Heiligen vor uns. Die Heilige Schrift bezeugt uns, wie Gott in
Gericht und Gnade an uns handelt, wie Er uns Menschen heimsuchen
und strafen kann mit schrecklichem Gericht durch Kriege,
Katastrophen und mancherlei Unglück, aber sie bezeugt uns vor
allem die Barmherzigkeit und Gnade in Jesus Christus, die wir in
Wort und Sakrament erfahren. Nichts kann uns scheiden von der
Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist.

Die Bibel ist Gottes Wort! Gottes Heiliger Geist hat selbst
mitgewirkt, als die heiligen Schreiber all das niedergelegt haben, was
Gott ihnen als Seine Wahrheit offenbart hat. Heute sagen selbst
Theologen, die auf den Universitäten den angehenden Pastoren die
Bibel erklären, das Gegenteil. Mit angeblich wissenschaftlichen
Auslegungsmethoden meinen sie aufzeigen zu können, daß man die
Bibel nicht als Gottes Wort wörtlich nehmen solle. So kommt es
dazu, daß selbst grundlegende Glaubenswahrheiten selbst von
Kanzeln herab geleugnet werden. Mich wundert, daß nicht noch
mehr gläubige Christen dagegen aufstehen und bezeugen, wie sehr
sich die Wahrheit des Wortes auch in ihrem eigenen Leben als wahr
erwiesen hat.

Als während des Dritten Reiches Mathilde Ludendorf
mit einer antikirchlichen Bewegung auftrat. gab sie ein Heft heraus,
in dem sie zu beweisen suchte, daß die Bibel nicht Gottes Wort sei.
Das trug den Titel: „Das große Entsetzen – die Bibel nicht Gottes
Wort!“ Sie hatte zu Recht erkannt: Ein großes Entsetzen müßte alle
Christen erfüllen, wenn die Bibel nicht Gottes Wort wäre. Sie machte
sich allerdings lächerlich, denn wie wenig sie dies wissenschaftlich
beweisen konnte, machte sie selber deutlich, als sie die hebräischen
Ausschnitte aus dem Alten Testament, mit denen sie ihre Behauptung
zu untermauern suchte, standen auf dem Kopf.

Liebe Brüder und Schwestern! Dies alles ging mir auf Grund unseres
heutigen Bibelwortes durch den Kopf. Nach nunmehr 8 Jahrzehnten
meines Lebens möchte diese drei Dinge festhalten und Euch alle
dazu ermuntern:

1. Uns Christen ist die Heilige Schrift, das Wort Gottes
geschenkt. Dazu wollen wir uns bekennen und
danach leben.
2. Und wenn auch viele Menschen ohne Gottes Wort
leben, wollen wir die Mahnung des Apostels
beherzigen: Du aber bleibe bei dem, was du Bibel
gelernt hast.
3. Gottes Wort weist uns den Weg zur Seligkeit. Getrost
und nüchtern wollen wir darum mit Jesus unsern
Lebensweg gehen bis er uns aus dieser Welt zur
himmlischen Herrlichkeit abberuft
.

Amen.

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